Der Spiegel der einfachen Seelen - Marguerite Porete - E-Book

Der Spiegel der einfachen Seelen E-Book

Marguerite Porete

4,9

Beschreibung

"Ein spiritueller und zeitkritischer Bestseller". Irmgard Kampmann Am 1. Juni 1310 wird Marguerite Porete mitten in Paris bei lebendigen Leib verbrannt - zusammen mit ihrem Buch, das die heilige Inquisition in Aufruhr versetzt hatte. Der grausame Feuertod der nordfranzösischen Begine konnte allerdings nicht verhindern, dass "Der Spiegel der einfachen Seelen" über Jahrhunderte hinweg ein Bestseller wurde. In mehreren Sprachen fand er anonym in ganz Europa Verbreitung und übte einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf das religiöse Denken weit über ihre Zeit hinaus aus. Meister Eckhart etwa ist erkennbar von diesem Buch inspiriert. Was war so gefährlich an der Schrift dieser frommen Begine? Den religiösen Zwängen ihrer Zeit setzt Marguerite Porete eine schier unerhörte Mystik der Freiheit entgegen! Der von Gottes Liebe ganz durchdrungene Mensch braucht sich weder um Tugenden noch um Bußübungen, Messen, Predigten usw. zu kümmern! Der Atem der Freiheit durchdringt dieses Buch, und so manche kühne These der Reformation nimmt Marguerite Porte wörtlich vorweg. Erst im 20. Jahrhundert gelang der Forschung der Nachweis, dass Marguerite Porete die Autorin des "Spiegels der einfachen Seelen" ist. Eines der bedeutendsten Werke der Frauenmystik des Mittelalters liegt nun in einer neuen deutschen Übersetzung vor. Für alle an der Geschichte des Mittelalters, an der abendländischen Mystik, an der Befreiungsgeschichte der Frau Interessierte ist dieses einzigartige Werk nun neu erschlossen. Neu übersetzt aus dem Altfranzösischen von Bruno Kern.

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Über den Autor

Über den Autor

Dr. Bruno Kern, geboren 1958, studierte Theologie und Philosophie in Wien, Fribourg und München; er lebt zurzeit in Mainz und arbeitet als selbstständiger Lektor und Übersetzer. Für den marixverlag übersetzte er die Lieder der Hildegard von Bingen und verfasste einen Band über „Die bedeutendsten Grabreden“.

Zum Buch

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Am 1. Juni 1310 wird Marguerite Porete mitten in Paris bei lebendigem Leib verbrannt – zusammen mit ihrem Buch, das die heilige Inquisition in Aufruhr versetzt hatte. Was war so gefährlich an der Schrift dieser frommen Begine? Den religiösen Zwängen ihrer Zeit setzt Marguerite Porete eine schier unerhörte Mystik der Freiheit entgegen! Der von Gottes Liebe ganz durchdrungene Mensch braucht sich weder um Tugenden noch um Bußübungen, Messen, Predigten usw. zu kümmern! Der Atem der Freiheit durchdringt dieses Buch, und so manche kühne These der Reformation nimmt Marguerite Porete wörtlich vorweg.

Der grausame Feuertod der nordfranzösischen Begine konnte nicht verhindern, dass „Der Spiegel der einfachen Seelen“ über Jahrhunderte hinweg ein Bestseller wurde. In mehreren Sprachen fand er anonym in ganz Europa Verbreitung und übte einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf das religiöse Denken weit über ihre Zeit hinaus aus. Meister Eckhart etwa ist erkennbar von diesem Buch inspiriert. Erst im 20. Jahrhundert gelang der Forschung der Nachweis, dass Marguerite Porete die Autorin dieses Buches ist. Eines der bedeutendsten Werke der Frauenmystik des Mittelalters liegt nun in einer neuen deutschen Übersetzung vor. Für alle an der Geschichte des Mittelalters, an der abendländischen Mystik, an der Befreiungsgeschichte der Frau Interessierten ist dieses einzigartige Werk nun neu erschlossen.

Haupttitel

Marguerite Porete

Der Spiegel der einfachen Seelen

Mystik der Freiheit

Aus dem Altfranzösischen neu übersetzt von Bruno Kern
Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

dnb.d-nb.de

abrufbar.

  Alle Rechte vorbehalten  

Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2012 Covergestaltung: Nicole Ehlers, marixverlag GmbH Bildnachweis: mauritius images GmbH, Mittenwald Lektorat: Dietmar Urmes, Bottrop eBook-Bearbeitung: Medienservice Feiß, Burgwitz Gesetzt in der Palatino Ind Uni –

untersteht der GPL v2

  ISBN: 978-3-8438-0193-5  

www.marixverlag.de

Marguerite Porete Mystik der Freiheit

Am 1. Juni 1310 wurde Marguerite Porete in Paris auf dem Place de Grève (heute Place de l’ Hôtel de Ville) bei lebendigem Leib verbrannt. Man zwang sie, den Scheiterhaufen mit dem Buch in der Hand zu besteigen, das ihr die Verurteilung als rückfällige Häretikerin eingebracht hatte. Angesichts des unmittelbar bevorstehenden grausamen Feuertods soll Marguerite Porete zu erkennen gegeben haben, dass sie zu Widerruf und Reue bereit sei. Während ihres Prozesses und ihrer Gefängnishaft hatte sie eine beeindruckende Haltung an den Tag gelegt: Sie verweigerte nicht nur jede Aussage und den geforderten Widerruf, sondern auch den Treueid, der einer förmlichen Anerkennung des Tribunals gleichgekommen wäre. Auch die ihr angebotene Absolution für Sünden, deren sie sich nicht schuldig fühlte, lehnte sie entschlossen ab. Die innere Freiheit und Souveränität, die sie in ihrem Buch theologisch begründet, bewahrt sie selbst noch angesichts des drohenden Feuertods.

Wer war diese bemerkenswerte Frau? Die Quellen, aus denen wir heute die recht spärlichen Informationen zur Biografie und Person Marguerites schöpfen, sind nur wenige: An erster Stelle ist ihr eigenes Buch zu nennen, dann die Prozessakten und schließlich im Kontrast zu diesen die rühmenden Beurteilungen dreier Zeitgenossen: eines Franziskaners, eines Zisterziensers und des berühmten Theologen Godefroi (Gottfried) de Fontaine, der von 1285 bis 1286 auch Kanzler der Universität in Paris war. Höchstwahrscheinlich stammt sie aus der nordostfranzösischen Stadt Valenciennes. Da in den Prozessakten jeder Hinweis auf ihr Alter fehlt, kann man ihr Geburtsjahr nur vage um das Jahr 1250 vermuten. Ihre außergewöhnlich hohe Bildung legt nahe, dass sie dem Patriziat der Stadt entstammte. Aus ihrem Buch selbst lässt sich schließen, dass sie bestens vertraut war mit der höfischen Literatur ihrer Zeit (so nimmt sie in einer Gleichniserzählung zu Beginn auf den berühmten Alexanderroman Bezug; die Sprache der Adelswelt ist insgesamt ein charakteristischer Grundzug ihres Buches); geprägt ist sie wohl von den mystischen Werken der Beginen Beatrix von Nazaret und Hadewijch von Antwerpen, und von den Denkmethoden und Argumentationsfiguren der hochmittelalterlichen Scholastik besitzt sie offensichtlich eine meisterhafte Kenntnis. Ihr Name, der zuweilen mit »kleiner Lauch« übersetzt wird, könnte darauf hindeuten, dass sie verheiratet war: Es könnte sich um die damals übliche weibliche Namensform handeln, die vom Namen des Gatten (Poré, Porreau oder Poireau) abgeleitet wurde. Etwa um das Jahr 1290 dürfte sie ihr Buch »Der Spiegel der einfachen und zunichte gewordenen Seelen« in der französischen Volkssprache geschrieben und veröffentlicht haben. Dass es zunächst bei ihren Adressaten auf kühle Ablehnung stieß, deutet sie in einem später angefügten Teil des Buches selbst an: »Die Beginen sagen, ich bin im Irrtum, und ebenso Priester, Kleriker und Prediger, die Augustiner und auch die Karmeliten und die Minderen Brüder…« Im Jahr 1300 schließlich wurde das Werk auf dem Hauptplatz von Valenciennes öffentlich verbrannt. Der Bischof von Cambrai drohte jedem mit Kirchenacht, der das Buch verbreite oder auch nur in seinem Besitz habe. Doch nicht zuletzt aufgrund der lobenden Würdigungen der drei oben erwähnten Theologen lässt sich Marguerite Porete nicht beirren, bringt ihr Buch weiter wohl eher in kleinem Kreis zum Vortrag und verschickt es an verschiedene einflussreiche Persönlichkeiten. Sie scheint sich ihrer Sache sehr sicher zu sein. Das trug ihr schließlich die Anklage des berüchtigten Dominikaners Wilhelm von Paris ein, seines Zeichens Großinquisitor und Beichtvater des französischen Königs Philipps des Schönen. Wilhelm von Paris war auch eine der Schlüsselfiguren bei der Verfolgung und schließlichen Vernichtung des Templer-Ordens. Eine hochkarätig besetzte Kommission von einundzwanzig Theologen unter ihnen der berühmte franziskanische Bibelwissenschaftler Nikolaus von Lyra wurde einberufen, um das Werk zu beurteilen. Fünfzehn willkürlich aus dem Zusammenhang des Gesamtwerks gerissene Sätze wurden als häretisch beanstandet und führten zur Verurteilung Marguerites als »rückfällig gewordene Ketzerin«. Die heilige Inquisition übergab sie dem weltlichen Arm, der das Urteil zu vollstrecken hatte, nicht ohne die damals übliche heuchlerische Bitte, man möge, soweit es das Urteil zulasse, barmherzig mit der Delinquentin verfahren.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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