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Die Bhagavadgita | Für die eBook-Ausgabe neu editiert und mit aktualisierter Rechtschreibung | Mit eBook-Inhaltsverzeichnis und rund 100 verlinkten Fußnoten | Im Anhang zusätzliche Infos zur Bhagavadgita || Die Bhagavadgita ist eine der zentralen Schriften des Hinduismus. Der vermutlich zwischen dem fünften und zweiten vorchristlichen Jahrhundert entstandene Text ist eine Zusammenführung mehrerer Denkschulen des damaligen Indien auf Grundlage der Veden, der Upanishaden und des orthodoxen Brahmanismus, steht aber den Upanischaden gedanklich am nächsten. | Kein Text der Hinduliteratur wird so viel gelesen, so oft auswendig gelernt und so häufig zitiert, wie die 18 Kapitel der Bhagavadgita. Viele Hindus ziehen das Buch als wichtigen Ratgeber heran, und auch für Mahatma Gandhi war es Richtschnur; aber auch für westliche Denker, wie Wilhelm von Humboldt.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Innentitel
Vorbemerkung
Erster Gesang
Zweiter Gesang
Dritter Gesang
Vierter Gesang
Fünfter Gesang
Sechster Gesang
Siebenter Gesang
Achter Gesang
Neunter Gesang
Zehnter Gesang
Elfter Gesang
Zwölfter Gesang
Dreizehnter Gesang
Vierzehnter Gesang
Fünfzehnter Gesang
Sechzehnter Gesang
Siebzehnter Gesang
Achtzehnter Gesang
Geleitwort des Indologen und Übersetzers der Bhagavadgita, Leopold von Schroeder
Erläuterungen zur Bhagavadgita
Impressum
Die Bhagavadgita (Sanskrit: gita – Lied, Gedicht; bhagavan – Herr, Gott; also ›der Gesang Gottes‹), verkürzt auch nur Gita, ist eine der zentralen Schriften des Hinduismus in Form eines spirituellen Gedichts. Der vermutlich zwischen dem fünften und dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert entstandene Text ist eine Zusammenführung mehrerer verschiedener Denkschulen des damaligen Indien auf Grundlage der Veden, der Upanishaden und des orthodoxen Brahmanismus, steht aber den Upanischaden gedanklich am nächsten.
Die Gita, wie sie in Indien verkürzt genannt wird, besteht aus 700 Strophen, die auf 18 ›Gesänge‹ (Kapitel) verteilt sind. Sie ist eigentlich ein Teil des wesentlich längeren Epos Mahabharata. Kein Text der Hinduliteratur wird so viel gelesen, so oft auswendig gelernt und so häufig zitiert, wie die 18 Kapitel der Bhagavadgita. Viele Hindus ziehen das Buch als wichtigen Ratgeber heran, und auch für Mahatma Gandhi war es von erheblicher Bedeutung.
Die Bedeutung der Bhagavadgita erstreckt sich jedoch nicht nur auf Indien, auch für viele Nicht-Hindus gehört sie zu den großen religions-philosophischen Dichtungen der Weltliteratur. Wilhelm von Humboldt nannte sie das »… schönste, ja vielleicht das einzig wahrhafte philosophische Gedicht, das alle uns bekannten Literaturen aufzuweisen haben«.
Die Bhagavadgita liegt hier in der Übersetzung von Leopold von Schroeder vor, versehen mit zahlreichen erklärenden Fußnoten.
Redaktion CharismaBuch
Dhritarashtra1 sprach
Im heilgen Land, im Kuru-Land, zusammentreffend kampfbereit,
Was taten dort, o Sanjaya2, die Meinen und die Pândava3?
Sanjaya sprach
Als nun Duryodhana 4 das Heer der Pândus aufgestellt sah,
Da trat er zu dem Lehrer 5 hin, der König, und sprach dieses Wort:
Sieh dort der Pându-Söhne Heer, o Lehrer, das gewaltige,
Von deinem Schüler aufgestellt, dem klugen Sohn des Drupada 6.
Da stehen Helden, Pfeilschützen, dem Arjuna und Bhîma 7 gleich,
Yuyudhâna 8 und Virâta 9 und Drupada, der Wagenheld.
Dhrishtaketu 10, Cekitâna 11 und Kâçis 12 heldenhafter Fürst,
Purujit 13 und Kuntibhoja 14 und Çâivya 15 auch, der Männerstier.
Yudhâmanyu, der tapfre Held, und Uttamâujas 16, kraftbegabt,
Subhadrâs Sohn 17, der Drâupadî Söhne 18, auf hohen Wagen all.
Die Besten aber auch bei uns nimm, bester der Brahmanen, wahr,
Die Führer dieses meines Heers, – dich zu erinnern, nenn’ ich sie:
Du selbst und Bhîshma 19, Karna20 auch und Kripa, der im Kampfe siegt,
Açvatthâman 21 und Vikarna 22, wie auch des Somadatta Sohn;
Und viele andre Helden noch, ihr Leben opfernd meinethalb,
Schwingend der Waffen mancherlei, sie alle mit dem Kampf vertraut.
Nicht ist genügend unser Heer, ob Bhîshma auch sein Führer ist,
Genügend aber ist ihr Heer, an dessen Spitze Bhîma steht.
In all den Heeresreihen hier am rechten Platze aufgestellt,
Sollt denn ihr all, wie viel ihr seid, den Bhîshma schützen, wie ihr könnt.
Drauf ihm erweckend Kampfesmut blies laut das Muschelhorn der Greis,
Der hehre Ahn des Kuru-Stamms 23, dass es wie Löwenbrüllen scholl.
Die Muscheln und die Pauken drauf, die Trommeln und Drommeten all,
Die wurden da mit Macht gerührt, dass zum Getöse wuchs ihr Schall.
Auch Krishna und des Pându Sohn 24 bliesen die Himmelsmuscheln laut,
Auf hohem Wagen stehend da, von lichten Rossen fortgeführt.
Krishna die Dämonsmuschel 25 blies, die Gottgeschenkte Arjuna,
Die große Muschel Pâundra blies der Schreckensmann Wolfseingeweid 26.
Die Siegesmuschel blies der Fürst, der Kuntî Sohn Yudhishthira,
Doch Nakula und Sahadev 27 auf Tonreich und Juwelenblüt.
Der Kâçi-Fürst, der beste Schütz, und Çikhandin 28, zu Wagen hoch,
Virâta, Dhrishtadyumna und Satyakas unbesiegter Sohn 29;
Drupada samt der Enkel Schar 30 und Abhimanyu, starken Arms,
Sie bliesen all, o Erdenherr, auf ihren Muscheln hier und dort.
Und dies Getön zerspaltete der Dhritarâshtra-Söhne Herz,
Da es den Himmel und die Erd’ von wirrem Lärm erdröhnen ließ.
Als Arjuna nun vor sich sah der Dhritarâshtra-Söhne Schar,
Und der Geschosse Regen schon begann, hob er den Bogen hoch;
Sodann, zu Krishna hingewandt, sprach er dies Wort, o Erdenherr 31:
Inmitten beider Heere hier halt’, Ewiger du, den Wagen an!
Bis ich mir diese angesehn, die kampfbegierig stehn in Reihn, –
Mit wem ich denn da kämpfen soll im heissen Mühen dieser Schlacht.
Zum Kampfbereit seh’ ich sie stehn, die hier am Ort versammelt sind,
Dem argen Dhritarâshtra-Sohn 32 im Streite ihren Arm zu leihn.
Also gemahnt von Arjuna hielt Krishna gleich, o Bhârata,
Inmitten beider Heere dort den herrlichsten der Wagen an.
Vor Bhîshma und vor Drona dann, und vor den Erdenherrschern all
Sprach er: Sieh, Sohn der Prithâ 33, dort herbeigeströmt der Kuru Schar!
Da sah der Sohn der Prithâ stehn die Väter und Grossväter dort,
Lehrer, Brüder und Oheime, Söhne, Enkel und Freunde auch;
Schwäher wie auch Gefreundete, in beiden Heeren gleicherweis;
Als alle die Verwandten dort der Kuntî Sohn kampffertig sah,
Von höchstem Mitleid übermannt, sprach er kleinmütig dieses Wort:
Arjuna sprach
Ich sehe der Verwandten Schar, o Krishna, kampfbereit genaht,
Da werden meine Glieder schwach und es verdorret mir der Mund,
Ein Zittern geht durch mein Gebein und meine Haare sträuben sich;
Gândîva 34 sinkt mir aus der Hand, die Haut an meinem Körper brennt,
Nicht länger kann ich aufrecht stehn, wie unstet irrt mein Geist umher.
Und Zeichen schau ich, aber ach, gar böse Zeichen, Keçava 35!
Kein Heil mehr seh’ ich, wenn im Kampf ich die Verwandten umgebracht.
Krishna, den Sieg begehr’ ich nicht, noch Herrschaft, noch die Freuden all!
Was soll die Königsherrschaft uns, was der Genuss, das Leben selbst?
Um derentwillen wünschenswert Herrschaft, Besitz und Freuden sind,
Die stehn in Reihen hier, im Kampf aufopfernd Leben, Hab und Gut.
Lehrer, Väter und Söhne sind’s und ebenso Großväter auch;
Oheime, Schwäher, Enkel sind’s, Schwäger wie auch Verwandte sonst.
Diese zu töten wünsch’ ich nicht, und sollten sie mich töten auch,
Selbst um der Dreiwelt Herrschaft nicht, – wie denn um Erdenherrschaft nur?
Wenn Dhritarâshtras Söhne wir gefällt, wie würden je wir froh?
Die Sünde haftete uns an, wenn diese Gegner wir gefällt.
Darum nicht dürfen töten wir der blutsverwandten Kuru Schar;
Wenn wir den eignen Stamm gefällt, wie können je wir glücklich sein?
Und wenn auch diese es nicht sehn, durch Gier beraubet des Verstands,
Dass Sünde im Verwandtenmord und Schuld in Freundeskränkung liegt;
Wie sollten wir’s verstehen nicht, vom Bösen uns zu wenden ab,
Die wir doch den Verwandtenmord als Sünde deutlich vor uns sehn?
Bei Stammesmord zu Grunde gehn die alten Stammespflichten auch;
Ist dies geschehn, bemächtigt sich das Unrecht bald des ganzen Stamms.
Dann, durch des Unrechts Übermacht, sind bald verderbt des Stammes Frau’n,
Und sind die Frauen erst verderbt, tritt auch die Kastenmischung ein.
Die Mischung führt zur Hölle hin die Stammesmörder wie den Stamm;
Verlust der Manenopfer stürzt die Väter aus der Seligen Reich 36.
So durch der Stammesmörder Schuld, die selbst zur Kastenmischung führt,
Auflösen sich die ewigen Standes- und Stammespflichten all.
Wo aber in der Menschenwelt die Stammespflichten aufgelöst,
Folgt unausweichlich Höllenpein als Strafe – also hörten wir.
O weh, wie schwere, sündige Tat sind wir entschlossen hier zu tun,
Da aus Begier nach Thron und Glück wir morden wollen unsern Stamm!
Wenn wehrlos, ohne Widerstand, die Dhritarâshtra- Söhne mich
Erschlagen wollten in dem Kampf, – fürwahr, mir würde wohler sein!
Sanjaya sprach
So sprach im Kampfe Arjuna und ließ im Wagen nieder sich,
Ließ fahren Pfeil und Bogen da, durch Schmerz verwirrt in seinem Geist.
Fußnoten
1 Dhritarâshtra ist der blinde Bhârata-König, das Haupt der Kuru-Partei, welchem die Ereignisse der großen Schlacht berichtet werden; vgl. mein Buch »Indiens Literatur und Kultur« S. 466 ff.
2 Sanjaya, ein Sûta, d.i. Wagenlenker und Herold, im Dienste des Dhritarâshtra; hier der Berichterstatter.
3 Pândava, Söhne des Pându, des verstorbenen Bruders des Dhritarâshtra.
4 Duryodhana, der älteste Sohn des Dhritarâshtra.
5 Es ist der Held Drona gemeint, der die Königssöhne im Waffenhandwerk unterrichtet hat.
6 Der Sohn des Drupada ist Dhrishtadyumna. Drupada, König der Pancâla, ist Bundesgenosse und Schwiegervater der fünf Pându-Söhne; seine Tochter, Krishnâ oder Drâupadî, gehört den fünf Brüdern zugleich in polyandrischer Ehe als Weib an.
7 Arjuna und Bhîma sind die beiden hervorragendsten unter den fünf Brüdern, den Söhnen des Pându; der älteste Bruder heisst Yudhishthira, die beiden jüngsten Nakula und Sahadeva.
8 Yuyudhâna, Sohn des Satyaka, ein Held des Pându-Heeres.
9 Virâta, Fürst der Matsya, Bundesgenosse der Pându-Söhne.
10 Dhrishtaketu, König der Cedi, Bundesgenosse der Pându-Söhne.
11 Cekitâna, ein Fürst und Bundesgenosse der Pându-Söhne.
12 Kâci ist die Stadt Benares.
13 Purujit, ein Held im Heere der Pându-Söhne, Bruder des Kuntibhoja.
14 Kuntibhoja, König der Kuntî, Bundesgenosse der Pându-Söhne.
15 Çâivya oder Çâibya, König der Çibi, Bundesgenosse der Pându-Söhne.
16 Yudhâmanyu und Uttamâujas, Helden im Heere der Pându-Söhne.
17 Der Sohn der Subhadrâ ist Abhimanyu; sein Vater ist Arjuna.
18 Drâupadî hat von jedem der Pânduiden einen Sohn, welche alle hier schon mitkämpfen; ihre Namen sind für uns belanglos.
19 Bhîshma, der greise königliche Held unter den Kurus, Oheim des Dhritarâshtra und Pându; vgl. über ihn »Indiens Literatur und Kultur« S. 466, 471, 472.
20 Karna, Fürst der Anga, einer der gewaltigsten Helden des Heeres der Kuru; vgl. über ihn »Indiens Literatur und Kultur« S. 472, 473.
21 Açvatthâman, Sohn des Drona (vgl. oben Vers 2); vgl. über ihn und seine Rächerrolle nach dem Kampf »Indiens Literatur und Kultur« S. 473, 474.
22 Vikarna ist Name eines Sohnes des Karna wie auch eines Sohnes des Dhritarâshtra.
23 Der alte Bhîshma.
24 Es ist Arjuna gemeint, als dessen Wagenlenker Krishna fungiert.
25 Eine Muschel, die er dem Dämon Pancajana abgenommen haben soll.
26 So wird Bhîma genannt, dessen Name schon »der Schreckliche« bedeutet; er ist der furchtbarste Kämpfer unter den fünf Söhnen des Pându.
27 Vgl. Anmerkung 7 zu Vers. 4.
28 Ein Sohn des Drupada, welcher den Bhîshma zu töten bestimmt war.
29 Das ist Yuyudhâna, vgl. Vers 4.
30 Die Söhne seiner Tochter, der Drâupadî, und der fünf Pânduiden.
31 Die vielfach eingestreuten Vokative »o Erdenherr«, »o Bhârata« u. dgl. beziehen sich auf den alten blinden Dhritarâshtra, dem der Erzähler die Ereignisse der Schlacht schildert.
32 Dieser Arge ist Duryodhana, der älteste Sohn des Dhritarâshtra, dessen Gewalttätigkeiten und Intriguen den großen Kampf hauptsächlich verschuldet haben.
33 Arjuna heisst Sohn der Prithâ oder auch Sohn der Kuntî (vgl. Vers 27), da seine und seiner Brüder Mutter, die Gemahlin des Pându, diese beiden Namen trägt; vgl. »Indiens Literatur und Kultur« S. 466.
34 Gândîva heisst der Bogen des Arjuna.
35 Keçava, eigentlich wohl »der mit reichem Haar Versehene«, ist ein Beiname des Krishna.
36 Vgl. »Indiens Literatur und Kultur« S. 427, 428.
Sanjaya sprach
Als so von Mitleid übermannt und tränenüberströmten Augs
Arjuna in Betrübnis sank, sprach Krishna zu ihm dieses Wort:
Der Erhabene sprach
Woher kommt dieser Kleinmut dir im Augenblicke der Gefahr?
Unrühmlich und unwürdig ganz des edlen Manns, o Arjuna!
Verbanne die Unmännlichkeit! Sie ziemt dir nicht, o Prithâ-Sohn!
Die Schwäche, die erbärmlich ist, gib auf! Erhebe dich, du Held!
Arjuna sprach
Wie soll ich hier in diesem Kampf den Bhîshma und den Drona auch,
Die beide ich verehren muss, mit scharfen Pfeilen greifen an?
Weit besser, die hochwürdigen Lehrer schonen
Und Bettlerbrot auf dieser Erde essen!
Denn töt’ ich sie, ob sie auch schätzelüstern,
Mit Blut befleckt fortan wär’ meine Speise!
Wir wissen’s nicht, was mehr uns würde frommen, –
Wenn wir die Sieger – wenn wir die Besiegten?
Was soll das Leben uns, wenn wir getötet
Die Kuru-Söhne, die dort vor uns stehen?
Die jammervolle Lage bricht mein Wesen,
Die Pflicht verwirrt sich mir, – ich muss dich fragen:
Was wär’ die bessere Entschließung? sag mir’s!
Dein treuer Schüler bin ich, – lehre du mich!
Nicht seh ich, was den Gram mir je verscheuchte,
Der meine Sinne ganz ausdörren müsste, –
Erlangt’ ich auch der Erde reichste Krone,
Ja bei den Göttern selbst die Oberherrschaft;
So sprach der Ringellockige, der Held, zum ewigen Gott gewandt;
Ich will nicht kämpfen! – also rief noch einmal er, dann war er still.
Doch lächelnd sprach zu ihm darauf, als er ihn so voll Kleinmut sah,
Inmitten beider Heeresreihn der heilige Krishna dieses Wort:
Der Erhabene sprach
Du redest gut, allein du klagst um die, die nicht beklagenswert,
Nicht Tote noch auch Lebende beklagt jemals der Weisen Schar.
Nie war die Zeit, da ich nicht war, und du und diese Fürsten all,
Noch werden jemals wir nicht sein, wir alle, in zukünftger Zeit!
Denn wie der Mensch in diesem Leib Kindheit, Jugend und Alter hat,
So kommt er auch zu neuem Leib, – der Weise wird da nicht verwirrt.
Der Atome Berührung nur ist kalt und warm, bringt Lust und Leid,
Sie kommen, gehen, ohn’ Bestand, – ertrage sie, o Bhârata!
Der weise Mann, den diese nicht erregen, o du starker Held,
Der Leid und Lust gleichmütig trägt, der reift für die Unsterblichkeit.
Es gibt kein Werden aus dem Nichts, noch wird zu Nichts das Seiende!
Die Grenze beider ist erschaut von denen, die die Wahrheit schaun.
Doch wisse, unvergänglich ist die Macht, durch die das All gewirkt!
Des Ewigen Vernichtung kann bewirken niemand, wer’s auch sei.
Vergänglich sind die Leiber nur, – in ihnen weilt der ewige Geist,
Der unvergänglich, unbegrenzt – drum kämpfe nur, du Bhârata!
Wer denkt, es töte je der Geist oder werde getötet je,
Der denkt nicht recht! Er tötet nicht, noch wird jemals getötet er.
Niemals wird er geboren, niemals stirbt er,
Nicht ist geworden er, noch wird er werden,
Der Ungeborne, Ewige, Alte – nimmer
Wird er getötet, wenn den Leib man tötet.
Wer ihn als unvernichtbar kennt, als ewig und unwandelbar,
Wie kann ein solcher töten je, wie töten lassen, Prithâ-Sohn?
Gleichwie ein Mann die altgewordnen Kleider
Ablegt und andre, neue Kleider anlegt,
So auch ablegend seine alten Leiber
Geht ein der Geist in immer andre, neue.
Es schneiden ihn die Waffen nicht, es brennet ihn das Feuer nicht,
Es nässet ihn das Wasser nicht, es dörret ihn auch nicht der Wind.
Zu schneiden nicht, zu brennen nicht, zu nässen nicht, zu dörren nicht,
Er ist beständig, überall, fest, ewig, unerschütterlich.
Unsichtbar und unvorstellbar und unveränderlich heisst er,
Darum, sobald du ihn erkannt, darfst du nicht mehr beklagen ihn.
Und wenn für stets geboren auch, für stets gestorben du ihn hältst,
Doch darfst du, Held mit starkem Arm, um diesen trauern nimmermehr.
Denn dem Gebornen ist der Tod, dem Toten die Geburt bestimmt, –
Da unvermeidlich dies Geschick, darfst nicht darüber trauern du.
Unsichtbar sind die Anfänge der Wesen und ihr Ende auch,
Die Mitte nur ist sichtbar uns – was gibt’s für Grund zur Klage da?
Der Eine schauet ihn als wie ein Wunder,
Der Andre spricht von ihm als einem Wunder,
Der Dritte hört von ihm als einem Wunder,
Doch hört er’s auch, es kennet ihn doch keiner.
Die Seele unverletzbar ist, ewig, in eines jeden Leib,
Darum die Wesen allesamt darfst du betrauern nimmermehr.
Auch wenn du deine Pflicht bedenkst, geziemt sich’s dir zu zittern nicht,
Denn für den Krieger gibt es ja nichts Bessres als gerechten Kampf.
Als hätte sich von ungefähr des Himmels Pforte aufgetan,
So grüßen freudig, Prithâ-Sohn, die Krieger einen solchen Kampf.
Wenn diesen pflichtgemäßen Kampf du aber nicht bestehen wirst,
Im Stiche lassend Pflicht und Ruhm, wird Übles nur dein Anteil sein.
Es werden deine Schande dann die Wesen künden immerfort,
Dem aber, der in Ehren steht, ist Schande mehr als selbst der Tod.
Furcht vor dem Kampf hielt dich zurück, so denken dann die Helden all,
Und wo du hoch geachtet warst, da wirst du bald verachtet sein.
Und viele böse Reden wird dann führen deiner Feinde Schar,
Beschimpfend deine Tüchtigkeit, – und was ist schmerzlicher als dies?
Im Tod gehst du zum Himmel ein! Siegst du, fällt dir die Erde zu!
Darum erheb’ dich, Kuntî-Sohn, entschlossen wieder zu dem Kampf!
