Die Hermeneutik des Nichtcessationismus - Robert L. Thomas - E-Book

Die Hermeneutik des Nichtcessationismus E-Book

Robert L. Thomas

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Beschreibung

Verfügen biblische Texte über einen eindeutigen Wortsinn (Literalsinn)? Reformatoren und klassische Evangelikale beantworteten diese Frage mit einem klaren Ja. Neue exegetische Modelle indessen haben diesen Grundsatz in den letzten Jahrzehnten erschüttert und werden heute unter anderem von Charismatikern in der Debatte um den Cessationismus (Aufhören der spektakulären Geistesgaben) benutzt, um die Relativierung und Umdeutung des Literalsinns voranzutreiben. Professor Robert L. Thomas setzt sich in dieser Schrift mit neueren hermeneutischen Konzepten auseinander und legt eine fundierte Kritik dieser hermeneutischen Zugänge vor. Dr. Wolfgang Nestvogel: "Wenn die Übersetzung ins Deutsche auch eine Dekade lang auf sich warten ließ, ist ihre Lektüre heute wichtiger denn je!"

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Seitenzahl: 66

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Die Hermeneutik des Nichtcessationismus

Professor Robert L. Thomas

distomos Publikation ΔΣ

Impressum

© 2015 Folgen Verlag, Wensin

Autor: Robert L. Thomas

Umschlaggestaltung: Druckmaxx

Foto: Shutterstock

ISBN: 978-3-95893-008-7

Verlags-Seite: www.folgenverlag.de

Kontakt: [email protected]

Originaltitel: Robert L. Thomas:

The Hermeneutics of Noncessationism

Erschienen in: The Master’s Seminary Journal, Band 14, Nr.2, 2003, S. 287-310.

Verwendete Bibelübersetzung

Bibeltext der Schlachter

Copyright © 2000

Genfer Bibelgesellschaft

Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung

Alle Rechte vorbehalten

Die Print-Ausgabe dieses eBooks ist im Verlag distomos Publikation, Höfen, erschienen und ist unter http://d-publikation.de/ erhältlich.

Die Formulierung von Auslegungsprinzipien für das Buch Gottes, welche sich als absurd heraus-stellen, wenn man diese an andere Schriften an-legt, ist eine ungeheuerliche Torheit: solches hat einen Anschein von Genauigkeit, aber es führt unvermeidlich zu Verwirrung. Charles Spurgeon

Inhalt

Begriffe

Über den Autor

Vorwort

Die Hermeneutik des Nichtcessationismus

(1) Die narrativbasierte Auslegung

(2) Die gemeinschaftsbasierte Interpretation

(3) Traditionsbasierte Auslegung

(4) Die vermittelnde Auslegung

Praktische Resultate des Nichtcessationismus

Anmerkungen

Begriffe

Agnostisch

den Agnostizismus betreffend. Der Agnostizismus ist die philosophische Auffassung, dass der Mensch nicht wissen kann, ob Gott existiert oder nicht.

Cessationismus

die Lehre vom Aufhören der Inspirationsgaben (Prophetie, Zungenreden, Worte der Erkenntnis) und Wundergaben (Krankenheilung, Wirkungen von Wunderkräften). Der Cessationismus lehrt nicht, dass alle Geistesgaben aufgehört haben, sondern lediglich die Inspirations- und Wundergaben.

Charisma

Geistesgabe (pl. Charismata: Geistesgaben)

Dehistorisierend

sich von der Geschichte lösend

Dekonstruktivismus

Hinterfragen oder Infragestellen von Bedeutungsinhalten oder Erkenntnissen

Didaktisch

lehrhaft, zur Belehrung geeignet

Dritte Welle

Charismatische Bewegung seit den 1970er Jahren, welche Zeichen und Wunder als wichtigstes Mittel der Evangeliumsverkündigung betrachtet (Hauptvertreter: John Wimber, C. Peter Wagner).

Eschatologie

Lehre von den letzten Dingen (Vollendung der Schöpfung)

Grammatikalisch-historische Methode

Methode der Bibelauslegung, die den hebräischen und griechischen Grundtext der Bibel analysiert, die betreffende Text-stelle in die historische Umwelt einordnet und die theologischen Aussagen in einen gesamtbiblischen Kontext einordnet.

Hermeneutik

Wissenschaft und Kunst der Auslegung von Texten (Bibel)

Narrativbasierte Auslegung

Auslegung von erzählenden (= narrativen) Texten wie bspw. der Apostelgeschichte

Nichtcessationismus

Der Nichtcessationismus, der von Pfingstlern und

Charismatikern vertreten wird, lehrt, dass die Inspirations- und Wundergaben heute nicht nur Gültigkeit haben, sondern auch von den Gläubigen angestrebt werden sollten.

Pneumatologie

Lehre vom Heiligen Geist

Positivismus

Philosophie, die die Erkenntnis auf positive Befunde beschränkt.

Postmodernismus

Die Postmoderne ist von einem Pluralismus charakterisiert, der absolute Maßstäbe ablehnt.

Poststrukturalismus

Philosophische Methode, die normative Prinzipien oder starre, abstrakte Gesetze in Frage stellt.

Prämisse

Voraussetzung oder Annahme

Prototypisch

erstmalig, urbildlich

Redaktionskritik

Redaktionskritik (oder Redaktionsgeschichte) ist eine exegetische Methode biblischer Texte, welche die Frage stellt, wie der Verfasser Texte kombiniert hat und welche inhaltlichen Ziele er damit verfolgte.

Revisionismus

die erneute Überprüfung bereits anerkannter Erkenntnisse

Schottische Philosophie des gesunden Menschenverstandes

Die Vertreter der so genannten „Schottischen Schule“ des 18. Jahrhunderts wollten den direkt von Gott verliehenen gesunden Menschenverstand (common sense) wiederherstellen; Theologen wollten mit ihm ihre Religion gegen den Skeptizismus verteidigen.

Subapostolische Zeit

Die Übergangsphase, in welcher die von Jesus berufenen 12 Apostel allmählich verstarben.

Subjektivismus

Subjektivismus ist die philosophische Anschauung, wonach alle Erkenntnis nur durch das Subjekt, d. h. den einzelnen Menschen, bestimmt wird.

Tabula rasa

die „unbeschriebene Tafel“, das „unbeschriebene Blatt“ – hier: vorurteilsfrei

Vorverständnis

von vorneherein vorhandene Annahme einer Person

Über den Autor

Robert L. Thomas, emeritierter Professor für Neues Testament, lehrte von 1987 – 2008 am The Master’s Seminary, das 1986 unter maßgeblicher Mitwirkung von Dr. John MacArthur gegründet wurde. In den Jahren 1990 – 2008 war Robert L. Thomas Chefredakteur der theologischen Fachzeitschrift The Master’s Seminary Journal. Professor Robert Thomas ist Autor der Bücher Understanding Spiritual Gifts: A Verse-by-Verse Study of 1 Corinthians 12-14, Revelation: Exe-getical Commantary und Charts of the Gospel and Life of Christ. Er ist verheiratet und hat fünf Kinder. Seit 2009 ist Professor Thomas im Ruhestand und lebt in Stanton, California.

Vorwort

Können wir eindeutig verstehen, was die Bibel wirklich meint? Die Reformatoren jedenfalls waren davon überzeugt und haben im Vertrauen auf den eindeutigen Wortsinn (Literalsinn) der biblischen Texte die theologische Welt aus den Angeln gehoben. Ihre Treue zum Wortsinn der Heiligen Schrift war auch das Kennzeichen der klassischen Evangelikalen, die sich deshalb als »bibeltreu« definierten.

Robert L. Thomas, emeritierter Professor für Neues Testament am Master’s Seminary, gehört zu den aktuellen Vertretern dieser Spezies. Deshalb setzt er sich in dieser engagierten Schrift mit einer Entwicklung auseinander, welche die Fundamente der evangelikalen Hermeneutik seit Jahren zu unterhöhlen droht – der Aushebelung, Relativierung und Umdeutung des Literalsinns!

In einem bereits 2003 veröffentlichten Artikel zeigt Thomas, wie neuere hermeneutische Konzepte die Debatte um den »Cessationismus« (Lehre vom Aufhören der spektakulären Geistesgaben) verändert haben. Pfingstler und Charismatiker berufen sich für ihre Positionen nun nicht mehr nur auf die eigenen Erfahrungen. Stattdessen »benutzen« sie exegetische Modelle wie narrativbasierte, gemeinschaftsbasierte, traditionsbasierte und vermittelnde Auslegung, um die (Um-)Deutung der biblischen Texte im Sinne ihrer fragwürdigen Lehren zu rechtfertigen.

Der vorliegende Aufsatz bietet eine kurzgefasste und dennoch solide belegte Darstellung und Kritik dieser vermeintlich neuen hermeneutischen Zugänge. Er hilft deshalb nicht nur zum besseren Verständnis der Cessationismus-Debatte, sondern er schärft darüber hinaus den Blick für das Vordringen bibelkritischer Tendenzen, die den Evangelikalismus im großen Stil verändert haben. Wer dieser Entwicklung widerstehen will, findet dafür bei Thomas überzeugende Argumente und einen engagierten Bundesgenossen. Wenn die Übersetzung ins Deutsche auch eine Dekade lang auf sich warten ließ, ist ihre Lektüre heute wichtiger denn je!

Dr. Wolfgang Nestvogel

Die Hermeneutik des Nichtcessationismus

The Master’s Seminary ist nichtcessationistisch, was die Gabe der Lehre, die Gabe der Hilfeleistung und der Leitung angeht, aber es ist cessationistisch in Bezug auf die Gaben der Offenbarungen (Prophetie, Wort der Erkenntnis) und Wunderwirkungen (Zeichen, Heilungen). Die jüngsten Veränderungen auf dem Gebiet der biblischen Hermeneutik im Evangelikalismus, welche von einem theologischen Veränderungsprozess im Evangelikalismus als Ganzem begleitet waren, haben es den Nichtcessationisten ermöglicht, ihre Positionen in einer neuen Weise zu verteidigen. Der neue hermeneutische Subjektivismus eröffnet den Vertretern der Kontinuität der Geistesgaben Möglichkeiten, die für sie nicht verfügbar wären, wenn sie der Tradition der grammatikalisch-historischen Methode der Interpretation folgen würden. An vier Beispielen wird diese Verwendung einer revisionistischen Hermeneutik deutlich.

(1) Die narrativbasierte Auslegung (narrative-based interpretation) bezieht ihre Argumente aus der evangelikalen Redaktionskritik und deren Theorie, dass die narrativen Bücher der Bibel genauso effizient Lehre vermitteln wie die lehrhaften Teile. Diese Theorie wurde eindeutig widerlegt.

(2) Die gemeinschaftsbasierte Auslegung (community-based interpretation) sieht die gegenwärtige christliche Gemeinschaft als unerlässlich an, um einem biblischen Text eine Bedeutung zu geben. Auch dies widerspricht der grammatikalisch-historischen Methode.

(3) Traditionsbasierte Auslegung (tradition-based interpretation) ermöglicht es dem Ausleger, den eigenen Hintergrund oder die eigenen Glaubensüberzeugungen in einen biblischen Schriftabschnitt hineinzulesen; die Schwierigkeiten einer Festlegung der Grenzen dieser Tradition machen jedoch den extremen Subjektivismus offensichtlich, zu welchem eine solche Methode führt.

(4) Die vermittelnde Auslegung (mediating-based interpretation) setzt die Existenz einer gemeinsamen Grundlage zwischen Cessationisten und Nichtcessationisten voraus und verändert die traditionellen hermeneutischen Prinzipien derart, dass sie ihrem eigenen Vorverständnis gerecht werden.

Alle vier Auslegungsmethoden veranschaulichen die zunehmende Unübersichtlichkeit der nichtcessationistischen Hermeneutik, die einen Angriff auf die grammatikalisch-historische Hermeneutik darstellt.

Diese Definition von Cessationismus, wie sie The Master’s Seminary (TMS) vertritt, stellt einen guten Ausgangspunkt für die folgenden Erörterungen dar. Das offizielle »Glaubensbekenntnis« von TMS hinsichtlich dieses Themas lautet wie folgt:

»Wir lehren, dass der Heilige Geist seiner Gemeinde geistliche Gaben zuteilt. Der Heilige Geist verherrlicht weder sich selbst noch seine Gaben durch Zurschaustellung von Demonstrationen, sondern er verherrlicht Christus, indem er sein erlösendes Werk an den Unerretteten wirksam macht und die Gläubigen in ihrem allerheiligsten Glauben auferbaut (Jo 16,13, 14; Apg 1,8; 1Kor 12,4-11; 2Kor 3,18).

Hierzu lehren wir, dass Gott, der Heilige Geist, alle seine Gaben souverän zuteilt, um die Heiligen von heute zu vervollkommnen; die Zungenrede und das Wirken von Wundern in den ersten Tagen der Gemeinde wurden zu dem Zweck gegeben, um auf die Apostel als Träger der Offenbarung göttlicher Wahrheit hinzuweisen und diese zu bestätigen; sie waren nie dazu bestimmt, ein charakteristisches Zeichen im Leben des Gläubigen zu sein (1Kor 12,4-11; 13,8-10; 2Kor 12,12; Eph 4,7-12; Hebr 2,1-4).«

Diese Worte bringen zum Ausdruck, dass TMS eine nichtcessationistische Institution ist, was einige der Gaben wie die Gabe der Lehre, Hilfeleistung und Leitung (1Kor 12,28) angeht, aber cessationistisch, was andere Gaben wie Wunderwirkungen, Heilungen und die Zungenrede betrifft (1Kor 12,28-30). Die Gabe des Apostelamtes (1Kor 12,28-29) war nur solange wirksam, wie die Zeugen von Christi Fleischwerdung und Auferstehung lebten. Dann endete diese Gabe ebenso wie die Offenbarungs- und Wundergaben, deren Zweck es war, die göttliche Offenbarung [das Neue Testament] durch die Offenbarungsgaben zu bestätigen. Die übrigen Gaben dauern an und leisten einen wichtigen Beitrag für das Wachstum des Leibes Christi.

Wandel der Hermeneutik und deren Auswirkung auf den Nichtcessationismus

In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten hat der Evangelikalismus einen dramatischen Wandel erfahren, der nicht immer wahrgenommen wurde. David F. Wells hat hierzu ausführlich in seinem »Vorwort« zu The Eclipse of the Reformation in the Evangelical Church1 Stellung bezogen ebenso wie Iain H. Murray in seinem Buch Evangelicalism Divided: A Record of Crucial Change in the Years 1950 to 2000.2 Mit dem Wandel im Evangelikalismus gingen Umwälzungen in der biblischen Hermeneutik im Evangelikalismus einher; es gilt noch zu klären, ob der Wandel im Evangelikalismus die Folge oder die Ursache für diese Entwicklung war. Wie auch immer die Beziehung dieser zwei Ebenen des Wandels zu bestimmen ist, beide gingen Hand in Hand und haben zu einer grundlegenden Veränderung der evangelikalen Landschaft geführt.3

Der Nichtcessationismus bestand natürlich bereits, bevor die oben erwähnten vier hermeneutischen Konzepte im Evangelikalismus entwickelt wurden,4 doch die Begründung des Nichtcessationismus blieb vom neuerlichen Wandel der Hermeneutik nicht unberührt. Anfänglich verteidigten die Charismatiker die Ausübung vermeintlicher Gaben wie Zungenreden und Prophetie alleine auf der Grundlage der Erfahrung;5 heute jedoch beruft sich ihre Argumentation für die Ausübung solcher Gaben in vielen Fällen auf eine »biblische« Auslegung. Dieser Wandel wurde durch die Einführung neuer Interpretationsmethoden im Evangelikalismus ermöglicht.

Welche hermeneutischen Veränderungen haben dazu geführt? In erster Linie handelt es sich um die Einführung eines neuen ersten Schrittes im Prozess der Interpretation, der als »Vorverständnis« bezeichnet wird. Indem man in der Auslegungspraxis damit beginnt, sich das Vorverständnis des Auslegers und dessen Erwartung an einen zu untersuchenden Schriftabschnitt bewusst zu eigen zu machen, hat sich die evangelikale Hermeneutik in einer sehr subtilen Weise von einer objektiven Methode, welche einen Schriftabschnitt für sich selbst sprechen lässt, in eine subjektive Vorgehensweise gewandelt; diese erlaubt es dem Ausleger, seine von ihm bevorzugte Bedeutung in einen Abschnitt der Schrift hineinzulesen. Offensichtlich führt diese Verschiebung dazu, dass der Text nicht mehr für sich selbst spricht, sondern dass es zu einer hermeneutischen Praxis kommt, die sich von den Vorstellungen des jeweiligen Auslegers leiten lässt.

Nichtcessationisten sowie andere angrenzende evangelikale Gruppierungen, welche ihre Lehrsysteme mit der Bibel nicht eindeutig begründen konnten, haben sich diesen neuen hermeneutischen Subjektivismus zu eigen gemacht und präsentieren erstmalig eine vermeintlich biblische Argumentation für ihre Glaubensüberzeugungen. Aus diesem Grunde konnte eine neue Vielfalt an »ismen« wie der Nichtcessationismus unter Evangelikalen aufblühen. Sich mit diesen neuen »ismen« auseinanderzusetzen, erweist sich als schwierig, denn den Evangelikalen gelang es bis jetzt nicht, die Wurzel dieser Verirrungen zu ermitteln: der Wandel der Methode der Auslegung.6

The Master’s Seminary vertritt die traditionelle grammatikalisch-historische Hermeneutik, wie aus dem Glaubensbekenntnis des Seminars klar hervorgeht:

»Wir lehren, dass es nur eine wahre Auslegung einer Schriftstelle gibt, wenngleich mehrere Anwendungen möglich sind. Die Bedeutung einer Schriftstelle kann nur erschlossen werden, wenn man die wörtliche, grammatikalisch-historische Methode der Auslegung unter der Erleuchtung des Heiligen Geistes gewissenhaft anwendet (Jo 7,17; 16,12-15; 1Kor 2,7-15; 1Jo 2,20). Es obliegt der Verantwortung des Gläubigen, den wahren Inhalt und die wahre Bedeutung einer Schriftstelle sorgfältig zu ermitteln. Der Gläubige bejaht die Tatsache, dass jede Generation an eine korrekte Handhabung der Schrift gebunden ist. Die Wahrheit der Schrift steht über den Menschen; niemals stehen die Menschen über der Schrift.«7

Es wird sich als hilfreich erweisen, die Problematik der nichtcessationistischen Anwendung einer revisionistischen Hermeneutik anhand von vier Beispielen zu erläutern.

(1) Die narrativbasierte Auslegung

Die Wahrnehmung des hermeneutischen Wandels durch die Pfingstler8

In den Anfängen der Pfingstbewegung war eine »pragmatische« Hermeneutik charakteristisch für die pfingstliche Hermeneutik, so Roger Stronstad, akademischer Dekan des Western Pentecostal Bible College in Clayburn, British Columbia.9 Stronstad gibt zu, dass das vorherrschende Prinzip dieser Methode darin bestand, die Schrift im Lichte der damaligen charismatischen Erfahrung zu interpretieren, ein Prinzip, welches im Jahre 1901 formuliert wurde, als der Vater und Gründer der damaligen Pfingstbewegung einer seiner Studentinnen die Hände auflegte und sie in »Zungen zu sprechen« begann.10 Seit diesem Zeitpunkt wurde diese Methode der Schriftauslegung unter Nichtcessationisten angewandt. Sie haben ihre Methode verteidigt, indem sie diese einfach per se als »augenscheinlich und erwiesen« betrachteten.11 Erfahrungen in der Urgemeinde, wie sie in der Apostelgeschichte beschrieben werden, wurden für die heutige Zeit zur Norm erhoben.

1992 gestand Menzies offen ein, dass die frühen Pfingstler die Bibel als ein »homogenes Ganzes« betrachteten und »wir unsere [die pfingstliche] Theologie auf Schriftstellen gründeten, deren Zusammenstellung kaum Rücksicht auf die ursprüngliche Absicht des Autors nahm.«12 In den letzten Jahren brachte diese Sichtweise die Nichtcessationisten – mit ihrem Wunsch, ein anerkannter Teil des evangelikalen Hauptstroms werden zu wollen – in Verlegenheit. Robert Menzies bemerkte kürzlich in einer Schrift, die er zusammen mit William Menzies verfasste:

»Pfingstliche Theologen haben die Gelegenheit ergriffen, welche sich im neuen hermeneutischen Kontext anbot und wichtige Fragen über die Natur der lukanischen Pneumatologie und ihrer Beziehung zur paulinischen Pneumatologie aufgeworfen. Dies wiederum hat Diskussionen auf breiter evangelikaler Ebene angeregt, was die Natur einer allumfassenden biblischen Pneumatologie angeht und wie diese das gegenwärtige Gemeindeleben beeinflusst.«13

Cessationisten können einen Nutzen daraus ziehen, indem sie zuerst die Frage klären, auf welche hermeneutischen Grundlagen biblischer Auslegung die etablierte Pfingstbewegung sich derzeit stützt. Nachdem man sich einen Überblick über die Argumente anderer Charismatiker, einschließlich der Vertreter der Dritten Welle, verschafft hat, kann man diese hermeneutischen Grundlagen bewerten.

Die Begründung für die Verwendung narrativer Texte als Grundlage für Lehre

Die pfingstlichen Hermeneutiker haben die redaktionskritische Methode, wie sie in evangelikalen Studien auf die synoptischen Evangelien angewendet werden, für die Apostelgeschichte übernommen. Dass Robert Menzies sich dieser Methode bedient, unterstreicht er mit folgenden Worten: »Die Werkzeuge der Redaktionsgeschichte, unterstützt von den weitreichenden Erkenntnissen in der literarischen Forschung, konnten mit beträchtlichem Erfolg Anwendung finden.«14 Größtenteils gehen diese Einsichten auf den Nichtpfingstler I. Howard Marshall zurück:

»Im Jahre 1970 erschien I. Howard Marshalls einflussreiches Buch Luke: Historian and Theologian … Marshall ging davon aus, dass Lukas ein Geschichtsbuch verfasste; es handelte sich um korrekte und sorgfältige Geschichtsschreibung, aber es war keine sachliche, objektive, neutrale Geschichtsschreibung. Die Apostelgeschichte des Lukas erzählt Geschichte mit einem Vorsatz – Geschichte aus einem theologischen Blickwinkel. Marshalls Buch signalisierte einen wichtigen Wendepunkt im evangelikalen Denken. Obgleich viele in den 1970er Jahren die ganze Auswirkung von Marshalls Einsichten noch nicht erfasst hatten, war dies der Anfang einer Aufwertung des theologischen Charakters biblischer Erzähltexte, insbesondere der Evangelien und der Apostelgeschichte.«15

Auf der Grundlage von Marshalls Buch schreibt Menzies ferner:

»Eine Revolution findet in der evangelikalen Hermeneutik statt … Damit meine ich den grundlegenden Wandel in der Einordnung der Evangelikalen in Bezug auf die theologische Bedeutung narrativer Texte der Bibel.«16

Die Auswirkungen dieser Revolution auf das Studium der Evangelien beschreibt er mit folgenden Worten:

»[Eine] neue Generation von evangelikalen Gelehrten und Seminardozenten, von denen viele unter Marshall studierten, begannen erneut, sich die Methode der Redaktionskritik anzueignen und sie anzuwenden. Diese Gelehrten – wie zum Beispiel Grant Osborne, Robert Stein, Joel Green, Darrell Bock, Craig Blomberg – begannen die positiven Erkenntnisse dieser analytischen Methode umsichtig einzusetzen, wobei sie eine Reihe der radikaleren Auffassungen verwarfen. Das Resultat war eine beeindruckende Sammlung von akademischen Studien, welche den Wert dieser Methode sowie ihre Vereinbarkeit mit einer hohen Wertschätzung der Schrift aufzeigte – sofern diese Methode korrekt gehandhabt wurde. Der Einfluss auf die evangelikale Hermeneutik war unvermeidbar, wenngleich er sich nicht sogleich zeigte. Hier gab es evangelikale Gelehrte, welche die charakteristischen theologischen Aspekte der verschiedenen Autoren der Evangelien beleuchteten.«17

Menzies wendet in der Folge die redaktionskritische Methode auf die Apostelgeschichte an und kommt zu dem Schluss, dass man Lehre aus der narrativen Literatur – wie der Apostelgeschichte oder den Evangelien – ebenso ableiten kann wie aus den neutestamentlichen Lehrbriefen:

»Diese Entwicklungen führten zu dem, was heute als klarer Konsens gilt. In der evangelikalen Welt gilt heute als allgemein anerkannt, dass die biblischen Erzählungen, insbesondere die Evangelien und die Apostelgeschichte, mit einem theologischen Anliegen vor Augen formuliert wurden, und aus diesem Grund beinhalten sie eine theologische Botschaft. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Lukas oder die anderen Autoren Theologen waren; es stellt sich heute die zentrale Frage, worin das besondere Merkmal oder der besondere Inhalt ihrer Theologie besteht.«18

Die Bestätigung einer derartigen Schlussfolgerung sieht er in zwei kürzlich erschienen Werken über Hermeneutik, die von Nichtpfingstlern verfasst wurden. Ein Werk stammt von Klein, Blomberg und Hubbard:

»Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass narrative Texte oftmals in einer indirekteren Weise lehrhaft sind als Lehrtexte, ohne dass sie dadurch weniger normativ werden. Aus diesem Grund lehnen wir die ausdrückliche Maxime von Fee und Stuart ab, welche besagt, dass ‚alles, was lediglich erzählt oder beschrieben wird, niemals eine normative Funktion hat, es sei denn, dass die Schrift uns ausdrücklich sagt, dass wir etwas Bestimmtes tun müssen.«19

Das andere Werk ist von Grant Osborne:

»Ferner wende ich mich auch gegen den derzeitigen Trend, die theologische Dimension narrativer Texte zu verneinen, weil man argumentiert, dass diese Texte eher indirekt als direkt zu uns sprechen. Damit werden die Ergebnisse der Redaktionskritik ignoriert, welche aufgezeigt haben, dass biblische Erzählungen tatsächlich im Grunde theologischer Natur sind und den Leser dahin führen wollen, die in der Geschichte verborgene Wahrheit innerlich nachzuvollziehen. Erzähltexte sind nicht so unmittelbar lehrhaft wie Lehrtexte, aber sie beinhalten eine theologische Aussage und fordern den Leser heraus, sich mit dieser Botschaft auseinanderzusetzen. Mein Argument ist, dass biblische Erzähltexte in gewisser Weise auf bestimmte Lebenssituationen der Menschen sogar besser angewendet werden können als Lehrtexte.«20

Ermutigt durch diese nichtpfingstlichen Gelehrten haben sich Pfingstler daran gemacht, die Apostelgeschichte zu einem historischen Präzedenzfall zu machen, um damit eine schriftgemäße Grundlage für die Ausübung solcher Zeichengaben wie die Zungenrede und Prophetie zu schaffen, von welchen sie behaupten, dass sie bis heute fortbestehen.21 Sie rechtfertigen dies mit dem Argument einer »stillen Revolution«, welche die evangelikale Hermeneutik erfasst hat, wenn sie schreiben:

»Weil die Apostelgeschichte des Lukas eine so entscheidende Schlüsselrolle in der pfingstlichen Theologie und Erfahrung spielt, hatte der neuerliche hermeneutische Wandel in weiten Teilen der evangelikalen Welt eine besondere Bedeutung für die Pfingstler. Pfingstler, welche in der Vergangenheit oft für ihre vereinfachenden Argumente kritisiert wurden, weil sie auf historischen Präzedenzfällen beruhten, sind in eine neue Ära kreativer theologischer Reflektion eingetreten.«22

Robert Menzies zitiert Stronstad als einen frühen Vertreter, der den Unterschied zwischen lukanischer und paulinischer Theologie hervorhob, aber er gesteht ein, dass Stronstads eigene Erfahrung sein Verständnis wahrscheinlich beeinflusste.23 Er schreibt:

»Stronstad wird unzweifelhaft von einigen dafür kritisiert werden, dass er seine eigene pfingstliche Erfahrung in die Apostelgeschichte des Lukas hineinliest … Könnte es nicht sein, dass Stronstads Pfingsterfahrung ihn letztlich dazu befähigte, die Apostelgeschichte des Lukas korrekter zu lesen?«24

Bewertung der Begründung für die Verwendung narrativer Texte als Lehre

Drei Bemerkungen bezüglich der neuen pfingstlichen Hermeneutik sind an dieser Stelle angebracht.

(1) Selbst die neue Differenziertheit, welche die post-»revolutionäre« Hermeneutik der Pfingstbewegung kennzeichnet,25 konnte den vorherrschenden Subjektivismus, mit welchem man eigene Erfahrungen in den biblischen Text hineinliest, nicht verhindern.26 Mit anderen Worten, ein auf Erfahrung basierendes Vorverständnis über die Bedeutung eines Textes ist weithin der bestimmende Faktor.27 Damit setzen sie das fort, was sie schon immer taten; allerdings genießen sie neuerdings Respekt unter Evangelikalen, weil die neue evangelikale Hermeneutik ihnen Türen geöffnet hat, um mit einer vorgefassten Interpretation an einen Text heranzugehen.

(2) Die Berufung auf I. Howard Marshall, der diese Revolution in Gang setzte, stellt die Legitimität des Ursprungs der Revolution in Frage. Marshalls Standpunkt bezüglich der biblischen Irrtumslosigkeit ist bestenfalls fragwürdig. Jemand, der durch seine neuen hermeneutischen Methoden und seine redaktionskritischen Publikationen zu dem Schluss kommt, dass die Evangelien unhistorische Elemente beinhalten,28 kann kaum als geeigneter Vertreter der Irrtumslosigkeit der Schrift gelten. Desgleichen bieten die Schüler Marshalls, die von Robert Menzies aufgezählt werden, keine geeigneten Modelle einer biblischen Irrtumslosigkeit an, da sie alle, dem Beispiel Marshalls folgend, unhistorische Elemente in den synoptischen Evangelien voraussetzen.29 Wenn die evangelikale Vorgehensweise der Redaktionskritik Ausschmückungen der biblischen Autoren, welche historische Ungenauigkeiten in den Evangelien beinhalten, für denkbar hält, dann müssen sie auch die Möglichkeit in Erwägung ziehen, dass Lukas den historischen Bericht in der Apostelgeschichte ausschmückte und veränderte, um seine eigenen theologischen Neigungen zu verstärken. Die evangelikale Redaktionskritik hatte schädliche Auswirkungen, weil sie die synoptischen Evangelien ihrer Historizität beraubte. Die Anwendung dieser Methode auf die Apostelgeschichte wird die gleichen Folgen nach sich ziehen.

(3) Narrative Texte als Grundlage für Lehre zu verwenden, ist aus einer Reihe von Gründen fragwürdig. Zum einen verkennt diese Strategie den Übergangscharakter der Apostelgeschichte. Wie Loder bemerkt:

»Apostelgeschichte 2 – wenn man dieses Kapitel im Lichte des einzigartigen geschichtlichen Hintergrunds der Ereignisse versteht – untermauert nicht die Anschauung, dass das ‚berufende’ Werk des Heiligen Geistes nur dann erfahren werden kann, wenn man durch ein außerordentliches Ereignis nach der Bekehrung auf eine völlig neue Ebene des christlichen Lebens gelangt.«30

»Die Verzögerung zwischen dem Bekenntnis des Glaubens der Samariter und ihrem Empfang des Geistes lässt sich wahrscheinlich am besten im Kontext der literarischen Struktur der Apostelgeschichte erklären – die offensichtlich darauf abzielt, Gottes Plan der Heilsgeschichte darzulegen.«31

Viele Ereignisse in der Apostelgeschichte können nicht wiederholt werden, weil sie in Gottes entfaltendem Plan von der Zeit der Urschöpfung bis zur neuen Schöpfung einzigartig sind. Die Apostelgeschichte beschreibt eine Übergangszeit wie die vom Gesetz zur Gnade, von Israels Geschichte zur Geschichte der Gemeinde, von einer Betonung des Königreichs Israel zu einer Betonung des Leibes Christi.

Des Weiteren Lukas die doppelte Absicht zuzuerkennen, dass er Geschichte und Theologie verfasste, stellt eine unrealistische Betrachtungsweise narrativer Texte dar. Das Ziel muss bleiben, die primäre Absicht eines Historikers zu verstehen. Fee hierzu:

»Es [d.h., die Absicht des Autors und des Heiligen Geistes] ist von entscheidender Bedeutung für die Hermeneutik der historischen Erzählungen, denn es ist das eine, wenn der Historiker ein Ereignis berücksichtigt, weil es dem umfassenderen Anliegen seines Werkes dient, aber es ist wiederum etwas anderes, wenn der Ausleger diesem Ereignis didaktischen Wert beimisst und dabei die darüber hinausgehende Intention des Historikers ignoriert … Was immer man aus der Geschichte ableiten will, sei es die Rolle von Visionen bei der Führung eines Christen (!) oder das Wesen der Bekehrung, es handelt sich um beiläufige Anmerkungen, was die Zielsetzung des Lukas angeht.«32

Indem ein Ausleger eine Lehre oder christliche Praxis auf beiläufige Details gründet, begeht er eine schwerwiegende Fehlinterpretation narrativer Texte im Besonderen sowie biblischer Lehre im Allgemeinen. Wer so vorgeht, steht im Widerspruch zur traditionellen grammatikalisch-historischen Hermeneutik, welche davon ausgeht, dass Erzähltexte nicht als Geschichtstexte mit Ausschmückungen zu verstehen sind.

(2) Die gemeinschaftsbasierte Interpretation

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe.

Praktische Resultate des Nichtcessationismus

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe.

Anmerkungen

1 David F. Wells, Vorwort in: The Eclipse of the Reformation in the Evangelical Church, Hrsg. Gary L. W. Johnson und R. Fowler White (Phillipsburg, N. J.: Presbyterian and Reformed, 2001) xv-xvi, xvii, xix, xxviii.

2 Iain H. Murray, Evangelicalism Divided: A Record of Crucial Change in the Years 1950 to 2000 (Edinburgh: Banner of Truth, 2000) 51.

3 Weitere Ausführungen über diesen Wandel, siehe: Robert L. Thomas, Evangelical Hermeneutics: The New Versus the Old (Grand Rapids: Kregel, 2002) 13-20.

4 Menzies und Horton führen den Beginn des nichtcessationistischen Pfingstlertums auf den 1. Januar 1901 zurück. Studenten des Bethel Bible College in Topeka, Kansas, kamen durch ihre Studien zu dem Schluss, dass das Zungenreden (Apg 2,4) das Zeichen der Geistestaufe sei. Eine der Bibelschülerinnen, Agnes Ozman, sagte, sie fühlte, »als ob ein Strom lebendigen Wassers aus ihrem Inneren aufstieg.«

»Diese ‚Erweckung‘ wurde zu einer pfingstlerischen Explosion, als W. J. Seymour im Jahre 1906 ein altes Gebäude in der Azusa Street 312 in Los Angeles, Kalifornien, mietete. Nahezu dreieinhalb Jahre lang wurden von 10 Uhr morgens bis Mitternacht Gottesdienste abgehalten. Viele der Anwesenden, die die pfingstliche Geistestaufe empfangen hatten, gingen von dort aus, um diese Botschaft zu verbreiten. Es entstanden viele Pfingstgemeinden.« William W. Menzies and Stanley M. Horton. Biblical Doctrines: A Pentecostal Perspective (Springfield, Mo.: Logion, 1993) 10.

5 Der Pfingstler Gordon Fee schreibt: »Pfingstler werden trotz einiger ihrer Exzesse stets für ihre freudige Ausstrahlung, ihren missionarischen Eifer und ihr Leben im Geist gelobt. Aber gleichzeitig werden sie für ihre schlechte Hermeneutik getadelt ... Ihre Haltung gegenüber der Schrift ist von einer allgemeinen Geringschätzung wissenschaftlicher Exegese und sorgfältig durchdachter Hermeneutik charakterisiert. Tatsächlich war Hermeneutik schlichtweg nicht auf der Agenda der Pfingstler ... Es ist wahrscheinlich fair – und wichtig – anzumerken, dass die Erfahrung der Pfingstler über ihre Hermeneutik gestellt wurde.« Gordon D. Fee, Gospel and Spirit: Issues in New Testament Hermeneutics (Peabody, Mass.: Hendrickson, 1991) 83, 85-86.

6 Detaillierte Ausführungen über die neue evangelikale Hermeneutik und die Entstehung des progressiven Dispensationalismus, evangelikalen Feminismus, evangelikaler Missiologie, Theonomie und Open Theism finden Sie in: Robert L. Thomas, Evangelical Hermeneutics 351-505. Derzeit versucht die Evangelical Theological Society sich mit den Vertretern des Open Theism in ihren Reihen auseinanderzusetzen, was sich als schwierig erweist, da das Vorverständnis der Vertreter des Open Theism die Schlussfolgerungen ihrer biblischen Interpretation beeinflussen (ebd., 479-82).

7 »Statement of Faith,« The Master’s Seminary 2002-2004.

8 Vergleiche: David Diez, »An Inductive Study on the Spiritual Gift of Prophecy in the New Testament« (Th.M. thesis, The Master’s Seminary, Sun Valley, Calif., 1998) 7-24.

9 Roger Stronstad, »Trends in Pentecostal Hermeneutics,« Paraclete 22/3 (Summer 1988): 3.

10 Ebd., 2-5.

11 Ebd., 4.

12 Robert P. Menzies, Hrsg., »The Essence of Pentecostalism: Forum Conducted at the Asia Pacific Theological Seminary Chapel,« Paraclete 26/3 (Summer 1992): 1.

13 William W. and Robert P. Menzies. Spirit and Power: Foundations of Pentecostal Experience (Grand Rapids: Zondervan, 2000) 43; William Menzies schrieb Kapitel 1, das Nachwort zu Kapitel 13, und das Schlusswort zu diesem Werk; Robert Menzies schrieb den Rest. Dempster kommentierte in Bezug auf den Wandel in der Pfingstbewegung: »Hermeneutik war in den letzten Jahren ein heißes Eisen unter Pfingstlern. In den Jahrestreffen der Society for Pentecostal Studies im letzten Jahrzehnt wurde kein Thema häufiger oder intensiver behandelt als das Thema Hermeneutik.« (Murray W. Dempster, »Paradigm Shifts and Hermeneutics: Confronting Issues Old and New,« Pneuma: The Journal for Pentecostal Studies 15/2 [Fall 1993]: 129).

14 Menzies and Menzies, Spirit and Power, 41. William Menzies stimmt Robert Menzies zu, wenn dieser anmerkt, dass die Pfingsttheologie sehr stark von der Redaktionskritik der Apostelgeschichte abhängt: »Es verhält sich tatsächlich so, dass eine klare Pfingsttheologie dann in Frage gestellt wird, wenn man aufzeigen kann, dass Lukas in seinem Bericht [der Apostelgeschichte] nicht die Absicht verfolgte, eine theologische Botschaft zu vermitteln.« William W. Menzies, »The Methodology of Pentecostal Theology: An Essay on Hermeneutics,« Essays on Apostolic Themes, ed. Paul Elbert (Peabody, Mass.: Hendrickson, 1985) 7. Später fügt er hinzu: »Marshall, obgleich er gewiss kein Pfingstler ist, legt gute Argumente für den Beitrag der Redaktionskritik für das Verständnis von Lukas als Theologen dar« (ebd., 8, 12).

15 Menzies and Menzies, Spirit and Power, 40-41.

[Dr. Wolfgang Nestvogel erläutert ergänzend: »Lukas sagt im Prolog ja selbst, dass er mit seinem historisch akkuraten Evangelium zugleich – und ohne dass dies die »Objektivität« seiner Darstellung relativieren würde – eine Verkündigungsabsicht und seelsorgerliche Stärkung seines Adressaten verfolgt. Diese ist freilich kategorial von Marshalls redaktionsgeschichtlichem Zugang zu unterscheiden, der aus dem verkündigenden Historiker Lukas einen gestaltenden Theologen macht!«]

16 Ebd., 37.

17 Ebd., 41.

18 Ebd., 41-42. Archer vertritt die gleiche Meinung: »Pfingstliche Theologen haben aus der Apostelgeschichte mehr als einen reinen historischen Bericht gemacht; damit ist die Apostelgeschichte ein historisch-theologischer Bericht, dem man die gleiche Gewichtung wie [den Lehrbriefen des] Paulus und Johannes beimisst.« Kenneth J. Archer, »Pentecostal Hermeneutics: Retrospect and Prospect,« Journal of Pentecostal Theology 8 (April 1996): 73.

19 Menzies and Menzies, Spirit and Power 42; siehe: William W. Klein, Craig L. Blomberg, and Robert L. Hubbard, Jr. Introduction to Biblical Interpretation (Dallas: Word, 1993) 349-50.

20 Menzies and Menzies, Spirit and Power 42; siehe Grant R. Osborne, The Hermeneutical Spiral: A Comprehensive Introduction to Biblical Interpretation (Downers Grove, Ill.: Inter-Varsity, 1991) 172.

21 Pinnock stimmt dieser Verwendung narrativer Texte der Schrift unter Pfingstlern gänzlich zu: »Auch andere Gläubige lesen die Bibel als Erzähltext, denn es handelt sich tatsächlich um eine Erzählung, aber die Pfingstler betonen dies sehr stark. Pfingstler lesen die Bibel nicht primär als Buch theologischer Vorstellungen, sondern als eine sehr dynamische Erzählung eines anhaltenden göttlichen Wirkens. Sie finden sich mitten in der Erzählwelt der Bibel und erfahren Gott nach diesem Muster.« Clark H. Pinnock, »Divine Relationality: A Pentecostal Contribution to the Doctrine of God,« Journal of Pentecostal Theology 16 (April 2000):9. Um seine Lehre des Open Theism zu verteidigen, fährt Pinnock fort: »Pfingstler sind in der glücklichen Lage, die Vorstellungen, welche den klassischen Theismus lange belastet haben, zu vermeiden, weil sie sich stärker an biblischen Metaphern und biblischen Erzählungen orientieren.« (ebd., 10)

22 Menzies and Menzies, Spirit and Power 43.

23 Ebd., 51.

24 Ebd., 51-52.

25 Joseph Byrd, Hauptpastor der Stewart Road Church of God in Monroe, Michigan, stimmt mit vielen anderen in Bezug auf den neuen Trend unter Pfingstlern zu: »Die jüngeren Publikationen der Pfingstbewegung weisen darauf hin, dass die Bewegung ihre theologischen Ursprünge hinter sich lässt und in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer theologischen Differenziertheit tendiert.« »Paul Ricoeur’s Hermeneutical Theory and Pentecostal Proclamation,« Pneuma: The Journal for Pentecostal Studies 15/2 (Fall 1993):203. Archer erläutert: »Pfingstliche Gelehrte haben eine neue Ebene von theologischer Differenziertheit erlangt, wie die Ausgabe von Pneuma: The Journal of the Society for Pentecostal Studies im Herbst 1993 zeigt.« Kenneth J. Archer, »Pentecostal Hermeneutics: Retrospect and Prospect« 70.

26 Nichtcessationisten unterscheiden sich voneinander in Bezug auf die Erfahrung, wobei einige die Auffassung vertreten, dass Erfahrung nicht der Ausgangspunkt für Interpretation sei (Fee, Gospel and Spirit 85-86; Menzies, »Methdology« 12-13); andere sind der Ansicht, dass Erfahrung im interpretativen Prozess unerlässlich ist (F. L. Arrington, »Hermeneutics, Historical Perspectives on Pentecostal and Charismatic,« in Dictionary of Pentecostal and Charismatic Movements, Hrsg. Stanley M. Burgess, Gary B. McGee, Patrick H. Alexander [Grand Rapids: Zondervan, 1993] 384). Welche Position ein Nichtcessationist auch immer beziehen mag, Tatsache bleibt, dass Erfahrungen eine Rolle in der Interpretation spielen, wie Ellington einräumt: »Glaube kommt nicht aus dem Verstand, sondern entsteht durch intensive Erfahrungen der Gegenwart und des Handelns Gottes, die von dem Einzelnen und der Gemeinschaft im christlichen Leben gemacht werden. Lehre ist die Beschreibung solcher Erfahrungen und geht aus diesen als solche hervor ... Das bedeutet nicht, dass die Lehre für Pfingstler unwichtig ist, sondern die grundlegende Quelle der Entstehung von Lehre im Pfingstlertum ist die Erfahrung der Gemeinschaft des Glaubens.« Scott A. Ellington, »Pentecostalism and the Authority of Scripture,« Journal of Pentecostal Theology 9 (1996):18.

27 Der Nichtcessationist Arrington räumt im Grunde diesen Einfluss ein: »Die theologischen Vorannahmen der Pfingstbewegung beeinflussen auch die Prinzipien der Interpretation der Bewegung ... Interpretation, die Methode des Interpretierens, wird von den theologischen Vorannahmen geprägt, die der Ausleger in den Prozess einbringt.« Arrington, »Hermeneutics, Historical Perspectives« 378.

28 I. Howard Marshall, »Historical Criticism,« in New Testament Interpretation, ed. I. Howard Marshall (Grand Rapids: Eerdmans, 1977) 136.

29 Vergleiche Robert L. Thomas und F. David Farnell, Hrsg., The Jesus Crisis: The Inroads of Historical Criticism into Evangelical Scholarship (Grand Rapids: Kregel, 1998) 18-27, bspw. die historischen Fehler, die von verschiedenen evangelikalen Gelehrten zitiert werden.

30 Allan Loder, »The Classical Pentecostal Doctrine of Spirit-baptism: Some Exegetical Considerations,« Didaskalia, 13/2 (Spring 2002): 80.

31 Ebd., 81.

32 Fee, Gospel and Spirit 90-91.

33 Kenneth J. Archer, »A Pentecostal Hermeneutic: Spirit, Scripture and Community« (Schrift zum Jahrestreffen der Evangelical Theological Society, Toronto, Ontario, Canada, 22. November 2002). Bei der Schrift handelt es sich um eine Zusammenfassung des 6. Kapitels seiner Dissertation mit dem Titel A Pentecostal Hermeneutic: Spirit, Scripture and Community (Sheffield: Sheffield Academic) im Herbst 2003.

34 Ebd., 1-2.

35 Ebd., 2.

36 Ebd., 2; vergl. Robert L. Thomas, Evangelical Hermeneutics 195-240, besonders 226-27, wo ein Vergleich zwischen moderner Linguistik und der grammatikalisch-historischen Interpretation aufgeführt wird. Die Linguistik schmälert die Genauigkeit biblischer Interpretation (ebd., 226-27).

37 Archer, »A Pentecostal Hermeneutic« 2, 6.

38 Ebd., 3-4; vergl. Kenneth J. Archer, »Early Pentecostal Biblical Interpretation,« Journal of Pentecostal Theology 8 (2001):41, wo er schreibt: »Der modernistische Versuch, ein neutraler Ausleger zu sein, indem man die eigene Erfahrung und/oder Vorannahmen beiseitelegt, ist eine falsche Illusion.«

39 Ebd., 3. Achten Sie auf die Aussage von Archer, dass die Bibel das »vorletzte autoritative (penultimate authoritative) geschriebene Zeugnis göttlicher Offenbarung ist.« Wenn die Bibel die vorletzte Autorität ist, stellt die Gemeinschaft dann die letzte Autorität dar? In diesem Punkt bleibt Archer ungenau.

40 Ebd.

41 Ebd., 6.

42 Robert Menzies versucht sich von »der extremen Subjektivität einiger am Leser orientierten Methoden (wie den Dekonstruktivismus)« zu distanzieren, indem er diese als »beunruhigend« bezeichnet (Menzies and Menzies, Spirit and Power 65-66). Anerkennenswerterweise besteht er auch darauf, dass »die Unterscheidung zwischen der Bedeutung eines Textes und den vielfältigen Anwendungen, welche er für unterschiedliche Situationen und Kulturen haben mag, notwendig ist, wenn wir verhindern wollen, dass ein Text verzerrt wird« (ebd., 66). Dennoch macht seine rückhaltlose Bejahung der Redaktionskritik und des erfahrungsbasierten Vorverständnisses, wie im vorliegenden Artikel zuvor aufgezeigt, seine Neigung zum Dekonstruktivismus sowie zu seiner Bereitschaft, dass die Anwendung eines Textes die interpretative Deutung eines Textes beeinflusst. Archer geht so weit anzumerken, dass das »Pfingstlertum einen postmodernen Akzent haben muss“, und dass eine vielversprechende pentekostale Hermeneutik »mit einer befreienden Stimme mit einem Akzent der Postmoderne sprechen muss« (Archer, »Pentecostal Hermeneutics: Retrospect and Prospect« 81). Cargal beharrt sehr darauf, dass Pfingstler von einer vielfachen Deutung eines einzigen Textes ausgehen müssen, und er bejaht die Inanspruchnahme postmoderner Methoden für die pentekostale Hermeneutik (Timothy B. Cargal, »Beyond the Fundamentalist-Modernist Controversy: Pentecostals and Hermeneutics in a Postmodern Age,« Pneuma: The Journal of the Society for Pentecostal Studies 15/2 (Fall 1993):177-78).

43 Beachten Sie die Aussage von Ramm: »Der wahre philologische Geist, oder der kritische Geist, oder der gelehrte Geist, setzt sich in Bezug auf die Interpretation der Bibel das Ziel, die ursprüngliche Bedeutung und die Intention des Textes zu ermitteln. Sein Ziel ist exegesis – die Bedeutung aus dem Text herauszulesen, um damit eisegesis zu vermeiden; auf diese Weise wird der Sinn eines Textes erschlossen« (Bernard Ramm, Protestant Biblical Interpretation: A Textbook on Hermeneutics [Grand Rapids: Baker, 1970] 115). Weitere Ausführungen: Robert L. Thomas, Evangelical Hermeneutics 41-62.

44 Terry: »Ein fundamentales Prinzip grammatikalisch-historischer Auslegung ist, dass Worte und Sätze in dem einen oder anderen Zusammenhang nur eine Bedeutung haben können. In dem Augenblick, in dem wir dieses Prinzip vernachlässigen, treiben wir auf einem Meer der Ungewissheit und Vermutungen« (Terry, Biblical Hermeneutics 205). Ramm formuliert dies mit folgenden Worten: »Aber diesbezüglich müssen wir uns an das alte Diktum erinnern: ‚ Die Interpretation ist eine, die Anwendungen sind viele.‘ Dies bedeutet, dass es nur eine Bedeutung für eine Schriftstelle gibt, die aus sorgfältigem Studium ermittelt werden kann« (Ramm, Protestant Biblical Interpretation 113). Weitere Ausführungen: Robert L. Thomas, Evangelical Hermeneutics 141-64.

45 Detaillierte Informationen zu diesem Punkt: Brian A. Shealy, »Redrawing the Line between Hermeneutics and Application,« in Evangelical Hermeneutics, ed. Robert L. Thomas (Grand Rapids: Kregel, 2002) 165-94.

46 Anthony C. Thiselton, The Two Horizons: New Testament Hermeutics and Philosophical Description with Special Reference to Heidegger, Bultmann, Gadamer, and Wittgenstein (Grand Rapids: Eerdmans, 1980) 27.

47 Ebd.

48 Fee, Gospel and Spirit 70.

49 Ebd., 105-19.

50 Gordon D. Fee, Paul, the Spirit, and the People of God (Peabody, Mass.: Hendrickson, 1996) 165, 168.

51 Fee, Gospel and Spirit 4, 5.

52 Ebd., 4.

53 Weitere Ausführungen zur Bedeutung von Exegese und Hermeneutik: Robert L. Thomas, Evangelical Hermeneutics 20-27.

54 Pinnock stimmt wesentlich mit Fee überein, wenn er die Anwendung der Interpretation gleichsetzt: »Der Heilige Geist ist im Leben der gesamten Gemeinde aktiv, um die biblische Botschaft in die heutigen Sprachen zu übertragen. Der Heilige Geist aktualisiert das Wort Gottes, indem er uns hilft, die Botschaft in zeitgenössische Terminologie zu übertragen und sie auf neue Situationen anzuwenden« (Clark H. Pinnock, »The Word of the Holy Spirit in Hermeneutics,« Journal of Pentecostal Theology 2 [April 1993]:16). Pinnock rechtfertigt eine derartige Anwendung auf »neue Situationen“, indem er die Verheißung, die Abraham in 1Mose 12,1-3 mit Jesaja 51,1-3 und Hesekiel 33,23-29 vergleicht. »Der ursprüngliche Text war dynamisch und konnte auf neue Weise von nachfolgenden Auslegern im Geist angewendet werden“, schreibt er (ebd., 13). Ferner argumentiert er in ähnlicher Weise: »Petrus verändert den Sinn von Amos 9,11-12 ... in einer Rede, die in Apostelgeschichte 15 aufgezeichnet wurde« (ebd.). Einer solchen Argumentation folgend, kommt er zu dem Schluss: »Gottes Offenbarung ist nicht ein geschlossenes Gedankensystem. Es ist ein Wort des Lebens, das immer wieder neu wird« (ebd., 19). Pinnock begeht allerdings den Irrtum, dass er keinen Unterschied zwischen den Autoren der inspirierten Schrift und den modernen Auslegern macht. Erstere empfingen direkte Inspiration von Gott; letztere verfügen nicht über eine solche direkte Offenbarung« (siehe Robert L. Thomas, Evangelical Hermeneutics 252-53).

55 Fee, Gospel and Spirit 77-78.

56 Ebd., 78.

57 Ebd., 80.

58 Ebd., 80-82.

59 Ebd., 108.

60 Fee, Paul, the Spirit 169.

61 Ebd., 170.

62 Ebd.

63 Ebd.

64 In dieser Ausgabe von The Master’s Seminary Journal, siehe die exegetisch äußerst gut belegten Ausführungen von Professor McDougall zu der Bedeutung »reif« in 1Korinther 13,10; siehe auch Robert L. Thomas, Understanding Spiritual Gifts: A Verse-by-Verse Study of 1 Corinthians 12–14, rev. ed. (Grand Rapids: Kregel, 1999) 123-32.

65 Gordon D. Fee, The First Epistle to the Corinthians, NICNT, Hrsg. F. F. Bruce (Grand Rapids: Eerdmans1987) 644-45. Pinnock pflichtet Fee bei in Bezug auf den Unterschied zwischen einer rationalen Erklärung der Schrift und der Erleuchtung des Bibeltextes durch den Heiligen Geist: »Die westliche Kultur ist stark vom Rationalismus beeinflusst, was zu einer Vernachlässigung des [Heiligen] Geistes führt. Was den [Heiligen] Geist angeht, ist etwas Geheimnisvolles an ihm, was der Rationalismus scheut. Der Rationalismus hat ein Unbehagen, über Gottes unsichtbares Wehen zu sprechen. Er zieht es vor, Interpretationsregeln aufzustellen, die das Erschließen der Bedeutung aller Textstellen durch menschliche Anstrengungen ermöglicht. Er will dem Mystizismus keine Tore in die Hermeneutik öffnen. Deswegen überlassen wir dem Heiligen Geist bei der Interpretation nur noch die Aufgabe, seinen Stempel auf die gelehrten exegetischen Schlüsse aufzudrücken. Dies ist ein Hindernis für effektive Bibelinterpretation, was den Geist Gottes betrübt« (Clark H. Pinnock, »The Work of the Holy Spirit in Hermeneutics« 8).

66 Pinnock, »Divine Relationality« 18.

67 Vergl. Robert L. Thomas, Evangelical Hermeneutics 49-57.

68 Die einzige Voreingenommenheit, die unvermeidbar ist, bezieht sich auf die Interpretation der Bibel. Der Ausleger muss an den Text mit einer Haltung herangehen, die entweder für oder gegen biblische Irrtumslosigkeit steht. Neutralität in diesem Punkt ist unmöglich.

69 Fee, Gospel and Spirit 81.

70 Vergl. Robert L. Thomas, Evangelical Hermeneutics 50-53. Richard B. Gaffin, Jr. (Perspectives on Pentecost: New Testament Teaching on the Gifts of the Holy Spirit, Phillipsburg, N.J.: Presbyterian and Reformed, 1979, 75-76) hat die gegenwärtige Tendenz erkannt, dass kognitive Präkonzepte eine Reaktion auf den säkularen Rationalismus sind. Dennoch kommt er zu dem Schluss, dass die so abträgliche entmenschlichende Anwendung des Rationalismus nicht rechtfertigt, den Verstand bei der Interpretation der Bibel als Überreaktion abzulehnen. Er gesteht ein, dass die Merkmale eines unendlichen Gottes jenseits menschlicher Logik sind, aber ein angeblich tieferer Aspekt der Persönlichkeit neben dem Verstand ist nicht die Lösung für den Menschen. Er weist darauf hin: »Der Mensch ist mehr als sein Verstand; er ist keine intellektuelle Maschine. Aber dieses ‚mehr‘ ist nicht notwendigerweise ein Gegensatz zum Verstand; ferner verdunkelt oder verzerrt Sprache nicht unbedingt die Gesamtheit der Erfahrungen« (76). Die Antwort von Gaffin auf die These, dass Zungenreden eine Art ekstatischer Äußerung sei anstatt einer Fremdsprache, hat sehr große Ähnlichkeit zu der Argumentation, dass logische Stimmigkeit bei der Auslegung der Bibel nicht zwingend erforderlich sei.

71 Max Turner, The Holy Spirit and Spiritual Gifts in the New Testament Church and Today, rev. ed., Peabody, Mass.: Hendrickson, 1998, 287.

72 Ebd. Ellington stimmt Turner und Fee zu, wenn er eine rationalistische Gotteserkenntnis und Wortauslegung ablehnt: »Das rationalistische Paradigma, mit welchem wir so erfolgreich indoktriniert wurden, hat es uns beinahe unmöglich gemacht, ‚Demythologisierung‘ zu vermeiden und alles zu verwerfen, was nicht in die Realität passt, in der wir stehen. Wir sind der Fähigkeit beraubt, uns irgendeine Realität außerhalb der physischen, überprüfbaren, vorhersagbaren, beherrschbaren Welt vorzustellen, die wir für uns selbst geschaffen haben... Da formale Lehre mehrheitlich in ein rationalistisches Paradigma gezwängt wurde, ist die Gemeinschaft des Glaubens in einer dynamischen und erfahrbaren Gottesbeziehung, und nicht die akademische Gemeinschaft das eigentliche Umfeld, wo das pentekostale Verständnis biblischer Autorität entdeckt und erkundet werden kann« (Ellington, Pentecostalism and the Authority of Scripture 26, 29). Es stimmt, dass wir als endliche Geschöpfe nicht alles über Gott und über jede Facette seines Wortes aus einem rationalen Blickwinkel wissen können, aber wenn sein Wort durch unsere Verstandesfähigkeit begriffen werden kann, obliegt es uns, die rationalen Fähigkeiten zu nutzen, die Gott uns geschenkt hat. Das Wesen und der Gebrauch der geistlichen Gaben, wie sie im Neuen Testament beschrieben werden, sind Bereiche, die wir erfassen können, indem wir unsere Denkfähigkeit einsetzen.

73 Ebd., 288.

74 Ebd., 301.

75 Was den angeblichen Unterschied zwischen antikem Christentum und dem modernen Evangelikalismus in Bezug auf die rationale Methode der Interpretation der Bibel angeht, siehe: F. David Farnell, »The Case for the Independence View of Gospel Origins,« in Three Views on the Origins of the Synoptic Gospels, ed. Robert L. Thomas, Grand Rapids: Kregel, 2002, 200-2.

76 Turner, The Holy Spirit and Spiritual Gifts X-XI.

77 Menzies and Menzies, Spirit and Power 67.

78 Wayne A. Grudem, The Gift of Prophecy in the New Testament and Today, Westchester, Ill.: Crossway, 1988, 14.

79 Ebd., 249. In einem früheren Buch stellte er sein Ziel in einer anderen Weise dar: »Aber obgleich ich nicht gänzlich mit beiden Gruppen übereinstimme, hoffe ich, dass in meiner in gewisser Weise neuen Definition der Natur christlicher Prophetie sowohl Pro-Charismatiker als auch Anti-Charismatiker einen Mittelweg finden können, der ein beachtliches Potential für die Versöhnung der gegenwärtigen Differenzen beinhaltet.« In: The Gift of Prophecy in First Corinthians, Washington, D.C.: University Press of America, 1982, XV.

80 Grudem, The Gift of Prophecy in the New Testament 275-76; was weitere hermeneutische Konsequenzen angeht, siehe Robert L. Thomas, Understanding Spiritual Gifts, 133-42.

81 Ebd., 63-64, 143, 160, 251-52, 331.

82 Ebd., 49-51.

83 Zur Widerlegung von Grudems Interpretation von Epheser 2,20 aus grammatikalischer Perspektive siehe die exzellente Erörterung von F. David Farnell »Fallible New Testament Prophecy/Prophets?,« The Master’s Seminary Journal 2, Fall 1991:162-69, und Thomas R. Edgar, Satisfied by the Promise of the Spirit, Grand Rapids: Kregel, 1996, 76-79. Grudem hatte den Vorteil bei seiner Arbeit zu dem Thema C. F. D. Moule, der als Experte und Autorität in Grammatik breite Anerkennung genießt, als Doktorvater an seiner Seite zu haben; aber offensichtlich entschied er sich, den Rat von Moule in Bezug auf dieses grammatikalische Argument zu missachten (vergl. C. F. D. Moule, An Idiom Book of New Testament Greek, Cambridge: Cambridge University, 1960, 110).

84 Gift of Prophecy in the New Testament and Today, 59.

85 Vergl. Kenneth L. Gentry, Jr., The Charismatic Gift of Prophecy, 2nd ed., Memphis, Tenn.: Footstool, 1989, 30-31.

86 John R. Stott, God’s New Society: The Message of Ephesians, Downers Grove, Ill.: InterVarsity, 1979, 107; Richard B. Gaffin, Jr., »A Cessationist View,« in Are Miraculous Gifts for Today? Four Views, ed. Wayne A. Grudem, Grand Rapids: Zondervan, 1996, 43-44; Robert L. Saucy, »Open But Cautious,« in Are Miraculous Gifts for Today? Four Views 111-12.

87 Terry, Biblical Hermeneutics, 181.

88 John Ruthven, »The ‘Foundational Gifts’ of Ephesians 2:30,« Journal of Pentecostal Theology 10/2 (2002):30. Ruthven ist Professor für Systematische und Praktische Theologie an der Regent University School of Divinity, Virginia Beach, Va.

89 Ebd., 31-33.

90 Ebd., 41.

91 Ebd., 41-43. Deere stimmt Ruthven zu, wenn er es für möglich hält, dass Apostel im gesamten Gemeindezeitalter berufen werden können (Jack Deere, Surprised by the Power of the Spirit, Grand Rapids: Zondervan, 248), aber er weicht ein wenig aus, wenn er die Annahme äußert, dass das Apostelamt keine geistliche Gabe sei (ebd., 242). Keine der beiden Kriterien treffen auf das biblische Apostelamt zu.

92 Robert L. Thomas, Understanding Spiritual Gifts 58-59, 174-76.

93 Zur Verdeutlichung die »Einleitung« eines kürzlich erschienenen Buches von Craig S. Keener (Gift and Giver: The Holy Spirit for Today, Grand Rapids: Baker, 2001), wo Folgendes niedergeschrieben wurde: »Ich wurde durch ein Wunder geheilt, ich erlebte die übernatürlichen Gaben wie Prophetie, ich folgte der Führung des Heiligen Geistes beim Bezeugen, und ich hatte tiefe Erfahrungen im Geist während des Gebets (einschließlich des Zungengebets). Ich betrachte solche Erfahrungen (und weitere, die später in dem Buch angeführt werden) als einen Vorteil, wenn ich ein Buch über den Heiligen Geist schreibe, welches kontroverse Fragen beinhaltet ... Ich könnte nicht leugnen, dass sich ein solches Wirken heute noch ereignet, wie ich die Existenz einer Person, die ich persönlich kenne, ebenso nicht leugnen könnte, weil ich Zeuge dieser Realität aus erster Hand bin.« Ohne auf das Buch von Keener näher einzugehen, ist es nicht schwer vorherzusagen, wohin ihn sein Vorverständnis in Bezug auf den Umgang mit der Schrift führt und welche hermeneutischen Verzerrungen dies nach sich zieht.

94 Ebd., 92.

95 Dies ist die Auffassung von Grudem (Are Miraculous Gifts for Today? 12-13) und Keener (ebd., 91).

96 Vergl. R. C. Sproul, Knowing Scripture, Downers Grove, Ill.: InterVarsity, 1977, 105.

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