Die alte Jungfer - Gotthold Ephraim Lessing - E-Book

Die alte Jungfer E-Book

Gotthold Ephraim Lessing

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Beschreibung

Die alte Jungfer erzählt die amüsante Geschichte der Mademoiselle Ohdin, die sich nach Jahrzehnten der Einsamkeit wieder auf den Heiratsmarkt wirft – und es nun recht eilig hat, einen geeigneten rechtschaffenen Mann zu finden! Dass die Partnersuche auch im sonst so eleganten 18. Jahrhundert so ihre Tücken hatte und so manche urkomische Verwicklungen nach sich zog, zeigt Lessings grandioses Lustspiel im Stil der Commedia dell'arte mit seinen Slapstick-Szenen, bissigen Dialogen und bisweilen vor Spott nur so triefenden Begegnungen. -

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Gotthold Ephraim Lessing

Die alte Jungfer

Ein Lustspiel in drei Aufzügen

Saga

Die alte Jungfer

 

Coverbild/Illustration: Shutterstock

Copyright © 1749, 2021 SAGA Egmont

 

Alle Rechte vorbehalten

 

ISBN: 9788728015520

 

1. E-Book-Ausgabe

Format: EPUB 3.0

 

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit der Zustimmung vom Verlag gestattet.

Dieses Werk ist als historisches Dokument neu veröffentlicht worden. Die Sprache des Werkes entspricht der Zeit seiner Entstehung.

 

www.sagaegmont.com

Saga ist Teil der Egmont-Gruppe. Egmont ist Dänemarks größter Medienkonzern und gehört der Egmont-Stiftung, die jährlich Kinder aus schwierigen Verhältnissen mit fast 13,4 Millionen Euro unterstützt.

Non tu nunc hominum mores vides?

Dum dos sit, nullum vitium vitio vortitur.

Plautus

Personen.

Jungfer Ohldin. Lelio. Lisette. Herr Oronte und seine Frau. Herr von Schlag, Capitaine. Peter. Clitander, Lelios Freund. Kräusel, ein Poet. Herr Rehfuss.

 

Der Schauplatz ist ein Saal.

Erster Aufzug

Erster Auftritt

Jungfer Ohldin. Herr Oronte und seine Frau.

HERR ORONTE. Ach! Grillen, dazu wird man nimmermehr zu alt! und wie alt sind Sie denn? Wie lange ist es, daß ich Sie noch habe auf dem Arme herum tragen sehn? Wenn es 50, ein, zwei – – je nu – – etliche funfzig Jahr – – –

JUNGFER OHLDIN. Warum nicht achtzig gar? Wenn Sie mich für so alt halten, was reden Sie mir viel vom Heiraten vor?

HERR ORONTE. Ei nicht doch! nicht zu alt! gar nicht zu alt! 54 Jahr ist just recht für eine mannbare Jungfer – – – Wenn die Dingergen so jung heiraten, so werden auch die Kinder darnach – – –

JUNGFER OHLDIN. Mit Ihren 54 Jahren – – –

FRAU ORONTE. Es ist wahr. Du irrest dich, mein Kind. Kannst du doch noch nicht einmal so alt sein.

HERR ORONTE. Das stünde mir auch an. Ich, und das Säkulum, wir gehen mit einander. Darfst du dich etwan über mein Alter beschweren? Bin ich nicht noch – –

FRAU ORONTE. Gut! gut! Also kannst du sie nicht, als ein Kind, gekannt haben.

HERR ORONTE. Ach – – was, Kind – –

JUNGFER OHLDIN. Wenn Sie mir nicht glauben wollen; mein Taufschein kann es ausweisen, daß ich erst auf Ostern fünfzig Jahr bin.

HERR ORONTE. Was? Sie erst funfzig Jahr? Ich denke, wer weiß wie alt Sie sind. O! da ist ihre Zeit noch nicht verflossen. Sara war 90 Jahr alt. Und nach Ihrem Gesichte hätte ich Sie gewiß auch nicht für jünger – –

JUNGFER OHLDIN. Ei! mein Gesicht – – mein Gesicht – – wem das nicht ansteht –

HERR ORONTE. Wer sagt das? Ihr Gesichte hat noch seine Liebhaber. Würde denn sonst der Herr Capitaine von Schlag? – – –

JUNGFER OHLDIN. Was? von? ist er gar ein Adlicher?

HERR ORONTE. Ja freilich, und zwar aus einer der ältesten Familien. Er steht bei dem König vortrefflich angeschrieben, der ihm auch in Gnaden seinen Abschied erteilt hat, weil er das Unglück hatte, im letzten Feldzuge, zu fernern Diensten, untüchtig gemacht zu werden.

JUNGFER OHLDIN. Untüchtig? – – – Nein, ich besinne mich alleweile. Ich mag ihn nicht. Wenden Sie sich an eine andre. Ich kann nichts tun, als ihn bedauren.

HERR ORONTE. Er mag aber keine andre, als Sie. Und verlangen Sie denn einen Mann, der stets zu Felde liegt? und der um Sie des Jahrs kaum zwei Nächte sein kann? Die abgedankten Offizier sind die besten Ehemänner; wenn sie ihren Mut nicht mehr an den Feinden beweisen können, so sind sie desto mannhafter gegen ihre – – – Doch ich komme zu weit in Text. Sie verstehen mich doch nicht. – – –

JUNGFER OHLDIN. Ach – denkt doch – –

HERR ORONTE. So? verstehen Sies schon? Ich denke – – –

JUNGFER OHLDIN. Ich denke, daß Sie mich nur zum besten haben wollen.

HERR ORONTE. Oder Sie mich. Sage ich. Sie verstehens, so ist es nicht recht. Sage ich, Sie verstehens nicht, so ists wieder nicht recht. Ich sehe wohl, so alt Ihr Köpfchen ist, so eigensinnig ist es auch. Wollen Sie, oder wollen Sie nicht?

JUNGFER OHLDIN. Behüts Gott! muß man sich denn gleich ärgern? Reden Sie ihm doch zu, Frau Oronte.

FRAU ORONTE. Du mußt, mein lieber Mann, ein wenig gelinder mit ihr verfahren. Du wirst es ja wohl noch an meinem Beispiele wissen, wie es einem Frauenzimmer ist, wenn man ihr das erstemal dergleichen Sachen vorsagt.

JUNGFER OHLDIN. Ach, das erstemal – – das erstemal – – Wenn ich hätte heiraten wollen – –

HERR ORONTE. Sie wollen also nicht?

JUNGFER OHLDIN. Daß Gott! Sie sind auch gar zu stürmisch – – Kann man sich denn in solchen wichtigen Sachen gleich auf der Stelle entschließen?

HERR ORONTE. Ja, ja. Man kann und muß. Gleich in der ersten Hitze. Wenn die verdammte Überlegung darzu kömmt, so ist es auf einmal aus. Gott sei Dank! die Überlegung ist mein Fehler nicht. Soll denn Ihr schönes Vermögen an lachende Erben kommen? In den Händen Ihres verschwendrischen Vetters wirds lange währen. Selbst Kinder gemacht, so weiß man doch, wem mans hinterläßt. Sie kommen durch die Heirat in ein altes adliches Geschlecht, Sie wissen nicht wie. Und wollen Sie denn in die Grube fahren, ohne das überirdische Vergnügen des Ehestands geschmeckt zu haben?

JUNGFER OHLDIN. Je nu, so wäre mein Trost, daß ich auch seine Beschwerlichkeiten nicht hätte ertragen dürfen.

FRAU ORONTE. O! die sind bei der Lust, die er uns schafft, zu dulden. Und kömmt ein Paar zusammen, wie ich und mein lieber Mann, so wird man wenig davon zu sagen haben. Nicht wahr, mein allerliebstes Kind? Wie – –

HERR ORONTE. Ja. Das ist wahr, mein Schätzchen, wir haben einander das Leben so süße gemacht, so anmutig – – Wir sind auch in unserer Nachbarschaft ein Muster einer glücklichen Ehe.

FRAU ORONTE. Wir sind ein Leib und eine Seele beständig gewesen – –

HERR ORONTE. Wir wissen von keinem Zank noch Streit. Des einen Verlangen ist stets auch des andern Wille gewesen. Ja, mein englisches Weibchen – –

FRAU ORONTE. Das ist wahr, mein goldnes Männchen.

JUNGFER OHLDIN. Wahrlich, so ein Paar macht einem den Mund ganz wäßrig.

HERR ORONTE. Und das nun schon in die 26 Jahr.

FRAU ORONTE. So einig, so vertraut, wie die Täubchen – –

HERR ORONTE. Schon 26 Jahr.

FRAU ORONTE. Du irrst dich, mein Kind; erst 24.

HERR ORONTE. Ei! wie so? Zähle doch nach.