Diakonie inszenieren - Jens Kramer - E-Book

Diakonie inszenieren E-Book

Jens Kramer

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Beschreibung

Diakonisches Lernen und Performative Religionsdidaktik weisen Strukturanalogien auf. Bislang wurde diakonisches Lernen meist auf Praxisprojekte/Praktika verengt. Die Performative Religionsdidaktik dagegen zielt auf eine inszenierungsspezifische Weitung des diakonischen Lernens. So wird in Aufnahme des Diskurses zur Performativen Didaktik insbesondere der Inszenierungsbegriff entfaltet, um deutlich zu machen, wie diakonisches Handeln in diakonischen Lernprozessen didaktisch inszeniert werden kann. Des Weiteren wird nach der Entstehung von Empathie durch die Ausbildung von Narrationen gefragt. Diakonisches Handeln ist Handeln in körperlichen Ausdrucksformen - diakonisches Lernen besteht darum in der didaktischen Inszenierung diakonischer Gesten. Abschließend werden Möglichkeiten einer praktischen Umsetzung aufgezeigt. Dabei geht es zum einen um die dichte Beschreibung einer Fortbildung für Lehrkräfte, zum anderen um praktische Beispiele für die Umsetzung im Religionsunterricht.

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Seitenzahl: 399

Veröffentlichungsjahr: 2015

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DIAKONIE

Bildung – Gestaltung – Organisation

 

Herausgegeben von

 

Jürgen Gohde

Hanns-Stephan Haas

Klaus Hildemann

Beate Hofmann

Heinz Schmidt

Christoph Sigrist

 

Band 15

Jens Kramer

Diakonie inszenieren

Performative Zugänge zum diakonischen Lernen

Verlag W. Kohlhammer

Die vorliegende Arbeit ist die für den Druck überarbeitete Fassung der gleichlautenden Dissertation, die im Wintersemester 2013/2014 von der Theologischen Fakultät der Universität Rostock angenommen wurde (Erstgutachter: Prof. Dr. Thomas Klie, Zweitgutachter: Prof. Dr. Martina Kumlehn).

1. Auflage 2015

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Reproduktionsvorlage: Andrea Siebert, Neuendettelsau

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-026283-6

E-Book-Formate:

pdf:       ISBN 978-3-17-026284-3

epub:    ISBN 978-3-17-026285-0

mobi:    ISBN 978-3-17-026286-7

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Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.

Inhalt

Vorwort

1 Einführung

1.1 Performative Religionsdidaktik

1.1.1 Traditionsabbruch

1.1.2 Aspekte einer Zeichendidaktik

1.1.3 Die Diskussion um die Performative Religionsdidaktik

1.2 Diakonisches Handeln und diakonisches Lernen

1.2.1 Ästhetik und Performativität diakonischen Handelns und Lernens

1.2.2 Zum Begriff des diakonischen Lernens

2 Biblische Aspekte diakonischen Lernens

2.1 Klärungen

2.2 Biblische Spurensuche

2.2.1 Zum Begriff διακονία

2.2.2 Altes Testament

2.2.3 Neues Testament

2.2.4 Dimensionen diakonischen Handelns

2.2.5 Implizite Didaktik

3 Diakonie inszenieren

3.1 Inszenierung diakonischer Lernprozesse

3.1.1 Rollen

3.1.2 Gesten

3.1.3 Setting

3.1.4 Sujet

3.1.5 Der Begriff der Inszenierung

3.1.6 Zur Planbarkeit und Intentionalität unterrichtlicher Prozesse

3.1.7 Diakoniedidaktische Konsequenzen

3.2 Handlungen inszenieren – Umrisse einer narrativen Didaktik

3.2.1 Narrationen

3.2.2 Narrative Empathie

3.2.3 Narrative Didaktik

3.3 Diakonisches und ethisches Lernen – Differenzierungen

3.3.1 Ethisches Lernen

3.3.2 Inhalte

3.3.3 Darstellungen

4 Erscheinungsformen diakonischen Lernens – diakonisches Lernen und Compassion

4.1 Voraussetzungen

4.2 Compassion

4.3 Diakonisches Lernen

4.4 Compassion als Schulprojekt

4.5 Diakonie lehren und lernen

4.6 Fazit

5 Praxisformen

5.1 Diakonische Praktika

5.1.1 Allgemeine Aspekte diakonischer Praktika

5.1.2 Lerntheoretische Modelle

5.1.3 Strukturen diakonischer Praktika

5.1.4 Problemanzeige

5.2 Diakonie in Szene setzen – dichte Beschreibung einer Fortbildung für Lehrkräfte

5.3 Gesten der Diakonie – Umsetzungen im Religionsunterricht

5.3.1 Der Einstieg

5.3.2 Barmherziger Samariter – Gestus der tätigen Hilfe und der Zuwendung

5.3.3 Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit

5.3.4 Geste der Zuwendung

5.3.5 Geste des Trostes

5.3.6 Zusammenfassung und Vertiefung

6 Thesen

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Internetquellen

Register

Vorwort

Die vorliegende Veröffentlichung ist eine überarbeitete Fassung meiner kumulativ entstandenen Dissertation „Diakonie inszenieren. Performative Zugänge zum diakonischen Lernen“, die an der Universität Rostock 2013 angenommen wurde.

Das Entstehen der Arbeit ist durch die Unterstützung vieler Menschen möglich geworden. Dank gilt in besonderer Weise meinem Doktorvater Prof. Dr. Thomas Klie, der die Arbeit in ihrem Entstehungsprozess kritisch begleitet hat. Mit zahlreichen Hinweisen hat er stets zum Weiterdenken angeregt. Danken möchte ich auch den Promovendinnen und Promovenden aus dem Doktorandenkolleg sowie Frau Prof. Dr. Kumlehn für das Zweitgutachten.

Ich danke auch dem Kohlhammer-Verlag für die Aufnahme der Arbeit in die Reihe „Diakonie: Bildung – Gestaltung – Organisation“ und dabei insbesondere Herrn Jürgen Schneider sowie Prof. Dr. Heinz Schmidt für die Befürwortung und Beratung.

Dankbar bin ich für die Druckkostenzuschüsse der Diakonie Deutschland, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, sowie des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Auch den Kolleginnen und Kollegen im Amt für kirchliche Dienste sei Dank für ihre Anregungen und Hinweise, besonders danke ich hierbei Matthias Röhm und Cornelia Oswald.

Danken möchte ich schließlich meiner Familie, insbesondere meiner Frau Anja und meinen Kindern Marieke und Jonathan für alle Aufmunterungen und für die Geduld, die sie mit mir gehabt haben.

Potsdam, im Juni 2014

Jens Kramer

1        Einführung

Performative Religionsdidaktik und diakonisches Lernen weisen – rein formal betrachtet – Strukturanalogien auf. Diese Analogien systematisch zu erhellen und beide didaktischen Ansätze funktional zusammenzudenken, ist das pragmatische Ziel dieser Untersuchung. Die Diskussionen um Performative Religionsdidaktik und diakonisches Lernen begannen vor etwa 15 bis 20 Jahren. Zum diakonischen Lernen gibt es seit Mitte der 1990er Jahre verschiedene Untersuchungen und Darstellungen,1 die Performative Religionsdidaktik wird seit Beginn des neuen Jahrtausends diskutiert.2 Die Diskurse verlaufen jedoch auf verschiedenen Ebenen. Gibt es zum diakonischen Lernen zwar unterschiedliche Akzentuierungen und mehrere empirische Untersuchungen, so wird es doch nicht prinzipiell hinterfragt. Auf der anderen Seite steht die Performative Religionsdidaktik selbst im Zentrum der Diskussion, indem diese als didaktische Konzeption kritisiert wird. Die Tatsache, dass diese beiden Themen aktuell breit diskutiert werden, hat nicht zuletzt auch gesellschaftliche Gründe. Sowohl das diakonische Lernen als auch die Performative Religionsdidaktik sind je unterschiedliche Antworten auf sich verändernde gesellschaftliche Bedingungen.3

Neben diesen eher formalen Gemeinsamkeiten gibt es auch gravierende Unterschiede zwischen dem diakonischen Lernen und der Performativen Religionsdidaktik. Im Gegensatz zum diakonischen Lernen handelt es sich bei der Performativen Religionsdidaktik um eine Didaktik, also um eine formale Konzeption von Religionsunterricht. Material eröffnet sich damit eine Vielfalt, die sich nicht in einen thematischen Kanon fassen lässt. Diakonisches Lernen ist durch einen bestimmten Gegenstand (Diakonie im weitesten Sinne) definiert und ist nicht auf eine bestimmte Methode oder Didaktik beschränkt. Will man beide Lehr-Lern-Konzepte aufeinander beziehen, sind zunächst Begriffs- und Verständnisklärungen notwendig, auch um den inneren Zusammenhang der einzelnen Aufsätze deutlich zu machen. In einem ersten Schritt soll darum die Performative Religionsdidaktik dargestellt werden (Kap. 0) und anschließend das diakonische Lernen (Kap. 0).

Im Rahmen dieser Arbeit wird von folgenden Grundannahmen ausgegangen:

−  Es gibt didaktische Korrespondenzen von diakonischem Lernen und Performativer Religionsdidaktik,

−  in der Diskussion um das diakonische Lernen kommt es zumeist zu einer Engführung auf diakonische Praxisprojekte, die explizit didaktische Theoriezugriffe ausblendet,

−  die Ästhetisierung diakonischen Handelns und Lernens ist bislang theoretisch unterbestimmt.

Damit werden der forschungsgeschichtliche Rahmen der Arbeit und die Bedeutung für den religionspädagogischen Diskurs umrissen. Die vorliegende Arbeit erweitert die Diskussion um das diakonische Lernen, indem die Strukturanalogien zur Performativen Religionsdidaktik deutlich gemacht werden und konkretisiert die Performative Religionsdidaktik um den zentralen diakoniedidaktischen Aspekt.

1.1       Performative Religionsdidaktik

Die Diskussion um die Performative Religionsdidaktik wurde seit der Veröffentlichung erster Beiträge4 bisweilen polemisch5 geführt. Mittlerweile ist bereits mehrfach ein Überblick über die verschiedenen Entwicklungen gegeben worden.6 Insofern die Performative Religionsdidaktik Gegenstand einer diakoniedidaktischen Arbeit ist, soll die Diskussion nur im Hinblick darauf aufgenommen werden, dass sie mit dem diakonischen Lernen korrespondiert. Dies betrifft u. a. die beiden empirischen bzw. theoretischen Voraussetzungen Performativer Religionsdidaktik, den sog. Traditionsabbruch und die Zeichendidaktik, darüber hinaus wird ein kurzer Überblick über die Diskussion über die Performative Religionsdidaktik gegeben.

1.1.1     Traditionsabbruch

Bernhard Dressler hat in seinem Aufsatz „Darstellung und Mitteilung. Religionsdidaktik nach dem Traditionsabbruch“7 die verschiedenen Aspekte der Rede vom Traditionsabbruch dargelegt. Dabei geht er zunächst davon aus, dass die theologische Lehre sekundär ist in Bezug auf die christliche Glaubenspraxis, diese also zwangsläufig auch zum Gegenstand religiöser Bildung werden muss. Schulische religiöse Bildung kann nicht nur „reflexiv-nachdenkend“ erfolgen, insbesondere dann nicht, wenn die Glaubenspraxis den Lernenden weder familiär noch kirchlich vermittelt wird, weil diese Lernenden nicht explizit religiös sozialisiert sind.8 Darüber hinaus verbirgt sich hinter der Rede vom Traditionsabbruch empirisch ein „Versiegen des Überlieferungsflusses“.9 Dies ist sowohl qualitativ als auch quantitativ bestimmt. Die kulturpessimistische Annahme dieses gesellschaftlichen Faktums produziert jedoch einen didaktischen Kurzschluss, wenn daraus material-kerygmatisch gefordert wird, theologische Inhalte zu lernen zu geben.10

Nach Dressler bezieht sich die Rede vom Traditionsabbruch auch auf eine fehlende gesellschaftliche Legitimierung der christlichen Religion. Aus der These Niklas Luhmanns, dass es heute keine religiösen Gründe mehr dafür gebe, religiös zu sein, folgt, dass für viele Religion ihr Monopol bei der Beantwortung lebensbedeutender Fragen verloren hat. Der im Zusammenhang mit dem Traditionsabbruch häufig zitierte Beitrag von Wilfried Bergau benennt neben exemplarischen Beobachtungen zum Lernverhalten auch Konsequenzen für den Unterricht. Diese sind für Bergau: Mehr Biographiearbeit (autobiographische Texte, Zeitzeugen etc.), die Bibel als Glaubensbuch lesen (um den Lernenden Orientierung zu geben), eine stärkere Praxisorientierung des Religionsunterrichts und schließlich die Forderung, Fremdes auch als Fremdes stehenzulassen und nicht ständig pädagogisch zu funktionalisieren. Bergau geht in seinem Beitrag aus dem Jahr 1987 von einer zunehmenden Subjektivierung und Medienorientierung bei Kindern und Jugendlichen aus, die er für den Traditionsabbruch verantwortlich macht. In seinem Beitrag aus dem Jahr 1991 weitet er seine These kulturpessimistisch: „ ist auch ein qualifizierender Begriff, sofern er generell eine und bezeichnet und damit die behauptet. Die Suche nach Wahrheit, die Reflexion des Gattungsbegriffs Mensch, der gesellschaftlich vermittelte kritische Diskurs in einer Öffentlichkeit von mündigen Bürgern wird umgebogen und damit abgebrochen in die allein subjektive Wahrheitssuche.“

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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