Die Indianer Nordamerikas - George Catlin - E-Book

Die Indianer Nordamerikas E-Book

George Catlin

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Beschreibung

George Catlins Werk "Die Indianer Nordamerikas" gehört zu den bedeutendsten ethnografischen und künstlerischen Dokumentationen der indigenen Kulturen Nordamerikas im 19. Jahrhundert. Der amerikanische Maler und Schriftsteller George Catlin (1796–1872) reiste in den 1830er Jahren durch große Teile Nordamerikas, um das Leben verschiedener indigener Völker festzuhalten. In einer Zeit, in der viele dieser Kulturen durch Expansion, Konflikte und politische Maßnahmen bedroht waren, versuchte Catlin, ihre Lebensweisen, Traditionen und Erscheinungsbilder für die Nachwelt zu dokumentieren. Die besondere Bedeutung dieses Werkes liegt vor allem in seiner einzigartigen Verbindung von Text und Illustration. Catlin fertigte während seiner Reisen hunderte Porträts, Szenen aus dem Alltag, Darstellungen von Zeremonien sowie Landschaftsbilder an. Diese Illustrationen sind nicht nur künstlerisch wertvoll, sondern besitzen auch einen großen dokumentarischen Wert. Sie geben Einblicke in Kleidung, Schmuck, Waffen, Rituale und soziale Strukturen verschiedener Stämme und stellen somit eine wichtige visuelle Quelle für Historiker, Anthropologen und Kunsthistoriker dar. Darüber hinaus tragen Catlins detaillierte Beschreibungen wesentlich zum Verständnis der dargestellten Kulturen bei. Seine Texte schildern Begegnungen, Beobachtungen und Eindrücke aus erster Hand und vermitteln ein Bild der kulturellen Vielfalt und Komplexität der indigenen Gesellschaften Nordamerikas. Obwohl seine Perspektive von der Denkweise seiner Zeit geprägt war, bemühte sich Catlin dennoch um eine respektvolle Darstellung der Menschen, denen er begegnete. Das Vermächtnis George Catlins besteht vor allem darin, dass er ein umfangreiches visuelles und literarisches Archiv geschaffen hat, das heute als unschätzbare historische Quelle gilt. Seine Arbeiten tragen dazu bei, das kulturelle Erbe vieler indigener Gemeinschaften sichtbar zu machen und das Bewusstsein für deren Geschichte zu stärken. Somit bleibt "Die Indianer Nordamerikas" ein bedeutendes Zeugnis sowohl der Kunstgeschichte als auch der ethnografischen Forschung.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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George Catlin

Die Indianer Nordamerikas

Illustrierte Ausgabe
Übersetzer: Heinrich Berghaus
e-artnow, 2026 Kontakt: [email protected]

Inhaltsverzeichnis

Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Fünfzehntes Kapitel
Sechzehntes Kapitel
Siebenzehntes Kapitel
Achtzehntes Kapitel
Neunzehntes Kapitel
Zwanzigstes Kapitel
Einundzwanzigstes Kapitel
Zweiundzwanzigstes Kapitel
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Vierundzwanzigstes Kapitel
Fünfundzwanzigstes Kapitel
Sechsundzwanzigstes Kapitel
Siebenundzwanzigstes Kapitel
Achtundzwanzigstes Kapitel
Neunundzwanzigstes Kapitel
Dreißigstes Kapitel
Einunddreißigstes Kapitel
Zweiunddreißigstes Kapitel
Dreiunddreißigstes Kapitel
Vierunddreißigstes Kapitel
Fünfunddreißigstes Kapitel
Sechsunddreißigstes Kapitel
Siebenunddreißigstes Kapitel
Achtunddreißigstes Kapitel
Neununddreißigstes Kapitel
Vierzigstes Kapitel
Zweiundvierzigstes Kapitel
Dreiundvierzigstes Kapitel
Vierundvierzigstes Kapitel
Fünfundvierzigstes Kapitel
Sechsundvierzigstes Kapitel
Siebenundvierzigstes Kapitel
Achtundvierzigstes Kapitel
Neunundvierzigstes Kapitel
Fünfzigstes Kapitel
Einundfünfzigstes Kapitel
Zweiundfünfzigstes Kapitel
Anhang A
Anhang B. [Wörter einiger Indianersprachen]
Anhang C. Eigenschaften der Indianer
Siehe größere Version

Erstes Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Wyoming, Geburtsort des Verfassers. – Seine frühere Beschäftigung. – Erste Veranlassung zu seinen Reisen in das Indianerland. – Gesandtschaft der Indianer in Philadelphia. – Erster Ausflug in dem fernen Westen im Jahre 1832. – Absicht eine Nationalgalerie zu gründen. – Zahl der besuchten Stämme, der Gemälde und der übrigen gesammelten Gegenstände. – Wahrscheinliche Vertilgung der Indianer. – Die richtige Art sich ihnen zu nähern und ihren Charakter zu würdigen.1

Da die folgenden Blätter auf das dringende Verlangen einiger Freunde schnell nach einer Reihe von Briefen und Bemerkungen bearbeitet wurden, die ich während eines mehrjährigen Aufenthaltes und Umherwanderns unter einigen der wildesten und entlegensten Indianerstämme schrieb, so habe ich es für das Beste gehalten, mein Buch gleich mit dieser Seite zu beginnen, ohne alle weitere Vorrede und Zueignung, als die, welche ich hiermit an alle Leser richte.

Sollte es einer Entschuldigung bedürfen, daß ich so ohne alle Umstände beginne, so mögen meine Leser wissen, daß ich bei diesem Bande weder Raum noch Zeit übrig habe, um mich und mein Buch in die Welt einzuführen.

Nachdem ich so ohne weiteres begonnen habe, will ich die Sünde auf mich nehmen, dieses Kapitel als das erste an die Spitze der oben erwähnten Reihe von Briefen zu stellen, obgleich es mehrere Jahre später geschrieben wurde; ich bin dadurch in den Stand gesetzt, mich bei meinen Lesern (die bis jetzt noch wenig oder nichts von mir wissen) mit wenigen Worten einzuführen und zugleich den in den folgenden Kapiteln beschriebenen Gebräuchen solche Erläuterungen hinzuzufügen, welche als Schlüssel oder Kommentar dienen und die Leser auf den Inhalt vorbereiten können.

Bei der großen Menge von Büchern, die in dieser aufgeklärten Zeit die Welt überschwemmen, halte ich es für meine Pflicht, sobald als möglich um Verzeihung dafür zu bitten, daß ich überhaupt ein Buch geschrieben, und sodann (falls etwa meine Leser ein solches Gefallen an meinen Erzählungen finden sollten, daß sie mir die Kürze meines Werkes zum Vorwurf machen) es mir zu nicht geringem Verdienste anrechnen, daß ich ihre Zeit und ihre Geduld nicht länger gemißbraucht habe.

Indem ich es also meinen Lesern überlasse, selbst aufzufinden, was in dem Buche enthalten ist, ohne ihnen irgend etwas zu versprechen, beginne ich von mir selbst zu berichten, daß ich vor einigen dreißig Jahren 2 in Wyoming in Nordamerika geboren bin und zwar von Eltern, die bald nach der Beendigung des Revolutionskrieges und nach dem unseligen Ereignisse der »Indianerermordung« in jenes schöne und berühmte Tal kamen.

Meine Jugend wurde einigermaßen unnütz vertändelt, indem ich statt der Bücher lieber die Flinte und die Angel in die Hand nahm.

Auf das dringende Verlangen meines Vaters, eines praktizierenden Advokaten, gab ich diese Lieblingsunterhaltungen, sowie die gelegentliche Beschäftigung mit dem Pinsel, die ich bereits sehr lieb gewonnen hatte, auf und begann unter der Leitung von Reeve und Gould die Rechte zu studieren. Ich besuchte die Vorlesungen dieser gelehrten Advokaten zwei Jahre, wurde zur Advokatur zugelassen und praktizierte in meiner Heimat als eine Art von Nimrods-Advokat zwei oder drei Jahre, worauf ich vorsichtig meine juristische Bibliothek und alles, bis auf meine Flinte und Angelrute, verkaufte, für den Erlös mir Pinsel und Farben anschaffte und in Philadelphia ohne Lehrer oder Ratgeber die Malerei begann.

Ich übte meine Hand mehrere Jahre in dieser Kunst, und während ich beständig den Wunsch hegte, in einem Zweige dieser Kunst etwas zu leisten und dieser mit Enthusiasmus mein ganzes Leben zu widmen, erschien plötzlich in Philadelphia eine Gesandtschaft von zehn bis fünfzehn Indianern von edlem und würdevollem Äußern aus den Wildnissen des »Fernen Westen«, geschmückt und gerüstet in ihrer ganzen klassischen Schönheit – mit Schild und Helm – Tunica und Mantel – bemalt und geschmückt – kurz, wie geschaffen für die Palette eines Malers.

Schweigend und mit stoischer Würde stolzierten diese Herren der Wälder, in ihre bemalten Mäntel gehüllt, die Stirn mit den Federn des Kriegsadlers geschmückt, in der Stadt umher und erregten allgemeine Bewunderung. Als sie endlich nach Washington abgingen, hing ich lange Zeit mit tiefem Bedauern meinen Gedanken nach, bis ich endlich zu folgenden Schlüssen kam:

Schwarze und blaue Kleider und Civilisation dienen nicht nur dazu, die Grazie und Schönheit der Natur zu verhüllen, sondern auch sie zu vernichten. Der Mensch in der Einfachheit und Erhabenheit seiner Natur, unbeschränkt und ungehemmt durch die Vermummungen der Kunst, ist gewiß das schönste Modell für den Maler – und das Land, das diese Modelle gewährt, ist unstreitig das beste Studium oder die beste Schule der Künste in der Welt; ein solches ist, nach den Modellen, die ich gesehen habe, jedenfalls die Wildnis von Nordamerika. Und die Geschichte und die Gebräuche eines solchen Volkes durch malerische Darstellungen aufzubewahren, sind Aufgaben, wert, daß ein Mann seine Lebenszeit darauf verwendet, und nichts als der Verlust meines Lebens soll mich verhindern, ihr Land zu besuchen und ihr Geschichtschreiber zu werden.

Es lag etwas ungemein Angenehmes in diesem Entschlusse, der mich mitten unter solche lebenden Modelle für meinen Pinsel versehen und die oben genannten Lieblingsgegenstände, die in der Stadt solange schon dem Rost und dem Verderben preisgegeben waren, ohne die mindeste Aussicht, wieder zu meinem Vergnügen beizutragen, zu meinem Unterhalt und zu meinem Schutz wieder in meine Hände bringen sollte.

Mein Entschluß stand fest – ich teilte meine Absicht Verwandten und Freunden mit, ohne jedoch bei einem einzigen Beifall zu finden. Ich versuchte ehrlich und redlich alles Mögliche, aber es war vergeblich, diejenigen zu überzeugen, deren Ängstlichkeit alle nur denkbaren Schwierigkeiten und Gefahren aufsuchte, ohne imstande zu sein, die Größe und Wichtigkeit meiner Absichten zu begreifen oder zu würdigen; ich riß mich daher von allen los – von meiner Frau und meinen bejahrten Eltern – und war mein eigener Ratgeber und Beschützer.

Indem meine Absichten auf diese Weise feststanden, begann ich, bewaffnet und gerüstet, im Jahre 1832 meine Wanderungen, und drang in die weiten und pfadlosen Wildnisse, die gewöhnlich der große »Ferne Westen« des nordamerikanischen Continents genannt werden, mit leichtem Herzen und mit der enthusiastischen Hoffnung und dem festen Vertrauen, daß ich alle Zufälle und Entbehrungen überwinden würde, die mit einem Leben verbunden sein müssen, das der schriftlichen und geographischen Darstellung der Sitten, Gebräuche und des Charakters eines interessanten und mit schnellen Schritten von der Erde verschwindenden Menschenschlages gewidmet ist; und indem ich einer dahinsterbenden Nation, die keinen eigenen Geschichtschreiber und Biographen hat, um getreu ihre Personen und ihre Geschichte zu schildern, die Hand reiche, werde ich das, was zum Besten der Nachwelt aufbewahrt werden kann, einer schnellen Vergessenheit entreißen, und als ein treues und gerechtes Denkmal der Erinnerung an einen großen und edlen Menschenschlag verewigen.

Mit diesen Beschäftigungen habe ich bereits acht Jahre verbracht, meistenteils mich in dem Indianerlande unter den roten Männern aufgehalten, und mich bei ihren Spielen und Vergnügungen so viel als möglich mit ihnen identifiziert, um mit ihrem Aberglauben und ihren geheimen Gebräuchen, die den Schlüssel zu dem Leben und dem Charakter des Indianers bilden, besser bekannt zu werden.

Ich begann mein mühsames und gefahrvolles Unternehmen mit dem Vorsatze, nach und nach jeden Indianerstamm auf dem Kontinent von Nordamerika zu besuchen und von den angesehensten Personen, sowohl Männern als Frauen eines jeden Stammes, ähnliche Bildnisse, Ansichten ihrer Dörfer, Spiele usw., sowie ausführliche Nachrichten über ihren Charakter und ihre Geschichte mit nach Hause zu bringen. Ich wollte mir auch ihre Trachten und eine vollständige Sammlung der von ihnen verfertigten Kunstgegenstände und Waffen verschaffen und dies alles in einer einzigen Galerie ausstellen zum Besten und zur Belehrung künftiger Geschlechter.

Alles Verdrießliche, was eine ernste Idee dieser Art etwa haben mag, nehme ich für mich in Anspruch, da ich unstreitig der erste Künstler war, der auszog, um seine Leinwand bis zu dem Felsengebirge (Rocky Mountains) zu tragen, und ein bedeutender Teil der folgenden Blätter wurde bereits in den Jahren 1832 und 1833 in den New-Yorker Zeitungen veröffentlicht, also lange zuvor, ehe Washington, Irving u. a., deren interessante Erzählungen der Welt vorliegen, ihre Reisen unternahmen.

Ich habe noch keineswegs alle Stämme besucht; aber ich habe einen sehr großen Weg und mit weit vollständigerem Erfolge zurückgelegt, als ich erwartete.

Ich habe 48 verschiedene Stämme besucht, die größtenteils verschiedene Sprachen redeten und zusammen 400000 Seelen zählten. Ich habe 310 Bildnisse in Öl mitgebracht, die sämtlich in ihrer Nationaltracht und in ihren eigenen Wigwams gemalt wurden; ferner 200 Ölgemälde, die Ansichten von ihren Dörfern, ihren Wigwams, ihren Spielen und religiösen Gebräuchen, ihren Tänzen, ihren Ballspielen, ihren Büffeljagden und anderen Belustigungen (die zusammen über 3000 ganze Figuren enthalten), sowie Landschaften ihres Gebiets darstellen und außerdem eine sehr große und merkwürdige Sammlung von Trachten und anderen von ihnen verfertigten Gegenständen, von der Größe eines Wigwams bis zu der einer Feder oder einer Rassel.

Einige der interessantesten dieser Gemälde habe ich, im verkleinerten Maßstabe gezeichnet, diesem Buche beigefügt. Dies ist alles, was ich für jetzt über mich und mein Werk zu sagen wünsche.

Über die Indianer habe ich weit mehr zu sagen, werde es aber weiter nicht zu entschuldigen suchen, daß ich die Aufmerksamkeit meines Lesers für die nachfolgende Schilderung ihres Charakters und ihrer Gebräuche in Anspruch nehme.

Die Indianer (wie ich sie nennen werde), die Wilden, oder die roten Männer der Wälder und Prärien Nordamerikas sind von besonderem Interesse durch ihre relative Stellung zu den zivilisierten Völkern und durch ihren großen Abstand von diesen. Wir sehen hier ein zahlreiches Volk, dessen Ursprung in undurchdringliches Dunkel gehüllt, dessen frühere Geschichte unbekannt ist, dessen nationale Existenz sich ihrem Ende naht, von dessen Gebieten in dem kurzen Zeitraum von 250 Jahren drei Viertel in den Besitz der weißen Männer gekommen sind, von dem zwölf Millionen dem Branntwein, den Blattern und dem Bajonett zum Opfer gefallen sind, und von dem nur noch ein kleiner Teil übrig ist, um noch eine kurze Zeit zu leben, in der gewissen Voraussicht, bald demselben Schicksal anheimzufallen.

Der Schriftsteller, der es unternehmen wollte, die Geschichte eines solchen Volkes mit allem Unglück und Mißgeschick, von dem es betroffen worden, zu schreiben, müßte notwendig mehr Raum haben, als mir in dieser kurzen Übersicht zu Gebote steht; auch er müßte, ebenso wie ich, mit den Lebenden beginnen, oder er liefe Gefahr, sich bei der Einleitung seines Werkes so lange aufzuhalten, bis die gegenwärtig noch lebenden Reste dieses Menschenschlages verschwunden sind, und ihre Existenz und ihre Gebräuche, gleich denen vergangener Zeiten, von denjenigen, für die sein Buch bestimmt wäre, in Zweifel gezogen würden. Ein solcher Schriftsteller muß auch, um gerecht zu sein, mancherlei Theorien und Meinungen berichtigen, die, sei es aus Unwissenheit oder aus bösem Willen, unvertilgbar in der Welt verbreitet worden sind; er muß ferner vieles sammeln und ordnen, was nur unvollkommen berichtet oder zu Gunsten eines Volkes geschrieben ist, das nicht die Mittel hat, dergleichen aufzuzeichnen, sondern dies der Redlichkeit und Genauigkeit seiner Feinde zu überlassen gezwungen ist.

Eine solche Geschichte müßte auch eine genaue Darstellung der den roten Männern widerfahrenen Behandlung, sowie der Ursachen enthalten, die ihren schnellen Verfall herbeigeführt haben; ferner eine klare und systematische Prophezeiung in bezug auf die Zeit und die Art ihrer endlichen Vertilgung, gegründet auf die Ursachen und das Verhältnis ihrer früheren und jetzigen Verminderung.

Mag mir nun eine so herkulische Arbeit künftig zufallen oder nicht, ich sende jetzt dieses Buch, das die Taten und Gebräuche der Lebenden enthält, in die Welt hinaus, und ich hoffe zuversichtlich, daß sowohl diejenigen Leser, die sich unterrichten und die historischen Tatsachen kennen lernen wollen, als auch diejenigen, die nur der Unterhaltung wegen lesen, befriedigt sein werden.

Jedermann weiß, daß die Indianer Nordamerikas kupferfarbig, daß ihre Augen und Haare schwarz, daß sie höchst unkultiviert und nicht getauft, daß sie aber nichtsdestoweniger doch menschliche Wesen sind, mit Gesichtszügen, Gedanken, Vernunft, Gefühlen wie wir; aber wenige wissen, wie sie leben, wie sie sich kleiden, wie sie beten, welcher Art ihre Handlungen, ihre Gebräuche, ihre Religion, ihre Vergnügungen usw. sind, die sie in den unkultivierten Gegenden ihres noch unbetretenen Landes ausüben. Dies alles klar und bestimmt zu schildern, ist der Hauptzweck dieses Werkes.

Es würde unmöglich sein, in einem Buche beschränkten Umfanges alle Sitten und Gewohnheiten dieses Volkes zu beschreiben; was indes darüber erzählt worden ist, habe ich selbst an Ort und Stelle, so wie es vor meinen Augen vorging, geschildert, und wenn einige meiner Erzählungen etwas zu stark gefärbt erscheinen sollten, so hoffe ich, man wird auch mir diejenige Nachsicht angedeihen lassen, die man herkömmlicherweise allen Künstlern gewährt, deren Hauptfehler bei ihren Gemälden mehr in der Lebhaftigkeit der Farben, als in der Zeichnung bestehen. Ich glaube jedoch, daß sich sonst nichts darin finden wird, weshalb ich um Nachsicht zu bitten hätte, selbst wenn einiges davon die Leichtgläubigkeit stutzig machen und mir den Tadel derjenigen Kritiker zuziehen sollte, die, während sie zu Hause an ihrem Pulte sitzend, sich des Weines und einer guten Zigarre erfreuen, die einfachen Erzählungen eines ehrlichen Reisenden (der sein Leben abkürzt, indem er für die Welt einsammelt) vornehmen und ihn und sein Werk der Vergessenheit, sein Weib und seine Kinder zur Armut und zum Hungertode verdammen, nur weil er Szenen beschreibt, die sie nicht gesehen haben und daher nicht glauben.

Die Indianer Nordamerikas, die bis auf weniger als zwei Millionen zusammengeschmolzen sind, waren einst die unbestrittenen Besitzer des Bodens, auf dem der Große Geist sie erschaffen, ein glückliches, blühendes Volk, das sich aller ihm bekannten Bequemlichkeiten und Genüsse des Lebens erfreute und täglich Dankgebete zu dem Großen Geiste für seine Güte und seinen Schutz emporsandte. Sie zählten damals 16 Millionen. Da kamen vor wenigen Jahrhunderten die weißen Männer in ihr Land, und 30 Millionen von ihnen mühen sich jetzt ab für die Güter und Genüsse des Lebens, über den Gebeinen und der Asche von 12 Millionen roter Männer, von denen sechs Millionen durch die Blattern, und die übrigen durch das Schwert, das Bajonett und den Branntwein dahingerafft worden sind. Alle diese Mittel des Todes und der Vernichtung wurden von den weißen Männern eingeführt, deren Vorfahren der arme Indianer freundlich aufnahm und »mit Ähren vom grünen Korn und Pemmikan« bewirtete. Von den noch vorhandenen zwei Millionen sind 1 400 000 bereits lebend der Habgier des weißen Mannes als Opfer verfallen, entartet und entmutigt durch den Genuß des Branntweins und die ihn begleitenden Laster. Die Übrigen, die die Drohungen oder die Schmeicheleien des weißen Mannes und seine Reizmittel noch nicht verführt haben, leben in ihren wilden Schlupfwinkeln noch nach ihrer alten Art.

Mit diesen habe ich größtenteils meine Zeit verlebt und ihren Gebräuchen sind die folgenden Blätter hauptsächlich gewidmet. Ihre Gewohnheiten, wie wir sie bei ihnen beobachten können, sind allein die einheimischen und diese sind es, die ich für künftige Zeiten aufzubewahren wünschte.

Von den Toten und den Sterbenden, von denen, die den Tod erlitten und von denen, die ihm entgegengehen, werde ich ausführlicher am Schlusse dieses Buches sprechen, oder später, wenn ich Muße dazu finde, und von diesen Dingen sprechen kann, ohne der Welt oder irgend jemand in ihr Anstoß zu geben.

Das auf den folgenden Blättern entworfene Bild, das ich der freien und lebendigen Wirklichkeit des Lebens und nicht der unsicheren Erinnerung oder der Häßlichkeit und Entstellung, der Krankheit und des Todes entnommen habe, übergebe ich der Welt sowohl zur Unterhaltung als zur Belehrung, und ich hoffe, sie wird es mir verzeihen, wenn sie etwa der Meinung sein sollte, daß ich den Charakter der Indianer überschätzt, oder daß ich zu sehr in das Einzelne der indianischen Mysterien und Albernheiten eingegangen sei.

Um mich recht zu verstehen und aus diesen Briefen den Nutzen zu ziehen, den sie beabsichtigen, muß daher der Leser sich mit mir weit von der zivilisierten Welt entfernen; er muß die Stadt New York verlassen, das Alleghanygebirge übersteigen und mir weit jenseits des mächtigen Missouri und selbst bis an den Fuß und auf die Gipfel des Felsengebirges, eine Strecke von einigen tausend englischen Meilen, folgen; er muß alles, was er in den Büchern über indianische Grausamkeit, über mutwillige Metzeleien und Mordtaten gelesen, vergessen, und die seit der Kindheit gegen diesen unglücklichen Menschenschlag eingesogenen Vorurteile ablegen. Er muß bedenken, daß, wenn er die Wilden Nordamerikas gesehen, ohne eine solche Reise gemacht zu haben, er seine Schlüsse nur auf diejenigen gründen konnte, die an der Grenze leben, deren Gewohnheiten verändert, deren Stolz gebrochen, deren Land geplündert, deren Weiber und Kinder schändlich gemißbraucht, deren Besitztum ihnen entrissen, deren Körper durch den übermäßigen Genuß des Branntweins entnervt worden, deren Freunde und Verwandte frühzeitig ins Grab gesunken, deren angeborener Stolz endlich den durch die Zivilisation ihnen eingeimpften Lastern gewichen, und, im Stillen durch das tiefe Gefühl der Beleidigung und des Unrechts genährt, zu grausamer Rache bereit ist. – Er muß bedenken, daß, wenn er seine angebliche genaue Kenntnis dieses Volkes nur aus Büchern und Zeitungen geschöpft hat, er doch wenigstens sein Urteil über den Charakter eines Volkes zurückhalten sollte, das unter der Hand seiner Feinde stirbt, ohne die Mittel zu besitzen, seine eigene Geschichte zu schreiben – das in seiner Nacktheit mit seinen einfachen Waffen gegen Flinten und Pulver, gegen Branntwein und Stahl und Krankheit und gepanzerte Krieger kämpft, die es fortwährend mit Füßen treten und endlich auf demselben Boden, den sie dem armen Wilden entrissen, frohlockend die Geschichte seiner Grausamkeit und Barbarei verkünden, während unter den Furchen, die ihr Pflug zieht, friedlich seine Gebeine ruhen.

Die Ungleichheit zwischen dem wilden und zivilisierten Menschen ist in jeder Beziehung, sowohl hinsichtlich der Waffen und der Verteidigungsmittel, als des Unternehmungsgeistes, der Fertigkeiten und der Erziehung so groß, daß der erstere fast immer, im Kriege wie im Frieden, und selbst dann noch der Unterliegende ist, wenn seine Pfeife und sein Tomahawk ihm bereits in das Grab gefolgt sind und sein Charakter der Geschichte anheimgefallen ist und erwartet, daß seine Feinde, denen er dies hat überlassen müssen, seinem Andenken werden Gerechtigkeit widerfahren lassen.

Einige Schriftsteller, ich bedauere es sagen zu müssen, haben den Charakter des nordamerikanischen Indianers als im höchsten Grade düster, halsstarrig, grausam und blutgierig geschildert, und stellen ihn kaum über das Tier, während andere, und unter diesen ich selbst, den roten Männern einen hohen Rang anweisen und sie als höchst intelligente Wesen darstellen; noch andere endlich, sowohl Freunde als Feinde der roten Männer, von ihnen als einer »Anomalie der Natur« sprechen.

Ich habe weder Zeit noch Neigung, hier einer so unverantwortlichen Behauptung zu widersprechen, und begnüge mich mit der Überzeugung, daß jener Ausdruck weit mehr auf denjenigen Teil der Menschen passen würde, der sich am weitesten von der Natur entfernt hat, als auf solche, die sich in der Sphäre, für die der Große Geist sie bestimmte, einfach bewegen und sie ausfüllen.

Nach dem, was ich von diesem Volke gesehen habe, fühle ich mich ermächtigt, zu sagen, daß ich in seinem Charakter durchaus nichts Auffallendes oder Unerklärliches gefunden habe, es ist vielmehr sehr leicht zu begreifen, wenn man nur die rechten Mittel anwendet, sich mit ihm bekannt zu machen; es hat allerdings auch seine Fehler, allein auch wiederum vieles, was den Beifall und die Bewunderung der zivilisierten Welt verdient. Und wer diese Blätter mit Aufmerksamkeit liest, wird, wie ich hoffe, mir darin beistimmen, daß der nordamerikanische Indianer in seinem Naturzustande bieder, gastfrei, redlich, unerschrocken, kriegerisch, grausam, rachsüchtig, halsstarrig – aber dennoch ein ehrenwertes, denkendes und religiöses Wesen ist.

Ist dies der Fall, so denke ich, es ist genug, um ihn der Welt zur redlichen Prüfung zu empfehlen und es wird wohl in dieser aufgeklärten Zeit in allen zivilisierten Ländern noch Mitleid genug vorhanden sein, um einem untergehenden Geschlechte die helfende Hand zu reichen, vorausgesetzt, daß Vorurteil und Furcht, was bisher den zivilisierten Menschen beständig von dem wilden entfernt gehalten, abgelegt werden können.

Ich habe durch eine lange Bekanntschaft mit diesem Volke die feste Überzeugung gewonnen, daß dieser Unwissenheit der Weißen in bezug auf den wahren Charakter und die Neigungen der Indianer hauptsächlich alles Mißgeschick, das die letzteren betroffen hat, zuzuschreiben ist; man hielt sich stets voll Mißtrauen von ihnen entfernt und betrachtete sie als Feinde, gegen die man nur ein System beständigen Krieges und Betruges in Anwendung bringen könne.

Es ist indes nicht schwierig, sich dem Indianer in seinem wilden Naturzustande zu nähern und bekannt mit ihm zu werden, wenn man nur die oben erwähnten Vorurteile und Besorgnis ablegen kann und sich die Mühe nimmt, wie ich es getan habe, ihn in seinem einfachen Naturzustande aufzusuchen, wie er unter seinem bescheidenen Dache, umgeben von Weib und Kind, seine Pfeife raucht, während seine treuen Hunde und Pferde außerhalb seines Zeltes lagern. – So kann jedermann ihn sehen und seine Freundschaftspfeife mit ihm rauchen, die unveränderlich mit einem herzlichen Willkommen dem Fremden dargereicht und ihm zugleich im nächsten Augenblicke zur Stillung des Hungers das Beste, was der Wigwam bietet, vorgesetzt wird.

Aber die meisten Menschen werden ihn höchst wahrscheinlich nicht so sehen, denn er ist zu weit entfernt, und nur denen erreichbar, welche Golddurst und Habgier in jene fernen Regionen lockt und die durch Scham abgehalten werden, der Welt die Tugenden mitzuteilen, die sie zu Boden geworfen und mit Füßen getreten haben.

Selbst den Gebrauch des Wortes »Wilder« in seinem gewöhnlichen Sinne bin ich geneigt, als einen Mißbrauch des Wortes und als eine Schmach für das Volk, auf das es angewendet wird, zu betrachten. Das Wort bedeutet doch eigentlich nichts als wild oder wilder Mensch, und ein wilder Mensch kann von seinem Schöpfer mit allen menschlichen und edlen Eigenschaften ausgerüstet sein, die in dem Herzen eines gesitteten Menschen wohnen. Unsere Furcht und Besorgnisse vor diesem Volke hat daher diesem Worte eine neue Bedeutung gegeben und fast die ganze zivilisierte Welt bezeichnet mit dem Worte Wilder den wütendsten, grausamsten und blutgierigsten Charakter, den man sich nur denken kann.

Der greuliche Bär (Ursus ferox – Grizzly Bear) wird wild genannt, weil er blutdürstig, raubgierig und grausam ist, und ebenso der Tiger, und beide sind, gleich dem armen roten Menschen, gefürchtet worden, weil man sich teils aus Unwissenheit auf Vorurteil von ihnen fern hielt, teils, wenn man in Berührung mit ihnen kam, sie nicht zu behandeln verstand, bis van Amburgh der Welt zeigte, daß es selbst bei diesen wilden und unvernünftigen Tieren nur der Freundschaft und des engen Anschließens von seiten ihres Herrn bedarf, um Gehorsam und Liebe bei ihnen zu finden.

Auf den folgenden Blättern wird man viele auffallende Beispiele von der Gastfreundschaft, Rechtlichkeit und dem Ehrgefühl dieses unwissenden und unaufgeklärten Volkes, und als Gegenstück dazu viele Beweise von den finsteren, grausamen und widrigen, durch den heilsamen Einfluß der Gesetze und des Christentums nicht gezügelten Leidenschaften finden.

Ich habe während sieben oder acht Jahren nach und nach an 3–400 000 dieses Volkes unter den allerverschiedensten Umständen besucht, und nach den vielfachsten und durchaus freiwilligen Handlungen ihrer Gastlichkeit und Freundlichkeit fühle ich mich verpflichtet zu sagen, daß sie von Natur ein friedsames und gastliches Volk sind. Ich war stets in ihrem Lande willkommen und wurde mit dem Besten bewirtet, was sie hatten, ohne jemals etwas dafür zu entrichten; sie haben mich oft mit Gefahr ihres Lebens durch das Land ihrer Feinde geleitet und mich bei dem Transport meines schweren Gepäcks über Gebirge und Flüsse unterstützt, und unter allen diesen Umständen, während ich ihnen doch gänzlich preisgegeben war, hat niemals ein Indianer mich verraten, mich mißhandelt oder mir nur das Geringste von meinem Eigentum entwendet.

Dies spricht sehr (und ist, wenn der Leser mir glauben will, auch ein Beweis) für die Tugenden dieses Volkes, wenn man sich erinnert (und dies sollte man tun), daß es in ihrem Lande keine Gesetze gegen den Diebstahl gibt, daß Schlösser und Riegel ihnen unbekannt sind und daß den Dieb keine andere menschliche Strafe treffen kann, als die Verachtung, die in den Augen seines Volkes seinem Charakter als Schandmal anhaftet.

Und so sonderbar es auch klingen mag, ich habe oft in diesen kleinen Gemeinden, trotz des Mangels aller Rechtssysteme, dennoch Ruhe und Frieden und eine Glückseligkeit in einem Grade herrschen sehen, daß Könige und Kaiser sie darum beneiden könnten. Ich habe gesehen, daß Recht und Tugend beschützt, Unrecht bestraft wurde; ich habe eheliche, kindliche und elterliche Zärtlichkeit in der natürlichen Einfachheit und Genügsamkeit gesehen. Ich habe eine innige und dauernde Zuneigung zu einigen dieser Männer gefaßt, die ich nicht zu vergessen wünsche – deren Herzen ich nahe stand, und die bei unserer endlichen Trennung mich in ihre Arme schlossen und mich und meine Angelegenheiten dem Großen Geiste empfahlen.

Aus den obigen Gründen wird der Leser es mir verzeihen, wenn ich so lange und so nachdrücklich bei der Gerechtigkeit der Ansprüche dieses Volkes verweilte und mit blutendem Herzen gelegentlich mein Bedauern aussprach über das Schicksal, das die Überreste dieses unglücklichen Geschlechts erwartet und das von den Felsen und Tieren seines Heimatlandes lange überlebt werden wird; – angegriffen von seinen Mitmenschen, deren Habgier, wie zu befürchten steht, dem irdischen Elende des Indianers erst dann ein Ziel setzen wird, wenn dieser im Grabe liegt.

Ich kann nicht umhin hier noch einmal zu wiederholen, daß die Stämme der roten Männer Nordamerikas, als eine Nation menschlicher Wesen, ihrem Untergange nahe sind; daß, um ihr eigenes, sehr schönes Bild zu gebrauchen, »sie schnell gegen Sonnenuntergang hin zu den Schatten ihrer Väter eilen«; und daß der Reisende, der dies Volk in seiner ursprünglichen Einfachheit und Schönheit sehen will, sich bald nach den Prairien und dem Felsengebirge begeben muß, weil er sie sonst nur so sehen wird, wie man sie jetzt an den Grenzen sieht, wie einen Korb voll toten Wildes, – abgemattet, gejagt, blutend und tot, ihrer Federn und Farben beraubt; und unter denen man sich, um ihren Nationalcharakter zu schätzen, vergeblich nach irgendeinem anderen Moralsystem oder Maßstabe umsieht, als der ist, wonach man ihn nur zu oft als aus Grausamkeit und Barbarei zusammengesetzt geschildert hat.

Zweites Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Mündung des gelben Steinflusses (Yellow-Stone-River). – Entfernung von St. Louis. – Schwierige Schiffahrt auf dem Missouri. – Herr Chouteau und der Major Sandford. – Fort der Pelzcompagnie. – Indianische Epikuräer. – Neue und wahre Schule für die Künste. – Schöne Modelle.

Ich erreichte das Fort an der Mündung des Gelben Steinflusses am Bord des Dampfbootes »Yellow Stone« nach einer dreimonatlichen Reise von St. Louis, das über 400 deutsche Meilen von hier entfernt ist. Der größere Teil dieser Strecken ist nie zuvor von Dampfbooten befahren worden, bis die fast unübersteiglichen Hindernisse, welche sich fortwährend dem Reisenden auf diesem trüben Strom entgegenstellen, durch den unermüdlichen Eifer des Herrn Chouteau allmählich überwunden wurden. Der Major Sandford, Regierungsagent für die Missouri-Indianer, befand sich auch auf dem Dampfboote.

Die amerikanische Pelz-Compagnie hat hier zum Schutz gegen die Wilden ein sehr starkes Fort errichtet, das 300 Fuß im Quadrat und mit Kanonen besetzte Bastionen hat. Unsere Annäherung an das Fort, unter dem eine halbe Stunde lang währenden Donner der Kanonen und dem gellenden Geschrei der an den Ufern versammelten halb erschrockenen Indianer, bot einen auffallenden und malerischen Anblick dar. Eine an Ereignissen so reiche Reise, die so viel neue, malerische und romantische Szenen darbot, während das Dampfschiff an den Dörfern der »erstaunten Wilden« vorüberfuhr und sie mit dem Ausströmen des Dampfes und dem Donner des Geschützes grüßte, würde Stoff zu vielen Kapiteln liefern, und ich kann mir das Vergnügen nicht versagen, zuweilen einige der Szenen, deren Zeuge ich war und noch bin, sowie die Gefühle zu schildern, die sich des Fremden bemächtigen, der durch dies interessante und luxuriöse Land reist, – denn beides ist es, ein wahres Land der Epikuräer. Wir wurden von den Wilden zu Festessen von Hundefleisch, als der ehrenvollsten Speise, die dem Fremden vorgesetzt werden kann, eingeladen, und mit den köstlicheren Biberschwänzen und Büffelzungen bewirtet.

In dieser, fast 800 deutsche Meilen von meinem Geburtsorte entfernten Gegend, wohin mich allein der Enthusiasmus für meine Kunst gebracht hat, bieten mir sowohl die Landschaften als die Menschen die schönsten Modelle für meinen Pinsel dar, und ich betrachte diese Wildnis als die wahre Schule für die Kunst, und seitdem ich mitten unter tausenden dieser Ritter des Waldes lebe, bin ich überzeugt, daß sie bei ihrem kraftvollen Gliederbau dreist mit jenen Modellen wetteifern können, die die griechischen Bildhauer in den Stand setzten, ihren marmornen Bildsäulen eine so unnachahmliche Schönheit und Anmut zu geben.

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Keine Einbildungskraft, sei sie auch von den lebendigsten Beschreibungen unterstützt, vermag jemals sich ein Bild zu schaffen von der Schönheit und Wildheit der Szenen, die man in diesem romantischen Lande täglich erblickt. So z. B. wenn hunderte von anmutigen jungen Leuten, mit dem vollen Ausdruck des Vergnügens auf dem Antlitz, während ihr langes schwarzes Haar, im Winde flatternd, sich mit dem Schweife des Pferdes vermischt, über die grüne Flur hinfliegen, um mit Spiel und Pfeil in eine Herde wütender Büffel Tod und Verderben zu bringen; oder wenn sie bei dem glänzenden Kriegsgepränge, geschmückt mit den prächtigsten Farben und Verzierungen, sich mit ihrer männlichen Schönheit, mit dem größten Anstande und mit jenem kecken Trotze von Menschen bewegen, die niemand auf Erden über sich erkennen und keinen Gesetzen verantwortlich sind als den Gesetzen Gottes und der Ehre.

Außer der Kenntnis der menschlichen Natur und meiner Kunst habe ich bei diesem mühevollen und kostspieligen Unternehmen noch einen andern Zweck, der, wenn er auch mir nicht von gleichem Nutzen sein sollte, doch für die Nachwelt nicht ohne Interesse und Wert sein wird. Ich habe seit vielen Jahren gesehen, daß das edle Geschlecht der roten Männer, die in den pfadlosen Wäldern und den grenzenlosen Wiesenfluren zerstreut sind, bei der Annäherung der Zivilisation zusammenschmilzt. Ihre Rechte werden angetastet, ihre Moralität wird untergraben, ihr Gebiet ihnen entrissen, ihre Gebräuche werden verändert und gehen verloren, bis sie endlich ins Grab sinken und die Pflugschar den Rasen über ihren Gräbern umwendet, und ich bin herbeigeeilt – nicht um ihr Leben oder ihr Geschlecht zu retten (denn sie sind »verurteilt« und müssen sterben), sondern um ihr Aussehen und ihre Trachten zu retten, auf die die erobernde Gesittung all ihr Gift spritzen und sie zu Boden werfen und zu Boden treten mag, die aber dennoch gleich einem Phönix sich »von der Palette eines Malers« wieder erheben und auf der Leinwand Jahrhunderte lang als Denkmäler eines edlen Geschlechts fortleben werden. Zu diesem Zweck beschloß ich, jeden Indianerstamm auf dem Kontinent zu besuchen, wenn ich am Leben bliebe, um in jedem Stamme Bildnisse ausgezeichneter Indianer beiderlei Geschlechts in ihrer Nationaltracht, und zugleich ihre Dörfer, häuslichen Sitten, Spiele, Mysterien, religiösen Gebräuche usw. zu malen und Anekdoten, Überlieferungen und geschichtliche Daten der einzelnen Nationen zu sammeln.

Das Resultat meiner Arbeiten wird ohne Zweifel für künftige Zeiten von Interesse sein, denen außerdem nichts übrig bleibt, wonach sie diesen ursprünglichen einfachen Menschenschlag beurteilen könnten, weil ihm in wenigen Jahren das Fortschreiten der Zivilisation und der Tod alle seine nationalen Gebräuche und seinen nationalen Charakter geraubt haben wird.

Drittes Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Charakter des Missouristroms. – Schöne Prärie-Ufer. – Malerische Tonhügel. – Erstes Erscheinen eines Dampfbootes aus dem Yellow-Stonesflusse und sonderbare Vermutungen der Indianer. – Niederlassung der Pelzcompagnie am Yellow-Stone. – M'Kenzie, seine Tafel und seine Höflichkeit. – Indianerstämme in der Nachbarschaft.

Bevor ich zu den Vergnügungen und Gebräuchen dieses schönen Landes übergehe (die bis jetzt dem größten Teile der Welt noch unbekannt sind), will ich über meine beschwerliche Reise von St. Louis bis zu dem Fort an der Mündung des Yellow-Stone, eine Strecke von mehr als 400 deutschen Meilen, die man zurücklegen muß, ehe man diesen wilden und lieblichen Ort erreicht, einige Worte sagen.

Der Missouri unterscheidet sich in seinem Aussehen und Charakter vielleicht von allen Flüssen der Welt; man fühlt sich beängstigt, sobald man aus dem Mississippi in sein schlammiges Wasser kommt. Von der Mündung des Yellow-Stone bis zu seiner Vereinigung mit dem Mississippi durchströmt der Missouri mit seinem brausenden trüben Wasser eine Strecke von mehr als 400 deutschen Meilen, und auf dieser ganzen Entfernung ist kaum ein Ruheplatz für ein Boot. Durch das fortwährende Herabstürzen der unterwaschenen Alluvialufer ist das Wasser stets trübe und durchsichtig und hat zu allen Jahreszeiten das Ansehen von Schokolade oder Kaffee mit Milch und Zucker. Um mich von dieser Undurchsichtigkeit noch besser zu überzeugen, habe ich sowohl bei dem Fort, als weiter stromabwärts mehrere Versuche angestellt, deren Resultate mich ungemein überraschten. Ich legte nämlich ein Stück Silber (und später ein Stück einer Muschel, das noch weißer ist) in ein mit Missouriwasser gefülltes Glas und konnte es, wenn ich von der Seite hindurchsah, nicht durch eine Wasserschicht von ⅛ Zoll Dicke erkennen. Dies war jedoch im Frühjahr, zu welcher Zeit der Fluß hohen Wasserstand hat und daher weit trüber ist, als in den anderen Jahreszeiten, obwohl er immer schlammig und gelb ist und ein Fremder, wegen des brausenden und wilden Charakters und der ungewöhnlichen Farbe dieses Stromes, selbst bei dem niedrigsten Stande glauben würde, es sei Hochwasser.

Bis auf mehr als 200 Meilen oberhalb St. Louis ist der Strom an den Ufern (und an manchen Stellen das ganze Bett) mit Zweigen und Baumstämmen von den größten Dimensionen angefüllt, die mit dem unterwaschenen Ufer in den Strom gestürzt sind und mit den Wurzeln am Boden festsitzen, während die Wipfel, stromabwärts gerichtet, auf dem Wasser schwimmen und dem kühnen Reisenden Furcht und Schrecken einflößen.

Fast auf jeder Insel und Sandbank liegen große Massen dieser schwimmenden Bäume und bei hohem Wasserstand ist die Oberfläche des Stromes buchstäblich mit solchem Treibholz bedeckt, wodurch es sowohl den Kiel- als den Dampfbooten unmöglich wird, den Strom hinaufzufahren.

Mit welchem Rechte man diese »Wasserhölle« den »Styxfluß« nennt, wage ich nicht zu entscheiden, aber nichts könnte passender oder unschuldiger sein, als diesen Strom den River of Sticks (Baumstammfluß) zu nennen.

Die Szene ist jedoch nicht überall so düster; die Ufer sind mit schönem grünem Rasen bedeckt und an vielen Orten treten die Wälder von stattlichen Baumwollenbäumen bis dicht ans Ufer heran, mit dem sie, wenn es unterwaschen ist, in den Strom stürzen und dem Ozean zugeführt werden.

Der größere Teil der Ufer dieses Stromes ist jedoch ohne Wald und das Auge verweilt gern auf den schönen Prairien, die sich meistenteils sanft gegen den Fluß hin senken, mit Rasen von dunkelstem Grün bedeckt sind und in der Ferne allmählich in einen Samtteppich von den reichsten Farben übergehen, die kein Pinsel wiederzugeben vermag. Je mehr man sich der Quelle nähert, und in der oberen Hälfte seines Laufs, verschwinden die Baumstämme und Zweige, aber der Strom behält seinen heftigen und trüben Charakter.

Man hat, sehr mit Unrecht, die Szenerie dieses Flusses als einförmig und aller malerischen Schönheit entbehrend geschildert. Dies ist wahrscheinlich von Leuten geschehen, die nicht zu den besten Richtern über Naturschönheiten gehörten, oder doch nicht darauf achteten, indem sie, aus Furcht vor den Wilden, die dies schöne Land bewohnen, zu sehr mit der Sorge für die Sicherheit ihres Lebens und ihres Pelzwerks beschäftigt waren.

Eine Strecke von 1000 engl. Meilen und darüber erschien mir wie ein Feenland, und während dieses Teils meiner Reise war ich fast immer auf dem Verdeck und ergötzte mich daran, die zahllosen Berge, Hügel, Täler und Schluchten zu betrachten, wo die Herden von erschreckten Büffeln, Elens, Antilopen, von schleichenden Wölfen und Bergziegen, jede auf ihre eigene Weise und in der größtmöglichsten Eile, sich dem Anblicke und dem Geräusch des Dampfbootes zu entziehen suchten, das zum ersten Male die grünen und wilden Ufer des Missouri mit dem Getöse des mächtigen Dampfes begrüßte.

Von St. Louis bis zu den Wasserfällen des Missouri, eine Strecke von mehr als 550 deutschen Meilen, ist eine zusammenhängende Prärie, die nur an wenigen Stellen längs der Ufer des Stromes und seiner Nebenflüsse durch üppigen Wald unterbrochen wird.

Die größte Erhebung dieser Prairien, die sich östlich und westlich vom Missouri in fast endlose Ferne erstrecken, beträgt 2–300 Fuß über dem Niveau des Stromes, der sich ein Bett oder Tal für seinen Lauf gebildet hat, dessen Breite von 2–20 engl. Meilen wechselt. Dies Bett oder Tal ist augenscheinlich durch die Gewalt der Strömung gebildet worden, die allmählich diesen ungeheuren Raum ausgewaschen und die Trümmer in den Ozean geführt hat. Durch die beständig wiederholten Überschwemmungen des Stromes sind diese Massen abgelagert worden und haben auf den Wiesen zu beiden Seiten den reichsten Alluvialboden mit horizontaler Oberfläche gebildet, durch die der Fluß sich im Schlangenlaufe hindurchwindet und abwechselnd von einem Hügelhorn (bluff) zum anderen fließt, die sich in höchst malerischen Formen und in den schönsten Farben zeigen; einige senken sich mit ihren grünen Abhängen in den lieblichsten Gruppen allmählich bis an den Rand des Wassers, während andere, ihres Grüns beraubt, sich als ungeheure Tonmassen von verschiedenen Farben zeigen und die wunderlichsten Ansichten darbieten.

Diese sonderbaren und malerischen Formen sind durch Regen und Frost entstanden, die unausgesetzt diese kahlen Hügel verändern, indem sie ihre Abhänge auswaschen und in den Fluß hinabspülen.

Unter diesen Gruppen sieht man tausend verschiedene malerische Formen; an einigen Stellen glaubt man, während das Boot vorüberfährt, vor und hinter sich meilenweit die endlosen Ruinen einer alten Stadt zu sehen – Wälle, Terrassen, Dome, Türme, Zitadellen und Kastelle – Kuppeln, schöne Säulenhallen, hier und da eine einzelne Säule, zerfallene Piedestale und selbst einzelnstehende Spitzsäulen von Ton – und das alles glänzt in der Ferne, wenn das Sonnenlicht von den Tausenden von Gipskristallen, die in dem Ton eingelagert sind, reflektiert wird. Werden diese Gruppen von Domen und Mauern mit Zinnen am Morgen oder Abend von den Sonnenstrahlen beleuchtet, so gewährt dies einen Anblick, den nur derjenige sich vorstellen kann, der dies schöne und malerische Land besucht hat.

In diesen wilden und ruhigen Schlupfwinkeln leben in Herden das Bergschaf und die schnelle Antilope sicher vor ihren Feinden, denen die Abhänge dieser Bluffs fast unzugänglich sind. Auch der greuliche Bär (Ursus ferox) hat sich diese Plätze zu seinem Aufenthalt gewählt, wo er grämlich in den Schluchten und Abgründen herumschleicht und den lauernden Indianer verscheucht, während die Bergschafe und Antilopen sich auf den Gipfeln der Hügel herumtummeln, sicher vor Störungen durch Menschen und Raubtiere.

Dies ist eine flüchtige Skizze der Szenen und Gegenden, die sich auf einer Strecke von 500 deutschen Meilen während einer Fahrt von 3 Monaten unserem Auge darboten.

Nichts hat wohl die Indianer jemals so sehr in Erstaunen gesetzt, als das Dampfboot, wenn es rauchend, rudernd und brausend an ihren Dörfern vorüberflog. Diese armen und unwissenden Menschen hatten auf dieser ganzen Strecke nie etwas von einem Dampfboote gehört und an einigen Orten schienen sie durchaus nicht zu wissen, was sie tun oder lassen sollten; sie konnten nicht, wie ein Holländer zu Newburgh am Hudsonsflusse, es für eine »schwimmende Sägemühle« halten; sie hatten keinen Namen dafür und daher war es, wie alles, was ihnen geheimnisvoll und unerklärlich ist, Medizin (Geheimnis). Wir hatten eine zwölfpfündige Kanone und drei oder vier achtpfündige Drehbassen an Bord, die für das Fort der amerikanischen Pelz-Compagnie an der Mündung des Yellow-Stone-Flusses bestimmt waren, und sowie wir uns einem Dorfe näherten, wurden diese sämtlichen Geschütze mehrmals schnell hintereinander abgefeuert, was die armen Bewohner in die äußerste Verwirrung und Bestürzung versetzte. – Einige warfen sich mit dem Gesicht auf die Erde und riefen den Großen Geist an – andere schossen ihre Pferde und Hunde tot und opferten sie, um den Großen Geist zu versöhnen, den sie beleidigt glaubten – noch andere verließen ihre Dörfer und rannten auf die Gipfel der einige engl. Meilen entfernten Hügel, oder sie kamen, wenn das Boot ihrem Dorfe gegenüber landete, vorsichtig ans Ufer, um zu sehen, was aus ihren Häuptlingen werden würde, die durch ihre Stellung verpflichtet waren, zu uns an Bord zu kommen, wir mochten Freund oder Feind sein. Zuweilen, wenn der Kapitän zu seinem Vergnügen die Dampfpfeife ertönen ließ, stürzten alle, Männer, Frauen, Kinder, Hunde, Häuptlinge, Alt und Jung in einer bunten Masse übereinander hin.

Ihre meisten Männer stellten mancherlei wunderliche Vermutungen über die Beschaffenheit und die Kräfte des Dampfbootes auf. Unter den Mandanern nannten einige es das »große Donnerboot«, denn als wir in einiger Entfernung von dem Dorfe waren, sahen sie den Blitz des Pulvers und hörten den Donner des Geschützes; andere nannten es das »große Medizin-Kanoe mit Augen«; Medizin mußte es sein, weil sie es nicht verstanden, und Augen mußte es haben, weil, wie sie sagten, »es seinen eigenen Weg sieht und das tiefe Wasser in der Mitte des Bettes aufsucht«. Sie hatten keine Idee davon, daß das Boot von dem Manne am Steuerruder gelenkt werde und mußten daher wohl erstaunen, als sie sahen, das es stets das tiefste Wasser wählte. Ich werde später noch einige merkwürdige Vorfälle dieser Art mitteilen.

Das Fort an der Mündung des Yellow-Stone-Flusses ist von Herrn M'Kenzie, der jetzt darin wohnt, erbaut worden. Es ist die größte und am besten gebaute Niederlassung dieser Art am Flusse und bildet den Mittelpunkt und die Hauptniederlage für die Geschäfte der Pelz-Compagnie in dieser Gegend. Es befindet sich hier ein großer Vorrat an Waren und zu gewissen Zeiten des Jahres kommen die Agenten von den zahlreichen Außenposten mit dem Ertrage ihres Handels hier zusammen, um sich von neuem mit Waren für den Handel mit den Indianern zu versehen.

Das Fort hat eine sehr gute Lage in einer schönen Prärie am Ufer in der Nähe der Einmündung des Yellow-Stone-Flusses in den Missouri; die Bewohner und die Vorräte sind gegen die Angriffe der Indianer hinreichend geschützt.

Herr M'Kenzie, ein großherziger, hochsinniger Schotte, scheint mit der Leitung der Pelz-Compagnie in dieser Gegend und bis an die Felsengebirge beauftragt zu sein. Er wohnt gut und bequem innerhalb des Forts, das etwa acht Blockhäuser und Magazine enthält; gewöhnlich befinden sich hier 40–50 Mann und 150 Pferde, letztere außerhalb des Forts. Seine Tafel ist mit allem ausgestattet, was das Land bietet: mit Büffelfleisch und Zungen, mit Biberschwänzen und Knochenmark, nur gibt es keinen Kaffee, kein Brot und keine Butter, dafür aber guten Wein, denn täglich wird eine Flasche Madeira und trefflicher Portwein in einen Kübel mit Eis gestellt und beim Diner geleert.

Dieser Handelsposten ist der Versammlungsort einer großen Anzahl von Indianerstämmen der Umgegend, die des Handels wegen hier zusammenkommen; zuweilen erscheinen die ganzen Stämme. Gegenwärtig lagern hier um das Fort die Knisteneaux, Crows (Krähen), Assinneboins und Blackfeet (Schwarzfüße). Ich werde diese und noch andere in ihrer Heimat besuchen und hoffe auf diese Weise die Odschibbeways, Assinneboins, Knisteneaux, Schwarzfüße, Krähen, Schiennes, Großbäuche, Mandaner u. a. zu sehen und in den folgenden Blättern über ihre Gebräuche, Geschichte, Überlieferungen, Trachten usw. zu berichten.

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Viertes Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Indianer des oberen Missouri. – Allgemeiner Charakter – Büffel. – Art sie zu töten. – Büffeljagd. – Chardons Sprung. – Verwundeter Büffel. – M'Kenzies außerordentliche Geschicklichkeit. – Rückkehr von der Jagd.

Die verschiedenen Indianerstämme, die das Land am oberen Missouri bewohnen, haben unstreitig von allen auf dem Kontinent das hübscheste Aussehen und sind am besten ausgerüstet und am prächtigsten gekleidet. Sie leben in einem Lande, das reich ist an Büffeln und wilden Pferden, die ihnen einen trefflichen und leicht zu erlangenden Lebensunterhalt gewähren. Die reine Atmosphäre gibt ihnen Gesundheit und langes Leben und sie sind die unabhängigsten und gesündesten von allen Indianerstämmen, die ich gesehen habe. Sie befinden sich alle noch in dem Zustande ursprünglicher Wildheit und haben daher etwas Malerisches und Schönes, das sich kaum beschreiben läßt, und nichts kann einige ihrer Spiele und Unterhaltungen, ihre Tänze und festlichen Aufzüge an Grazie und Schönheit übertreffen.

Soweit ich in das Indianergebiet vorgedrungen bin, habe ich es bestätigt gefunden, daß diejenigen Indianer, die noch am meisten im Naturzustande leben und am wenigsten von der zivilisierten Welt wissen, an ihrem Körper höchst reinlich, in ihrer Kleidung elegant und in ihrem Betragen höflich sind. Die Krähen- und Schwarzfuß-Indianer stehen in dieser Beziehung wohl oben an, und wer sie nicht in ihrer Heimat gesehen hat, kann sich keinen Begriff davon machen, welcher Reichtum, wie viel Geschmack selbst in der Kleidung bei einigen dieser Indianer herrscht.

Jeder dieser Söhne des Waldes, oder vielmehr der Prärie, ist ein freier Mann; die Frauen sind seine Sklavinnen. Das einzige, was er seiner würdig hält, ist, sich mit Bogen, Köcher, Schild und Speer auf sein schnaubendes Roß zu schwingen, oder ohne allen Schmuck, nur mit Bogen und Köcher, sich zu Pferde unter die fliehenden Büffelherden zu stürzen, und von seinem selten fehlenden Bogen den tödlichen Pfeil zu senden.

Die Büffelherden, die in zahlloser Menge auf den schönen Prärien weiden, gewähren ihnen Überfluß an Fleisch, und sie ziehen dies so sehr allem anderen Fleische vor, daß die Hirsche, Elentiere und Antilopen in großen Rudeln in der größten Sicherheit in den Prärien herumstreifen, denn die Indianer töten sie gewöhnlich nur, wenn sie ihrer Häute zur Kleidung bedürfen. – Der Büffel, oder richtiger Bison, ist ein edles Tier, das auf den weiten Prärien von der mexikanischen Grenze im Süden bis zur Hudsonsbai im Norden herumschweift. Er ist etwas größer als der gemeine Stier; sein Fleisch, das einen köstlichen Geschmack hat, einigermaßen dem von fettem Rindfleisch ähnlich, gewährt dem Wilden eine gesunde und leicht zu erlangende Nahrung, von der er fast ausschließlich lebt. Die Häute, Hörner, Hufe und Knochen verwendet er zur Anfertigung von Kleidungsstücken, Schilden, Bogen usw. Der Büffelstier ist, wenn er zum Widerstande gereizt wird, eines der wütendsten und am grimmigsten aussehenden Tiere. Die lange zottige Mähne, die Nacken und Schultern in großer Fülle bedeckt, hängt oft bis aufs die Erde hinab. Die Büffelkuh ist kleiner und nicht so wütend, obgleich auch ihr Ansehen nicht weniger wild und furchtbar ist.

Die Art, wie die Indianer den Büffel töten – er wird fast nur mit dem Pfeil und der Lanze, und zwar im vollen Jagen erlegt – bietet ein im höchsten Grade belebtes und anziehendes Schauspiel dar. Ich begleitete fast täglich die Indianer auf die Jagd und nahm oft selbst teil daran, noch öfter aber ritt ich nur nebenher, um die einzelnen Szenen genau zu studieren und sie dann auf die Leinwand zu übertragen.

Ich will jetzt eine Jagd beschreiben, die Herr M'Kenzie mit einer Anzahl seiner Leute ohne Indianer veranstaltete und an der ich teilnahm. Er hat innerhalb des Forts einen geräumigen Eiskeller, worin er das Büffelfleisch lange Zeit frisch aufbewahrt; geht der Vorrat auf die Neige, so besteigt er sein Lieblings-Büffelpferd (d.h. dasjenige Pferd, das am besten zur Büffeljagd abgerichtet ist), nimmt eine leichte kurze Flinte, die sich am bequemsten im vollen Jagen laden läßt, und geht mit fünf oder sechs seiner Leute nicht auf die Jagd, sondern »nach Fleisch«. So zogen wir denn auch eines Morgens aus, nämlich die Herren M'Kenzie, Chardon, Baptist Defonde, Tullock, ich und noch einige andere, deren Namen ich nicht weiß. Vier oder fünf Mann erhielten noch den Befehl, uns mit ebenso vielen einspännigen Wagen zu folgen, um die erlegten Büffel nach Hause zu schaffen. Wir setzten über den Fluß und hatten einige engl. Meilen im Galopp zurückgelegt, als wir von einem Hügel aus eine Büffelherde von 400–500 Stück erblickten, die sich hier gewiß vollkommen sicher glaubten und von denen einige grasten, andere lagen und schliefen. Wir näherten uns ihnen etwa bis auf eine englische Meile, machten Halt, und Herr Chardon »warf die Feder«, um zu sehen, woher der Wind komme (ein Gebrauch, der immer beobachtet wird); dann begann das »Auskleiden«, d. h. jeder entledigte sich und sein Pferd aller unnötigen Gegenstände, die bei der Jagd hinderlich sein konnten: Hüte, Röcke und Kugelsäcke wurden abgelegt, die Ärmel aufgestreift, ein Tuch um den Kopf, ein anderes um den Leib gebunden, die Patronen zurecht gemacht und in die Westentasche gesteckt, oder ein halbes Dutzend Kugeln in den Mund genommen usw. Dies währte etwa zehn bis fünfzehn Minuten, und nachdem nun der Anführer den Jagdplan vorgelegt hatte, die Flinten geladen und die Ladestöcke in die Hand genommen waren, ritten wir alle in einer Front und im langsamen Schritt vorwärts. Die Pferde sind hier sämtlich auf diese Jagd eingeübt und scheinen mit demselben Enthusiasmus daran teilzunehmen, wie ihre Reiter. Während des Auskleidens und Ladens zeigten sie die größte Ungeduld, und als wir uns der Herde näherten, schienen sie alle von der Jagdlust begeistert zu sein, denn selbst der trägste Gaul stolzierte mit elastischem Schritte, einer biß auf die Stange, spitzte die Ohren und richtete seine funkelnden Augen auf das Wild, während er unter dem Sattel seines Reiters zitterte.

Auf diese Weise ritten wir vorsichtig und schweigend weiter und waren den Büffeln bis auf etwa zehn oder fünfzehn Ruten nahegekommen, als sie uns erblickten, Kehrt machten und in Masse davonliefen. Nun ging es vorwärts (und vorwärts müssen alle, denn niemand würde in einem solchen Augenblick sein Pferd zurückhalten können) und dahin flogen wir über die Prärie, in eine Wolke von Staub gehüllt. M'Kenzie war der vorderste und verschwand bald in dem Staube. Ich hatte einen großen Stier entdeckt, dessen Schultern über die ganze Herde hervorragten und drängte mich durch, um an seine Seite zu kommen. Ich ging nicht nach »Fleisch«, sondern nach einem »Siegeszeichen«; ich wollte seinen Kopf und seine Hörner. Ich jagte durch die über die Ebene hinstürmende Herde, von allen Seiten gedrängt, gestoßen, so daß ich oft nicht wußte, ob ich auf einem Büffel oder auf meinem Pferde saß, bis ich endlich an die Seite meines Stiers gelangte und ihm einen Schuß beibrachte. Ich sah den Blitz von mehreren Flinten, hörte aber keinen Knall. Chardon hatte einen stattlichen Stier verwundet und wollte eben zum zweiten Male schießen; beide waren, ebenso wie wir, in vollem Rennen und dicht vor mir, als der Stier sich plötzlich umwandte und das Pferd auf die Hörner nahm, so daß Chardon einen Froschsprung über den Büffel hinweg machte und fast unter den Hufen meines Pferdes zu Boden fiel. Ich ritt so schnell als möglich zu ihm zurück; er lag noch am Boden, der Büffel neben ihm, mit den Beinen nach oben, und quer über demselben das Pferd. Ich stieg sogleich ab; indes hob sich Chardon auf den Händen empor, Augen und Mund voll Staub, und suchte seine Flinte, die an dreißig Schritte weit von ihm lag. »Um des Himmels willen, seid Ihr verletzt, Chardon?« »Nein – nein, ich glaube nicht. Oh, das bedeutet nichts, Herr Catlin, das ist nichts neues – aber das ist hier ein verdammt harter Boden.« Bei diesen Worten wurde der arme Mensch ohnmächtig, erhob sich jedoch in wenigen Augenblicken wieder, nahm seine Flinte und ergriff sein Pferd beim Zügel, das mit Gestöhn aufstand, den Staub abschüttelte – und wir waren alle wieder auf dem Platze, mit Ausnahme des Stieres, der das traurigste Schicksal hatte.

Ich sah mich nun nach der fliehenden Herde und unseren Gefährten um, allein von beiden war nichts zu sehen als die Staubwolke, die sie hinter sich gelassen hatten. Dagegen erblickte ich in geringer Entfernung zur Rechten meinen großen Stier, der sich auf drei Beinen so schnell als möglich von diesem gefährlichen Boden zu entfernen suchte. Ich galoppierte auf ihn los und sogleich kehrte er sich kampffertig gegen mich; er schien sehr gut zu wissen, daß er mir nicht entgehen könne und wollte daher sein Leben so teuer als möglich verkaufen.

Ich fand, daß mein Schuß ihn etwas zu weit nach vorn getroffen, eine Schulter zerschmettert hatte und in der Brust stecken geblieben war; bei seiner großen Masse war es ihm daher unmöglich, auf mich loszuspringen. Ich näherte mich ihm daher bis auf wenige Schritte, nahm mein Skizzenbuch heraus, legte meine Flinte quer über den Sattel und begann ihn zu zeichnen, indem ich es dem Scharfsinn meines Pferdes überließ, mich außer dem Bereich der Gefahr zu halten. Er stand ganz still, während aus seinen Augen die größte Wut blickte. Ich ritt rund um ihn herum und zeichnete ihn in verschiedenen Stellungen; einmal legte er sich nieder und ich zeichnete ihn in dieser Lage; dann warf ich meine Mütze nach ihm, worauf er sich wieder erhob und wieder gezeichnet wurde. Auf diese Weise erhielt ich einige unschätzbare Skizzen dieses wutblickenden Untieres, das von meiner Zeichnung gewiß nichts ahnte.

Niemand kann sich einen Begriff machen von dem Blick eines solchen Tieres; ich fordere die ganze Welt auf, mir ein anderes Tier zu nennen, das einen so entsetzlichen Blick hat, wie ein großer Büffelstier, der verwundet ist, und sich, vor Wut aufschwellend, zum Kampfe umwendet – seine Augen sind blutrot, seine lange zottige Mähne hängt bis auf den Boden – das Maul steht offen und er stößt Ströme von Dampf und Blut aus Maul und Nase aus, wenn er sich bückt, um auf seinen Angreifer loszuspringen.

Während ich ruhig zeichnete, kamen M'Kenzie und seine Gefährten, ihre erschöpften Rosse am Zügel führend, von der Jagd zurück, und hinter uns vier oder fünf Wagen, um das Fleisch nach Hause zu schaffen. Alle versammelten sich um mich und meinen Stier, den ich durch einen Schuß in den Kopf tötete. Wir setzten uns auf die Erde, jeder zündete seine Pfeife an und erzählte seine Heldentaten. Ich selbst wurde herzlich ausgelacht, weil ich, als Neuling, einen alten Stier getötet hatte, dessen Fleisch ungenießbar ist. Ich ritt mit M'Kenzie zurück, der mir fünf Kühe zeigte, die fettesten und schönsten der Herde, die er erlegt hatte, und zwar auf einer Strecke von einer englischen Meile; alle wurden im gestreckten Galopp getötet und jeder Schuß ging gerade durchs Herz. In der kurzen Zeit, die erforderlich ist, um eine englische Meile im Galopp zurückzulegen, hatte er fünfmal geschossen, viermal geladen, die Tiere ausgewählt und mit jedem Schusse getötet! Außerdem waren noch sechs Tiere erlegt worden. Es wurden nunmehr ihre besten Teile abgeschnitten, auf die Wagen und Packpferde geladen und das übrige den Wölfen preisgegeben.

So leben die weißen Männer in diesem Lande, auf diese Weise verschaffen sie sich ihren Lebensunterhalt und dies ist eine von ihren Vergnügungen, wobei man Gefahr läuft, sich alle Rippen zu zerbrechen und hinterher noch wegen seiner Torheit und Unklugheit verspottet zu werden.

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Fünftes Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Häuptlinge der Schwarzfüße. – Ihre Kleidung; Frau und Kind der Schwarzfüße. – Skalp. – Rote Pfeifen und Fundort des Pfeifentons. – Bogen, Schilde, Pfeile und Lanzen der Schwarzfüße. – Ausgezeichnete Schwarzfußindianer.

Es gibt vielleicht, mit Ausnahme der Krähen-Indianer, keinen Stamm in Nordamerika, der sich bequemer und prächtiger kleidet, als die Schwarzfüße. Beide Stämme unterscheiden sich wenig hinsichtlich der Kostbarkeit und Eleganz des Kostüms, sowie der Stoffe, obgleich die Näherei und die Verzierungen mit den Stacheln des Stachelschweines, die einen Hauptschmuck ihrer Staatskleider bilden, bei jedem Stamme verschieden ist, so daß jeder, der sich mit diesen Moden etwas vertraut gemacht hat, sogleich danach den Stamm zu bestimmen vermag. So bestand z. B. die Kleidung des erwähnten Häuptlings, den ich zeichnete, in einem Hemde oder einer Tunika aus zwei Hirschhäuten, mit dem Halsteile abwärts und so aneinander gefügt, daß die Hinterläufe zusammengenäht waren und die Nähte längs des Armes von den Schultern bis zu den Handknöcheln hinliefen. Jede Naht war mit einer zwei Zoll breiten, sehr schönen Stickerei von Stacheln des Stachelschweines bedeckt und von dem unteren Rande derselben, von der Schulter bis zur Hand, hingen Fransen von schwarzem Haar, das er den von ihm im Gefecht getöteten Feinden geraubt hatte. Die Beinkleider bestanden aus demselben Stoff und von der Hüfte bis zum Fuße hinab war ein Streifen von gleicher Breite, und auf gleiche Weise mit Stacheln und Haarlocken verziert, angebracht. Letztere werden von den Skalpen entnommen und als Siegeszeichen getragen.

Die Frau (Squah) dieses Häuptlings, Ih-nis-kin (Kristall), habe ich ebenfalls gezeichnet. Sie hat ziemlich angenehme Gesichtszüge, was bei den Schwarzfüßen eine Seltenheit ist. Sie trug eine Kleidung aus Fellen und war die jüngste und zuletzt gewählte von sechs oder acht Frauen, weshalb sie von ihrem Manne wie ein Augapfel bewacht wurde. Der Enkel dieses Häuptlings (Satschem), ein Knabe von sechs bis acht Jahren und zu jung, um schon einen Namen zu haben, wurde auch von mir gezeichnet und zwar in der Tracht eines Kriegers mit Bogen und Köcher und einem Mantel von der Haut eines Waschbären. Die Geschichte dieses Kindes ist interessant. Sein Vater ist tot und nach dem Ableben des oben erwähnten alten Häuptlings wird es erbliches Oberhaupt des Stammes. Die Krähen-Indianer hatten diesen Knaben bereits zweimal geraubt, aber die Schwarzfüße ihn jedesmal mit großem Verluste an Menschen wieder befreit und ihn dann zu Herrn M'Kenzie in das Fort gebracht, wo er bleiben soll, bis er sein Amt als Häuptling zu übernehmen im Stande ist.

Der Skalp, von dem oben die Rede war, besteht aus einem Teile der Kopfhaut von der Größe der Handfläche, oder auch kleiner, welcher auf dem Wirbel des Kopfes, da wo das Haar strahlenförmig von einem Punkte ausgeht, her-* ausgeschnitten und mit großer Sorgfalt getrocknet und aufbewahrt wird, als Beweis von der Erlegung eines Feindes dient und dem Manne Anspruch auf den Namen eines Kriegers gibt. Wenn der Skalp »umtanzt« worden ist, d. h. nachdem die Krieger um den auf eine Stange gesteckten oder von einer alten Frau emporgehaltenen Skalp herumgetanzt haben, welches in Zwischenräumen zwei bis drei Wochen lang geschieht, so wird er an den Stiel einer Lanze oder Kriegskeule befestigt, oder der Sieger teilt das Haar in kleine Locken und schmückt seine Kleidung damit. Es hält sehr schwer, einen so verzierten Anzug von den Indianern zu erlangen, da er ihnen gewöhnlich um keinen Preis feil ist. (Von dem Skalp, dem Skalpieren und dem Skalptanz wird weiter unten mehr die Rede sein.)

Die Mocassins (Schuhe) des Häuptlings sind ebenfalls von Hirschhaut gemacht und auf ähnliche Weise verziert. Sein Mantel ist aus der Haut eines jungen Büffelstieres verfertigt, die das Haar behält und auf der inneren, mit Stacheln des Stachelschweines verzierten Seite die Kämpfe der Helden auf sehr sinnreiche, wenn auch rohe Weise in Zeichnungen darstellt. Das Rohr seiner Pfeife ist vier bis fünf Fuß lang und zierlich mit den Spitzen von Stachelschweinstacheln von verschiedener Farbe umwunden; der Kopf ist aus Speckstein geschnitten, wie fast alle Pfeifenköpfe der Indianer. Nach der Aussage der Wilden findet sich dieser Speckstein an einem Orte zwischen dem Fort und den St. Anthony-Wasserfällen an den Quellen des Mississippi. Der Fundort ist geheiligt und neutraler Boden, wo alle Stämme dieser Gegenden, sowie vom Mississippi und den großen Seen, zusammentreffen und auf Befehl des Großen Geistes selbst die erbittertsten Feinde sich als Freunde behandeln müssen.

Auf ähnliche Weise wie dieser Satschem (Häuptling) kleiden sich alle oben erwähnten Häuptlinge der Schwarzfüße und sind, wie alle diese nordwestlichen Stämme, mit Bogen, Köcher und Lanze bewaffnet, und tragen am linken Arme einen Schild zum Schutz gegen die Pfeile.

Die Kleidung und Rüstung dieser »Lanzenritter« ist ganz klassisch. Sie sind, im wahren Sinne des Wortes, fast beständig zu Pferde und führen ihre Waffen auf den offenen Ebenen mit furchtbarem Erfolge, wo sie im vollen Jagen das Wild erlegen und den Feind töten. Es herrscht in dieser Beziehung bei allen Stämmen, die diese großen Ebenen oder Prärien des Westens bewohnen, derselbe Brauch. Diese Ebenen liefern ihnen einen Überfluß an wilden und schnellen Pferden, auf deren Rücken sie im vollen Jagen jedes Tier erreichen können und dann mit Leichtigkeit töten.

Der Bogen, scheinbar eine unbedeutende Waffe, wird in den Händen seines Besitzers, der von Jugend auf an dessen Handhabung gewöhnt ist, zu einer Waffe von fast unglaublicher Kraft. Seine Länge beträgt gewöhnlich etwa drei, zuweilen nur zwei und einen halben Fuß. Diese geringen Dimensionen haben gewiß ihren guten Grund, denn ein kleiner Bogen ist zu Pferde allerdings besser zu gebrauchen als ein großer. Die meisten dieser Bogen sind von Eschenholz (bois d'arc