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Die neue Praxis Dr. Norden - So war es nicht geplant, doch Dr. Danny Norden betrachtet es als Chance. Äußere Umstände zwingen ihn zu einem Neustart. Und diesen nimmt Danny tatkräftig in Angriff, auch, wenn er mit Abschied, Trennung, Wehmut verbunden ist. Dr. Danny Norden praktiziert jetzt in seiner neuen, modernen, bestens ausgestatteten Praxis. Mit Kompetenz, Feingefühl und Empathie geht er auf seine Patienten zu und schafft ein Klima, das die Genesung fördert: eben Dr. Danny Norden, wie er leibt und lebt, und er wird immer besser! »Mei, Gundi, so ein hübsches Madl«, stellte Erna Kellermann fest, als sie an diesem Morgen im Wartezimmer der Praxis Norden neben Gundi Sonne Platz nahm. Die hübsche junge Frau mit dem hellblonden Haar und den dunklen Augen war mit ihrer kleinen Tochter in die Sprechstunde gekommen. »Wie alt ist sie jetzt, die Kleine?«, fragte Erna und betrachtete das Baby, das eine rote Latzhose und ein gelbes Jäckchen trug. »Mia ist drei Monate alt«, antwortete Gundi mit einem freundlichen Lächeln. »Drei Monate, wie doch die Zeit vergeht. Mir ist es, als wärst du gerad gestern mit der Kleinen auf den Armen aus dem Krankenhaus gekommen«, sagte Erna und streichelte über die Füße des Babys, die in weißen Söckchen steckten. »Geh, da schau her, noch so ein Hascherl, guten Morgen, Anni«, wandte sie sich der brünetten jungen Frau zu, die in diesem Moment das Wartezimmer betrat. Das Baby in der weißen Strumpfhose und dem rosa Kleidchen schien ebenso alt wie Mia zu sein. »Guten Morgen«, grüßte Anni in die Runde. »Guten Morgen, Anni«, entgegneten die Zwillinge Mechthild und Margot Wiesenberg, die beiden anderen Frauen, die in dem gemütlichen Wartezimmer mit den Holzdielen, den gelben Sesseln und den hochgewachsenen Grünpflanzen saßen. Die Mitsechzigerinnen trugen die gleichen dunkelblauen Kleider mit Rosenmuster und die gleichen blauen Schnürschuhe. »Wie geht es der kleinen Familie?«, fragte Mechthild.
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Mei, Gundi, so ein hübsches Madl«, stellte Erna Kellermann fest, als sie an diesem Morgen im Wartezimmer der Praxis Norden neben Gundi Sonne Platz nahm. Die hübsche junge Frau mit dem hellblonden Haar und den dunklen Augen war mit ihrer kleinen Tochter in die Sprechstunde gekommen. »Wie alt ist sie jetzt, die Kleine?«, fragte Erna und betrachtete das Baby, das eine rote Latzhose und ein gelbes Jäckchen trug.
»Mia ist drei Monate alt«, antwortete Gundi mit einem freundlichen Lächeln.
»Drei Monate, wie doch die Zeit vergeht. Mir ist es, als wärst du gerad gestern mit der Kleinen auf den Armen aus dem Krankenhaus gekommen«, sagte Erna und streichelte über die Füße des Babys, die in weißen Söckchen steckten. »Geh, da schau her, noch so ein Hascherl, guten Morgen, Anni«, wandte sie sich der brünetten jungen Frau zu, die in diesem Moment das Wartezimmer betrat. Das Baby in der weißen Strumpfhose und dem rosa Kleidchen schien ebenso alt wie Mia zu sein.
»Guten Morgen«, grüßte Anni in die Runde.
»Guten Morgen, Anni«, entgegneten die Zwillinge Mechthild und Margot Wiesenberg, die beiden anderen Frauen, die in dem gemütlichen Wartezimmer mit den Holzdielen, den gelben Sesseln und den hochgewachsenen Grünpflanzen saßen. Die Mitsechzigerinnen trugen die gleichen dunkelblauen Kleider mit Rosenmuster und die gleichen blauen Schnürschuhe.
»Wie geht es der kleinen Familie?«, fragte Mechthild.
»Es geht uns gut«, sagte Anni und setzte sich in den Sessel neben Mechthild.
»Das hören wir doch gern. Deine Lin ist übrigens genauso alt wie das Baby der jungen Dame«, sagte Mechthild und schaute auf Gundi, die Mia auf ihren Schoß gesetzt hatte.
»Da schau her, das Madl hat verschiedenfarbige Augen«, stellte ihre Schwester Margot fest, als die kleine Mia sie mit einem strahlenden Lächeln ansah. »Ein blaues und ein grünes, genau wie dein Peter. Wie heißt das noch mal, Anni?«
»Das nennt man Iris-Heterochromie, Frau Wiesenberg.«
»Und diese Heterochromie wird vererbt, richtig?«
»Ja, aber nicht zwangsläufig. Unsere Lin kommt in dieser Beziehung wohl nach mir.«
»Und bei Ihnen ist es wohl auch der Vater, der mit dieser Besonderheit geboren wurde«, wandte sich Mechthild Gundi zu.
»Lass es gut sein, Mechi, sie spricht nicht über den Vater«, kam Erna Gundi mit der Antwort zuvor.
»Geh, warum denn nicht? Wollte er das Kind nicht? Hat er sich davongemacht?«
»Mei, jetzt sei doch nicht so neugierig«, wies Frau Kellermann Mechthild zurecht.
»Geh, neugierig, wir nehmen doch nur Anteil am Schicksal unserer Nachbarn. Sie sind doch die Enkelin von der Berta, die vor einem halben Jahr gestorben ist. Sie hat Ihnen das Dreifamilienhaus draußen am Sportplatz vererbt, richtig?«, wandte sich Mechthild nun wieder direkt an Gundi.
»So ist es, Mechi, sie wohnt seit vier Monaten im Haus ihrer Großmutter«, sagte Erna. Sie war mit Gundis Großmutter Berta befreundet gewesen und fühlte sich dazu berufen, Gundi vor allzu neugierigen Fragen zu beschützen.
»Soso, seit vier Monaten. Gefällt es Ihnen denn bei uns?«, fragte Mechthild.
»Ich fühle mich hier sehr wohl«, sagte Gundi.
»Und ihre Praxis läuft auch schon recht gut«, erklärte Erna den Wiesenberg-Zwillingen.
»Sind Sie Ärztin?«, fragte Margot.
»Nein, Podologin.«
»Podologie, da geht es doch um die Behandlung von kranken Füßen.«
»Richtig.«
»Behandeln Sie auch Hühneraugen?«, wollte Mechthild wissen.
»Freilich, macht sie das. Ich war deshalb schon bei ihr. Sie macht das wirklich sehr gut. Es hat gar nicht wehgetan«, erklärte ihr Erna.
»Gut zu wissen, ich hab da auch so ein lästiges Ding an meinem großen Zeh. Haben Sie eine Visitenkarte bei sich? Ich würde gern mal zu Ihnen kommen.«
»Falls ich gerade nicht ans Telefon gehen kann, sprechen Sie mir Ihre Telefonnummer auf den Anrufbeantworter. Ich rufe dann zurück«, sagte Gundi, als sie Mechthild eine ihrer Visitenkarten reichte, die sie immer bei sich hatte.
»Sie wohnen also erst seit vier Monaten in München. Wo haben Sie denn vorher gewohnt, wenn ich fragen darf?«, wandte sich Anni Gundi zu, nachdem sie Mia eine ganze Weile nachdenklich angeschaut hatte.
»In Nürnberg.«
»Geh, in Nürnberg, da wohnt eine Cousine von uns. Wir besuchen sie jedes Jahr im Dezember, um den Christkindlmarkt zu besuchen. Im letzten Jahr haben wir sogar die Anni und ihren Peter auf dem Markt getroffen. Der Peter hat dort im Auftrag der Baufirma, für die er arbeitet, den Bau eines Einkaufszentrums geleitet«, erzählte Margot.
»Ich habe ganz in der Nähe des neuen Einkaufszentrums gewohnt«, sagte Gundi.
»Mei, da sind Sie dem Peter vielleicht schon mal begegnet.«
»Ja, vielleicht«, gab Gundi ihr recht, eine zufällige Begegnung ließ sich ja nicht ausschließen.
»Hatten Sie in Nürnberg auch eine eigene Praxis?«, wollte Anni von Gundi wissen, während ihr Blick weiterhin auf Mia haftete.
»Nein, ich war in einer Praxis angestellt.«
»Dann ist München in jeder Hinsicht ein Neuanfang für Sie, beruflich und familiär.«
»Könnte man so sagen«, entgegnete Gundi.
»Manchmal ist der Weg einfach vorgegeben, nicht wahr?«
»Hin und wieder ergeben sich neue Möglichkeiten, das ist richtig«, stimmte Gundi Anni zu. Sie fragte sich, warum diese Frau, die ihr zuvor nie begegnet war, sie so merkwürdig anschaute. Sie hatte das Gefühl, dass Anni sie noch etwas fragen wollte, sich aber nicht traute.
»Frau Sonne, bitte«, wurde sie in diesem Moment von Daniel aufgerufen.
Egal, was auch immer es ist, es kann nicht so wichtig sein, wir kennen uns ja gar nicht, dachte Gundi und erhob sich mit Mia im Arm von ihrem Platz. »Einen schönen Tag noch«, verabschiedete sie sich von den anderen und verließ das Wartezimmer.
»Frau Sonne hat Anni wohl mächtig beeindruckt«, raunte Lydia Sophia zu. Die beiden standen hinter dem weißen Tresen in der hellen Empfangsdiele und schauten durch die Glaswand, die das Wartezimmer von der Diele trennte. Anni schien ganz in Gedanken versunken, während sie Gundi nachschaute.
»Vielleicht will sie Frau Sonne in ihre Babygruppe einladen«, sagte Sophia.
»Ja, vielleicht, könnte sein«, entgegnete Lydia und wandte sich wieder dem Computermonitor zu, um das Rezept für ein Schmerzmittel auszudrucken, das sie einer Patientin zuschicken wollte, die an einer Grippe mit Gliederschmerzen und Fieber erkrankt war.
*
»Schadet die Impfung Mia auch nicht, Herr Doktor? Ich stille sie noch«, sagte Gundi, als sie mit Mia auf dem Schoss Daniel an seinem Schreibtisch gegenübersaß.
»Sie müssen sich keine Sorgen machen, Frau Sonne, der Impfstoff gegen Tetanus und Diphtherie ist ein lang erprobter Impfstoff. Ihre Auffrischungsimpfung schadet Ihrem Kind ganz sicher nicht.«
»Soll ich mich auf die Liege setzen?«, fragte Gundi.
»Ja, bitte«, sagte Daniel und ging zu seinem Medizinschrank, der am Fußende der weißen Untersuchungsliege stand. Während Gundi sich mit Mia im Arm auf die Liege setzte, zog Daniel die Spritze mit der Impfung auf.
»Sie gefällt ihr«, stellte Gundi fest, als Daniel zu ihr kam und Mia fasziniert auf die schöne alte Standuhr in dem Gehäuse aus Ahornholz schaute, die in einer Ecke des Zimmers stand.
»Das denke ich auch oder irren wir uns, Mia? Was gefällt dir denn an dieser Uhr?«, wandte sich Daniel dem Kind zu und streichelte ihm über die hellen Löckchen.
»Es sind wohl die Zeiger«, stellte Gundi fest, als Mia wieder auf das weiße Ziffernblatt mit den goldfarbenen Ziffern und den Zeigern aus Messing schaute, laut prustete und die Händchen bewegte.
»Auch unsere Zwillinge sind nach wie vor von dieser Uhr begeistert. Immer wenn sie mich hier besuchen, sehen sie zu, wie sich die großen Zeiger bewegen.«
»Die beiden müssten doch bald ein Jahr alt sein.«
»Sie haben in zwei Wochen Geburtstag.«
»Dann gibt es sicher ein großes Fest.«
»Ich denke schon. Ihre Schwester hat die Planung der Feier übernommen. Sie wird alles geben, damit es für die beiden ein großes Erlebnis wird«, erzählte ihr Daniel, der vor der Liege stand. »So, das war es«, sagte er.
»Echt jetzt? Ich bin schon geimpft«, wunderte sich Gundi, die gar nicht bemerkt hatte, wie Daniel ihr die Spritze verabreicht hatte.
»Ja, das war es«, entgegnete Daniel lächelnd.
»Vielen Dank, auch für den Kinderarzt, den Sie mir empfohlen haben«, sagte Gundi. »Doktor Arning ist wirklich sympathisch, und ich habe Vertrauen zu ihm. Auch Mia fühlt sich in seiner Praxis wohl. Sie lächelt, wenn Doktor Arning mit ihr spricht und lässt sich ohne Angst von ihm untersuchen.«
»So sollte es sein.«
»Richtig, und weil es so ist, gilt er auch als der beste Kinderarzt weit und breit, wie mir im Wartezimmer von anderen Müttern erzählt wurde. Also danke, noch einmal, dass Sie ihn mir empfohlen haben. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Herr Doktor«, verabschiedete sich Gundi gleich darauf von Daniel, der sie und Mia zur Tür begleitete.
»Den wünsche ich Ihnen auch. Falls Sie Visitenkarten bei sich haben, Frau Sonne, dürfen Sie gern einige davon am Tresen hinterlassen. Wir hatten bisher keine Podologie hier bei uns in der Nähe. Ich bin sicher, meine Patienten, die eine podologische Behandlung benötigen, würden gern zu Ihnen kommen.«
»Das ist wirklich nett von Ihnen, dass Sie an mich denken, vielen Dank, Herr Doktor«, sagte Gundi.
»Das ist schon in Ordnung«, entgegnete Daniel und nickte Gundi noch einmal freundlich zu.
Während Gundi mit Mia am Tresen bei Lydia und Sophia stand und ihre Visitenkarten hinterließ, wurde Anni von Daniel ins Sprechzimmer gerufen. Als sie das Wartezimmer mit Lin auf dem Arm verließ, streifte sie Gundi im Vorbeigehen mit einem nachdenklichen Blick.
»Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie, Frau Becker?«, fragte Daniel, als Anni ihm kurz darauf mit Lin auf dem Schoss gegenübersaß.
»Es geht uns gut, Herr Doktor. Peter wird im Moment nur auf Baustellen in der Nähe eingesetzt und ist jeden Abend zu Hause. Lin entwickelt sich prächtig, und ich komme mit meiner Rolle als Mutter gut zurecht«, versicherte Anni ihm.
»Das freut mich, zu hören«, sagte er. Anni und ihr Mann Peter kamen schon zu ihm, seitdem er die Praxis eröffnet hatte. Die beiden waren seit vier Jahren verheiratet und schienen eine gute Ehe zu führen. Anni, die bis zur Geburt ihrer Tochter in der Hauptverwaltung einer Bank gearbeitet hatte, hatte sich für eine dreijährige Elternzeit entschlossen und schien ihren Entschluss nicht zu bereuen. »Dir geht es ganz offensichtlich gut«, stellte er fest, als Lin ihn lächelnd anschaute.
»Sie ist mein Sonnenschein«, sagte Anni und zog Lin liebevoll an sich.
»Was kann ich denn für Sie tun, Frau Becker?«, fragte er die junge Frau, die ein wenig blass aussah, was aber nicht ungewöhnlich war. Die ersten Monate mit einem Baby waren wunderschön, aber auch anstrengend. Das wusste er selbst nur zu gut.
»Ich glaube, ich reagiere mal wieder auf irgendetwas allergisch«, sagte Anni und schob den Ärmel ihres gelben Kleides bis zum Ellbogen hoch.
»Ist das die einzige Stelle?«, fragte Daniel, als er auf die roten Pusteln schaute, die sich zwischen Handgelenk und Ellbogen ausgebreitet hatten.
»Bisher habe ich noch keine weiteren Stellen entdeckt.«
»Dann ist es möglicherweise nur ein lokaler Ausschlag. Haben Sie einen Verdacht, worauf sie reagiert haben könnten?«
»Ja, vielleicht, bei unserem Babytreff vorgestern konnte ich nicht widerstehen und habe das Armband einer Freundin übergestreift. Es war wirklich wunderschön, und ich dachte, es sei aus Silber. Aber es war wohl kein reines Silber, sondern zum Teil auch Nickel.«
»Das wäre eine gute Erklärung für den Ausschlag. Mit ein bisschen Glück bekommen wir ihn mit einer Salbe in den Griff«, versicherte Daniel der jungen Mutter.
»Ich sollte in Zukunft vorsichtiger sein, schließlich bin ich jetzt nicht mehr nur für mich allein verantwortlich«, sagte Anni, die mit ihrem schlechten Gewissen kämpfte, weil sie ein bisschen leichtsinnig gehandelt hatte.
»Manchmal erliegen wir eben einer Verlockung, das ist menschlich, Frau Becker. Solange die Auswirkungen mit einer Salbe zu heilen sind, ist es kein Drama.«
»Danke«, sagte Anni.
»Für was?«
»Dass Sie mir mein schlechtes Gewissen genommen haben«, antwortete sie lächelnd. »Darf ich Sie noch etwas fragen, Herr Doktor?«
»Sicher, nur zu.«
»Heterochromie ist doch die Folge eines Mangels an Melanin?«
»Das ist richtig.«
»Wie häufig kommt es vor, dass Menschen unter dieser Störung leiden?«
»Eine angeborene Heterochromie, wie Sie auch Ihr Mann hat, ist nicht wirklich ein Leiden.«
»Ja, das stimmt, aber wie auch immer, es kommt nur selten vor, dass Menschen verschiedenfarbige Augen haben, richtig?«
»Richtig, es ist sogar äußerst selten.«
»Und dieser Melanin-Mangel wird vererbt?«
»So ist es. Möchten Sie noch mehr darüber wissen?«, fragte Daniel, weil er sich über Annis Fragen wunderte, da er davon ausging, dass sie bereits alles über die angeborene Heterochromie wusste. Vermutlich war ihr die Heterochromie der kleinen Mia aufgefallen, und sie war nun verunsichert, ob sie tatsächlich so selten auftrat, wie sie bisher geglaubt hatte.
Anni versicherte ihm, dass sie im Moment keine Fragen mehr hatte, bedankte sich für seine Zeit und nahm das Rezept entgegen, das er für die Salbe ausgestellt hatte.
»Grüßen Sie Ihren Mann von mir«, bat Daniel sie, als sie sich von ihm verabschiedete.
»Das mache ich gern, auf Wiedersehen, Herr Doktor«, sagte Anni, drückte Lin liebevoll an sich und lief in Richtung Empfangstresen.
Sie tut zwar so, als sei alles in Ordnung, aber irgendetwas bedrückt sie, dachte Daniel, als er ihr noch kurz nachschaute. Aber darüber konnte er jetzt nicht weiter nachdenken, die nächsten Patienten, die zu ihm kamen, brauchten seine ganze Aufmerksamkeit.
»Alles in Ordnung bei dir, Anni?«, fragte Lydia, die mit Anni zur Schule gegangen war.
»Ja, alles gut«, antwortete Anni.
»Schläft der kleine Schatz denn schon durch?«, wollte Lydia wissen und streichelte über die Beinchen des Babys.
»Seit vier Wochen.«
»Dann habt ihr ja wieder ein bisschen mehr Zeit für euch, dein Peter und du.«
»So ist es, aber ich bin echt froh, dass ich die letzten Wochen nicht allein durchstehen musste. Peter war mir wirklich eine große Stütze in den vielen hektischen Nächten. Die junge Frau, die vor mir bei Doktor Norden im Sprechzimmer war, musste diese Zeit wohl ganz allein bewältigen. Kümmert sich der Vater denn gar nicht um das Kind?«, fragte sie und sah zuerst Lydia und danach Sophia an.
»Keine Ahnung, sie hat den Vater noch nie erwähnt«, sagte Lydia.
»Dann weiß niemand, wer er ist?«
»Zumindest haben unsere ansonsten immer gut informierten Nachbarinnen noch nichts von ihm erzählt.«
»Die arme Frau tut mir leid«, seufzte Anni.
