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Der Sophienlust Bestseller darf als ein Höhepunkt dieser Erfolgsserie angesehen werden. Denise von Schoenecker ist eine Heldinnenfigur, die in diesen schönen Romanen so richtig zum Leben erwacht. Das Kinderheim Sophienlust erfreut sich einer großen Beliebtheit und weist in den verschiedenen Ausgaben der Serie auf einen langen Erfolgsweg zurück. Denise von Schoenecker verwaltet das Erbe ihres Sohnes Nick, dem später einmal, mit Erreichen seiner Volljährigkeit, das Kinderheim Sophienlust gehören wird. Else Rennert, die Leiterin des Kinderheimes, kam in die Halle. In der Hand hielt sie ein Kuvert. »Henrik, du hast einen Brief bekommen.« Sie gab dem Jungen den weißen Umschlag. An das Kinderheim Sophienlust, Henrik von Schoenecker, stand darauf. »Der ist tatsächlich für mich«, staunte Henrik. »Von wem?«, fragte sein Halbbruder Nick. Henrik drehte das Kuvert um. »Von Rolf und Grischa Jäger. Habt ihr's gehört?«, rief er laut. »Ich habe einen Brief von Rolf und Grischa!« Sofort war Henrik umringt. Alle wollten wissen, was Rolf und Grischa geschrieben hatten. Die beiden Brüder waren vor einem halben Jahr in Sophienlust gewesen. »Seid ruhig!«, verlangte Henrik. »Sonst lese ich den Brief nicht vor.«
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Seitenzahl: 115
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Else Rennert, die Leiterin des Kinderheimes, kam in die Halle. In der Hand hielt sie ein Kuvert.
»Henrik, du hast einen Brief bekommen.« Sie gab dem Jungen den weißen Umschlag.
An das Kinderheim Sophienlust, Henrik von Schoenecker, stand darauf.
»Der ist tatsächlich für mich«, staunte Henrik.
»Von wem?«, fragte sein Halbbruder Nick.
Henrik drehte das Kuvert um. »Von Rolf und Grischa Jäger. Habt ihr’s gehört?«, rief er laut. »Ich habe einen Brief von Rolf und Grischa!«
Sofort war Henrik umringt. Alle wollten wissen, was Rolf und Grischa geschrieben hatten. Die beiden Brüder waren vor einem halben Jahr in Sophienlust gewesen.
»Seid ruhig!«, verlangte Henrik. »Sonst lese ich den Brief nicht vor.«
Sie lebten jetzt in Garmisch, schrieben Rolf und Grischa. In einem schönen großen Bauernhaus. Danach folgte eine ausführliche Beschreibung des Hauses.
»Das muss ja wirklich ein tolles Haus sein«, murmelte Henrik. Dann las er laut weiter: »Unsere Stiefmutter will das Haus verkaufen. Wir sollen in ein Waisenhaus kommen. Wir wollen aber nicht in ein Waisenhaus. Wir möchten gern nach Sophienlust. Dort hat es uns gefallen. Kannst du nicht mit deiner Mutti reden, lieber Henrik? Vielleicht nimmt sie uns in Sophienlust auf.«
»Ich werde mit Mutti reden«, sagte Henrik. Er war sich seiner Wichtigkeit bewusst. »Wir haben doch noch Platz in Sophienlust?«
»Klar haben wir Platz«, sagte Nick, der eigentlich Dominik hieß. »Warum will die Stiefmutter das Haus verkaufen? Schreiben die beiden das nicht?«
»Nein.« Henrik gab seinem Halbbruder den Brief. »Du kannst ihn ja selbst noch einmal lesen.«
»Haben Rolf und Grischa keinen Vati mehr?«, wollte die kleine Heidi wissen. »Als sie damals bei uns waren, hatten sie noch einen Vati.«
»Der ist gestorben«, sagte Henrik. »Und jetzt haben sie nur noch eine Stiefmutter, und die will sie nicht behalten.«
»Das ist aber nicht nett.« Heidi konnte sich noch gut an Rolf und Grischa erinnern. Rolf war neun Jahre alt. Grischa zehn.
Henrik und Nick sollten mit ihrer Mutti reden, beschlossen die Kinder von Sophienlust.
»Aber ihr müsst noch heute mit ihr reden«, verlangte Pünktchen, ein Mädchen mit lustigen Sommersprossen auf der Nase.
»Das ist doch Ehrensache«, versprach Nick. »Heute Abend, beim Essen, sprechen wir mit Mutti.«
*
Nick und Henrik wohnten mit ihren Eltern auf Gut Schoeneich, das durch eine Privatstraße mit dem Kinderheim Sophienlust verbunden war.
»Ich habe den Brief deiner Freunde gelesen, Henrik«, sagte Denise von Schoenecker beim Abendessen.
Alexander von Schoenecker, Henriks Vater und Nicks Stiefvater, hatte den Brief ebenfalls gelesen.
»Und was sagt ihr dazu?«, fragte Nick.
Henrik wollte dagegen wissen: »Nimmst du die beiden in Sophienlust auf, Mutti?«
»Da wir noch Platz haben, wäre ich bereit, sie aufzunehmen«, sagte Denise. »Aber die Entscheidung liegt nicht bei mir, sondern bei der Stiefmutter von Rolf und Grischa. Wenn sie die Brüder in ein anderes Heim geben will, kann ich nichts dagegen tun.«
»Eure Mutter hat recht«, sagte Alexander von Schoenecker. »Am besten wäre es, die Stiefmutter eurer Freunde würde sich an Frau Rennert oder eure Mutti wenden. Schreibt das den Brüdern. Ratet ihnen, zuerst mit der Stiefmutter zu reden. Und die soll dann nach Sophienlust schreiben oder herkommen.«
Nick fand den Rat seines Stiefvaters gut.
Henrik auch, aber er wollte ganz sichergehen. Deshalb bat er seine Mutter, trotzdem noch ein paar Zeilen an Loretta Jäger zu schicken. »Du brauchst ihr ja nur zu schreiben, dass du bereit bist, Rolf und Grischa aufzunehmen«, meinte er. »Sonst nichts, Mutti.«
Denise musste lachen. »Also gut, ich schreibe dieser Frau Jäger ein paar Zeilen. Ihr gebt ja sonst doch keine Ruhe.«
Henrik und Nick wechselten einen Verschwörerblick.
»Wollen wir den Brief an Rolf und Grischa gleich schreiben?«, fragte Henrik nach dem Essen seinen Halbbruder.
»Du schreibst ihn«, sagte Nick.
»Aber du hilfst mir doch?«
»Na klar! Wenn du willst, diktiere ich dir den Brief.«
Henrik wollte. Er ging mit in Nicks Zimmer und setzte sich an dessen Schreibtisch.
Nick stand daneben. »Die Anrede weißt du ja selber.«
Lieber Rolf, lieber Grischa, schrieb Henrik. Vielen Dank für Euren Brief. Fragend schaute er nun zu Nick auf. »Gut so?«
»Ja.« Nick diktierte weiter, Henrik schrieb.
Als der Brief fertig war, lasen sie ihn gemeinsam noch einmal durch.
»Sollen wir ihn morgen den anderen zeigen oder gleich zukleben?«, wollte Henrik wissen.
»Wir kleben ihn zu«, entschied Nick. »Den Kindern können wir ja morgen erzählen, was drinsteht.«
»Gut.« Henrik klebte das Kuvert zu. »Jetzt müssen wir nur noch aufpassen, dass Mutti nicht vergisst, ihren Brief an Frau Jäger zu schreiben.«
»Wir können sie ja morgen noch mal daran erinnern.« Nick schrieb Adresse und Absender in Druckbuchstaben auf den Umschlag.
Denise von Schoenecker schrieb am nächsten Tag einen kurzen Brief an Loretta Jäger. Sie sei bereit, Rolf und Grischa in Sophienlust aufzunehmen.
Notfalls könne sie die Brüder auch in Garmisch abholen.
Henrik warf das Schreiben seiner Mutter eigenhändig in den Briefkasten.
*
Loretta Jäger war ein Jahr lang mit dem Vater von Rolf und Grischa verheiratet gewesen. Dann war dieser völlig unerwartet gestorben, nach einem Herzanfall. Niemand hatte von seiner Herzkrankheit gewusst, nicht einmal er selbst.
Loretta hatte einen Teil seines Vermögens geerbt, den größeren Teil hatten die Kinder bekommen. Bis zu deren Volljährigkeit war Loretta Vormund und Vermögensverwalter. Das Problem war nur, dass sie nicht in Deutschland bleiben wollte.
Sie könne natürlich auch einen anderen Vormund ernennen, hatte der Rechtsanwalt zu ihr gesagt.
Einen Tag später bekam Loretta den Brief aus Sophienlust.
Grischa war dabei, als sie ihn las.
»Der ist von Henriks Mutti, nicht wahr?«
»Ja. Sie schreibt, sie sei bereit, euch in Sophienlust aufzunehmen. Wollt ihr nach Sophienlust?«
»Ja!« Grischa nickte. »Wir möchten gern nach Sophienlust. Bringst du uns hin, Loretta?« Er hatte sie noch nie Mutti genannt. Rolf übrigens auch nicht.
»Wir werden sehen«, sagte Loretta.
»Dir kann es doch egal sein, wohin wir kommen«, argumentierte Grischa. »In Sophienlust hat es uns so gut gefallen.«
»Nun reg dich nicht auf! Wenn ihr unbedingt in dieses Heim wollt, dann bringe ich euch hin.«
»Wirklich, Loretta?«
»Ja, doch. Und jetzt sag deinem Bruder, er soll sich fertigmachen. Wir fahren zum Bahnhof.«
»Was machen wir denn am Bahnhof?«
Loretta seufzte. »Das habe ich euch doch schon gesagt. Wir holen meine Nichte Caroline ab.«
»Und da müssen wir mitkommen?«, fragte Rolf, der gerade hereinkam.
»Ihr müsst nicht«, sagte Loretta. Es klang ein bisschen beleidigt.
»Es ist besser, wir fahren mit«, flüsterte Grischa seinem Bruder ins Ohr. »Wenn wir sie ärgern, bringt sie uns vielleicht nicht nach Sophienlust.«
Also fuhren sie mit der Stiefmutter zum Bahnhof, um eine Nichte abzuholen, die sie nicht kannten.
»Was ist eine Nichte?«, wollte Rolf wissen, Grischa wusste es auch nicht.
»Caroline ist die Tochter meiner Schwester«, erklärte Loretta. »Und da meine Schwester nicht mehr lebt, kommt Caroline zu mir.«
»Dann hat sie also keine Mutter mehr?«, fragte Rolf.
»Keine Mutter und keinen Vater«, antwortete Loretta. »Beide Elternteile sind bei einem Flugzeugabsturz umgekommen.«
»Dann ist sie ja ein Waisenkind«, sagte Rolf. »Genau wie wir.« Das machte ihnen die unbekannte Nichte sympathisch. »Wie alt ist Caroline?«
Loretta musste überlegen. »Ich glaube, sie ist siebenundzwanzig. Genau weiß ich es aber nicht. Ich habe Caroline sehr lange nicht mehr gesehen. Seid bitte nett zu ihr.«
»Zu Waisenkindern sind wir immer nett«, erklärte Rolf. Sein Bruder pflichtete ihm bei.
Loretta musste lachen. Sie fand, eigentlich waren die beiden ja ganz lustig, vor allem unkompliziert. Trotzdem konnte sie die Jungen nicht behalten. Sie wollte nach Amerika gehen, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Zusammen mit einer Freundin, die schon in den Vereinigten Staaten lebte.
Sie erreichten den Bahnhof und fanden sogar einen Parkplatz.
Rolf deutete zu dem ersten Bahnsteig. »Dort steht schon ein Zug.«
Loretta schaute auf die Uhr. »Das kann er noch nicht sein. Außerdem kommt Caroline mit dem Schnellzug.«
Fünf Minuten später fuhr auf Bahnsteig zwei der Eilzug ein. Neugierig musterten Rolf und Grischa alle Reisenden, die ausstiegen.
»Wie lange will sie eigentlich bei uns bleiben?«, fragte Grischa und dachte: Vielleicht ist sie recht zickig.
»Ich weiß nicht, wie lange sie bleiben will.« Loretta deutete nach vorn. »Da ist sie ja!«
Caroline Schönberg war eine bildschöne junge Frau mit schwarzen Locken und blauen Augen. Eigentlich sah sie wie ein junges Mädchen aus. Sie trug weiße Jeans und eine sportliche blaue Bluse.
»Tante!«, rief sie. Sie stellte ihren Koffer ab und fiel Loretta um den Hals.
Neugierig schauten Rolf und Grischa zu.
»Du hast dich überhaupt nicht verändert, Tante Loretta.«
»Du dafür umso mehr. Eine bildhübsche junge Dame bist du geworden.« Sie drehte sich um und winkte die beiden Buben heran. »Darf ich dir Rolf und Grischa vorstellen?«
»Tag«, sagte Rolf und machte einen Diener.
»Dürfen wir Caroline zu dir sagen?«, fragte Grischa.
»Nur wenn ich euch einen Kuss geben darf«, sagte Caroline.
Gnädig ließen sich Rolf und Grischa einen Kuss geben. Aber eigentlich fanden sie das nett. Loretta gab ihnen nie einen Kuss.
»Ihr seid also Rolf und Grischa.« Caroline nahm die beiden bei der Hand. Loretta trug den Koffer.
»Wie wars in Paris?«, fragte sie, denn Caroline hatte zwei Semester Kunstgeschichte in Paris studiert.
»Es hat mir sehr gut gefallen. Ich habe dort viel gelernt.«
»Und wie sehen deine Zukunftspläne aus?« Sie hatten inzwischen den Parkplatz erreicht. Loretta schloss den Wagen auf.
Caroline setzte sich auf den Beifahrersitz. »Ich möchte in München weiterstudieren. Aber da muss ich ein halbes Jahr warten, bis ein Platz frei wird. Nun, allzu schlimm ist das auch nicht.«
»Finanzielle Probleme hast du ja nicht.« Loretta wusste, dass Caroline von ihren Eltern ein kleines Vermögen geerbt hatte.
»Nein, ich muss nicht unbedingt Geld verdienen.«
»Wirst du das mit der Malerei überhaupt jemals können?«, fragte Loretta.
»Du hältst das wohl auch für eine brotlose Kunst?«, fragte Caroline lächelnd. Leise fuhr sie danach fort: »Es tut mir leid, dass du so schnell wieder Witwe geworden bist. So viel ich weiß, wart ihr nur ein Jahr verheiratet?«
»Dreizehn Monate genau«, sagte Loretta.
»Und was wird jetzt aus deinen Stiefkindern?«
»Wir sprechen nachher darüber.« Loretta deutete nach vorn. »Da wohnen wir.«
»In dem großen Bauernhaus?«, fragte Caroline.
»Ja«, sagten Rolf und Grischa gleichzeitig.
»Ist das schön«, flüsterte Caroline andächtig.
»Schön?«, fragte Loretta, während sie ausstieg. »Alt ist es.«
»Das ist ja gerade das Schöne daran. Von so einem Haus habe ich manchmal geträumt.« Caroline blieb vor dem Eingang stehen. Die Fassade müsste renoviert werden und die Fensterstöcke bräuchten einen frischen Anstrich, stellte sie fest. Aber das war alles kein Problem. »Wie ist es denn innen?«
»Komm herein und sieh es dir an«, sagte Loretta. Sie hatte bereits die Haustür aufgeschlossen. »Es ist schon so alt, dass es unter Denkmalschutz steht.«
»Es ist wundervoll«, schwärmte Caroline, als sie die alte Holztreppe sah und die hölzerne Decke im Esszimmer.
»Viel zu groß ist es«, sagte Loretta. »Man wird nicht fertig mit Saubermachen.«
Rolf und Grischa schauten sich an. Mit ihrer Begeisterung für das Haus hatte Caroline die Herzen der beiden Kinder erobert.
»Loretta will das Haus verkaufen«, sagte Rolf und warf seiner Stiefmutter einen vorwurfsvollen Blick zu.
»Aber Tante Loretta«, rief Caroline entsetzt. »Das darfst du nicht!«
Loretta antwortete darauf nicht. »Wir haben ein Zimmer im ersten Stock für dich hergerichtet«, sagte sie schließlich. »Aber du kannst auch jedes andere Zimmer haben, wenn du willst. Es stehen ja genug Räume leer.«
»Wenn du willst, zeigen wir dir das Haus«, bot Grischa an.
Caroline nickte. »Gern.«
Sie gingen zuerst durch die Erdgeschossräume. Das Haus konnte sogar geheizt werden.
»Die Heizung hat Papa einbauen lassen«, sagte Grischa stolz.
»Hat er das Haus gekauft oder geerbt?«
»Geerbt«, sagte Rolf. »Und jetzt will sie es verkaufen.«
Dieser Gedanke erschreckte Caroline genauso wie die Kinder. Das Haus stand am Ortsrand von Garmisch-Partenkirchen. Der Garten, der dazugehörte, war nicht groß und außerdem so bepflanzt, dass er kaum Arbeit machte.
In einem Zimmer mit alten Bauernmöbeln war das Bett frisch bezogen.
»Das ist dein Zimmer«, sagte Rolf. »Gefällt es dir?«
»Sehr.« Caroline trat zum Fenster. Von hier aus konnte man den Wald und die Berge sehen.
Grischa wollte wissen, wie lange Caroline bleiben wolle.
»Das hängt von meiner Tante ab«, sagte sie. »Eigentlich wollte ich den Winter über hierbleiben und dann nach München übersiedeln. Platz genug hättet ihr ja.«
»Dann bleib doch einfach«, sagte Rolf. »Wir laden dich ein.«
»Danke, das ist lieb von euch.« Caroline strich Rolf über sein glattes braunes Haar. Grischas Haar hatte fast die gleiche Farbe, nur war es gelockt.
»Loretta hat es hier von Anfang an nicht gefallen«, sagte Grischa. »Immer wollte sie in die Stadt. Aber Vati ist nicht weggezogen. Gefällt dir unser Haus wirklich, Caroline?«
»Es ist wunderschön. So ein Haus habe ich mir immer gewünscht. Es gibt nicht mehr so viele davon, wisst ihr.«
»Man kann doch wieder welche bauen«, meinte Rolf.
»Das ist nicht mehr dasselbe. Die Atmosphäre fehlt.« Wie sollte sie das den Kindern erklären?
Doch Rolf und Grischa schienen sie zu verstehen. Vielleicht deshalb, weil sie das Haus liebten. Ihre Augen leuchteten, als Caroline die alten Truhen bewunderte.
»Da ist der Holzwurm drin«, sagte Loretta verächtlich. »Ich lebe in der dauernden Angst, dass er meine Möbel, die ich mitgebracht habe, auch noch zerfrisst.«
Caroline musste lachen. »Es gibt Händler, die den Holzwurm absichtlich in neue Möbel übertragen, damit sie wie alte Möbel aussehen.«
»Also, ich habe nie für das alte Zeug geschwärmt.« Loretta ging voraus in die Küche. Dort stand neben einem Kachelofen, der den Raum beherrschte, ein großer, schwerer Holztisch.
»Setz dich«, sagte Loretta. »Der Kaffee ist gleich fertig.«
Rolf und Grischa spielten im Garten, sodass sich Loretta mit Caroline ungestört unterhalten konnte.
»Ich bleibe nicht hier, Caroline. Sobald die Erbschaftsangelegenheit abgewickelt ist, verlasse ich Deutschland.«
»Und wohin willst du?«
»Nach Amerika«, sagte Loretta.
Caroline starrte ihre Tante an. »Und was wird aus den Kindern?«
Loretta antwortete nicht sofort.
»Es sind nicht meine Kinder«, sagte sie schließlich. »Ich wollte nie Kinder haben.«
