Beschreibung

Du weißt, was im Labyrinth, in der Brandwüste und der Todeszone passiert ist?
Ganz sicher nicht!

Sie sind die Auserwählten. Dazu erkoren, eine Welt zu retten, die längst verloren scheint. Sie sind die Zukunft der Menschheit und ihre einzige Hoffnung. Das glauben sie zumindest. Denn noch ahnen sie nichts von geheimen Allianzen, schockierenden Geheimnissen und unverzeihlichen Lügen.
Sie wissen nur, dass sie von ANGST auf die erste Phase des Experiments vorbereitet werden.
Das macht die Auserwählten zu Freunden – und damit beginnt der Verrat an Thomas.

Der krönende Abschluss der Bestseller-Serie!

 

Alle Bände der weltweiten Bestseller-Serie »Maze Runner«:

Die Auserwählten im Labyrinth (Band 1)
Die Auserwählten in der Brandwüste (Band 2)
Die Auserwählten in der Todeszone (Band 3)
Die Auserwählten - Kill Order (Band 4, spielt 15 Jahre vor Band 1)
Die Auserwählten - Phase Null (Band 5, spielt unmittelbar vor Band 1)

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
oder

Von James Dashner bereits erschienen:

Die Auserwählten – Im Labyrinth (Maze Runner, Teil 1)

Die Auserwählten – In der Brandwüste (Maze Runner, Teil 2)

Die Auserwählten – In der Todeszone (Maze Runner, Teil 3)

Die Auserwählten – Kill Order (Maze Runner Prequel, Teil 4)

Maze Runner – Die Geheimakten

 

 

 

EinChicken House-Buch im Carlsen Verlag

© der deutschen Erstausgabe by CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2016

© der amerikanischen Originalausgabe by Delacorte Press, an imprint of

Random House Children’s Books, a division of Random House, Inc., New York, 2016

In Great Britain published 2016 by The Chicken House,

2 Palmer Street, Frome, Somerset, BA11 1DS

Text © James Dashner, 2016

The author has asserted his moral rights. All rights reserved.

Originaltitel: The Fever Code

Umschlagbild: Fotolia / mik38

Umschlaggestaltung: Henry’s Lodge, Vivien Heinz

Aus dem Englischen von Ilse Rothfuss

Lektorat: Regine Teufel und Anja Kemmerzell

Layout und Herstellung: Tobias Hametner

Satz und E-Book-Umsertung: Dörlemann Satz, Lemförde

ISBN 978-3-646-92757-3

 

www.chickenhouse.de

NEWT

An dem Tag, als sie seine Eltern töteten, schneite es.

Ein Unfall, hieß es später, aber er war dabei gewesen und wusste, dass es kein Unfall war.

Zuerst war der Schnee gekommen, fast wie ein kaltes weißes Omen, das vom grauen Himmel fiel.

Er wusste noch, wie seltsam das war: Die brütende Hitze hing seit Monaten über der Stadt – Monate, die zu Jahren wurden, eine endlose Reihe von Tagen aus Schweiß, Schmerz und Hunger.

Newt und seine Familie überlebten. Die Hoffnung am Vormittag ging nachmittags in Kampf und Gezeter über, mit all den grässlichen Geräuschen, wenn sie irgendwie an Essen kommen mussten. Auf die langen heißen Tage folgte am Abend die Benommenheit. Dann saß er bei seiner Familie und schaute zu, wie das Licht am Himmel verblasste und die Welt langsam vor seinen Augen verschwand. Jedes Mal fragte er sich, ob es mit der Dämmerung am nächsten Morgen zurückkommen würde.

Manchmal kamen die Irren. Sie kannten weder Tag noch Nacht. Aber seine Familie redete nicht darüber. Weder seine Mutter noch sein Vater, und er selbst schon gar nicht. Vielleicht aus Angst, sie allein durch das Eingestehen ihrer Existenz herbeizurufen, wie bei einer Geisterbeschwörung. Nur Lizzy, seine zwei Jahre jüngere Schwester, die allerdings doppelt so mutig war wie er, brachte es fertig, über die Irren zu reden. Als wäre sie die Einzige, die klug genug war, um nicht auf diesen dummen Aberglauben hereinzufallen.

Dabei war sie noch so klein.

Eigentlich hätte er der Mutigere sein müssen; er hätte seine kleine Schwester trösten müssen. Hab keine Angst, Lizzy. Der Keller ist abgeschlossen; die Lichter sind aus. Die bösen Leute wissen nicht, dass wir hier sind. Aber ihm fehlten jedes Mal die Worte. Er umarmte Lizzy, drückte sie ganz fest an sich, als wäre sie sein Teddybär, sein Kuscheltier, das ihm Trost spenden sollte. Lizzy tätschelte ihm dann den Rücken.

Er liebte seine Schwester so sehr, dass ihm das Herz wehtat. Er drückte sie noch fester, genoss es, wie ihre kleine Hand ihn zwischen den Schulterblättern klopfte.

Oft schliefen sie so ein, in der Ecke des Kellers zusammengerollt, auf den alten Matratzen, die Dad die Treppe heruntergeschleppt hatte. Mom hatte immer eine Decke über sie gelegt, trotz der Hitze – es war ihre Art, gegen Den Brand zu rebellieren, der alles zerstört hatte.

Als sie an jenem Morgen aufwachten, erlebten sie ein kleines Wunder.

»Kinder!«, rief Mom.

Er hatte geträumt, irgendetwas von einem Fußballspiel, in einem leeren Stadion wirbelte der Ball über den grünen Rasen des Spielfelds auf ein offenes Tor zu.

»Kinder! Wacht auf! Kommt, seht euch das an!«

Er öffnete die Augen, sah seine Mutter an dem kleinen Fenster stehen, dem einzigen in dem Kellerraum. Sie hatte das Brett abgemacht, das Dad am Abend zuvor darübergenagelt hatte, so wie er es jeden Tag bei Sonnenuntergang machte. Ein weiches graues Licht fiel auf das Gesicht seiner Mutter. Ihre Augen waren von ehrfürchtigem Staunen erfüllt und ein Lächeln, wie er es schon lange nicht mehr an ihr gesehen hatte, ließ ihr Gesicht aufleuchten.

»Was ist?«, murmelte er und kam auf die Füße. Lizzy rieb sich die Augen, gähnte und folgte ihm zu Mom. Sie schaute unentwegt in das graue Licht hinaus.

Er erinnerte sich an jedes Detail in diesem einen Moment: Als er mit zusammengekniffenen Augen hinausblinzelte, um sich an das Licht zu gewöhnen, schnarchte sein Vater noch wie ein Bär. Die Straße draußen war leer, keine Irren waren unterwegs. Der Himmel war wolkenverhangen, eine Seltenheit in dieser Zeit. Und er erstarrte, als er die weißen Flocken sah. Sie fielen aus dem Grau, wirbelten und tanzten, spotteten der Schwerkraft und flirrten nach oben zurück, bevor sie wieder herunterrieselten.

Schnee.

Schnee.

»Was zum Teufel …?«, stieß er leise hervor, einen Fluch, den er von seinem Vater gelernt hatte.

»Wie kann es schneien, Mommy?«, fragte seine kleine Schwester. Ihre Augen waren plötzlich hellwach und strahlten so vor Glück, dass es ihm einen Stich ins Herz gab. Er griff nach unten und zog sie zärtlich an ihrem Zopf. Sie war die Sonne in seinem elenden Leben, das Einzige, was ihn aufrecht hielt.

»Ach, na ja«, antwortete Mom. »Was die Leute so alles reden. Das ganze Wettersystem des Planeten ist angeblich aus den Fugen, wegen der Sonneneruptionen. Lasst uns das hier einfach genießen, ja? Es ist doch ein Wunder, oder?«

Lizzy antwortete mit einem glücklichen Seufzen.

Er konnte den Blick nicht von den Schneeflocken abwenden und fragte sich, ob er so etwas je wiedersehen würde. Die Flocken schwebten in der Luft, tänzelten schließlich herunter und schmolzen, sobald sie irgendwo auftrafen. Nasse Sommersprossen auf der Fensterscheibe.

So standen sie zu dritt da, schauten hinaus in die Welt, bis Schatten über die obere Hälfte des Fensters fielen, die aber sofort wieder verschwanden.

Er reckte den Hals, um nachzusehen, wer oder was da vorbeigegangen war, aber es war zu spät. Im nächsten Moment hämmerte es laut an die Haustür oben. Dad war blitzschnell auf den Füßen, noch bevor das Geräusch verhallt war. Hellwach und bereit zum Kampf.

»Habt ihr jemanden gesehen?«, fragte er mit krächziger Stimme.

Die Freude in Moms Gesicht war erloschen, hatte den vertrauten Sorgen- und Kummerfalten Platz gemacht. »Nur einen Schatten. Sollen wir aufmachen?«

»Nein«, sagte Dad. »Ganz bestimmt nicht. Betet, dass sie weggehen, wer immer es sein mag.«

»Aber vielleicht brechen sie dann die Tür auf«, flüsterte Mom. »Das würde ich jedenfalls machen. Sie denken wahrscheinlich, das Haus ist verlassen und es gibt vielleicht irgendwo noch ein paar Konserven.«

Dad sah sie lange an und in seinem Kopf arbeitete es, während die Sekunden vorübertickten.

Bumm, bumm, bumm. Die erneuten harten Schläge gegen die Tür ließen das ganze Haus erbeben, als wären die Eindringlinge mit einem Rammbock am Werk.

»Du bleibst hier«, sagte Dad ernst. »Bleib bei den Kindern.«

Mom wollte etwas erwidern, bremste sich aber und sah zu ihrer Tochter und dem Sohn. Sie waren das Wichtigste in ihrem Leben. Sie zog sie an sich, als könnten ihre Arme sie beschützen, und er schmiegte sich an ihren warmen Körper, ließ sich tatsächlich beruhigen. Er hielt sie ganz fest, als Dad leise den Keller verließ, die Treppe hinaufging und über die knarzenden Dielen zur Haustür schlich.

Stille.

Die Luft wurde schwer und drückend. Lizzy fasste nach seiner Hand. Ausnahmsweise fand er die richtigen Worte, um sie zu trösten.

»Keine Angst«, flüsterte er kaum hörbar. »Es sind wahrscheinlich nur irgendwelche Leute, die Hunger haben und was zu essen suchen. Dad wird ihnen was abgeben, dann ziehen sie weiter. Wirst schon sehen.« Er drückte ihre Finger, legte seine ganze Liebe in diese Geste hinein, obwohl er kein Wort von dem glaubte, was er gesagt hatte.

Plötzlich Lärm.

Die Tür krachte auf.

Laute, wütende Stimmen.

Ein Krachen, dann ein Wummern, dass die Bodendielen bebten.

Schwere, unheilvolle Tritte.

Dann stürmten sie die Treppe herunter. Zwei Männer – nein, drei – und eine Frau. Vier insgesamt. Sie waren auffallend gut gekleidet und sahen weder nett noch gefährlich aus. Nur todernst.

»Sie haben die Nachricht ignoriert, die wir Ihnen geschickt haben«, sagte einer der Männer und blickte sich im Kellerraum um. »Es tut mir leid, aber wir brauchen das Mädchen. Elisabeth. Es tut mir wirklich leid, aber wir haben keine Wahl.«

Und da ging die Welt für ihn unter. Eine Welt, die sowieso schon viel zu traurig für ein Kind war. In der angespannten Stille kamen die Eindringlinge näher. Dann griffen sie nach Lizzy, packten sie an ihrem T-Shirt, stießen Mom weg – die vor Angst schrie und ihr kleines Mädchen festhielt.

Er stürmte vorwärts und schlug auf die Rücken und Schultern der Männer ein. Völlig sinnlos. Als würde eine Maus einen Elefanten angreifen.

Der Blick in Lizzys Augen während dieses ganzen Irrsinns – er würde ihn nie vergessen. Etwas Kaltes, Hartes zersplitterte in seiner Brust, zerriss ihm das Herz. Er konnte es nicht ertragen. Mit einem gellenden Schrei stürzte er sich erneut auf die Eindringlinge und schlug mit aller Kraft auf sie ein.

»Schluss jetzt!«, brüllte die Frau. Eine Hand peitschte durch die Luft, klatschte ihm ins Gesicht, dass es wie Feuer brannte. Einer der Angreifer schlug seine Mutter auf den Kopf, sie fiel sofort um. Dann eine Art Donnerschlag, ganz nah und überall um ihn herum zugleich. In seinen Ohren hallte es, er taumelte rücklings an die Wand, behielt dabei den Albtraum im Blick.

Einer der Männer, ins Bein geschossen.

Sein Dad in der Tür, Gewehr in der Hand.

Seine Mom kreischend, sie rappelte sich vom Boden auf und stürzte sich auf die Frau, die jetzt ebenfalls ihre Waffe gezückt hatte.

Dad feuerte zwei weitere Schüsse ab. Metallisches Klirren, Patronenhülsen, die auf Betonboden fielen. Beides Fehlschüsse.

Mom zerrte die Frau an der Schulter.

Die Frau wehrte sie mit dem Ellbogen ab, schoss, wirbelte herum, feuerte weitere drei Mal.

Die Luft wurde dick, alle Geräusche in dem Chaos verstummten, die Zeit stand plötzlich still.

Er sah alles ganz genau und ein Abgrund tat sich unter ihm auf, als seine Eltern beide zu Boden stürzten.

Ein langer Moment verging, keiner rührte sich, Mom und Dad am allerwenigsten. Sie würden sich überhaupt nie mehr rühren.

Alle Augen richteten sich auf die verwaisten Kinder.

»Nehmt alle beide mit, verdammter Mist«, sagte einer der Männer schließlich. »Den Jungen können sie als Kontrollperson gebrauchen.«

Er würde nie vergessen, wie der Mann auf ihn zeigte, so gleichgültig, als wählte er eine Suppenkonserve in der Speisekammer aus. Er stürzte zu Lizzy und zog sie in seine Arme. Aber die Fremden rissen sie weg.

Stephen. Stephen.

Mein Name ist Stephen.

Unablässig hämmerte er es sich ein, seit sie ihn vor zwei Tagen von seiner Mom weggeholt hatten. Er erinnerte sich genau an die letzten Momente mit ihr, an jede einzelne Träne, die über ihr Gesicht gelaufen war, jedes Wort, jede warme Berührung. Obwohl er noch klein war, hatte er verstanden, dass es besser für ihn war. Er hatte mit angesehen, wie die Krankheit seinen Dad in einen gewalttätigen Irren verwandelte, voller Wut, Hass und Verzweiflung. Stephen hätte es nicht ertragen, seine Mom so leiden zu sehen.

Aber der Trennungsschmerz fraß ihn auf. Ein grausames, grenzenloses Meer, das ihn verschlungen und in seine eisigen Tiefen hinuntergezogen hatte.

Er lag zusammengerollt auf dem Bett in seinem kleinen Zimmer, die Knie an die Brust gezogen, die Augen fest zugekniffen, aber der Schlaf kam nur in Schüben, ein kurzes Abtauchen in Albtraumwelten voll düsterer Wolken und schreiender Tiere. Er konzentrierte sich mit aller Kraft.

Stephen. Stephen. Stephen. Mein Name ist Stephen.

Zwei Dinge musste er festhalten, das spürte er: seine Erinnerungen und seinen Namen. Den Vornamen würde er nicht hergeben, auch wenn sie ihm seinen Nachnamen zu stehlen versuchten. Seit zwei Tagen drängten sie ihn seinen neuen Namen zu akzeptieren. Thomas.

Er hatte sich geweigert und verzweifelt an die sieben Buchstaben geklammert, die seine Eltern für ihn ausgewählt hatten. Er reagierte einfach nicht, wenn sie ihn »Thomas« nannten. Tat so, als hätte er nichts gehört oder fühle sich nicht angesprochen. Das war nicht einfach, wenn meistens zwei Leute im Raum standen.

Stephen war noch keine fünf und er kannte von der Welt nicht viel mehr als Schmerz und Dunkelheit. Bis ihn diese Leute hier mitgenommen hatten.

Und jetzt wollten sie ihm unbedingt klarmachen, dass es noch schlimmer kommen konnte, dass jede neue Lektion, die er lernen musste, noch härter und grausamer war als die vorherige.

Ein Summen ertönte, die Tür sprang auf und ein Mann kam herein. Er trug einen grünen Overall, eine Art Strampler für Erwachsene. Und er sah so dämlich darin aus, dass Stephen es ihm am liebsten gesagt hätte. Aber nach seinen letzten Erfahrungen mit diesen Leuten hielt er lieber den Mund. Sie verloren allmählich die Geduld mit ihm.

»Komm mit, Thomas«, sagte der Mann.

Stephen, Stephen, Stephen. Mein Name ist Stephen.

Er rührte sich nicht, hielt die Augen geschlossen. Hoffentlich hatte der Mann nicht gesehen, dass er kurz gelinst hatte, als er hereingekommen war. Es war jedes Mal ein anderer. Keiner von ihnen war unfreundlich zu ihm, aber besonders nett waren sie auch nicht. Eher distanziert, als wären sie mit ihren Gedanken woanders, weit weg von dem kleinen Jungen in dem Bett hier.

Der Mann wiederholte seinen Befehl, ohne die Ungeduld in seiner Stimme zu verbergen. »Los, steh auf, Thomas. Ich hab keine Zeit für solche Spielchen, okay? Sie machen uns die Hölle heiß, dass wir es zu Ende bringen sollen. Du bist offenbar der Letzte, der sich noch gegen seinen Namen sträubt. Also, sei so gut, Junge. Du willst dich doch nicht wegen diesem Firlefanz mit uns anlegen, nachdem wir dich vor dem Horror da draußen gerettet haben?«

Vor lauter Anstrengung stillzuhalten wurde Stephens Körper ganz steif, so dass er bestimmt nicht wie ein Schlafender aussah. Er hielt die Luft an, bis er nicht mehr konnte und Atem holen musste. Dann gab er sich geschlagen, wälzte sich auf den Rücken und starrte dem Fremden direkt in die Augen.

»Sie sehen so dumm aus«, sagte er.

Der Mann konnte seine Verblüffung nicht verbergen. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. »Wie bitte?«

Stephen kochte vor Wut. »Ich hab gesagt, Sie sehen dumm aus in Ihrem bescheuerten Anzug. Und ich mache nicht einfach alles, was Sie mir sagen, okay? Wer hört schon auf jemand, der so rumläuft? In einem Männerstrampler? Und nennen Sie mich nicht ›Thomas‹. Ich bin Stephen.«

Das alles kam in einem einzigen Atemzug heraus und Stephen musste erneut tief Luft holen, was nicht gut war, weil es ihn vielleicht schwach aussehen ließ.

Der Mann lachte, aber es klang eher belustigt als abfällig. Trotzdem hätte Stephen ihm am liebsten etwas an den Kopf geknallt.

»Mir wurde gesagt, du hättest so was …« Der Typ hielt inne und warf einen Blick auf sein Notebook, das er in der Hand hielt, »… ähm … ›liebenswert Kindliches‹. Kann ich bisher nicht bestätigen.«

»Da wusste ich ja auch noch nicht, dass ich meinen Namen hergeben soll«, schnaubte Stephen. »Den Namen, den ich von meiner Mom und meinem Dad bekommen habe. Und den ihr mir stehlen wollt.«

»Von einem Dad, der völlig hinüber ist?«, sagte der Mann. »Der so krank war, dass er deine Mom fast totgeprügelt hat? Und von einer Mom, die uns angefleht hat dich mitzunehmen, weil sie von Tag zu Tag kränker wurde? Ja? Meinst du die?«

Stephen bebte vor Wut, sagte aber nichts.

Der Kerl kam näher an sein Bett und ging in die Hocke. »Hör mal, du bist noch ein Kind. Und intelligent bist du auch. Hochintelligent sogar. Außerdem bist du immun gegen Den Brand. Also spricht eine ganze Menge für dich.«

Stephen hörte die Drohung in seiner Stimme. Worauf immer der Mann hinauswollte, es war bestimmt nichts Gutes.

»Du wirst gewisse Dinge einfach aushalten und dich damit trösten müssen, dass es Wichtigeres gibt als dich«, fuhr er fort. »Wenn wir in den nächsten Jahren keine Heilung finden, stirbt die Menschheit aus. Und deshalb stehst du jetzt auf, Thomas, und verlässt mit mir dieses Zimmer. Ich sage es dir zum allerletzten Mal.«

Der Mann wartete eine Sekunde, ohne ihn aus den Augen zu lassen, dann stand er auf und ging zur Tür.

Stephen verließ das Bett und folgte ihm.

Draußen traf Stephen zum ersten Mal auf ein anderes Kind. Ein Mädchen mit braunem Haar, ein bisschen älter als er. Aber vielleicht täuschte er sich – er hatte nur einen kurzen Blick auf sie erhascht, bevor sie von der Frau, die sie begleitete, in ihr Zimmer bugsiert wurde. Die Tür fiel zu, als er mit dem Mann im Strampler vorbeiging, und er konnte gerade noch das Schild auf dem weißen Lack lesen: 31 K.

»Teresa macht es nichts aus, einen neuen Namen anzunehmen«, sagte der Mann, während sie den langen, schummrigen Flur entlanggingen. »Vielleicht ist sie ja sogar froh, dass sie ihren alten vergessen kann.«

»Und wie hieß sie vorher?«, fragte Stephen fast schon höflich, weil es ihn brennend interessierte. Wenn das Mädchen so schnell eingeknickt war, wollte wenigstens er sich ihren Namen merken – vielleicht wurden sie ja Freunde.

»Du hast genug damit zu tun, deinen eigenen Namen nicht zu vergessen«, sagte der Mann. »Ich würde mir an deiner Stelle keinen fremden aufhalsen.«

Ich vergesse ihn nie, schwor Stephen sich. Egal, was passiert.

In einem Winkel seines Gehirns registrierte er, dass seine Einstellung sich bereits geändert hatte, wenn auch kaum spürbar. Er beharrte nicht mehr darauf, dass er Stephen hieß, sondern schwor nur noch, dass er seinen Namen nie vergessen würde. Hatten sie ihn auch schon kleingekriegt?

Nein! Fast hätte er es laut hinausgeschrien.

»Und Sie? Wie ist Ihr Name?«, fragte er schnell, um Zeit zu gewinnen.

»Randall Spilker«, sagte der Mann, während er zügig weiterging. Sie bogen um eine Ecke und kamen zu einer Reihe von Aufzügen. »Ich war nicht immer so ein Dreckskerl, glaub mir. Die Welt, die Leute, für die ich arbeite …«, er schwenkte vage seine Hand herum, »das alles hat mein Herz in einen kleinen schwarzen Kohleklumpen verwandelt. Dein Pech.«

Stephen antwortete nicht, weil er sich fragte, wo der Mann ihn hinbringen würde. Ein melodisches Läuten kündigte den Aufzug an, sie stiegen ein.

Stephen saß auf einem seltsamen Stuhl mit diversen eingebauten Geräten, die sich in seine Beine und seinen Rücken bohrten. Kabellose Sensoren, jeder davon kaum fingernagelgroß, waren an seinen Schläfen fixiert, an seinem Hals, seinen Handgelenken, seinen Armbeugen und an seiner Brust. Er starrte auf die Konsole neben ihm, die piepsend und summend offenbar Daten abspeicherte. Der Mann im grünen Strampler saß auf einem anderen Stuhl und beobachtete ihn, seine Knie nur zentimeterweit von Stephens entfernt.

»Tut mir leid, Thomas. Normalerweise würden wir nicht so schnell zu solchen Mitteln greifen«, sagte Randall, der jetzt freundlicher klang als zuvor im Flur und in Stephens Zimmer. »Wir würden dir Zeit lassen, bis du den neuen Namen freiwillig annimmst, so wie Teresa. Aber Zeit ist ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können.«

Er hielt ein winziges silbernes Instrument hoch, das an einem Ende abgerundet war und am anderen Ende eine scharfe Spitze hatte.

»Nicht bewegen«, sagte er und beugte sich vor, als wollte er Stephen etwas ins Ohr flüstern. Und ehe Stephen wusste, wie ihm geschah, zuckte ein scharfer Schmerz durch seinen Hals, direkt unter dem Kinn, als bohrte sich etwas in seine Kehle. Er schrie, aber da war es schon vorbei – genauso plötzlich, wie es angefangen hatte. Jetzt rauschte nur noch die Panik durch seine Adern und ließ sein Herz rasen.

»W-was w-war das?«, stotterte er und wollte von dem Stuhl aufstehen, mit dem er fest verkabelt war.

Randall stieß ihn mühelos auf seinen Sitz zurück; er war ja schließlich doppelt so groß und breit wie Stephen.

»Das ist ein Schmerzstimulator, Junge. Und keine Angst, der löst sich auf und wird aus deinem Kreislauf geschwemmt. Mit der Zeit. Und bis dahin wirst du ihn dann nicht mehr brauchen.« Er zuckte die Schultern, als wollte er sagen: Was soll man machen? »Aber wir können dir jederzeit einen neuen einpflanzen, wenn du uns dazu zwingst. Und jetzt beruhige dich.«

Stephen brauchte eine Weile, bis er wieder sprechen konnte. »Und was macht das mit mir?«

»Tja, kommt ganz drauf an … Thomas. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, du und ich. Wir alle. Aber jetzt, fürs Erste, nehmen wir eine Abkürzung. Einen Waldweg sozusagen. Du brauchst mir nur deinen Namen zu sagen.«

»Das ist leicht. Stephen.«

Randall ließ seinen Kopf in die Hände fallen. »Also los«, sagte er. Seine Stimme war kaum mehr als ein erschöpftes Flüstern.

Stephen hatte bis zu diesem Moment keine Schmerzen gekannt, außer von den Schrammen und Beulen, die er sich beim Spielen geholt hatte. Deshalb fehlten ihm die Worte für den Sturm, der jetzt in seinem Körper lostobte, für die Höllenqualen in seinen Adern und Muskeln. Wieder wusste er nicht, wie ihm geschah. Er konnte nur schreien, Schreie, die kaum sein Ohr erreichten, als sein Verstand auch schon abschaltete und ihn erlöste.

Schwer atmend und schweißüberströmt kam Stephen wieder zu sich. Er saß noch immer auf dem Stuhl, aber jetzt war er mit weichen Lederriemen fixiert. Jeder einzelne Nerv in seinem Körper vibrierte noch von den Schmerzen, die ihm Randall zugefügt hatte und die von dem Chip in seinem Hals noch verstärkt worden waren.

»Was …«, wisperte er heiser. Seine Kehle brannte wie Feuer, weil er sich vermutlich die Seele aus dem Leib geschrien hatte. »Was?«, wiederholte er, während sein Verstand fieberhaft versuchte die Puzzleteile zusammenzufügen.

»Du wolltest ja nicht hören«, sagte Randall mit einem vagen Hauch von Mitleid in der Stimme. Oder sogar einem Anflug von schlechtem Gewissen. »Wir haben keine Zeit für dumme Spielchen. Tut mir leid, wirklich. Aber wir werden das wiederholen müssen. Ich denke, du hast jetzt begriffen, dass wir nicht bluffen. Du musst deinen Namen akzeptieren, das ist für alle hier wichtig.« Der Mann sah weg und schwieg lange, die Augen auf den Boden gesenkt.

»Wie können Sie mir so was antun?«, krächzte Stephen. »Ich bin doch noch ein Kind!« Aber es klang nicht rebellisch oder vorwurfsvoll, sondern nur kläglich, das merkte er selbst.

Und er wusste auch, wie Erwachsene auf so eine Mitleidstour reagierten: Entweder sie wurden weich und gaben ein bisschen nach oder sie wurden noch viel unerbittlicher, um die Schuldgefühle, die in ihnen aufstiegen, zu übertönen. Randall gehörte zur zweiten Sorte. Mit hochrotem Kopf brüllte er ihn an:

»Du musst nur deinen Namen akzeptieren, das ist alles! Jetzt, sofort – ich dulde keine Faxen mehr. Also, wie ist dein Name?«

Stephen war klug genug, um keinen aussichtslosen Kampf zu führen. Er gab fürs Erste klein bei, zumindest tat er so. »Thomas. Mein Name ist Thomas.«

»Ich glaub dir nicht.« Randalls Augen waren zwei schwarze Löcher. »Noch mal.«

Stephen wollte antworten, aber Randall hatte nicht ihn gemeint. Der Schmerz kam zurück, schneller und härter. Diesmal hatte er kaum Zeit, ihn wahrzunehmen, bevor er das Bewusstsein verlor.

»Wie heißt du?«

Stephen konnte kaum sprechen. »Thomas.«

»Ich glaub dir nicht.«

»Nein.« Stephen wimmerte.

Der Schmerz war keine Überraschung mehr, genauso wenig wie die Dunkelheit danach.

»Wie heißt du?«

»Thomas.«

»Vergiss das nie.«

»Nein.« Stephen weinte, seine Schultern bebten vor Schluchzen.

»Wie heißt du?«

»Thomas.«

»Hast du sonst noch einen Namen?«

»Nein. Nur Thomas.«

»Wurdest du irgendwann anders genannt?«

»Nein. Nur Thomas.«

»Und du wirst deinen Namen nie vergessen? Nie einen anderen benutzen?«

»Nein.«

»Okay. Dann geb ich dir jetzt eine letzte Erinnerung.«

Später lag er wieder zusammengekauert auf seinem Bett. Die Welt draußen war weit weg, stumm. Er hatte keine Tränen mehr, sein Körper war taub, außer einem unangenehmen Kribbeln. Es war, als sei alles in ihm eingeschlafen, sein ganzes Wesen. Er dachte daran, wie Randall ihm gegenübergesessen hatte, das Gesicht von widerstreitenden Gefühlen verzerrt – Wut, Mitleid, Schuld –, während er ihm weiter Schmerzen zufügte.

Ich werde es nie vergessen, schwor er sich. In meinem ganzen Leben nicht.

Und in Gedanken hämmerte er sich die vertrauten Worte ein, die ihm aber irgendwie verändert vorkamen, obwohl er nicht genau sagen konnte, warum.

Mein Name ist Thomas. Thomas. Thomas.

»Bitte stillhalten.«

Der Arzt war nicht gemein zu ihm, aber auch nicht gerade nett. Er saß einfach da, distanziert, professionell. Ein unauffälliger Typ: mittelalt, mittelgroß, mittelkräftig, kurzes dunkles Haar. Thomas schloss die Augen und spürte, wie die Nadel mit einem kurzen Pikser in seine Vene glitt. Komisch, dass er sich immer noch davor fürchtete, Woche für Woche, obwohl es in Sekundenschnelle vorbei war. Danach strömte nur noch diese eisige Kälte durch seinen Körper.

»Na also«, sagte der Arzt. »Hat doch gar nicht wehgetan.«

Thomas schüttelte den Kopf, er brachte keinen Ton heraus. Das Sprechen fiel ihm schwer seit dem Zwischenfall mit Randall. Genauso wie Essen, Schlafen und praktisch alles andere. Erst seit ein paar Tagen wurde es besser, Schritt für Schritt kam er darüber hinweg. Sobald auch nur der Hauch einer Erinnerung an seinen wahren Namen in ihm aufstieg, schaltete er seinen Verstand ab, um nur ja nie wieder solche Schmerzen aushalten zu müssen. Der Name Thomas war okay. Er würde sich daran gewöhnen.

Blut, so dunkel, dass es fast schwarz wirkte, stieg in dem engen Röhrchen von seiner Armbeuge in die Phiole auf. Er hatte keine Ahnung, wozu die Tests gut sein sollten, aber das hier war nur eine der unzähligen Blutentnahmen – manche täglich, andere wöchentlich.

Der Arzt stoppte den Blutfluss und versiegelte das Fläschchen. »Gut, das war’s.« Er zog die Nadel heraus. »Jetzt schieben wir dich noch in den Scanner und sehen uns dein Gehirn an.«

Thomas erstarrte. Die Angst griff mit eisigen Fingern nach seinem Herzen. Eine Angst, die ihn lähmte, sobald das Wort »Gehirn« fiel.

»Na, na«, schimpfte der Arzt, als er sah, wie Thomas sich versteifte. »Wir machen das doch jede Woche. Ist nur Routine – nichts, wovor du dich fürchten musst. Wir müssen regelmäßig die Aktivität dort oben aufzeichnen, okay?«

Thomas nickte und kniff einen Moment die Augen zu. Ihm war zum Heulen. Er sog die Luft ein und kämpfte mit den Tränen.

Dann stand er auf und folgte dem Arzt in ein anderes Zimmer. Eine gigantische Maschine wartete dort, wie ein riesiger Elefant, mit einer Röhre in der Mitte und einem flachen Bett darin, auf das man ihn gleich schieben würde.

»Also, rauf mit dir.«

Thomas ließ diese Prozedur schon zum vierten oder fünften Mal über sich ergehen; er wusste, dass es zwecklos war, sich dagegen zu wehren. Also setzte er sich auf das Bett, legte sich flach auf den Rücken und starrte zu den hellen Lichtern an der Decke hinauf.

»Die Klopfgeräusche kennst du ja schon«, sagte der Arzt, »kein Grund zur Sorge. Das ist alles normal. Gehört zum Spiel.«

Es klickte, dann ein mahlendes Geräusch in der Maschine und Thomas’ Bett glitt in den Rachen der Röhre.

Thomas saß allein an einem Schreibtisch. Mr Glanville, sein Lehrer, stand vorne an der Tafel – ein mürrischer grauer Mann, der kaum noch Haare auf dem Kopf hatte. Außer an den Augenbrauen, die so buschig waren, als hätten sie jeden einzelnen Follikel in seinem restlichen Körper an sich gezogen. Es war die zweite Stunde nach der Mittagspause und Thomas hätte mindestens drei seiner Zehen für ein kleines Nickerchen gegeben. Einfach auf den Boden legen und schlafen – nur fünf Minuten.

»Weißt du noch, worüber wir gestern gesprochen haben?«, fragte Mr Glanville.

Thomas nickte. »VWIS.«

»Ja, das ist richtig. Und wofür steht es?«

»Vorhaben zur Wiederbeschaffung von Informationen nach den Sonneneruptionen.«

Mr Glanville lächelte zufrieden. »Sehr gut. Und jetzt …« Er drehte sich zur Tafel um und schrieb die Buchstaben NNK darauf. »N … N … K … Das steht für Nacheruptive Notstandskoalition, die das Ergebnis von VWIS war. Erst als man so viele Länder wie möglich miteinbezogen und genügend Mitarbeiter gewonnen hatte, konnten die Gründer eine Strategie gegen die katastrophalen Auswirkungen der Sonneneruptionen entwickeln. VWIS hatte die Aufgabe, diese Auswirkungen zu erforschen und die Betroffenen zu registrieren, während die NNK eine Heilung zu finden versuchte. Langweile ich dich, mein Junge?«

Thomas schreckte hoch. Er hatte gar nicht gemerkt, dass sein Kopf heruntergesunken war. Vielleicht war er sogar eine Sekunde lang eingedöst.

»Entschuldigung«, murmelte er und rieb sich die Augen. »VWIS. NNK. Hab ich mir gemerkt.«

»Hör mal, Junge.« Mr Glanville machte ein paar Schritte auf ihn zu und baute sich direkt vor ihm auf. »Ich weiß, andere Fächer sind interessanter. Mathe, Naturwissenschaften, Sport.« Er beugte sich zu ihm vor und durchbohrte ihn mit seinem Blick: »Aber du musst unsere Geschichte verstehen. Du musst wissen, was uns hierhergebracht hat, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Du wirst nie einen Weg in die Zukunft finden, wenn du nicht weißt, wo du herkommst.«

»Ja, Sir«, antwortete Thomas fügsam.

Mr Glanville richtete sich wieder auf und funkelte ihn über seine Nase hinweg an. Er suchte vergeblich nach einem Anzeichen von Sarkasmus in Thomas’ Gesicht. »Also gut. Kenne deine Vergangenheit. Zurück zu NNK. Es gibt viel zu diskutieren.«

Während der Lehrer nach vorne zur Tafel zurückging, kniff Thomas sich in den Arm, so fest er konnte, um sich irgendwie wach zu halten.

»Brauchst du mehr Zeit, um es noch mal durchzugehen?«

Thomas schaute zu Ms Denton auf. Sie hatte dunkle Haare und dunkle Haut und war sehr schön. Freundliche, kluge Augen. Die vermutlich intelligenteste Person, die er bisher kennengelernt hatte. Das zeigte sich schon an den kniffligen Aufgaben, die sie ihm in »Kritisches Denken« gab.

»Ich hab’s jetzt, glaube ich.«

»Dann sag es mir. Und vergiss nicht …«

Thomas fiel ihr ins Wort und zitierte den Spruch, den er schon tausendmal von ihr gehört hatte: »Man muss das Problem besser kennen als die Lösung, sonst wird die Lösung zum Problem.« Er war ziemlich überzeugt, dass das nur Geschwafel war, nichts weiter.

»Sehr gut«, lobte sie ihn übertrieben, als wäre sie überrascht, dass er sich ihre Worte gemerkt hatte.

»Ein Mann im Zug hat sein Ticket verloren. Mit ihm warten einhundertsechsundzwanzig Fahrgäste auf dem Bahnsteig. Es sind neun Gleise, fünf nach Süden und vier nach Norden. In den nächsten zweiundfünfzig Minuten werden vierundzwanzig Züge ankommen und abfahren. In dieser Zeit strömen weitere fünfundachtzig Fahrgäste in den Bahnhof. Mindestens sieben steigen in jeden ankommenden Zug ein, aber nie mehr als achtzehn.«

So ging es volle fünf Minuten weiter, eine Aufgabe nach der anderen. Es war schon verdammt schwer, die einzelnen Parameter überhaupt im Kopf zu behalten, und jetzt sollte er den Mist auch noch lösen!

»… wie viele Leute bleiben auf dem Bahnsteig zurück?«, beendete er die Aufgabenstellung.

»Sehr gut«, sagte Ms Denton. »Drei ist die magische Zahl. Du hast dir alles richtig gemerkt und das ist der erste Schritt zur Lösung. Und? Bekommst du’s heraus?«

Thomas schloss die Augen und ratterte in Gedanken die Zahlen herunter. In diesem Fach wurde alles im Kopf gelöst, keine Hilfsmittel, nichts Schriftliches. Das forderte seinen Geist wie sonst nichts, auf solche Aufgaben war er ganz wild.

Schließlich öffnete er die Augen: »Siebenundachtzig.«

»Falsch.«

Er rechnete ein zweites Mal alles durch, dann sagte er hoffnungsvoll: »Einundachtzig.«

»Falsch.«

Thomas krümmte sich vor Enttäuschung. Nach ein paar weiteren Fehlschlägen ging ihm plötzlich auf, dass die Lösung vielleicht gar keine Zahl war. »Das Problem ist, dass ich nicht weiß, ob der Mann, der das Ticket verloren hat, in den Zug eingestiegen ist oder nicht. Und ob andere auf dem Bahnsteig mit ihm gefahren sind, und wenn ja, wie viele.«

Ms Denton lächelte.

»Jetzt kommen wir der Sache schon näher.«

In den zwei Jahren, seit Thomas seinen Namen hatte hergeben müssen, war er von morgens bis abends beschäftigt gewesen. Medizinische Tests und Unterricht füllten seine Tage. Mathe, Naturwissenschaften, kritisches Denken und andere geistige und körperliche Herausforderungen – mehr, als er sich je hätte träumen lassen. Er hatte jede Menge Lehrer erlebt und war von Wissenschaftlern aller Art untersucht worden, aber Randall war nie mehr aufgetaucht. Nicht mal sein Name wurde erwähnt und Thomas wusste nicht, was er davon halten sollte. War Randalls Job damit erledigt gewesen und sie hatten ihn laufenlassen? Oder war er krank geworden? Vielleicht hatte er Den Brand bekommen? Oder die Einrichtung verlassen, in der Thomas betreut wurde, weil ihn seine Schuldgefühle plagten und er nicht darüber hinwegkam, dass er einen kleinen Jungen, der noch nicht mal in die Schule ging, gefoltert hatte?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!