Die Ersetzbaren - Ithaka O. - E-Book

Die Ersetzbaren E-Book

Ithaka O.

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Beschreibung

Aus kaltem Metall? Glattes Plastik? Zerbrechliches Glas? Wirf es weg.
Selbst wenn es eine menschliche Gestalt annimmt.


Wenn du lange genug lebst, siehst du alle möglichen herzlosen Dinge passieren. Manchmal geschieht das im Namen der Bequemlichkeit. In anderen Fällen stehen hehre Ideale wie die Fürsorge für ältere Menschen im Vordergrund.

Glaubt jeder an diese süße Scharade? Wahrscheinlich nicht.
Ist das Trost genug? Ganz sicher nicht.

Also schwört eine alte Dame, niemals Teil dieser stinkenden Welt zu werden, in der die Ersetzbaren als selbstverständlich angesehen werden.
Wie kann sie beweisen, dass sie Erfolg hat? Indem sie sich auf eine besondere Art verabschiedet.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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DIE ERSETZBAREN

EINE KURZGESCHICHTE

ITHAKA O.

Übersetzt vonGEMELLE MEREDIES

IMAGINARIUM KIM

© 2023 Ithaka O.

Alle Rechte vorbehalten.

Diese Geschichte ist ein Werk der Fiktion. Namen, Personen, Orte und Begebenheiten sind entweder Produkte der Phantasie des Autors oder werden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen lebenden oder toten Personen, Unternehmen, Firmen, Ereignissen oder Orten ist rein zufällig.

Kein Teil dieser Geschichte darf ohne schriftliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen elektronischen oder mechanischen Mitteln, einschließlich Informationsspeicher und -abrufsystemen, vervielfältigt werden.

All rights reserved.

This story is a work of fiction. Names, characters, places, and incidents either are the products of the author’s imagination or are used fictitiously. Any resemblance to actual persons, living or dead, businesses, companies, events, or locales is entirely coincidental.

No part of this story may be reproduced in any form or by any electronic or mechanical means, including information storage and retrieval systems, without written permission from the author.

INHALT

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Auch von Ithaka O.

Danke fürs Lesen

1

Ich wusste, dass dies passieren würde. Theoretisch habe ich es immer gewusst.

Aber als wir uns das erste Mal trafen und ich beschloss, dich nach Hause zu bringen, habe ich nicht an diesen Moment gedacht. Ich habe nicht einmal versucht, nicht daran zu denken, ich habe einfach nicht daran gedacht. Die Abwesenheit von Gedanken war für mich ganz natürlich.

Manche würden sagen, dass ich mir nicht die Mühe gemacht habe, das Unvermeidliche vorauszusehen, so wie Menschen beim Kauf eines Sofas oder eines Bettes nicht an den Zeitpunkt des Abschieds denken. Manche würden dich sogar mit wegwerfbaren Gegenständen wie Plastiktellern und -bechern vergleichen und mir sagen, Was ist denn schon dabei? Das Ding ist weg, du bekommst ein neues.

Ich wüsste nicht, wie ich auf solche taktlosen Aussagen reagieren sollte. Grausame, gleichgültige Menschen sind solche logische Köpfe. Da ich mich selbst kenne und weiß, dass ich in Tränen der gerechten Entrüstung ausbrechen würde, würde ich es nicht wagen, ihnen zu widersprechen.

So feige bin ich. Das Alter hat mich noch feiger gemacht. Nichts ist schlimmer, als senil genannt zu werden, wenn man weiß, dass man Recht hat—und wenn man dann auch noch Tränen zeigt und sie das als Schwäche auslegen. Also würde ich nur heimlich zu mir selbst denken, Die haben doch keine Ahnung, wovon sie reden. Die wissen nichts über uns. Die einzige passende Analogie zu meiner damaligen Ahnungslosigkeit wäre das Verhalten von Menschen in einer anständigen, korrekten, absolut wertvollen Beziehung von…

…was?

Ein Elternteil und ein Kind—in diesem Fall wüsste ich nicht, ob du der Elternteil bist oder ich einer bin.

Eine Chefin und eine Angestellte—in diesem Fall wärst du sicherlich die Chefin, denn jedes Mal, wenn du mir sagst, dass ich etwas für meine Gesundheit tun soll, tue ich es und fürchte um mein Leben. Aber rechtlich gesehen gehörst du mir; für alle Außenstehenden bin ich offiziell die Chefin.

Vielleicht sind wir also Freunde. Ja, Freunde. Das hört sich gut an. Es ist eine seltsam einseitige Freundschaft, in jeder Hinsicht. Ich gebe dir Unterkunft, Strom und ein Ziel. Du hältst mich am Leben, damit ich dir diese Dinge geben kann. Aber wer kann schon sagen, dass seltsame Freundschaften nicht genauso gültig sind wie das, was andere für normal halten?

Dass ich nicht über unseren ewigen Abschied nachdachte, war so, als würden sich zwei Menschen zum ersten Mal die Hände schütteln und sich nicht genau dann und dort die Beerdigung der anderen Person vorstellen. Alles, woran ich damals dachte, in dem Shop, voll mit deinen Gegenstücken—ganz glatt, glitzernd unter der strategisch platzierten, sanften Beleuchtung—war:

Muss ich mir einen Hilfbot besorgen?

Ich konnte immer noch das Krankenhaus an meiner Kleidung riechen. Irgendwie hatten es mein Mantel, mein Schal und mein langer Rock geschafft, nach Desinfektionsmitteln und anderen kranken Menschen zu riechen, nur weil sie einen Monat lang in einem Schrank in meinem Krankenhauszimmer gelegen hatten. Sie hatten die Atmosphäre des Ortes aufgesaugt. Als ich eine Bemerkung darüber machte, lächelte die Krankenschwester und sagte mir, dass ich einen sehr ausgeprägten Geruchssinn habe und dass das für eine so alte Person eine gute Sache sei.

Dieser Ausdruck, „für eine so alte Person“—oh, wie ich ihn hasse!

Meine Schuhe hatten sie mir weggenommen. Ich bräuchte sie nicht, behaupteten sie. Ich saß in einem Rollstuhl und trug ein Paar Pantoffeln (die ich nicht als richtige Schuhe betrachte) über dicken Socken.

Es war ein Herbsttag, angenehm kühl für die gesunden Jüngeren, weniger für mich, aber trotzdem besser als die brütende Hitze des Sommers oder der eisige Schneesturm des Winters. Der Herbst, der mittlere Zustand, die Jahreszeit, in der selbst die Räume ohne Klimaanlage sich um dieses allzu schwer fassbare Ding namens Raumtemperatur herumschlängeln—das war der Zeitpunkt, an dem wir uns trafen.

Der Techniker im Shop stellte meiner Tochter und meinem Sohn immer wieder Fragen. Sie standen erschöpft hinter meinem Rollstuhl und halb lauschten den Ausführungen des Technikers, halb kamen wieder zu Atem. Sie hatten den Rollstuhl abwechselnd den ganzen Weg von der Hauptstraße bis zu diesem kleinen Shop geschoben. Ihre Strategie, einen elektronischen, hochmodernen Rollstuhl zu kaufen, um ihn nicht schieben zu müssen, war nach hinten losgegangen. Das leise Summen und Röcheln hatte mir Kopfschmerzen bereitet. Da sie nette Kinder waren—und es immer noch sind—boten sie mir an, den Rollstuhl von Hand zu schieben, obwohl ihre Gelenke, genau wie meine, nicht mehr so gut in Schuss waren.

An einem normalen Tag hätte ich ihre Freundlichkeit abgelehnt. Aber an diesem Tag nahm ich das Angebot an, denn die beiden fühlten sich schrecklich, weil sie mich länger als nötig im Krankenhaus hatten liegen lassen und mich dann in diesen Shop gebracht hatten. Sie wollten sich so sehr anstrengen, um sich selbst zu bestrafen. Ich musste sie helfen lassen.