Die göttliche Komödie - Dante Alighieri - E-Book

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Dante Alighieri

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Beschreibung

Dante Alighieris 'Die göttliche Komödie' ist ein monumentales episches Gedicht, das durch seine allegorische Struktur und seine tiefgründige Symbolik besticht. In den drei Teilen Inferno, Purgatorio und Paradiso begegnet der Leser einer kunstvollen Synthese aus Theologie, Philosophie und weltlicher Erfahrung. Dante schildert seine Reise durch die jenseitigen Reiche, wobei er historische und mythologische Figuren in einem einzigartigen literarischen Stil versammelt, der sowohl poetische Eleganz als auch rhetorische Schärfe vereint. Das Werk gilt als ein grundlegendes Beispiel für die italienische Literatur und spiegelt die komplexe Gesellschaft des Mittelalters wider. Dante Alighieri (1265-1321) war ein italienischer Dichter, dessen Leben und Werk stark durch seine politischen und religiösen Überzeugungen geprägt waren. Als ein Gegner der korrupten Politik seiner Zeit wurde er ins Exil gezwungen, was seine Perspektive auf Macht und Moral in der 'Göttlichen Komödie' maßgeblich beeinflusste. Durch seine persönliche Auseinandersetzung mit dem menschlichen Schicksal und der Suche nach Wahrheit entfaltet sich in diesem Werk eine tiefe Reflexion über Gerechtigkeit und Erlösung. Dieses Meisterwerk ist unverzichtbar für jeden Leser, der sich mit den Fragen des menschlichen Daseins, der Ethik und der Spiritualität auseinandersetzen möchte. 'Die göttliche Komödie' führt den Leser auf eine erkenntnisreiche Reise, die sowohl zeitlos als auch universell ist, und lädt dazu ein, über den Sinn des Lebens und die Natur des Heils nachzudenken. Ein Muss für Liebhaber der Weltliteratur. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine Autorenbiografie beleuchtet wichtige Stationen im Leben des Autors und vermittelt die persönlichen Einsichten hinter dem Text. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dante Alighieri

Die göttliche Komödie

Bereicherte Ausgabe. Reise durch die drei Reiche der Toten: Hölle, Läuterungsberg und Paradies (Mittelalterlicher Klassiker)
Einführung, Studien und Kommentare von Harald Ziegler
EAN 8596547738848
Bearbeitet und veröffentlicht von DigiCat, 2023

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Autorenbiografie
Die göttliche Komödie
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Ein Mensch verläuft sich in der Mitte seines Lebens und erkennt, dass die Ordnung des Kosmos zugleich eine Ordnung des Gewissens ist. Dantes Die göttliche Komödie eröffnet mit einer Erfahrung der Verirrung, die zugleich wörtlich wie geistig verstanden werden kann. Aus dieser Ausgesetztheit entsteht eine Reise, die die Landschaften des Jenseits als Karten der Seele deutet. Nicht der spektakuläre Schauplatz steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie Schuld, Einsicht, Reue und Hoffnung zusammenhängen. Das Werk schlägt vor, dass Orientierung nicht gefunden, sondern erarbeitet wird: durch Sprache, Erinnerung, Vernunft und die Bereitschaft, sich der eigenen Wahrheit zu stellen.

Als Klassiker gilt dieses Gedicht, weil es Weltbeschreibung und Selbsterprüfung vereint. Dante verbindet scholastische Präzision mit dichterischer Kühnheit, religiöse Lehre mit erzählerischer Spannung, politische Erfahrung mit persönlicher Erinnerung. Die Komödie erschließt eine symbolische Ordnung, die zugleich philosophisch argumentiert und dramatisch erzählt. Sie hat Generationen gelehrt, dass Poesie denken kann und Denken poetisch sein darf. Ihre beharrlichen Themen sind Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Liebe, Freiheit des Willens und die Suche nach einem Sinn, der menschliche Grenzen übersteigt. In der Frage nach dem rechten Maß zwischen Strenge und Milde liegt ihre anhaltende Provokation – und ihr Trost.

Verfasst wurde das Werk von Dante Alighieri, geboren 1265 in Florenz, gestorben 1321 im Exil in Ravenna. Die Entstehung der Komödie fällt in die Jahre nach seiner Verbannung: begonnen vermutlich um 1308 und bis kurz vor seinem Tod fortgeführt. Dante schreibt nicht auf Latein, sondern in der Volkssprache der Toskana; damit prägt er das spätere Italienisch. Die Komödie besteht aus drei Teilen mit insgesamt hundert Gesängen. Sie entfaltet eine Jenseitsreise, deren Stationen als ethische Prüfsteine lesbar sind. Zeitgenössische Theologie, Philosophie und Naturkunde liefern das Gerüst, doch das Ziel ist ein persönliches Gleichgewicht von Einsicht und Verantwortung.

Formal erfand Dante eine Form von strenger Beweglichkeit: die Terzinenkette, in der Reime einander tragen und vorantreiben. Der bevorzugte Vers ist der elfsilbige Endecasillabo, dessen Atem die Gedanken stützt. Die Architektur des Ganzen folgt symbolischen Zahlen: dem Dreischritt der Teile, der Vollzahl Hundert, den wiederkehrenden Triaden. Diese Ordnung ist keine Zierde, sondern Argument: Die Poesie selbst wird zum Beweis für Sinn, Zusammenhang und Proportion. Zugleich bleibt der Ton überraschend lebendig, vom schlichten Bericht bis zur rhetorischen Erhebung. In der Folge wurde die Komödie zu einem Maßstab für epische Dichtung in europäischen Sprachen.

Die Ausgangssituation ist schlicht und drastisch: Ein Einzelner ist verirrt und sieht keinen Ausweg. Ihm begegnet ein verlässlicher Führer aus der Antike, der ihn auf einen Weg der Einsicht ruft. Gemeinsam überschreiten sie Schwellen und betrachten Orte, die das Verhältnis von Tat, Motiv und Folge sichtbar machen. Der äußere Marsch wird zur inneren Schule: erkennen, benennen, abwägen, neu beginnen. Wichtig ist, dass die Reise nicht als Sensation, sondern als Bildung verstanden wird. Das Geschaute ordnet, was verworren schien. So nähert sich der Pilger Schritt für Schritt einem Verständnis, das seine Freiheit weder aufhebt noch überfordert.

Die Komödie entsteht in einem Zeitalter, das antikes Wissen, christliche Lehre und zeitgenössische Naturkunde intensiv verknüpft. Aristotelische Ethik, augustinische Innerlichkeit und scholastische Argumentationskunst bilden den Resonanzraum. Dante nutzt diese Traditionen nicht als Ornament, sondern als Denkwerkzeuge. Er prüft Ursachen und Zwecke, fragt nach Glück und Pflichten, nach Maß und Ziel. Die kosmologischen Bilder – Sphären, Sterne, Kreise – sind Modelle für Ordnung, nicht bloße Kulisse. Indem die Dichtung so denkt, entsteht ein Werk, das über konfessionelle Grenzen hinaus gelesen werden kann: als Versuch, Vernunft und Glaube wechselseitig zu erhellen.

Dantes Biografie durchzieht das Gedicht ohne es zu verengen. Die Erfahrung des Exils schärft seinen Blick für Gemeinwohl, Recht und Missbrauch von Macht. Politische Zersplitterung, Parteihader und persönliche Verstrickung erscheinen als Prüfsteine bürgerlicher Tugend. Doch persönlicher Schmerz wird nicht zur Selbstrechtfertigung; er dient als Brennspiegel, an dem allgemeine Maßstäbe sichtbar werden. Der Pilger lernt, Verantwortung nicht auf andere abzuwälzen. Gleichzeitig hält das Werk die Idee eines größeren Friedens fest, der nicht von Parteien, sondern von Maß, Vernunft und Liebe getragen wird. So verbindet sich individuelles Schicksal mit einer Vision geordneter Öffentlichkeit.

Die Wirkungsgeschichte der Komödie ist weit verzweigt. Früh setzten Kommentierungen ein; das Werk wurde kopiert, gelehrt, illustriert. Spätere Generationen gaben ihm den Ehrennamen göttlich, der sich durchsetzte. Maler, Bildhauer und Komponisten fanden in seinen Szenen Vorräte an Formen und Stimmungen. Schriftstellerinnen und Schriftsteller griffen Motive, Figuren und die Reisestruktur auf, um moderne Seelenlandschaften zu entwerfen. Übersetzungen öffneten das Gedicht weltweit und prägten ihrerseits nationale Literaturen. Dass die Komödie zugleich streng gebaut und leidenschaftlich erzählt ist, machte sie zum Modell für die Verbindung von Gedankentiefe und narrativer Energie.

Wer das Werk heute liest, begegnet einer erstaunlich direkten Ansprache. Die Emotionen des Pilgers – Furcht, Scham, Staunen, Mitleid, Entschlossenheit – sind unverstellt und nachvollziehbar. Die Welt, die er durchschreitet, hält uns einen Spiegel vor: nicht um zu verhärten, sondern um zu unterscheiden. Die Dichtung macht Mut, die eigenen Beweggründe ohne Ausflucht zu prüfen. Zugleich richtet sie den Blick nach vorn: Reue ist nicht Ende, sondern Beginn von Freiheit. In dieser Spannung zwischen Erschrecken und Trost, zwischen Klarheit und Hoffnung liegt eine zeitlose Kraft, die Leserinnen und Leser unterschiedlichster Herkunft berührt.

Die Komödie ist auch ein Buch über Sprache als Handlung. Benennen ordnet, urteilen bindet, erzählen eröffnet Verantwortung. Dantes Kunst zeigt, wie Worte Wirklichkeit formen: Sie können verhärten oder befreien. Daraus erwächst eine Ethik, die nicht nur privat, sondern öffentlich ist. Fragen nach Gerechtigkeit, nach dem rechten Maß von Strafe und Nachsicht, nach Führung und Gemeinwohl betreffen gesellschaftliche Institutionen ebenso wie persönliche Entscheidungen. Das Gedicht lehrt keine einfache Formel; es verlangt Übung im Unterscheiden. Wer es liest, übt, Gründe zu prüfen, Maßstäbe offen zu legen und der Wahrheit nicht auszuweichen.

Zeitlos ist dieses Buch, weil es drei selten verbundene Qualitäten eint: erzählerische Spannung, gedankliche Strenge und sprachliche Musik. Die Reimketten tragen den Leser, ohne ihn zu fesseln; die Bilder sind kühn, ohne willkürlich zu sein. Aus dem Zusammenspiel von Vernunft, Erinnerung und Gnade entsteht eine Bewegung, die den Menschen ernst nimmt – in seiner Schwäche wie in seiner Würde. Darum ist die Komödie nicht nur Monument, sondern Gesprächspartner. Sie fordert Widerspruch, Zustimmung, erneutes Lesen. Ihr Maßstab ist nicht die Vollkommenheit der Figuren, sondern die Redlichkeit der Suche, die sie anstiftet.

Heute bleibt Die göttliche Komödie relevant, weil sie Orientierung anbietet, ohne Bevormundung zu liefern. Sie zeigt Wege aus Verwirrung, indem sie das Fragen schärft. In Zeiten schneller Urteile erinnert sie an Geduld, Maß und die Verpflichtung, sich zu prüfen, bevor man andere richtet. Wer dieses Buch aufschlägt, tritt in eine Schule der Aufmerksamkeit, in der Kunst und Denken einander tragen. Für die Lektüre sind Kommentar und Übersetzung hilfreiche Begleiter, doch entscheidend ist die Bereitschaft, sich führen zu lassen und zugleich mitzudenken. So entfaltet das Werk seine bleibende Gültigkeit – und seine leise, beharrliche Freude.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Die göttliche Komödie von Dante Alighieri ist ein episches Gedicht aus dem frühen 14. Jahrhundert, das in drei Teilen die allegorische Reise eines Menschen von Verirrung zu Erkenntnis schildert. Das Werk folgt einem Ich-Erzähler namens Dante, der durch Jenseitsreiche geführt wird, um moralische Ordnung, Verantwortung und die Beziehung zwischen Vernunft und Gnade zu verstehen. Es besteht aus den Teilen Hölle, Läuterungsberg und Paradies und verbindet poetische Gestaltung mit theologischer und philosophischer Reflexion. Geschrieben in der Volkssprache und in kunstvoller Strophenform, entwirft es ein umfassendes Weltbild, in dem individuelles Handeln kosmischen Sinn erhält.

Am Anfang findet sich Dante in einer dunklen Waldlandschaft verloren, Sinnbild einer existenziellen Krise. Bedroht von hemmenden Kräften, erkennt er, dass er den rechten Weg nicht allein zurückfinden kann. Ihm erscheint der römische Dichter Vergil, der auf Bitten einer himmlischen Fürsprecherin als Führer entsandt wurde. Vergil kündigt eine lehrreiche Reise an: Zuerst hinab durch die Bereiche der Hölle, dann hinauf über den Läuterungsberg zum Tor des Paradieses. Der Ausgangspunkt markiert den Grundkonflikt des Werks: der Mensch zwischen Fehlbarkeit und Sehnsucht nach Wahrheit, angewiesen auf Vernunft, aber auf Gnade orientiert.

Die Reise durch die Hölle führt stufenweise durch Bereiche, in denen verschiedene Formen der Verfehlung offenbar werden. Die Strafen spiegeln die innere Logik der Taten, wodurch ein Prinzip strenger Gerechtigkeit sichtbar wird. Dante beobachtet und befragt Seelen, ringt zwischen Mitgefühl und Einsicht in die Ordnung des Rechts und lernt, persönliches Urteil zu zügeln. Ein wichtiger Wendepunkt besteht darin, Mitleid nicht gegen Gerechtigkeit auszuspielen, sondern es als Anstoß zur moralischen Selbstprüfung zu begreifen. So schärft sich sein Blick: Empörung, Trauer und Faszination weichen zunehmend einem strukturierenden Verständnis von Schuld und Verantwortung.

Gegen die Tiefe der Hölle zu verdichten sich Betrug und Verrat als schwerste Verfehlungen, die die Grundlagen menschlicher Gemeinschaft untergraben. Die Landschaft wird kälter und starrer, Sinnbild einer Liebe, die ins Gegenteil verkehrt ist. Vergil führt, erklärt und schützt, doch die Grenzen der Vernunft werden spürbar, wo radikale Verhärtung dominiert. Der Abschluss des Abstiegs bereitet einen Übergang vor: Der Blick auf das Äußerste des Bösen verleiht der folgenden Bewegung nach oben eine Dringlichkeit. Ohne die letzten Bilder auszubreiten, deutet die Erzählung an, dass Umkehr nur über das Erkennen der Sünde und die Abkehr von ihr möglich ist.

Am Fuß des Läuterungsbergs beginnt ein anderer Ton. Hier versammeln sich Seelen, die hoffen dürfen und deren Anstrengung auf Heilung und Ordnung der Liebe gerichtet ist. Rituale, Gebete und gemeinschaftliche Hilfe rhythmisieren den Aufstieg. Anders als in der Hölle herrscht hier Bewegung, Zeit und Erwartung: Tugend wird eingeübt, Fehlhaltung abgetragen, Freiheit neu geordnet. Dante erfährt, dass Reue nicht nur Schmerz über das Vergangene bedeutet, sondern tätige Umformung der Gegenwart. Der Weg ist anspruchsvoll und diszipliniert, doch von Gesang, Zeichen der Gnade und der Solidarität der Pilger begleitet.

Die Terrassen des Läuterungsbergs sind nach Grundmustern fehlgeleiteter Liebe geordnet. Auf jeder Stufe wird eine Disposition geheilt, indem ihr das gegenteilige Beispiel und eine geregelte Praxis entgegengesetzt wird. Dante hört Belehrungen über Freiheit, Verantwortung und die Kräfte des Willens, stets darauf gerichtet, Liebe recht zu lenken. Ein bedeutsamer Übergang kündigt sich an, wenn die Begleitung durch bloße Vernunft an eine Schwelle gelangt. Je näher das irdische Paradies rückt, desto klarer wird: Einsicht allein reicht nicht, es braucht eine tiefere, gnadenhafte Erneuerung, die das Erkennen in ein verändertes Wollen überführt.

Im irdischen Paradies vollzieht sich die innere Wende. Dante begegnet Beatrice, die Vergil als Führerin ablöst. Sie repräsentiert eine Einsicht, die Vernunft übersteigt, ohne sie zu verneinen, und richtet Dante durch Erinnerung und Ermahnung auf. Die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit dient nicht der Beschämung, sondern der Läuterung. Hier wird das Ziel sichtbar: nicht bloß moralische Korrektur, sondern die Wiederherstellung einer Beziehung, in der Wahrheit und Liebe sich gegenseitig erhellen. Der Blick des Pilgers klärt sich, und er wird auf eine höhere Ordnung vorbereitet, die ihn weiter ins Licht führt.

Der Aufstieg ins Paradies entfaltet ein geordnetes Universum, in dem Seelen Zeugnis von gelebter Tugend, Erkenntnis und Gnade geben. Dante lernt, wie Freiheit, Intellekt und Liebe sich in harmonischer Bewegung verbinden und wie menschliche Geschichte in ein größeres Gefüge eingebettet ist. Die Gespräche vertiefen Fragen nach Vorsehung, Gerechtigkeit und der Rolle irdischer Institutionen. Beatrice erklärt Zusammenhänge, ohne das Geheimnis aufzulösen. Später wird die Führung in ein kontemplativeres Begleiten übergehen, wenn das Ziel sich nähert. Die Reise gewinnt an Stille: Sprache und Begriffe stoßen an ihre Grenze, wo Schauen wichtiger wird als Argument.

Je höher Dante gelangt, desto deutlicher wird, dass die letzte Wirklichkeit sich nur unvollkommen benennen lässt. Er nähert sich einer Schau, in der Vielfalt und Einheit sich nicht widersprechen, sondern aufeinander bezogen sind. Ohne den Schluss auszudeuten, bleibt spürbar: Erkenntnis wird zur Liebe, und geordnete Liebe öffnet Erkenntnis. Die göttliche Komödie bleibt so mehr als ein Jenseitsführer: Sie modelliert eine Bewegung aus Verirrung, Einsicht und Erneuerung, die das menschliche Leben als verantwortliche, hoffnungsvolle Suche deutet. Ihre nachhaltige Bedeutung liegt in der Versöhnung von Vernunft und Gnade und in der Aufforderung zu moralischer Klarheit.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Die göttliche Komödie entsteht im Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert, in einem Italien, das von konkurrierenden Stadtstaaten, dem Papsttum und dem Heiligen Römischen Reich geprägt ist. Städte wie Florenz, Pisa, Bologna und Verona bilden dichte Netze von Handel, Recht und Kultur. Dominant sind die römische Kirche als religiöse Autorität und die kaiserliche Idee als weltliche Ordnungsmacht, deren Verhältnis ungeklärt bleibt. Diese Doppelstruktur rahmt Dantes Weltbild: eine christliche Kosmologie, die das irdische Gemeinwesen nicht negiert, sondern hierarchisch ordnet. In diesem Spannungsfeld zwischen geistlicher und weltlicher Macht verortet sich das Werk als poetische Weltdeutung und als Intervention in aktuelle Streitfragen.

Florenz, Dantes Heimat, erlebt um 1300 eine Phase explosiven Wachstums. Der Florin, seit 1252 geprägt, wird zur stabilen Handelswährung Europas; Tuchgewerbe, Bankwesen und internationale Netzwerke bringen Wohlstand, aber auch soziale Spannungen. Politisch dominiert das kommunale System mit Ämtern, die über Zünfte zugänglich sind. Dante tritt der Arte dei Medici e Speziali bei, um städtische Ämter bekleiden zu können, und wird im Sommer 1300 einer der Priori. Diese republikanischen Strukturen fördern Beteiligung, begünstigen jedoch auch Fraktionsbildung. Das urbane Leben, seine Chancen und Verwerfungen, liefert den sozialen Hintergrund, vor dem Dantes moralische und politische Urteile verständlich werden.

Die kommunale Politik ist seit dem 12. Jahrhundert von der Auseinandersetzung zwischen Guelfen und Ghibellinen gezeichnet, die sich aus Konflikten zwischen Papst und Kaiser speist. In Florenz behaupten sich nach wechselvollen Jahren die guelfischen Kräfte; die Niederlage ghibellinischer Bündnisse wird auch militärisch besiegelt. Dante nimmt 1289 an der Schlacht von Campaldino teil, die den Einfluss ghibellinischer Gegner in der Toskana weiter schwächt. Die Lagerlogik überlebt jedoch die militärischen Entscheidungen und verlagert sich in innerguelfische Rivalitäten. Der politische Kampf wird in Satzungen, Bündnissen und Fehden ausgetragen und prägt die Erfahrung von Loyalität, Verrat und Gemeinwohl, die das Werk reflektiert.

Um 1300 spaltet sich das guelfische Lager in Florenz in „Weiße“ und „Schwarze“. Die Weißen, zu denen Dante zählt, misstrauen direkter päpstlicher Einflussnahme; die Schwarzen suchen bewusst die Nähe zur Kurie. 1301 zieht Karl von Valois mit päpstlicher Billigung in die Stadt ein. Es folgen politische Säuberungen: 1302 wird Dante in Abwesenheit wegen Amtsmissbrauchs verurteilt, mit Geldstrafe belegt und aus Florenz verbannt; eine zweite Sentenz droht ihm bei Rückkehr die Todesstrafe. Die Erfahrung des Exils – Verlust von Heimat, Besitz und politischer Stimme – ist keine Randnotiz, sondern grundlegende Lebenswirklichkeit, die die poetische Dringlichkeit des Werks mitprägt.

Dantes Exil führt ihn in verschiedene norditalienische Zentren und an Höfe, an denen Gastfreundschaft, Schutz und intellektuelle Anregung zusammentreffen. Belegt sind Aufenthalte in Arezzo, Lunigiana bei den Malaspina, Bologna, Verona unter den Scaligeri – später besonders unter Cangrande I. della Scala – und schließlich Ravenna beim Haus da Polenta. In diesen Milieus reifen seine großen Prosaschriften und das Hauptwerk. Die Commedia entsteht schrittweise während der Exiljahre, vermutlich über das zweite und frühe dritte Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts hinweg, und wird kurz vor Dantes Tod 1321 in Ravenna abgeschlossen. Exilpolitik, Patronage und intellektuelle Netzwerke strukturieren damit ihre Produktionsbedingungen.

Das Papsttum unter Bonifaz VIII. markiert einen Höhepunkt päpstlicher Universalansprüche. 1300 ruft Bonifaz das Heilige Jahr aus, das Pilgerströme nach Rom lenkt und die religiöse Ökonomie Italiens spürbar verändert. 1302 formuliert die Bulle Unam sanctam den Anspruch geistlicher Oberhoheit. Zugleich eskaliert der Konflikt mit dem französischen König Philipp IV., der 1303 im Überfall von Anagni gipfelt. Diese Konfrontationen rücken Fragen nach den Grenzen päpstlicher Macht, nach Simonie, Nepotismus und instrumenteller Frömmigkeit ins Zentrum. Dantes Werk reagiert darauf mit einer dichten Verbindung aus theologischer Norm, geschichtlicher Diagnose und Kritik an kirchlicher Weltverflechtung.

Die kaiserliche Seite erlebt nach langen Schwächephasen mit Heinrich VII. einen Moment der Hoffnung auf Ordnung und Befriedung Italiens. Der römisch-deutsche König zieht 1310 nach Italien und wird 1312 zum Kaiser gekrönt. Dante begrüßt diesen Zug als Chance zur Wiederherstellung einer rechtlich geordneten, überparteilichen Gewalt und adressiert politische Briefe an italienische Städte. Nach Heinrichs Tod 1313 scheitern diese Erwartungen. In der Theorie wird der Gedanke einer autonomen, jedoch göttlich legitimierten weltlichen Ordnung in De Monarchia entwickelt. Die Komödie trägt Spuren dieser Vision, die Gegenwartspolitik moralisch am Maßstab eines universal gedachten Gemeinwohls prüft.

Intellektuell steht die Epoche im Zeichen der Scholastik, die aristotelische Philosophie mit christlicher Theologie vermittelt. Thomas von Aquin und Bonaventura strukturieren das gelehrte Feld von Ethik, Erkenntnislehre und Gnadenordnung. Dantes Dichtung nutzt diese Begriffsbestände – Tugenden, Laster, Willensfreiheit, Sünde, Reue und Gnade – als Architektonik des moralischen Universums. Universitäten wie Paris und Bologna sowie dominikanische und franziskanische Lehrtraditionen sichern die Zirkulation dieses Wissens. Der poetische Zugriff ist jedoch nicht bloß illustrativ: Er transformiert scholastische Kategorien in erzählerische Situationen, Entscheidungsmomente und exemplarische Lebensläufe, die das Allgemeine im Besonderen sichtbar machen.

Die kosmologische Kulisse bleibt das ptolemäische Weltbild: eine geozentrische Ordnung mit konzentrischen Himmelssphären, die zugleich physikalische und metaphysische Bedeutung tragen. Astronomie strukturiert Zeit und Ort; Kalenderpraxis und Festzyklen – etwa die Datierung um Ostern 1300 – verleihen dem Geschehen historische Präzision. Zahlensymbolik, besonders die Drei und ihre Vielfachen, ordnet das Ganze in Terzinen und Cantiche. Auch mittelalterliche Geographie, mit realen und imaginären Grenzen, spiegelt sich in der poetischen Kartierung. Die kosmische Architektur ist damit kein dekoratives Beiwerk, sondern die rationale Form, in der Heilsgeschichte und individuelle Biographie zusammenfinden.

Die Bettelorden prägen die städtische Frömmigkeit und Bildung. Dominikaner und Franziskaner predigen in der Volkssprache, betreiben Schulen, kommentieren Aristoteles und wirken als Seelsorger in Konfliktgesellschaften. Ihre Präsenz in Städten wie Florenz schafft moralische Öffentlichkeit und kontrolliert zugleich religiöse Praktiken. Innerordentliche Spannungen – etwa um Armutsideale bei den Franziskanern – zeigen, wie heftig dabei um die richtige Lebensform gerungen wird. Diese Auseinandersetzungen bilden den Resonanzraum für Dantes Urteile über wahre und falsche Frömmigkeit, über Wissen, Demut und geistlichen Ehrgeiz, die im Werk häufig als Prüfsteine persönlicher Integrität erscheinen.

Literarisch fußt Dante auf der höfischen Liebeslyrik und dem dolce stil novo, das in den 1280er und 1290er Jahren in Florenz und Bologna heranreift. Die Liebesfigur erweist sich dabei weniger als biographisches Detail denn als ethisch-erkennende Instanz. Dantes Vita nuova bereitet diese Verschiebung vor, indem sie persönliche Erfahrung mit metaphysischer Bedeutung verknüpft. Die Komödie übernimmt das Motiv der veredelnden Liebe in eine theologische Perspektive, in der Erkenntnis, Gnade und Ordnung zusammenfallen. Damit reagiert sie auf eine literarische Revolution: die Aufwertung der Volkssprache als tragfähiges Medium für ernsthafte, erkenntnisträchtige Dichtung.

Sprach- und kulturpolitisch ist die Entscheidung für das Toskanische grundlegend. Während Gelehrtenschriftlichkeit weiterhin lateinisch bleibt, etabliert Dante das volgare als Medium höchster Reflexion. In De vulgari eloquentia (lateinisch) argumentiert er für ein „illustres“ Italienisch; das Convivio demonstriert früh diese Möglichkeit. Die Komödie gilt als Kanonisierung dieses Anspruchs. Ihre Terzinenform – die Terza rima, weithin mit Dante verbunden – verschränkt musikalische Strenge mit argumentativer Bewegung. Zugleich richtet sich die Dichtung an ein gemischtes Publikum städtischer Eliten, das über Bildung, Muße und die Manuskriptkultur Zugang zu komplexen Texten hat.

Die florentinische Wirtschaft positioniert die Stadt in einem europäischen Netz aus Kredit, Wechsel und Fernhandel. Kaufleute organisieren Kapital über Partnerschaften; Häuser wie Bardi und Peruzzi agieren im 14. Jahrhundert weithin, auch wenn ihre späteren Zusammenbrüche die Risiken zeigen. Theologisch bleibt Wucher verboten; ökonomische Innovation erzeugt daher moralische Streitpunkte über Zins, Risiko und gerechte Preise. In der Komödie erscheint dieser Kontext als Reflex auf die Sündenordnung: Habgier, Betrug und Vertrauensbruch werden an städtischen Praktiken vermessen. Der Florin als Symbol stabiler Münze kontrastiert die Instabilität menschlicher Maßstäbe, die politisch und wirtschaftlich schwanken.

Rechtlich wird Florenz durch die Ordonnanzen der Gerechtigkeit von 1293 geformt, die die Macht der Magnaten einschränken und Zunftbürger politisch stärken. Institutionen wie die Amtszeit der Priori, der podestà als fremder Richter und das verbreitete Instrument des Exils ordnen den Konflikt, ohne ihn aufzuheben. Statuten regeln sogar Kleidung, Festkultur und öffentliche Rede. Diese rechtlich-administrative Verdichtung erzeugt eine Kultur der Verantwortlichkeit – und der permanenten Gefahr, durch neue Mehrheiten kriminalisiert zu werden. Dantes eigene Verurteilung veranschaulicht, wie Gesetze in Fraktionskämpfen eingesetzt werden; das Werk antwortet mit einer übergesetzlichen, moralischen Gerichtsbarkeit.

Die Buch- und Wissenskultur erlebt einen Übergang von klösterlichen Skriptorien zu städtischen Werkstätten. Die Papierproduktion, etwa im italienischen Fabriano seit dem 13. Jahrhundert, verbilligt das Medium und erleichtert die Verbreitung komplexer Texte. Die Komödie zirkuliert zunächst handschriftlich; frühe Kommentatoren – darunter Dantes Sohn Pietro und Autoren wie Jacopo della Lana – sichern Verständnis und Kanonisierung. Im 14. Jahrhundert trägt Boccaccio mit Biographie und öffentlichen Vorlesungen in Florenz (ab 1373) zur Rezeption bei. Der Sprung ins Druckzeitalter erfolgt im 15. Jahrhundert; zu den ersten Ausgaben zählt die Foligno-Edition von 1472.

Die Komödie steht in der Tradition mittelalterlicher Jenseitsvisionen und zugleich in der Nachfolge klassischer Epik. Antike Autoritäten, besonders Vergil, liefern ethische und poetologische Maßstäbe; christliche Visionstexte bieten Modelle der Raumerkundung, des Gerichtes und der Läuterung. Pilgerwesen und Heilige Jahre formen eine Kultur der Bewegung, in der Weg, Buße und Gnade konkrete soziale Praktiken sind. Dantes Werk integriert diese Stränge zu einer umfassenden Heilsgeographie, die zugleich historisch spricht: gegenwärtige Personen, Institutionen und Strukturen werden am Maß kritischer Erinnerung und göttlicher Ordnung gemessen, ohne in bloße Allegorie zu verflachen.

Die städtische Öffentlichkeit lebt von Rede, Debatte und exemplarischem Urteil. Predigten, Ratsversammlungen, Notariatskultur und Briefe bilden eine diskursive Ökonomie, die die Komödie bewusst nutzt. Dantes Briefe an Fürsten und Städte zeigen ihn als politischen Moralisten, der Verantwortung an universalem Recht misst. Die Dichtung knüpft daran an, indem sie die Sprache selbst – juristisch, theologisch, volkssprachlich – zum Instrument der Prüfung macht. Auf diese Weise überführt sie das Tagesgespräch der Kommunen, von Ämterhandel bis Bündnispolitik, in eine Szene, in der die Ordnung des Alls und die Gewissen einzelner Bürger zusammen verhandelt werden – öffentlich und verbindlich zugleich.

Autorenbiografie

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Dante Alighieri (um 1265–1321) war Dichter, Denker und Politiker aus Florenz, dessen Werk die italienische Sprache prägte und das europäische Denken mitformte. Sein Hauptwerk, die Commedia, später Divina Commedia genannt, führt den Leser durch Inferno, Purgatorio und Paradiso. Daneben schuf er mit Vita nuova, Convivio, De vulgari eloquentia, Monarchia und einer bedeutenden Sammlung von Rime ein vielfältiges Œuvre. Als Angehöriger der städtischen Elite geriet er in die Wirren der florentinischen Parteienkämpfe und verbrachte den Großteil seines späteren Lebens im Exil. Dantes Schaffen verbindet persönliche Erfahrung, scholastische Argumentation und poetische Erfindungskraft zu einer außergewöhnlichen Einheit.

Die historische Bedeutung Dantes beruht auf der Entscheidung, höchste theologische und philosophische Fragen in der Volkssprache zu verhandeln und dem Italienischen literarische Würde zu verleihen. Er formte ein poetisches Universum, in dem antike Autoren, biblische Figuren, Zeitgenossen und eigene Erinnerungen in eine strenge architektonische Ordnung treten. Die Commedia wurde bald als moralische und politische Summe ihrer Zeit gelesen, blieb jedoch zugleich ein zutiefst persönliches Werk. In ihr kreuzen sich mittelalterliches Weltbild, städtische Erfahrungswelt und die Vision einer geordneten Christenheit. Dadurch wirkt Dante bis heute als Referenz für Sprache, Ethik und Vorstellungskraft.

Bildung und literarische Einflüsse

Aufgewachsen in Florenz erhielt Dante eine Ausbildung, wie sie für gebildete Bürger seiner Zeit typisch war. Er erlernte das Latein, studierte Grammatik und Rhetorik und fand früh Zugang zu städtischen Netzwerken der Dichtung. Die Begegnung mit dem Kreis des dolce stil novo prägte seine Frühlyrik; besonders die Nähe zu Guido Cavalcanti war bedeutsam. Als Mentor gilt Brunetto Latini, dessen Beispiel bürgerlicher Beredsamkeit und politischer Praxis Dante anerkennend in sein Werk einschreibt. Aus dieser Konstellation erwuchs ein Autor, der private Empfindung, öffentliche Rede und gelehrte Tradition miteinander zu verbinden suchte.

Zu Dantes prägenden Lektüren zählen die römischen Klassiker. Voran steht Vergil, den er in der Commedia als poetischen Führer auftreten lässt. Ovids Erzählkunst und Statius' epische Formkraft sind ebenfalls präsent. Nicht minder bedeutsam war die scholastische Philosophie: Aristoteles, vermittelt durch mittelalterliche Kommentare, sowie Thomas von Aquin prägten sein Denken über Ethik, Erkenntnis und Ordnung. Hinzu kommen Bibel und Kirchenväter, die den theologischen Rahmen liefern. Aus diesem Zusammenspiel entsteht eine einzigartige poetische Rationalität, in der Autorität und Einfall, System und Bildkraft sich wechselseitig stützen.

Dante reflektierte die Rolle der Sprache theoretisch und praktisch. In De vulgari eloquentia entwickelt er Kriterien für ein illustres, überregionale Grenzen überschreitendes Italienisch, das sich für ernsthafte Dichtung eignet. Zugleich beweist er in seinen Rime und in der Vita nuova, dass das Vernakular hohe Affekte und differenzierte Gedanken tragen kann. Die doppelte Schulung in Latein und Volkssprache verleiht seinem Werk eine zweisprachige Tiefendimension: abstrakte Begriffe gewinnen anschauliche Prägung, während alltäglicher Ausdruck zur Trägerin systematischer Ideen wird. So wird Sprachreflexion selbst zu einem Motor dichterischer Innovation.

Literarische Laufbahn

Die Vita nuova, entstanden in den 1290er Jahren, versammelt Prosakommentare und Gedichte zu einer Liebesbiografie, die poetische Selbstbeobachtung mit moralischer Läuterung verbindet. Zentral ist die Gestalt Beatrices, deren Tod dem Buch seine innere Wende gibt. In dieser frühen Komposition erprobt Dante Formen des dolce stil novo, verknüpft aber bereits personale Erfahrung mit theologischer Sinngebung. Seine Lyrik erweitert das Repertoire der Metaphern und hebt die Introspektion auf ein neues Niveau, ohne die städtische Öffentlichkeit aus dem Blick zu verlieren. Die Vita nuova markiert den ersten großen Meilenstein seiner Autorschaft.

Nach den politischen Umwälzungen, die 1302 in seine Verbannung mündeten, begann Dante groß angelegte Texte in Prosa und Latein. Das unvollendete Convivio bietet gelehrte Abhandlungen zu Ethik, Wissenschaft und Sprache und ist als gelehrtes Gastmahl konzipiert. De vulgari eloquentia, ebenfalls unvollendet, argumentiert für die Würde des italienischen Vernakulären und entwirft eine Typologie der Dialekte. Beiderseits entsteht ein Reflexionsraum, der die spätere Dichtung vorbereitet: die disziplinierte Ordnung des Wissens, die Prüfung der Begriffe und die Einsicht in die Reichweite poetischer Rede.

Die Commedia, wahrscheinlich ab den späten 1300er Jahren konzipiert und bis 1321 vollendet, entfaltet in drei Cantiche eine jenseitige Reise als Allegorie der menschlichen Errettung. Terza rima strukturiert den Verlauf, die Zahlensymbolik schafft architektonische Strenge. Das Werk verband rasch philologische Bewunderung mit kontroverser Gegenwartslektüre. Bereits im 14. Jahrhundert setzten Kommentare ein, auch durch Dantes Söhne und frühe Leser, die Glossen, Paraphrasen und Auslegungen lieferten. So entstand ein interpretatives Feld, das die Rezeption dauerhaft prägte und die Commedia als Text der Schule, der Kanzel und des Stadtraums verankerte.

Die stilistische Spannweite Dantes ist außergewöhnlich. Er mischt Lehrrede, Satire, Gebet, politische Anklage und zarte Elegie, verbindet realistische Details mit Visionen von größter Abstraktion. Figuren sprechen in Registern vom derben Stadtjargon bis zur erhabenen Theologie, ohne die Einheit der Komposition zu gefährden. Die Szene ist konkret verortet, doch die Fragen nach Gerechtigkeit, Verantwortung und Hoffnung übersteigen die Tagespolitik. Gerade diese Verbindung von konkreter Stimme und universaler Ordnung begründet die anhaltende Faszination. Seine Werke wurden früh abgeschrieben und verbreitet, trugen in städtischen und höfischen Kontexten zur Herausbildung literarischer Öffentlichkeit bei.

Überzeugungen und Engagement

Dantes Denken ist politisch und theologisch zugleich. In Monarchia verteidigt er die Idee einer universalen Monarchie, die den Frieden sichert, während die geistliche Gewalt auf ihr eigenes Feld begrenzt bleibt. Diese Position richtet sich gegen die Ausweitung päpstlicher Hoheit in weltliche Angelegenheiten, wie sie seine Zeit prägte. In der Commedia erscheinen korrupte Praktiken und parteiliche Verblendung als moralische Irrtümer, die die Ordnung zerreißen. Als Angehöriger der weißen Guelfen erlebte Dante die Zersplitterung Florenz' unmittelbar und übersetzte seine Erfahrungen in poetische Gerichtsbarkeit, in der individuelle Schuld und öffentliche Verantwortung unlösbar verbunden sind.

Über die Politik hinaus verknüpft Dante Ethik und Erkenntnis. Vernunft und Liebe sind die Kräfte, die den Menschen zum Guten bewegen; beide müssen, wie seine Dichtung zeigt, geordnet und geschult werden. Das Lob des Vernakulären ist zugleich ein Plädoyer für Teilhabe: Bürgerliche Sprache darf die höchsten Gegenstände erörtern. Die poetische Form wird damit zu einer Praxis der Bildung, die Gefühle läutert und Urteile schärft. So verschränkt Dante philosophische Argumente mit erzählerischen Mitteln und lässt die Commedia als Schule des Sehens, Hörens und Urteilens wirken, die zugleich Trost und Korrektur anbietet.

Letzte Jahre & Vermächtnis

Nach der Verbannung führte Dantes Weg über verschiedene Höfe Nord- und Mittelitaliens, darunter Verona und später Ravenna, wo er in den Schutz von Guido Novello da Polenta trat. In diesen Jahren arbeitete er an der Vollendung der Commedia und ordnete sein Schaffen. 1321 starb er in Ravenna, das seine Grabstätte bis heute bewahrt. Florenz bemühte sich später um die Rückführung der Gebeine und ehrte ihn mit einem Kenotaph. Die Wirkung Dantes reicht von frühhumanistischen Lesungen über die ersten Drucke bis zur Rolle als Symbolfigur der italienischen Sprache; seine Dichtung bleibt ein Prüfstein kultureller Selbstverständigung.

Die göttliche Komödie

Hauptinhaltsverzeichnis
Die Hölle: Gesang I
Die Hölle: Gesang II
Die Hölle: Gesang III
Die Hölle: Gesang IV
Die Hölle: Gesang V
Die Hölle: Gesang VI
Die Hölle: Gesang VII
Die Hölle: Gesang VIII
Die Hölle: Gesang IX
Die Hölle: Gesang X
Die Hölle: Gesang XI
Die Hölle: Gesang XII
Die Hölle: Gesang XIII
Die Hölle: Gesang XIV
Die Hölle: Gesang XV
Die Hölle: Gesang XVI
Die Hölle: Gesang XVII
Die Hölle: Gesang XVIII
Die Hölle: Gesang XIX
Die Hölle: Gesang XX
Die Hölle: Gesang XXI
Die Hölle: Gesang XXII
Die Hölle: Gesang XXIII
Die Hölle: Gesang XXIV
Die Hölle: Gesang XXV
Die Hölle: Gesang XXVI
Die Hölle: Gesang XXVII
Die Hölle: Gesang XXVIII
Die Hölle: Gesang XXIX
Die Hölle: Gesang XXX
Die Hölle: Gesang XXXI
Die Hölle: Gesang XXXII
Die Hölle: Gesang XXXIII
Die Hölle: Gesang XXXIV
Der Läuterungsberg: Gesang I
Der Läuterungsberg: Gesang II
Der Läuterungsberg: Gesang III
Der Läuterungsberg: Gesang IV
Der Läuterungsberg: Gesang V
Der Läuterungsberg: Gesang VI
Der Läuterungsberg: Gesang VII
Der Läuterungsberg: Gesang VIII
Der Läuterungsberg: Gesang IX
Der Läuterungsberg: Gesang X
Der Läuterungsberg: Gesang XI
Der Läuterungsberg: Gesang XII
Der Läuterungsberg: Gesang XIII
Der Läuterungsberg: Gesang XIV
Der Läuterungsberg: Gesang XV
Der Läuterungsberg: Gesang XVI
Der Läuterungsberg: Gesang XVII
Der Läuterungsberg: Gesang XVIII
Der Läuterungsberg: Gesang XIX
Der Läuterungsberg: Gesang XX
Der Läuterungsberg: Gesang XXI
Der Läuterungsberg: Gesang XXII
Der Läuterungsberg: Gesang XXIII
Der Läuterungsberg: Gesang XXIV
Der Läuterungsberg: Gesang XXV
Der Läuterungsberg: Gesang XXVI
Der Läuterungsberg: Gesang XXVII
Der Läuterungsberg: Gesang XXVIII
Der Läuterungsberg: Gesang XXIX
Der Läuterungsberg: Gesang XXX
Der Läuterungsberg: Gesang XXXI
Der Läuterungsberg: Gesang XXXII
Der Läuterungsberg: Gesang XXXIII
Das Paradies: Gesang I
Das Paradies: Gesang II
Das Paradies: Gesang III
Das Paradies: Gesang IV
Das Paradies: Gesang V
Das Paradies: Gesang VI
Das Paradies: Gesang VII
Das Paradies: Gesang VIII
Das Paradies: Gesang IX
Das Paradies: Gesang X
Das Paradies: Gesang XI
Das Paradies: Gesang XII
Das Paradies: Gesang XIII
Das Paradies: Gesang XIV
Das Paradies: Gesang XV
Das Paradies: Gesang XVI
Das Paradies: Gesang XVII
Das Paradies: Gesang XVIII
Das Paradies: Gesang XIX
Das Paradies: Gesang XX
Das Paradies: Gesang XXI
Das Paradies: Gesang XXII
Das Paradies: Gesang XXIII
Das Paradies: Gesang XXIV
Das Paradies: Gesang XXV
Das Paradies: Gesang XXVI
Das Paradies: Gesang XXVII
Das Paradies: Gesang XXVIII
Das Paradies: Gesang XXIX
Das Paradies: Gesang XXX
Das Paradies: Gesang XXXI
Das Paradies: Gesang XXXII
Das Paradies: Gesang XXXIII
Aus dem Nachwort zur ersten Ausgabe

Die Hölle: Gesang I

Inhaltsverzeichnis

Ich fand mich, grad in unseres Lebens Mitte, In einem finstern Wald zurück, verschlagen, weil ich vom rechten Pfad gelenkt die Schritte.

Ha! wie er ausgesehn ist hart zu sagen, Der wüste Wald mit wildverwachsenen Strecken, Daß in Gedanken sich erneut mein Zagen.

So herb ists, herber kann der Tod nicht schmecken. Doch um vom Heile, das ich dort gefunden, Zu melden, muß ich anderes erst entdecken.

Wie ich hineinkam, kann ich nicht bekunden, So tief war ich zur Zeit vom Schlaf benommen, Als meinem Blick der wahre Weg entschwunden.

Doch nun an eines Hügels Fuß gekommen, Wo dieses Tal zu seinem Ende gleitet, Das mir mit Bangen hielt das Herz beklommen,

Blickt ich empor und sah schon hingebreitet Auf Bergesschultern den Planeten prangen, Der uns auf jedem Wege richtig leitet.

Da war ein wenig gleich die Furcht vergangen, Die auf des Herzens See mir angedauert Die Nacht, die ich durchlebt in solchem Bangen.

Und wie, wer atemlos und angstdurchschauert Dem Meer entrann und nun zurückgebogen Vom Strande späht zur Flut, die tückisch lauert,

So wandte auch, noch immer fluchtbewogen, Mein Geist sich rückwärts, auf den Engpaß blickend, Draus nie ein Wesen lebend heimgezogen.

Nach kurzer Rast, dem müden Leib erquickend, Klomm ich weiter bergan am öden Hange, Immer zum tiefern Fuß den Stützpunkt schickend.

Und sieh! wo steil beginnt die Felsenwange, Ein Panther, mit geflecktem Fell die Glieder Bedeckt, geschmeidig und behend im Gange,

Der wich vor meinem Angesicht nicht wieder; Nein, hemmte so mich, daß ich, statt nach oben, Mehrmals aufs neu zum Walde wollte nieder.

Die Zeit wars, als der Morgen sich erhoben. Die Sonne stieg, vom gleichen Sternenbilde Umkränzt, als erstmals Gottesliebe droben

Die Welten umschwang durch des Alls Gefilde, So daß mit neuer Hoffnung mich belebten Auf Rettung vor dem buntgefleckten Wilde

Frühlicht und Frühling, die mich hold umwebten. Doch so nicht, daß die Sinne mir im neuen Schreckanblick eines Löwen nicht erbebten –

Der mir erhobenen Hauptes schien zu dräuen Und sich voll Hungers wider mich zu rüsten, Daß selbst die Luft sich schien vor ihm zu scheuen –

Und einer Wölfin, die von allen Lüsten Mir trächtig schien trotz ihren dürren Weichen, Alsob durch sie schon viel sich grämen müßten.

Die machte also meinen Mut erbleichen Durch ihren Blick, drob ich vor Furcht erschauert, Daß ich die Höh nicht hoffte zu erreichen.

Und jenem gleich, der gern Gewinn erlauert, Und kommt die Zeit, wo sich Verluste zeigen, Was auch sein Denken ist, er weint und trauert,

So schuf das Tier mich, dem kein Friede eigen, Indem sichs schrittweis nähernd mich im Grimme Zurücktrieb, wo die Sonnenstrahlen schweigen.

Indes ich fliehend noch bergabwärts klimme, Auftauchte da vor meinem Blicke einer, Der vor Erschöpfung scheinbar ohne Stimme.

»Wer du auch seist,« begann ich, als ich seiner Ansichtig ward in solcher wüsten Heide, »Ob Schatten oder Mensch, erbarm dich meiner«. –

»Nicht Mensch; Mensch war ich,« gab er zum Bescheide. »Und meine Eltern einst Lombarden waren; Denn Mantua war Heimatstadt für beide.

Gezeugt, zwar spät, sub Julio dem Zäsaren, Lebt ich in Rom zur Zeit Augusts des Guten, Als Lügengötter Ehrfurcht noch erfahren.

Ich war Poet und sang den frommgemuten Anchisessohn, der Troja mußte meiden, Als Ilions Pracht versank in Staub und Gluten.

Doch du, was kehrst du um zu solchen Leiden? Was steigst du nicht, um auf dem Berg der Wonnen, Des Glückes Grund und Anfang, dich zu weiden?« –

»So bist du denn Vergil, bist jener Bronnen, Dem reich des Wohllauts voller Strom entflossen?« Sprach ich zu ihm, die Stirn von Scham umronnen.

»Du Licht und Ehre der Apollgenossen, Gieb, daß mir zur Empfehlung nun gedeihe Inbrunst und Fleiß, die mir dein Werk erschlossen.

Vorbild und Meister, dank ich deiner Weihe Doch nur den schönen Stil, der mir verliehen, Drob man ein wenig Ruhm mir prophezeie.

Sieh dort das Tier, davor ich im Entfliehen. Hilf mir, ruhmvoller Weiser, ihm entrinnen; Durch Puls und Adern läßt mirs Schauder ziehen.« –

»Auf einem andern Weg mußt du vonhinnen,« Sprach er zu mir, den Tränen ganz bezwungen, »Um aus der Wüste Rettung zu gewinnen.

Denn dieses Tier, das dich mit Furcht durchdrungen, Läßt keinen fahrlos wandeln seine Straße, Nein, hemmt solang ihn, bis es ihn verschlungen.

Voll Trug und Tücke steckts in solchem Maße, Daß seine Lüste unersättigt bleiben, Und stärker hungerts nach als vor dem Fraße.

Viel Tiere sinds, die sich mit ihm beweiben, Und mehr noch folgen, bis sich wird erheben Der Jagdhund, es in bittern Tod zu treiben.

Dem wird nicht Erz noch Erde Nahrung geben, Doch Weisheit, Liebe, Tugend wird ihm munden; Und zwischen Filz und Filz entsprießt sein Leben.

Italien wird durch ihn der Schmach entbunden, Drob Turnus und Kamilla einst erlagen, Euryalus und Nisus ihren Wunden.

Er wird das Tier durch alle Städte jagen Bis ers zurückscheucht in die Höllenschlünde, Daraus der Urneid es ans Licht getragen.

Drum denk ich, daß es besser um dich stünde, Wenn du mir folgst, daß ich dir Rettung leihe, Von hier dich führend durch die ewigen Gründe.

Dort wirst du hören der Verzweiflung Schreie, Der Vorwelt Geister schauen, die jammernd flehen, Daß sie ein zweiter Tod von Schmerz befreie.

Wirst andre dann in Feuersgluten sehen Und dennoch froh, weil sie der Hoffnung leben, Wie spät es sei, zur Seligkeit zu gehen.

Willst du zu diesen dich alsdann erheben, Kommt eine Seele, würdiger im Preise; Der werd ich dich beim Abschied übergeben.

Denn der als Kaiser herrscht im Himmelskreise Will nicht, weil widerstrebt ich seinen Worten, Daß irgendwen zu seiner Stadt ich weise.

Er herrscht im Weltall, doch regiert nur dorten, Wo seine Stadt ist, und sein Thron zu sehen: O selig! den er ruft zu ihren Pforten.«

Und ich zu ihm: »Poet, laß dich erflehen Bei jenem Gotte, dem du fremd verbliebest. Um diesem Weh und schlimmerem zu entgehen,

Bring mich, wie du zu sagen jetzt beliebest, Hin wo Sanktpeters Pforten mir erscheinen Und sie, die als so traurig du beschriebest.«

Drauf ging er und mein Fuß folgte dem seinen.

Die Hölle: Gesang II

Inhaltsverzeichnis

Der Tag entwich, und Nacht mit dunkelm Scheine Nahm ab den Wesen, die auf Erden leben, All ihre Mühsal; und ich ganz alleine

Hielt mich bereit, den Wettkampf anzuheben, Um Wegesmüh und Mitleid zu erproben, Davon Erinnrung treues Bild soll geben.

O Musen, helft, und hoher Geist dortoben! Gedächtnis, das du schriebst, was ich gesehen, Hier zeige, wie dein Adelsinn zu loben.

Und so begann ich: »Dichter, eh wir gehen, Prüf meine Kraft, ob sie dazu wird langen, Wenn du mich lässest schweren Weg bestehen.

Du sagst, des Silvius Vater sei gegangen, Obwohl er noch hinfällig Fleisch gewesen, Zur ewigen Welt hinab, vom Leib umfangen.

Doch ließ des Bösen Feind ihn des genesen In Gnaden, eingedenk der hohen Taten, Dazu nach Art und Wirkung er erlesen,

So billigts jeder, den Vernunft beraten. Sein Anspruch darf sich auf den Himmel gründen Als Vater Roms und Stifter seiner Staaten.

Denn beides war doch, will man Wahrheit künden, Vorausbestimmt zum Heilsort, daß die Throne Dort für des größeren Petri Erben stünden.

Ihm gab die Wandrung, die du rühmst, zum Lohne Erkenntnis hoher Dinge; sie errangen Den Sieg ihm und nachher die Papsteskrone.

Auch durfte das Gefäß dahingelangen, Das auserwählt zur Stärkung für den Glauben, Aus dem von je der Heilsweg angefangen.

Doch ich, warum hingehn? Wer wirds erlauben? Ich bin Äneas[1] nicht noch Paulus. Keiner, Ich gar nicht, darf so hoch den Anspruch schrauben.

Und wag ichs dennoch, fürcht ich, daß man meiner Törichten Wandrung lache. Dieses Bangen Verstehst du Weiser eher, als sonst einer.«

Und jenem gleich, der aufgiebt sein Verlangen Und neuem Plan zulieb verfällt ins Schwanken, Bis gänzlich er verzichtet anzufangen,

So ich. Grübelnd verzehrten die Gedanken Im dunkeln Tal den Plan, der erst mich freute, Den ich ergriff im Anfang ohne Wanken.

»Wenn ich mir deine Worte richtig deute,« Ließ des Erhabenen Schatten sich vernehmen, »Ist deine Seele jener Feigheit Beute,

Der oft sich schwache Menschen anbequemen, Bis sie sie schreckt vom ehrenvollsten Wege, Alsob ein Tier sich scheut vor einem Schemen.

Vernimm, damit sich diese Furcht dir lege, Warum ich kam und was ich hörte eben, Als Mitleid mir mit dir zuerst ward rege.

Bei denen war ich, die im Zweifel schweben; Da rief ein selig Weib mich, schön zu schauen, Daß ich sie bat, Befehle mir zu geben.

Ihr Auge schien ein Stern in Himmelsauen, Und sie begann zu reden sanft und leise, Wie man es hört von Engelslippen tauen:

›O Mantuanergeist, zu dessen Preise Der Ruhm auf Erden niemals Schweigen kannte Noch schweigen wird, solang die Welt nur kreise:

Mein Freund, den nie Fortuna Freund benannte, An wüster Felswand irrt der Furchtverstörte Vom Wege ab, weil er sich rückwärtswandte.

Auch fürcht ich, ging so irr schon der Betörte, Daß ich zu spät erschien im Helferdrange Nach dem, was ich im Himmel von ihm hörte.

Nun eile, und mit deiner Worte Klange Und allem, was ihn sicher läßt entrinnen, Sei ihm solch Helfer, daß ich Trost erlange.

Ich, Beatrice, sende dich vonhinnen; Ich komm daher, wohin ich wieder strebe. Aus mir spricht Liebe, sie lenkt mein Beginnen.

Wenn ich vor meinem Herrn erst wieder schwebe, Will ich dich oft ihm nennen, dir zum Preise.‹ Sie schwieg darauf. Und ich nun Antwort gebe:

›O Weib, an Tugend reich, die einzigerweise Die Menschheit läßt ob allem Inhalt ragen Des Himmels, der sich dreht im engsten Kreise,

Es schafft mir dein Befehl soviel Behagen, Daß Raschgehorchen Säumnis noch zu nennen. Du brauchst den Wunsch nicht dringlicher zu sagen.

Doch warum scheinst du keine Furcht zu kennen Und bist hierher zum Mittelpunkt gestiegen, Wenn Heimweh dich schon wieder ließ entbrennen?‹

›Weil gar soviel dir scheint daran zu liegen,‹ Sprach sie, ›vernimm in Kürze denn, weswegen Der Herweg mir nicht ließ den Mut versiegen.

Furcht soll man nur vor solchen Dingen hegen, Die mit der Macht begabt sind, uns zu schaden; Vor andern nicht, weil Furcht sie nicht erregen.

Geartet bin ich so von Gottes Gnaden, Daß eure Erdennot mich nie beschleiche, Noch mich verletze dieser Brand und Schwaden.

Es klagt ein edles Weib im Himmelreiche Der Hemmung halb, dahin ich dich nun schicke, Daß droben sie den harten Spruch erweiche.

Die rief Lucien an im Augenblicke: »Soll ferner noch dein Treuer auf dich halten, Nimm sein dich an, daß Rettung ihn erquicke.«

Lucia, feindlich allem rauhen Walten, Erhob sich schnell, daß sie am Ort erscheine, Allwo ich neben Rahel saß, der alten,

Sprach: »Beatrice, Gottgelobte, Reine, Was hilfst du diesem nicht, der dir zuliebe Den Schwarm des Pöbels mied und das Gemeine,

Alsob dein Ohr taub seinem Wehruf bliebe? Sahst du nicht, wie er mit dem Tod gerungen In Wogen, wie kein Meer sie wilder triebe?«

Nie schneller ist ein Erdenmensch gesprungen, Mag Glück ihm oder Flucht vor Unheil frommen, Als ich – da mir ans Ohr solch Wort geklungen

Herab von meinem seligen Sitz gekommen, Vertrauend deiner edeln Rede gerne, Die dich und jeden ehrt, der sie vernommen.‹

Sie sprachs, worauf sie ihrer Augen Sterne, In Tränen schimmernd, wieder von mir kehrte, Daß michs nur schneller hertrieb aus der Ferne.

Und so kam ich zu dir, wie sie begehrte, Entriß dem Untier dich, das dir zum Hügel, Dem herrlichen, den kurzen Weg verwehrte.

Und nun? Warum, warum hält dich ein Zügel? Warum im Herzen nährst du feiges Grauen? Warum sinkt dir gelähmt der Tatkraft Flügel,

Wo doch drei hochgebenedeite Frauen Im Hof des Himmels Sorge für dich zeigen, Und solch ein Heil mein Wort dich läßt erschauen?« –

Wie sich die Blümlein schließen und sich neigen Im Nachtfrost, aber scheint die Sonne heiter, Am Stengel offenen Kelches lichtwärtssteigen,

So hob mein welker Mut sich tat-bereiter. Und so in Eifers Glut mein Herz entbrannte, Daß ich begann wie ein Albdruckbefreiter:

»O wie voll Mitleid sie! die Hilfe sandte, Und huldreich du! der eilig nachgekommen Den Wahrheitsworten, die an dich sie wandte.

Es fühlt mein Herz, von deinem Wort entglommen, Nach diesem Gange Sehnsucht, frei von Bangen, Daß ich den ersten Plan neu aufgenommen.

Nun geh, uns beide spornt ein gleich Verlangen, Du Meister, du Gebieter und du Leiter.« So sprach ich. Und als er dann vorgegangen,

Ging ich auch auf dem tiefen Waldweg weiter.

Die Hölle: Gesang III

Inhaltsverzeichnis

Durch mich gehts ein zur Stadt der Schmerzerkornen, Durch mich gehts ein zur Qual für Ewigkeiten, Durch mich gehts ein zum Volke der Verlornen.

Den hohen Schöpfer trieb, mich zu bereiten, Gerechtigkeit, Allmacht zu offenbaren, Allweisheit und Urliebe allerzeiten.

Vor mir war nichts Erschaffnes zu gewahren Als Ewiges, und auch ich bin ewiger Dauer. Laßt, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren!

Die Inschrift zeigte sich an einer Mauer Mit dunkler Farbe über einer Pforte. Drum ich: »O, Herr, der Sinn erweckt mir Schauer.«

Da sprach der Wohlerfahrene diese Worte: »Hier können Zweifelängste nicht mehr frommen Und jede Zagheit sterbe gleich am Orte.

Wie ichs verhieß, sind wir zum Ziel gekommen, Wo du das schmerzgequälte Volk siehst ringen, Dem der Erkenntnis höchstes Heil genommen.«

Dann fühlt ich seine meine Hand umschlingen. Mit heiterm Antlitz, drob ich ganz ihm traute, Führt er mich ein zu den geheimen Dingen. –

Geseufze, Weinen hier und Wehelaute Hört ich die sternenlose Luft durchzischen, Daß drob mein Auge sich zuerst betaute.

Verschiedene Sprachen, grausiges Wortvermischen, Des Zornes Schreie, schmerzliches Gestöhne, Stimmen, kreischend und dumpf, Faustschlag dazwischen,

Schufen ringsum ein ewiges Getöne In dieser Luft zeitloser Dämmerungen, Als tanzte kreiselnd lockerer Sand im Föhne.

Und ich, dem Grausen hielt das Haupt umschlungen, Sprach: »Meister, welch ein Lärm wird hier erhoben? Und wer sind diese, so von Pein bezwungen?«

Und er: »Nach diesen Chören, schmerzgewoben, Ziehn hier die trüben Seelen ihren Reigen, Die ohne Schmach und Ehre lebten droben.

Gesellt sind sie der Rotte jener Feigen, Der Engel, die sich weder für noch gegen Den Herrgott, nein, parteilos wollten zeigen.

Die Himmel, ungetrübten Glanz zu hegen, Stießen sie aus, doch nicht zum Höllenschlunde, Daß sich nicht Sünder brüsten ihretwegen.«

Und ich: »Was, Meister, liegt der Pein zugrunde, Die sie so drückt zu heftigem Schmerzgewimmer?« Er sprach: »Ich geb mit kurzem Wort dir Kunde.

Des Todes Hoffnung tagt den Bösen nimmer. Ihr Wandel hier ist solch ein lichtlos-trüber, Daß ihren Neid kein ander Los dünkt schlimmer.

Nichts dringt von ihrem Ruhm zur Welt hinüber, Vergebens Recht und Mitleid sie erflehen. Kein Wort von ihnen, schau und geh vorüber.«

Und, spähend, konnt ich eine Fahne sehen, Bereit, sich immerwirbelnd umzuschwingen, Alsob es sie verdrieße, stillzustehen.

Und so gewaltige Mengen Volkes gingen Ihr nach, wie ich vordem es nimmer glaubte, Daß je der Tod soviele mocht verschlingen.

Als erst der Blick Bekannte mir erlaubte Zu sehn, sah ich auch den, der durch Entsagen Aus Feigheit großen Gutes sich beraubte.

Da ward mirs deutlich, ohne noch zu fragen, Daß hier des Weges jene Memmen strebten, Die Gott und seinen Feinden mißbehagen.

Die Elenden, die nie in Wahrheit lebten, Sie waren nackt und peinigend umflogen Von Mücken-und Wespenschwärmen, die dort webten.

Ihr Antlitz war mit Streifen Bluts durchzogen, Die abwärtstropften, untermengt mit Zähren, Von scheußlichem Geschmeiß dann aufgesogen.

Und als dem Blick ich Umschau ließ gewähren, Sah ich an einem großen Strom sich scharen Viel Volk, und bat: »Herr, wolle mir erklären,

Wer diese sind, die zum Hinüberfahren Aus unbekanntem Antrieb so entbrennen, Soweit ich das im Zwielicht kann gewahren.«

Er gab mir Antwort: »Alles lernst du kennen, Wenn uns der Fuß zum düstern Rand getragen Des Flusses, den sie Acheron benennen.«

Da ließ mich Scham die Augen niederschlagen. Befürchtend, daß ihn weiteres Reden störte, Enthielt ich bis zum Flusse mich der Fragen.

Und da! zum Strand ein Boot ich plätschern hörte, Gelenkt von einem altersbleichen Greise: »Weh euch, verworfene Seelen und betörte,

Hofft niemals zu erschauen des Himmels Kreise! Ich führe euch,« er riefs aus rauher Kehle, »Zur ewigen Finsternis, zu Glut und Eise.

Und du, die dort verweilt, lebendige Seele, Laß diese, deren Lebenslicht verglommen.« Doch als er sah, ich trotze dem Befehle,

Rief er: »Hier giebt es kein Hinüberkommen! Daß dichs zu anderm Strand und Hafen trage, Muß dir dereinst ein leichteres Fahrzeug frommen.«

Der Führer drauf: »Charon, dem Zorn entsage. Wo eins ist das Vollbringen und Verlangen, Dort will mans also! Und nicht weiter frage.«

Da wurden glatter die behaarten Wangen Dem Steuermanne auf dem fahlen Sumpfe, Dem sich ums Auge Flammenräder schlangen.

Doch jene Seelenschar, die nackte stumpfe, Erblaßte zähneklappernd voll Verzagen, Als Charons Wort erscholl, das grausigdumpfe.

Gott und der Menschheit galt ihr lästernd Klagen. Sie fluchten Eltern, Ort und Zeit und Samen, Draus sie dem Schoß verpflanzt, der sie getragen,

Worauf sie alle weinend näherkamen Zum vielverhaßten Strand, wo bangverzagend Die Gottverächter stets ein Ende nahmen.

Charon, der Dämon, treibt sie alle jagend Mit sprühendem Blick zusammen; die da säumen, Ermuntert er, sie mit dem Ruder schlagend.

Und wie der Herbst die Blätter von den Bäumen Eins nach dem andern rupft, und zwingt die Zweige, All ihren Schmuck der Erde einzuräumen,

So Adams böse Brut beim Fingerzeige Zum Strande einzeln lief, als wenn betrogen Vom Lockruf Vögel ziehen zum Dohnensteige.

So fahren sie dahin auf dunkeln Wogen, Und eh sie landen dort am Uferwalle, Sind diesseits neue schon herangezogen.

»Mein Sohn,« der Meister gütig sprach, »sie alle, Die unter Gottes Zorn dahingegangen, Sammeln sich hier vom ganzen Erdenballe

Und eilen, fluthinüber zu gelangen. Denn Allgerechtigkeit macht sie sich sputen, Sodaß sich in Begierde kehrt ihr Bangen.

Kein guter Geist fuhr je durch diese Fluten. Drum, führte Charon über dich Beschwerde, So kannst du seiner Worte Sinn vermuten.«

Als er so schloß, begann die düstere Erde So stark zu beben, daß ich noch vor Grausen, Denk ich daran, in Schweiß gebadet werde.

Vom Tränenland hob sich ein Sturmwindsausen, Durchzüngelt von der Blitze roten Schlangen, Daß jeder Sinn mir unterging im Brausen.

Und niederfiel ich wie von Schlaf befangen.

Die Hölle: Gesang IV

Inhaltsverzeichnis

Den tiefen Schlaf zersprengte mir im Haupte Ein Donnerkrach, daß ich zusammenschreckte Gleich einem, den Gewalt des Schlafs beraubte.

Ich spähte ausgeruhten Auges und reckte Mich auf, daß ich von meinem Aufenthalte Geschärften Blicks Genaueres entdeckte.

Und wirklich fand ich mich am Uferspalte, Der abwärtsführt zum schmerzensreichen Schlunde, Draus endlos Jammer donnernd widerschallte.

Ob ich den Blick auch schickte tief zum Grunde, So schwarz blieb der, so neblig allerseiten, Daß ich nichts unterschied in weiter Runde.

»Laß uns zur blinden Welt nun abwärtsgleiten,« Begann der Dichter mit ganz blassen Wangen; »Ich geh zuerst und du wirst nach mir schreiten.«

Drauf ich, dem seine Blässe nicht entgangen: »Wie komm ich hin, wenn du des Schreckens Beute, Wo sonst von dir ich Zager Mut empfangen?«

Und er zu mir: »Der Jammer dieser Leute, Die drunten sind, bemalt mir nur die Wange Mit solchem Mitleid. Nicht als Furcht dies deute.

Wohlauf drum, weil der Weg uns treibt, der lange.« – So schritt er zu und so ließ er mich dringen Zu dieses Abgrunds erstem Kreisumfange.

Doch nach den Lauten, die ich hörte klingen, Gabs lautes Weinen nicht; nur seufzend Klagen Ließ hier die ewige Luft erzitternd schwingen.

Und dies entstand von Leiden ohne Plagen, Die all die großen und zahllosen Scharen Der Kinder, Frauen, Männer hier ertragen.

Der Meister sprach: »Willst du denn nicht erfahren, Was hier für Geister dir der Ort bescherte? So laß mich, eh du gehst, dir offenbaren,

Daß sie nicht sündig. Doch mit eigenem Werte War nichts getan: sie mangelten der Taufe[2], Die jenes Glaubens Tür, den man dich lehrte.

Lebten sie auch vor Christi Zeitenlaufe, Sie ehrten doch nicht Gott wie sichs gebührte; So zählt mich zu den Seinen dieser Haufe.

Nur dieser Mangel, keine Schuld sonst führte Zu den Verlorenen uns. Hier schmerzt uns eben Die Sehnsucht nur, die hoffnungslosgeschürte.«

Sehr schmerzlich ließ dies Wort mein Herz erbeben; Denn Seelen, denen hohe Tugend eigen, Erkannt ich, die in diesem Vorhof schweben.

»Sag, Meister, mir; sag, Herr,« brach ich mein (Gewißheit jenes Glaubens zu gewinnen, Schweigen, Vor dem sich muß jedweder Irrtum neigen),

»Half keinem eigenes Verdienst vonhinnen » Noch fremdes je, daß er dann selig würde?« Und er, durchschauend mein verhehltes Sinnen,

Begann: »Ich war noch Neuling dieser Hürde, Da sah ich den gewaltigen Herrscher kommen, Gekrönt mit seines Sieges Lorbeerbürde.

Des ersten Vaters Geist hat er entnommen, Abel, den Sohn, und Noa, diesem Bann; Auch Moses, der Gesetze gab den Frommen.

Erzvater Abram, König David dann, Israel mit dem Vater und den Söhnen Und Rahel auch, die er so schwer gewann,

Und viele sah ich noch mit Heil ihn krönen. Doch merk: zuvor hats nie sich zugetragen, Daß sein Erlösungsruf hier mochte tönen.« –

Stets-wandernd, ob wir auch Gespräches pflagen, Wir unterdessen durch das Dickicht stiegen (Das Dickicht, dicht von Geistern, will ich sagen).

Erst wenig ließen wir des Weges liegen Vom Gipfel an, da sah ich Feuershelle Im Halbrund rings die Finsternis besiegen.

Ziemlich entfernt noch waren wir der Stelle, Doch schon so nah, um etwa zu erkennen, Daß ehrenwertes Volk sich hier geselle.

»O du, den Kunst und Wissen rühmend nennen, Sag an, warum solch Vorrecht die genießen, Daß sie vom Los der übrigen sich trennen?«

Und er: »Sich von der Menge auszuschließen, Gewährte Gott, weil sie in deinem Leben Den ehrenvollsten Namen hinterließen.«

Da hört ich eine Stimme sich erheben: »Dem hohen Dichter laßt uns Ehre zeigen! Heimkehrt sein Schatten, der sich wegbegeben.«

Als diese Stimme drauf erstarb im Schweigen, Sah ich heran vier hohe Schatten wallen; Dem Blick war Trauer nicht noch Frohsinn eigen.

Der gute Meister sprach: »Schau den, der allen, Die Herrscherhand bewehrt mit einem Schwerte, Vorangeht wie ein König den Vasallen:

Homer ists, der als Dichterfürst Geehrte. Ihm folgt Horaz, der Meister in Satiren, Ovid sodann, zuletzt Lukan, der werte.

Und weil uns alle gleiche Titel zieren, Womit den Einen du mich hörtest loben, So ehren sie mich schicklich als den Ihren.«

Die schöne Schule sah ich so verwoben Mit jenem Meister höchster Sangesweise, Der ob den andern schwebt als Adler droben.

Nach kurzem Zwiegespräch in ihrem Kreise, Hold mich zu grüßen sie herab sich ließen – Und darob lächelte mein Meister leise.

Doch größern Vorzug sollt ich noch genießen: Sie luden mich als Sechsten in die Mitte, Mich solchen Geistesriesen anzuschließen.

So lenkten wir zum Lichtschein hin die Schritte, Von Dingen sprechend, schön an ihrer Stelle Zu reden, wo sich hier nur Schweigen litte.

Nun gings zu eines stolzen Schlosses Schwelle, Umschirmt von sieben hohen Mauerringen, Beschützt von eines schönen Baches Welle,

Durch den wir wie auf trockenem Lande gingen; Trat mit den Weisen dann durch sieben Pforten, Wo grüne Wiesenmatten uns empfingen.

Wir trafen Leute stillen Blickes dorten, Von Haltung würdevoll und ernst an Mienen, Redselig nicht, doch sanft in ihren Worten.

Wir zogen nunmehr seitwärts hin von ihnen Zu einer ringsum-offenen, lichten Stelle, Wo unserm Blick sie insgesamt erschienen.

Dort grad vor mir auf grüner Wiesenhelle Sah ich die hohen Geister: sie gewährten Durch ihren Anblick eine Freudenquelle

Bis heute mir! – Im Kreise der Gefährten Sah ich Elektren, Hektorn und Äneen, Dann Zäsar, den mit Falkenblick verklärten.

Sah auch Kamilla und Penthesileen Zur anderen Seite; konnte bei Latinen Lavinia, seine Tochter, sitzen sehen.

Sah jenen Brutus, der vertrieb Tarquinen. Lukretia, Julia, Martia durft ich schauen, Kornelia auch und abseits Saladinen.

Dann, als ich etwas höherhob die Brauen, Bemerkt ich auch den Meister aller Weisen Im Kreis der Jünger, die auf Weisheit bauen.

Sie einen sich, bewundernd ihn zu preisen. Zunächst ihm konnten meinem Blick sich bieten Sokrates, Plato. Sah auch – der das Kreisen

Der Welt dem Zufall zuschreibt – Demokriten, Thales, Diogenes, Anaxagoren, Empedokles, Zeno und Herakliten,

Tullius, Linus, Orpheus, und der geboren Zum Arzt, Dioskorid. – Die Runde zierte Auch Seneka, der die Moral erkoren,

Galen, Euklid, der Form und Raum studierte. Sah Hippokrat, Ptolmäus, Avicennen, Averroës, der wacker kommentierte.

Eingehend kann ich sie nicht alle nennen, Weil nicht der Reim des Stoffes Fülle bindet, Daß sich Gesichte und Berichte trennen.

Der Bund der Sechs auf Zwei nun wieder schwindet. Auf anderm Pfad führt mich der weise Leiter Aus stiller Luft hin, wo es zitternd windet;

Und dahin komm ich, wo nichts leuchtet weiter.

Die Hölle: Gesang V

Inhaltsverzeichnis

So gings vom ersten Kreis zum zweiten nieder; Und bildet der auch eine kleinere Schleife, Hallt er doch mehr vom Schmerzgeheule wider.

Am Tor grinst Minos[3] wild, forscht, zwingt zur Reife Die Schuld ans Licht und schickt als Urteilskünder So tief als er es anzeigt mit dem Schweife.

Ich meine: ohne Rückhalt muß der Sünder, Der vor ihn tritt, gestehn der Frevel Masse. Und er, ein unerbittlicher Ergründer,

Erwägt, welch Höllenort die Seele fasse. Er peitscht sich mit dem Schweif sovielemale, Als man sie Stufen niedersinken lasse.

Hier drängt sich stets das Volk, das schreckensfahle, Tritt einzeln her zum Spruch, ob ihm auch grause. Sie beichten, hören, stürzen dann zutale.

»O du, der eintritt zu dem Schmerzenshause,« Rief Minos laut, als er mich wahrgenommen, Im hohen Amte machend eine Pause,

»Wem traust du? Wie bist du hereingekommen? Nicht täusche dich das Tor, wie weit es rage!« Mein Führer drauf: »Was soll dein Schreien frommen?

Nicht seinen Schicksalsgang zu hemmen wage, Wo eins ist das Vollbringen und Verlangen, Dort will mans also! Und nicht weiter frage.« –

Jetzt wars, wo Schmerzenslaute angefangen Mein Ohr zu treffen. Jetzt war ich gestiegen Hinab, wo endlos Klagen mich durchdrangen.

Ich kam zum Ort, wo alle Lichter schwiegen, Der gleich dem Meere brüllt, wenn es gewittert Und feindlich sich die Winde drauf bekriegen.

Ruhlose Höllenwindsbraut packt erbittert Und reißt mit sich dahin die Geisterheere, Dreht, schleudert sie, daß Glied für Glied erzittert.

Sobald sie nun ergreift des Anpralls Schwere, Bricht los ein Weherufen, Ächzen, Klagen, Da lästern sie dann des Allmächtigen Ehre.

Ich hörte, daß verdammt zu solchen Plagen Die wären, die – verlockt vom Sinnentruge – In Wollust frönend der Vernunft entsagen.

Und wie die Stare fliegen, dicht im Zuge Gedrängt, dem Frost des Winters zu entrinnen, So treibt der Wind die Sünderschar im Fluge

Nach hier, nach dort, auf, nieder, und vonhinnen. Mit Trost kann keine Hoffnung sie versöhnen, Nicht Ruh, nein: mindere Pein nur zu gewinnen.

Und wie die Kraniche mit Klagetönen Die Lüfte rasch durchziehen in langen Fahnen, So sah ich kommen unter lautem Stöhnen

Die Schatten auf des wütigen Windes Bahnen. »Meister,« sprach ich, »welch Volk wird in die Runde Hier so gepeitscht von schwärzlichen Orkanen?« –

»Die erste dieser hier, davon du Kunde Begehrest,« jener mich darauf belehrte, »War Kaiserin vielsprachigem Völkerbunde.

Die Wollust war es, die sie so verzehrte, Daß ›Schuld hieß Huld‹ nach ihrer Satzung Thesen, Die Schmach zu tilgen, die sieselbst entehrte.

Es ist Semiramis, von der zu lesen, Daß sie dem Ninus folgte, ihrem Gatten. was heut des Sultans, ist ihr Land gewesen.

Die andre, untreu des Sichäus Schatten, Ließ Liebesnot zum Tod freiwillig schreiten. Sie schwebt voran der nie an Wollust satten

Kleopatra. – Die Ursach schlimmer Zeiten, Helenen sieh! Achill, ein Held vor allen, Den noch zuletzt die Liebe zwang zum Streiten.

Sieh Paris hier und Tristan näherwallen.« Wohl mehr als tausend er mir wies und nannte, Die Liebe straucheln und hierher ließ fallen.

Als ich aus meines Lehrers Mund erkannte Die Frauen und Ritter aus der Vorwelt Tagen, Empfand ich, daß mich Mitleid übermannte.

Und ich begann: »Poet, gern möcht ich sagen Ein Wort den zweien, die umschlungen gehen, Scheinbar als Windesspielball hingetragen.«

Und er: »Wenn nur, sobald sie näherwehen, Dein Mund bei jener Liebe sie beschwöre, Die sie umherjagt, bleiben sie wohl stehen.«

Und als das Paar so nahe, daß michs höre, Ruf ich: »O weilt, ihr Seelen voller Plagen, Und sprecht mit uns, falls euch kein andrer störe.«

Wie Tauben weit und fest die Flügel schlagen, Zum holden Nest gelockt vom Sehnsuchtsharme, Und eigenen Wunsches durch die Luft getragen,

So diese aus der Dido dichtem Schwarme Zu uns her durch der Luft Beschwerde flogen: So stark mein Anruf war, der liebeswarme.

»O freundlich Wesen du, das holdgewogen Uns aufsucht hier in purpurdunkler Sphäre, Uns, deren Blut die Erde aufgesogen,

Wenn uns geneigt des Weltalls König wäre, Wir bäten ihn, dir Frieden zu erzeigen, weil unserer Qual du zollst des Mitleids Zähre.

Magst du zum Sprechen oder Hören neigen, Wir reden gern und leihen euch die Ohren, Will nur, wie jetzt, der Wind indessen schweigen.

Am Strande liegt die Stadt, die mich geboren, Dort wo der Po die Meerflut weiß zu finden, Drin er und sein Gefolg sich bald verloren.

Liebe, die edle Herzen schnell kann binden, Mit Macht für meine Schönheit ihn entzückte, Die mir geraubt; wie! kann ich nie verwinden.

Liebe, die Gegenliebe stets beglückte, Hielt für den Freund so heftig mich verblendet, Daß ichs, du siehst es, noch nicht unterdrückte.

Liebe hat uns vereint ins Grab gesendet; Kaïna harrt auf ihn, der uns erschlagen.« So sprachen diese zwei zu uns gewendet.

Als ich die Seelen also hörte klagen, Senkt ich und hielt gesenkt den Blick solange Bis ich Vergil »Was sinnst du?« hörte fragen.

»Weh!« sprach ich, »welch ein Sehnen ängstlichbange Und wieviel süßes Träumen zog hernieder Die beiden zu so schwerem Schmerzensgange.«

Drauf kehrt ich mich zu jenen beiden wieder Und sagte: »Sieh, Franzeska, wie dein Leiden Mit frommer Trauer mir benetzt die Lider.

Doch sprich: als liebeskrank geseufzt ihr beiden, Wie und wodurch ließ denn in solchen Stunden Amor der Wünsche Zweifel sich entscheiden?«

Und sie zu mir: »Kein Schmerz kann mehr verwunden, Als der: im Elend freudenreicher Tage Zu denken – auch dein Lehrer kanns bekunden.

Doch weil so voller Sehnsucht deine Frage, Was uns zuerst zur Liebe mocht erregen, So dulde, daß ichs unter Weinen sage.

Wir lasen eines Tags der Kurzweil wegen, Welch Liebesnetz den Lanzelot gebunden; Allein wir zwei und ohne Arg zu hegen.

Oft hatten unsere Augen sich gefunden Beim Lesen und wir fühlten uns erbleichen. Doch eine Stelle hat uns überwunden.

Als wir gelesen, wie vom Mund, dem weichen, Ersehntes Lächeln küßt solch hoher Streiter –