DER SCHUSS AUS DEN KULISSEN - Dulcie Gray - E-Book

DER SCHUSS AUS DEN KULISSEN E-Book

Dulcie Gray

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  • Herausgeber: BookRix
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2020
Beschreibung

Ein weltberühmter Schauspieler wird in der Garderobe eines öden Probensaals erschossen aufgefunden. Man probt gerade ein Fernsehstück, und der Verdacht der Polizei richtet sich in erster Linie auf die Schauspielkollegen und -kolleginnen des Toten - vor allen Dingen auf die Kolleginnen, denn Robert Strang konnte keinem hübschen Gesicht widerstehen. Doch die Gefühle, die er erweckte, waren keineswegs immer nur Liebe. Der Regisseur des Stückes meint, das Ensemble besser zu kennen als Superintendent Cardiff und beschließt, den Fall auf eigene Faust zu untersuchen. Davon hätte er besser die Finger gelassen, denn nun gerät er in die größten Schwierigkeiten. Erst als Superintendent Cardiff die Vergangenheit des Ermordeten weit genug zurückverfolgt, findet er die für alle überraschende Lösung... Der Roman DER SCHUSS AUS DEN KULISSEN der britischen Schauspielerin und Schriftstellerin Dulcie Gray (* 20. November 1915 in Malaysia; † 15. November 2011 in Northwood, Middlesex, England) erschien erstmals im Jahr 1960; eine deutsche Erstveröffentlichung folgte 1963. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.

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Seitenzahl: 239

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DULCIE GRAY

 

 

Der Schuss

aus den Kulissen

 

Roman

 

 

 

 

Apex Crime, Band 105

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

 

DER SCHUSS IN DEN KULISSEN 

Erstes Kapitel 

Zweites Kapitel 

Drittes Kapitel 

Viertes Kapitel 

Fünftes Kapitel 

Sechstes Kapitel 

Siebtes Kapitel 

Achtes Kapitel 

Neuntes Kapitel 

Zehntes Kapitel 

Elftes Kapitel 

Zwölftes Kapitel 

Dreizehntes Kapitel 

Vierzehntes Kapitel 

Fünfzehntes Kapitel 

Sechzehntes Kapitel 

Siebzehntes Kapitel 

Achtzehntes Kapitel 

Neunzehntes Kapitel 

Zwanzigstes Kapitel 

Einundzwanzigstes Kapitel 

Zweiundzwanzigstes Kapitel 

Dreiundzwanzigstes Kapitel 

Vierundzwanzigstes Kapitel 

 

 

Das Buch

 

Ein weltberühmter Schauspieler wird in der Garderobe eines öden Probensaals erschossen aufgefunden. Man probt gerade ein Fernsehstück, und der Verdacht der Polizei richtet sich in erster Linie auf die Schauspielkollegen und -kolleginnen des Toten - vor allen Dingen auf die Kolleginnen, denn Robert Strang konnte keinem hübschen Gesicht widerstehen. Doch die Gefühle, die er erweckte, waren keineswegs immer nur Liebe. Der Regisseur des Stückes meint, das Ensemble besser zu kennen als Superintendent Cardiff und beschließt, den Fall auf eigene Faust zu untersuchen. Davon hätte er besser die Finger gelassen, denn nun gerät er in die größten Schwierigkeiten.

Erst als Superintendent Cardiff die Vergangenheit des Ermordeten weit genug zurückverfolgt, findet er die für alle überraschende Lösung...

 

Der Roman Der Schuss aus den Kulissen der britischen Schauspielerin und Schriftstellerin Dulcie Gray (* 20. November 1915 in Malaysia; † 15. November 2011 in Northwood, Middlesex, England) erschien erstmals im Jahr 1960; eine deutsche Erstveröffentlichung folgte 1963.

Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.

   DER SCHUSS IN DEN KULISSEN

 

 

 

 

 

 

 

  Erstes Kapitel

 

 

»Gut, John, mache ich. Tausend Dank!«, sagte Louise munter. Sie legte mit gerunzelter Stirn den Hörer auf und redete die Arme über den Kopf. Dann kuschelte sie sich wieder ins Bett zurück und sah nachdenklich gegen die Decke. Ein paar Minuten später läutete sie mit der kleinen silbernen Glocke auf ihrem Nachttisch.

Fast umgehend trat die Haushälterin herein. »Guten Morgen, Madam«, sagte sie aufgeräumt.

Louise lächelte ihr entgegen. »Guten Morgen, Mrs. Lennard. Heute Morgen nur Tee und Toast, bitte. Und wollen Sie mir Lucille heraufschicken?«

»Selbstverständlich, Madam«, sagte Mrs. Lennard heiter. Sie trat ans Fenster und zog die Vorhänge zurück. »Es ist ein herrlicher Tag, Madam. Und richtig warm, wenn man nicht im Wind steht.«

Die Sonne flutete plötzlich ins Zimmer, und Louise schaltete blinzelnd die Nachttischlampe neben sich ab.

»Wegen Mittag- und Abendessen sagen Sie mir noch Bescheid, Madam?«

»Mittags zu Hause, abends aus«, sagte Louise. »Steak und Salat zum Mittag, bitte. Sonst nichts, nur noch Kaffee.«

»Sehr gut, Madam.«

»Wie spät ist es?«, fragte Louise.

»Zehn Uhr, Madam«, erwiderte Mrs, Lennard.

Louise seufzte. »Gute Nachrichten, Mrs. Lennard. Ich habe eine Rolle beim BBC-Fernsehen. In einem neuen Stück.«

»Wie schön, Madam«, sagte Mrs. Lennard erfreut.

»Anscheinend eine sehr gute Rolle hei John Foster, einem erstklassigen Regisseur - und Robert Strang als Partner.«

»Mr. Strang?« Mrs. Lennard war ganz aufgeregt. »Oh, das freut mich, Madam. Wirklich, eine gute Nachricht. Mr. Strang ist so ein netter Gentleman, nicht? Sie werden sich freuen, wieder mit ihm zusammen zu sein.«

»Ja - komisch, nicht? Ich komme in einer Stunde herunter«, sagte Louise ohne ein Lächeln.

Mrs. Lennard nickte glücklich und verließ das Zimmer, während Louise ihre Arme unter dem Kopf verschränkte und wieder gegen die Decke starrte.

Sie hatte Robert Strang vor sieben Jahren kennengelernt. Sie entsann sich dessen noch ganz deutlich. Claud Verney, der Autor des Stückes, in dem sie spielen sollte, hatte sie zusammen mit dem Regisseur und anderen Hauptdarstellern in seine Wohnung zum Essen eingeladen. Der Regisseur war Tom Sanders, mit dem sie schon verschiedentlich zusammengearbeitet hatte, und die beiden anderen: Mary Mawley, eine temperamentvolle und amüsante Charakterdarstellerin, und Robert Strang. Sie hatte schon eine ganze Menge über Robert gehört (aber wer hatte das zu jener Zeit noch nicht?), doch war sie ihm bisher nicht nur nicht begegnet, sondern sie hatte ihn auch noch nicht spielen sehen. Vor ein paar Jahren hatte er einen Riesenerfolg in einem Stück im West End gehabt, war nach Hollywood gegangen, wo er einige Filme gedreht und eine vielbesprochene Romanze mit Estelle Manners, dem Filmstar, gehabt hatte, die ihn um die halbe Welt, aber anscheinend nicht an den Traualtar geführt hatte. Nun war er zurück in England, wo ihn Claud Verney für sein Stück verpflichtet hatte. Louise hatte ihn als »toll«, als »eine Wucht« und als »umwerfend« bezeichnen hören, doch fühlte sie sich bei ihrer ersten Bekanntschaft, fast zu ihrer eigenen Überraschung, seinem Charme gegenüber völlig unempfindlich.

Sie mochte Claud Verney, und Tom Sanders war immer gut gelaunt, so dass der Lunch ein großer Erfolg wurde. Mary Mawley hatte liebenswert und in bester Stimmung den Ton angegeben, und Claud und Tom hatten sie während des ganzen Essens zum Lachen gebracht.

Robert schien wenig zu lachen. Er war ein großer und düsterer junger Mann. Er hatte ein bleiches, beinahe ungesund wirkendes Gesicht, dunkles, üppiges Haar, das ziemlich tief in seine Stirn hereinwuchs, sehr schöne, ruhige graue Augen und einen wohlgeformten, aber schmalen Mund. Er war über ein Meter achtzig groß, und wenn auch breitschultrig und kräftig gebaut, so wirkte er trotzdem beinahe dünn.

Er sprach sehr wenig und richtete kein einziges Wort an Louise.

Bald nach dem Essen warf Claud sie alle hinaus. »Tut mir leid, Kinder«, sagte er bestimmt, »aber ich muss arbeiten. Bis morgen auf der Probe.« Er küsste Mary und Louise warmherzig. »Ich freue mich schrecklich darauf«, sagte er.

Mary, Louise, Tom und Robert marschierten die Treppe hinunter auf die Straße hinaus.

Es war ein schöner Tag im frühen Juni und die Luft sogar in London - frisch und erregend. Robert wies vage auf seinen schwarzen Jaguar. »Kann ich jemanden mitnehmen?«, fragte er gleichgültig.

»Mary und ich müssen nach Kensington«, sagte Tom. »Also fährt sie mit mir in meiner alten Karre. Er steht um die Ecke. Was ist mit dir, Lulu?«

»Danke, mich braucht niemand mitzunehmen«, sagte Louise. »Es ist so ein schöner Tag, ich glaube, ich gehe ein bisschen im Regents Park spazieren.«

»Steigen Sie ein«, sagte Robert barsch. »Ich bringe Sie.«

»Nein, danke«, sagte Louise leicht erstaunt. »Ich möchte lieber gehen.«

»Steigen Sie ein«, wiederholte Robert ausdruckslos, und sie folgte ihm mit einem ganz kleinen Erschrecken. »In welchen Teil vom Park wollen Sie?«, fragte er, als sie die Marylebone Road erreicht hatten.

»In irgendeinen«, sagte sie.

»Okay«, antwortete er. Er fuhr, wieder ohne zu sprechen, weiter, und als sie ausstieg, wanderte er neben ihr her durch den Park. Er sprach sehr wenig. Sie stellte ein paar höfliche Tragen, wo er wohne und so weiter, doch antwortete er nur einsilbig, und so fiel sie selbst schließlich auch in Schweigen. Nach einer Weile fragte sie beinahe entschuldigend: »Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich mich ins Gras setzte?«

Er sah sie mit leichtem Spott an. »Nein«, sagte er. »Warum sollte ich?«

Er setzte sich neben sie, während sie sich niederlegte, die Augen schloss und sich in der Sonne wärmte. Er blieb aufrecht sitzen, geduldig wartend, bis sie bereit war, weiterzugehen.

»Wohin jetzt?«, fragte er, als sie wieder den Wagen erreicht hatten.

»Zum nächsten Taxi, bitte«, sagte sie bestimmt.

»Nach Hause?«, fragte er.

»Ja«, sagte sie.

»Wo wohnen Sie?«

»Gleich beim Eaton Square«, erwiderte sie.

»Das passt schon besser«, sagte er, anscheinend amüsiert.

»Was meinen Sie damit?«, fragte Louise in verteidigendem Ton.

Er lächelte sie kurz an. »Nur, dass dies die richtige Umgebung für Sie ist«, sagte er besänftigend.

Louise, leicht ärgerlich, antwortete ihm nicht, und er grinste. »Mädchen, die am Eaton Square wohnen, sollten sich nicht in Parkanlagen legen und sonnenbaden«, sagte er.

»Warum nicht?«, fragte Louise.

»Sei dir selbst treu. Dann kannst du falsch zu niemand anderem sein.«

»Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen«, sagte Louise kurz. »Aber wenn Sie schon Shakespeare zitieren, dann tun Sie es wenigstens richtig.«

Robert Strang grinste aufs Neue, und Louise fand ihn ganz entschieden unsympathisch.

Sie verliebte sich in ihn, während sie auf Tournee waren. Ob es allmählich oder plötzlich dazu kam, wusste sie nicht, doch die Erkenntnis brach völlig unvermittelt über sie herein.

Robert hatte sie konsequent gemieden, und wenn sie auch Partner in dem Stück waren, so wusste sie kaum mehr über ihn als beim ersten Zusammentreffen. Bei der Truppe war er beliebt, er arbeitete hart und gut. Tom Sanders schätzte ihn hoch, desgleichen Mary Mawley, wenn Mary auch nicht ganz richtig fand, wie er mit der sehr hübschen Regieassistentin flirtete. Die Aufführung wurde in der Provinz zu einem großen Erfolg, die Aufnahme des Stücks wie der Schauspieler war ausgezeichnet, so dass kaum Sonderproben veranstaltet werden mussten, und so verbrachte Louise viel Zeit für sich allein. Mary hauste gerne auf »Buden«, während Louise Hotels vorzog. Sie hatte keine Ahnung, wo Robert wohnte, und fragte auch nicht danach. In Liverpool allerdings entdeckten sie, dass sie beide im Hotel Adelphi abgestiegen waren, und wenn er auch kaum zum Mittagessen da war, so saßen sie doch selbstverständlich beim Essen nach der Vorstellung zusammen. Er bemühte sich nicht, sie zu unterhalten, doch hatte er gute Manieren, und Louise war es zufrieden, so wie es lief.

Eines Abends wurde er ans Telefon gerufen. Als er an den Tisch zurückkehrte, entschuldigte er sich: »Das war meine Frau. Eines meiner Mädchen hat Fieber.«

Louise war erstaunt. »Ihre Frau?«, wiederholte sie. »Ich hatte keine Ahnung, dass Sie verheiratet sind.«

»Ja.«

»Sie sprechen nie von ihr.«

»Warum sollte ich?«, fragte Robert. »Ich spreche ja auch nicht von meiner Mutter.«

Louise war verwirrt, doch sagte sie lediglich: »Was fehlt Ihrem Kind?«

»Penny?« Robert grinste sie an. »Mumps. Das arme Kind, ich glaube, es tut ziemlich weh.«

»Wie alt ist sie?«

»Vierzehn«, sagte Robert. »Das andere Mädchen ist zwölf und der Junge zehn. Möchten Sie noch mehr wissen?«

»Aber wie merkwürdig!«, rief Louise aus. »Ich hatte keine Ahnung. - Außerdem...«, sie unterbrach sich jedoch plötzlich.

»Außerdem?« fiel Robert ein.

»Sie sehen nicht alt genug aus.« Louise spürte, wie sie rot wurde, da sie hatte sagen wollen: »Was war dann mit Estelle Manners?«

Robert zwinkerte ihr mit den Augen zu. »Ich halte mich eben gut«, sagte er belustigt.

Nach dem Essen fragte er: »Müde?«

»Nein«, sagte Louise. »Warum?«

»Haben Sie Lust spazieren zu fahren? Nach einer Nachmittags- und Abendvorstellung komme ich mir immer vor, als wäre ich eingesperrt, und die Nacht ist herrlich.«

»Mit Freuden«, sagte Louise. »Ich hole nur meinen Mantel.«

»Beeilen Sie sich nicht«, sagte Robert. »Ich muss erst den Wagen aus der Garage fahren.«

Es war, wie Robert gesagt hatte, eine herrliche Nacht. Er sprach wenig, wie üblich, doch schien er liebenswürdiger als sonst, und Louise empfand dieses Mal ein merkwürdiges Gefühl von Frieden in seiner Gegenwart. Nach einer Weile hielt er den Wagen an. »Zigarette?«, fragte er sie.

Sie nahmen beide eine Zigarette, und während sie die ihrige anzündete, sagte er: »Sie sind sehr hübsch. Wie alt sind Sie?«

Louise stammelte verwirrt: »Dreiundzwanzig.«

»Ziemlich erwachsen, wie?«, sagte Robert grinsend.

»Einigermaßen«, erwiderte Louise und sah, dass er - wie so oft - auf seine aufreizende, leicht ironische Weise lächelte.

Als sie die Zigarette zu Ende geraucht hatte, drückte sie sie aus und warf sie aus dem Fenster; er tat das gleiche, dann zog er sie an sich und küsste sie. Sie widersetzte sich automatisch.

»Mögen Sie das nicht?«, fragte er leise und, wie es ihr vorkam, erstaunt.

»Sie sind verheiratet«, antwortete sie entrüstet.

Er lachte laut auf. »Was für einen Unterschied macht das?«, fragte er.

Louise wusste nicht recht, was sie antworten sollte, und er fragte ernster: »Wäre Ihr Freund nicht damit einverstanden?«

»Ich habe keinen Freund«, sagte Louise. »Jedenfalls keinen speziellen.«

Wieder zog er sie an sich. »Dann ist ja alles in Ordnung«, sagte er leicht. Und dieses Mal widersetzte sie sich ihm nicht.

Die Tournee dauerte noch weitere sechs Wochen, aber er fuhr nicht wieder allein mit ihr aus und benahm sich ihr gegenüber genauso wie vorher. Zu ihrem Ärger flirtete er immer noch mit der kleinen Regieassistentin. Jetzt wusste sie, dass sie in ihn verliebt war. Sie fühlte sich schrecklich unglücklich, doch konnte sie nichts dagegen tun. Einmal versuchte sie, ihn nach Estelle auszufragen, doch er blickte gelangweilt und ein bisschen ärgerlich drein, so dass sie es nicht wagte, das Thema weiterzuverfolgen. Sie war enttäuscht und verwirrt, besonders, da sie nicht herausbekommen konnte, ob er mit seiner Frau zusammen oder getrennt von ihr lebte; ebenso wenig schien es jemand in der Truppe zu wissen. Schließlich gelang es ihr, seinem Privatleben gegenüber eine gleichgültige Haltung einzunehmen und sich der Zeit, die sie mit ihm zusammen auf der Bühne stand, zu erfreuen.

Die Londoner Premiere des Stückes war Ende September. Die Kritik nahm es günstig auf, und es lief etwas über ein Jahr. Während der ersten drei Monate sah sie Robert kaum, außer auf der Bühne. Allmählich entwickelte er allerdings die Gewohnheit, nach der Vorstellung sie in ihrer Garderobe zu besuchen, und bevor sie nach Hause gingen, tranken sie gemeinsam etwas. Eines Abends bot er ihr an, sie nach Hause zu fahren.

»Aber du wohnst in Hampstead«, widersprach sie. »Das ist genau entgegengesetzt.«

»Meine Frau ist verreist«, antwortete er. »Also bin ich alleine und es spielt keine Rolle, wann ich heimkomme.«

Als sie an ihre Haustüre kamen, sagte sie: »Das war schrecklich nett von dir. Ich wollte, ich könnte dich hereinbitten, aber ich habe nichts im Haus. Ich habe keinen Besuch erwartet.«

»Und du hast nichts im Haus, außer wenn du Besuch erwartest?« Er hob eine Augenbraue.

»Heute habe ich ausgerechnet nichts«, sagte Louise wenig überzeugend. Sie wollte nicht geküsst und danach völlig übersehen werden, und sie wusste, dass sie zu schwach war, ihm zu widerstehen.

Robert schien unbeeindruckt und sagte: »Wer führt den Haushalt?«

Louise antwortete etwas kurz: »Mrs. Lennard, die Haushälterin.«

»Meine Frau führt ihn allein«, sagte Robert.

Louise errötete, sagte aber nur: »Danke für die Fahrt«, und rannte die Stufen hinauf ins Haus.

Am folgenden Abend schien er in bester Stimmung und machte ihr zum ersten Mal auf dem Weg zu seiner eigenen Garderobe vor der Vorstellung einen Besuch.

»Hallo!«, sagte er. »Was macht der Haushalt?«

Louise lächelte heiter. »Warum? Willst du dich zu einem Essen einladen?«

»Nein«, sagte Robert. »Aber hast du Lust, nach der Vorstellung mit mir ins Caprice zu kommen? Allein zu Hause fühle ich mich einsam.

»Mit Freuden«, sagte Louise herzlich. »Aber bist du wirklich allein? Wo sind die Kinder?«

»Im Internat«, sagte Robert. »Aber das war auch nicht ganz das, was ich meinte.«

Es wurde ein sehr vergnügter Abend, und Robert schien sich zur Abwechslung entschlossen zu haben, so unterhaltend und heiter wie nur möglich zu sein. Louise war über das Ausmaß seines Wissens auf den verschiedensten Gebieten und seinen Humor erstaunt. Immer noch in bester Laune, fuhr er sie nach Haus, und als sie an ihre Tür kamen, machte er keinen Versuch, mit hereinzukommen, sondern küsste sie leicht auf die Stirn. »Dank’ dir, Darling«, sagte er. »Es war ein reizender Abend.«

Daraufhin aßen sie verschiedentlich zusammen zu Abend, und dann kam seine Frau zurück, und die Einladungen hörten so abrupt auf, wie sie begonnen hatten. Einerseits war Louise froh. Sie wusste, dass eine derartige Beziehung keine Zukunft besaß, und sie wollte nicht leiden oder Roberts Frau leiden lassen. Sie dachte viel darüber nach, was für eine Art von Frau sie wohl sein mochte, ob Robert sie schätzte, ob er sie geliebt hatte, und ob sie etwas von seinem Verhalten anderen Frauen gegenüber wusste (von Estelle nichts zu wissen, wäre kaum möglich gewesen). Sie wusste, es war sinnlos, ihn zu fragen, und so kam sie schließlich zu dem Schluss, die beiden seien unglücklich verheiratet und blieben um der Kinder willen zusammen. Dies schien die einzige Theorie, die zu seinem Verhalten passte.

Es dauerte zwei Monate, bis er sie wieder einlud.

»Ist deine Frau fort?«, fragte Louise.

«Ja«, sagte Robert einfach. »Ihre Schwester ist krank, darum muss Ann nach den Kindern sehen. Sie sind noch sehr klein.«

Als er sie diesmal nach dem Essen heimfuhr, sagte er: »Hast du was dagegen, wenn ich mitkomme? Ich möchte mal sehen, wie die Reichen leben.«

Sie führte ihn durch das kleine Haus. Sie war sehr stolz darauf, und Mrs. Lennard hielt es immer blankgeputzt. Robert zeigte sich beeindruckt. »Sehr hübsch«, sagte er. »Da sieht man, was ein dicker Filmvertrag wert ist.«

Louise war gekränkt. »Ein Filmvertrag hat damit gar nichts zu tun. Viele Filmstars haben schauderhafte Häuser.«

Robert lachte. »Rege dich nicht auf. Ich liebe ebenfalls schöne Möbel.«

Louise brachte ihm etwas zu trinken, und er setzte sich neben sie auf das Sofa. Er schien abwesend und mit etwas beschäftigt. Schließlich stellte er sein Glas auf den Tisch. »Hast du mich gerne, Lulu?«, fragte er ernst.

»Das weißt du doch«, antwortete sie.

»Gut«, sagte er und küsste sie.

Louise wandte sich ab. »Nein«, sagte sie. »Bitte nicht.«

»Lass uns nach oben gehen«, sagte Robert. Er schien ihren Protest überhaupt nicht gehört zu haben.

»Noch oben?«, fragte Louise einfältig.

»Du lieber Himmel!«, sagte Robert ungeduldig. »Als ob du nicht wüsstest, was ich meine.«

»Aber du bist verheiratet!«, sagte Louise, wie beim ersten Mal als er sie küsste.

»Na, und?«

»Also können wir doch kein Verhältnis miteinander anfangen.«

»Wer sagt das?«

»Es wäre nicht richtig.«

»Wer hat etwas von einem Verhältnis gesprochen?«, fragte Robert, und Louise merkte, dass er sich ärgerte.

»Ich dachte, du«, sagte Louise.

»Ich habe dich gefragt, ob du mit mir ins Bett gehst? Das ist nicht das gleiche.«

Louise errötete. »Tut mir leid. Ich habe dich missverstanden.«

»Ja«, sagte Robert. »Ich fürchte, das hast du getan.«

»Auf jeden Fall lautet die Antwort: Nein.«

»Du gehst mit dem Mann einer anderen Frau aus. Du erlaubst ihm Zärtlichkeiten, aber schlafen willst du nicht mit ihm. Sieht so dein Moralkodex aus?«

»Er scheint mir moralischer zu sein als deiner«, gab sie zurück.

»Meinst du?«, fragte Robert. »Ich bin da nicht so sicher. Außerdem - Ann würde es vollkommen verstehen, wenn ich mit dir schlafe.«

»Sie scheint in jeder Beziehung eine bemerkenswert verständnisvolle Frau zu sein«, sagte Louise.

»Das ist sie«, sagte Robert. Er küsste sie heftig und sagte dann: »Komm, es ist bequemer im Bett.«

Sie gingen zusammen nach oben, und wenn sie auch wusste, wie falsch sie sich benahm, so war sie doch niemals glücklicher. Hinterher versuchte sie, mit ihm zu reden, aber er unterbrach sie: »Reden ist immer ein Fehler. Entspanne dich und sei glücklich.« So gab sie die Bemühung auf.

Die wenigen folgenden Wochen waren wie eine Verzauberung. Sie sah ihn jeden Abend nach der Vorstellung und er war immer zärtlich und reizend. Dann kam seine Frau zurück, und wieder hörte er unvermittelt auf, sie zu sehen.

Louise konnte sein Benehmen nicht begreifen und rief ihn schließlich verzweifelt zu Hause an. Seine Frau kam an das Telefon. Sie hatte eine angenehme, warme und freundliche Stimme.

»Kann ich bitte Mr. Strang sprechen?«, fragte Louise.

»Wer ist dort?«

»Louise Ferrar«, sagte Louise. Ihr Herz schlug schnell, und sie bedauerte den Impuls, ihn angerufen zu haben.

»Natürlich«, sagte Mrs. Strang. »Ich rufe ihn. Aber darf ich zuerst sagen, wie gut Sie mir in dem Stück gefallen? Ich habe es dreimal gesehen, und Sie sind großartig.« Sie sprach ganz aufrichtig, und Louise war gerührt.

»Danke«, sagte sie. »Das ist lieb von Ihnen. Wie geht es Ihrer Schwester?«

»Viel besser«, sagte Mrs. Strang. »Ich freue mich so, wieder zu Hause zu sein. Ich vermisse Robert schrecklich, wenn wir getrennt sind.«

Es kam Louise vor, als habe sie einen Stoß in die Magengrube erhalten, doch sie sagte nur: »Ja, das kann ich mir denken.«

Robert kam ans Telefon. Er war ärgerlich. »Hallo?«

»Hallo, Robert, hier Lulu.« Louise wurde es schwer zu sprechen. »Wie geht es dir?«

»Gut«, sagte Robert kurz.

»Schön. Ich hoffe, es stört dich nicht, dass ich angerufen habe.«

»Was gibt’s?«, fragte Robert.

»Ich muss einfach mit dir über Verschiedenes reden.«

»Kannst du nicht im Theater mit mir reden?«

»Nein - es ist ernst und privat. Außerdem haben wir im Theater nie Zeit.«

»Ich komme etwas früher, wenn du willst«, sagte Robert.

»Das passt mir heute nicht«, sagte Louise. »Aber ich muss wirklich mit dir sprechen.«

Es entstand eine Pause, dann sagte Robert mit vorsichtiger Stimme: »Ich verstehe. Was schlägst du vor?«

»Kannst du heute Abend nach der Vorstellung?«

»Nein.«

»Irgendwann morgen?«

Robert zögerte. »Ich glaube schon.«

»Kannst du zum Mittagessen kommen?«

»Wohin?«, fragte Robert.

»Zu mir nach Hause«, sagte Louise.

Dieses Mal war die Pause sehr lang, dann sagte Robert kurz. »Okay! Ein Uhr«, und hing ein.

Keineswegs beruhigt, legte Louise den Hörer auf.

 

Das Mittagessen am nächsten Tag war das trostloseste Mahl, das Louise je durchgestanden hatte. Robert leistete ihr so wenig Hilfe wie nur möglich. Er saß ohne das geringste Lächeln da, verweigerte jede Nahrung und wirkte gelangweilt und grollend. Mrs. Lennard, wenn auch besorgt, weil er nichts aß, war von ihm entzückt. Sie scharwenzelte um ihn herum, schmeichelte ihm und zerrann die die ganze Zeit über in Lächeln. Louise, am Ende ihrer Nervenkraft, bemühte sich, ihn aufzulockern, aber er dachte nicht daran, sich zu entspannen: Der Kaffee kam, und Louise sagte zu Mrs. Lennard: »Bemühen Sie sich nicht mehr wegen des Tabletts. Ich bringe es nachher hinunter.«

»Gut, Madam«, sagte Mrs. Lennard.

Und jetzt waren Louise und Robert allein.

Louise hatte keine Ahnung, wie sie mit dem, was sie sagen wollte, beginnen sollte. Daher holte sie tief Atem und sagte: »Robert, ich muss etwas wissen. Liebst du mich?«

»Ob ich dich liebe?«, fragte Robert. »Nein.«

»Warum hast du dann mit mir geschlafen?«

»Weil ich dich körperlich anziehend finde.«

»Magst du mich leiden?«

»Wir sind sehr verschieden. Ich würde dich nicht heiraten, ich meine, selbst wenn ich frei wäre, weil wir nicht zueinander passen, aber ich bin gerne mit dir zusammen.«

Louise wurde es schwach bei diesem Schlag. Im Grunde hatte sie gewusst, dass er sie nicht liebte, aber sie hatte dem nicht ins Auge sehen wollen, und seine ruhige Feststellung der Tatsache ließ sie erkennen, wie wenig er sich aus ihr machte und wie grausam er sein konnte. »Ich begreife«, sagte sie tonlos.

Robert warf ihr einen raschen Blick zu. »Ich wollte dich nicht belügen«, sagte er.

»Wahrhaftig nicht«, sagte Louise.

 

An diesem Abend legte sie einen Brief in seine Garderobe, welcher lautete:

 

Lieber Robert!

Ich danke Dir, dass Du mir heule Mittag so klar gesagt hast, was Du fühlst. Ich werde mich bemühen, Dich, außer auf der Bühne, so -wenig wie möglich wiederzusehen. Ich wusste nicht, dass Du mich nicht liebst, sonst hätte ich Dir nicht erlaubt, mich zu berühren.

Deine Louise.

 

Robert las dies offenbar vor der Vorstellung, denn während der ganzen Aufführung war er missgelaunt. Allerdings machte er keine Bemerkung - weder jetzt noch jemals später.

Kurz darauf fand die letzte Vorstellung des Stückes statt, und acht Monate lang hörte Louise nichts von Robert. Sie wurde krank vor Gram und litt schwer an Schlaflosigkeit. Gleichzeitig schien sie das Glück am Theater zu verlassen. Die Filmgesellschaft, bei der sie engagiert gewesen war, annullierte ihren Vertrag, und allmählich sah sie so krank aus, wie sie sich fühlte. Sie hatte sich von Robert in der Hoffnung getrennt, ihn bald zu vergessen, doch nichts dergleichen geschah. Sie sehnte sich jede Minute des Tages nach ihm.

Schließlich verließen sie ihre Nerven, und sie rief ihn in seinem Theater an. Er schien sich zu freuen, von ihr zu hören, schlug vor, dass sie sich zum Essen treffen sollten, worauf ihre Beziehungen wie bisher weitergingen. Das Verhältnis blieb für sie jedoch unbefriedigend. Robert traf sie bei den seltenen Gelegenheiten, wenn seine Frau fort war, und während ihres Zusammenseins weigerte er sich hartnäckig, das Wort Liebe auszusprechen. So ging es drei Jahre lang weiter. Zweimal verließ Louise ihn, kehrte aber stets wieder zurück, und die Situation blieb unverändert. Louise versuchte, so viel Glück wie möglich dabei zu empfinden, doch im Grunde war sie fast immer unglücklich, und außerdem beunruhigte sie, dass sie auch noch seine Frau hinterging. Louise wurde sich inzwischen darüber klar, dass ihr Gefühl Robert gegenüber Hörigkeit war - und dazu noch eine ungesunde und sie versuchte, sich mit aller Kraft zu befreien - doch umsonst.

Und dann, eines schönen Sommertages, genau fünf Jahre nachdem sie sich kennengelernt hatten, kam ganz plötzlich das Ende.

Robert hatte in Italien einen Film gedreht. Bei seiner Rückkehr rief er sie an: »Was hast du morgen vor, mein Schatz?«

»Morgen? Um welche Zeit?«

»Den ganzen Tag.«

In Wirklichkeit hatte sie verschiedene Verabredungen, doch sagte sie ruhig: »Nichts. Warum?«

»Wie wär’s wenn wir zusammen aufs Land führen?«

»Oh, Robert«, sagte sie glücklich, »furchtbar gern.«

»Ziehe alte Sachen an, wir wollen wandern.«

Der Tag war idyllisch. Die Sonne strahlte, doch ein sanfter Wind ließ es nicht zu heiß werden. Sie fuhren in Richtung Eastbourne, und da es ein Werktag war, war wenig Verkehr auf den Straßen. In der Nähe von Alfriston hielt er den Wagen an. »Komm, wir wollen essen«, sagte er. »Die Sachen sind im Kofferraum. Hilf mir dabei.«

Sie breiteten eine Decke im Gras aus und packten den Esskorb aus. Es gab Champagner, kaltes Huhn, Salat und Käse.

»Du liebe Zeit!«, rief Louise aus. »Was feiern wir denn?«

Er gab ihr einen Kuss auf die Nasenspitze. »Dass ich dich wiedersehe«, sagte er. »Ich habe dich vermisst.«

»Wirklich?«, fragte sie eifrig.

Robert lächelte sie an. »Komm, iss, Mädchen«, sagte er.

Nach dem Essen machten sie einen langen Spaziergang und legten sich dann nebeneinander ins Gras, die Hände verschlungen. »Himmlisch, nicht?«, sagte Louise.

Robert grunzte.

»Wir haben zusammen im Gras gelegen, als wir uns das erstemal trafen, entsinnst du dich?«, fragte Louise.

»Du lagst«, sagte Robert. »Ich nicht.«

Louise küsste seine Hand. »Was hast du an diesem ersten Tag über mich gedacht, Robert? Das hast du mir nie erzählt.«

»Dass du sehr hübsch und sehr verwöhnt bist.«

Louise lachte kläglich. »Aber du hast mich zum mindesten nie verwöhnt.«

»Das war ein Glück«, sagte Robert.

Louise stützte sich auf einen Ellenbogen und sah liebevoll auf ihn herab. »Oh, Robert«, seufzte sie, »Wenn ich doch jemals wüsste, woran ich bei dir bin?«

»Du würdest mich nach einer Woche leid sein.«

»Bestimmt nicht. Ich wäre unendlich glücklich.«

»Pst!«, sagte Robert. »Bleib liegen und rede nicht so viel, oder ich werde zärtlich.«

»Ja, bitte«, sagte Louise.

Robert lachte. »Du bist eine verworfene Person. Angenommen, jemand sieht und erkennt uns? Eine schöne Sache. Jedes Skandalblatt in England brächte uns auf der ersten Seite.«

»Meilenweit im Umkreis ist hier kein Mensch.«

»Das kann man nie wissen«, sagte Robert. Er sah sie an und lächelte liebevoll. »Du bist ein nettes Mädchen.«

»Bin ich das?«, fragte Louise eifrig. »Meinst du das wirklich, Robert?«

Er antwortete nicht.

»Robert, selbst wenn du mich nicht liebst, so magst du mich doch gerne, nicht?«

»Pst!«, sagte Robert.

»Bitte«, sagte Louise. »Bitte, sag, dass du mich gern hast.«

Robert schwieg einen Moment lang, dann sagte er: »Ich habe dich gern.«

»Ach, jetzt bin ich froh.«

Robert setzte sich ruckartig auf. »Warum musst du alles mit deinem dummen Jammern: Liebst du mich, Robert? Hast du mich gern, Robert? zerstören?« Er ahmte grausam ihre Stimme nach. »Jedes Mal, wenn wir glücklich und zufrieden sind, machst du alles durch deine blödsinnigen Fragen kaputt. Rege dich doch nicht auf! Freue dich! Nimm das Leben, wie es kommt.«

»Ich wollte, ich könnte es«, sagte Louise.

»Dann versuche es, um Himmels willen.«

»Ich versuche es ja. Ich versuche es die ganze Zeit. Aber es geht nicht.«

Robert sagte ungeduldig: »Wenn du außerhalb der Konventionen leben und Affären mit verheirateten Männern haben willst, musst du erwachsen werden, verstanden?«

»Solche Reden beeindrucken mich nicht im Geringsten. Ich will nicht außerhalb der Konventionen leben und Verhältnisse mit verheirateten Männern haben. Ich liebe dich ganz einfach. Ich liebe dich mit meinem ganzen Herzen, und wenn du mich liebtest, wäre es wunderbar. Da du es nicht tust, bin ich unglücklich.«

»Du lieber Himmel!«, sagte Robert.

Er drehte ihr den Rücken zu und krümmte die Schultern, »Eines Tages wirst du es dir überlegen müssen«, sagte er.

»Was?«

»Ob du mich wirklich willst oder nicht.«

»Ich will dich«, sagte Louise. »Ich will dich irrsinnig. Aber ich hasse die Situation.«

Robert schwieg, und Louise fuhr angstvoll fort: »Wenn du mich nur irgendwie beruhigen würdest.«

»Du meinst, indem ich dich liebe?«

Louise nickte jämmerlich.

»Bitte, das kann ich nicht«, sagte Robert. »Und damit Schluss.«

»Wie grausam.«

»Was ist mit meiner Frau? Was glaubst du, was sie fühlen würde, wenn ich zu ihr ginge und sagte ich liebte dich?«

Louise sah ihn erschreckt an. Ihr wurde schwindelig und elend zumute. »Ich verstelle dich nicht. Und wahrscheinlich werde ich es auch niemals tun.«

»Ich habe dir gesagt, wir passen nicht zusammen.«