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Wie geht es "den Kleinen" die aus der ersten idealen Sphäre zu rauschenden Höhen und eisigen Höllen unterwegs sind? Grundiert von Selbstbergung und Selbstumgebung suchen sie unwahrscheinliche Schutzsysteme und geraten in eine Neu-Anfang-Philosophie die sich aufmacht, für die Besorgt-Verstreuten das passende-umfassende zu konstruieren. Metaphysische Globalisierung: Sphäreopoiese im Größten wird das Grundereignis des europäischen Denkens das seit zweieinhalbtausend Jahren nicht aufhört, Umwälzungen in den Denk- und Lebensverhältnissen der Menschen zu provozieren. Philosophie, Theologie und gekrönte Häupter legen die Kuschel-Maternität beiseite und schaffen Stramme-Vaterländer. Ab jetzt gilt: erst die Sphäre dann die Moral. Raus aus dem Schoß in eine logische und kosmologische Konstruktionsform von überzeitlicher Geltung. Wer durfte das verlangen? Diejenigen die den Sterblichen ihre schicksalhafte Definition "aufzwangen": kugel-schaffende und kugelbewohnende Tiere zu sein. Rundheit wurde Aufgehoben-Sein. Das erspart jedem Geburtlichen lange Romane und Nachfragen. Gefühle zogen in Seele, Abweichlern wurde die Hölle "versprochen". Die Stellung des Menschen wird radikal technisch. Eine Geometrie im Ungeheuren, die erste Globalisierung. Ihr besonders Markenzeichen: Kugeln, Globen, Kreuze. Kreuze auf Kugeln in Gottesdienerhände, Kugeln in Regentenhände eingesetzt vom Höchsten. Auf Globen "sehen" die Eroberer was sie haben und was noch fehlt. Ständig erweitert sich die Umsicht. Das ungeheure schalenlose Außen rückt näher. Die ersten "trainieren" auf hoher See mit Bordgeistlichen. Dann stehen wir im Übergang zur zweiten Globalisierung. Der Vertreibung aus einer kleinen Vollkommenheit ins grausame Außen: geografisch, psychologisch-mental. Das Denken daran ersticken sie in Glaube, Hoffnung, Liebe und im Komfort. Doch bald wird deutlich: Es ist "die letzte Kugel". Hier zeigt sich neben Rundes auch Halbschönes bis Hässliches.
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Seitenzahl: 263
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Paul-Heinz Schwan
DIE LETZTE KUGEL
Ein Begleittext zu Peter Sloterdijk "Sphären" Band II "GLOBEN" Frankfurt a.M. 1999, Suhrkamp
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
poetische nachmittage mit Peter Sloterdijk
Ein Brief an die LeserInnen zum Buch
Zur Einstimmung auf die Tour
poetischer prolog
Prolog: Intensive Idylle
poetische einleitung geometrie im ungeheuren
parmenideischer augenblick
gott tragen
das morphologische evangelium und sein schicksal
Einleitung: Geometrie im Ungeheuren: metaphysischen Globalisierung
I. Der Atlas
II. Parmenideischer Augenblick
III. Gott tragen
IV. Das morphologische Evangelium und sein Schicksal
poetisch zugang zum anthropisches klima
Zugang: Anthropisches Klima
poetisch kapitel 1 aufgang der fern-nähe
Kapitel 1 Fern-Nähe thanatologische Raum, Paranoia, Reichsfrieden
poetisch kapitel 2 gefäßerinnerung
Kapitel 2 Gefäß-Erinnerungen: der Grund der Solidarität in der inklusiven Form
poetisch kapitel 3 archen, stadtmauern, weltgrenzen, immunsysteme
Kapitel 3 Archen, Stadtmauern, Weltgrenzen, Immunsysteme
poetisch exkurs 1 später sterben im amphitheater
Exkurs 1 Später sterben im Amphitheater
poetisch exkurs 2 merdokratie
Exkurs 2 Merdokratie
poetisch kapitel 4 der ontologische kugelbeweis
Kapitel 4 Der ontologische Kugelbeweis
poetisch exkurs 3 autokoprophagie
Exkurs 3 Autokoprophagie Zum platonischen Recycling
poetisch exkurs 4 pantheon
Exkurs 4 Pantheon Zur Theorie der Kuppel
poetisch kapitel 5 deus sive sphaera
Kapitel 5 Deus sive sphaera Das explodierende All-Eine
poetisch exkurs 5 Über Sinn des ungesprochenen Satzes Die Kugel ist tot
Exkurs 5 Über den Sinn des ungesprochenen Satzes: Die Kugel ist tot
poetisch kapitel 6 anti-sphären
zwischenbemerkung depression als ausdehnungskrise
Kapitel 6 Anti-Spähern Erkundungen im höllischen Raum
Zwischenbemerkung
poetisch kapitel 7 das reine medium die Sphärenmitte die Ferne
Kapitel 7 das reine Medium die Sphärenmitte die Ferne
poetisch kapital 8 die letzte Kugel
Kapitel 8 Die letzte Kugel Geschichte der terrestrischen Globalisierung
Ü B E R G A N G Air conditioning
Impressum neobooks
bewegtes leben
aus geborgener hülle
einzigartig
in tosende fülle
neugierig voran
was sonst
luxurierend horizontal
frivol vertikal
sorgend suchend
arglos getarnt
gelockt
enttäuscht
was sonst
im sorgenden suchen
verbirgt es sich
im fröhlichen finden
regt es sich
gefunden gelassen
verlassen
vielleicht morgen
erneut erfreut
was sonst
deshalb will es nicht enden
das nicht finden,
es will sich weiter
bewegen
liebkosen
vernichten
neu
besser
endlos
ewig
regen
leben
was sonst
mensch bedenke:
die kugel ist einzig
bleib artig
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,herzlich willkommen zur zweiten Sphären-Tour. Was uns hier zusammenbringt, ist ein Dritter, insbesondere dessen drei Bände und die Lust auf lange, ergiebige Wanderungen. So tauchen wir unabhängig voneinander auf einer Lichtung auf, die für eine vertiefte Lesereise oder lange, für immer, die Welt bedeuten kann.Ich freue mich, Ihnen als Sherpa auf Ihrer Reise zu den Geheimnissen der Sphären zu Diensten sein zu dürfen. Sie können mich vor Ihrer ersten Reise buchen, nach ihrer Erstbesteigung, oder Passage um Passage mit meinen Kurzfassungen gehen, um so die Tour doppelt zu erleben. Rundumservice, eine menschenalte Tradition.
Auch mir als Mehrfachbesteiger bieten sich immer neue oder korrigierte Aussichten.Meine Referenz:- autodidaktische mehrfach Besteigung aller drei Bände ohne Sauerstoff- insgesamt 37 weitere Besteigungen im Sloterdijkmassiv exklusive unzähliger Aufsätze, Videovorträge und Artikel.Für meine Sherpa Dienste nutze ich zwei Wanderpfade:1. für jedes Kapitel eine Aussicht über wesentliche Aussagen als Langtext2. für jedes Kapitel eine poetische Stichwortsammlung
Insofern haben Sie jeweils nur den halben Seitenumfang zu bewältigen wenn Sie sich für nur eine der beiden Routen entscheiden.
Diese Zweiteilung habe ich gewählt, weil sie meinen Weg die drei Bände zu lesen wiedergeben. Ich las Sloterdijk auf einer Ebene „sachlich“, um ihn wie andere Autoren „zu verstehen“. Da ich ihn als Philosophischer Autodidakt las, reichte das nicht, um viele Passagen wirklich zu verstehen. Aber immer, wenn ich das Buch beiseite legte, ließ es mir keine Ruhe sein Denken zu ergründen, oder besser: Mein Denken ließ mir keine Ruhe. Es wollte nach-ziehen, „verstehen“.Dieses Nachdenken führte zu einem eher poetischen Wort-Wolken-Spiel. Man sieht tausend Wolken aber noch keine schlüssige Wetterlage, keinen Trend dieses Wolkenbildes. Ich spürte, wie ich nach und nach den Zusammenhang besser verstand, aber mir die angemessenen Worte für eine Wiedergabe fehlten, oder besser die angemessenen zwar durch den Kopf zogen, sie aber noch keine Sätze bilden konnten, kein versammeltes Bild schufen. Lauter bedeutungsschwangere Buchstaben, Worte, Sätze.
So biete ich Ihnen beide Varianten an, falls es Ihnen auch so ergehen sollte. Die meisten Aussagen sind im Original oder so Werkgetreu wie möglich wiedergegeben. Die Kapitel entsprechen der Gliederung im Original.
Nicht, weil ich Denke bin ich. Sondern weil wir kompliziert, komplex, um dreißig Ecken denken, sind wir eine so sonderliche Spezies. Wir denken eben „wild“ und „wirr“. Sagen oft „basta“ und wollen raus aus diesen Körper-Leib-Bauch-Kopf-Erwartungs-Erwartung-Verstrickungen.
Denken ist keine „einfache“ Sache. Nicht nur linear, logisch kritisch reflexiv.
Im Alltag mischen sich Logik mit Fantasie, Glauben mit Wissen, Vermutungen mit Tatsachen, Systematik mit Chaotik. Noch wichtiger: es mogeln sich Freude und Missmut, Unwohlsein und Nervenflattern, Magengrummen und ein Wallen der Gefühle ins Denken. Urplötzlich meldet sich der Darm, der Magen und signalisiert „Defizite“. Dann tauchen Ängste, Vorurteile, Hoffnung auf: und ich „entscheide“ mich.
Oft genug vorläufig: Nach kurzer Zeit kommt der Gedanke: Hätte ich nicht doch dieses oder jenes anders tun oder sagen können. Die Stimmung kippt schlagartig. Der ganze Ansatz wird verworfen, ich greife zum Hörer, ich stelle den Anderen oder mich selber zur Rede, mache eine Radtour oder gehe auf eine lange Wanderung.
Weil wir von Assoziation belebt werden, sind wir. Wir „verknüpfen“ immer etwas mit Etwas aus Etwas zu Etwas. Und das innerhalb von Sekunden, Nano-Sekunden. Wer dann sagt: Das ist doch logisch, das habe ich genau durchdacht, der müsste sagen: Alle meine „wirren“ Assoziationen haben mich zu dieser Aussage geführt. So liegt er vor uns: unser assoziierter Lebensteppich, unsere lange Wanderung aus 2500 Seiten.
Wie im Band 1 möchte ich Sie mit einem Foulspiel zu einer kurzen Einstimmung verhelfen, d.h. „unfaire“ Zusammenfassungen formulieren. Bei Sloterdijks Texten immer ein riskantes Unterfangen. Wenn Sie Ihm schon einmal zuhören konnten, werden Sie seine „wilden Ausflüge“ kennen. Müsste ein Satz für alles stehen, dann vielleicht der, dass die Geschichte „des Menschen“ durch den nie zu beruhigenden Überschuss der Ekstase über die Geborgenheit gelesen werden kann. Der erste unvermeidbare Blick erfasst unglaubliches, der zweite macht zum Sprung bereit, der dritte und vierte lehrt sie etwas. Nur nie lange.
Der Band 2 führt „das kleine Wesen“ aus dem „Basislager der ersten idealen Sphäre“ mit schwärmend-verheißender und ängstlich-bewahrender Grundausstattung, zu rauschenden Höhen und in eisige Höllen: in Gruppen, Horden, Siedlungen, Städte, Reiche, Welt.
Alles grundiert vom Konzept Selbstbergung und Selbstumgebung gegenüber einer unmöglich gewordenen Außenwelt, in: Archen, Stadtmauern, Kuppeln, Weltgrenzen, Immunsysteme.
„Die Stadt ist die Wiederholung der Höhle mit anderen Mitteln“ (Hans Blumberg) und die Höhle eine Reminiszenz an die Uterus-Zeit.
Aber wo es "Erhabene-Sphären" gibt, dort gibt es auch "Anti-Sphären". Dann geht es um die Erkundungen im höllischen Raum. Entzieht man diesem unsäglichen Raum den katholischen Wächter, dann kann die Welt und auch meine eigene Innere zur Höllen-Sphäre werden. Wenn mich alles überfällt, alles um mich herum "einstürzt", dann wird das ehemals bergende zur Höllenfahrt. Dann fällt um das "kleine Wesen" herum alles ins "Nichts".
Schon früh lehrt das Leben sie, dass sie in einem thanatologischen Raum existieren und macht sie „erwachsener“ aber nicht weniger ekstatisch. Es sterben ja immer nur die Anderen. Aber „damit die ganze Welt menschenleer erscheine, genügt es, dass ein einziger Mensch dir fehlt“.
Menschliche Beseelungsverhältnisse kommen nicht einseitig als das Schönste, Größte, Umfassendste unschuldig daher. „Die Geschichte“ aus der es zu lernen gälte: Weinrauschende Feste und blutrünstige Gelage; Blumen-bindende Delirien und kreuze-errichtende Rauscharmeen, verwöhnt getragene Seelen und Waffen-schmiedende Kommunen.
Nicht nur unglaubliche Städte die früh entstehen zeugen bald von der Ästhetik dieser scheinbar nie zu überwindenden Differenz. Wer darf zu ihnen sagen „Du musst Dein Leben ändern“? fragt Sloterdijk folgerichtig in einer anderen Veröffentlichung mit diesem Titel und setzt eine „scheue Vermutung“ als tastende Antwort: die Krise? Im Großen ist nichts, was nicht auch im Kleinen so funktioniert.
Doch warum gibt es noch immer eher große Sphären als kleine? Dabei ist eine Klimakatastrophe nicht allein ein Wetter- sondern auch Sphärenumbruch.
Die Menschen wohnen in ihren Verwöhnungen, in ihren Erfolgsgeschichten anwachsender Nervlichkeit und Symbol-vermittelter luxurierender Selbsterregungen, also umgeben von Attraktoren von denen „assoziierte Befehle“ auszugehen scheinen von denen sie sich "provozieren" lassen.
Denn „sie kommen in die Arena mit dem frühesten an Urteilskraft, dem Atmosphären-gefühl, ausgestattet. Es ist ursprünglicher als der oral-intime Sinn, der Geschmack und öffentlicher als dieser zugleich. Der Raum als Atmosphäre ist noch nicht mehr als Schwingung, aber schon die „Amme des Werdens“.
"Von der alt- und neu-europäischen Vernunft-Kultur wurde diese dritte Größe – neben Wörter und Dinge, sträflich beiseite gelassen. Dass es etwas gibt, was weiträumiger, früher, durchdringender als beide, haben sie nicht wahrhaben wollen. Außer Heidegger und Hermann Schmitz in der Neo-Phänomenologie, sind die Versuche bis heute eher Randgebiete.
Durch die Erfindung des Theoriespiels Philosophie werden die nachfolgenden Gesellschaften endogen gespalten. Es ist ein Denken in die Welt eingebrochen, das sich selber zum Ernstfall erklärt, von dem aber die meisten, auch die Mächtigen, nur Außenansichten gewinnen.
Globalisierung oder Sphäreopoiese im Größten ist das Grundereignis des europäischen Denkens das seit zweieinhalbtausend Jahren nicht aufhört, Umwälzungen in den Denk- und Lebensverhältnissen der Menschen zu provozieren.
Ab jetzt gilt: erst die Sphäre dann die Moral. Menschen müssen sich ab jetzt in einem Umfassenden lokalisieren, nicht mehr Schoß oder vegetative Grotte, ein Herd oder Tanzreigen, sondern in einer logischen und kosmologischen Konstruktionsform von überzeitlicher Geltung.“ (P.Sloterdijk)
Als Reminiszenz an den fragilen Ursprung stehen bereit: Gespür für Atmosphärenstimung, „unstillbares“ Verlangen nach Verwöhnung und Wohlsein, immunisierende, herbergsschaffende und -sichernde Anstrengungen. Umhegt von nie schlafenden Wällen, Zäunen, schutz-meinenden Mauern unter ausgespannten Privaten, Gottes- und Regentenschirmen, Baldachinen, Sternen- und Himmelszelten. Später dann Rechtssysteme, Versicherungen und Wohlfahrtsstaat.
Die „Aufschreie“ gegen überflutenden Regentenluxus, Staatsschulden, unfassbare Kriegsgelüste, Eroberungen und Höchst-Rüstung bleibt leise, wenn sie als Sicherung der fragilen Ursprungsgewöhnungen, als Pflicht aller deklariert oder intern oder extern infrage gestellt werden.
Laufen versorgende, umhegende Bemühungen lange Zeit und an zu vielen vorbei, werden Geburtliche für anders bergende Gralshüter aufgeschlossener.
Die „Vernachlässigten“ votieren innerlich und äußerlich neu-verführbar, für eine Rollenneubesetzung. Dann werden sie „Neu-Religiös“, rufen zu ihren Waffen und „Revolutionen“ bekommen ihre Zeit. Dann erobern „im Sturm“ die „klingenden“ Versprechen von Erlösung, Führer, Heimat, Volk, Vaterland „heim ins Reich“oder Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Solidarität die „Herzen“ der Fragilen die sich nun noch festere Mauern und Rache an „Verletzer uralter Erwartungen“ versprechen. Koste es was es wolle. Die Rache ist mein –sprachen neuer Herr und alter Diener.
Die hungrig- gierig-wollenden-nährenden Konsequenzen der Geburtlichkeit sprechen in der Ästhetik der privaten, sozialen und politischen Lebens-Architektur erste und letzte Worte. Einflüsternde „Signalworte“ und „Zeichen“ die „Wunder“ wirken und Wunden schließen würden, wenn ALLES passt. Von „irgendwoher“ muss diese Orientierung doch kommen. Entfachtes Leben will „......“ Leben.
Wie? Wie einmal!: Dort.
O Mensch! Gib acht!Was spricht die tiefe Mitternacht? "Ich schlief, ich schlief -, Aus tiefem Traum bin ich erwacht: - Die Welt ist tief, Und tiefer als der Tag gedacht. Tief ist ihr Weh -, Lust - tiefer noch als Herzeleid: Weh spricht: Vergeh! Doch alle Lust will Ewigkeit -, - will tiefe, tiefe Ewigkeit!"
Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra
Doch oft geht es uns wie dem Panther bei Rilke:
„Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf-. Dann geht eine Bild hineine,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.
Aus: Rainer Maria Rilke: Der Panther
Die Welt zeigt sich allen Neuankömmlingen als eine, die sie auch meint, unter Stress setzt, etwas bietet, die sie mit-bauen als zu-er-lebende. Diffus oder gut verstanden, in-Ordnung gehalten, auch irritierend, oft komplett unverständlich als Prekariat.
Sie zeigt sich ihm als von seinesgleichen geliebte, geordnete, ignorierte, bekämpfte, eroberte, regierte, geplünderte, verwüstete. Immer unruhig. Aber immer aus seinem unvergleichlichen „Strahlenkranz“, seinem persönlichen Spinnnetz-Profi blickend.
Ist das alles das „Sein“? Oder schwebt die Welt darüber hinaus in einem sich uns entziehenden „Sein“ für dieses Da-sein - und sie bietet so viel, zu viel für wenige, zu wenig für viele. Kann ich dieses Sein durch Meuterei, Revolution abschaffen oder immer nur ein ähnliches anderes wählen? Gibt es kein zurück nach vorne, in den Ursprung? Wir laufen in Schulen, Akademien, Geld und Gold, in Schlösser, Burgen, Klöster, Wüsten, Büros, Fabriken. Nur ich muss hier bleiben? Warum erwischt es immer mich? Meint mich das Sein überhaupt? Der Mensch ein ewiges dazwischen?
Was genau geht hier eigentlich „ab“?
Welt macht auch müde. Egal welcher Strahlenkranz ihn umgibt. Jetzt ist Abend, mir alles gleich-gültig. Ist nun auch alles „egal“? Abends lässt sich kaum noch etwas machen. Werde ich morgen aufwachen? Ja, die Welt fordert schon morgen früh deine Ein-Stellung. Bis dahin gibt mir eine hoffentlich warme Bettdecke meine nächtliche Reminiszenz an meinen seligen Ursprungsraum.Will uns das „Sein“ oder das helle Da-sein von Geburtlichkeit ablenken?Müssen wir abgelenkt werden, nur weil wir sterben werden?Denn „dazwischen“ könnte es doch viele gute Tage geben, oder?Ist häufiges irritiert sein nur ein kurzes Zeitgefühl, das Gefühl einer Minderheit.Rückblickend expandiert Welt doch. Auch und gerade nach Rückschlägen. Wird erkundend entdeckt, expliziter, komplexer: mit der Zahl der Einwohner wachsen Wünsche, Ängste, Ansprüche. Mit entdeckten, eroberten Flächen und Dingen, mit
zunehmendem Wissen und Meinungen, an Vielfalt, an Risiken, an Konflikten.Das nicht-mehr-Tier wurde munter, bunter, leichtsinniger, erfahrener, vielfältiger, gefährdent-strittiger aber auch „einfangbarer“: für gute und grausame Schandtaten.Waren die auch alle durch unsere Geburtlichkeit „inspiriert“? Wer gab die Befehle: das „Sein“? Unsere Geburtlichkeit: und was daran genau? Werden Friedens- und Kriegsmenschen, gut veranlagte und böse veranlagte „so fertig“ geboren?Es lässt sich fangen, wird gefangen, selber Fänger oder fristet ein Leben an äußersten Rändern. Muss es in Gruppen, Kulturen, Ordnungen „eingefangen“ gehegt werden? Würde es freigelassen wild und unberechenbar. Gefährdete es sich gar selber? Ist es dafür ausgelegt?Wir erinnern an Band 1: Der „Mensch“ ist ursprünglich „zu Zweit“, also primär auf Beziehung, Sozial, angelegt. Dennoch sind die kämpfenden Reiche, die Trennungs-Zeichen unübersehbar unruhig.Wie also ihn an seinen Ursprung an-binden ohne fest-zu-binden?Gibt es nichts, was optimal über allem „Ist“. Alles in sich „birgt“, vereint, zusammenhält? Was könnte das besorgniserregte Gemein-Wesen einbinden, zusammenführen, halten, sogar steigernd-übersteigen?Wie streng, wie übersteigert, wie überwältigend stark, ergänzend, verwöhnend, streng und suggestiv ja wie erotisierend-erotisch müsste das Welt-Konstrukt werden?Die das alles und so vor 2500 Jahren denken wollten, wählten eine „IntensiveIdylle". Einen Garten vor der Stadt, einen "lieblichen" Rückzugsort. Kein Seminarhotel, keine moderierten Groß-Lerngruppen in Stadien. Lieber eine Akademie aus erlesenen Teilnehmern, vor der Stadt. Fern vom üblichen "Geschwätz des Marktes".Denn es sollte kein zufälliges intuitives Kunstprojekt, keine schnelle Skizze werden, sondern eine strenges, logisches "for ever". Rund aber vermessen. Gestuft mit einem funktionalen Oben, einer Herz-Mitte, einem beschirmten Unten, aber alles in einem umfassenden Runden, alle einbindend. Die Platzanweiser exklusiv-inklusive. Eine Geometrie im Ungeheuren, die erste metaphysische Globalisierung.Und sie wurde erotisch für erotisierbare Seelen: das Schönste, das Größte, das Rundeste, komplett beleuchtet vom Sonnenlicht-Sein: Gott und Welt und Volk in einem "hellen Parlament". So sicher, dass keiner aus seinen Rollen und aus dem Rahmen fallen würde, fallen durfte. Wer wollte da zurückbleiben. Angesichts einer solchen Immunität, durch Sicherheit im Größten.
Sokrates war der Sohn einer Hebamme und „Mitglied“ im Projektteam der ersten metaphysischen Globalisierung.Wer Beherbergen will, muss Unwahrscheinliches-Übergroßes bieten.Ihr besonders Markenzeichen: Kugeln, Globen, Kreuze. Kreuze auf Kugeln um den Kompromiss der gültigen Hierarchie zu zeigen. Kreuze auf Kugeln in Gottesdienerhände, Kugeln in Regentenhände eingesetzt vom Höchsten. Wahlweise Kugeln unter den Füßen von Regenten und Fromme.Im gelungenen Pathos trägt Atlas die Himmelskugel auf seinen Schultern. Er präsentiert das Prinzip: Entlastung! So entlastet waren wir im fötalen Frühling.Das überzeugt jeden: "blind". Ab da weiß es jeder: Da-sein heißt größte Lasten tragen. Nur große Gedanken können große Lasten tragen.Bald wird die Kugel auch ein Globus, auf den "sehen" die Eroberer was sie haben und was noch fehlt. Ständig erweitert sich die Umsicht. Nun getragen vom Logos der das Schwere-All in Schwebe hält."Die Kugel erweist sich als die dynamische wahre Ikone des Seienden: denn indem sie den Betrachter informiert und umgreift, beginnt sie als wirkende Idee in ihm zu leben. Sie bringt das menschliche Auge in die exzentrische Position, die eigentlich nur einem abgetrennten Gott eigen sein könnte: folglich vergöttlicht sie den menschlichen Intellekt, der die Regel der Kugelerzeugung erfasst hat". (Sloterdijk)Was braucht das kleine, zitternde Wesen im Angesicht des unglaublichen Raumes:Die Allmacht-Kraft "eines Gottes". Wer mich als "sein Ebenbild" erschafft, dem kann ich nachfolgen, den kann ich auch bald "überwinden= töten".Was folgt: die Mechanisierung der Mütterlichkeit in der nach-theologischen Zivilisation.Für Parmenides wird Denken und Sein identisch. Denken in einer freien Umsicht im offenen. Durch einen plötzlichen Augenaufschlag der Blick in das gelichtete Ungeheure der Philosophen. Überall dasselbe Sein. Wohin Du auch gehst oder blickst. Du bist überall dabei. Selbst im nicht-zitternden Herz der Wahrheit.So wurde das Gute, Runde, Schöne willkommene Blaupause für Religion und weltliche Regenten. Strenge, Befehl, Gehorsam und Disziplin: ein platonischer Nachhall des "Einhegens"? Alles "Züchtigen-Zurichten" ein gut gemeintes "Umsorgen", ein "vom Sein" (=Gott?) gedachtes, also auch für mich?Angesichts dieser "Kugel" als der einzigen die gilt, wird das "kleine Wesen" zum Optimismus verdammt. Es trainiert sich im exakten Optimismus: Das eine Sein ist der Reichtum schlechthin. Platon hatte es vorgemacht: Entspannung in der Apokalypse des Raums. Wer sich umschaut entdeckt eine Welt voller Kugelsymbole. Auch heute noch und heute wieder besonders.Doch den Einwohnern wird bald deutlich: Es ist "die letzte Kugel". Seit der terrestrischen Globalisierung -durch Kartografen und Seefahrer, später Klimatologen, Wirtschaftspolitiker, Ökologen zeigt sie sich nicht nur als das Schönste, Rundeste, Beste, sondern ebenso als Halbschön bis Hässlich.Immerhin war sie 2500 Jahre "gültig". Alles erobernde, ergreifende, strenge, hierarchische, ein Oben und Unten denken, in Vorgaben und Folgen, in Befehl und Gehorsam waren Ihr Nachhall bis in die 1950iger/60iger Jahre das letzte Jahrhundert. In manchen Angelegenheiten ist sie es bis heute. In vielen Rückwärtsbesinnungen klingt sie durch: die Trauer um die vergangenen guten alten Zeiten, als alles noch an seinem Platz gestanden haben soll.Der Band 2 führt uns in den Band 3. Dort erwarten uns keine harten, feste Brocken, keine neuen Felsen, sondern "Schaum". Das "kleine Wesen" zeigt sich als Blasen und Kugeln vergessenes Wesen. Es wandert in die "Moderne" und findet sich im "Schaum". Der neue Machthaber hat nicht nur seine Geburtlichkeit, sein Aufgehoben-sein -wollen vergessen, sondern auch seine Endlichkeit. Das Feste, logische, zweiwertig, ein real-aufgeklärt objektiv vor uns liegendes, findet eine Ablösung durch flüchtiges, mehrwertiges. Kontingenz wird die neue Zeit-Marke.In der "Neuzeit", die manche die Moderne nennen, geraten wir in das unglaubliche Experiment, die "Zwei" zu leugnen und den Individualismus in den Mittelpunkt zu stellen. Das große Runde, Schöne, Göttliche, diese allumfassenden Geschichten, sie verblassen. Auch sie hat die Entropie nicht verschont. Nun steht eine andere Zeit, eine andere "Gesellschaft", eine anders geprägte, alles umprägende Kultur auf dem Wanderplan. Verdammt zur Sorglosigkeit nach den Jahrtausenden der Sorge.
lernziel: wie eine philosophische schule entsteht
womit und wie sie die (alt europäische) welt in ein einheitsdenken nimmt
das kugeldenken als philosophie wird die vorschule der theologie
warum man etwas absolut rundem, umgreifenden, attraktiven, tragendes, die gefolgschaft nicht verweigern kann (konnte)
wir lernen außerdem, das die entropie auch vor dieser kugel-macht nicht still steht
ideen über das ganze
über eine kugel
machen vor 2500 jahren
die runde
philosophische theoriespiele
spalten die nachfolgenden
gesellschaften endogen
ein anfall von unvermeidlicher
dringlichkeit
eine weltergreifende idee
startet ihren flug
ein ausnahmezustand des denkens
etwas noch nie gedachtes gesagtes
ein fruchtbarer augenblick
kühne gedanken
umkreisen
eine allmächtige kugel
ein heiligenbild
ein denkaltar
ein totalitätssymbol
verehrende forschung
vor dem emblem
des göttlich seienden
symbol des alles
physisch und geistig
umgreifenden
eine die den nachdenklich sterblichen
kein entrinnen lässt
die kugel ein götterbild der denkenden
eines das zu denken gibt
noch nicht zum beten
aber zur analyse
messung
und beweis
präzise erwägungen
wurden sein kult
ihr innenraum
fordert kongeniale geister
die beleben sollen
intelligenz wird sphärenspannkraft
einsicht verschafft umsicht
im nahen und im ungeheuren
logischer enthusiasmus
kommunitarischer enthusiasmus
ein pfingstereignis
der denkgeschichte
staunen
aber bitte mit trockener seele
von überwältigendem
sprechen
sieben eigenschaften riefen sie der
kugel hinterher:
sie sei gott
sie sei das schönste
sie sei die größte
sie sei das weiseste
sie sei erfüllt vom schnellen geist
sie sei mit kraft als stärkstes
sie sei ohne anfang ohne ende
wir sind umgriffen gerettet
obschon wir uns dem
mangel ausgeliefert fühlen
der philosoph ist
zum optimismus verpflichtet
den alten europäern
bleibt weisheit:
sich in kontemplativer dankbarkeit
in diese ur-fülle
einzugliedern
sich den besten gründen auszuliefern
während es uns moderne
zu ursprungsflüchtigen macht
vorwärtslaufend denkend
gegen das heimweh
nach dem unveränderlichen noch-nie-dagewesenen
von-ferne-versprochenem
sie scheint uns zuzurufen:
spielt weiter mit dieser kugel
die königen legitimation
und dichterfürsten
zu denken gaben
der mensch
das ekstatische tier
dem ein weltapfel
in die hand gelegt wurde
angesichts riesiger
fragen und aufgaben
schien es nicht wunder
das wir mängelwesen
zu sein schienen
wer kann als mängelwesen
der fülle schon standhalten
was soll aus der kugel
werden
in zeiten ohne könige
was aus den königen
in zeiten ohne kugel
Die Szene spielt im 1. Jhrd. vor Christus. Sieben bärtige Männer sitzen zusammen. Es hat den Anschein, als mache eine Idee die Runde und durchfahre sie wie ein Anfall. Weltergreifende Ideen beginnen ihren Flug.
So wie die Offizianten religiöser Kulte Statuen zu Ehren der von ihnen bevorzugten Gottheiten errichten, so haben die Gelehrten hier das Bild der Seins- und Kosmoskugel vor sich aufgestellt, um sie mit angemessenen Erörterungen zu verehren.
Die Kugel ist das Götterbild der Denkenden. Kästchen, Podium sind ihr tragbarer Altar, der Hain vor den Toren der Stadt ist ihr Tempelbezirk. Die sphaira ist der Gott der zu denken gibt. Aber es sind nicht Gebete und Anrufungen, sondern Analysen, Messungen und Beweise. Verehrende Forschung über ein Symbol für jenes Umgreifende oder Um-Sein, periéchon, das alle physischen und geistigen Gattungen des Seienden in sich fasst und das somit auch die Intelligenzen durchwirkt, die sich hier über die Kugel beugen.
Ihr Innenraum verlangt nach einem kongenialen Geist, der ihn beleben soll, das meint erzeugen und ermessen. Intelligenz ist Sphärenspannkraft; aus Einsicht wird Umsicht im Ungeheuren. In den Evidenzerlebnissen gibt sich der Gott, der Eine, Einstimmige, den Denkenden zu sehen. Logischer Enthusiasmus bestätigt seinen Verehrern, dass er in ihnen gegenwärtig ist.
Im bewährungsmächtigen Begriff und im seinsfähigen Bild kommt der göttliche Geist - der hier unterstellt werden darf - auf den menschlichen zu. Es ist das Pfingstereignis der Denkgeschichte, der Ausguss logischer Feuerzungen.
Jeder der sieben bezieht sich als singuläres, wissendes Leben auf das Eine und setzt sich so in eine ursprüngliche Individualität. Er lässt das Umfassende durch sich selbst, das diskrete Gefäß des Ungeheuren, sprechen.
Hier entsteht eine neue Form der Vergesellschaftung: durch die geteilte Erfahrung des Einheits- und Ganzheitsgedankens entsteht eine Gemeinsamkeit, für die es in der völkischen und familiaren Geschichte kein Vorbild gibt.
Aber schon diese sieben lernen nicht fürs Leben sondern für die Schule.
Durch das Theoriespiel Philosophie werden die folgenden Gesellschaften endogen gespalten: in solche die sich und ihr Wissen selbst zum Ernstfall erklären und in die, die sich entweder als Bewunderer dessen zeigten, was sie nicht verstanden oder die, die ein Leben in Ahnungslosigkeit führten, ohne sich unsouverän zu fühlen.
Im Bild der Sieben liegt Glück und Ungeheure still ineinander.
Zukünftig wird ohne den Willen zu dieser Idylle, keine Theorie zustande kommen.
Ohne Muße keine Schule, ohne Entwurzelung aus der Vulgarität, nichts von alledem, was alteuropäisch Freiheit der Forschung hieß.
Von nun an reicht das Ungeheure in der Ordnung weiter, als das Ungeheure in der Tragödie. Die Kugel bestellt die Betrachter mit zwei unbedingten Imperativen zu sich:
Komm, denke mich!
Und:
Geh in mir auf!
Im Hintergrund eine Sonnenuhr. Philosoph ist, wer eine Uhr im Rücken und eine Kugel vor sich hat.
Wir stehen am Beginn eines messenden, feststellenden, vergegenständlichenden „Zeitalters der Vernunft“. Von einem wortreich dunklen Gewerbe wird die Konstellation von SEIN und ZEIT durchleuchtet.
Einer, der der Zeit den Rücken zukehrt um in den absoluten Raum, die göttliche Immanenz, die sphärische Fülle einzutreten. Hier tut sich das Paradies der Ontologen (Lehrende des Seins) auf.
Auch Hegel und Heidegger waren nur Kommentatoren dieses Mosaiks. Auch Nach- und Anti-Hegelianer kämpften um den Kugelnachlass, von der es heißt, sie sei zersprengt, die ihr ent-stürzenden Menschen würden nur noch im freien Fall existieren.
Die Kugel vor Augen lässt die Sieben zu einer lokalen Funktion des globalen Optimums werden. Sie gab ihnen den stärksten Grund Optimist zu sein, wenn die Sphäre wirklich das Inbild und den Inbegriff des Ganzen geben soll.
Liegt im modernen Fortschritts-Optimismus noch ihr Nachhall?
Der thetische (zu beweisende) Funke springt im Augenblick über: Alles ist Gnade, alles ist im Kreis. Eíso panta - alles ist innen-. Der Intellekt ist nun unheilbar krank von einer Sphären- idee, einem Pathos, von dem sich nicht sagen lässt, ob er hell oder dunkel ist: dem Staunen.
Wer staunt über was?
Die Raumfigur bleibt in jeder Agonie (Qual, Kampf) und Überspannung um sie, wie ein geometrischer Schutzengel, eine unverletzlich exakte Alliierte. Angesichts dieser Kugel ist der Denkende zum Optimismus verdammt: einem exakten Optimismus.
Optimist – das war nun keine Charakter- oder Stimmungsfrage mehr.
Das Eine Sein ist reich, d.h. reich an Differenzen die zu einer Hermeneutik (erklären, auslegen‚ übersetzen) der Fülle zwingt. Nicht das Ressentiment (Neid, Groll) gehört an den Anfang, wie es die Psychoanalyse mit Kastration und Mangel tut. Die Fülle gehört dorthin und schaltet ein aristokratisches Licht auf sie. Das Zufiel erklärt das Seiende im Ganzen.
Sieben exakte Prahlereien verschafften ihr den Rang einer „Kugel des Seienden im Ganzen und brachte sie so in die Vorlage einer theologie- ermöglichenden Funktion.
Es waren die sieben Rühmungen über:
die Kugel sei nichts anderes als der Gott
sie sei deshalb das Schönste
sie sei die Größte, kein Staubkorn sei außerhalb
sie sei das weiseste
sie sei erfüllt vom Schnellsten: dem Geist
sie sei das Stärkste, durch die Kraft der Notwendigkeit
sie sei das Göttliche das weder Anfang noch Ende hat
Das Hinzukommen des Menschen ist überflüssig, macht sie nicht mehr runder, trägt zu dieser ursprünglichen Rundheit nicht bei. Ihm bleibt nur, sich in kontemplativer Dankbarkeit in dieses Optimum einzuordnen.
Aber auch das Optimum unterlag der Entropie, dem "eingebauten" Wandel" Das An- und Eingebundensein Aller in Allem hielt zwar immerhin ein Weltalter lang das alte Europa mit göttlich- Beauftragten, die die Kugel in Händen oder im Wappen trugen in Atem. Aber auch die Zeit brach in die Kugel eine und rief nun den Seinen zu: Spielt weiter.
Es muss doch auch Neues zum Guten geben, wenn die bisherigen Kugelhalter ihren Pflichten zur Pflege des Runden nicht mehr nachkamen?
Wie zum letzten Mal erstellt 1777 ein Dichter in seinem Garten in Weimar einen „Altar des guten Glücks“. Wie? Natürlich als Kugel, die ein Rätsel für die Nachkommenden aufgibt: Was wird aus einer Welt ohne Könige, was aus Königen ohne Kugel?
Gewidmet ist dieses Denkmal der Tyche Agathe. Tyche ist die antike Göttin des guten oder bösen Schicksals, des Zufalls, des Launischen.
Die Kugel ruht auf dem Quader. Er steht für Ruhe, Beständigkeit, Verlässlichkeit, Ausgeglichenheit, die Kugel für das Unbeständige, die rast- und ruhelose Bewegung, das Wechselhafte. Wer wird diese Kombination balanciert in die Zukunft tragen?
lernziel: wie die globalisierung vor 2500 Jahren metaphysisch startet
wie philosophen für „menschen in der welt“ ein „sicherungs-gerüst“ denkend-bauen
wie die gezügelte vernunft eine affäre mit dem weltganzen eingeht
und theologen ihre göttliche kugel sprengen die immerhin fast zweitausend Jahre hält
das projekt der metaphysischen globalisierung
globalisierung das herrschende motiv
frühen europäischen denkens
metaphysiker mathematiker kosmologen
definierten
den menschen als
kugelnschaffendes kugelnbewohnendes tier
globalisierung wird geometrisierung
des unermesslichen
mensch und natur eine technische kooperation
globalisierung oder sphäropoiese
ist kernstück des denkens
mathematische globalisierung
geht seit 2500 jahren
der terrestrischen voraus
sein ist nicht die zeit zum tode
sondern die zeit die es braucht
zu begreifen was der raum ist:
die allerwirklichste kugel
sie ist der repräsentant
des weltganzen
das wurde die entscheidende
erkenntnistat früher aufklärer
jede intelligenz ist gezwungen
ihre lage zum mittelpunkt
zu überprüfen
bloße umgebung soll kugel werden
geometrie läuft ins ethische
das runde wird der befreundete raum
die sphaira hieroglyphe des weltganzen
inlusive himmel
so werden macht und rund
ein herrschersignal
setzt man das kreuz
auf der kugel
läuft das bild
in sakramentale überhöhung
römische münzen
liefen um die welt
wurden zu globalisierungsboten
sobald die kugel stand
stand die frage nach
ihrem herrn und regenten
wahlweise waren es
siegesgöttinnen fortunen imperatoren
gerne missionare
mit christus als kosmokreator
danach gruppierten wissenschaftler
ihr besteck für wendekreise
meriane und äquator
später wird der globus
vom logos und reklame umzogen
wird spitzensymbol von macht und geist
doch auf welchem fundament
steht sie
wo wäre sie einzubetten
wer oder was soll sie tragen
oder hält das umfassende sich selbst
schwebt ohne anhalt
im äußeren im leeren
so entstanden trägerideen
und lastübernahmebereite figuren
wie atlas
von zeus bestellte olympier
wahlweise auch säulen
berggipfel
prometheus tantalos sysyphos philoktet
alle unlösbar
an leidvolle überanstregung gefesselt
ihr können ist ihr leiden
es wächst die pflicht stark zu sein
in rom zeugen gladiatoren
wie es für die mächtigen
keine erleichterung
für die schwachen
keine nachsicht gibt
die kopernikanische wende kränkte nicht
sie beflügelte die europäer
sie macht die erde
zum stern unter sterne
zum ort andere sterne zu beobachten
weltganzheit löst sich
in nüchternes wissen
lässt den himmel verlieren
kugelkonstrukteure
und globenbildhauer
schaffen ein medium
zur nachahmung gottes
menschliche gottessicht
durch mathematische kosmosbilder
der mensch verschafft sich
eine außensicht der welt
die bis dato nur gott hatte
die spaira lockt sterbliche in ein spiel
anfangs joviale herrschaftliche
dann polytechnische verfügungsträume
bis in die gewaltherrschaft des wissens
über dinglich ausgelegtes leben
im ganzen
atlas schwere last wird leichte theorie
das prinzip entlastung kommt zur macht
vorstellen und versuch wird bahnbrechende
verlockung
gewöhnlich sterbliche haften von nun
am alltäglichen verstricken sich
in besorgungen geschichten
meinungen werden inmitten der kugel
kugelblind
es muss ein neu-alter-halt her
denn die menschen sind
nicht nur die sterblichen
sondern die aus dem zentrum gerückten
zum dasein im halbblinden
epizentrum verurteilten
verschlagene randwesen
situativ benommene
marginale gottes
halbsichtig halbklar
das epizentrum des absoluten angehaucht
in mitleidenschaft gezogen
ohne sich mit diesem
verwechseln zu dürfen
ein verhältnis
das mikrosphärische intimbeziehung
auf makrosphärisches niveau hebt:
die in starker beziehung vereinten zwei
jetzt aber auf höhe des logischen
praktisch reifen weltverständnisses
metaphysich denken bedeutet diesen zauber zu meditieren
menschen sollen wie maria denken
nicht mein wille geschehe
sondern so wie du gesagt hast
die makrosphäre nutzt die mikrosphäre ganz für sich
höchste übertragung geglückt
was er will wird nur von
bevollmächtigten vertretern offengelegt
großwelten erlangen so ihr koopertionsmodell
- methaphysik der bevollmächtigten
und
- dienst am zentrum
arbeiter im weinberg der mitte
nicht als ein erleiden
sondern in intelligenter ko-spontanität
auch aktiver ergebung
maria und christophorus:
zwei musterexemplare
die schwere der welt
ist teil der liebesgeschichte
der exemplarische diener trägt den träger
der alles trägt
kolumbus wird der chistophorus der neuzeit
ein exemplar neuzeitlich manischer risikokultur
später zeigen die jesuiten
wie beugung unter größtem gewicht
von gewißheit beflügelt
das nur deren übernahme
reale macht verleiht
gegenwärtige krisen der solidarität
sind vielleicht sinnbild
für den untergang der
mitarbeiter-metaphysik
den klassischen denkern
ging es nicht um letztumfassung
sondern letztimmunität
ein theorie-ritual
zu ehren ihrer majestät
der runden form
jeder noch so weit entfernte
wird vom strahl aus der mitte
ermöglicht und erreicht
alles gute hat immunkraft
ist meine bergung im letztimmunisierenden ganzen
eine beruhigend erheiternde fesselnde botschaft
trost und zwang waren ununterscheidbar
unser herz war unruhig bis es ruhe fand in ihm
doch christus rettet weil die kugel rettet
der gott der morphologen
ist älter als der gott der basiliken
christliche geistesgeschichte:
die ausarbeitung kryptischer identität
von christologie und kugelmetaphysik
