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Der Autor, Jahrgang 1940, hatte mit 16 Jahren das entscheidende Schlüsselerlebnis. Um die Weihnachtstage 1956 bekam er ein kleines Büchlein in die Hand. Der Titel: "Letzte Briefe aus Stalingrad." Der einheitliche Tenor: "hier in Stalingrad gibt es keinen Gott". In einem katholischen Haus aufgewachsen, wurde er sehr bald zu einem "Gott Sucher". Mit 22 Jahren veröffentlichte er eine Kurzgeschichte in einer Tageszeitung, verfolgte diese Ambitionen aber nicht weiter. Von Beginn an hat er seine Erkenntnisse in unzähligen Tagebuchaufzeichnungen niedergeschrieben. Er hatte später selber für einen kurzen Augenblick ein Erlebnis mit der höheren Stufe des Seins. Daraus schloss er, dass dem Jesus Christus das gleiche widerfahren sein musste. Christus erkannte, Welt, Mensch und Tier sind untrennbar mit einer höheren Ebene verbunden, die bis hierher als "Gott" bezeichnet wurde. Der Autor benötigte 50 Jahre seines Lebens um zu diesem jetzt hier vorliegenden Ergebnis zu gelangen.
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Seitenzahl: 184
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Ultima Ratio
Vorwort
Jesus
Traktat über Gott
Neue Wege zu Gott: Gott foltert nicht
Die Logik des Jenseits oder Die Nicht-Gott-Theorie
Die Metanoia des Paulus
Planet Erde ist nicht allein
Der Mensch, eine Erfahrung des Universums
Am Anfang war die Lust
Das Gebet zu Gott
Hinweise von Gott und die fiktive Welt II
Glaube an Gott
Gott
Zusammenfassung
Purgatorium
Erkenntnis
Feuchtgebiete
Die Sinnfrage
Versuch
Zerstören
Philosophie
Adenauer
Gottmutter
Anschläge in Frankreich
Fragmente
Prosa, prosaisch
Aphorismen
Metanoia
Paulus
Strategie
Lieber Karl
Literaturhinweise
Der Wille Gottes, eine Kontradiktion.
Der Fundamentalsatz von Jesus:
»Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden, man wird auch nicht sagen:
Siehe, hier oder da ist es; denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.«
Christus, als Pantheist, erklärt in diesem Satz die spirituelle, die unmittelbare geistige Verbindung des Menschen zu Gott. Seine Erkenntnis: etwas, was a priori inhärent ist im Menschen, bedarf keiner Erlösung. Jesus vollzieht damit eine klare Trennung von der Offenbarungsreligion des jüdischen Glaubens, die das Kommen des Messias verkündet. Jesus sieht Gott nicht als ein göttliches Wesen mit wirkender Kraft auf die Welt. Jesus ist also ein Gegner der »Prädestination«, der göttlichen Vorherbestimmung zur Seligkeit oder der Verdammnis durch Gottes Gnadenwahl. Jesus Christus, ein Antagonist.
Jesus selbst steht mit seinem Fundamentalsatz kontradiktorisch zur katholischen Apologetik, die den Willen Gottes zur Ermordung seines eigenen Sohnes behauptet. Die katholische Apologetik hat den Denker Jesus
Christus nie verstanden.
Die katholische Kirche hat durch ihre Inquisition schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt. Auch ein von Menschen gedachter Gott könnte niemals dazu stehen.
Dazu logische Grundsätze eines Laienphilosophen:
Gibt es Gott, muss Gott nicht bewiesen werden.
Gibt es Gott, kann es keinen Teufel geben.
Ist Gott immateriell, kann Gott kein Wesen sein.
Ist Gott spirituell, kann Gott keine alles beherrschende universelle Energie sein.
Die Materie, das Universum, unser Sonnensystem hat einen Willen, daraus haben viele Denker irrtümlicherweise einen Willen Gottes abgeleitet.
Gott ist kein Mensch, Gott hat keinen Willen, Gott liebt nicht, Gott straft nicht, Gott vergibt nicht.
Aber genau diese Parameter will der Mensch in Gott hineininterpretieren.
Das spirituelle Sein ist unserem spirituellen Geist vorbehalten.
Ich vermute, dass der spirituelle Geist, nach dem physischen Tod seines Körpers, oftmals noch einen langen Weg vor sich hat. Am Ende wird er vielleicht nichts mehr bedürfen, nicht einmal der Liebe.
Linos Pan
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, mit diesem Buch versucht ein Denker und Laienphilosoph am Ende seines Lebens eine Antwort auf die Frage zu finden: Gibt es eine Beziehung zwischen Mensch und Gott? In meinen ersten Aufzeichnungen heißt es hierzu:« Gott liebt nicht, Gott vergibt nicht, Gott straft nicht, Gott benötigt keinen Willen, nicht einmal Denken trifft für Gott zu«. Weil Gott seit Ewigkeit existiert, gibt es für Gott nichts mehr zu denken und auch nichts mehr zu lenken. Mit dieser Tatsache kann sich jedoch der Mensch nicht abfinden. Nicht einmal die härtesten Atheisten, die eine Existenz Gottes ablehnen, machen da eine Ausnahme; sie befassen sich in Wahrheit auch mit Gott, sonst könnten sie ihn ja nicht ablehnen. Nur die Gewissheit, dass wir Menschen uns in der unendlichen göttlichen Liebe und Güte Gottes befinden, macht uns das Leben, zum Beispiel als gläubiger Christ, erträglich. Das Gleiche gilt aber auch für Gläubige anderer Konfessionen.Diese menschliche Vorstellung von Gott, der Theismus, also der Glaube an einen persönlichen, von außen auf die Welt einwirkenden Schöpfergott, ist nach den Erkenntnissen von Jesus Christus falsch. Denn sein Postulat lautete: »Gott ist inwendig im Menschen.« Die ersten Christen, die engsten Freunde Jesu, hatten diesen Satz längst verinnerlicht.Jedoch die Gründer der neuen Sekte, die aus der Bewegung, die sich schon Christen nannten, etwas Handfestes aufbauen wollten, konnten die Tragweite dieses Elementarsatzes von Jesus Christus nicht verstehen. Paulus wurde erst 10 n. Chr. geboren und 42 Jahre nach Christi Geburt hatte er sein Damaskuserlebnis.
Jesus Christus war der Überzeugung, Liebe, Güte, Trost und Vergebung zum Beispiel seien Tribute, die der Mensch für sein Menschsein, in seiner Abgrenzung vom Tier, in sich selbst finden könne und entwickeln müsse und an Gott zu zahlen habe. Die Liebe Gottes zu den Menschen setzte der Denker und Philosoph Jesus Christus a priori voraus, denn sonst wäre sie ja nicht inwendig im Menschen.
Darin liegt der Denkfehler des Paulus und später auch der Kurie, denn hätte Gott einen von außen auf die Welt einwirkenden Willen, vergleichbar mit dem Willen eines Menschen, wäre Gott auch tatsächlich für den Ist-Zustand dieser Welt verantwortlich. DEUS CULPA.Trotzdem darf ein Denker sagen, mit Gott bezeichnen wir die Rahmenbedingungen, die wir Menschen im Kosmos und in unserem Sonnensystem vorfinden, also dass die Möglichkeiten, die wir Menschen zum Menschwerden benötigen, grundsätzlich von Gott, also vom Kosmos gegeben sind.
Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard hat sich ebenfalls mit der offiziellen Kirche auseinandergesetzt und ihr Verrat am Christentum vorgeworfen. Sein Postulat war unter anderem der Satz: »Die Subjektivität ist die Wahrheit.« Damit benannte Kierkegaard die Wahrheit, die für den Menschen selbst die absolut richtige Wahrheit sein kann, für die er leben und sterben will. Er dachte natürlich an freie, selbstständig denkende, mündige Menschen, die nicht von einem religiösen Doktrinarismus beherrscht werden.
Ich möchte Sie, verehrte Leserin, und Sie, verehrter Leser, darum bitten, dieses Buch doch weiterzulesen, weil Sie heute, im 21. Jahrhundert, bestimmt nicht möchten, dass einem Menschen von einem anderen Menschen aus fanatisch-ideologischen Gründen der Kopf abgeschlagen wird. Sie können dabei ganz sicher sein, dass der Mensch, der dem anderen Menschen den Kopf abschlägt oder, im Auftrag eines anderen Menschen, einen Menschen mit Stockschlägen zu Tode prügelt, sich in der festen Überzeugung befindet, nach seinem Gewissen und seinem Gott gegenüber richtig gehandelt zu haben.
Viele in ihrem Glauben verirrte religiöse Fundamentalisten machen heute dort weiter, wo die katholische Kirche, noch im Namen Gottes, Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt hat. Stockschläge sind mit diesen Gräueltaten noch vergleichbar, jedoch sind Enthauptungen, um es zynisch auszudrücken, dagegen ein wahrhaft humaner Fortschritt.
Somit kann ich mit fester Überzeugung sagen, Jesus Christus hatte keinen Vater im Himmel, der seinen Sohn am Kreuz sterben sehen wollte.
Die katholische Kirche weiß längst, was die Stunde geschlagen hat. Angebot und Nachfrage stimmen nicht mehr überein. Das Denken der Christen hört nicht mehr vor der Kirchentür auf. Die Talarträger, die Hohepriester und Schriftgelehrten, die Kardinäle, die noch Papst werden möchten, die Bischöfe und Pastoren sehen heute noch ihre Pfründe gesichert,doch trotz allem noch vorhandenen Restbedürfnis nach einem guten Gewissen werden sich die wahren Christ mehr und mehr abwenden von dieser barbarischen Liturgie, in der von der katholischen Kirche der Kultus und die Hinrichtung Christi als Messe gefeiert wird. Christus, der sich nichts anderes hat zuschulden kommen lassen, als den Versuch unternommen zu haben, den jüdischen Glauben zu reformieren.
In der Hinsicht hat Kierkegaard es richtig gesehen, der Mensch muss für sich selbst die für ihn subjektiv einzig gültige Wahrheit finden und gegebenenfalls auch dafür sterben.
Jesus Christus hatte die Erkenntnis, Gott komme nicht als Messias vom Himmel, sondern Gott sei inwendig im Menschen, in allen Menschen.
Der Elementarsatz, die Maxime des Denkers und Laienphilosophen Jesus Christus lautet:
»Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden, man wird auch nicht sagen: Siehe, hier oder da ist es, denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.«
Gott ist also allzeit, ein Leben lang, a priori, inwendig in jedem Menschen vorhanden. Das war die fundamentale Erkenntnis des Menschenfreundes Jesus Christus. Diesen Elementarsatz hat Jesus immer und immer wieder vor seinen Zuhörern ausgesprochen. In einer kleinen Gruppe sprach Jesus jeden in der Runde persönlich an mit den Worten an: »Du bist der Sohn Gottes.«, »Du bist die Tochter Gottes.« Und so weiter, bis der Letzte in der Runde an der Reihe war. Er fügte noch hinzu: »Und auch ich bin der Sohn Gottes.« Das war sein Postulat: Jeder Mensch könne in sich selbst hineinhören und die Stimme Gottes wahrnehmen.
Die Persönlichkeit des Menschen Jesus Christus muss von überragender Ausdruckskraft und er selbst mit höheren seelischen Fähigkeiten ausgestattet gewesen sein, die bei vielen Menschen in seinem Umfeld einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Allerdings werden intellektuelle Menschen aus der Bürgerschicht und im Besonderen gelehrte religiöse Funktionsträger wie Rabbiner und Schriftgelehrte nicht zu seinem Freundeskreis gehört haben. Im Gegenteil, denn die Weltanschauung des Pantheisten Jesus Christus leugnete aus Sicht der gläubigen Juden das Kommen des Messias, der die Welt richtet.
Dass Jesus Christus sich selbst als den erwarteten Messias und als Erfüller der messianischen Hoffnungen ausgegeben hat, kann nicht mit seinem oben wiedergegebenen Elementarsatz in Übereinstimmung gebracht werden. Jesus kann nicht gesagt haben: »Ich bin der leibhaftige Sohn Gottes«, wenn doch Gott in allen Menschen inwendig vorhanden ist.
Die Fakten sind bekannt, Jesus Christus wurde dann wegen Verleumdung und Gotteslästerung und auf Grund der Schwere der Tat durch Kreuzigung zum Tode verurteilt. Nicht die Römer wollten den Tod des Gutmenschen Jesus Christus, sondern die etablierte jüdische Glaubensgemeinschaft. »Ecce Homo«, der Ausspruch des Pilatus, lässt deutliche Zweifel aufkommen.
Die Logik des Jenseits
Religionen aller Welt, vereinigt euch,es gibt nur einen Gott.
Theos oder Gott ist ein Wort für das »Höhere«.Das »Höhere« ist das transphänomenale Jenseits.
Es bleibt uns Menschen grundsätzlich verschlossen.Es gibt keinen Gottesbeweis, aber es gibt ein Wissen über das »Höhere«.Das »Höhere« ist immateriell, unkörperlich, psychisch zu verstehen.
Es ist die höhere Ebene des spirituellen Geistes, die jedem Menschen anhaftet.Consensus Omnium: »Gott« ist das »Höhere«.Jede Seele eines Menschen erfährt das Jenseits nach dem Tod.
Das »Höhere« ist existent, so wie der Mensch sagt: »Gott gibt es.«
Der griechische Philosoph Xenophanes gilt als Denker des Monotheismus. Seine Theorie besagt: Götter können nicht noch schlechtere Eigenschaften haben als die Menschen. Damit sagte er schon fast 600 Jahre vor Christus sinngemäß: Der höchste Universalgott agiert nicht mit einem Willen. Xenophanes sah Gott nicht mehr als »Ich-Person«, als welche etwa noch Zeus und seine Kollegen betrachtet wurden. Das »Höhere« ist also keine Omnipotenz, es benötigt keinen Willen. Mit einem Paradigma lässt es sich leicht erklären.
Betrachten wir das Gesamt der Mathematik als ein zusammenhängendes Phänomen. Dabei stellen wir fest, dass die Mathematik als solche nicht über einen Willen verfügt. Das Wesen der Mathematik kann mit der entsprechenden Begabung, von einem Menschen erfasst werden. Die mathematischen Möglichkeiten waren vermutlich bereits im kosmischen Raum vorhanden, bevor der Planet Erde entstanden ist. Daran kann auch jeder erkennen, dass im gesamten Universum vielleicht unzählige Sonnensysteme mit Planeten entsprechend unserem Erdtrabanten vorhanden sein müssen-sofern der Wille der kosmischen Materie von menschenähnlichen Lebewesen oder von höheren Intelligenzen profitieren würde. Das »Höhere«, oder das, was wir Gott nennen, ist im materiellen Raum nicht denkbar. Zum Vergleich wieder die Mathematik, sie lenkt und leitet nicht das Geschehen in unserer Welt.
Auf der höheren Ebene des spirituellen Geistes gibt es keine Strafe, aber es gibt auch keine Vergebung. Die Seele, der spirituelle Geist eines jeden Menschen, steht vor seinem gelebten Leben und vor seinem gesamten Sein mit allen Gedanken, Worten und Handlungen, die er als Mensch auf der Erde gedacht hat. Die Logik des Jenseits liegt nun darin, dass ein dem Gewissen entsprechend tugendhaft geführtes Leben auf der Erde nach dem physischen Tod des Körpers eine positive Selbstbeurteilung durch die eigene Seele des Menschen erfahren wird. Wohingegen eine Seele, die im menschlichen Dasein auf der Erde ein frevelhaftes Leben geführt hat oder sogar Gräueltaten an Menschen ausgeübt hat, als Seele ihr gesamtes gelebtes Leben in allen Einzelheiten und Facetten anschauen wird und muss. Wer soll das, was getan worden ist, als nicht getan löschen?
Vergebung von Gott, wie die Religionen sie anbieten gibt es nicht, weil die höhere Ebene nicht mit einem Willen agiert. Das würde doch in letzter Konsequenz bedeuten, Gott darum zu bitten, das Leben in dieser Form nicht gelebt zu haben.
Die höhere Stufe, das »Höhere«, ist nicht religiös. Ein mönchisches oder tugendhaftes Leben ist nur aus dem Grund für die Seele des Menschen von Vorteil, dass sie unbeschadet durch das Leben gekommen ist. Ein religiöser Glaube kann somit nicht allein auf Grund einer religiösen Zugehörigkeit belohnt werden.
Die Seele, der spirituelle Geist, verfügt nicht mehr, wie der Mensch, über einen Willen. Die Einstufung auf der höheren Ebene ist rein rational, das logische Spiegelbild des gelebten Lebens. Das alles Entscheidende für das Leben des Menschen auf Erden kann nur, frei nach Immanuel Kant, der Imperativ sein: »Lebe nach deinem Gewissen, aber schade niemandem.«
Hier auf der Erde kann der Menschen für das »Höhere« rein gar nichts zu tun, außer ein korrektes Leben führen.
Auch hier gilt immer noch: Was Gott ist, kann ein Mensch nicht sagen. Semantisch benutzen wir zum Beispiel das Wort »Omnipotenz« und denken dabei an göttliche Allmacht. Das trifft aber für Gott nicht zu. Es besteht keine Notwendigkeit für eine göttliche Allmacht. Wir Menschen denken dann Gott in absoluter, nicht zu übertreffender Machtstellung mit der dazugehörigen Entscheidungskompetenz. In meiner Philosophie trifft das für Gott nicht zu. Gott hat niemals eine Entscheidung getroffen. Gott liebt nicht, Gott vergibt nicht und Gott straft nicht. Alles, was für uns Menschen zutreffen kann, können wir auf Gott nicht anwenden.
Der Mensch führt Kriege, seit jeher, so lange es Menschen gibt. Das müssen wir als eine Tatsache in der Menschheitsgeschichte betrachten. Der Mensch sollte sich zum Ziel setzen, Kriege unter Menschen zu vermeiden. Das Schändlichste und Schlimmste aber, wozu der Mensch fähig ist, ist Folter. Es liegt auf der Hand, dass ein allmächtiger Gott niemals foltern würde. Die Seele des Menschen, die in ihrem menschlichen Körper zu Lebenszeiten gefoltert hat oder Folter angeordnet hat, wird im spirituellen Raum der Seelen einen schweren Stand haben.
Dazu folgender Gedankengang zur Beschreibung dessen, was eine Seele im spirituellen Raum zu erwarten hat. Es wird vorausgesetzt, dass die Strafe Gottes nicht zum Einsatz kommt. Gott straft nicht, Gott liebt nicht, Gott vergibt nicht. Im günstigsten Fall gelangt die Seele des Menschen nach dem Austreten aus ihrem zugehörigen physischen Körper in einen Zustand des nichts Bedürfens.
Natürlich ist unsere Sprache nicht dazu entwickelt, Seelenzustände ernsthaft real zu beschreiben. Da ich mich aber selbst in einem vergleichbaren Zustand mit Körper und Seele befunden habe, will ich es trotzdem versuchen. Nichts zu bedürfen, übertrifft jede Art der Zufriedenheit, die ein körperlich existierender Mensch erleben kann. Die Seele bedarf weder des Glücks noch der Liebe. Es gibt keinen Gottnähezustand, keine göttliche Lichterscheinung mit durchdringender Glückseligkeit. Das Nichts-zu-Bedürfen beinhaltet natürlich auch ein empirisches Wissen von einer absoluten Unzerstörbarkeit. Soll heißen, es gibt keine Sorge über eine Endlichkeit dieser Situation.
Anders ist die ganze Sache allerdings, wenn die Seele des Menschen, verbunden mit ihrer Körperlichkeit, schwere Schuld auf sich geladen hat, zum Beispiel einen anderen Menschen gefoltert hat. Die Seele erleidet jetzt die Hilflosigkeit der Seele, die der Mensch, dem sie angehörte, gefoltert hat. Die Seele befindet sich in einem immerwährenden, niemals aufhörenden Zustand des Bedürfens. Des Bedürfens nach Ausgleich, nach Seelenfrieden. In diesem Zustand befindet sich die Seele in einem empirischen Wissen einer Zeitlichkeit. Diese Zeitlichkeit kann lange anhalten, schlimmstenfalls so lange, bis die gefolterte Seele Vergebung erteilt. Das ist allerdings reine Spekulation meiner geistigen Auseinandersetzung mit der Sache. Möglicherweise kann die schuldig gewordene Seele Gutes tun für die physisch körperliche Welt, um die eigene Situation zu verbessern. In diesem Fall geht sie vielleicht einem Geistheiler zur Hand oder Ähnliches. Vergebung von Gott gibt es nicht. Ein Mensch kann einem anderen Menschen vergeben, für Gott trifft das nicht zu. Es liegt doch auf der Hand: Wenn wir uns einen Gott denken, der vergibt, ist es doch Unsinn, wenn Gott das Vergehen vorher zulässt. Gott ist nicht Gott, Gott ist anders.
Gott ist nicht der Gott, den wir Menschen uns bisher gedacht haben. Der Laienphilosoph und Pantheist Jesus Christus hat das schon vor zweitausend Jahren erkannt. Jesus hätte nicht den Satz sagen können: »Gott ist inwendig in allen Menschen«, wenn er dabei an einen zürnenden, über alles herrschenden Gott gedacht hätte. Jesus Christus ist auf schreckliche Art und Weise missverstanden worden. Die Welt war noch nicht in der Lage, Gott so zu verstehen, wie Jesus Christus ihn gedacht hat. Vergebung gibt es in unserem irdischen Dasein nicht einmal. Niemand kann uns eine Schuld vergeben, vielleicht der, dem wir das Leid angetan haben, aber damit ist die Schuld nicht gelöscht.
Das Vergehen ist niemals ungeschehen zu machen, auch kein Gott könnte es. Mit dieser Erkenntnis müssen wir Menschen leben. Aus dem Grund lassen sich Religionen so gut an die Frau und den Mann bringen. Das berühmteste Beispiel ist wohl der römische Kaiser Konstantin der Große. Er nahm noch auf dem Sterbebett den christlichen Glauben an. Paulus von Tarsus wollte seine auf sich geladene Schuld (er hatte massenweise Christen töten lassen oder auch selbst getötet) dadurch ausgleichen, dass er Jesus Christus zum Sohn Gottes erklärte. Paulus hat Gott so gedacht, dass dieser in der Lage sei, das Verbrechen der Kreuzigung an dem Gutmenschen Jesus Christus durch seinen göttlichen Willen zuzulassen. Diese katastrophale, von Menschen gedachte Einstellung des göttlichen Willens hat zu der Welt geführt, die wir heute vorfinden.
In der Folge sind tausende Häretiker auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Wenn wir Menschen glauben wollen, dass ein Wille Gottes diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit unterstützt hat, können wir keine andere Welt vorfinden als die der fanatischen Gewalt anderer Glaubensrichtungen. Die katholische Kirche hat es ihnen vorgemacht.
Die Kommunion,»Gott to go« kann die Kirche nicht mehr unter religiöser Tradition abbuchen. Die Kreuzigung Christi war Mord. Gott mordet nicht. Die Ermordung des Mannes Jesus Christus kann man nicht mehr als »Messopfer« feiern. Bei allem Verständnis für das Bedürfnis des Menschen nach religiöser Betätigung und nach religiösen Ritualen, muss doch der Klerus der katholischen Kirche irgendwann begreifen, dass Jesus Christus den Menschen eine völlig neue Sichtweise des Gottesverständnisses bringen wollte. Jesus war Jude und hätte auch Jude bleiben können, ohne ans Kreuz geschlagen zu werden.
Jesus sah Gott als spirituelle Energie, inwendig in allen Dingen und auch inwendig in allen Menschen. Jesus konnte absolut nicht damit einverstanden sein, dass Gott ausschließlich nur für eine kleine jüdische Glaubensrichtung existent sein solle. Jesus sah Gott nicht als eine von außen auf die Welt einwirkende Macht. In dieser Hinsicht war Jesus ein Agnostiker. Bis in unsere heutige Zeit, also nach mehr als zweitausend Jahren, gibt es noch keine Alternative zu dem Elementarsatz von Jesus Christus:
»Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden, man wird auch nicht sagen, siehe, hier oder da ist es, denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.«
Allein an diesem Satz kann sich die katholische Kirche erneuern. Er liefert auch heute noch ausreichend Substanz, um unsere Welt in eine menschenwürdige Welt zu verwandeln. Gott ist kein »Macher«, Gott übernimmt nicht die Verantwortung für diese Welt. Es muss uns Menschen klar werden, dass wir Menschen diese Welt zu verantworten haben.
Kein Mensch kann sich durch religiöse Betätigung Vorteile bei Gott erwirtschaften, allerdings kann der Mensch in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen durch Gebete und Rituale in erheblichem Maße die innere Zufriedenheit und Sicherheit seiner Seele positiv beeinflussen, sodass für den Menschen am Ende seines Lebens der Eindruck entstehen kann, mit seiner Seele Gott näher gewesen zu sein. In Wahrheit ist die Verbindung der Seele des Menschen zu Gott immer vorhanden.
So hat Jesus Christus gedacht. Jesus Christus hatte, vereinfacht ausgedrückt, die Absicht, seinen eigenen jüdischen Glauben zu reformieren, eine der Zeit angepasste Gottesvorstellung in die Welt zu bringen.
Wenn wir Menschen eine bessere Welt wollen, erreichen wir das nicht durch Beten zu Gott oder dadurch, dass wir Gott anbeten. Gott benötigt unser Gebet nicht. Wir Menschen können für uns selbst beten. Beten ist eine zielgerichtete Energie, die von Menschen dorthin gesandt wird, wo sie wirksam werden kann. Gott benötigt keine Energie von uns Menschen.
Dem Menschen auf unserem Erdtrabanten offenbart sich nicht der Sinn des Bösen, der Verbrechen und der Grausamkeiten, die auf dieser Erde geschehen und geschehen sind. Es kann allerdings sinnvoll sein, das Böse und die Gewalt für sich selbst abzulehnen und das Gute und das Bessere zu suchen und zu leben. So weit sind alle religiösen Mythen und Sagen bereits gekommen. Die Thora, die Bibel, die Edda und so weiter.
Den alles entscheidenden philosophischen Gedanken jedoch finde ich bei Jesus Christus. Sein Elementarsatz brachte mich zu der Erkenntnis, dass wir Menschen lernen müssen, den Menschen zu vergeben, die uns Leid zugefügt haben. Wir müssen, wenn wir es noch können, für die Seelen dieser Menschen beten, also ihnen eine Energie senden, die ihnen eine Hilfe sein kann, die Zeit des Leidens ihrer Seele im spirituellen Raum zu überstehen und zu verkürzen.
Warum ist das so? Es ist nicht so, weil wir Gott damit einen Gefallen tun sollen, sondern weil es sinnvoll ist für uns selbst und für die Welt, in der wir leben. Es ist sinnvoll für unsere Seele im spirituellen Raum. Nur auf diesem Weg kann eine bessere Welt entstehen. Der Dschihad oder der alttestamentarische Spruch »Auge um Auge, Zahn um Zahn« sind nicht die Lösung. Die Welt hat auch nach zweitausend Jahren immer noch eine Chance, eine bessere zu werden.
Der Mensch kann sich Jesus Christus zum Vorbild nehmen und sein Leben in der Form gestalten, dass ihm nach seinem Tod ein spirituelles Sein der Unzerstörbarkeit im spirituellen Raum beschieden sein mag.
Das Jenseits ist die immaterielle Fortführung des menschlichen Daseins hier auf der Erde.
Der Mensch ist als lebendes Wesen, physisch vorhanden mit einem Körper und einem mentalen Geist, mit einer Seele und einem spirituellen Geist, existent, unabhängig von dem, was er glaubt. Mit dem Glauben an die Unsterblichkeit der Seele ist hier die Unsterblichkeit des spirituellen Geistes gemeint.
