Die Orgelpfeifen - Elisabeth von Heyking - E-Book

Die Orgelpfeifen E-Book

Elisabeth von Heyking

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Beschreibung

In "Die Orgelpfeifen" entführt Elisabeth von Heyking ihre Leser in eine facettenreiche Welt des musikalischen und emotionalen Erlebens. Das Werk ist prägnant und lyrisch zugleich verfasst und spiegelt die tiefe Verbundenheit der Autorin zur Musik wider. Durch detailreiche Beschreibungen und atmosphärische Szenen wird die Bedeutung der Orgel und ihrer Pfeifen als Symbol für Harmonie und Dissonanz im menschlichen Leben entfaltet. Heyking verwebt geschickte Erzählstränge, die sowohl persönliche als auch kollektive Erfahrungen thematisieren, und schafft damit einen literarischen Kontext, der die Leser zum Nachdenken anregt. Elisabeth von Heyking, eine angesehene Autorin und Kulturwissenschaftlerin, schöpft aus ihrem reichhaltigen Wissen über Musik und deren Auswirkungen auf die menschliche Psyche. Ihre fundierte Ausbildung und zahlreiche Forschungsarbeiten im Bereich der Musikwissenschaft erlauben es ihr, komplexe emotionale und soziale Themen mit Leichtigkeit zu erfassen. Diese Hintergründe haben die Autorin dazu inspiriert, ein Werk zu schaffen, das sowohl unterhält als auch zur reflektierenden Auseinandersetzung einlädt. "Die Orgelpfeifen" ist ein unverzichtbares Lesevergnügen für alle, die die tiefere Verbindung zwischen Musik und menschlichem Erleben erkunden möchten. Die Leser werden nicht nur mit fesselnden Erzählungen konfrontiert, sondern auch mit einer tiefen Einsicht in die universellen Themen von Erinnerungen, Verlust und der Suche nach Identität, die in der Melodie des Lebens erklingen.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Elisabeth von Heyking

Die Orgelpfeifen

Romantik und gesellschaftliche Konflikte im 19. Jahrhundert: Eine Geschichte unglücklicher Liebe und tiefgreifender Lebensinsichten
Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2024
EAN 8596547841180

Inhaltsverzeichnis

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Titelblatt
Text

Die Orgelpfeifen

Inhaltsverzeichnis
Die Orgelpfeifen

Ende Juli war Großmamas Geburtstag. Da pflegten sich die drei Enkel, denen sie seit vielen Jahren Vater und Mutter ersetzt hatte, um sie zu versammeln. Der älteste kam aus seiner Garnison, wo er als Leutnant in einem Kavallerieregiment stand, und auch der zweite, der Marineoffizier war, wußte es meist einzurichten, daß er in der Zeit Urlaub erhielt. Der jüngste aber bekam für diesen Tag Ferien aus seinem benachbarten Internat, denn Großmama galt in der ganzen Gegend, wo sie so lange angesessen war, schon ihres hohen Alters halber, als etwas ganz Besonderes, da erwies ihr sogar der knurrige Direktor gern eine besondere Artigkeit.

Auf dem Schloß, wo Großmama seit vielen, vielen Jahren lebte, und wo die Enkel ihre ganze elternlose Kindheit verbracht hatten, wurde der Geburtstag alljährlich gefeiert. Die rundungsreiche Mamsell, die so aussah, als bestände sie aus lauter einzelnen festgestopften Kissen und Kißchen, mußte dafür Berge von belegten Brötchen richten und außer der eigentlichen Geburtstagstorte noch viele Kuchen backen, denn eine Menge Gratulanten pflegten zu kommen, und allen wurde ein Imbiß vorgesetzt. Die Postboten stiegen an dem Tage gar oft den steilen Weg zum Schloß hinauf mit Stößen von Briefen und Telegrammen. Auch Schachteln brachten sie, denen der Gärtner große Sträuße von Blumen entnahm; die kamen von Freunden Großmamas aus Städten, und sie mußten dort wohl etwas Künstliches angenommen haben, denn sie rochen anders als die Blumen im Garten. Der feierlichste Moment aber war der Kirchgang in die Schloßkapelle, denn auf welchen Tag Großmamas Geburtstag auch immer fallen mochte, es war doch jedesmal, als ob es Sonntag sei. Die Schloßkirchenglocke läutete, der alte Pastor und der alte Kantor kamen aus dem Dorf herauf, und es wurde ein richtiger Gottesdienst gehalten. Alle Jahre hatten das die Enkel erlebt, und schon als sie noch ganz klein gewesen, hatten sie an dem Tage mit in die Kirche gedurft. In der Loge saßen sie artig auf den hohen roten Damaststühlen, standen auf, sangen, setzten sich wieder – alles genau wie Großmama es tat.

Sie gingen gern in die Kirche, denn wenn es auch im Schloß viele Winkel und Räume gab, die ihnen merkwürdig erschienen, so war die Kirche doch der merkwürdigste Ort. Und so angenehm gruselig war es zu denken, während man oben saß, daß tief unter der Kirche in einem gewölbten Raume, den man die Gruft nannte, die Särge der frühern Besitzer und ihrer Frauen standen. Auch Kinder mußten da beigesetzt sein, denn vom Garten aus konnte man, wenn man sich glatt in den Efeu am Boden legte, durch schmale Fenster in die Gruft hinabblicken, und da standen zwischen den großen auch manche kleine Särge. Unter dem ganzen Schloß gab es diese gewölbten Räume. Aber wenn man von draußen in die andern blickte, sah man da Kartoffeln, Kohlen, Äpfel und viele Weinflaschen liegen, nur unter der Kirche lagen tote Menschen, die all solcher Dinge nicht mehr bedurften.

Daß auch die eigenen Eltern da lagen, wußten die Kinder damals noch nicht. Das erfuhren sie später, wie so manches andere, ohne sich besinnen zu können, wann und von wem. Es gab eben Dinge, die wußte man plötzlich, als man anfing groß zu werden.

So dunkel und schauerlich die Gruft aussah, wenn man durch die blinden, bestaubten Scheibchen der kleinen Fenster hineinblickte, so hell und freundlich war oben die Kirche. Sie war ganz weiß und golden und zwischen all dem Weiß und Gold waren noch viele Bilder aus der biblischen Geschichte angebracht. Oben die Decke aber war so gemalt, daß es aussah, als schaue man zwischen Säulen und Bogen in einen zu allen Jahreszeiten blauen Himmel. In dem schwamm, gerade in der Mitte in einem Dreieck goldener Strahlen, ein großes offenes Auge. Das sei das Auge Gottes, das alles sieht, hatte ihr Fräulein den Kindern erklärt. Zwischen den Säulen und Bogen flatterten Engel mit bunten Flügeln und wehenden Gewändern. Aber sie waren merkwürdig verzerrt, und auch die Bogen und Säulen schienen ganz schief, als müßten sie gleich umstürzen; nur von Großmamas Platz mitten in der Loge aus gesehen wurde alles plötzlich gerade und richtig. Von da bemerkte man auch, daß alle die Engel so gemalt waren, daß sie genau auf Großmama blickten. Das dünkte die drei Kinder besonders bei der Geburtstagsfeier sehr passend: offenbar gratulierten die Engel Großmama auf diese Weise. Manche der Engel hielten lange, goldene Trompeten an ihren roten Lippen, aber was sie so mit dicken, aufgepusteten Backen bliesen, hörte man nicht. Dafür hörte man den Kantor auf der Orgel spielen.