Die große Volksverarsche - Hannes Jaenicke - E-Book

Die große Volksverarsche E-Book

Hannes Jaenicke

4,4
8,99 €

Beschreibung

Das Konsumenten-Navi für Vor- und Nachdenker


Geld regiert die Welt. Geld verdirbt den Charakter. Folglich verdirbt Geld die Welt. Wenn es um Macht, Umsatz und Profit geht, kennen Politik, Industrie und Werbung keine Scham, es wird gelogen, was das Zeug hält. Das Opfer ist immer der kleine Mann bzw. die kleine Frau, gerne auch Endverbraucher genannt. Was also können wir heute überhaupt noch bedenkenlos konsumieren? Wo finden wir brauchbare Informationen? Wie können wir uns wirkungsvoll schützen vor der großen Volksverarsche?

Einer, der Missstände gerne und begeistert aufdeckt, ist der Schauspieler, Autor und Dokumentarfilmer Hannes Jaenicke. Sein Konsumenten-Navi bietet reichhaltiges Material für den kritischen Verbraucher: spannend, unterhaltsam und provokant. Jaenickes Recherchen sind in dieser geballten Zusammenstellung ein wichtiges Zeugnis über die skrupellose Geschäftemacherei in unserer modernen Konsumgesellschaft.

Reingelesen:

»Früher hab ich das wenige Geld, das mir von meinen Theatergagen übrig blieb, mit Hilfe freundlicher Bankberater auf die vermeintlich hohe Kante gelegt, um in der Sommerpause verreisen zu können. Später wunderte ich mich immer sehr, dass mein Erspartes im besten Fall stagnierte oder aber dahinschrumpfte, mit immer sehr überzeugenden Erklärungen der netten Angestellten. Heute weiß ich, dass diese netten Berater arbeiten und vorgehen müssen wie Drückerkolonnen, und nur verdienen, wenn sie ihren Kunden Anlageprodukte andrehen, die nur für die Bank profitabel sind.«




Hannes Jaenicke deckt auf, wie man sich gegen die immer raffiniertere Irreführung und Verdummung des Konsumenten wehren kann
Ein Blick hinter die Kulissen: So durchschauen wir die gefährlichen Machenschaften in unserer Konsum­gesellschaft
www.die-große-volksverarsche.de

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Seitenzahl: 195

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Inhaltsverzeichnis

0 - Irrungen und Wirrungen im Konsumdschungel: Der Konsument, das ohnmächtige Wesen?1 - Ex und hopp oder: Der Verpackungswahn2 - Rien ne va plus: Das falsche Spiel der Banken3 - Volksdroge Glotze: Die mediale Massentäuschung4 - Heute schon gecremt? Das Gigageschäft mit der Schönheit5 - Mission oder Milliardenmarkt? Die Wahrheit über die Energiewende (hälse)6 - Giftige Grüße aus Bangladesh: Die grausamen Deals der Bekleidungsindustrie7 - Der Deutschen heiligste Kuh: Die lukrativen Lügen der Autolobby8 - Was war zuerst da: die Krankheit oder die Arznei? Profitable Maschen der Pharmaindustrie9 - Lecker, lecker, Lüge: Noch ein edles Tröpfchen gefällig? Wenn Genuss zum Verdruss wird10 - Keine Leute, große Meute: Die unterschätzte Macht des Konsumenten11 - Mein persönlicher »Konsumdschungel«-Guide12 - Werke und Websites für WahrheitssucherQuellenverzeichnisAbbildungsverzeichnisDanksagungAnmerkungenCopyright

»Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse,aber nicht für jedermanns Gier.«

Mahatma Gandhi

»Dann müsste ich ja nackig rumlaufen«, sagte neulich eine junge Kollegin bei einer Drehpause, als sie erfuhr, unter welchen Arbeitsbedingungen ihr Lieblingslabel seine Textilien fertigen lässt und wie viele Schad- und Giftstoffe in herkömmlicher Kleidung stecken. Ich recherchierte gerade über die Praktiken der Textilindustrie. Sie zählte die Hersteller von Bluse, Jeans, Unterwäsche und Schuhen auf, die sie anhatte – und hob resigniert die Schultern. »Was kann man denn dann überhaupt noch kaufen?«

Leider eine berechtigte Frage. Das vorliegende Buch ist ein Versuch, sie zu beantworten.

Der Konsument, das ohnmächtige Wesen ... Können wir wirklich nichts mehr kaufen, essen, anziehen, ohne unsere Gesundheit oder Umwelt zu gefährden und die Machenschaften von skrupellosen Konzernen und deren Managern zu unterstützen? Immerhin werden wir fast täglich mit neuen Enthüllungen in sämtlichen Bereichen unseres Alltags konfrontiert: giftige Bio-Eier, Pferde-Lasagne, Uran im Trinkwasser, toxisches Antimontrioxid in Bratschläuchen und Plastikbackformen, gentechnisch manipulierte Lebensmittel, tierisches Bindegewebe in Multivitaminsaft, problematische Zusatzstoffe in Bio-Lebensmitteln, Fleisch von krankgezüchteten Tiermutationen, Bio-Körner aus China, Pseudo-Siegel und gefälschte Kundenbewertungen, Kinder- und Sklavenarbeit, ein von Lobbyisten infiltriertes Verbraucherschutzministerium, besser Verbraucherverschmutzungsministerium genannt, käufliche NGOs à la WWF, großzügige Steuergeschenke für Großkonzerne wie Google, Apple, Starbucks und, und, und. Großartig, könnte man meinen, dann wissen wir doch wenigstens jeden Tag ein wenig genauer, woran wir sind. Doch unser Vertrauen in Industrie, Medien und Politik wächst dadurch sicher nicht. Was wächst, sind höchstens Verunsicherung, Irritation und Misstrauen. Nicht zuletzt angesichts der engen Verflechtung der einzelnen Industrien untereinander: Kosmetik – Kunststoff – Lebensmittel – Pharma; Auto – Energie – Banken; Medien – Kosmetik ... da capo al fine ... sowie aller Industrien wiederum mit Medien und Politik. Und mittendrin wir, die Verbraucher, Kunden, Patienten und Wähler, um die so hart gefeilscht und geworben wird. Von allen Seiten, Wänden und Bildschirmen springen sie uns an, die Lockmittel und Kaufanreize, die glücksverheißenden Konsumangebote. Und wenn nötig, werfen die Konzerne dafür auch sämtliche ethisch-moralischen Werte über Bord ... Aber es ist wie immer und überall im Leben: Ausgestreckte Zeigefinger und Schuldzuweisungen helfen nichts. Verantwortlich für diese Entwicklung ist die fatale Liaison von Geiz (der Konsumenten) und Gier (der Industrie) in unserer Gesellschaft. »Ohne es zu merken, (...) sind wir von einer Marktwirtschaft in eine Marktgesellschaft geschlittert«, sagte der amerikanische Philosoph Michael J. Sandel kürzlich in einem SPIEGEL-Interview.1 Für Sandel ist »die moralische Leere der gegenwärtigen Politik« ein wesentlicher Faktor für »den spürbaren Rückgang der Sorge um das Allgemeinwohl«. Zählt für den Einzelnen wie für die Industrie tatsächlich nur noch der Gewinn? Zweifellos müssen Unternehmen Gewinne anstreben und machen, sonst würde unsere Wirtschaft kollabieren. Doch ohne moralisch-ethische Grenzen kollabiert jede soziale Gemeinschaft. Und inzwischen scheint »Gewinnmaximierung um jeden Preis« das Credo der Zeit zu sein. Ob durch Augenwischerei, Greenwashing, Schönfärberei, Fehlinformation, Heimlichtuerei, Sponsoring oder schlicht und einfach Betrug – die Industrie und ihre Lobbyisten spielen ihre Marktmacht gnadenlos aus, immer im Sinne des einen großen Zieles: Profit. Moral, Mitgefühl und soziales Gewissen bleiben viel zu oft auf der Strecke oder werden bewusst ignoriert, weil sie gemeinhin als ökonomische Bremsen gelten. Welche Rolle Parteispenden in diesem Machtpoker spielen, sei mal dahingestellt. Bemerkenswert ist aber, dass die Einzelspenden über 50.000 Euro (erst ab dieser Höhe werden sie veröffentlicht, z. B. auf www.bundestag.de) im Jahr 2012 vor allem von der Automobil-, der Metall-/Elektro- und der Bekleidungsindustrie kamen. Korruption, mangelnde Transparenz und Lobbyismus halten treu Händchen und bilden somit einen teuflischen Dreier, dem dringend das Handwerk gelegt werden sollte. Doch die schwarz-gelbe Bundesregierung sperrt sich nach wie vor mit allen Mitteln gegen ein Anti-Korruptionsgesetz; sie vertritt die Ansicht, Abgeordnete müssten sich ungehindert mit Lobbyisten austauschen können, gerne auch bei regelmäßigen Abendessen.2 Dazu passt, dass deutsche Abgeordnete niemals vor einer Abstimmung im Parlament als »Beraterhonorar« getarnte Schmiergelder annehmen dürfen. Nach einer Abstimmung im Parlament (oder bei Abstimmungen auf einem Parteitag oder in der Fraktion) sieht das allerdings ganz anders aus. Ergo: »Überweisen Sie mir das vereinbarte Honorar doch bitte erst kommenden Monat. Mit freundlichem Gruß, Ihr Volksvertreter.« Übrigens hat auch niemand etwas dagegen, wenn die Abgeordneten sich als Parlamentarier dafür bezahlen lassen, bestimmte Gesetze oder Gesetzesänderungen einzubringen. Diätenerhöhung der etwas anderen Art ...

Ein besonders offensichtliches Beispiel für erfolgreiche Parteispenden lieferte der Unternehmer und Hotelier Baron von Finck junior (u. a. Hotelkette Mövenpick) rund um die Bundestagswahl 2009: Großzügig spendete er an die FDP – und prompt wurden die Steuersätze für Hotels kurz nach der Wahl gesenkt. Und haben Sie schon mal von der SEAP gehört? Von der Society of European Affairs Professionals? Nein? Dahinter steckt nichts anderes als die Lobbyistenlobby mit Sitz in Brüssel, in unmittelbarer Nachbarschaft des Parlaments. Auf einen EU-Abgeordneten kommen in der belgischen Hauptstadt zwanzig Lobbyisten. Aus Sicht der professionellen Industrievertreter sorgen sie dafür, dass die Parlamentarier alltagstaugliche Gesetze erlassen. Schön gesagt ... Das Lobbying-Praxishandbuch für Unternehmer wird da schon deutlicher. Demnach ist Lobbyismus schlicht und ergreifend die gezielte Beeinflussung von Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung. Im Dunstkreis von Abgeordneten und Parlamentariern in Berlin haben es sich immerhin etwa 5.000 Lobbyisten auf die Fahnen geschrieben, Politikern und Politikerinnen die »richtigen« Entscheidungen einzuflüstern. So beschäftigen beispielsweise allein sieben Bankenverbände gut 300 Mitarbeiter in der Bundeshauptstadt.

»Politik ist nur der Spielraum,den die Wirtschaft ihr lässt.«

Dieter Hildebrandt

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Wer Lust hat auf konkrete Einblicke in den deutschen Politikalltag, sollte sich unbedingt den Blog des Bundestagsabgeordneten Marco Bülow anschauen: http://blog.marco-buelow.de.

Und wer sich gezielt über Lobbyismus informieren bzw. sich dagegen engagieren will: www.lobbycontrol.com.

Auch Transparency International ist eine wichtige Organisation, wenn es um Transparenz und Korruptionsbekämpfung geht.

Nach Legislative, Judikative und Exekutive gelten Presse/Medien und Lobbyismus als die vierte und fünfte Gewalt im Staat. Zu Recht. Denn beide üben direkten Einfluss aus. Die Medien auf die öffentliche Meinung, die Lobbyisten auf politische Entscheidungen. Und dazwischen? Wir. Die Konsumenten. Wähler. Endverbraucher. Eingeklemmt. Bezirzt. Ausgetrickst. Manipuliert. Verarscht. Aber: Unser Konsum gibt uns auch Macht. Denn auf kaum etwas reagieren Unternehmen so sensibel wie auf unseren Umgang mit dem Geldbeutel. Schließlich liegt es allein an uns, für welche Krankenkasse, Klamottenmarke, welchen Handy- und Internetanbieter, welches Duschgel und welchen Stromanbieter wir uns entscheiden. Kritisches Hinterfragen, Durch- und Überblick stärken diese Macht, weil wir sie dann gezielt einsetzen und schließlich unsererseits den Markt beeinflussen können. Aktive Konsumentenlobbyarbeit eben ...

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Wer weiß, dass er verarscht wird, hat die Freiheit gewonnen zu entscheiden, was er daraus macht. Und kann bequem überprüfen, wer uns verarscht und wer nicht, z. B. bei www.fairness-check.de.

»One person can make a difference,and everyone should try.«

»Schon ein Einzelner kann zur Veränderung beitragen,und jeder sollte es versuchen.«

John F. Kennedy

Unsere Vorfahren lebten in der Stein-, Bronze- oder Eisenzeit. Wir leben im Plastikzeitalter, auf dem Plastic Planet. Vom Schnuller und kunterbuntem Kindergeschirr über Zahnbürsten und Outdoorjacken bis hin zu Plastikflaschen, Plastiktüten und dem plastifizierten Verpackungswahn jedes erdenklichen Gegenstandes, ob in der Drogerie, Apotheke, Supermarkt, Kaufhaus oder Boutique. Nicht nur, dass wir uns damit zumüllen – schon jetzt ließe sich unsere Erde sechsmal in den Kunststoff einpacken, den wir seit 100 Jahren produziert haben –, wir muten auch der Umwelt extrem viel zu. Zu viel. Die Meere sind inzwischen so von der Plastikpest verseucht, dass einige Fischer mehr Plastikmüll als Fisch in ihren Netzen haben. Seevögel füttern ihre Jungen mit Plastikfetzen, die daran kläglich zugrunde gehen. Fische verwechseln Plastikpartikel mit Plankton und vergiften sich. Im nordöstlichen Pazifik treibt eine Plastikinsel, »The North Pacific Gyre« genannt, die jetzt schon achtmal so groß ist wie Deutschland. Und wächst. Und wächst. Und wächst. Derartige schwimmende Plastikmüllhalden entstehen in allen Weltmeeren – auch im Mittelmeer.

Plastik ist aber nicht nur eine Müllseuche, sondern zuallererst ein Ölprodukt. Die Ölmenge, die für die Produktion der nur in Deutschland jährlich verwendeten Plastikverpackungen benötigt wird, entspricht jener Menge Öl, die 2010 bei der Deepwater-Horizon-Katastrophe in den Golf von Mexiko geflossen ist.

Obendrein verursacht allein der Boom der Einwegplastik- respektive Polyethylenterephthalat (PET)-Flaschen zusätzliche CO2-Emissionen von 1,4 Millionen Tonnen. Pro Jahr. Tendenz steigend. Doch Einweg ist ein so herrliches Milliardengeschäft für die Verpackungsindustrie – in Deutschland werden jährlich zehn Milliarden PET-Flaschen verkauft –, dass die alles daransetzt und immer neue Marketingstrategien austüftelt, um es weiter voranzutreiben. Unterstützt wird sie in Sachen PET-Flaschen leider durch das gut gemeinte und im Hinblick auf sortenreines Recycling auch gut funktionierende Pfandsystem; denn viele Menschen, die ihr Wasser aus den ach so praktischen Plastikflaschen trinken, haben dabei sogar ein gutes Gewissen, schließlich werden die Flaschen ja, wenn sie zurückgegeben wurden, recycelt. Das stimmt. Zumindest teilweise. Allerdings machen insbesondere die Discounter, die voll und ganz auf Einweg setzen, damit gleich noch einmal einen Batzen Geld, indem sie die brav zurückgegebenen Einweg-PET-Flaschen an die Recyclingindustrie verkaufen. Und bei einer Rücklaufquote von erfreulichen 98,5 Prozent in Deutschland kommt da so manche Tonne Einwegplastik zusammen. Besonders hoch ist der Plastikbedarf in China, wo man aus unserem PET-Einwegplastik unter anderem Pullover, Trainingshosen und Jacken herstellt. Bei rund 16 Flaschen je Pullover rechnet sich das schnell ... Nur leider nicht für unsere Umwelt: Forscher warnen vor dem Mikroplastik, das bei jedem Waschen erst ins Abwasser, dann ins Meer und schließlich in die Nahrungskette gerät. Was nicht in Chinas Bekleidungsfabriken, auf asiatischen Deponien oder im Meer landet, wird zu minderwertigen Plastikprodukten verarbeitet.

Die Antwort auf meine Anfrage bei Netto, wie viele Einwegplastikflaschen monatlich zurückgegeben werden (durchschnittlich in Kilogramm):

Leider können wir Ihnen die gewünschten Informationen nicht zur Verfügung stellen, da unsere Daten ausschließlich für den internen Gebrauch bestimmt sind.Wir bitten um Verständnis.

Mit freundlichen GrüßenNetto Marken-Discount AG & Co. KGIndustriepark Ponholz 193142 Maxhütte-Haidhof

Und auch von Lidl kam außer der standardisierten Antwortmail des Kundenservice (Ihre Anfrage ist zur Bearbeitung bei uns eingegangen. Sie erhalten in Kürze eine Rückmeldung. Bis dahin bitten wir Sie noch um etwas Geduld.) keinerlei konkrete Reaktion. Geduld hin oder her ... Tja, man lässt sich eben nicht gerne in die Karten gucken. Zumal dieses Recyclingzusatzgeschäft den Preis für das Discounterwasser subventioniert, womit der fatale Kreislauf rund wäre: preiswertes Mineralwasser in Einweg-PET-Flaschen, höherer Absatz, mehr Einwegplastikflaschen, niedriger Preis, noch mehr Kunden, noch mehr Einwegplastik ... Inzwischen teilen sich Aldi und Lidl 50 Prozent des gesamten deutschen Mineralwasser-Marktes  – und der Mehrweganteil beim Mineralwasser ist in Deutschland auf traurige 36 Prozent gesunken.

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Die gute alte Glasflasche ist und bleibt die umweltschonendste Verpackungsform für Getränke.

Sie wird in Deutschland bereits zu 80 Prozent wiederverwertet, enthält weder giftige Rückstände noch Chemikalien und wird im Schnitt bis zu 70-mal verwendet, bis sie eines traurigen Tages zu Bruch geht.

Warum quälen wir uns eigentlich mit dieser ständigen Mineralwasser-Schlepperei?

Erstens sind die meisten sogenannten Mineralwässer kaum mehr als aufbereitetes Leitungswasser (z. B. Bonaqua) und eine Gelddruckmaschine für die Getränkeindustrie.

Zweitens wird ein großer Teil des bei uns verkauften Mineralwassers aufwendig, teuer, umweltfeindlich und nach Diesel stinkend über die Alpen oder quer durchs Land gekarrt, allen voran so beliebte Marken wie Evian, Volvic, Spa, Panna, San Pellegrino.

Drittens liegen etliche Studien vor, darunter auch vom Umweltbundesamt, die beweisen, dass deutsches Leitungswasser größtenteils sauberer und reiner ist als gekauftes Wasser. Warum sonst empfehlen Kinderärzte, Babynahrung lieber mit Leitungswasser anzurühren? Für die Bakteriophoben, Hypochonder und Paranoiker unter uns: Keine Abfüllanlage eines Mineralwasserherstellers wird so oft, so genau und so streng auf mögliche Verkeimung untersucht wie unser Trinkwasser. Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland.

Viertens ist gekauftes Mineralwasser reine Geldverschwendung. Es kostet etwa zehnmal so viel wie Wasser aus dem Hahn.

Und fünftens gibt es seit Jahrzehnten sogenannte Sodasprudler, mit denen man zu Hause bequem und viel preiswerter sein eigenes Getränk mit Blubber zubereiten kann. Ohne Geschleppe, Recycling, Umweltbelastung, Giftmüll. In Ländern wie Israel, die unter Wasserknappheit leiden, steht ein solcher Sprudler in fast jedem Haushalt.

Warum also lassen wir uns von der milliardenschweren Getränkeindustrie und Konzernen wie Nestlé (dem zahlreiche bekannte Mineralwassermarken gehören, z. B. San Pellegrino) und Coca-Cola (Bonaqua, Apollinaris, Vio etc.) derartig verarschen und verhelfen ihnen dabei auch noch zu Rekordgewinnen?

Geiz ist nicht nur geil, sondern auch giftig!

Ob den Kunden die Lust auf Discounterwasser verginge, wenn sie wüssten, dass das erfrischende Nass dank der Kunststoffumhüllung nicht nur mit Kohlensäure, sondern auch mit Giftstoffen angereichert ist? Denn Kunststoff ist porös. Und je billiger der Kunststoff, desto anfälliger ist er für Chemikalienübergänge: Das Plastik reagiert mit dem Füllgut. Sie brauchen einen Beweis? Befüllen Sie doch mal eine leere, ausgespülte Cola-Plastikflasche mit Mineralwasser. Sie werden merken: Das Material hat das Cola-Aroma schon so stark angenommen, dass auch das frisch eingefüllte Wasser nach kurzer Zeit wieder aromatisiert schmeckt ... Nicht umsonst ist ein Getränk in einer PET-Flasche deutlich kürzer haltbar als dasselbe Getränk in einer Glasflasche. Apropos Cola: Da Cola einen aggressiven pH-Wert hat, sind übrigens alle Cola-Dosen von innen beschichtet. Dumm nur, dass in dieser Beschichtung der Weichmacher Bisphenol A (BPA) steckt, ein gesundheitsschädliches Pseudohormon, vor dem nicht nur das Umweltbundesamt immer wieder warnt. Kein Wunder also, dass sich inzwischen auch die Coca-Cola-Company bemüht, ihr dunkelbraunes Urgestein der Erfrischungsgetränke modisch grün anzustreichen – mit der PlantBottle: 14 Prozent pflanzliche Rohstoffe, 35 Prozent recyceltes und 65 Prozent Neumaterial. »100 % recyclebar« –, um die ertragreiche Einwegverpackung schön salonfähig zu machen!

Doch zurück zu den herkömmlichen PET-Einwegflaschen ... Wenn der Kunststoff mit dem Sprudelwasser reagiert, gelangen nicht nur die Aromen in den Kunststoff, sondern auch chemische Substanzen aus dem Kunststoff in das Wasser, zum Beispiel das als krebserregend verdächtigte Schwermetall Antimonoxid sowie Acetaldehyd, eine Chemikalie, die sowohl den Geschmack von Getränken, insbesondere Wasser verdirbt, als auch unter dem Verdacht steht, ein Krebsgift zu sein. Und wir wundern uns über kontinuierlich steigende Krebsraten? ... Während hochwertigere PET-Mehrwegflaschen immerhin mit Acetaldehyd-Blockern versehen sind, müssen die billigen Einweg-PETs völlig ohne Schutzschicht auskommen, sodass die chemischen Stoffe freie Bahn haben. Vor allem von Flaschen, die länger in der Sonne gestanden haben, sollte der Durstige unbedingt den Mund lassen, denn je stärker der Licht- und Wärmeeinfluss, desto reger der Austausch mit den Chemikalien aus der Verpackung. Das gilt übrigens für alle Plastikverpackungen. Und wer weiß schon, wo sich die diversen Flaschen und Packungen auf dem Weg in den Laden überall aufgehalten haben? Man denke nur an einen sommerlichen Stau auf der Autobahn ... Ich habe aber auch schon Discounter gesehen, wo das mit Wasser oder Apfelschorle gefüllte Plastik in Fensternähe gestapelt wurde. Na dann, Prost ... Wer sich und der Umwelt einen Gefallen tun möchte, erfrische sich also lieber wieder mit gesunden Getränken aus der umweltfreundlichen Mehrwegglasflasche.

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Jede Einwegflasche mit Pfandpflicht ist mit dem Symbol der Deutschen Pfandsystem GmbH gekennzeichnet:

Eine Flasche mit dem Mehrweg-Symbol oder dem Schriftzug »Mehrweg« ist garantiert eine Mehrwegflasche.3

Abb 1

So geht Verpackungsindustrie heute: Wegwerfartikel mit ökologischem Touch

»Dass in Deutschland jährlich mehr als 100.000 Tonnen Kunststoff allein für Plastiktüten verschwendet werden, ist ein Skandal«, so der Geschäftsführer der Deutschen Umwelt Hilfe (DUH) Jürgen Resch. Ganz zu schweigen von dem sonstigen Plastikverpackungswahnsinn um uns herum. Haben Sie schon mal versucht, im Supermarkt plastikfrei einzukaufen? Gleich am Gemüsestand geht’s los: Dem verzehrfertigen, in Plastik abgepackten Salat aus dem offenen Kühlfach – man kann der Energie förmlich zusehen beim Verpuffen – entgehe ich, indem ich mich für einen ganzen Salatkopf entscheide. Die Möhren im Plastiksack müssen ebenfalls nicht sein, es gibt sie schließlich auch lose. Aber wie soll ich das Kilo loser Möhren transportieren? Einfach in den Einkaufswagen und dem Kassierer dann aufs Band legen? Na, der wird sich freuen beim Abwiegen ... Also doch den kleinen weißen Plastikbeutel am Gemüsestand? Okay, dann eben keine Möhren. Stattdessen steuere ich auf die Bio-Gurken zu. Die aber stecken in einem straffen Plastikmantel. Auch die Bio-Tomaten und die Bio-Äpfel sind mit Kunststoff umhüllt. So was Hirnrissiges ... Inzwischen kenne ich aber wenigstens die Begründung: Mithilfe der Plastikverpackung möchte man vermeiden, dass pfiffige Kunden sich die teurere Bio-Ware erschummeln; könnte ja einer auf die Idee kommen, eine Bio-Gurke als Billiggurke aufs Kassenband zu legen ...

Weiter geht’s zur Käsetheke: »Bitte 200 Gramm Appenzeller und ein Stück Brie.« Die Dame hinter der Theke greift freundlich lächelnd zu bereits vorportionierten, in Folie gehüllten Stückchen. »Oh, bitte ohne Folie.« Nicht mehr ganz so freundlich lächelnd werden mir zwei Käsestücke abgeschnitten. Und nun? Auf pure Folie verzichtet sie, aber das mit hauchdünner Folie kaschierte Einschlagpapier muss dann doch wohl sein, da ich ihr gerade keinen mitgebrachten Glasbehälter zur Verfügung stellen kann. Dass solche Verbundmaterialien wie das sogenannte Käsepapier nicht recycelt werden können, weiß ich leider noch nicht und lasse die Verkäuferin gewähren. Tatsächlich wäre es besser gewesen, ich hätte die schlichte durchsichtige Folie gewählt, denn die lässt sich, wenn sie in der Gelben Tonne gelandet ist, immerhin problemlos recyceln.

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Je dunkler, bunter oder kombinierter ein Kunststoff, desto geringer die Recyclingmöglichkeiten.

So werden von den in der Gelben Tonne landenden Kunststoffverpackungen im Schnitt nur 40 Prozent recycelt. Schwarzer Kunststoff wie bei Einwegkräuter- und Einwegblumentöpfen ist zum Beispiel gar nicht zu recyceln, sondern muss aussortiert und verbrannt werden. Auch Kunststoffzusätze wie Antistatika, Stabilisatoren und Gleitmittel schränken die Wiederverwertbarkeit stark ein.

Da ich bei meinem Probeeinkauf von all dem noch keine Ahnung habe, werden meine beiden Käsestücke in das »Käsepapier« eingewickelt, bevor mein Einkaufszettel mich zum Kühlregal mit den abgepackten Molkereiprodukten führt. Die Menge an verschiedenen Joghurtsorten und -marken – der Großteil davon in Plastikbechern – haut mich jedes Mal um. Dass man aus vielerlei Gründen die Finger von Müllermilch-Produkten lassen soll, war mir dank diverser Internetpublikationen bereits bekannt. Doch diesmal ist die Krönung eine »strategische Partnerschaft« zwischen dem internationalen Konzernriesen Danone und einer der größten Naturschutzorganisationen der Welt, dem WWF. Der vermeintlich große Umweltcoup: ein Joghurtbecher, der zu 98 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, genauer, aus maisbasierter Polymilchsäure (PLA) besteht. Allerdings sind nicht sämtliche Joghurtbecher der Firma Danone aus PLA, sondern nur die ACTIVIA-Becher. Nun könnte man denken: Besser als nichts. Aber das stimmt leider nicht. Denn nicht nur, dass nachwachsende Rohstoffe, ob Mais, Weizen oder Zuckerrohr, durch großflächigen Massenanbau, Überdüngung, Pestizid- und Herbizideinsatz sowie teils extrem weite Transportwege negative Umweltauswirkungen nach sich ziehen; der eigentliche Klopper ist, dass das sogenannte Bioplastik ein gravierendes Recyclingproblem hat. Doch von alledem ist selbstverständlich keine Rede, wenn die Kunststofflobby ihre »ressourcenschonenden und kompostierbaren« Einwegprodukte anpreist – am lautesten und schillerndsten natürlich dort, wo der potenzielle Absatz am größten ist. Und dazu gehören fraglos die Vereine der Fußballbundesliga. Allen voran Branchenprimus FC Bayern München, der das Mehrwegsystem in der Allianz-Arena prompt wieder abschaffte. Nun trinken die bis zu 70.000 Zuschauer je Veranstaltung also wieder aus Einwegbechern. Ex und hopp. Allein bei 15 Fußballspielen mit je 40.000 Zuschauern und einem Verbrauch von 1,5 Bechern (à 0,5 l) je Person kommt man auf einen unfassbaren Plastikmüllhaufen von knapp eine Million Bechern. Und das Saison für Saison. Stadion für Stadion. Die Strategie der Bioplastik-Industrie ist also voll aufgegangen. Günstige Wegwerfartikel mit grüner Weste. Wie verwaschen diese grüne Weste tatsächlich ist, haben die Deutsche Umwelt Hilfe (DUH) und das Bundesumweltamt unisono festgestellt. Von wegen »ressourcenschonend und kompostierbar«. Schließlich wird auch jeder Bioplastikbecher aufwendig hergestellt, nur um nach einmaligem Gebrauch wieder aufwendig entsorgt zu werden ... Hingegen wird jeder Mehrwegbecher in einem Fußballstadion mehr als einhundertmal wiederverwendet. Damit ließen sich laut DUH pro Saison der ersten und zweiten Bundesliga bis zu 17 Millionen Einwegbecher einsparen und deren CO2-Emissionen halbieren.

»Wenn umweltfreundliche Mehrwegvarianten durch grüngewaschene Einwegsysteme verdrängt werden, ist das besonders schmerzhaft«, sagt DUH-Abfallexperte Thomas Fischer.4 Denn was die »Kompostierbarkeit« (European Bioplastics) und das »hohe Recyclingpotenzial« (WWF) von Biokunststoff anbelangt, so handelt es sich bei diesen beiden wohlklingenden Argumenten um nichts anderes als um lupenreine Verbrauchertäuschung. Ob nun bewusst oder aus Unwissen, sei mal dahingestellt. Jedenfalls wird Bioplastik so gut wie nie recycelt oder kompostiert, sondern ohne Umwege als normaler Restmüll verbrannt. Kreislaufwirtschaft? Fehlanzeige. Der PLA-Becher von Danone zum Beispiel wäre nur unter folgenden Idealbedingungen biologisch abbaubar: Zunächst müsste er in den herkömmlichen Bioabfall eingearbeitet werden, bis er es schön kuschelig warm hat. 60 bis 70°C sollten es schon sein. Und wenn der anspruchsvolle Joghurtbecher aus Bioplastik dann noch mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit verwöhnt wird, setzt der Kompostierungsprozess auch brav ein, bis nur noch Wasser und CO2 übrig bleiben. Von Humussubstrat oder Nährstoffen übrigens keine Spur. Solche Idealbedingungen findet unser Bioplastikbecher aber weder im Stadtwald noch beim Kompostierer vor. Sprich, bis sich der Biokunststoff abgebaut hat, dauert es genauso lange, und das heißt sehr, sehr lange, wie bei einem Joghurtbecher aus Rohöl. Damit sind Einwegbecher aus Biokunststoff für jeden Hauskompost und jeden professionellen Kompostierer wertlos. Sie sind sogar unerwünscht. Denn im Gegensatz zu dem wählerischen Bioplastik, zersetzt sich normaler Bioabfall innerhalb von sechs Wochen. Deshalb müssen Biokunststoffe immer erst aufwendig aus dem Bioabfall herausgefischt werden, bevor dieser als Qualitätskompost auf den Markt gebracht werden darf.

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Bioplastik/PLA-Kunststoffe gehören nicht in die Braune Tonne.

Also gut, dann eben – trotz angepriesener Kompostierbarkeit – nicht in die Braune Tonne mit dem zukunftsweisenden ACTIVIA-Becher. Sondern? Laut WWF und Danone erfolgt die Entsorgung »wie bisher über den Gelben Sack«. Antwort des DUH-Abfallexperten: »Die Empfehlung der Hersteller, dieses Material in den Gelben Sack zu tun, kann man getrost in die Tonne kloppen.« Denn PLA wird von Infrarotscannern nicht als recycelbare Kunststofffraktion erkannt und für die Verbrennung aussortiert. Und gelangen doch mal PLA-Reste unter den herkömmlichen Kunststoff, löst sich das PLA bei der folgenden Heißwäsche auf. PLA ist eben nicht hitzebeständig und deshalb auch nur für Kaltgetränke oder -speisen wie ACTIVIA-Joghurt geeignet. Setzen sich diese gelösten Stoffe nun an das recycelfähige Material (Recyclat), wird es instabil und damit unbrauchbar. Um PLA zu recyceln, müsste es aber nicht nur sortenrein, sondern auch nach Herstellern sortiert werden. PLA ist nämlich nicht gleich PLA, weil jeder Hersteller andere Antistatika, Gleitmittel und Stabilisatoren beimischt. Eine solche Sortierung wäre folglich ein irrer, ökonomisch völlig schwachsinniger Aufwand.

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Bioplastik/PLA-Kunststoffe gehören auch nicht in die Gelbe Tonne.

Stattdessen werden PLA-Materialien inklusive der von Danone und WWF ausgerufenen »zukunftsträchtigen Alternative« wie normaler Restmüll behandelt – und verbrannt. (Bio-)Kunststoffe können allerdings nicht rückstandslos verbrannt werden. Zurück bleiben »künstliche Schadstoffsenken« (Schlacke). Ein fast euphemistischer Fachbegriff, hinter dem sich zum Teil hoch-gefährliche Stoffe wie Dioxine verbergen. Je nach Schadstoffgehalt wird die Schlacke für die Nachwelt unterirdisch deponiert – oder in Baustoffen wie Zement und Asphalt verarbeitet, damit auch wir später noch etwas davon haben ...

Summa summarum hat der WWF mit dieser »strategischen Unternehmenspartnerschaft« sicherlich einen lukrativen Deal gemacht – aber einmal mehr auf Kosten der eigenen Glaubwürdigkeit. 5 Denn bei der ACTIVIA-Verpackung ist nur die Farbe grün. Zumal jeder der vier einzelnen mit einer Pappbanderole verpackten ACTIVIA-Becher lediglich magere 115 Gramm enthält. Und das, obwohl gerade der WWF wissen sollte: je kleiner die Packung, desto schlechter das Verhältnis von Inhalt zu Verpackungsmenge.