Die beste Spürnase der Welt - David Walliams - E-Book

Die beste Spürnase der Welt E-Book

David Walliams

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Beschreibung

Der erste Kinderkrimi von Bestsellerautor David Walliams! Beste Mischung aus Spannung und jeder Menge Humor für Kinder ab 9 Jahren. Die kleine Dilly liebt gute Krimis. Keine richtigen Verbrechen, natürlich. Nur erfundene Verbrechen. Solche, die man eben in Krimis findet. Sherlock Holmes ist ihr Lieblingsdetektiv. Sie hat sogar ihren kleinen Hund Watson nach seinem Begleiter benannt und ihm beigebracht, Hinweise zu erschnüffeln und Spuren zu verfolgen. Bislang haben Dilly und Watson noch nicht viele Fälle gelöst – abgesehen von weggelaufenen Katzen oder verschwundenen Keksen, die sich am Ende dann doch als gegessen herausstellten. Aber jetzt befinden sich die beiden auf einem luxuriösen Ozeandampfer auf der Reise von Amerika nach London. Tausend Passagiere. Tausend Meilen Ozean um sie herum. Der perfekte Ort für einen Mord ... Oder zwei. Oder drei. Oder vier. Oder MEHR! • Lustiger und spannender Kinderkrimi zum Selberlesen für alle ab 9 • Wie gewohnt mit viel britischem Humor von David Walliams • Spannende Geschichte zum gemeinsam Lesen oder Vorlesen

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EPUB

Seitenzahl: 164

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Bücher von David Walliams:
Banditen-Papa
Billionen-Boy
Captain Flop
Das Eismonster
Die Mitternachtsbande
Die schlimmsten Kinder der Welt
Die allerschlimmsten Kinder der Welt
Die schlimmsten Eltern der Welt
Familie von Murks
FING
Gangsta-Oma
Gangsta-Oma schlägt wieder zu!
Gestatten, Mr. Stink
Kicker im Kleid
Propeller-Opa
Ratten-Burger
Robodog
Spaceboy
Terror-Tantchen
Zombie-Zahnarzt
AUS DEM ENGLISCHEN
VON BET TINA MÜNCH
IL LUSTRIERT VON
ADAM STOWER
Erschienen bei Rotfuchs,
einem Imprint von Fischer Sauerländer
Die englische Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel «Super Sleuth»
bei HarperCollinsPublishers Ltd., London.
Copyright für die deutsche Übersetzung
© 2026, Fischer Sauerländer GmbH, Hedderichstraße 114, 60596 Frankfurt am Main
Cover-Lettering des Autorennamens Copyright © 2010 by Quentin Blake
David Walliams und Adam Stower sind als Autor und Illustrator dieses Buches
urheberrechtlich geschützt
Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining
im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.
«Super Sleuth» Copyright © 2024 by David Walliams
Lektorat: Eva Jaeschke
Umschlaggestaltung: Cordula Schmidt Design, Hamburg,
nach dem Original von HarperCollinsPublishers Ltd 2024
Umschlagabbildung: Adam Stower 2024
Satz: Konstantin Kleinwächter
Ebook-Produktion: rombach digitale manufaktur, Freiburg
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen
Darstellungen des vom Verlag freigegeben Textes kommen.
Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-7336-1007-4
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:
Für … Wylda und Romy,
zwei supercoole Katzen.
Die Übersetzerin dankt dem International Writers'
and Translators' House Ventspils für die großzügige
Unterstützung ihrer Arbeit an diesem Buch.
DAS PERFEKTE SZENAR IO FÜR EINEN MORD:
Ein Ozeandampfer.
An Bord der großartigste Detektiv der Welt.
Und mehr als tausend Besatzungsmitglieder
und Passagiere.
Darunter ein Mörder oder
eine Mörderin …
UNSERE MIT-
WIRKENDEN:
DIE PASSAGIERE
LORD FOX
Gladysˇ schneidiger
adliger Verehrer.
TANTE GLADYS
Dillys Tante hasst Kinder,
und ganz besonders Dilly.
DILLY
Dilly liebt Detektivgeschichten. Sie
träumt davon, eines Tages selbst
eine Superspürnase zu werden.
WATSON
Dillys bester Freund auf der
Welt ist zugleich ihr Gehilfe
beim Herumschnüffeln.
DER PROFESSOR
DER BRIGADIER
Ein ungarischer
Wissenschaftler.
Ein einarmiger Soldat mit
roter Nase.
MOROSOV
Ein ernster, grüblerischer
russischer Romanautor.
DIE SCHWARZE WITWE
Eine ältere norwegische Dame.
MAGNUS MAGNUS
Ein isländischer Komponist.
DIE CREW
DER KAPITÄN
Marineoffizier, der insgeheim
ein weiches Herz hat.
Ein strenger ehemaliger
DER KÜCHENCHEF
Ein reizbarer türkischer
Koch.
FRAESER
französische Oberkellner
des Restaurants.
DER MAÎTRE D’
Der hochnäsige
Der ruppige, struppige
schottische Heizer aus dem
Maschinenraum.
DIE DETEKTIVE
DER MAESTRO
Der legendäre Opern
singende Meister-
detektiv aus Italien.
FRAU FRÖHLICH
Eine deutsche Detektivin, deren
Ruhm und Ruf nur vom Maestro
übertroffen wird.
SCHWESTER RUTH
Die beste Nonnendetektivin
der Welt. Nun ja, die einzige
Nonnendetektivin der Welt.
KINSKI
furchterregende
Katzengehilfin.
Frau Fröhlichs
CYRIL UND CUTHBERT
Dieses vornehme englische
Paar trinkt gern ein paar
Gläser Schampus.
SHARIF
Ägyptens Superspürnase.
DIE K UL ISSE
DIE MASKERADE
Der prächtigste Ozeandampfer der Welt.
Ingeniös. Glamourös. Luxuriös.
Die MASKERADE braucht für eine Atlantik-
überquerung von England nach Amerika gerade
mal eine Woche.
SCHORNSTEINE
BULLAUGEN
BRITISCHE
FLAGGE
PROMENADE
RIESIGE SCHIFFSSCHRAUBE
AUSGUCK
BRONZEBÜSTE VON
POSEIDON, DEM
GRIECHISCHEN
GOTT DES MEERES
BRÜCKE
RETTUNGSBOOTE
DECK
DIE 1920-ER JAHRE
gab jede Menge Jazzmusik, verrückte Tänze und spannende Filme. Es
war aufregend, diese Zeit mitzuerleben. Daher ist es jammerschade,
dass an Bord der MASKERADE so viele den Tod finden sollten.
Sie wurden auch Goldene Zwanziger genannt. Kein Wunder: Es
PROLOG
Dilly liebte schöne Morde.
Keine echten.
Nein.
Erfundene Morde.
Wie sie in Kriminalromanen vorkommen.
Dilly war verrückt nach Detektivgeschichten. Das
hatte sie von ihrem Vater geerbt, der ihr eine riesige
Büchersammlung hinterlassen hatte. Sie hatte jedes ein-
zelne dieser Bücher gelesen, ehe sie sich in der örtlichen
Bücherei Nachschub besorgte.
Am liebsten mochte sie Geschichten über
Sherlock Holmes – deshalb hatte
sie ihren Hund auch Watson
genannt, so hieß der
treue Gefährte des
Meisterdetektivs. Dilly
hatte ihrem Watson beigebracht, Hinweise zu erschnüf-
feln und Spuren zu verfolgen. Dinge, die er für einen
Hundekeks – oder zwei – begeistert ausführte.
«WUFF!»
DILLY
WILDE HAARE
BRILLE
PULLOVER
ZERRISSENE
JACKE
SCHMUTZIGE
HÄNDE
ZERKRATZTE KNIE
SCHMUTZIGE
SHORTS
LANGE
(VERSCHIEDENE)
WOLLSOCKEN
LÖCHRIGE SCHUHE
WATSON
BEWEISSTÜCK:
BEWEISSTÜCK:
ALLE BÜCHER, DIE DILLY GELESEN HAT
DAS TAL DER ANGST
DIE ABENTEUER VON
SHERLOCK HOLMES
DER HUND VON
BASKERVILLE
DIE MEMOIREN DES SHERLOCK HOLMES
DIE RÜCKKEHR DES
SHERLOCK HOLMES
SHERLOCK HOLMES – SEINE ABSCHIEDSVORSTELLUNG
SHERLOCK HOLMES’ BUCH DER FÄLLE
DIE GROSSEN VIER
DER BLAUE EXPRESS
DIE NEUNUNDDREISSIG STUFEN
EIN SCHNELLER TOD
DAS GEHEIMNIS DES ROTEN HAUSES
DAS HAUS DES SCHRECKENS
DER TOTE IN DER
BADEWANNE
DER BENSON-MORD
DAS HAUS OHNE SCHLÜSSEL
ALIAS, DER EINSAME WOLF
MORD AUF DEM GOLFPLATZ
POIROT RECHNET AB
ALIBI
EINE STUDIE IN
SCHARLACHROT
DAS ZEICHEN DER VIER
BEWEISSTÜCK:
PRIVATDETEKTIVIN
NIMMT AUFTRÄGE AN
SPEZIALISIERT AUF MORD
LÖST ABER FÄLLE ALLER ART
BEZAHLUNG IN
KARAMELLBONBONS* UND
HUNDEKEKSEN MÖGLICH
Dilly verreiste nie ohne ihre abgegriffene alte Schul-
tasche.
DILLYS DETEKTIVAUSRÜSTUNG
NOTIZBUCH
HUNDEKEKSE
VERGRÖSSERUNGS-
GLAS
ERSATZSTIFT
STIFT
KERZE
STREICHHÖLZER
ERSATZ-ERSATZSTIFT
KREIDE (UM DEN UMRISS EINER
LEICHE ZU MARKIEREN)
BÜROKLAMMER
ZUM KNACKEN
VON TÜR-
SCHLÖSSERN
Obwohl Dilly auf dem
Postamt eine Karte ins
Fenster gehängt hatte:
BEWEISMITTELBEUTEL
UND ETIKETTEN
KLEINES
KARAMELLBONBON
(NUR FÜR NOTFÄLLE)
* BEI UNGEÖFFNETER PACKUNG MIT KARAMELL-ZURÜCK-GARANTIE
… hatten sich bisher nicht viele Interessenten gemeldet:
Die alte Ma Evans, deren Katze auf mysteriöse
Weise aus dem Dorf verschwunden war. Es stellte sich
heraus, dass sie Krümel aus Versehen in einen Schrank
gesperrt hatte.
Der Pfarrer des Ortes meldete den Diebstahl einer
Packung Doppelkekse aus dem Pfarrhaus. Er hatte
vergessen, dass er sie selbst gefuttert hatte.
Der Farmer meldete das Verschwinden eines Schafes
aus seiner Herde. Aber es war gar nicht verschwunden.
Der Farmer konnte einfach nicht bis zwölf zählen.
Doch nun befanden sich Dilly und Watson auf einem
transatlantischen Ozeandampfer.
Der perfekte Ort für einen Mord.
Oder zwei.
Oder drei.
Oder vier.
Oder mehr …
I. AKT
TOD DURCH
PANNA COTTA
ER S TES K APITEL
TURBULENZEN
New York bei Nacht war spektakulär: die Wolkenkrat-
zer, die zu den Sternen aufragten, die Brooklyn Bridge,
die sich über den East River spannte, und die Freiheits-
statue, die wie eine Göttin über allem thronte.
Am Kai versammelten sich Freunde und Familien, um
ihren Liebsten an Bord der gewaltigen MASKERADE
zum Abschied zuzuwinken. Das Schiff war ein schwim-
mendes Fünf-Sterne-Hotel, das prächtigste Kreuzfahrt-
schiff, das die Welt je gesehen hatte. Es beförderte
Passagiere in Rekordgeschwindigkeit über den Atlantik.
In nur einer Woche legte es tausende Kilometer zurück.
QUERSCHNITT DER MASKERADE
GROSSER TREPPENAUFGANG
WIENER CAFÉ
HERRENZIMMER
(NUR FÜR MÄNNER)
DAMENZIMMER
KARTEN-
SALON
(NUR FÜR FRAUEN)
KASINO
BALLSAAL
GROSSER SPEISESAAL
ERSTE-KLASSE-
KABINEN
BEWEISSTÜCK:
KINO
BÜCHEREI
GEFRIER-
KAMMER
WEIN-
KELLER
KÜCHE
ZIMMERMÄDCHEN UND BUTLER
SPEISERAUM DER
MANNSCHAFTS-
QUARTIERE
SCHWIMMBECKEN
FRISEUR
TÜRKISCHE SAUNA
SQUASH-
PLATZ
ZWEITE-KLASSE-
KABINEN
DRITTE-KLASSE
KABINEN
MASCHINENRAUM
LEICHENKAMMER
LADERAUM
Auf dem Kai wurden Bänder in die Luft geschleudert,
damit die Reisenden an Bord sie auffingen, als Symbol
dafür, dass ihre Verbindung niemals abreißen würde.
Andere brachen, vom Abschiedskummer überwältigt,
in Tränen aus.
Viele riefen ein letztes «Ich liebe dich», ehe sie vom
tiefen Brummen der Schiffsmotoren übertönt wurden.
Vom Deck des Schiffes aus schaute Dilly
mit großen Augen zu.
Das alles war wie ein Musical, ein Zirkus und ein Feu-
erwerk zugleich.
Watson hockte auf Dillys Schulter, damit niemand
auf ihn drauftrat.
Der kleine Hund hatte dafür ein besonderes Jaulen
parat: ein hohes Quietschen, das Dillys Tante Gladys
aus ihm herausquetschte, weil sie immer wieder auf
ihn trat.
26
Dilly kehrte nach einer turbulenten Woche in New
York nach England zurück.
Es war wie ein Traum.
Bis vor einem Monat hatte Dilly das winzige walisi-
sche Dorf, in dem sie zur Welt gekommen war, noch
nie verlassen.
Es war ein armer Ort. Und sie stammte aus einer
armen Familie. Alle im Dorf waren arm, Dilly kannte
nichts anderes.
Dillys Mutter und Vater waren während des Ersten
Weltkriegs gestorben.
Dilly war damals noch ein Baby gewesen, daher hatte
sie die beiden nie kennengelernt. Alles, was ihr von
ihnen geblieben war, waren die Krimisammlung ihres
Vaters und ein altes Schwarz-Weiß-Foto von ihm und
ihrer Mutter in Krankenschwesterntracht. Ihre Mutter
strahlte auf dem Bild, und ihr Vater sah sehr beeindru-
ckend aus in seiner Soldatenuniform. Die beiden stan-
den Arm in Arm, stolz, verliebt und lebensfroh. Sie
ahnten nicht, dass sie bald einer Tragödie zum Opfer
fallen würden. Als zwei von zwanzig Millionen, die in
diesen vier Kriegsjahren ums Leben kamen.
Dillys Tante Gladys fiel es zu, sich um Dilly zu küm-
mern. Tante Gladys mochte äußerlich schön sein,
27
aber innerlich war sie hässlich. Das Unglück begann
mit ihrem Einzug in das Haus von Dillys Familie. Gla-
dys hasste Kinder und ihre Nichte ganz besonders. Sie
nannte sie «das hässliche Entlein».
Gladys war faul. Sie hatte noch nie im Leben gear-
beitet, also musste Dilly tun, was sie konnte, um etwas
Geld zu verdienen, das sie so dringend benötigten. Lei-
der bestand in ihrem kleinen Dorf keine große Nach-
frage nach bezahlter Detektivarbeit. Dilly stand jeden
Morgen bei Tagesanbruch auf, wischte in der Metzgerei
den Boden, schaufelte Kohlen und fegte die Straßen.
Nach der Schule musste sie bis Mitternacht arbeiten,
die Schultoiletten schrubben, Schweineställe ausmis-
ten und sogar Gräber ausheben. Dilly schuftete sich
krumm, damit sie etwas zu essen hatte und ihre Tante
Abend für Abend in der Kneipe verbringen und sich
Getränke spendieren lassen konnte.
Doch dann war über Nacht alles anders geworden.
Ein entfernter Onkel starb, und Gladys erbte ein
Vermögen. Dilly hatte noch nie von einem Großon-
kel Huw gehört, aber er musste schwerreich gewesen
sein – reicher als reich, denn nun reisten Dilly und ihre
Tante plötzlich in Erste-Klasse-Kabinen auf einem Ers-
te-Klasse-Schiff. Darüber hinaus hatten sie im schicks-
28
ten Hotel von New York übernachtet, in den besten
Restaurants gegessen und die angesagtesten Shows am
Broadway gesehen. Und das alles in Gesellschaft von
Gladysˇ schneidigem Verehrer, Lord Fox. Es war Fox, der
darauf bestand, dass Dilly sie überallhin begleitete – nun
ja, überallhin, außer auf seinen nächtlichen Ausflügen in
die Kasinos! Ansonsten hätte Gladys ihre Nichte liebend
gern zu Hause gelassen. Wie sie es sonst immer tat.
Obwohl Fox Dilly in New York ständig teure Geschenk
kaufen wollte, hatte sie jedes Mal abgelehnt. Sie wollte
keine teuren Sachen.
Sie wollte einfach nur geliebt werden.
Stattdessen hatte sie die ganze
Woche zugesehen, wie ihre
TANTE GLADYS
DIAMANTKETTE
PASSENDE DIAMANT-
OHRRINGE
SEIDENE
SILBERNE UHR
GOLDENES ARMBAND
FUCHSSTOLA (DIE WATSON
HÄUFIG ANKNURRTE)
PARFÜMWOLKE
SEIDENKLEID
STÖCKELSCHUHE
HANDTASCHE
HANDSCHUHE
BEWEISSTÜCK:
Tante kaufte und kaufte, in Läden, die so edel waren,
dass einem die Augen übergingen, der Mund offen
stehen blieb und die Knie weich wurden.
Jetzt, da Gladys reich war, hatte sie gefunden, was sie
sich immer gewünscht hatte: einen schicken Mann.
Und er war schick.
Superschick.
Ein schneidiger englischer Adliger.
Die Männer im Dorf waren Gladys nie gut genug
gewesen. Besser gesagt, reich genug. Obwohl sie die
hübscheste Frau dort war und stets alle Aufmerksamkeit
auf sich zog, hatte sie sämtliche Annäherungsversuche
ignoriert. Während die Frauen im Ort sie durchschau-
ten, waren die Männer von ihrer Schönheit so geblen-
det, dass sie nicht mehr klar denken konnten.
Lord Fox war Tante Gladys auf einem Ball für stink-
reiche Leute in London begegnet. Solche Veranstaltun-
gen besuchte sie, seit sie selbst stinkreich war.
Es entwickelte sich eine stürmische Romanze.
Obwohl sie sich erst seit wenigen Wochen kannten, war
bereits von Heirat die Rede.
Dilly hatte Fox anfangs nicht über den Weg getraut.
Tante Gladys schwamm regelrecht in Geld. Machte er
ihr nur den Hof, um an das Geld heranzukommen?
ZW E I T E S K A P I T E L
PINKE, PULVER
UND PENUNZEN
Nein.
Lord Fox hatte nämlich selbst genug Pinke, Pulver
und Penunzen, also eigenes Geld. Schätzungsweise hun-
dert Mal mehr, als Gladys geerbt hatte.
Dilly war das Geld egal. Sie vergötterte Fox einfach
deshalb, weil er ihr das Gefühl gab, etwas Besonderes zu
sein. Er erzählte ihr Geschichten und nahm dabei für jede
Figur eine andere Stimme an. Er gab ihr Bücher zu lesen.
Außerdem las er ebenfalls gerne Kri-
mis. Und er hatte sie in New
York in die wunderbare Welt
der Milchshakes eingeführt.
Bananenshake mochte sie am liebsten.
Bei Fox empfand sie das Gegenteil dessen, was sie bei
ihrer Tante empfand.
Glück.
LORD FOX
MELONE
PERFEKT GEPFLEGTER
SCHNURRBART
SMOKINGHEMD
SEIDENSCHLIPS
NELKE IM
KNOPFLOCH
GOLDENE
TASCHENUHR AN
EINER KETTE
EINSTECKTUCH
KARIERTER DREITEILER
KASCHMIRSOCKEN
GLÄNZENDE
HALBSCHUHE
Lord Fox konnte auf adlige Vorfahren bis ins Mittel-
alter zurückblicken und scherzte gern darüber, dass er
in der Thronfolge an 112. Stelle stand.
32
BEWEISSTÜCK:
«Es müssen nur einhundertelf vornehme Leute ster-
ben, dann werde ich zum König gekrönt!»
Er lebte in einem prachtvollen Landschloss, das
Schloss Fox hieß.
Es war seit Hunderten von Jahren im Besitz seiner
Familie. Auf den Fotos, die er ihnen gezeigt hatte, sah
Schloss Fox einfach atemberaubend aus.
SCHLOSS FOX VON AUSSEN
PONYSTÄLLE
TENNISPLATZ
APFELHAIN
TEICH
ROLLS-ROYCE
IN DER EINFAHRT
ROSEN-
GARTEN
SPRINGBRUNNEN
IRRGARTEN
STEINERNE LÖWENSTATUEN
AUF DEM RASEN
33
KROCKET-RASEN
BEWEISSTÜCK:
SCHLOSS FOX VON INNEN
ANTIKE MÖBEL
VIERUNDZWANZIG SCHLAFZIMMER
KRONLEUCHTER
BIBLIOTHEK
BALLSAAL
KONZERT-
FLÜGEL
BILLARD-
ZIMMER
KOSTBARE
GEMÄLDE
WEINKELLER
Jedes Mal, wenn Fox ihnen ein Foto von Schloss Fox
zeigte, bekam Gladys glänzende Augen vor Gier.
«Ich wäre die perfekte Lady Fox!», pflegte sie anzudeu-
ten, ehe sie im Zimmer auf und ab rauschte, als wäre
sie bereits die Schlossherrin. «Ich wusste schon immer,
dass ich zu Höherem bestimmt bin.»
34
ESSTISCH VON
DER LÄNGE
EINES EISEN-
BAHNWAGGONS
BEWEISSTÜCK:
«Aber zuerst müssten wir heiraten, das wäre sonst
Mutter nicht recht!», erwiderte Fox dann.
«Ein Zimmer für meine Kleider! Eines für meine
Schuhe! Eines für meine Handtaschen! Und Ölgemälde
von mir an den Wänden!»
«Und natürlich ein Zimmer für Dilly und Watson.»
Gladys lächelte Lord Fox dann jedes Mal an. Aber
sobald sie ihm den Rücken zuwandte, zischte sie ihrer
Nichte zu: «Im Keller!»
Dilly sagte sich, dass sie schon zurechtkommen
würde, wenn sie nur ihren Hund und ihre Krimis mit-
nehmen durfte, auch wenn es im Winter im Keller ent-
setzlich kalt werden würde. Sie wollte nur ungern steif
gefroren aufgefunden werden.
Sie ahnte nicht, dass genau dieses Schicksal sie an Bord
der MASKERADE erwartete …
DR I T T E S K A P I T E L
STOPPEN SIE
DIESES SCHIFF!
Obwohl Dillys Tante ihr den Ellbogen ins Auge drückte,
konnte Dilly den spektakulären Anblick von New York
bei Nacht mit dem anderen Auge in sich aufnehmen.
«Es ist, als wären wir im Zentrum des Universums!»
«Das sind wir», sagte Fox lächelnd. «Vergiss nie, wie
einzigartig du bist.»
«Ich?»
«Ja! Du! Du verdienst nur das Allerbeste!»
«Das ist das Schönste, was jemals jemand zu mir
gesagt hat», erwiderte Dilly leise.
Da mischte sich Tante Gladys ein. «Abgesehen von all
den Nettigkeiten, die ich dir täglich sage, Dilly!»
Dilly lächelte dünn. Ihre Tante hatte noch nie etwas
Nettes zu ihr gesagt. Außer in Gegenwart von Fox.
Dann tat sie ausgesprochen lieb und nett.
36
Fox wurde von der tausendköpfigen Menge der Passa-
giere, die um die beste Aussicht auf New York rangelte,
eng an Gladys gedrückt.
«Ihr beide werdet euch mit der Zeit an all das gewöh-
nen. Wenn ihr New York überwältigend findet, dann
wartet nur, bis ich euch auf eine Kreuzfahrt nach Vene-
dig mitnehme.»
«Boah! Das wäre toll!», rief Dilly.
Gladys verzog das Gesicht, ehe sie Fox anlächelte.
«Es ist himmlisch, die schönste Stadt der Welt bei Son-
nenaufgang zu sehen», schwärmte er.
«Wo liegt dieses Venedig denn?», fragte Gladys.
«Irgendwo im Ausland?»
«In Italien», antwortete Dilly.
«Die Kleine ist wirklich oberschlau!», bemerkte Gladys.
37
«Ständig steckt sie die Nase in irgendein dummes Buch!»
«Krimis, um genau zu sein.»
«Ich würde gerne mehr über ihn erfahren», sagte Fox.
«Er scheint ein ganz besonderer Mann gewesen zu sein.
Ein Held.»
«Das war er. Und meine Mutter war auch eine Heldin.»
«Ja! Ja! Ja!», sagte Gladys. «Aber leider sind sie jetzt tot.
Ich bin die wahre Heldin! Ich habe dieses kleine Mäd-
chen vor dem Waisenhaus bewahrt!», fügte sie hinzu
und tätschelte Dilly ungeschickt den Kopf.
«Was für eine noble Geste, Gladys», sagte Fox.
«Ich weiß! Die perfekte Frau! Und jetzt gib mir ’n Kuss!»
Damit packte Gladys Fox im Nacken und zog ihn für
einen dicken Schmatzer an sich.
«MUAH!»
Igitt, dachte Dilly.
Sie fragte sich, was Fox an Gladys außer ihrer Schön-
heit wohl gefiel. Sie musste sich ständig zurückhalten,
um ihn nicht vor dem Ungeheuer zu warnen, das
ihre Tante sein konnte. Aber wenn sie das täte, würde
Fox für immer verschwinden und sie wäre wieder mit
Gladys allein. Also schwieg sie. Vorerst.
Als die Schiffssirene ertönte, um das Auslaufen der
MASKERADE zu verkünden …
38
TUUT!
… sah Dilly, wie sich am Kai eine große Gestalt durch
die Menschenmenge drängte.
«AUS DEM WEG!», donnerte ein Mann
mit italienischem Akzent. Er trug ein Seidenhemd mit
Rüschen, eine samtene Fliege, ein Samtjackett und
einen Samtumhang mit rotem Seidenfutter. Ein glän-
zender Zylinder vervollständigte sein auffälliges Äuße-
res. Er schwang einen Gehstock, als wären alle anderen
nur Fliegen, die es zu verscheuchen galt.
WISCH! WOSCH! WUSCH!
Eine Gruppe Träger
folgte dem Mann und schob Berge von
Truhen, Lederkoffern und Hutschachteln hinter ihm her.
Dilly erkannte den Mann sofort!
«DER MAESTRO!», schrie sie. «STOPPT
DAS SCHIFF!»
39
Für eine angehende Detektivin wie Dilly war dieser
Mann eine Legende.
Abends war er weltberühmter Opernsänger und
tagsüber ein Meisterdetektiv. Seine Talente waren so
erstaunlich, dass er sich selbst den Namen «DER
MAESTRO» gegeben hatte!
Das italienische Wort für MEISTER!
Als großartigster Tenor und großartigster Detektiv
aller Zeiten war es ihm unmöglich, bescheiden zu sein.
Dilly las für ihr Leben gern von den Fällen des Maest-
ros.
Mit seiner Kombinationsgabe, seinem fotografischen
Gedächtnis und seinen skurrilen Eigenheiten prangte er
in aller Welt ständig auf den Titelseiten der Zeitungen.
Der Maestro färbte sein graues Haar mit schwarzer
Schuhcreme. Daher lief ihm an heißen Tagen glibbe-
riger schwarzer Schweiß über das Gesicht. Außerdem
aß er Panna Cotta zum Frühstück, Mittag- und Abend-
essen und den zahlreichen selbst erfundenen anderen
Mahlzeiten zwischendurch. Er schaufelte so viel von
dem süßen, cremigen Wabbeldessert in sich hinein, dass
er selbst wie eines aussah.
Und er donnerte Verdächtigen Opernarien ins
Ohr, um ein Geständnis aus ihnen herauszupressen.
40
DER MAESTRO
GEFÄRBTE HAARE
TOTAL LÄCHERLICHER
SCHNURRBART
SCHWARZE
SEIDENFLIEGE
WEISSE
HAND-
SCHUHE
ZYLINDER
SAMTUMHANG MIT
ROTEM SEIDENFUTTER
GRÜNES SAMT-
JACKETT
SEIDENES
TASCHENTUCH
GOLDENE
TASCHEN-
UHR MIT
KETTE
SPAZIERSTOCK MIT
SILBERNEM KNAUF
GAMASCHEN
AUF HOCHGLANZ POLIERTE SCHUHE
Die gelösten Fälle des Maestros waren weltberühmt
und standen allesamt in seinen Bestsellern, den Detektiv-
tagebüchern:
• Die Leiche im Brunnen
• Der Fleischbällchen-Mord
• Der schiefe Turm, der umkippte und auf jemanden
drauffiel
• Stumm, aber tödlich
41
BEWEISSTÜCK:
• Der Schrecken unter der Salami
• Die Mamma-Mia-Morde
• Der Gelati-Anschlag
• Der Pope und die Antilope
• Die Gondel aus Zement
• Der seltsame Fall der vergifteten Ananaspizza
Es gab nicht viele Leute, für die ein Schiff dieser
Größe anhalten würde, aber der Maestro war einer
davon. Die MASKERADE kam bebend zum Stehen,
und der Laufsteg wurde wieder ausgefahren. Da der
Maestro nicht gerade sportlich war, hatte er Mühe, ihn
zu besteigen, also mussten ein paar Träger seinen üppi-
gen Hintern hinaufwuchten. Dilly hatte noch nie einen
Menschen mit so viel Gepäck gesehen.
Er hatte sogar mehr als Fox.
Allerdings hatte Fox ihnen erklärt, dass ein Lord eben
für jede Gelegenheit eine extra Garderobe benötigte.
«KAPITÄN!», brüllte der Maestro, als er das
Ende des Laufstegs erreichte. «WO IST DER
KAPITÄN?»
Der kräftige alte Kapitän, der auf der Brücke beschäf-
tigt gewesen war, eilte aufs Deck, um seinen in letzter
Minute eingetroffenen Passagier zu begrüßen.
42
Er hatte einen weißen Bart und raue, von Wind und
Wetter gegerbte Haut und sah genau so aus, wie man