Die Ebbe - Robert Louis Stevenson - E-Book

Die Ebbe E-Book

Robert Louis Stevenson

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Beschreibung

Ein Abenteuerroman – fesselnd wie »Die Schatzinsel«

Herrick, Huish und Davis, drei zerrüttete westliche Existenzen, leben als Strandpenner in Papeete, Tahiti. Ihr erbärmliches Einerlei endet, als Davis, vormals Kapitän, ein pockenverseuchtes Schiff nach Sydney bringen soll. Der Laderaum ist voller Champagner – die drei Abenteurer wittern ihre Chance: den werden sie auf eigene Rechnung verhökern. Doch rasch folgt die Ernüchterung. Die Ladung enthält mehr Wasser- als Schaumweinflaschen, der Proviant reicht nicht. Da kommt ein unbekanntes Eiland in Sicht, auf dem der Engländer Attwater mit seinen einheimischen Helfern nach Perlen fischt. Schnell heckt das teuflische Trio einen neuen Plan aus. Mit seinen packenden Beschreibungen der idyllischen Inselwelt und schillernden Figuren entfaltet Stevenson eine ungebrochene erzählerische Kraft.

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Seitenzahl: 270

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Robert Louis Stevenson

Die Ebbe

Ein Trio und ein Quartett

Roman

Aus dem Englischen übersetzt

und mit einem Nachwort

von Klaus Modick

MANESSE VERLAG

ZÜRICH

«Es gibt Gezeiten im menschlichen Tun.»1

DAS TRIO

I

Nacht am Strand

Versprengte Männer vieler europäischer Rassen und fast jedes gesellschaftlichen Stands verbreiten überall in der Inselwelt des Pazifik hektische Betriebsamkeit und schleppen Krankheiten ein. Manche kommen zu Wohlstand, manche vegetieren dahin. Manche haben die Stufen von Thronen bestiegen und herrschen über Inseln und Flotten. Wieder andere müssen heiraten, um ihr Leben fristen zu können; im nichtsnutzigen Müßiggang werden sie von einer drallen, lebenslustigen, schokoladenbraunen Dame ausgehalten; dann stolzieren sie wie Eingeborene gekleidet umher, behalten aber in Haltung und Gestik ein gewisses fremdländisches Gehabe, vielleicht noch verstärkt durch ein Überbleibsel des Offiziers und Gentlemans wie etwa ein Monokel, lümmeln auf palmblattgedeckten Veranden herum und unterhalten ihr Inselpublikum mit Erinnerungen an die music hall2. Und schließlich gibt es jene – weniger anpassungsfähig, weniger wendig, weniger glücklich, vielleicht auch nur weniger brutal –, denen es selbst auf diesen Inseln des Überflusses am täglichen Brot mangelt.

Drei Männer solchen Schlags saßen nun am äußersten Rand der Stadt Papeete3 unter einem Puraobaum4 am Strand.

Eswarspät.LängsthattesichdieMusikkapellezerstreut,nachdemsiemusizierend nachHausemarschiertwar,undinihremKielwasserhatte,ArmeumHüftengeschlungen,mitBlumengirlandenbekränzt,einbuntzusammengewürfelterHaufenausMännernundFrauen,KaufmannsgehilfenundMarineoffizierengetanzt.Längstwareninderwinzigen,heidnischenStadtDunkelheitundSchweigenvonHauszuHausgewandert.NurdieStraßenlaternenbranntenundwarfenihrenGlühwürmchenschimmerindieschattenschwerenAlleenoderzeichnetenzitterndeBilderaufdieWasserdesHafens.

ZwischendenHolzstapeln,dieamRegierungskaiaufgeschichtetwaren,wehtenSchnarchgeräuscheansUfer.Siedrangenvondenanmutigen,langkieligenSchonernherüber,diewieDingis5dichtandichtvertäutaufReedelagenundaufderenDecksdieMannschaftenschliefen,ausgestrecktunterfreiemHimmeloderengzusammengedrängtunterrauenZeltplanenzwischenverstreutemHandelsgut.

Für dieMännerunterdemPuraowarfreilichanSchlaf nicht zudenken.ImenglischenSommerwärediegleicheTemperaturklagloshingenommenworden;dochfürdieSüdseewaresbitterkalt.DieunbelebteNaturwusstees,undinjedemVogelbaueraufderInselwardieFlascheKokosöleingefroren;unddieMännerwusstenesauchundzitterten.SietrugenfadenscheinigeBaumwollkleidung,diegleiche,diesietagsüberdurchgeschwitztundindersiedenSpießrutenlaufdertropischenSchauerertragenhatten;undumihreelendeLageaufdieSpitzezutreiben,hattensiekeinnennenswertesFrühstückzusichgenommen,kaumeinMittagessen,vomAbendessenganzzuschweigen.

DiesedreiMännerwaren,umdentreffendenSüdsee-Ausdruckzubenutzen,gestrandet.GemeinsamesUnglückhattesiealsdiedreierbärmlichstenEnglischsprechendenKreaturenTahitiszusammengeführt;dochabgesehenvonihremElendwusstensiesogutwienichtsvoneinander,nichteinmalihrewirklichenNamen.DennjederhattebeimNiedergangseineeigenenLektionenlernenmüssen;undaufirgendeinerStufedesAbstiegswarjederzuderSchandegezwungenworden,einAliasanzunehmen.Gleichwohlhattesich bishernochkeinervonihnen vorGerichtverantwortenmüssen;zweiwarenMännervonangenehmenTugenden;undeiner,dernunzitterndunterdemPuraobaumsaß,trugsogareinenzerfleddertenVergilinderTasche.

WennerdasBuchhättezuGeldmachenkönnen,hätteRobertHerrickmitSicherheitschonlängstdiesenletztenBesitzgeopfert;dochdieNachfragenachLiteratur,dieinmanchenBreitenderSüdseeeinsobemerkenswertesPhänomendarstellt,erstrecktsichnichtaufdietotenSprachen;undsohattederVergil,denernichteinmalfüreineMahlzeiteintauschenkonnte,ihnoftüberdenHungerhinweggetröstet.Erlasdarin,wennermitenggeschnalltemGürtelaufdemBodendesaltenKnasteslag,suchteseineLieblingsstellenundstießdabeiaufandere,diefreilichwenigerschönwaren,weilihnendieVerwandlungskraftderErinnerungfehlte.OdererhieltaufgelegentlichenSpaziergängeninne,setztesichandenWegrand,schauteübersMeerzudenBergenEimeoshinüberundvertieftesichdann,aufderSuchenach,indie«Äneis».UndwennihmdanndasOrakel(wiebeiOrakelnüblich)Antwortengab,diewedersonderlicheindeutignochermutigendwaren,drängtensichdochzumindestVorstellungenvonEnglandindieErinnerungdesExilierten:dasgeschäftigeKlassenzimmer,diegrünenSportplätze,FerienzuHauseundderunablässigeLärmLondons,deroffeneKaminunddasweißeHaarseinesVaters.DennesistdasSchicksaljenerernsten,maßvollenklassischenSchriftsteller,mitdenenwirinderSchuleunfreiwilligeundhäufigschmerzhafteBekanntschaftschließenmüssen,dasssieunsinsBlutübergehenundimGedächtnisWurzelnschlagen;unddeshalbkündeteinSatzVergilswenigervonMantuaoderAugustusalsvielmehrvonenglischenOrtenundderunwiederbringlichenJugenddesSchülers.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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