Silver Lining - Ithaka O. - E-Book

Silver Lining E-Book

Ithaka O.

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Beschreibung

Die Schuld der Überlebenden. Es gibt sie in allen Formen und Ausprägungen.
Sogar als Gast einer Beerdigung.


Kevin Ralter gibt sich selbst die Schuld am Tod seiner Frau. Er ahnt nicht, dass sie vor ihrem letzten Atemzug jemanden dort oben in den Wolken getroffen hat. Kann Kevin mit dem unerwarteten Treffen mit dieser mysteriösen Gestalt umgehen?

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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SILVER LINING

EINE KURZGESCHICHTE

ITHAKA O.

Übersetzt vonGEMELLE MEREDIES

IMAGINARIUM KIM

© 2023 Ithaka O.

Alle Rechte vorbehalten.

Diese Geschichte ist ein Werk der Fiktion. Namen, Personen, Orte und Begebenheiten sind entweder Produkte der Phantasie des Autors oder werden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen lebenden oder toten Personen, Unternehmen, Firmen, Ereignissen oder Orten ist rein zufällig.

Kein Teil dieser Geschichte darf ohne schriftliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen elektronischen oder mechanischen Mitteln, einschließlich Informationsspeicher und -abrufsystemen, vervielfältigt werden.

All rights reserved.

This story is a work of fiction. Names, characters, places, and incidents either are the products of the author’s imagination or are used fictitiously. Any resemblance to actual persons, living or dead, businesses, companies, events, or locales is entirely coincidental.

No part of this story may be reproduced in any form or by any electronic or mechanical means, including information storage and retrieval systems, without written permission from the author.

INHALT

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Auch von Ithaka O.

Danke fürs Lesen

1

Die Zikaden zirpten unaufhörlich von oben und ringsherum. Sie lauerten in den Tiefen des dichten grünen Laubes, das durch die wahnsinnig brennende Sonne seinen Glanz verloren hatte. In Kevins Händen fühlte sich Emily in der Urne schwerer an als vor der Beerdigung.

Vielleicht war es sein Verstand, der ihm einen Streich spielte, denn ein Körper in Not führte zu einem Geist in Not. Spärliche graue Haarsträhnen klebten an seiner Kopfhaut. Das weiße Hemd unter seiner schwarzen Anzugsjacke klebte an seiner Brust und seinem Rücken. Und seine Boxershorts unter der Anzugshose klebten an seinem Hintern. Es war, als ob jedes Teilchen, das seinen Körper ausmachte oder ihn zum „Schutz“ umhüllte, unbedingt beweisen wollte, dass es für ihn da war. Für ihn hier war. Sie versuchten ihn aufzumuntern, indem sie ihre Anwesenheit kundtaten, ihn durch diese schwierige Zeit führten, ihm ihr Beileid aussprachen—obwohl die Probleme, die dieser Tag mit sich brachte, ganz einfach hätten gelöst werden können (oder besser gesagt, nie passiert wären), wenn Emily noch am Leben gewesen wäre.

Aber sie war tot.

Also, in den letzten paar Stunden war Kevin von der unsinnigen Menge an Parfüm—die die Leute zu einem solchen Anlass tragen, wenn sie zufällig „zu dem Kreis gehören“, zu dem Emily gehörte, bevor sie das undenkbare Verbrechen begangen hatte, „jemanden wie Kevin“ zu heiraten—bis zur Schwäche benommen gewesen.

Das waren Zitate von ein paar scheinbar höflichen entfernten Verwandten, die vor der Tür im Hellen geflüstert hatten, während Kevin drinnen um die Ecke im Schatten gestanden hatte. Sie hatten sehr deutlich gemacht, dass sie es höchst geschmacklos fanden, dass Kevin diese kleine, vernachlässigte Kirche für die Beerdigung ihrer Verwandten gewählt hatte—oder besser gesagt, einer Frau, die von Geburt an ihre Verwandte war, bis sie dieses Glück für ein verrücktes, flauschiges, nicht greifbares, nutzloses Ding, das sie „Liebe“ nannte, aufgab.

Diese Verwandten waren der Auslöser gewesen, der Kevin dazu gebracht hatte, aus der stickigen Kirche in die ebenso stickige Hitze im Freien zu stürmen. Sie und all die anderen Gäste, die nach Parfüm stanken.

Es waren mindestens hundert, die kamen und gingen. Emilys Schwester und ihr Bruder wollten sicherstellen, dass sie das Beste aus dieser letzten Gelegenheit machten, um den Ruf ihrer toten Schwester wiederherzustellen und damit auch ihr eigenes Ansehen zu verbessern: so viele Minister, Fortune 500 Unternehmen und Prominente wie möglich anrufen.

Das Problem war, dass etwa die Hälfte von ihnen sich nicht die Mühe gemacht hatte, die Wettervorhersage zu checken (oder mit ihrem offensichtlich fehlenden gesunden Menschenverstand zu checken). Hätten sie das getan, wäre ihnen klar geworden, dass es eine schlechte Entscheidung ist, ausgerechnet an einem heißen Sommertag vier oder fünf Sprühstöße Parfüm aufzutragen, wenn man zu einer kirchlichen Beerdigung geht. Und das in Anbetracht der Tatsache, dass die Welt voller anderer Menschen war, die die Wettervorhersage nicht checkten (und einen abwesenden gesunden Menschenverstand hatten). Jeder, der einigermaßen logisch denken konnte, wäre zu dem Schluss gekommen, dass die Kirche wahrscheinlich voller Menschen sein würde, die nicht auf Wettervorhersagen hörten und nicht einmal wussten, wie sie ihren fehlenden gesunden Menschenverstand vermissen sollten, und dass sie deshalb voll von billigem Parfüm sein würde, das sich als teures Parfüm ausgab, und dass man deshalb nicht zu dem katastrophalen Haufen von unsichtbarem Gerümpel, der die stickige Kirchenluft bei einer solchen Gelegenheit war, beitragen musste.

Aber leider gab es in Emilys altem „Kreis“ nicht genug Leute mit logischen Denkfähigkeiten. Im Gegensatz zu dem, was ihre Verwandten glaubten, hatten solche Fähigkeiten absolut nichts mit Reichtum zu tun.

Was war also passiert? Die Kirche war voll von Leuten gewesen, die eine Schicht Parfüm über die andere gelegt hatten. Die Ironie war natürlich, dass je mehr man auftrug, desto mehr Geruchsmüdigkeit auftrat. Deshalb dachte man, dass man nicht gut genug riecht und trug mehr von dem „guten“ Geruch auf, bis das „Gute“ furchtbar schrecklich wurde.

Kevin seufzte. Das schob die jellytartige dicke Luft vor seinen Nasenlöchern kaum aus dem Weg. Auf einmal hatte er das Gefühl zu ersticken. Seltsam, dass die Unfähigkeit, kraftvoll auszuatmen, das Gefühl nachahmte, nicht richtig einatmen zu können. Das Gefühl der Hilflosigkeit war sicher nur in seinem Kopf vorhanden. Er erwartete das ungeeignete Einatmen, während er das unzureichende Ausatmen ausführte.

Genauso wie er bei dieser unzureichenden Beerdigung sein ungeeignetes Leben in der Zukunft voraussah.

Oh ja, sein Leben würde ungeeignet sein. Dessen war er sich sicher, obwohl er es vor Emilys Verwandten nie zugegeben hätte. Sie hatten Recht. Er war ein Versager, das war er schon immer gewesen. Die einzige Person, die das nicht zu bemerken schien, war Emily gewesen. Jetzt, da Emily nicht mehr da war, gab es nichts mehr, was ihn vor dieser Wahrheit schützen konnte. Alles, worauf er sich freuen konnte, war, ein Leben lang allein in einem kalten Bett zu schlafen. Ein Leben lang allein zu Abend zu essen. Ein Leben lang keine Hand zum Halten zu haben.

Und keine Beerdigung war geeignet, um sich von Emily zu verabschieden. Vielleicht war das der Grund, warum er nicht aufhören konnte, an sich selbst zu denken, auch wenn er es nicht wollte. Wenn die Beerdigung ihn auch nur annähernd getröstet hätte, hätte er nicht an das Folgende gedacht und damit alle seine bisherigen Gedanken über Parfüms mit sich selbst verbunden:

Bei Emily war er gut.

Ohne Emily war er furchtbar schrecklich geworden.

Seine Gedanken kreisten immer wieder. Immer und immer wieder ging das Grübeln weiter. Das wollte er nicht. Es musste einen Silver Lining geben—bei diesem Gedanken wurde ihm übel.

Silver Linings gehörten auf Wolken.

Die Wolken erinnerten ihn an…

…einen dummen Hubschrauberpiloten. Er hätte der Experte sein sollen, war es aber offensichtlich nicht, denn er ignorierte die Wettervorhersage und auch seinen gesunden Menschenverstand an jenem schicksalhaften bewölkten Tag vor ungefähr zwei Wochen. Dieser Mann war alles gewesen, was nötig war, um Kevin von gut zu schrecklich zu machen, indem Emily gestattet wurde, den „aufregendsten Teil des Tourpakets, das sie gebucht hatten, jetzt, da sie beide im Ruhestand waren“, in Angriff zu nehmen. Wenn Kevin mit ihr in den Hubschrauber gestiegen wäre, wäre er auch tot gewesen. Er hätte das hier nicht erleben müssen.

Diese stickige Luft.

Die Dummheit der „Experten“, die die Wettervorhersagen ignorierten.

Der wahnsinnige Mangel an gesundem Menschenverstand.

Und das Problem, das in Kevin selbst verwurzelt war, deshalb zu schmerzhaft war um darüber nachzudenken, weshalb er versuchte, es immer wieder aus seinem Kopf zu verdrängen, was ihm aber seit dem Tod seiner Frau nicht gelungen war:

Seine eigene Untätigkeit. Seine Feigheit, die ironischerweise aus seiner Unfähigkeit resultierte, seiner Angst zu vertrauen.