Die Heilkraft des Waldes - Axel Gutjahr - E-Book

Die Heilkraft des Waldes E-Book

Axel Gutjahr

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Beschreibung

Die älteste Apotheke der Welt Eiche, Tanne, Weide, Rosskastanie: Seit Jahrhunderten sammeln Menschen in den Wäldern Blätter, Blüten, Früchte und Rinden, um Beschwerden zu lindern und Krankheiten zu heilen. Birkenblättertee wirkt hervorragend gegen Harnblasenentzündungen, ein Trunk mit Weißdorntinktur bringt bei Schlafstörungen Abhilfe, Fichtennadeln schmecken nicht nur wunderbar als Gelee, sondern bewähren sich auch bei Arthritis und Muskelschmerzen. Mit wertvollen und leicht auszuführenden Heilanwendungen, ausführlichen Informationen zu den einzelnen Gehölzen, zur Herstellung von Tees, Likören, Bädern, Salben und Cremes sowie überraschenden Rezeptideen.

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Seitenzahl: 126

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Wichtige Hinweise

Die Wissenschaft ist ständig im Fluss. Die vorliegenden Informationen beruhen auf gründlicher Recherche des Autors. Ziel des Buches ist es, die modernen Erkenntnisse der Ernährungsmedizin aufzuzeigen, wobei die Betreuung durch einen Therapeuten hiermit nicht ersetzt werden soll. Alle Empfehlungen und Informationen sind von Autor und Verlag sorgfältig geprüft, dennoch kann keine Garantie übernommen werden. Jegliche Haftung des Autors bzw. des Verlages und seiner Beauftragten für Gesundheitsschäden sowie Personen-, Sach- oder Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

Für die Angaben zu den aufgeführten Produkten kann weder seitens des Autors noch seitens des Verlages eine Gewähr übernommen werden. Der Leser sollte in jedem Fall seinen Therapeuten um Rat fragen, verordnete Medikamente nicht eigenmächtig absetzen und die Anwendung der hier genannten Präparate auf seinen speziellen Bedarfsfall vom betreuenden Therapeuten prüfen lassen.

Dieses ebook ist die digitale Umsetzung der Printausgabe, die unter demselben Titel bei Herbig erschienen ist. Da es bei ebooks aufgrund der variablen Leseeinstellungen keine Seitenzahlen gibt, können Seitenverweise der Printausgabe hier nicht verwendet werden. Statt dessen können Sie über die integrierte Volltextsuche alle Querverweise und inhaltlichen Bezüge schnell komfortabel herstellen.

Besuchen Sie uns im Internet unter:

www.herbig-verlag.de

© für die Originalausgabe und das eBook:

2014 F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München.

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel

Coverfoto: Shutterstock

Lektorat und Bildredaktion: Désirée Schoen

Satz und eBook-Produktion: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

www.Buch-Werkstatt.de

ISBN: 978-3-7766-8192-5

Inhalt

Vorwort

Der Wald – mehr als nur Holzlieferant und Wasserspeicher

Die Bedeutung von Gehölzen in der Heilkunde vergangener Jahrhunderte

Wichtige Anwendungen von Gehölzen in der Hausmedizin und Kosmetik

Tees und Teemischungen

Tinkturen

Liköre

Kompressen, Umschläge, Gesichtsmasken

Bäder

Ölauszüge

Salben und Cremes

Krankheiten und Beschwerden, bei denen Teile von Gehölzen helfen können

Appetitlosigkeit

Arthritis

Blähungen

Bluthochdruck

Bronchitis

Durchfall

Ekzeme

Entzündungen des Mund-Rachen-Hals-Raums

Erhöhte Blutzuckerwerte

Erkältungskrankheiten

Fieber

Furunkel

Fußpilz

Gicht

Hämorrhoidalleiden

Harnblasenentzündung

Hautausschläge

Ischialgie

Krampfadern und Venenentzündungen

Magenschleimhautentzündung

Migräne

Muskelzerrungen und Muskelkater

Neuralgie

Nierensteine und Nierenschwäche

Rheuma

Schlafstörungen

Sehnenscheidenentzündung

Sodbrennen

Sonnenbrand/leichte Verbrennungen

Verstopfung

Wechseljahresbeschwerden

Zahnfleischrandentzündungen

Waldgehölze von Birke bis Weißdorn

Birken

Heilrezepte mit Birke

Brombeere

Heilrezepte mit Brombeeren

Eichen

Heilrezepte mit Eiche

Fichte und Tanne

Heilrezepte mit Fichte und Tanne

Heidelbeere

Heilrezepte mit Heidelbeere

Hundsrose

Heilrezepte mit der Hundsrose

Linden

Heilrezepte mit Linden

Rosskastanie

Heilrezepte mit Rosskastanie

Weiden

Heilrezepte mit Weiden

Weißdorne

Heilrezepte mit Weißdorn

Übersicht der Heilrezepte

Gesunder Genuss – Der Wald in der Küche

Birkensaft-Frühlingscocktail

Brombeer-Smoothie

Brombeermarmelade mit Bananen

Eichelkaffee

Fichtengelee

Hagebuttenpunsch, alkoholfreier

Hagebutten-Rosen-Likör

Hagebuttensuppe

Heidelbeer-Quarkspeise

Heidelbeer-Shake

Honigersatz aus Fichtenspitzen

Lindenblütenlikör

Lindenblättersalat

Weißdorn-Apfel-Marmelade

Weißdornlikör

Über den Autor

Bildnachweis

Vorwort

Wenn von Heilmitteln die Rede ist, die in der Volksmedizin verwendet werden oder zum Inventar klassischer Hausapotheken gehören, denken viele Menschen sofort an getrocknete Kamillen-, Ringelblumen-, Huflattich- und Holunderblüten sowie an Hagebutten als Früchte der Hundsrose. Die beiden letztgenannten Heilmittel stammen von Gehölzen, die häufig in Parkanlagen, an Straßenrändern, auf Wiesen und Weiden sowie in Laub- und Mischwäldern wachsen.

Neben den Blüten beziehungsweise Früchten des Holunders und der Hundsrose kommen in den Wäldern noch weitere Gehölze vor, von denen sich Teile für medizinische und/oder kosmetische Zwecke verwenden lassen. Oftmals sind dabei die Grenzen zwischen den einzelnen Verwendungszwecken fließend.

In vielen Fällen werden die von den Gehölzen stammenden Teile vor der Verwendung noch veredelt, indem man diese beispielsweise in Salben, Tees, Tinkturen, Badezusätze, Öle und Umschläge integriert oder Liköre damit ansetzt.

Der Vorteil derartiger Heilmittel und Kosmetika liegt klar auf der Hand – sie bestehen entweder komplett oder zumindest zu einem hohen Anteil aus gänzlich naturbelassenen Ingredienzien. Gleichzeitig brauchen sich viele dieser Mittel aus der Hausapotheke hinsichtlich ihrer Wirkung nicht hinter synthetisch hergestellten Medikamenten »zu verstecken«. Im Gegenteil, oftmals lassen sich mit solchen Hausmitteln, die überdies zumeist problemlos vom Körper vertragen werden, sogar bessere Erfolge erzielen.

Die in diesem Buch vorgestellten Heilrezepte sind einfach herzustellen und decken die häufigsten Krankheiten und Beschwerden ab. Und dass sich Genuss und Gesundheit nicht ausschließen, beweisen die kulinarischen Rezepte am Ende des Buches.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, stets gute Gesundheit beziehungsweise rasche und nachhaltige Heilerfolge, wann immer Sie Mittel einsetzen, in denen die Heilkraft des Waldes enthalten ist.

Stadtroda, Januar 2014

Der Wald – mehr als nur Holzlieferant und Wasserspeicher

Wälder hatten schon vor Hunderttausenden von Jahren eine große Bedeutung für die Menschen und daran hat sich bis heute nichts geändert. So liefern sie uns nach wie vor Nahrung, Rohstoffe und Brennmaterial. Doch damit nicht genug. Seit uralten Zeiten sammeln die Menschen in den Wäldern auch Kräuter, Blätter, Blüten, Früchte und Rinden, welche sie zur Heilung von Krankheiten sowie zur Behandlung von Wunden nutzen. Dabei stammen die noch heute in der Volks- und Hausmedizin häufig verwendeten Blätter, Früchte und Rinden oftmals von Gehölzen, also von Bäumen und Sträuchern.

Wie sich Kräuter, Sträucher und Bäume unterscheiden

Der wesentliche Unterschied zwischen Sträuchern und Bäumen besteht darin, dass Letztere immer einen deutlich erkennbaren Stamm aufweisen. Allerdings gibt es auch Gehölzarten, stellvertretend sei der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) genannt, die sowohl eine strauch- als auch baumförmige Gestalt haben können.

Das wichtigste Kriterium, anhand dessen sich Bäume und Sträucher (also Gehölze) von den Kräutern abgrenzen lassen, sind ihre verholzten Zweige und Äste.

Das Sammeln der Blätter von Gehölzen sollte vorzugsweise vom Spätfrühling bis zum Frühsommer erfolgen. Während dieser Zeit sind die Blätter nicht nur jung und zart, sondern enthalten auch einen besonders hohen Anteil an medizinisch beziehungsweise kosmetisch wertvollen Inhaltsstoffen.

Ähnlich verhält es sich mit den Blüten. Nachdem sie komplett aufgeblüht sind, ist der beste Zeitpunkt für ihre Ernte.

Dagegen sollte man mit dem Pflücken von Früchten, wie etwa Hagebutten oder Ebereschenbeeren, immer so lange warten, bis diese die Vollreife erreicht haben. Die Früchte weisen dann nicht nur einen besonders hohen Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen auf, sondern haben zu diesem Zeitpunkt auch den besten Geschmack.

Zum Therapieren mancher Erkrankungen kommen auch Rinden zum Einsatz. Rein botanisch handelt es sich bei der Rinde um alle Pflanzenteile, die sich außerhalb des Zentralzylinders eines Gehölzes (d.h. des innersten Teils von Sprossachse und Wurzeln) befinden. Dagegen versteht man sowohl umgangssprachlich als auch in der Volksmedizin unter Rinde das korkähnliche Abschlussgewebe, welches botanisch als Borke bezeichnet wird und die Stämme, Äste sowie Zweige ummantelt. Als Sammelgut eignet sich die Borke von Zweigen und jungen Ästen wesentlich besser als diejenige, die sich an alten Baumstämmen befindet.

2 Schon ein Spaziergang im Wald kann Medizin sein.

Man findet im Wald aber nicht nur zahlreiche Pflanzen, die bei körperlichen Erkrankungen und Gebrechen helfen, sondern dieser kann auch sehr positiv auf die Psyche wirken. So tragen unter anderem die schöne Natur, die weitgehende Ruhe, die oft nur von Vogelgezwitscher oder dem Trommeln eines Spechts unterbrochen wird, und die gesunde Luft zur Stressreduktion bei. An warmen Sommertagen spendet der Wald angenehmen Schatten und außerdem ist an vielen Stellen eine wohltuende Kühle vorhanden, die belebend und erfrischend auf den Körper wirkt.

Auch im Herbst und Winter lädt der Wald zu reizvollen Spaziergängen ein. Schon die Bewegung in der klaren Herbst- und Winterluft wirkt sich förderlich auf Körper und Kreislauf aus. Gleichzeitig lässt sich der Wald auch zu diesen Jahreszeiten mit allen Sinnen genießen.

Für dieses bewusste Genießen der Schönheit der Natur sollte man sich möglichst viel Zeit nehmen. Das ist »indirekte« Medizin, die nichts kostet und nicht einmal bitter schmeckt. Sie hilft uns aber zu entspannen und lässt Körper und Geist neue Energie tanken.

Die Bedeutung von Gehölzen in der Heilkunde vergangener Jahrhunderte

Zahlreiche Baum- und Straucharten, die im Wald vorkommen, spielten in der Religion früherer Völker, wie etwa der Germanen, Kelten, Slawen, Griechen und Römer, eine wichtige Rolle. So galten viele Bäume als Sitze oder zumindest als Symbole von Göttern und Geistern. Beispielsweise verehrten die alten Griechen die Linde als den Baum der Liebesgöttin Aphrodite, während die Germanen sie der Göttin Freya geweiht hatten. Ähnlich verhielt es sich mit der auch als Vogelbeere bezeichneten Eberesche, welche die Germanen als einen heiligen Baum ihres Kriegsgottes Thor ansahen.

Bei fast allen alten Völkern bestanden die Aufgaben der Priester, Druiden und Schamanen auch darin, neben der Durchführung religiöser Kulthandlungen auch Krankheiten zu behandeln. Dabei wurden oftmals nicht nur die Götter oder Geister mit Zaubersprüchen und Gebeten um Hilfe angerufen, sondern auch Pflanzen mit zur Therapie eingesetzt. Weil die Priester, Druiden und Schamanen jedoch anfangs nur sehr geringe medizinische oder pharmazeutische Kenntnisse besaßen, setzten sie einen Großteil der Pflanzen lediglich nach Gutdünken ein. Verständlicherweise führten derartige Behandlungsmethoden oftmals nicht zu den erhofften Erfolgen. Gleichzeitig registrierte man aber auch, mit welchen Pflanzen sich die einzelnen Krankheiten vorteilhaft behandeln ließen. Diese Pflanzen wurden in der Folgezeit nicht nur häufiger genutzt, sondern das dabei erworbene Wissen auch an die nachfolgenden Generationen weitergegeben.

In der griechischen Antike entwickelte sich allmählich die Berufskaste der Ärzte. Diese nutzten vielfach die bekannten Heilkräfte der Pflanzen zur Behandlung von Erkrankungen. Beispielsweise ist aus den Überlieferungen des im 4.Jahrhundert vor Christus lebenden Theophrastos von Eresos bekannt, dass dieser zur Senkung von Fieber bereits die Rinde von Weiden empfahl. Auch die mittelalterlichen Ärzte Paracelsus und Hieronymus Bock schätzten Weidenrinde sehr. In ihren Aufzeichnungen findet man Hinweise, dass sie diese ebenfalls als fiebersenkendes Mittel sowie bei der Behandlung von Warzen und Hühneraugen einsetzten.

Eichenrinde gehört seit mehr als 2000Jahren zu den erprobten Heilmitteln. Unter anderen empfahl Dioscurides, der nicht nur zu den berühmtesten Pharmakologen des Altertums zählt, sondern als Militärarzt auch den römischen Kaisern Claudius und Nero diente, die äußerliche Anwendung von Eichenrinde. Des Weiteren wird in den Schriften von Dioscurides, genau wie in denen von Plinius, die Hundsrose als ein Heilmittel erwähnt, das zum Therapieren verschiedener Leiden zum Einsatz kam. Auch in der alten arabischen Medizin kamen unterschiedliche Rosenarten sehr häufig zur Anwendung. Ebenso findet man in mittelalterlichen Kräuterbüchern zahlreiche Passagen, die bei Augenerkrankungen Rosenwasser empfehlen.

Die Äbtissin Hildegard von Bingen, die von 1089 – 1179 lebte und als eine der berühmtesten Heilkundigen ihrer Zeit galt, setzte unter anderem die Heidelbeere bei ihren Behandlungen ein. Hinweise zur Verwendung dieser Pflanze sind auch im »Kreütterbuch« von Hieronymus Bock enthalten, das empfiehlt, diese Früchte bei Magenerkrankungen und Lungenbeschwerden zu verabreichen.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand war Jacob Theodor, genannt Tabernaemontanus, einer der Ersten, der in seinen spätmittelalterlichen Aufzeichnungen rät, Lindenblüten gegen Bauchschmerzen und Darmerkrankungen einzusetzen.

In den Kräuterbüchern des Mittelalters fand auch die Fichte viel Beachtung, wenngleich die daraus hergestellten Heilmittel und Anwendungen aus heutiger Sicht nicht sonderlich Erfolg versprechend waren. So versuchte man beispielsweise mit dem Sud von gekochten Fichtenzapfen Warzen zu beseitigen und mit Fichtenharz Steinleiden, Hüftschmerzen und Wunden zu kurieren. Wesentlich fundierter sind dagegen schon die Ratschläge des Pfarrers Sebastian Kneipp (1821 – 1897), der als Hydrotherapeut wirkte. Er empfahl, Tee aus den Knospen von Tannen als Mittel gegen Husten sowie bei Verschleimungen der Lunge. Kneipp bediente sich auch der Eichenrinde, deren Extrakt er beispielsweise für Sitzbäder anwendete. Ebenso schätzte Kneipp die Hagebutten, die Früchte der Hundsrose, sehr.

Nicht alle Gehölze, von denen in der gegenwärtigen Volksmedizin Pflanzenteile zum Einsatz kommen, weisen als Heilmittel eine jahrhundertealte Tradition auf. Zu den in der Volksmedizin noch relativ jungen Gehölzen gehört beispielsweise der Weißdorn. Allerdings hat man dessen Früchte in früheren Jahrhunderten oft unbewusst als vorbeugendes Heilmittel eingesetzt, denn sie galten als »Arme-Leute-Obst«. In Notzeiten stellte man aus ihnen oft ein marmeladenähnliches Mus her. Gelegentlich wurden die Weißdornfrüchte auch getrocknet und anschließend zum Strecken von Mehl verwendet.

Wichtige Anwendungen von Gehölzen in der Hausmedizin und Kosmetik

Tees und Teemischungen

Ganz streng genommen, handelt es sich nur bei der Flüssigkeit um Tee, die entsteht, wenn mit heißem Wasser die frischen oder getrockneten Blätter des Teestrauchs (Camellia sinensis) übergossen werden. Gibt man stattdessen heißes Wasser beispielsweise über Birkenblätter, erhält man einen Aufguss. Allerdings hat sich nicht nur umgangssprachlich, sondern auch auf den entsprechenden Verpackungen von Apotheken und Supermärkten durchgesetzt, die Kräuter für derartige Aufgüsse ebenfalls als Tees zu bezeichnen. Deshalb möchte auch dieses Buch daran festhalten.

Bei den Tees wird zwischen Sorten unterschieden, die aus einer oder mehreren Komponenten bestehen. Ein Beispiel für eine Teesorte aus einer Komponente wäre der reine Lindenblütentee. Fügt man dagegen beispielsweise als Komponenten 20g Zitronenmelisseblätter, 20g Brombeerblätter und 15g Lavendelblüten zusammen, entsteht eine Teemischung, die sich als Mittel gegen nervöse Erschöpfungen, allgemeine Schwächezustände und Müdigkeit bewährt hat.

Vorzugsweise sollte man immer bestrebt sein, Tees oder Teemischungen aus Bestandteilen herzustellen, die erst kurz zuvor gepflückt wurden. Allerdings ist das bei vielen Pflanzen nur im Frühjahr und/oder Sommer möglich. Um aber auch während der kalten Jahreszeit stets über einen genügend großen Teevorrat zu verfügen, ist es deshalb oft unumgänglich, die betreffenden Blüten, Blätter und Früchte zu konservieren. Eine der bekanntesten Formen der Konservierung ist die Trocknung. Zu diesem Zweck breitet man das Sammelgut in sehr dünnen Schichten auf einem Gazerahmen aus. Durch diesen gelangt die Luft gleichmäßig von allen Seiten an das Sammelgut, wodurch der Trocknungsprozess beschleunigt wird. Eine schnelle Trocknung ist wichtig, um die Verluste an ätherischen Ölen im Sammelgut so gering wie möglich zu halten. Während der Trocknung platziert man den Gazerahmen am besten an einem schattigen Ort, an dem die Umgebungstemperatur 22 – 35°C beträgt. Falls kein Gazerahmen zur Verfügung steht, kann das Sammelgut zum Trocknen auch auf Butterbrotpapier ausgebreitet werden. Nachdem es völlig trocken ist, gibt man es in verschließbare Gefäße aus Keramik, Steingut oder Glas und versieht diese mit einem kleinen Etikett. Die anschließende Aufbewahrung dieser Gefäße sollte vorzugsweise in einem trockenen, kühlen dunklen Raum erfolgen.

Manche Tees beziehungsweise Teemischungen lassen sich auch gut im frischen Zustand einfrieren. Dabei hat es sich als günstig erwiesen, das Sammelgut in bedarfsgerechte Portionen zu teilen und diese entweder in Gefrierfolie einzuwickeln oder in kleine Gefrierbeutel zu geben. Die eingefrorenen Teeportionen braucht man bei der späteren Verwendung nicht erst aufzutauen, sondern kann sofort kochendes Wasser darübergießen. Diese Zubereitungsvariante birgt zwei Vorteile: Durch den Verzicht auf die Auftauphase gehen zum einen keine weiteren ätherischen Öle sowie Aromen verloren und zum anderen ist der frisch zubereitete Tee nicht ganz so heiß und kann deshalb eher getrunken werden.

Tinkturen

Zu den Heilmitteln, die des Öfteren für die Hausapotheke selbst hergestellt werden, gehören auch Tinkturen. Dabei handelt es sich um flüssige Auszüge, deren Herstellung aus getrockneten oder frischen Pflanzenteilen erfolgt. Als Extraktionsmittel nutzt man vorzugsweise Ethanol, auch als Ethylalkohol oder umgangssprachlich nur als Alkohol bezeichnet.

Dient zur Herstellung nur eine Pflanzenart als Ausgangstoff, spricht man von einer einfachen Tinktur, deren wissenschaftlicher Fachbegriff »Tinctura simplex« lautet. Werden dagegen zwei oder mehr Ausgangsstoffe verwendet, handelt es sich um eine zusammengesetzte Tinktur, wissenschaftlich als »Tinctura composita« bezeichnet.

Falls man kein höherprozentiges Ethanol verwenden möchte, lässt sich eine Tinktur auch mit einem klaren, nicht aromatisierten Schnaps wie etwa Doppelkorn oder Wodka herstellen. Allerdings sollte man dann beachten, dass bei Verwendung von frischen, saftigen Pflanzenteilen der Alkoholgehalt in der Tinktur stark sinkt und diese deshalb nicht allzu lange Zeit haltbar ist.

Das Ansetzen einer Tinktur geht denkbar einfach vonstatten: Man benötigt nur ein Glas mit Schraubdeckel, in welches die sauberen Pflanzenteile gegeben werden. Anschließend füllt man das Glas bis knapp unter den Rand mit dem Ethanol, schraubt den Deckel darauf und stellt es an einen warmen Ort. Nach 2 – 8