Beschreibung

Die Vorgeschichte zur Maze Runner-Trilogie – düster, packend, nervenaufreibend! *** 13 Jahre bevor Thomas ins Labyrinth kam: Unerträgliche Hitze, radioaktive Strahlen und riesige Flutwellen – das Land liegt brach. Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben. Mark und seine Freunde irren durch verlassene Städte auf der Suche nach einem Ort, an dem sie bleiben können. Als sich ein Hubschrauber nähert, glauben sie an Rettung. Doch sie werden beschossen, mit infizierten Pfeilen, die einen Virus verbreiten. Wer tut den Menschen so etwas an? Mark und seiner Truppe bleibt nicht viel Zeit das herauszufinden, denn der Virus mutiert und wird zur tödlichen Gefahr … *** Vorsicht: Spoiler-Alarm für die Trilogie.   Alle Bände der weltweiten Bestseller-Serie "Maze Runner": Die Auserwählten im Labyrinth (Band 1) Die Auserwählten in der Brandwüste (Band 2) Die Auserwählten in der Todeszone (Band 3) Die Auserwählten - Kill Order (Band 4, spielt 15 Jahre vor Band 1) Die Auserwählten - Phase Null (Band 5, spielt unmittelbar vor Band 1)

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
oder

Von James Dashner bereits erschienen: Die Auserwählten – Im Labyrinth (Maze Runner Teil 1) Die Auserwählten – In der Brandwüste (Maze Runner Teil 2) Die Auserwählten – In der Todeszone (Maze Runner Teil 3)CHICKEN HOUSE-Newsletter Tolle neue Lesetipps kostenlos per E-Mail!www.chickenhouse.de Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung, können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden. In diesem E-Book befinden sich Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich die Carlsen Verlag GmbH die Inhalte Dritter nicht zu eigen macht, für die Inhalte nicht verantwortlich ist und keine Haftung übernimmt.Ein Chicken House-Buch im Carlsen Verlag© der deutschen Erstausgabe by CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2015 © der amerikanischen Originalausgabe by Delacorte Press, an imprint of Random House Children’s Books, a division of Random House, Inc., New York, 2012 In Great Britain published 2013 by The Chicken House, 2 Palmer Street, Frome, Somerset, BA111DS Text © James Dashner, 2012 The author has asserted his moral rights. All rights reserved. Originaltitel: The Kill Order Umschlagbild: Shutterstock/Nejron Photo und sababa66 und aarrows Umschlaggestaltung: Henry’s Lodge, Vivien Heinz Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger und Katharina Hinderer Lektorat: Regine Teufel Layout und Herstellung: Tobias Hametner Satz und E-Book-Umsetzung: Dörlemann Satz, Lemförde ISBN 978-3-646-92756-6

Für Kathy Egan.Ich vermisse dich sehr.

Teresa betrachtete ihren besten Freund und fragte sich, wie sie ihn jemals vergessen sollte.

Sie konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen, obwohl sie die Implantation der Gedächtnisblockade schon bei Dutzenden von Jungen miterlebt hatte. Aber Thomas, sein widerspenstiges Haar, sein eindringlicher Blick – wie sollte ihr dieser Junge je fremd werden? Wie sollte es möglich sein, dass sie im gleichen Raum sein würden und keine Witze über einen seltsamen Geruch oder einen ahnungslosen Loser reißen würden? Wie sollten sie sich jemals gegenüberstehen und nicht telepathisch miteinander reden?

Undenkbar.

Und doch war es morgen so weit.

Für sie. Bei Thomas ging es nur noch um Minuten. Er lag bereits auf dem OP-Tisch, die Augen geschlossen, seine Brust hob und senkte sich sanft und gleichmäßig. Er sah aus wie immer: ein stinknormaler Junge, der einen stinknormalen Mittagsschlaf nach einem stinknormalen Schultag hält. Bevor Sonneneruptionen und eine Seuche die Welt auf den Kopf gestellt hatten. Bevor Kinder gekidnappt und an einem grauenvollen Ort ausgesetzt wurden. Und man ihnen die Erinnerung raubte. Bevor das menschliche Gehirn als Todeszone bezeichnet wurde, die man beobachten und untersuchen musste. Alles im Namen der Wissenschaft und Heilung.

Ein Arzt und eine Krankenschwester hatten Thomas für die OP vorbereitet und legten jetzt die Maske auf sein Gesicht. Es klickte, zischte, piepte. Teresa sah zu, wie Metall, Kabel und Plastikschläuche über Thomas’ Haut und in seine Hörkanäle glitten. Seine Hände zuckten. Trotz der Medikamente empfand er wahrscheinlich auf irgendeiner Bewusstseinsebene Schmerz, aber er würde sich nie daran erinnern.

Die Maschine begann mit der Arbeit, saugte Bilder aus Thomas’ Gedächtnis, löschte die Erinnerung an seine Mutter, den Vater, sein Leben. Und an sie.

Eine schwache Stimme in ihr rebellierte. Wollte schreien, brüllen und jede weitere Mitarbeit verweigern. Doch Teresa hörte nicht hin. Zum größten Teil stand sie hinter dem System. Ja, sie war felsenfest davon überzeugt, dass sie morgen noch genauso dachte, wenn sie sich auf diesen OP-Tisch legte. Damit stellten Thomas und sie ihre Überzeugung unter Beweis: Indem sie sich derselben Tortur unterzogen, die man den anderen abverlangt hatte. Und wenn sie dabei draufgingen, dann sollte es eben so sein. ANGST würde die Heilung finden, Millionen würden gerettet werden und das Leben auf der Erde würde sich irgendwann wieder normalisieren. Teresa hatte nicht den geringsten Zweifel daran, genauso wenig wie sie bezweifelte, dass die Menschen älter wurden und die Bäume im Herbst ihre Blätter verloren.

Thomas atmete schwer, stöhnte leise und regte sich. Eine schreckliche Sekunde lang dachte Teresa, er könnte hysterisch vor Schmerzen aufwachen – in seinem Kopf steckten Kabel, die alles Mögliche mit seinem Gehirn anstellten. Aber er beruhigte sich wieder und atmete entspannt weiter. Das Klicken, Piepen und Zischen hielten an, während die Erinnerungen ihres besten Freundes wie Echos verklangen.

Sie hatten sich offiziell voneinander verabschiedet. Die Worte Bis morgen hallten noch in ihrem Kopf nach. Aus irgendeinem Grund hatte es sie verletzt, als Thomas das gesagt hatte. Es machte alles, was bevorstand, noch surrealer und trauriger. Sie sahen einander morgen, nur lag sie dann im Koma und er hatte nicht den blassesten Schimmer, wer sie war – bis auf das diffuse Gefühl, dass sie ihm bekannt vorkam. Morgen. Nach allem, was sie durchgemacht hatten – der Angst, dem Training, der Planung –, war jetzt der entscheidende Moment gekommen. Was man mit Alby, Newt, Minho und all den anderen gemacht hatte, würde nun auch mit ihnen passieren. Es gab kein Zurück.

Teresa berauschte sich an ihrer Gelassenheit wie an einer Droge. Sie war mit sich im Reinen. Dieses beruhigende Gefühl hielt schreckliche Wesen wie Griewer und Cranks von ihr fern. ANGST hatte keine andere Wahl. Ebenso wenig wie Thomas und sie. Wie hätte sie davor zurückschrecken können, ein paar wenige zu opfern, um so viele zu retten? Niemand konnte das. Mitleid oder Traurigkeit brachten ja sowieso nichts. Was getan werden musste, wurde getan, ohne Wenn und Aber. Sie und Thomas hatten bei der Entwicklung des Labyrinths mitgeholfen. Und mühsam hatte sie eine innere Mauer aufgebaut, die ihre Gefühle im Zaum hielt.

Teresa stand neben dem OP-Tisch und wartete darauf, dass die Prozedur ein Ende fand.

Als es schließlich so weit war, tippte der Arzt mehrere Male auf einen Bildschirm, das Piepen, Zischen und Klicken wurden schneller. Thomas zuckte ein wenig, als die Schläuche und Kabel automatisch aus ihm herausgezogen wurden und zurück in die Maske glitten. Das Gerät schaltete sich ab, die Geräusche verstummten. Still lag Thomas da. Die Krankenschwester beugte sich vor und nahm ihm die Maske ab. Seine Haut war gerötet und an den Kontaktstellen von Striemen überzogen. Seine Augen blieben geschlossen.

Für einen kurzen Moment begann die Mauer um Teresas Gefühle zu bröckeln. Wenn Thomas jetzt aufwachte, würde er sich nicht an sie erinnern. Furcht stieg in ihr auf und sie geriet fast in Panik bei der Vorstellung, dass sie sich bald auf der Lichtung treffen und einander nicht erkennen würden. Ein niederschmetternder Gedanke, der ihr wieder einmal deutlich machte, warum sie die Mauer um ihr Herz hochgezogen hatte. Wie ein Handwerker, der einen Ziegelstein in den trocknenden Zement drückt, verschloss sie den Riss in der Mauer.

Es gab kein Zurück.

Zwei Männer vom Sicherheitsteam kamen herein, um Thomas abzuholen. Sie hoben ihn wie eine Strohpuppe vom OP-Tisch – der eine hielt ihn an den Armen, der andere an den Füßen – und legten ihn auf eine Rolltrage. Ohne Teresa eines Blickes zu würdigen, steuerten sie auf die Tür zu. Alle wussten, wohin er gebracht wurde. Der Arzt und die Krankenschwester machten sich ans Aufräumen: Ihre Arbeit war erledigt. Teresa nickte ihnen zu, obwohl sie nicht in ihre Richtung schauten, und folgte den Männern auf den Gang hinaus.

Sie konnte Thomas kaum anschauen, als sie sich auf den langen Weg durch die Flure des ANGST-Hauptquartiers machten und mit dem Aufzug nach unten fuhren. Er war furchtbar blass, das Gesicht von Schweißperlen überzogen. Als wäre er bei Bewusstsein, als kämpfte er gegen die Medikamente an, als spürte er, dass ihm schreckliche Dinge bevorstanden. Es tat ihr im Herzen weh, das zu sehen. Und es machte ihr Angst, denn sie war als Nächste dran. Diese dämliche Mauer in ihrem Kopf! Was nützte ihr die? Sie würde ihr sowieso mitsamt den Erinnerungen weggenommen werden.

Sie erreichten die Kellerebene unter dem Labyrinth und durchquerten das Lager mit den Regalreihen voller Vorräte für die Jungen auf der Lichtung. Es war dunkel und kühl hier unten und Teresa spürte, wie sie eine Gänsehaut bekam. Zitternd rieb sie sich die Arme. Als die Rolltrage über den rissigen Betonboden holperte, wurde Thomas hin und her gerüttelt. Wahrscheinlich versuchte sich in seinem Inneren das Grauen noch immer einen Weg an die Oberfläche zu bahnen. Aber sein Gesicht wirkte ruhig.

Sie erreichten den Aufzugsschacht mit dem großen Metallkasten.

Die Box.

Sie befand sich zwar nur wenige Stockwerke unter der Lichtung, doch den Jungen auf der Lichtung wurde vorgegaukelt, dass der Weg nach oben unfassbar lang und beschwerlich war. Das alles war dazu gedacht, eine Reihe von Emotionen und Mustern im Gehirn hervorzurufen, die von Verwirrung über Orientierungslosigkeit bis zu tiefer Furcht reichten. Ein perfekter Start für diejenigen, die eine Karte von Thomas’ Todeszone erstellen wollten. Teresa wusste, dass sie morgen die gleiche Reise mit einem Zettel in der Hand antrat. Aber zumindest lag sie dann im Koma und bekam nichts von der halbstündigen Fahrt in absoluter Dunkelheit mit. Die Vorstellung, dass Thomas ganz allein in der Box aufwachen würde, quälte sie.

Die beiden Männer rollten ihn neben die Box. Scheppernd zog einer der beiden eine lange Leiter heran. Die Stimmung war angespannt, als sie Thomas die Leiter hochhievten. Teresa hätte ihnen helfen können, aber sie ließ es sein. Störrisch blieb sie einfach stehen und sah zu, während sie versuchte ihre Gefühle auszublenden.

Unter Stöhnen und Fluchen zogen und bugsierten die Männer Thomas an den oberen Rand der Box. Sein Körper war so gedreht, dass sein Gesicht mit den geschlossenen Augen ein letztes Mal in Teresas Richtung zeigte. Obwohl sie wusste, dass er sie nicht hörte, sprach sie in Gedanken mit ihm.

Wir machen das Richtige, Thomas. Wir sehen uns auf der anderen Seite.

Die Männer beugten sich über den Rand der Box und ließen Thomas an den Armen so tief hinab, wie sie konnten. Dann ließen sie los. Teresa hörte den dumpfen Schlag, als sein Körper auf dem kalten Stahlboden der Box aufschlug. Ihr bester Freund.

Sie wandte sich ab und ging. Hinter ihr war wieder das Scheppern von Metall auf Beton zu hören, gefolgt von einem lauten, dröhnenden Knall, als sich die Oberseite der Box schloss.

Thomas’ Schicksal war besiegelt, wie immer es auch aussehen mochte.

Mark spürte die Kälte, obwohl er seit Ewigkeiten nicht mehr gefroren hatte.

Er war gerade aufgewacht. Das erste Morgenlicht bahnte sich den Weg durch die Ritzen zwischen den übereinanderliegenden Baumstämmen, aus denen die Wand der kleinen Hütte bestand. Seine Decke benutzte Mark so gut wie nie. Er war stolz auf diese Decke aus dem Fell eines riesigen Wapitihirschs, den er vor zwei Monaten erlegt hatte. Wenn er sie benutzte, dann eher weil es gemütlich war. Sie lebten schließlich in einer Welt, in der die sengende Hitze alles verbrannt hatte. Aber vielleicht war seine Gänsehaut ja auch ein Zeichen der Besserung. Morgenluft strömte durch die Ritzen herein und fühlte sich tatsächlich kühl an. Mark zog die Decke hoch bis ans Kinn und drehte sich auf den Rücken, dabei gähnte er laut und ausgiebig.

Gegenüber – keine anderthalb Meter entfernt – schlief Alec oben in dem anderen Stockbett und schnarchte wie ein Walross. Ein älterer, hartgesottener Ex-Soldat, den man selten lächeln sah. Und wenn es doch mal dazu kam, war es eher ein schiefes Grinsen, als würde etwas in seinen Eingeweiden rumoren. Dabei hatte Alec ein Herz aus Gold, das wusste Mark inzwischen. Seite an Seite mit dem alten Bären, zusammen mit Lana, Trina und den anderen, hatte Mark ein ganzes Jahr lang ums Überleben gekämpft. Er schnappte sich einen Schuh, warf ihn nach Alec und traf ihn an der Schulter. Mit einem lauten Brüllen schoss Alec hoch, durch sein jahrelanges Militärtraining war er sofort hellwach. »Was …?«, brüllte er, aber da traf ihn schon der zweite Schuh, diesmal an der Brust. Jetzt zuckte er mit keiner Wimper, sondern starrte Mark nur aus zusammengekniffenen Augen an. Ein Funken Humor blitzte auf.

»Du mieses Stück Rattenleber«, sagte er seelenruhig. »Bist du lebensmüde oder warum reißt du mich aus dem Schlaf?«

»Ähhhhmmm«, sagte Mark und rieb sich das Kinn, als würde er scharf nachdenken. Dann schnippte er mit den Fingern. »Jetzt weiß ich’s wieder. Ich wollte die fürchterlichen Geräusche abstellen, die du von dir gibst. Im Ernst, Mann. Du solltest vielleicht auf der Seite schlafen. Dermaßen zu schnarchen kann nicht gesund sein. Irgendwann erstickst du noch.«

Alec grummelte und knurrte ein paarmal, dann schwang er sich mit unverständlichem Gemurmel von seinem Stockbett herunter und zog sich an. Außer »hätte ich bloß nicht …«, »wär besser gewesen …« und »Jahr in der Hölle …« konnte Mark nicht viel verstehen. Aber es war klar, worum es ging.

»Jetzt komm schon, Sergeant«, sagte Mark und wusste genau, dass er den Bogen damit fast überspannte. Alec war schon lange aus dem Militär ausgeschieden und er hasste, hasste, hasste es, wenn Mark ihn so nannte. Zur Zeit der Sonneneruptionen war Alec längst Angestellter des Verteidigungsministeriums gewesen. »Du hättest es nie bis in diese heimelige Hütte geschafft, wenn wir dir nicht täglich aus irgendeiner Klemme geholfen hätten. Also, Freunde?«

Alec zog sich gerade ein T-Shirt über den Kopf und blickte auf Mark herunter. Er war nicht nur weitaus älter als Mark, sondern auch größer. Seine buschigen Augenbrauen wuchsen in der Mitte zusammen und sahen aus wie haarige Käfer beim Versuch, sich zu paaren. »Ich mag dich, Kleiner. Wär ein Jammer, dich ins Jenseits befördern zu müssen.« Er verpasste Mark einen Klaps auf den Kopf – anders schien das Raubein seine Zuneigung nicht zeigen zu können.

Mark betrachtete Alec immer noch gern als Soldaten. Irgendwie gab ihm das ein Gefühl der Sicherheit. Er lächelte, als Alec aus ihrer Hütte stampfte, um den neuen Tag in Angriff zu nehmen. Es war ein echtes Lächeln. Etwas, das nach einem Jahr voller Tod und Schrecken nur langsam wiederkehrte. Auf der Flucht vor den grauenvollen Ereignissen waren sie hier oben in den Appalachen im Westen North Carolinas gelandet.

Mark schob all die schlimmen Dinge aus der Vergangenheit beiseite. Heute war ein guter Tag. Ganz egal, was passierte.

Und dazu brauchte er zuallererst Trina. Schnell zog er sich an und ging nach draußen, um sie zu suchen.

Der Aufstieg war wie immer ernüchternd. Mit jedem Schritt schwand Marks Optimismus – der Anblick von Baumhäusern, Hütten und Höhlen in ihrer Umgebung war einfach zu jämmerlich. Nichts als rohe Baumstämme, Efeuranken, Lehm und alles ziemlich windschief zusammengeschustert. Mark konnte nicht auf die belebten Gassen und Pfade dieser armseligen Siedlung hinunterblicken, ohne an frühere Zeiten in der großen Stadt zu denken, als es noch alles in Hülle und Fülle gegeben hatte. Und damals hatte er das noch nicht mal zu schätzen gewusst!

Er lief an Horden dürrer, schmutziger Gestalten vorbei, die mehr tot als lebendig aussahen. Sie taten ihm nicht leid. Nur der Gedanke, dass er selbst genauso aussah, war ihm zuwider. Noch hatten sie genug Nahrungsmittel – aus den Ruinen, aus dem Wald, manchmal wurde was aus Asheville hochgebracht – aber Rationierung war gang und gäbe und alle sahen aus, als würde ihnen eine Mahlzeit am Tag fehlen. Und man konnte eben nicht im Wald leben, ohne hier und da ein bisschen Dreck abzukriegen, egal wie oft man sich im Bach wusch.

Der Himmel war blau, doch ein ständiger Hauch Orangebraun trübte die Atmosphäre, seit die verheerenden Sonneneruptionen ohne jede Vorwarnung zugeschlagen hatten. Mehr als ein Jahr war das mittlerweile her, trotzdem hingen die orangefarbenen Schleier nach wie vor am Himmel, um sie für immer an die Katastrophe zu erinnern. Wer wusste schon, ob es jemals wieder ›Normalität‹ geben würde? Die Kühle, die Mark beim Aufwachen gespürt hatte, kam ihm inzwischen fast wie ein Hirngespinst vor – obwohl die Sonne gerade erst hinter den umliegenden Berggipfeln aufging, brannte sie jetzt schon erbarmungslos auf ihn herab.

Aber nicht alles war düster. Als Mark das Gewusel ihrer Siedlung hinter sich ließ und in den Wald ging, entdeckte er die ersten Anzeichen hoffnungsvoller Veränderungen. Neue Bäume wuchsen, alte erholten sich, Eichhörnchen jagten durch die verkohlten Tannennadeln, grüne Knospen und Triebe ringsum. In einiger Entfernung sah er sogar eine hellrote Blüte. Er hätte sie gern für Trina gepflückt, wusste aber, dass sie ihn einen Kopf kürzer gemacht hätte, wenn er auf diese Weise das Gesunden des Waldes gestört hätte.

Vielleicht wurde es ja wirklich ein guter Tag. Sie hatten immerhin die schlimmste Naturkatastrophe der Menschheit überlebt – vielleicht gab es einen Neuanfang für sie.

Der Aufstieg wurde immer anstrengender. Schwer atmend erreichte er endlich Trinas Lieblingsstelle. Sie war oft hier oben, vor allem morgens, wenn sonst noch niemand unterwegs war. An diesen stillen Ort verzog sie sich am liebsten zum Lesen. Auf der Flucht waren sie an einer alten Bücherei vorbeigekommen und hatten ein paar Bücher eingesteckt. Trina las für ihr Leben gern und jetzt holte sie alles nach, was sie in den Monaten verpasst hatte, als sie buchstäblich um ihr Leben gerannt waren. Digitalen Lesestoff gab es schon lange nicht mehr, vermutete Mark zumindest – alles war verloren gegangen, als sämtliche Computer und Server durchgebrannt waren. Trina las die alten Schinken aus Papier.

Mark blieb hinter einem Baum stehen und beobachtete sie. Er wusste, dass sie ihn kommen gehört hatte, war aber glücklich, dass sie so tat, als hätte sie ihn nicht bemerkt.

Wie hübsch sie war! Sie saß an einen großen Granitbrocken gelehnt, der aussah, als hätte ihn ein Riese zur Dekoration hingestellt. In ihrem Schoß lag ein dickes Buch. Gerade blätterte sie um und ihre grünen Augen folgten den Zeilen. Sie trug ein schwarzes T-Shirt, abgetragene Jeans und Turnschuhe, die schon beinahe auseinanderfielen. Der Wind spielte in ihren kurzen blonden Haaren und sie strahlte eine tiefe Ruhe aus. Als würde sie ins Früher gehören, in die Welt vor der Katastrophe.

In Marks Augen gehörten sie zusammen – Trina gehörte zu ihm und er zu ihr. Ihre Freunde und Verwandten lebten nicht mehr. Er war einfach der Letzte, der ihr geblieben war. Sie konnte ihn nehmen oder für immer allein bleiben. Aber er spielte seine Rolle gern und betrachtete sich als Glückspilz. Er wusste nicht, was er ohne Trina gemacht hätte.

»Dieses Buch wäre so viel besser, wenn mich nicht beim Lesen ein gruseliger Typ anstarren würde.« In Trinas Stimme lag nicht die geringste Andeutung eines Lachens. Sie blätterte wieder um und las weiter.

»Ich bin’s bloß«, sagte er. Meistens klang es immer noch bescheuert, was er in ihrer Gegenwart sagte. Er trat hinter dem Baum hervor.

Sie lachte und schaute endlich zu ihm hoch. »Wird auch langsam Zeit, dass du kommst! Ich hätte schon fast angefangen mit mir selbst zu reden. Immerhin war ich schon vor Sonnenaufgang hier.«

Er setzte sich neben sie und sie umarmten sich, fest und warm. Das gab seiner Stimmung noch mehr Auftrieb.

Er ließ sie los und schaute sie an, ohne sich um das dämliche Grinsen zu scheren, das ihm vermutlich mitten im Gesicht klebte. »Weißt du was?«

»Sag!«

»Heute wird ein total schöner Tag.«

Trina lächelte und das Wasser im Bach plätscherte einfach weiter und nahm seine Worte mit.

»Seit meinem sechzehnten Geburtstag hab ich keinen wirklich schönen Tag mehr erlebt«, sagte Trina. Sie knickte die Ecke der Seite als Lesezeichen um und legte das Buch beiseite. »Drei Tage danach sind wir beide um unser Leben gerannt. Durch einen Tunnel, der heißer war als die Sonne.«

»Das war Wahnsinn.« Mark lehnte sich an den Granitbrocken und zog die Beine an. »Ja, Wahnsinn.«

Trina betrachtete ihn von der Seite. »Meine Geburtstagsparty oder die Sonneneruptionen?«

»Weder noch. Auf deiner Party hast du diesen beknackten John Stidham angeschmachtet. Schon vergessen?«

Sie sah betreten aus. »Ähm, nein. Kommt mir vor, als wäre es dreitausend Jahre her.«

»Erst musste die Menschheit fast ausgelöscht werden, bis du mich endlich bemerkt hast.« Mark lächelte, aber er fühlte sich unwohl dabei. Die Wahrheit war ziemlich deprimierend – selbst als Witz. »Wechseln wir das Thema.«

»Gern.« Sie schloss die Augen und lehnte den Kopf nach hinten an den Stein. »Ich will keine Sekunde mehr daran denken.«

Mark nickte, auch wenn sie es nicht sehen konnte. Plötzlich war ihm jede Lust am Reden vergangen und seine Pläne für einen perfekt schönen Tag lösten sich mal wieder in Luft auf. Ständig diese Erinnerungen! Nie ließen sie ihn los, nicht mal für eine halbe Stunde.

Immer wieder stürmten sie auf ihn ein und brachten all das Grauen zurück.

»Alles klar?«, fragte Trina. Sie griff nach seiner Hand, aber Mark zog sie weg, verschwitzt, wie sie war.

»Ja, alles in Ordnung. Wenn wir bloß nicht ständig daran denken müssten! Ich könnte hier richtig glücklich sein, wenn wir den ganzen Horror einfach vergessen könnten. Es geht schließlich bergauf. Wir müssen einfach nur … loslassen!« Das letzte Wort brüllte er fast, aber er hatte keine Ahnung, wem er es an den Kopf schleudern sollte. Er hasste einfach dieses ganze Chaos, das in seinem Kopf herumspukte. Die Bilder. Die Geräusche. Die Gerüche.

»Lass uns runter ins Dorf gehen.« So reagierte er immer. Wenn ihn die Erinnerungen überwältigten, schaltete er auf Aktionsmodus um – nützlich sein, arbeiten, Gehirn ausschalten. Das war das Einzige, was half. »Ich bin mir sicher, Alec und Lana haben mindestens vierzig Aufgaben für uns.«

»Die alle heute noch erledigt werden müssen«, ergänzte Trina. »Heute! Sonst geht die Welt unter!« Sie lächelte und das half. Wenigstens ein bisschen.

»Du kannst dein langweiliges Buch später weiterlesen.« Er stand auf und zog sie mit sich hoch.

Dann liefen sie den Bergpfad hinunter zur provisorischen Siedlung, die ihr Zuhause geworden war.

Die Gerüche waren immer das Erste, was Mark entgegenschlug, wenn er auf die Hauptbaracke, ein großes Blockhaus, zuging. Verrottendes Unterholz, kochendes Fleisch, Kiefernharz. Angereichert mit einem leichten Brandgeruch, der seit den Sonneneruptionen ständig in der Luft hing. Nicht wirklich unangenehm, eher unheimlich.

Mark und Trina bahnten sich einen Weg zwischen den windschiefen, mehr schlecht als recht zusammengestückelten Unterkünften hindurch. Die meisten Hütten auf dieser Seite des Lagers waren in den ersten Monaten gebaut worden, bevor Architekten und Bauarbeiter dazugekommen waren und das Ganze in die Hand genommen hatten. Diese ersten Hütten bestanden aus Baumstämmen, Lehm und Kiefernnadeln. Sie hatten Löcher als Fenster und merkwürdig geformte Türrahmen. Einige Behausungen waren nichts weiter als Erdlöcher, die auf dem Boden mit Plastikfolie ausgelegt und oben mit ein paar Baumstämmen abgedeckt waren, falls es regnete. Eine völlig andere Welt als die Wolkenkratzer und Betonlandschaften, zwischen denen Mark aufgewachsen war.

Alec begrüßte die beiden mit einem unwirschen Brummen, als sie durch die schiefe Tür in die Hauptbaracke traten. Noch bevor sie Hallo sagen konnten, kam Lana schon auf sie zugeeilt. Die kräftige, schwarzhaarige Frau, die immer einen strengen Dutt trug, hatte früher als Krankenschwester bei der Armee gedient. Sie war zwar jünger als Alec, aber älter als Marks Eltern. Als sie in den unterirdischen Tunneln New Yorks aufeinandergetroffen waren, war sie mit Alec unterwegs gewesen. Auch sie hatte fürs Verteidigungsministerium gearbeitet, Alec war damals ihr Chef. Sie waren an jenem Tag gerade auf dem Weg zu irgendeinem Meeting.

»Und wo kommt ihr zwei Hübschen her?«, fragte Lana. »Wir wollten heute bei Sonnenaufgang losgehen«, fuhr sie, ohne eine Antwort abzuwarten, fort, »in das südliche Tal, um uns nach einem guten Platz für eine neue Siedlung umzusehen. Wenn wir hier noch lange so dicht aufeinanderhocken, werde ich verrückt.«

»Hallo«, antwortete Mark. »Du scheinst ja heute ausgesprochen gute Laune zu haben!«

Sie lächelte. Genau wie Mark gehofft hatte. »Manchmal komm ich einfach ein bisschen zu direkt zur Sache, was? Aber so mürrisch wie Alec bin ich noch lange nicht.«

»Der Sergeant? Ja, da hast du Recht.«

Wie aufs Stichwort brummte der alte Bär.

»Entschuldigt, dass wir zu spät kommen«, sagte Trina. »Ich könnte mir ja eine tolle Ausrede einfallen lassen, aber ›ehrlich währt am längsten‹. Mark hat mich überredet, hoch zum Bach zu gehen und wir … Na, ihr wisst schon.«

Mark war nicht mehr so leicht zu überraschen und schon gar nicht in Verlegenheit zu bringen, aber Trina schaffte beides. Er stammelte etwas und Lana verdrehte die Augen.

»Oh, verschont mich.« Sie winkte ab und sagte: »Jetzt holt euch was zu essen, falls ihr das noch nicht gemacht habt. Dann wird gepackt und los geht’s. Ich will in einer Woche zurück sein.«

Eine Woche in der Wildnis. Neue Umgebung, frische Luft … Für Mark klang das alles großartig und seine Stimmung wurde schlagartig noch besser. Er nahm sich fest vor, bei dem Marsch seine Gedanken nicht in Richtung Vergangenheit driften zu lassen und die Wanderung einfach zu genießen.

»Habt ihr Darnell und Frosch gesehen?«, fragte Trina. »Und was ist mit Misty?«

»Die drei kleinen Schweinchen?«, fragte Alec und schickte ein bellendes Lachen hinterher. Dieser Kerl fand die schrägsten Sachen komisch. »Wenigstens haben die unseren Plan nicht vergessen. Haben schon gefrühstückt und sind beim Packen. Müssten gleich wieder hier sein.«

Als Mark und Trina ihre Pancakes mit Hirschwürstchen zur Hälfte verschlungen hatten, hörten sie die vertrauten Geräusche der drei anderen, die sie ebenfalls im Tunnel unter New York aufgegabelt hatten.

»Hey, nimm das sofort von deinem Kopf runter!«, quäkte eine Stimme und schon tauchte ein junger Typ mit einer Unterhose auf dem braunen Haarschopf im Türrahmen auf. Darnell. Mark war sich sicher, dass der Junge in seinem ganzen Leben noch nie etwas ernst genommen hatte. Selbst als er ein Jahr zuvor von der Sonne beinahe bei lebendigem Leib gegrillt wurde, hatte er noch Witze gerissen.

»Mir gefällt’s aber«, sagte er und trat in die Baracke. »Das Teil hält meine Haare zusammen und schützt mich vor Wind und Wetter. Zwei Fliegen mit einer Klappe!«

Hinter ihm kam ein Mädchen durch die Tür, groß und schlank, mit langen roten Haaren, ein bisschen älter als Mark. Alle nannten sie Misty, aber ob das ihr richtiger Name war, wussten sie nicht. Sie schaute Darnell mit einer Mischung aus Ekel und Belustigung an. Frosch, ein kleiner, stämmiger Kerl, kam hinterhergestürmt und schubste sie zur Seite, um an die Unterhose auf Darnells Kopf zu kommen.

»Gib her!«, rief er und sprang an Darnell hoch. Er war der kleinste Neunzehnjährige, den Mark je gesehen hatte. Aber er war unglaublich kräftig und schien nur aus Muskeln und Sehnen zu bestehen. Deshalb war es irgendwie okay, ihn zu ärgern – alle wussten, dass er sie windelweich prügeln konnte, wenn er wollte. Aber Frosch stand gern im Mittelpunkt. Und Darnell machte gern Blödsinn und nervte.

»Ich versteh nicht, wieso du das freiwillig aufsetzt«, wunderte sich Misty. »Dir ist schon klar, wo die vorher im Einsatz war? An Froschs Allerwertestem …«

»Da hast du nicht Unrecht«, erwiderte Darnell und setzte eine angeekelte Miene auf. In dem Moment schaffte es Frosch endlich, ihm die Unterhose vom Kopf zu reißen. »Das war vielleicht nicht ganz durchdacht.« Darnell zuckte mit den Schultern. »Aber in dem Moment fand ich’s lustig.«

Frosch stopfte sein zurückerobertes Eigentum in den Rucksack. »›Wer zuletzt lacht, lacht am besten.‹ Das Ding hab ich seit mindestens zwei Wochen nicht gewaschen!«

Dann brach er in sein typisch japsendes Lachen aus, das für Mark immer wie ein Hund klang, der um ein Stück Fleisch kämpft. Sobald Frosch damit anfing, musste einfach jeder im Raum mitlachen. Mark wusste nach einem Jahr immer noch nicht, ob er über etwas Komisches lachte oder einfach über die Geräusche, die Frosch von sich gab. Egal. Es war ein gutes Gefühl zu lachen. Und zu sehen, wie Trinas Miene sich aufhellte; sogar Alec und Lana lächelten.

Ihr Lachen wurde von einem merkwürdigen Geräusch erstickt. Einem Geräusch, das Mark seit über einem Jahr nicht mehr gehört hatte. Nie hätte er gedacht, dass es ihm je wieder zu Ohren kommen würde.

Dröhnende Motoren.

Das Dröhnen war so gewaltig, dass die Wände der Baracke vibrierten und überall Staubwolken durch die Ritzen hereindrangen. Die Motoren waren direkt über ihnen. Mark hielt sich die Ohren zu, bis sich das Donnern entfernt hatte und die Baracke nicht mehr wackelte.

Alec war schon aufgesprungen und zur Tür gerannt, bevor die anderen überhaupt begriffen hatten, was los war. Lana war ihm dicht auf den Fersen und die anderen rannten jetzt auch los.

Draußen brannte die gleißende Morgensonne auf sie herab. Mark kniff die Augen zusammen, schirmte sich mit der Hand gegen das grelle Licht ab und suchte am Himmel nach der Ursache des Lärms.

»Das ist ein Berk«, sagte Frosch überflüssigerweise. »Was kann das bloß bedeuten?«

Es war das erste Mal seit den Sonneneruptionen, dass Mark eines der riesigen Luftschiffe sah. Der Anblick erschreckte ihn. Warum sollte ein Berk, das die Katastrophe überstanden hatte, hier über dem Wald herumfliegen? Aber da schwebte es, riesig, glänzend, rund. Die blauen Flammen schossen heiß und laut aus den Düsen, als es über dem Platz in der Mitte der Siedlung langsam tiefer sank.

»Was wollen die denn hier?«, fragte Trina die anderen, während sie durch die überfüllten Gassen der Siedlung drängten. »Die Lebensmittellieferungen haben sie doch bisher immer in den größeren Siedlungen abgeladen, in Asheville zum Beispiel.«

»Vielleicht …«, setzte Misty an. »Vielleicht wollen sie uns retten? Uns irgendwo anders hinbringen?«

»Wohl kaum.« Darnell machte ihre Hoffnungen zunichte. »Damit hätten sie nicht so lange gewartet.«

Mark eilte stumm hinter ihnen her. Das urplötzliche Auftauchen des gigantischen Berks irritierte ihn. In den Gesprächen der anderen ging es immer um »sie«, aber keiner wusste, wer »sie« waren. Es gab nur vage Gerüchte, dass sich anscheinend irgendeine Form von Zentralregierung gebildet hatte. Offizielle Informationen gab es nicht. Und erst recht keinen offiziellen Kontakt.

Das Berk kam zum Stillstand. Es schwebte mit seinen blau flammenden Düsen etwa fünfzehn Meter über dem Platz, einer beinahe quadratischen Fläche, die man beim schnellen Bau der Siedlung frei gelassen hatte.

Als sie am Platz ankamen, war dort schon eine regelrechte Menschenmenge versammelt. Die Leute starrten das Flugobjekt an wie ein Fabelwesen. Fauchend und blaues Feuer speiend sah es auch fast wie eins aus. Besonders nachdem sie so lange keine fortschrittliche Technik mehr zu Gesicht bekommen hatten.

Aufgeregt und erwartungsvoll schauten alle nach oben. Sie schienen dieselbe Vorstellung zu haben wie Misty – dass das Berk hier war, um sie auf irgendeine Weise zu retten oder zumindest gute Neuigkeiten zu bringen. Mark war sich da allerdings nicht so sicher. Nach allem, was sie im vergangenen Jahr erlebt hatten, hütete er sich vor allzu großen Hoffnungen.

Trina zog ihn am Ärmel und schrie ihm ins Ohr: »Was macht das Ding da? Hier ist doch gar nicht genug Platz zum Landen.«

»Weiß nicht. Ich sehe keine Aufschrift oder sonst was, woran man erkennen könnte, wem es gehört oder wo es herkommt.«

Alec stand in ihrer Nähe und hatte trotz der tosenden Triebwerke verstanden, worüber sie redeten. »Mir hat jemand erzählt, dass auf den Berks, die in Asheville Vorräte abladen, an der Seite in großen Buchstaben NNK steht. Nacheruptive Notstandskoalition.« Er musste regelrecht brüllen. »Merkwürdig, dass auf dem hier nichts steht.«

Mark sah ihn schulterzuckend an. Er war sich nicht sicher, ob das irgendwas zu bedeuten hatte. Ihm war seltsam zu Mute. Er schaute wieder hoch und fragte sich, wer in diesem Luftschiff sein mochte und was die Leute von ihnen wollten. Trina und er drückten sich die schweißnassen Hände.

»Vielleicht sitzt da drin ja Gott«, rief Frosch mit schriller Stimme – so klang er immer, wenn er aufgeregt war. »Um sich zu entschuldigen für den ganzen Mist mit den Sonneneruptionen.«

Aus dem Augenwinkel sah Mark, wie Darnell schon Luft holte und zu einer schlagfertigen Antwort ansetzte. Aber ihm wurde das Wort abgeschnitten, denn die Hydraulik des Berks setzte sich ächzend und quietschend in Bewegung. Mark sah gebannt zu, wie eine große, quadratische Klappe an der Unterseite des Berks aufging und eine Rampe ausgefahren wurde. Im Inneren des Berks schien es dunkel zu sein. Kleine Nebelwölkchen quollen heraus, als die Öffnung größer wurde.

Die Menge raunte, Rufe waren zu hören, viele zeigten mit den Händen nach oben. Mark riss seinen Blick für einen Moment vom Berk los und sah sich um, erstaunt über die Ehrfurcht in den Gesichtern. Die Menschen waren verzweifelt, sie lebten in dem ständigen Gefühl, dass morgen alles vorbei sein konnte. Und jetzt standen sie hier und schauten voller Hoffnung nach oben, als könnte etwas dran sein an Froschs Worten. Als käme allen Ernstes eine göttliche Macht zu ihrer Rettung. Ihm wurde übel.

Wieder ging ein Raunen durch die Menge und Mark legte den Kopf in den Nacken. Aus dem dunklen Berk waren fünf Personen auf die Rampe herausgetreten. Als Mark ihre Aufmachung sah, lief es ihm eiskalt den Rücken hinunter. Grüne, klobige, gummiartige Overalls, sonst war nichts zu erkennen. Die Anzüge hatten Sichtfenster im Kopfteil, aber das grelle Licht und die Entfernung machten es unmöglich, die Gesichter dahinter zu erkennen. Die Gestalten bewegten sich unbeholfen in großen, schwarzen Stiefeln, die über die grünen Hosenbeine gezogen waren, und blieben in einer Reihe auf der Rampe stehen. Man konnte an ihrer angespannten Körperhaltung erkennen, wie anstrengend es war, das Gleichgewicht zu halten.

Alle hielten sie eine schwarze Röhre in der Hand, erhoben wie eine Waffe.

Allerdings hatten diese Geräte keinerlei Ähnlichkeit mit den Waffen, die Mark kannte. Am einen Ende hatten sie einen Aufsatz und sahen damit aus wie herausgerissene Teile von Industriepumpen. Und damit zielten sie direkt auf die Menschenmenge unter sich.

Alec fing aus vollem Hals an zu brüllen und machte den Leuten neben sich Beine. Panik brach aus. Nur Mark stand da wie in Trance und schaute seelenruhig zu, wie die Fremden sie mit ihren unheimlichen Anzügen und seltsamen Waffen bedrohten. Inzwischen hatten offenbar alle begriffen, dass diese Leute nicht zu ihrer Rettung gekommen waren. Was war nur mit Mark los, der sonst immer so schnell reagierte? Der das Jahr nach den verheerenden Sonneneruptionen unbeschadet überlebt hatte.

Er stand immer noch da wie angewurzelt und starrte nach oben, als der erste Schuss abgefeuert wurde. Eine verschwommene Bewegung, ein kurzes Aufblitzen – und irgendetwas Dünnes, Langes kam aus einer der Röhren geschossen. Mark verfolgte die Flugbahn, gleichzeitig war ein widerliches dumpfes Geräusch zu hören. Er riss den Kopf herum. In Darnells Schulter steckte ein gut zehn Zentimeter langer Pfeil. Die dünne Metallspitze hatte sich tief ins Fleisch gebohrt, aus der Wunde quoll sofort Blut. Darnell gab ein merkwürdiges Grunzen von sich und fiel zu Boden.

Das katapultierte Mark endlich doch aus seiner Starre.

Schreie hallten durch die Luft und die Menschen stoben panisch auseinander. Mark packte Darnell unter den Achseln, während die Pfeile nur so über ihn hinwegzischten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!