Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Ein Erdbeben in der Nähe von Köln, nicht natürlichen Ursprungs, bringt eine Höhle zutage. Die Höhlenforscherin Dr. Petra Althing erforscht die Höhle, stößt dabei auf mysteriöse Holzkisten mit unerwartetem Inhalt. Was findet sie dort? Wie ist ihr Professor von der Uni, Werner Tiefental, in die Sache verwickelt? Es beginnt eine Jagd auf unglaubliche Kreaturen. Eine Jagd, die weit in die Vergangenheit reicht. Werden sie das Geheimnis um die Kisten lösen?
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 620
Veröffentlichungsjahr: 2014
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Ralf Feldvoß
Die Höhle
Das Grauen aus der Vergangenheit
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Widmung
Prolog
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
EPILOG
Impressum neobooks
Die Sonne verschwand
Hinter dem Horizont
Versank immer tiefer
Doch dann stieg sie wieder auf
Erhob sich glühend und feuerrot
Der Horizont erhellte sich
Schien zu brennen
Immer heller, immer gleißender das Licht
Die Sonne wuchs und wuchs
Zog einen rauchenden Schweif
Die Luft immer heißer
Die Sonne immer größer, immer näher
Alles Leben verkroch sich
Die Sonne schlug ein
Umhüllt von ihrem Schweif
Versank in der Erde
Ward nicht mehr gesehen
Die Erde zerstört
Die Sonne versunken
Es ward Nacht
Ruhe und Dunkelheit kehrten ein
Freitag, 02. Juli
Engelskirchen bei Köln, Haus der Familie Westerfeld
Julia Westerfeld hatte sich nach getaner Hausarbeit auf das beige Sofa zurückgezogen. Sie genoss ihren zweiten Tee an diesem Tage, eine Pfefferminz- Karamellmischung mit einem Spritzer Zitronensaft und sah sich im Fernsehen eine Dokumentation über die ECTA an.
Die ECTA war eine europäische Vereinigung, dieEuropean Capitol Train Association.Gegründet wurde siezum Bau von hochmodernen Bahnstrecken zwischen den Hauptstädten der EU.
Aus aktuellem Anlass wurde im Kölner Regionalfernsehen diese Dokumentation gesendet, da sich die Standorte der beiden Bauabschnitte der ersten Strecke zwischen Paris und Berlin in unmittelbarer Nähe befanden. In ein paar Tagen, so war der Plan, sollten die beiden Strecken zusammengeführt und somit die erste Trasse fertiggestellt werden.
Vor etwa zwei Jahren war die Entscheidung zugunsten dieser Strecke gefallen. Wie aus dem Bericht hervorging, mit etlichen Diskussionen. Jeder der Vertreter der einzelnen Staaten hatte natürlich seine Argumente, die aus deren Sicht dafür sprachen, dass ihre Stadt eine der ersten Ziele sein sollte. Schließlich fiel die knappe Entscheidung für Paris-Berlin.
Die Strecke führte an Köln vorbei und auch an Engelskirchen, dem Wohnort der Westerfelds. Vorbei war zwar nicht der richtige Ausdruck, denn es waren ausschließlich unterirdische Strecken, die gebaut werden sollten, aber darüber, wo genau die Strecken verliefen, wurde absolutes Stillschweigen bewahrt, aus Angst vor terroristischen Anschlägen. Niemand mochte ein Szenario erleben, wie es am elften September 2001 die Stadt New York musste.
Gerade als ein Interview mit dem Vorsitzenden der ECTA, dem Schotten Ian McAllister, gezeigt wurde, kamen die Kinder Elise und Jonah, zehn und dreizehn Jahre alt, ins Wohnzimmer.
Die Geschwister wollten mit ihren Fahrrädern einen Ausflug in das nahe gelegene Naturschutzgebiet im Süden Engelskirchens unternehmen und dort ein Picknick machen. Es waren Sommerferien und es war ein wunderschöner Julitag. Genau richtig, um vorm anstehenden Urlaub noch mal so etwas zu unternehmen.
Das Haus der Westerfelds lag am südlichen Ortsrand von Engelskirchen. Es hatte ein großes Grundstück von etwa 500 Quadratmetern. Am Ende des Grundstückes gelangte man in ein kleines Waldstück, bestehend hauptsächlich aus Nadelbäumen, Kiefern und Fichten. Hier im Garten des Hauses fühlte man sich auch fast wie im Urlaub. Aber eben nur fast, es war dann doch noch etwas anderes zu verreisen.
“Warum macht Ihr das Picknick nicht bei uns im Garten?”, hatte Julia die beiden gefragt.
“Ach Mama, es ist so ein schöner Tag, da kann man doch Radfahren und Picknick wunderbar miteinander verbinden.”, quengelte Jonah.
“Na gut, ist ja richtig. Fahrt aber nicht zu weit weg und passt auf Euch auf. Wisst Ihr denn schon, wo Ihr hin wollt?”
“Runter ins Naturschutzgebiet.”
“Passt dann aber auf, wenn Ihr über die Landstraße fahrt und dass Ihr mir ja pünktlich zum Abendbrot wieder zu Hause seid! Spätestens um 19 Uhr. Und morgen geht Ihr gar nicht weg, ich muss nachher noch Wäsche waschen für den Urlaub und ihr wolltet mir bei den letzten Vorbereitungen helfen.”
“Na klar Mama, kein Problem! Ich stell mir einfach eine Erinnerung ins Handy, dann sind wir garantiert pünktlich heute Abend. Elli, kommst Du? Ich bin fertig.”, rief er seiner Schwester zu, die allem Anschein nach noch im Bad war.
“Moment noch Jonnie, bin noch auf´m Klo!”, kam dann auch die passende Antwort.
“Weiber, typisch.” murmelte Jonah vor sich hin.
Zehn Minuten später waren sie unterwegs. Es waren schon ungewöhnliche Geschwister. Nie hatte es irgendwelchen Streit zwischen den beiden gegeben. Jonah und Elise hielten zusammen, wie Pech und Schwefel. Da konnte kommen, wer oder was auch immer wollte.
Klar hatte auch jeder seine eigenen Freunde, aber hätte man sie gefragt, wer denn jeweils der beste Freund war, hätten beide die Schwester, bzw. den Bruder genannt.
Fröhlich irgendwelche Melodien vor sich hin pfeifend fuhren sie auf ihren Rädern dahin, die Satteltaschen prall gefüllt mit vielen Leckereien. Solch ein Picknick machten die beiden häufiger, aber stets außerhalb, was ihre Eltern nie so recht verstanden haben, hatten sie doch extra der Kinder wegen sich für dieses Haus mit dem großen Garten entschieden.
Naturschutzgebiet bei Engelskirchen
Nach knappen zwei Stunden hatten die Geschwister Westerfeld eine Stelle im Naturschutzgebiet gefunden, die ihnen zusagte. Sie breiteten die Decke auf dem Boden aus, legten ihre mitgebrachten Sachen darauf und deckten sich damit ihre Tafel. Nachdem sie sich vorläufig satt gegessen und getrunken hatten, legten sie sich entspannt in die Sonne und genossen die Ruhe an diesem wunderschönen Tag.
“Hast Du eigentlich Angst vorm Fliegen?” fragte Elise ihren großen Bruder. In zwei Tagen würden sie die erste Flugreise ihres Lebens antreten, und dann gleich richtig weit, nach Mauritius sollte es gehen.
Ihre Eltern hatten für diese Reise lange sparen müssen. Die Raten für das Haus waren doch relativ hoch, so dass keine großen Sprünge möglich waren. Nachdem ihr Vater aber vor einem halben Jahr befördert worden war, er arbeitete als Rechtsanwalt in einer großen Kanzlei, konnte sich die Familie dadurch nun endlich diesen lange gehegten Wunsch erfüllen.
“Ich weiß nicht, hab´ ich noch nicht drüber nachgedacht. Ich freu´ mich einfach und mach´ mir keine großen Gedanken.”
“Aber ist es denn nicht gefährlich? Man hört doch immer wieder von Abstürzen.”
“Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel der Welt, kannste überall lesen. Außerdem kommen zum Beispiel im Straßenverkehr mehr Menschen pro Jahr ums Leben, als bei einem Flugzeugabsturz.”, versuchte Jonah seine Schwester zu beruhigen.
“Na ja, wenn Du das sagst.”
“Sag ich! Und jetzt lass´ uns die Sonne weiter genießen und nicht über solche schrecklichen Dinge nachdenken.” Breit grinsend nahm er seine Schwester in den Arm.
Auch wenn sie wahrscheinlich wusste, dass er es nicht böse gemeint hatte, war es ihm doch lieber, das durch diese Geste deutlich zu machen.
Faul und glücklich lagen sie nun still nebeneinander auf der Decke. Die Welt konnte so ruhig und friedlich sein. Konnte.
Denn der Frieden währte nicht lange. Plötzlich gab es ein lautes Krachen, wie als wenn mehrere dicke Baumstämme gleichzeitig zerbarsten. Es hörte sich zwar relativ weit entfernt an, aber trotzdem schauten sich die beiden beunruhigt an.
“Was war denn das?” Elise hatte vor großer Furcht ihre hellblauen Augen weit aufgerissen.
“Keine Ahnung. Aber so, wie sich das angehört hat, war es nicht in der Nähe.“
Damit hatte sich Jonah aber geirrt, denn auf einmal begann die Erde zu wackeln, begleitet von dem gleichen Krachen wie zuvor, diesmal aber lauter und näher.
Erst war es so, als wenn jemand an der Decke zurren würde, doch das Wackeln und Zittern wurde immer stärker.
“Oh mein Gott, ich glaub´ das ist ein Erdbeben! Elli, schnell, hilf mir die Sachen einzupacken, damit wir verschwinden können!”
Blankes Entsetzen war in ihre Gesichter gefahren. Erdbeben? So was gibt’s doch nur in Amerika oder Japan, aber doch nicht hier! Es wurde immer schlimmer, erste kleine Risse taten sich im Erdboden neben der Picknickdecke auf.
“Jonnie, beeil Dich!” rief Elise ihrem Bruder zu, die Stimme, ein einziger Ausdruck ihrer Angst.
“Bin gleich soweit, fahr Du schon mal los!”
Doch dazu kam es nicht mehr. Völlig unvermittelt tat sich die Erde auf, genau neben ihrem Picknickplatz. Es geschah so schnell, dass keiner von beiden noch rechtzeitig reagieren konnte. Zunächst war es nur ein schmaler Riss, doch schon im nächsten Moment ein großer Spalt. Immer weiter öffnete sich der Erdboden. Jonah und Elise begannen hinunterzurutschen, sie suchten nach irgendetwas, woran sie sich festhalten könnten, aber es gab nichts. Ihre mitgebrachten Sachen fielen an ihnen vorbei in die Tiefe, das Besteck, die Gläser, die Vorratsdosen.
“Jonnie, ich falle!”
“Versuch Dich mit den Fingern im Boden festzukrallen!”
Ein weiterer Erdstoß ließ sie den Halt gänzlich verlieren. Glücklicherweise rutschten die Fahrräder an ihnen vorbei, die sie etwas abseits abgestellt hatten und verkanteten sich in dem Spalt, so dass die Geschwister von den Rädern aufgefangen wurden. Sie schauten sich erleichtert an und wussten nicht, ob sie vor Angst, oder vor Glück weinen sollten.
Der nächste Stoß nahm ihnen allerdings die Entscheidung darüber ab. Die Erde wackelte heftig hin und her, der Spalt öffnete sich ein Stückchen weiter wodurch die Fahrräder sich aus ihrer Verankerung lösten und scheppernd in ein über fünfzehn Meter tiefes Loch fielen. Die Geschwister Elise und Jonah Westerfeld fielen kreischend und mit Todesangst in den Augen hinterher. Verzweifelte Versuche, sich irgendwo an der vorbei fliegenden Wand festzuhalten, schlugen fehl. Stattdessen schürften sie sich die Fingerkuppen auf. So fielen sie weiter, bis sie mit dem gesamten Schwung des Sturzes auf den harten Boden am Grunde des Lochs aufschlugen.
Ein paar Minuten später hatte sich die Erde wieder beruhigt. Außer in dem Naturschutzgebiet war sonst nirgendwo in der Umgebung etwas Nennenswertes von dem Erdbeben zu spüren gewesen. Übrig blieb lediglich ein etwa zwei Mal zwei Meter großes Loch im Boden, wo kurz vorher noch die Geschwister gemütlich auf ihrer Decke gelegen hatten. Und ein Spalt, der sich quer durch das Naturschutzgebiet entlang zog.
Engelskirchen, Haus der Familie Westerfeld
Es war kurz vor halb acht am selben Abend, als sich die Haustür öffnete und Patrick Westerfeld nach Hause kam. Endlich Urlaub! Nach seiner Beförderung Ende Dezember des Vorjahres hatte er sich lediglich eine Woche im Frühjahr gegönnt. Doch nun standen die ersehnten drei Wochen an.
“Julia, wo bist Du?”, rief er fröhlich ins Haus hinein nachdem er durch die Tür getreten war.
“Oh Patrick, endlich!“ Julia kam ihm entgegen gelaufen, offensichtlich furchtbar aufgewühlt.
„Ich bin völlig verzweifelt. Die Kinder! Sie sollten spätestens um sieben zum Abendbrot zu Hause sein und sind immer noch nicht da! Sie haben sich nicht gemeldet und ihre Handys sind scheinbar ausgeschaltet. Ich mache mir ernsthaft Sorgen! Die beiden sind doch sonst nicht so.”
“Komm Schatz, beruhige Dich doch erst mal. Was hatten sie denn vor, wo wollten sie hin? Es gibt wahrscheinlich eine ganz plausible Erklärung dafür. Akkus leer, die Zeit vergessen, oder so was in der Art.”
“Sie wollten ein Picknick im Naturschutzgebiet machen und sind mit ihren Rädern los, so gegen zwölf war das.” Tränen schossen Julia in die Augen woraufhin Patrick sie beruhigend in den Arm nahm.
“OK. Wir versuchen sie noch mal zu erreichen. Hast Du bei ihren Freunden mal nachgefragt, ob sie vielleicht dort bei jemand sind?”
“Nein.”, schluchzte sie.
“Also gut, Du rufst ihre Freunde an und ich versuche sie über ihre Handys zu erreichen.”
Bei ihren Freunden waren sie nicht, wie die jeweiligen Eltern mitteilten. Und auch die Handys waren nach wie vor nicht eingeschaltet. Nun machte sich auch Patrick Sorgen. Normalerweise waren ihre Kinder die Zuverlässigkeit in Person.
Keine zehn Minuten später saß das Ehepaar Westerfeld im Auto, auf dem Weg ins Naturschutzgebiet, um Elise und Jonah zu suchen.
Naturschutzgebiet bei Engelskirchen
“Weißt Du, ob sie hier irgendwo einen Lieblingsplatz oder so haben?” fragte Patrick, als sie angekommen waren.
“Nein, keine Ahnung.”, schniefte Julia. Sie konnte und wollte ihre Tränen nicht zurückhalten.
“Dann müssen wir auf gut Glück suchen.” Patrick stieg aus, ging um das Auto und öffnete die Beifahrertür.
„Komm Julia. Hier rumsitzen hilft uns nicht.“ Fast widerwillig stieg sie aus. Sie hätte es nicht erklären können, aber irgendwie sträubte sie sich gegen die Suche.
Nach zwei Stunden gaben sie verzweifelt auf und kehrten zum Auto zurück. Es war einfach ein zu großes Gebiet mit viel zu vielen Möglichkeiten, wo sie sein könnten.
“Lass´ uns die Polizei verständigen, die haben doch noch ganz andere Möglichkeiten, als wir. Wir laufen hier doch nur planlos durch die Gegend. Das bringt doch nichts.” “Ja, ich denke Du hast Recht.”
Völlig verängstigt, was mit ihren Kindern passiert sein mag, setzte Julia sich wieder ins Auto. Währenddessen rief Patrick bei der Polizei an. Er schilderte der Dame vom Notruf die Situation, was sie bisher unternommen hatten und wo sie sich gerade aufhielten.
“Sie schicken uns einen Streifenwagen.” sagte er, als er sich zu Julia ins Auto setzte.
“Einen Streifenwagen? Die sollen gefälligst mit einer Suchmannschaft hier anrücken und nicht nur mit einem läppischen Streifenwagen!”
Julia Westerfeld wusste nicht, ob sie nun mehr wütend auf die Polizei, oder besorgt um ihre Kinder sein sollte.
“Nun beruhige Dich doch bitte etwas, Schatz. Die wissen schon was sie tun. Die haben doch schließlich tagtäglich mit vermissten Personen zu tun.”, versuchte Patrick seine Frau etwas zu trösten, strich ihr dabei mit der Hand über den Kopf. Sie schüttelte ihn ab, zu groß waren die Sorgen um Elise und Jonah. Ja, ja, sicher, die hatten da sicherlich mehr Erfahrung, aber hier ging es jetzt um IHRE Kinder!
Kurze Zeit später tauchte ein Scheinwerferpaar auf der Landstraße auf. Als sie näher kamen wurde deutlich, dass es der angekündigte Streifenwagen war.
“Guten Abend! Sind Sie die Eheleute Westerfeld?”, fragte der Wachtmeister.
“Das sind wir.”
“Dann erzählen Sie bitte noch einmal, was passiert ist.”
Die Beamten nahmen die Aussagen auf. Viel konnten sie ihnen nicht sagen, wussten sie ja selber nicht genau, was passiert sein könnte.
“Haben Sie noch mal versucht Ihre Kinder auf den Handys zu erreichen?”
“Kurz bevor Sie kamen - nichts - keine Antwort, keine Verbindung. Nur jeweils die Mailbox.”
“OK, wir kümmern uns darum. Wir werden einen Suchtrupp in das Gebiet schicken und einen weiteren Streifenwagen anfordern, der sie nach Hause bringen und bei Ihnen bleiben wird. Dort warten Sie dann bitte, bis Sie etwas von uns hören. Sind Ihre Kinder denn schon häufiger einfach von zu Hause weggelaufen?”
“Sie sind nicht weggelaufen!” Julia schrie es dem Beamten förmlich ins Gesicht. “Was bilden Sie sich ein, einfach zu behaupten, sie wären weggelaufen?”
“Wissen Sie, so was kommt häufiger vor, als man denken mag.”
“Aber nicht unsere Kinder, wir sind eine sehr, sehr glückliche Familie! Wissen Sie überhaupt, was das bedeutet, eine glückliche Familie zu sein?”
“Gut, gut, wie Sie meinen. Herr Westerfeld, wären Sie in der Lage selber zu fahren?”
“Ich weiß nicht genau, ich glaube, es wäre besser, wenn einer Ihrer Kollegen mit unserem Wagen fahren würde.“
Engelskirchen, Haus der Familie Westerfeld
Eine Stunde später waren Sie wieder zu Hause angekommen. Das Haus wirkte auf die beiden leer und unausgefüllt. Es fehlte das Lachen, das Herumtoben der Kinder. Beide waren absolute Wunschkinder gewesen. Entsprechend wurde von Geburt von Jonah an das Leben größtenteils auf die Kinder zugeschnitten. In diese Welt passte einfach nicht, dass die beiden einfach so verschwanden. Und es passte auch nicht zu den beiden. Viel zu folgsam und vernünftig sind sie gewesen. Vor allem, wovor hätten sie weglaufen sollen? Sie hatten alles, was man sich wünschen konnte. Zumindest hatte es nie Anzeichen gegeben, dass sie wegen irgendetwas unglücklich sein könnten.
Die beiden Streifenpolizisten blieben im Haus. Einerseits, um unüberlegte Handlungen zu verhindern, besonders Julia wäre in der momentanen Verfassung einiges zuzutrauen gewesen, andererseits aber auch, um im Notfall die Westerfelds so schnell wie möglich zurück ins Naturschutzgebiet fahren zu können.
Die folgenden Stunden verstrichen wie in Zeitlupe. Es kam ihnen so vor, als würde die Zeit still stehen. Die andauernde Ungewissheit ließ sie nicht ruhen. Julia ging immer wieder von einem Kinderzimmer zum anderen und zurück. Einfach, um so wenigstens eine gewisse Nähe zu ihren Kindern zu haben, in Gedanken bei ihnen zu sein.
Patrick jedoch schien es besser hinzubekommen, ein wenig zur Ruhe zu kommen. Er saß in seinem grünen Ohrensessel im Wohnzimmer. Ob er wirklich zur Ruhe kam? Er starrte, seitdem sie wieder zu Hause waren, eigentlich nur Löcher in die Luft.
Die Warterei war nervenzerfetzend und mit jeder Minute, die verstrich, schwand die Hoffnung der Eltern auf eine gute Nachricht. Hörte man doch immer wieder, je länger es dauerte, umso schlimmer die Nachricht.
Mittlerweile war es nach Mitternacht geworden, als sich plötzlich eines der Funkgeräte der Beamten krächzend meldete. Einer der beiden verließ den Raum, um im Nebenzimmer die Nachricht zu empfangen. Er wollte damit verhindern, dass Herr Westerfeld durch seinen Gesichtsausdruck bereits ahnen konnte, was geschehen war.
Es dauerte nicht lange, da kam der Beamte wieder rein und setzte sich auf das Sofa neben Herrn Westerfeld und berichtete ihm, so vorsichtig und einfühlend wie möglich, was er soeben erfahren hatte.
Mit jedem Wort mehr wich langsam jegliche Farbe aus Patricks Gesicht. Entsetzen machte sich bei ihm breit, und Unglaube, so schien es. Aber ein Blick in die Augen des Beamten zeigte ihm deutlich, dass dies die Wahrheit war, was ihm gerade mitgeteilt wurde. Ein Gefühl von unendlicher Trauer und Wut auf den, oder die Verantwortlichen machte sich breit, nur wusste er nicht, wem er die Schuld geben sollte.
“Möchten Sie es Ihrer Frau mitteilen, oder soll das einer von uns lieber übernehmen?”
Patrick erhob sich langsam aus seinem Sessel. Er war völlig durcheinander, das durfte einfach nicht wahr sein, das konnte nicht wahr sein. Er musste sich abstützen beim Aufstehen, so wackelig war er auf den Beinen. Wortlos schritt er aus dem Raum und ging in den Flur, zur Treppe, in die obere Etage. Ganz langsam, als wenn er noch nie über eine Treppe gegangen wäre, schritt er Stufe für Stufe hinauf. Antwort genug für den Beamten.
Seine Frau saß in Jonahs Zimmer auf seinem Bett, mit dem Lieblingskuscheltier in den Armen. Es war der schon total ausgeblichene und abgenutzte Steiff-Bär, den Jonah von seinen Großeltern zur Geburt bekommen hatte, aber von ihm trennen wollte und konnte er sich nicht. Jonah hatte ihn zu gerne.
Als Julia ihren Mann im Türrahmen stehen sah, genügte ihr ein einziger Blick auf seine fast zwei Meter große Gestalt. Die Körpersprache und der Blick seiner haselnussbraunen Augen sagten alles, was gesagt werden musste. Es war Nachricht gekommen, Nachricht die keiner von beiden hören wollte.
Sie schaute ihn erwartungsvoll an, in der Hoffnung, sich vielleicht doch getäuscht zu haben. Patrick sah die Frage in ihren Augen und schüttelte zur Antwort lediglich den Kopf. Julia begann langsam am ganzen Körper zu zittern. Es begann an den Füßen, zog über die Beine bis hinauf zum Oberkörper bis es schließlich das Kinn erreichte. Und da brach es aus ihr heraus. Die Tränen schossen ihr in die Augen und aus ihrer Kehle entrang sich ein gequälter, lang gezogener Schrei.
“NEEEIIIIN!!!!”
Naturschutzgebiet bei Engelskirchen
Schweigend saßen Julia und Patrick auf der Rückbank im Streifenwagen. Die Beamten fuhren sie zum Fundort ihrer Kinder in das Naturschutzgebiet. Der Hauptkommissar vor Ort hatte darauf bestanden, dass sie zur Identifizierung persönlich dort erschienen. Es war ihnen nicht leicht gefallen, sich mit auf den Weg zu machen, wussten sie ja nicht, was sie dort erwarten würde. Entsprechend wollten sie auch nicht aussteigen, als sie angekommen waren. Schweren Herzens taten sie es dennoch, wobei Julia von Patrick gestützt werden musste.
“Geh Du alleine, ich glaube, ich schaffe das nicht!” bat Julia ihren Mann unter Tränen. Patrick fasste ihre Hand und drückte sie zärtlich.
“Wie Du meinst, dann sage ich Bescheid, dass einer der Beamten bei Dir bleibt.” So ließ sich Patrick von dem anderen Beamten zum Fundort bringen.
Dort angekommen kam ein untersetzter, aber kräftig gebauter Mann in einem grauen Trenchcoat auf sie zu und begrüßte Patrick.
“Hauptkommissar Welp, guten Abend. Herr Patrick Westerfeld, nehme ich an?”
“Ja, der bin ich. Wo sind meine Kinder?”
Patrick wollte es hinter sich bringen. Ein unbeschreiblicher Schmerz für Eltern, wenn sie ihre Kinder zu Grabe tragen müssen und unter solchen Umständen natürlich noch viel mehr. Somit wollte er schnell Gewissheit haben, ob es sich tatsächlich um seine Kinder handelte.
“Bevor ich Sie zu den Kindern bringe… es ist kein schöner Anblick, um es vorsichtig auszudrücken. Sie entscheiden, wie viel Sie sehen wollen, die Gesichter müssen sein, wegen der Identifikation.”
“Was heißtkein schöner Anblick? Woran sind sie gestorben?”
“Das kann abschließend nur die Autopsie klären, was genau die Todesursache war. Offensichtlich sind sie in eine etwa fünfzehn Meter tiefe Erdspalte gestürzt, mitsamt ihren Fahrrädern. Durch den Aufprall haben sie definitiv tödliche Verletzungen davongetragen, aber ob diese Verletzungen die tatsächliche Todesursache war, oder ob sie vielleicht sogar vorher umgebracht wurden…
Wieso sie allerdings in die Spalte gestürzt sind… keine Ahnung. Ungeklärt ist darüber hinaus, wo diese Erdspalte überhaupt auf einmal herkommt. Da tappen wir auch noch total im Dunkeln.”
“Wissen Sie, Herr Kommissar, das ist mir ziemlich egal, wo diese Erdspalte herkommt. Was mich interessiert, ist, warum und wie sind meine Kinder dort hineingefallen.”
“Entschuldigen Sie, natürlich. Eine Frage habe ich aber noch, bevor ich Sie zu den Kindern führe. Wir haben eine Decke und mehrere Lebensmittel dort unten gefunden. Haben Sie dafür eine Erklärung?”
“Sie wollten hier ein Picknick machen, mehr weiß ich auch nicht. Reicht es nicht, wenn ich die Räder als die unserer Kinder identifiziere. Ich weiß nicht, ob ich den Anblick meiner Kinder ertragen kann.”
“Es tut mir sehr leid, aber das muss leider sein. Es könnte ja auch sein, dass die Räder gestohlen wurden und wir haben gar nicht ihre Kinder dort gefunden.”
“Wohl kaum, wenn Sie sagen, Sie haben dort auch Reste des Picknicks gefunden.”
“Man weiß nie, Herr Westerfeld. Wenn Sie mir jetzt bitte folgen würden.”
“OK, bringen wir es hinter uns.” antwortete Patrick, begleitet durch einen tiefen Seufzer.
Hauptkommissar Welp führte ihn in das Zelt, in das die Leichen gebracht worden und dort aufgebahrt waren. Zwischen den beiden Liegen blieben sie stehen.
“Bereit Herr Westerfeld?”
“Ja.” brachte er unter Mühen hervor. Sein Mund und seine Kehle fühlten sich an, als hätte er gerade ein Glas Sand getrunken, so trocken und kratzig.
Als der Gerichtsmediziner die Decken zurückwarf, hatte Kommissar Welp gerade noch dazu ansetzen wollen, ihm zu sagen, dass vorläufig nur die Gesichter der Kinder gezeigt werden sollen. Doch da war es bereits zu spät. Es eröffnete sich ein Bild des Grauens. Die Todesursache war für Patrick eindeutig, da war niemand anderer beteiligt. Völlig zertrümmert lagen die nackten Leichen, von denen wenigstens das Blut schon abgewaschen war, auf den Bahren. Die völlig verdreckte Kleidung lag in einem Behälter am Kopfende der Liegen.
Die Köpfe waren noch die Körperteile, die den geringsten Schaden genommen hatten, sodass es zumindest zu einer zweifelsfreien Identifikation kommen konnte.
Der Rest aber sah aus, wie von einem LKW zerquetscht. Gliedmaßen, die um bis zu hundertachtzig Grad verdreht waren; mehrere abgetrennte Finger, die nur an die Hand, an der sie sich einst befanden, dazu gelegt worden waren. Ebenso ein Fuß, ein fast komplett durchtrennter Oberschenkel. Der Brustkorb einer der beiden Leichen war so stark eingedrückt, dass man meinen könnte, darunter die Liege erkennen zu können. An unzähligen Stellen standen Knochen aus dem Fleisch hervor, die sich hindurch gebohrt hatten.
Patrick Westerfeld drehte sich unvermittelt um und übergab sich auf den Kittel des Gerichtsmediziners, der hinter ihm stand. Bei den Leichen handelte es sich eindeutig um Elise und Jonah.
Samstag, 03. Juli
Köln, Gerichtsmedizin
Patrick erinnerte sich noch gut an das graue, sechsstöckige Gebäude in dem die Gerichtsmedizin untergebracht war und sich nun vor ihm erhob. Eine hässliche Fassade, deprimierend und traurig wirkend, passte es zu seiner Gemütsverfassung. Er kannte es aus beruflichen Gründen. Es gab den ein, oder anderen Fall, wo ihn die Ermittlungen hierher geführt hatten.
Nachdem er das Gebäude durch die zweiflügelige Eingangstür betreten hatte, stand er in der kalten Empfangshalle, begleitet wurde er von den beiden Beamten, die schon die Nacht über bei ihm gewesen waren. Einer der beiden Beamten ging zur Information, an der ein Pfleger saß, um zu fragen in welchem Raum sich die Kinder befanden.
Der Pfleger wirkte nicht so, als mache ihm seine Arbeit an diesem herrlichen und sonnigen Samstagmorgen viel Freude. Nach seinen geröteten Augen zu schließen, hatte er in der vergangenen Nacht auch nicht viel Schlaf bekommen.
“Guten Morgen …. Peter”, las der Beamte vom Namensschild ab. “Wo finden wir Dr. Höning? Wir werden erwartet.”
Der Pfleger blätterte daraufhin in irgendwelchen Unterlagen. “Mit wem haben Sie den Termin?” lallte er. Es musste wirklich eine sehr kurze Nacht gewesen sein, ein Duftgemisch aus Bier, Schnaps und Zigaretten wehte ihnen aus dem Mund des Pflegers entgegen.
“Dr. Höning, Pathologie.”, antwortete der Beamte, nun schon leicht genervt.
„Dr. Höning, Dr. Höning...“, murmelte der Pfleger leise vor sich hin und nahm sich ein Register, in dem die einzelnen Stationen verzeichnet waren.
Mit offensichtlichen Mühen blätterte Peter durch die Unterlagen vor ihm. Es schien ihm schwer zu fallen, sich zu konzentrieren.
“Ah hier. Drittes Untergeschoss, Zimmer U-3.13. Die Fahrstühle finden Sie den Gang links runter.”
“Danke.”
Gemessenen Schrittes gingen sie in die genannte Richtung. Unten angekommen suchten sie nach dem genannten Zimmer, in dem sich der Pathologe Dr. Höning befinden sollte. U-3.01, U-3.02, U-3.03 … U-3.13. Sie blieben vor der Tür stehen und klopften.
“Moment, bitte!” hörten sie eine hohe, rauchige Stimme sagen. Einen Augenblick später wurde die Tür geöffnet und vor ihnen stand ein hagerer Mann von etwa einem Meter achtzig. Seine stark ergrauten Haare standen wild vom Kopf ab. Patrick musste unwillkürlich an das berühmte Foto von Albert Einstein denken. Selbst der etwas irre Blick war zutreffend, nur dass Dr. Höning eine Nickelbrille mit extrem dicken Gläsern trug, so dass der Eindruck des verrückt Seins dadurch noch verstärkt wurde.So wurde man also, wenn man jahrelang mit Toten zu tun hatte,dachte Patrick bei sich. Ob das wirklich der Doktor war? Das Namensschild am Kittel wies ihn jedenfalls als diesen aus.
“Wer sind Sie denn und wer hat Sie hier heruntergelassen? Ich habe gleich einen Termin.”
“Der Portier. Dies ist Patrick Westerfeld, der Vater der beiden Kinder, die bei Ihnen sind.”
“Ach ja, richtig. Kommen Sie doch bitte herein. Setzen Sie sich, Kommissar Welp wartet bereits. Darf ich Ihnen einen Kaffee, oder ein Glas Wasser anbieten?”
“Ein Wasser, danke.”, antwortete Patrick abwesend.
So wirr, wie der Doktor wirkte, so penibel aufgeräumt und ordentlich war sein Labor. Keine Unterlagen, die wild durcheinander herumlagen. Es gab keine offenen Getränkedosen, keine Essensreste, oder ähnliches. Der Edelstahl der Schränke glänzte überall, als wären die Oberflächen gerade erst gründlich gereinigt worden.
Dr. Höning kam mit einem Glas Wasser für Patrick und einem Becher dampfenden Kaffee für sich aus der kleinen Teeküche. Die beiden Beamten hatten dankend die Frage nach einem Getränk abgelehnt. Er setzte sich zu ihm an den Schreibtisch.
“Wen hatten Sie denn erwartet?”, wurde Dr. Höning von Patrick gefragt.
“Ian McAllister von der ECTA. Er wollte wissen, ob es möglich sei, dass die Bauarbeiten der Bahntrasse Paris-Berlin, sie werden sicher aus den Medien davon gehört haben, mit dem Tod der beiden Kinder in Verbindung stehen könnten. Dabei ist die Todesursache so klar wie selten, wenn wir hier Leichen rein bekommen. Innere Quetschungen, Knochenbrüche, die zu starken inneren Verletzungen und Blutungen lebenswichtiger Organe geführt haben. Bei dem Jungen ist der Brustkorb so stark eingedrückt und deformiert worden, dass dadurch die Lunge regelrecht zerfetzt wurde. Bei dem Mädchen haben wir starke Risse in der Leber und im Herzen festgestellt, hervorgerufen durch geborstene Knochen, die sich teilweise in die Organe gebohrt haben. Die Verletzungen herauszufiltern, die die entscheidend tödlichen waren, ist bei dieser Vielzahl absolut unmöglich. Als offizielle Todesursache haben wir die Stürze aus knapp fünfzehn Metern Höhe im Totenschein eingetragen. So etwas überlebt kein Mensch.”
Bei diesen Ausführungen wurde Patrick immer bleicher. Die Erinnerungen an die Nacht vorher kamen durch die Worte, die er hörte, schmerzlich wieder hoch. Der Pathologe schien dies jedoch nicht zu bemerken, für ihn war es sein Beruf und so dachte er in diesem Moment nicht darüber nach, dass hier der Vater der beiden Kinder saß.
“Tut mir leid. Wichtiger scheint mir für Sie zu sein, die eigentliche Ursache für den Sturz herauszufinden, oder?”
“Das bringt sie mir auch nicht zurück. Ich weiß nicht, ich hatte mir erhofft, Sie hätten vielleicht irgendwelche ungewöhnliche Spuren an den Leichen entdeckt, die mir Aufschluss hätten geben können.”
“Nein. Das einzig Ungewöhnliche sind die vielen Verletzungen, mehr aber auch nicht. Und wenn man die Höhe, aus der die beiden gefallen sind noch mit bedenkt, eigentlich nicht einmal die.”
“Danke trotzdem Dr. Höning, dass Sie sich die Zeit genommen haben.” Welp machte Anstalten aufzustehen.
“Keine Ursache. Und wenn Sie doch noch Fragen haben sollten, rufen Sie mich gern direkt an.” Höning gab ihm eine Karte auf der unter anderem die direkte Durchwahl ins Labor stand, als auch die Mobilnummer.
Das war der Moment gewesen, in dem sich bei Patrick das Gefühl auftat, dass da etwas dran sein müsse, dass diese Bahngesellschaft schuld war. Vorher hatte er darüber keinen einzigen Gedanken verloren. Doch nun, als genauer darüber nachdachte, kam es ihm absolut plausibel. Unter welchen Umständen auch immer, diese ECTA war Schuld. Über das Wie kann sich die Polizei Gedanken machen.
Als er von den Beamten hinaus begleitet wurde, nachdem die Formalitäten mit Welp geklärt waren, klopfte es wieder an der Labortür. Dr. Höning öffnete. Vor der Tür stand McAllister. Der Pathologe machte die beiden miteinander bekannt. Die Reaktionen waren total unterschiedlicher Natur. McAllister blickte schuldbewusst, als wenn ihm das Aufeinandertreffen unangenehm war.
Patrick hingegen hatte nichts als Hass und Verabscheuung in den Augen gehabt. Die Erwähnung der Bauarbeiten hatten für ihn den Schuldigen ohne Zweifel dargelegt.
Sonntag, 04. Juli
Engelskirchen, Haus der Westerfelds
Julia und Patrick saßen in ihrem Wohnzimmer, Julia auf dem Sofa, Patrick in seinem Sessel. Den ganzen Tag über hatten sie kaum gesprochen. Jeder der beiden versuchte auf seine Art und Weise mit dem Unglück fertig zu werden.
Gerade waren der Bestatter und der Pastor der hiesigen Gemeinde bei ihnen gewesen, um die Formalitäten und den Ablauf der für morgen geplanten Beerdigung zu besprechen. Natürlich fiel es ihnen schwer, darüber zu sprechen. Julia hatte sich weitgehendst raus gehalten, sie konnte es einfach nicht. Sie saß die ganze Zeit stoisch auf dem Sofa und hielt die Lieblingskuscheltiere von Elise und Jonah im Arm. Patrick war auch nicht wohl bei der Sache, aber es musste sein.
Als es langsam Abend wurde klingelte es zweimal kurz hintereinander. Die Eltern von Julia und Patrick waren angekommen. Von da an hatte Julia wenigstens etwas mehr seelische Unterstützung, die ihr Patrick verständlicherweise nicht so geben konnte, wie es notwendig gewesen wäre.
Sie gingen früh zu Bett. Der nächste Tag würde sehr schwer werden. Die ganze Familie und die Freunde der Kinder zu diesem traurigen und bitteren Anlass zu sehen, würde eine der schwersten Prüfungen werden, die sie in ihrem Leben zu überstehen hatten.
Montag, 05. Juli
Engelskirchen, Friedhofskapelle
Es war ein Sommer wie aus dem Bilderbuch, fast so trocken und heiß wie 2006, als die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland stattfand. Damals war es ein friedlicher Sommer gewesen, auch für die Familie Westerfeld. Doch in diesem Jahr werden sie den Sommer nicht weiter genießen können, sie hatten das Gefühl niemals mehr einen Sommer, ein Weihnachtsfest oder auch nur irgendetwas genießen zu können. Die fröhlichen und unbeschwerten Zeiten in der Familie waren vorüber, nach dem was am vergangenen Freitag geschehen war. Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war.
Julia saß neben ihrem Mann Patrick auf der harten Holzbank in der ersten Reihe der kleinen Kapelle ihres Heimatortes Engelskirchen, gekleidet in ihrem schickesten, schwarzen Kleid. Ihre langen, brünetten Locken hatte sie unter einem schwarzweißen Tuch, die verheulten Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt. Sie war unendlich traurig, konnte es immer noch nicht fassen, dass sie nun hier saßen und ihre Kinder, zu Grabe tragen mussten. Der Schock über den Verlust saß verdammt tief.
Patrick schien gar nicht anwesend. Er saß stumm neben Julia und starrte geistesabwesend auf die Särge ihrer Kinder Elise und Jonah, die vor dem Altar aufgebahrt waren.
Die Sonne brannte draußen gnadenlos vom Himmel. Die Hitze war auch hier, innerhalb der Kapelle, deutlich spürbar. Die Fenster schienen die Wärme noch zu verstärken. Nicht wie in all den Filmen, die man gesehen hatte, in denen es während einer Beerdigung stets in Strömen regnete.
Die Westerfelds hätten es gerne gehabt, wenn die Särge ihrer beiden Kinder offen gewesen wären, um Elise und Jonah wenigstens noch ein letztes Mal sehen zu können.
Der Bestatter hatte ihnen jedoch mitteilen müssen, dass er es selbst mit dem größtmöglichen Aufwand nicht geschafft hätte, all die Verletzungen soweit zu kaschieren, dass er guten Gewissens offenen Särgen hätte zustimmen können. So waren die Särge zum Leidwesen der Eltern geschlossen aufgebahrt worden. Wenn Julia gewusst hätte, wie sehr ihre Kinder verunstaltet waren, hätte sie auch keine offenen Särge gewollt. Patrick hatte ihr nichts erzählt.
Julia und Patrick hatten darauf bestanden, dass keine Orgelmusik gespielt werden sollte, sondern ausschließlich die Lieblingsmusik von Elise und Jonah. So hörten die Trauergäste Lady Gaga und Justin Bieber aus den Lautsprechern, woran sich aber auch keiner störte. Zu Ehren der beiden hätten sie wahrscheinlich alles hingenommen, wäre es auch noch so furchtbar gewesen.
Julia hing ihren Gedanken nach, an die Ereignisse der letzten Tage. Sie konnte sich nicht wirklich auf die Trauerfeier und die Worte des Pfarrers konzentrieren. Ihr gingen immer wieder die letzten Tage durch den Kopf.
Als Julia aus ihrer Starre erwachte war die Trauerfeier schon fast zu Ende. Langsam begann sich die Trauergemeinde zu erheben und der Prozession mit den Särgen zur Grabstelle zu folgen. Der Steiff-Bär von Jonah war oben an seinem Sarg befestigt, genauso, wie die Lieblingspuppe von Elise auf ihrem.
In dem Moment, als die Trauergesellschaft die Kapelle verließ, fuhr eine schwarze Limousine mit abgedunkelten Scheiben vor. Alle Köpfe drehten sich zu dem imposanten Fahrzeug, um zu schauen wer da wohl ankam.
Es handelte sich um Ian McAllister, den Chef der ECTA. Was konnte der bloß hier wollen? Den meisten war er nur aus dem Fernsehen bekannt, wenn überhaupt. Nicht so jedoch für Patrick. Er hatte ihm bereits in der Gerichtsmedizin in Köln gegenüber gestanden.
Und nun stand dieser Widerling erneut vor ihm, auf der Beerdigung seiner Kinder! Patrick kochte vor Wut in Angesicht des Mannes, der in seinen und in den Augen der gesamten Familie, verantwortlich für den Tod seiner Kinder war. Sie waren überzeugt davon, dass die Bauarbeiten, in welcher Art und Weise auch immer, für das vermeintliche Erdbeben verantwortlich waren.
Patrick wollte gerade auf McAllister zustürmen, wurde aber von seinem Schwiegervater und seinem Bruder aufgehalten.
“Lasst mich los! Der hat hier nix verloren!” Patrick versuchte sich aus den festen Griffen zu befreien.
“Warte doch erst mal, was er will. Patrick, bitte!”, versuchte Max ihn zu beruhigen. Julia brach in Tränen aus, wurde im Kreis ihrer Familie getröstet, was unter diesen Umständen nahezu unmöglich war.
McAllister trat auf Patrick zu. “Herr Westerfeld, ich kann Ihre Reaktion absolut verstehen und nachvollziehen, aber lassen Sie mich bitte im Namen der ECTA und ganz besonders in meinem eigenen, Ihnen mein allerherzlichstes Beileid aussprechen! Ich kann mir vorstellen, wie Sie sich fühlen müssen. Sehen Sie, ich habe meine Frau und meine Kinder bei dem Flugzeugabsturz in Lockerbie verloren. Sie geben mir und meiner Organisation die Schuld. Auch ich gab seinerzeit der Fluggesellschaft die Schuld und wollte mich von niemand von dieser Idee abbringen lassen. Nur mit etwas Abstand musste ich einsehen, dass das falsch war.“ McAllister machte eine kurze Pause. Ihm viel es nicht leicht hier zu sein, dass sah man ihm an.
“Ich hoffe sehr, dass auch Sie irgendwann zu dieser Einsicht gelangen werden. Ich denke, es handelt sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände. Nicht mehr und nicht weniger. Wie gesagt, ich bin nur gekommen, um Ihnen mein tiefstes Beileid auszudrücken. Das habe ich hiermit getan. Ich wusste nicht, wo ich Sie sonst hätte erreichen können, Ihre Adresse wollte man mir nicht geben. Entschuldigen Sie, wenn ich die Trauerfeier gestört haben sollte.”
“Einen Dreck wissen Sie!“, giftete Patrick ihn an.
“Dafür stören Sie unsere Trauerfeier? Sie sind doch nicht ganz dicht!”, erboste sich Patricks Bruder.
“Komm Patrick!” Sein Bruder führte ihn fort.
“Wir danken Ihnen für Ihr Mitgefühl, Mr. McAllister. Wenn Sie uns jetzt aber bitte unsere Enkel zu Grabe tragen lassen würden!?” Patricks besonnener Schwiegervater konnte den alten Schotten schon irgendwie verstehen.
“Selbstverständlich! Bitte entschuldigen Sie, wenn mein Besuch nicht zum richtigen Zeitpunkt kam.”
Für diesen Satz war Patrick noch nicht weit genug weg, er hatte ihn gehört und fuhr jetzt richtig aus der Haut.
“Nicht der richtige Zeitpunkt? Sie haben sie doch nicht alle! Nie werde ich zu irgendeiner anderen Ansicht kommen, als dass Ihre beschissene Drecksfirma Schuld ist! Und jetzt sehen Sie zu, dass Sie Land gewinnen, sonst können die hier noch ein weiteres Grab ausheben!”
McAllister blickte beschämt drein, drehte sich um und schritt auf die Limousine zu, blickte sich noch einmal kurz um und stieg dann ein. Dann war er auch schon wieder weg.
Julia musste den Rest der Feierlichkeiten immer wieder von ihren Familienangehörigen gestützt werden, sie war nahe an einem Nervenzusammenbruch. Schlimm genug, wenn die eigenen Kinder vor einem Selbst beerdigt werden müssen, aber der Besuch des ECTA-Präsidenten war zu viel für sie.
Als die Särge langsam herabgelassen wurden, zogen ein paar Wolken auf und als die Totengräber mit dem Zuschaufeln des Geschwistergrabes begannen, fielen die ersten Tropfen eines lauen Sommerregens.
Dienstag, 06. Juli
Neapel, Vulkanforschungsstation am Vesuv
Dr. Petra Althing war Höhlenforscherin aus Leidenschaft. Sie saß beim Abendessen in ihrem Zelt der Forschungsstation. Es gab originale Spaghetti Napoli. Wenn man schon in Neapel ist, dann muss man auch die kulinarischen Kostbarkeiten probieren, die man sonst nur als Fertigessen kennt. Was in Deutschland ein sehr banales Essen war, war hier auch nicht was Besonderes, aber der Geschmack unterschied sich doch deutlich voneinander.
Petra wuchs in Hamburg auf. So war sie solche Temperaturen, wie sie hier im südlichen Italien herrschten, kaum gewohnt. Normalerweise trug sie ihre blonden Haare offen. Eine lockige Pracht, um die sie von anderen Frauen beneidet wurde, die viel Geld für eine Dauerwelle ausgaben. Doch hier, in dieser Bruthitze hatte sie sich einen Pferdeschwanz gemacht, weil sie sonst umkam vor Schwitzen. Ihre Füße steckten unter dem Tisch in einem Bottich, gefüllt mit Eiswürfeln. In den Zelten war es nochmal einige Grad wärmer, als draußen.
Sie hatte schon befürchtet, dass sie es hier schwer aushalten würde und sich darin getröstet die meiste Zeit unter der Erde zu sein, wo es mit Sicherheit nicht ganz so heiß war. Sonne mochte sie nicht besonders und so war es auch keine Überraschung, dass sie mit einem extrem blassen Teint aufwarten konnte. Das machte sie für die jungen, männlichen Italiener interessant. Aber nicht nur ihr Teint war dafür verantwortlich, dass sie seit ihrer Ankunft ständig angegafft wurde, sondern sicherlich auch ihr überdurchschnittliches Dekolleté.
Schon zur Schulzeit hatte sie immer das Gefühl, ihre beiden besten Freunde, Paul und Franz, würden sich nur ihrer großen Oberweite wegen mit ihr abgeben. Aber die Jahre zeigten ihr, dass sie wirklich ehrliche und echte Freunde waren. Kennengelernt hatten sie sich auf dem Gymnasium und waren seitdem unzertrennlich, ein Trio infernale.
Ihren Berufswunsch bekam Petra im Laufe der Schulzeit. Im Verlaufe der Jahre merkte sie, wie sehr sie von der Entstehung des Lebens auf der Erde fasziniert war. Ganz besonders die Entwicklung der Menschheit. So kam sie auf die Höhlenforschung. Es passte gut zu ihr, denn sie war schon immer ein in sich zurückgezogener Mensch gewesen. Ihre Kindheit spielte da eine große Rolle.
Ihr Vater war bei einem furchtbaren Autounfall ums Leben gekommen. Petra war gerade mal sieben Jahre alt gewesen, als es passierte. Er war mit ihr unterwegs zu ihren Großeltern, die in Lübeck lebten, als ein Schwertransporter auf der Autobahn überraschend ausschwenkte und das Auto seitlich rammte.
Petra saß auf der Rückbank und musste mit ansehen, wie ihr Vater von dem durchschlagenden Motorblock in den Sitz gequetscht wurde. Der Wagen wurde gegen die Mittelleitplanke geschleudert, drehte sich mehrmals, bevor er zum Stillstand kam. Petra hatte unwahrscheinliches Glück gehabt und kam mit ein paar blauen Flecken davon. Aber den Anblick ihres Vaters konnte sie nicht vergessen. Er war für sie die wichtigste Bezugsperson in ihrem jungen Leben gewesen. Ihre Mutter war kurz nach ihrer Geburt gestorben. Es gab Komplikationen bei der Geburt und sie war innerlich verblutet.
Nachdem nun auch noch ihr Vater gestorben war ergab es sich, dass ihre Großeltern aus Lübeck nach Hamburg umzogen, um sich um Petra zu kümmern und aufzuziehen.
Daher ihre Zurückgezogenheit.
Sie las viel in ihrer Jugend und als sie sich der Höhlenforschung verschrien hatte, passte es ausgezeichnet. Sie verschlang Fachbücher, wie andere Kinder Comics. Paul und Franz hatten immer ihre liebe Mühe sie zu überreden doch mal was gemeinsam zu unternehmen. Manchmal war es aber auch von Erfolg gekrönt. Besonders Paul schmerzte es, da er sich tatsächlich irgendwann in sie verliebt hatte. Dass es ihr ähnlich ging, ahnte er nicht.
Ihr Studium verbrachte sie auch in Hamburg und hatte in ihrem Professor an der Uni einen väterlichen Freund gefunden, der ihr überall half, wenn sie Fragen hatte. Er wurde mit der Zeit so etwas wie ihr Ersatzvater, auch weil er Petra als so etwas wie seine Tochter ansah. Seine Ehe war kinderlos geblieben, obwohl sie sich immer eines gewünscht hatten. Nur seine Frau konnte leider keine gebären. Er bemerkte ihr außergewöhnliches Interesse an der Materie und unterstützte sie, wo er nur konnte, half ihr beim Doktorexamen, welches sie mit Auszeichnung bestand und vermittelte ihr den Auftrag, der sie nach Italien brachte.
Dies war ihr erster, an dem ihr die alleinige Leitung übertragen wurde. Sie hatte ihr ganzes Leben ihrer Arbeit verschrieben, eine Beziehung, oder eine Ehe gar, hatte sich nie ergeben. Obwohl sie sehr gut aussah. Sie fühlte sich zwar mit ihren 1,72 etwas zu klein, machte dies aber durch ihre blonden, lockigen Haare optisch wieder wett.
Hier in Italien war sie eine Augenweide für die einheimischen Männer. Blond und vollbusig. Sie hatte zwar gerade einen zweiwöchigen Urlaub in der Karibik hinter sich, den sie mit ihrer besten Freundin Marie Liebermann, der Empfangssekretärin am Geologischen Institut in Hamburg, zusammen unternommen hatte. Aber auch die vierzehn Tage dort konnten ihrem blassen Teint nicht entgegenwirken, da sie sich die meiste Zeit im Schatten, oder in irgendwelchen klimatisierten Räumen aufgehalten hatte.
Das Höhlensystem, welches sie hier im Auftrag der italienischen Regierung untersuchen sollten, könnte für die Vulkanforschung und für die Vorhersage von deren Ausbrüchen durchaus von Bedeutung sein. Seismologische Messungen deuteten darauf hin, dass die Höhlen hier sehr dicht an die Schlote des Vesuvs heranreichten.
Ihre Ergebnisse, so hofften jedenfalls die Auftraggeber, konnten den Vulkanologen Hinweise auf weitere Untersuchungen des Megavulkans liefern, von dem der Vesuv nur ein kleiner Teil war, und vor allem Aufschlüsse, um einen eventuellen Ausbruch genauer vorhersagen zu können. Dieses Höhlensystem hier hatte einige Verzweigungen, die scheinbar sehr weit in die Tiefe reichten, zumindest deuteten die Sonarergebnisse darauf hin.
Gerade als sie sich eine weitere Portion Spaghetti auffüllen wollte, wurde der Zelteingang beiseite geschoben und ihr Assistent, Marco Angelotti, ein gebürtiger Neapolitaner, lugte in ihr Zelt.
Marco war der typische Italiener, klein, schwarzhaarig und leicht untersetzt. Dreitagebart und dunkelbraune Augen. Die mittlerweile zwei Jahre andauernde Zusammenarbeit mit ihm hatte schon Vorteile gezeigt. Petra konnte kein Wort italienisch und so war er alleine schon was die Kommunikation mit den Behörden anging eine große Hilfe. Darüber hinaus hatte sich im Laufe der Zeit durchaus so etwas wie eine Freundschaft zwischen den beiden entwickelt. Das Vertrauen zu ihm war so groß, wie mit kaum einem Menschen sonst, mit dem sie zu tun hatte.
“Petra, da ist ein Anruf für Dich.”
“Ich esse gerade. Kann das nicht warten?”, fragte sie etwas undeutlich auf einer Portion Nudeln herumkauend.
“Ich glaube nicht. Da ist ein gewisser Kommissar Welp dran. Es geht um einen Unfall bei dem zwei Kinder ums Leben gekommen sind. Es klang sehr dringlich.“ Marco griente in sich hinein. Er hatte nie verstanden, was Petra so sehr an den Spaghetti mochte. Eine gute Pizza, ja, aber doch nicht Nudeln!
“Und was hab ich damit zu tun? Ich bin Höhlenforscherin und keine Kriminologin.” Sie legte den Löffel auf den Teller und drehte sich zu Marco um.
“Ich weiß, das habe ich ihm auch gesagt, aber er meinte es würde genau in Deinen Bereich fallen. Was er genau damit meinte, wollte er mir nicht sagen.”
“Na gut, hören wir uns an, was er will.”
Sie schob ihren Teller beiseite und folgte Marco zum Kommandozelt, in dem die gesamte Kommunikationsanlage und auch die Arbeitsgeräte und Computer untergebracht waren.
Der Hörer lag neben dem antik wirkenden Telefon auf dem vordersten Tisch. Petra nahm den Hörer auf und warf Marco nochmal einen genervten Blick zu, der so viel sagte wieNa dann wollen wir mal.
“Dr. Althing, guten Tag. Sie stören mich beim Abendessen. Also, wie kann ich Ihnen helfen? Mein Assistent sagte etwas von einem Unfall?”, meldete sie sich mit einem schnippischen Unterton in der Stimme.
“Guten Abend Frau Dr. Althing. Ich bin Hauptkommissar Welp von der Mordkommission Köln. Ja, das ist richtig. Wir untersuchen den Tod zweier Kinder, die bei einem schrecklichen Unfall ums Leben gekommen sind. Zumindest gehen wir derzeit noch davon aus, dass es ein Unfall war.”
“Mordkommission? Sie sagten doch eben, dass Sie von einem Unfall ausgehen. Mal abgesehen davon, wie kann ich Ihnen helfen? Ich bin Höhlenforscherin! Und falls Sie dachten, mich nach Deutschland holen zu können muss ich Sie enttäuschen. Wir stehen kurz vor einer entscheidenden Entdeckung, sofern unsere gesammelten Daten stimmen.”
„Nach meinen Informationen haben Sie mit den Untersuchungen in Italien doch noch gar nicht begonnen, ergo können Sie nicht kurz vor einem Durchbruch stehen.“
„Woher auch immer Sie das wissen, aber ja, es stimmt, wir wollten morgen erst mit den ersten Untersuchungen beginnen. Also gut, dann erzählen Sie mir, wie Ihnen eine Höhlenforscherin weiter helfen kann.“, gab Petra entnervt auf, den Kommissar abwimmeln zu können.
„Danke Dr. Althing. Die Kinder sind offensichtlich durch ein kleines bis mittleres Erdbeben, welches sich unerklärlicherweise auf einen sehr kleinen Bereich beschränkt hat, in ein Erdloch gefallen. Dieses Erdloch hat sich aufgrund dieses Bebens aufgetan. Dort wo sie abgestürzt sind, befindet sich am Grund eine Höhle von der noch niemand etwas gehört zu haben scheint. Wir waren bisher nur an dem Fundort der Kinder. Wir haben hier etwas entdeckt, was genau in Ihr Ressort fallen dürfte.”
„Und was genau ist das, was Sie gefunden haben?“ Petra musste zugeben, dass ein erstes, kleines Interesse bei ihr geweckt war.
„Malereien. Überaus beeindruckende Höhlenmalereien, wenn Sie mich fragen. Die sehen aus, als wären sie gerade erst frisch aufgetragen worden.“
„Höhlenmalereien? Was für Höhlenmalereien? Wo sind Sie haben Sie gesagt? In Köln? Das kann ich nicht glauben!“ Jetzt war Petra Feuer und Flamme.
“Das haben wir auch erst gedacht, aber sie sind da! Es sind unglaublich farbenfrohe Darstellungen, hauptsächlich von ausgestorbenen Tieren. Seit mehr als zehntausend Jahren ausgestorben, wie uns gesagt wurde. Die Farbintensität ist allerdings so gewaltig, dass wir glauben, dass die Malereien selber bei Weitem nicht so alt sind, wie sie sein müssten. Andererseits gibt es aber auch welche, bei denen die Farben deutlich blasser, also scheinbar älter sind. Das merkwürdigste sind die Darstellungen selbst. Die scheinen sich alle in der Höhle abzuspielen. Es gibt keinerlei Darstellungen von der Umgebung, von Pflanzen, oder Ähnlichem. Dr. Althing, sie müssen uns helfen! Wir sind ratlos.” Man konnte tatsächlich eine gewisse Hilflosigkeit aus der Stimme des Kommissars hören.
“Das klingt wirklich sehr ungewöhnlich. Und sie sind sich sicher, dass es so alte Malereien sind?”
“Das ist es ja gerade, wir sind uns nicht sicher. Deswegen brauchen wir Sie. Sie hatten Recht mit Ihrer Vermutung, dass Sie nach Köln kommen mögen. Wenn Sie uns bescheinigen, dass sie nicht so alt sind, sondern vielleicht nur ein paar Jahre oder weniger, müssen wir in Richtung Mord ermitteln, in der Annahme, dass dort jemand haust. Wenn aber die bisherigen Theorien stimmen sollten, haben wir es mit einer archäologischen Neuentdeckung zu tun.”
“OK, ich werde aber Marco Angelotti, meinen Assistenten, einweihen. Er soll meinen Auftraggebern ausrichten, dass ich wegen einer dringenden Familienangelegenheit nach Deutschland musste und in spätestens einer Woche wieder hier sein werde.”
“Ich hoffe sehr, dass Sie das einhalten können. Wer weiß, was wir hier haben. Wann können Sie hier sein?” Welp klang sehr erleichtert.
“Ich werde mich gleich auf den Weg machen. Ich rufe Sie vom Flughafen Neapel aus an, sobald ich weiß mit welcher Maschine ich in Köln ankomme.”
“Vielen Dank Frau Dr. Althing! Eine Bitte habe ich aber noch. Außer zu ihrem Assistenten kein Wort darüber verlieren! So lange wir nicht genau wissen mit was wir es zu tun haben. Warum, kann ich Ihnen im Moment nicht sagen, darf ich Ihnen nicht sagen.”
Petra verließ innerlich aufgewühlt das Kommandozelt und kehrte in ihr eigenes zurück. Sie war schon neugierig geworden, was sie in Köln erwarten würde, auch wenn es diesen tragischen Hintergrund des Todes der beiden Kinder hatte. Andererseits hatte sie hier in Neapel endlich die Möglichkeit bekommen, auf die sie schon so lange gewartet hatte, sich mit ihren Kenntnissen in der Welt der Wissenschaft ansatzweise zu etablieren.
Marco begleitete sie in ihr Zelt. Er hatte das Telefonat mit dem Kommissar mitangehört, schwieg jedoch und wartete ab, was Petra ihm mitteilen wird. Er hatte das Gespräch nur von ihrer Seite mitbekommen und konnte sich zwar seinen Teil denken, aber Genaues wusste er nicht.
Als sich beide an den Tisch gesetzt hatten, die Nudeln waren mittlerweile kalt geworden, begann Petra ihm ein wenig von den Geschehnissen in Köln einzuweihen und was die Polizei sich von ihr versprach.
“Ich muss sofort nach Köln, die Polizei dort braucht meine Hilfe.“, beendete Petra ihren Bericht.
„Ich übertrage Dir die Leitung für die Zeit, bis ich wieder da bin. Wann das sein wird kann ich Dir nicht genau sagen. Eine Woche vielleicht, plus, minus. Ich weiß, Du kannst das. Wenn jemand fragen sollte warum ich nicht da bin, sagst Du, dass ich wegen einer dringenden, nicht aufzuschiebenden Familiensache nach Hamburg musste.”
“Wie Du meinst, Petra. Begeistert werden sie aber nicht sein, das wirst Du Dir denken können. Mir kommt das ja sehr suspekt vor. Eine Höhle, die niemand kennen soll und Malereien, die wie frisch gemalt aussehen. Ich weiß ja nicht, aber das klingt schon recht merkwürdig, findest Du nicht auch?”
“Ja, ich weiß, irgendwie schon. Aber interessant. Und außerdem, wir haben hier ja noch gar nicht richtig angefangen und wenn das alles soweit ist, bin ich bestimmt auch schon wieder da. Fährst Du mich zum Flughafen?”
“Sicher, klar doch. Jetzt gleich?” Marco machte ein Gesicht, das seinen Unmut deutlich zum Ausdruck brachte. Aber was sollte er machen, Sie war die Projektleiterin und musste wissen, was sie tut.
“Ich muss noch ein paar Dinge und Klamotten einpacken. Ich sage Dir dann bescheid, wenn ich soweit bin.” Petra machte sich gleich daran ein paar Sachen aus dem improvisierten Kleiderschrank zusammenzusuchen. Sie schmiss die Sachen wahllos aufs Bett. Dann packte sie ihre Reisetasche mit dem Notwendigsten für ein paar Tage, steckte noch ihre Arbeitsmappe und den Laptop in ihre Umhängetasche. Danach ließ sie sich von Marco zum Flughafen von Neapel bringen.
Auf der Fahrt dorthin wurde nur über Belangloses gesprochen, das Wetter, was der SSC Neapel diese Saison wohl erreichen könne, die erkalteten Nudeln in Petras Zelt. Marco hatte ein Gespür für gewisse Dinge. Ihm war schon aufgefallen, dass Nachfragen, was genau in Köln los ist, nichts gebracht hätten. Dafür kannte er Petra doch schon zu genau. Wenn sie etwas nicht erzählen wollte, dann brachte alles nichts, sie auf Umwegen dazu zu bewegen.
Am Flughafen angekommen begleitete Marco Petra in die Halle und zu den Schaltern der Fluggesellschaften, die für einen kurzfristigen Flug nach Köln infrage kamen. Es war verhältnismäßig leer, sicher der Uhrzeit wegen. Am Ankunftsterminal sah das bestimmt ganz anders aus.
Nachdem Petra sich ihr Ticket für einen Flug mit der Alitalia besorgt hatte, verabschiedete sie sich von Marco mit einer kurzen Umarmung. Sie standen vor dem Zugang zum Zoll, wo nur noch Durchgang für Passagiere mit einem Ticket erlaubt war.
“Viel Erfolg und komme schnell wieder, bevor mir die Mafia auf den Hals gehetzt wird!”, sagte Marco mit einem Augenzwinkern.
“Dito. Und halte mich auf dem Laufenden, wie die Vorbereitungen laufen.” Sie klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter, drehte sich um und ging durch die Pass- und Personenkontrolle.
Kurz vor dem Check-In rief sie Kommissar Welp an, um ihm mitzuteilen, wann sie in Köln ankommen würde. Er sagte ihr zu, dass ein Beamter sie dort abholen und ins Hotel bringen wird. Ein Zimmer in dem kleinen HotelDomblickist auch bereits reserviert. Über die Bezahlung brauchte sie sich keine Gedanken zu machen. Nach Abreise wird die Rechnung an die Polizeidirektion Köln geschickt.
Als sie schließlich eingestiegen war, machte Petra es sich auf ihrem Sitz bequem. Sie nahm einen am Fenster, nicht weil sie sich so gerne die Welt von oben anschauen wollte, sondern vielmehr, weil sie so besser einschlummern konnte. Und ein kleines Nickerchen, so dachte sie, kann ja nicht schaden. Kaum war die Maschine gestartet, döste Petra auch schon.
Dienstag, 06. Juli
Köln, Flughafen Köln-Bonn
Pünktlich um dreiundzwanzig Uhr dreiundfünfzig landete die Maschine der Alitalia auf dem Flughafen Köln-Bonn. Da Petra nur Handgepäck dabei hatte, brauchte sie nicht lange, bis sie durch den Zoll war. In der Ankunftshalle herrschte die typische, ruhige Atmosphäre, wenn ein Flughafen sich kurz vor Betriebsschluss befindet. Petra warf sich ihre Laptoptasche über die Schulter, nahm ihre kleine Reisetasche zur Hand und hielt nach ihrem Abholservice Ausschau, konnte aber erst niemanden entdecken. Aber was hatte sie auch erwartet. Einen Uniformierten, der ein Namensschild hochhielt? Das reale Leben war eben doch kein Film.
Mit sich ringend, ob es die richtige Entscheidung gewesen war hierher zu kommen, entschied sie sich erst mal, nach einer Möglichkeit für einen Kaffee umzuschauen, trotz der späten Uhrzeit. Zu einem guten Kaffee konnte sie nie nein sagen. Die Geschäfte und kleinen Lokalitäten waren alle im Begriff zu schließen. Sie wollte es dennoch probieren und ging auf die nächstbeste Möglichkeit zu, als sie draußen vor der Halle einen Streifenwagen entdeckte. In dem Moment tippte ihr jemand von hinten an die Schulter.
“Entschuldigung. Sind Sie Dr. Petra Althing?”, wurde sie von einer tiefen Stimme gefragt, begleitet von einem starken Zigarettenduft, der ihr entgegen blies.
“Ja, das bin ich.”, antwortete sie und drehte sich dabei um, um zu sehen, wer sie angesprochen hatte. Vor ihr stand ein Bulle von Mann, passend zu der Stimme. Breitschultrig wie Schwarzenegger. Die braunen Haare lugten unter einer dünnen Wollmütze hervor. Ihr Abholservice hatte sich offensichtlich die Zeit mit Rauchen vertrieben und dann vergessen rechtzeitig in der Halle zu sein. Wenn er es denn war. Es war jedenfalls kein Uniformierter.
“Hauptkommissar Welp schickt mich. Ich soll sie ins Hotel bringen. Entschuldigen Sie, aber er bestand auf absolute Unauffälligkeit.”
“Habe ich mir schon gedacht.” Unauffälligkeit? Dann hätte er besser auf seine seltsamen Klamotten, die offensichtlich vom letzten Urlaub stammten, verzichten sollen. Ein quitschblaues Hawaiihemd und dazu eine kurze, grasgrüne Shorts.
Der Beamte in Zivil führte sie aus dem Gebäude hinaus auf den Parkplatz zu einem dunkelblauen Opel. Nun gut, dann war er nicht mit dem Streifenwagen gekommen, wenigstens etwas, was nicht auffällig war.
Nach einer Fahrt von knapp fünfundvierzig Minuten, in dem nach kaltem Zigarettenqualm stinkenden Fahrzeug, waren sie am Hotel angekommen. Die gesamte Fahrt über hatte Petra es geflissentlich ignoriert, dass der Beamte ständig versuchte auf ihre Oberweite zu starren. Sie wusste nicht, was ihr unangenehmer war. Der Gestank, oder die lüsternen Blicke.
Das Hotel war ein sehr kleines Etablissement, mitten in der Stadt in einer kleinen Nebenstraße nahe dem Hauptbahnhof gelegen. Aber es machte einen sauberen Eindruck, soweit man das aufgrund des Foyers beurteilen konnte.
Der Beamte verabschiedete sich, wünschte eine gute Nacht und sagte ihr noch, dass sich Kommissar Welp am nächsten Morgen mit ihr in Verbindung setzen wird.
Petra dankte ihm und ging zum Empfang, an dem ein junger Student saß. Dass das Hotel nicht zu den besten der Stadt gehörte, zeigte die Kleidung des Studenten. Eine Kleiderordnung gab es anscheinend nicht, denn er trug lediglich ein Shirt von Fortuna Düsseldorf und eine schlabberige, Cargo-Hose in khaki.
Mutig, mutig,dachte Petra.In Köln ein Shirt der Fortuna zu tragen. Das ist mindestens so riskant, als wenn man sich mit einem Schal des Hamburger SV bei einem Spiel des FC St. Pauli blicken lassen würde.
Sie sagte ihm ihren Namen und das ein Zimmer für sie reserviert sein müsse. Wortlos überreichte der junge Mann ihr den Schlüssel, ohne den Blick von dem Fernseher zu nehmen, der im Foyer lief und auf einen Sportkanal eingestellt war. Sie nahm ihn entgegen und ging hinauf.
Dort angekommen, schmiss sie ihre beiden Taschen nur noch in die Ecke und ließ sich erschöpft aufs Bett fallen. Das Foyer hatte nicht getäuscht. Das Zimmer war genauso aufgeräumt und sauber. Wenigstens etwas. Flugreisen, waren sie auch noch so kurz, hatten sie schon immer total ermüdet und so dauerte es keine fünf Minuten, bis sie eingeschlafen war.
Mittwoch, 07. Juli
Köln, Hotel „Domblick“
Petra erwachte in ihrem Zimmer in der dritten Etage des Hotels Domblick vom penetranten Läuten des Zimmertelefons. Noch ein wenig durcheinander, weil sie sich erst orientieren musste, wo sie war, nahm sie den Hörer ab und meldete sich mit einer völlig verschlafenen Stimme.
Kommissar Welp war am anderen Ende der Leitung. Er bat sie, sich mit ihm in einer halben Stunde im Frühstücksraum des Hotels zu treffen, damit er ihr weitere Informationen zu dem Unfall und der ECTA geben konnte, die er gestern am Telefon noch zurückgehalten hatte.
Nachdem sie aufgelegt hatte, zog sich Petra die verschwitzten und zerknitterten Sachen vom Vortag aus. Sie war tatsächlich nicht einmal in der Nacht wach geworden, sie trug sogar noch ihre leichte, dünne Jacke, die sie am Vorabend nach dem Betreten des Zimmers nicht ausgezogen hatte. Danach ging sie unter die Dusche, bevor sie sich etwas Frisches anzog und sich auf den Weg in den Frühstücksraum begab.
Sie verteilte ihre eingepackten Klamotten wild durcheinander auf dem Bett und suchte sich etwas Passendes heraus. Trotz dessen, dass sie keinen großen Wert auf bestimmte Sachen legte, oder auf farblich abgestimmte, fiel es ihr doch stets schwer, sich für etwas zu entscheiden. Sie wählte schließlich eine lange, graue Leinenhose und eine gelbe Bluse. Dazu ihre braunen Wanderschuhe. Die waren zwar warm, aber in denen fühlte sie sich am wohlsten. Socken ließ sie aufgrund der Temperaturen weg.
Als sie runter kam, blickte sie sich im Frühstücksraum um auf der Suche nach dem Kommissar. Der Raum war verhältnismäßig groß, ausgestattet mit zehn Tischen für jeweils vier Personen. Es waren lediglich zwei besetzt und an einem saß ein Mann alleine. Petra war sich sicher, dass es sich bei diesem Herren um den Kommissar handeln musste.
Petra ging auf den Tisch zu und stellte sich vor. Zweifellos war dies ein Kriminalbeamter. Wer würde denn sonst bei solch einem Wetter in einem grauen Trenchcoat herumlaufen. Touristen mit Sicherheit nicht.
Sie blickte in müde, graublaue und tief liegende Augen, die von wuchernden, silberfarbenen Augenbrauen bedeckt wurden. So alt wie der Mann vor ihr wirkte, hatte sie ihn aufgrund der Stimme vom Telefon her gar nicht erwartet. So konnte man sich täuschen.
Kommissar Welp bat sie, doch Platz zu nehmen und nach kurzen, gegenseitigen Begrüßungsfloskeln, versuchte Welp die Sachlage Petra etwas genauer zu erläutern. Er berichtete ihr von Problemen, die bei beiden Bauabschnitten der geplanten Trasse gleichzeitig auftraten, sowie etwas detaillierter von dem Unfall der Kinder Westerfeld.
“
