Die Regeln meines Herrn | Erotischer SM-Roman - Starla Bryce - E-Book

Die Regeln meines Herrn | Erotischer SM-Roman E-Book

Starla Bryce

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Beschreibung

Dieses E-Book entspricht 352 Taschenbuchseiten ... Eigentlich hat Ria den besten Verlobten, den frau sich wünschen kann – wäre nur der Sex nicht so eingeschlafen. Ria sehnt sich danach, von einem Mann hart rangenommen zu werden und ihm zu dienen. Als sie zum ersten Mal auf Cyril Kaltwein trifft, ahnt sie nicht, in welchen Gefühlsstrudel sie der dominante Bankfachwirt ziehen wird. Angezogen von seiner souveränen Art und seinen BDSM-Erfahrungen, kann Ria gar nicht anders, als sich auf eine Affäre mit ihm einzulassen. Was Kaltwein in den Sessions von ihr verlangt, bringt Ria an ihre Grenzen und weit darüber hinaus. Angespornt von dem Wunsch, die beste von Kaltweins Sklavinnen zu werden, gibt Ria ihrem Herrn alles – sogar ihr Herz. Die langjährige Beziehung zu ihrem Verlobten hängt plötzlich am seidenen Faden. Wird Ria ihr Verlangen nach Kaltwein zügeln können? Diese Ausgabe ist vollständig, unzensiert und enthält keine gekürzten erotischen Szenen.

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Seitenzahl: 470

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Impressum:

Die Regeln meines Herrn | Erotischer SM-Roman

von Starla Bryce

 

Starla Bryce wurde im Herbst 1992 in Niedersachsen geboren. Hier lebt sie mit Mann und Kind auch heute noch. Nach einigen Veröffentlichungen in anderen Genres hat Starla nun den erotischen Roman für sich entdeckt. Das tabulose Beschreiben sinnlicher Szenen bereitet ihr genauso viel Freude wie das Erschaffen realitätsnaher Charaktere. Privat hält sie sich gern in der Natur auf – ob beim Genießen der ersten Frühlingssonnenstrahlen im Garten oder beim Spaziergang durch den leuchtend bunten Herbstwald.

 

Lektorat: Marie Gerlich

 

 

Originalausgabe

© 2020 by blue panther books, Hamburg

 

All rights reserved

 

Cover: © oleander studio @ shutterstock.com

Umschlaggestaltung: MT Design

 

ISBN 9783964772657

www.blue-panther-books.de

1. Geheime Sehnsucht

»Nimm dich in Acht vor kleinen Männern!«

Das hatte ihre Mutter ihr schon früh eingetrichtert. Und wie sich herausstellen sollte, war etwas dran an diesen Worten. Doch an diesem Abend ahnte Henrietta Ettger, genannt Ria, noch nicht, dass die Zukunft ihr einen kleinen Mann bringen würde. Und was für einen!

»Der nächste Song ist You keep me hangin’ on! Und die Leute, die öfter hier sind, können sich bereits denken, wer ihn singen wird: Unsere Ria!« Denni mit den blondierten Dreads, der bereits seit vielen Jahren am Wochenende für die Karaoke-Events zuständig war, machte einen Knicks.

Die wenigen Menschen, die an diesem Freitag Ende Mai ins Xylophon gefunden hatten, weil sie entweder keinen Grill und keinen Pool besaßen oder chronisch karaokesüchtig waren, klatschten und grölten. Die 25-jährige Ria erhob sich von der Bank ganz hinten in der Ecke neben der signierten Schallplatte von Karel Gotts Biene Maja.

1,69 Meter endeten oben mit schulterlangen, dichten braunen Haaren, haselnussbraunen Amselaugen und einem breiten Lächeln, das strahlend weiße Zähne offenbarte – trotz Rias Vorliebe für Darjeeling-Tee und weißen Nugat.

In ein beigefarbenes Jeanskleid gehüllt, betrat Ria die »Bühne«, ein Podest mit den Maßen eines Babylaufgitters. Denni reichte ihr das Mikrofon und hielt beide Daumen nach oben, während er mit den Lippen die Worte »Viel Glück!« hauchte.

Die Musik lief an. Ria räusperte sich und strich sich die Haare aus dem Gesicht. An der linken Hand funkelte der zierliche Verlobungsring mit winzigem Zirkonia-Steinchen. Rias Beine waren eng aneinandergepresst.

Ihre Stimme erklang – tiefer und kräftiger, als man es ihr zugetraut hätte. Hier und da war ein Ton etwas schief, aber es lag so viel Gefühl in Rias Stimme, dass Denni ihr bereits mehrmals ans Herz gelegt hatte, es im nächsten Jahr beim Supersänger-Casting zu versuchen. Doch das kam für Ria nicht infrage. Singen als Hobby? Ja. Singen im Fernsehen? Niemals! Ria wollte nicht den Spaß daran verlieren. Hier im Xylophon gab es das beste Publikum, das Ria sich vorstellen konnte. Außerdem war ihr der Job im Seniorenheim Sonnenscheinhügel viel zu sehr ans Herz gewachsen.

Noch bevor die letzten Töne des 80er-Klassikers von Kim Wilde verklungen waren, setzte der Applaus ein.

»Du bist unsere 80s-Queen!«, kam es von Mark, einem schwarzhaarigen Mann um die vierzig. Bisher hatte er sich selten ein Karaoke-Event entgehen lassen. »Aber jetzt wird es Zeit für etwas Moderneres! Na, Ria, wie sieht’s aus: Lust auf Sonne von Rammstein?«

Lachend gab Ria Denni das Mikrophon zurück und verließ die winzige Bühne, um auf Mark zuzugehen. »Nur, wenn du endlich Mamma mia im Duett mit mir singst!«

»Niemals! ABBA … Bäh!« Mark verschränkte die Arme und schüttelte sich in einem Anfall von »Erwähne nie wieder den Namen dieser Band«.

»Ach, ich kann mir dich ganz gut in einem Hosenanzug mit weitem Schlag und einer Agnetha-Perücke vorstellen!«

»Haha!« Mark erhob sich von seinem Platz und lief in Richtung Bühne, wo Denni bereits mit dem Mikro in der Hand auf ihn wartete.

»Das Übliche: Sonne von Rammstein«, verkündete Mark.

»Werde ich es jemals erleben, dass du keinen Hardrock-Song singst?« Denni grinste.

»Vielleicht, wenn du dir deine Zöpfe abschneidest!« Mark gab Denni einen freundschaftlichen Ellenbogen-Stupser.

»Okay, das ist es mir wirklich nicht wert. Dann muss ich wohl weiterhin damit leben. So, meine Lieben: Hier ist euer Mark mit – wen wundert es – Sonne von Rammstein!«

Ria nahm wieder ihren Platz ein. Das beige Jeanskleid klebte an ihrem Körper wie eine zweite Haut und betonte ihre Brüste, die gut versteckt in einen weißen B-Cup-BH eingebettet waren. Für Ria gehörte dieses hochgeschlossene, jedoch sehr körperbetonte Kleid bereits in die Kategorie gewagt. Es endete in der Mitte ihrer Oberschenkel. Aufgrund der Sommerhitze hatte Ria sich dazu entschlossen, nichts über ihre nackten Beine zu ziehen. Keine Strumpfhose, nicht einmal ein Paar Feinstrümpfe. Und auch ein Höschen hatte sie nicht an. Normalerweise trug Ria eher Klamotten, die die Bezeichnung Hippie-Style mehr als verdienten. Blumenmuster und weite Röcke gab es in ihrem Kleiderschrank zuhauf. Doch heute Abend wollte sie sich ein bisschen wie Cynthia aus dem Roman fühlen, den sie vor Kurzem gelesen hatte. Cynthia, die aus ihrem Alltagstrott ausbrach und sich auf eine heiße Beziehung mit einem Mann einließ, den sie im Internet kennengelernt hatte. Beim ersten Treffen hatte ihr dieser befohlen, unter ihrem Minirock keinen Slip zu tragen, nicht einmal einen String. Die Szene war Ria seit Tagen nicht aus dem Kopf gegangen – bis sie beschlossen hatte, selbst diese Erfahrung zu machen. Wenn sie schon keinen Mann aus dem Internet kannte, der ihr solche direkten Anweisungen gab, wollte sie zumindest das Gefühl kennen, höschenfrei unter Menschen zu sein.

Ria musste schmunzeln. Bisher hatte niemand ihr kleines Geheimnis entdeckt – und so sollte es auch bleiben. Allmählich hatte Ria Übung darin, ihre Beine eng aneinanderzupressen. Ob auch wirklich niemand den süßen Duft wahrgenommen hatte, der zwischen ihren Beinen hervordrang? Dieser geile Duft, darauf bedacht, Männern den Kopf zu verdrehen und ihre Schwänze herauszufordern. In Rias Gedanken spielte sich eine heiße Szene nach der anderen ab. Gerade lief in ihrem Kopf ein neuer Gast, den sie noch nie zuvor im Xylophon gesehen hatte, an ihr vorbei und griff ihr im Gehen zwischen die Beine, um sich an ihrem köstlichen weiblichen Duft zu berauschen.

Doch die Realität sah anders aus: Zu Hause wartete Florin, ihr Verlobter, mit dem sie seit etwa sechs Jahren zusammen war. Die einzige Fantasie, die Florin zu haben schien, war die Vorstellung von einem eigenen Restaurant. Florin war Koch – beruflich und privat.

Weitere Bilder zogen vor Rias innerem Auge auf: Ein fremder Mann forderte sie auf, sich auf die Tanzfläche zu knien. Er zog ihr Kleid hoch – und war überrascht, als er kein biederes Höschen vorfand, sondern Rias nackten prallen Arsch, der geradezu auf Enttarnung gewartet hatte. Um sie herum standen die Gäste des Xylophon und feuerten den Fremden an, Rias unausgesprochener Aufforderung nachzukommen. Bevor er sie jedoch in ihr nasses Loch fickte, löste der Fremde seinen Gürtel – und ratsch! sauste dieser auf Rias nackten Po nieder. »Hat dir niemand gesagt, dass man nicht ohne Höschen aus dem Haus geht? Ansonsten kann es schnell passieren, dass man einen Schwanz in der Fotze stecken hat! Und weißt du was? Den stecke ich dir gleich rein, aber vorher bläst du meinen Schwanz!«

Vorsichtig wanderte Rias linke Hand nach unten. Ganz langsam, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Kaum merklich spreizte Ria die Beine, nur ein winziges bisschen – gerade so, dass Rias Zeigefinger etwas von ihrem kostbaren Nektar aufnehmen konnte. Ria roch den süßen Duft bereits, bevor ihr Finger ihre Nase berührte. Grinsend schob sich Ria den Finger in den Mund und ließ die Kostprobe genüsslich auf ihrer Zunge zergehen. So feucht war sie lange nicht mehr gewesen. Sie konnte Cynthia verstehen, dass sie süchtig nach solch kleinen exhibitionistischen Tätigkeiten war!

»Eins … Hier kommt die Sonne …«

Mark bot den Gästen im Xylophon eine klasse Show: Er grölte in einer Lautstärke, dass er jede finnische Hard-Rock-Band neidisch gemacht hätte.

Ria klatschte und lachte mit den anderen Gästen mit. Auf dem runden Tisch wartete ihr Wasser noch immer darauf, ausgetrunken zu werden. Die Zitronenscheibe schwamm wie ein langsam untertauchender Schwimmring in einem Mini-Pool. Doch es nützte nichts. Auch wenn sie ganz wenig trank – ihre Blase füllte sich trotzdem im Laufe des Abends so stark, dass sie es nicht mehr aufschieben konnte und die Toilette benutzen musste. Nicht, dass der Boden der zwei Damen-Toiletten im Xylophon mit Urin vollgetropft gewesen wäre, auch die Klobrillen waren normalerweise frei von Körperausscheidungen. Es war einfach so, dass Ria nicht gern auf öffentliche Toiletten ging. Irgendetwas in ihrem Kopf warnte sie stets, ja nicht die Klobrille zu berühren. Was nicht schwer war, da Ria in solchen Situationen ihre Blase mehr im Stehen als im Sitzen entleerte.

Mit dem Ellbogen öffnete Ria die Toilettentür. Bloß nicht die Klinke berühren!

»Hey! Du warst echt gut!« Tamara, eine Blondine in den Sechzigern, lächelte Ria zu, während sie ihren roten Lippenstift erneuerte. Tamara kam so gut wie immer zu den Karaoke-Veranstaltungen, sang aber selbst nie mit, da sie laut eigener Aussage »eine schrecklichere Stimme als eine erkältete Krähe« hatte. Heute war Tamara Ria noch gar nicht unter den Zuschauern aufgefallen.

»Danke!« Ria lächelte zurück. »Auf jeden Fall besser als beim letzten Mal …«

Tamara machte eine wegwerfende Handbewegung. »Wer kann schon gut singen mit einer beginnenden Bronchitis? Dafür hast du heute wieder gezeigt, was in dir steckt! Und ich sage es dir immer wieder, Schätzchen: Wenn die Zeit kommt und ich nicht mehr alle Frösche im Teich habe, will ich auf jeden Fall im Seniorenheim von dir betreut werden! Dann singst du mir jeden Tag ein schönes Liedchen vor!«

»Abgemacht!« Ein Lächeln erhellte Rias Gesicht. »Jetzt muss ich aber mal kurz verschwinden.«

Tamara nickte verständnisvoll. »Es gibt nichts Grässlicheres als ein unbefriedigtes Bedürfnis!« Wie richtig Tamara damit lag.

Mit dem Fuß trat Ria vorsichtig gegen die Tür der freien Toilettenkabine, um sie zu öffnen. Um nicht mit dem Metall des Türbeschlags in Verbindung zu kommen, legte sie ein Stück braunes Öko-Toilettenpapier darauf, während sie verriegelte.

Ein tiefer Atemzug und sie zog ihr Jeanskleid etwas nach oben. Ria konnte nicht anders, sie musste kontrollieren, wie feucht ihre Muschi tatsächlich war. Mit der ganzen Hand wischte sie an ihrer Pussy entlang und schloss dabei ihre Augen. Dunkle Schamhaare kitzelten ihre Finger. Das Urteil fiel folgendermaßen aus: extrem untervögelt! Rias Pussy war triefnass und wartete kribbelnd auf einen harten Schwanz.

»Später!«, murmelte Ria und dachte dabei an den blauen Perlenvibrator, den sie sich letztes Jahr zum Geburtstag gegönnt hatte und mit dem sie sich regelmäßig amüsierte. In diesem Augenblick fristete der Vibrator in einem Schuhkarton in Rias Kleiderschrank sein heimliches Dasein.

Der Druck auf Rias Blase war noch immer da und zwang sie zu der Prozedur, die sie jedes Mal veranstaltete, wenn sie auf einer öffentlichen Toilette pinkeln musste.

Die Tür zu den Damentoiletten wurde geöffnet und Ria hörte, wie sich klackernde Absätze näherten und in der Kabine neben ihr verschwanden.

Mit den Ellbogen suchte Ria Halt an den Wänden der engen Kabine und ging leicht, wirklich nur ganz leicht, in die Hocke.

Es fiel ihr jedes Mal schwer, anzufangen. Sie bildete sich ein, jeder Anwesende hörte dem Plätschern ihres Urinstrahls zu. Als ob die Leute nichts anderes zu tun hätten.

Ein Handy (wohl das von der Klacker-Lady) klingelte in der Kabine direkt nebenan. Laut. Der beste Zeitpunkt, um es laufen zu lassen!

»Ja, ich hatte eben angerufen. Alles okay bei den Zwillingen?«

Ria schaute auf den Boden. Sie wollte niemanden belauschen, auch wenn sie manches Mal unfreiwillig Gespräche mitanhören musste.

»Sehr schön. Also kann ich noch bleiben. Ähm … Sagen wir in ca. zwei Stunden. Wenn das okay ist?«

Ob die Frau mit ihrem Partner telefonierte? Oder mit einer Babysitterin?

Ria beeilte sich, betätigte die Klospülung mit einem Tuch vor der Hand und schloss die Kabine nach demselben Prinzip wieder auf. Geschafft!

Ria wusch sich die Hände am Waschbecken. Die zweite Toilettenkabine wurde entriegelt und eine schmale Frau mit rot gefärbtem Pixie-Cut trat neben Ria an das Waschbecken. Sie stellte ihre Tasche auf die Ablagefläche vor dem fleckigen Spiegel.

Ein etwas gequältes Lächeln traf Rias Spiegelbild. »Ich bin zum ersten Mal wieder unter Menschen, seitdem unsere Zwillinge da sind«, sagte die Frau. »Sie glauben gar nicht, wie gut das tut! Den ganzen Tag von morgens bis abends nur Gebrülle!«

Ria nickte mitfühlend. Sie selbst hatte keine Kinder, aber wenn es nach Florin ginge, wäre sie schon fünffache Mutter. Gern eines Tages, aber nicht jetzt. Und dann würden Ria ein oder zwei Kinder reichen. Sie wollte schließlich keine Privat-Kita aufmachen.

Ria hielt ihre Hände unter den Händetrockner, als ihr Blick auf das Buch fiel, das aus der Tasche der kurzhaarigen Frau ragte: Für ewig deine Sklavin.

Sofort färbten sich Rias Wangen rot. Sie kannte das Buch. So wie sie die meisten Romane kannte, die der Büchermarkt über das Thema BDSM hergab. Und sie liebte diese Art von Romanen. Meist bestellte sie die Bücher übers Internet auf einer Seite für Gebrauchtes. So sparte sie sich den peinlichen Gang in den kleinen Buchladen der Stadt und konnte die Bücher ohne schlechtes Gewissen nach dem Lesen ganz unten in der Papiertonne entsorgen. Bisher hatte Florin sie noch nicht mit einem dieser Bücher erwischt. Ria kannte die Meinung ihres Verlobten zu solchen Sexpraktiken: »Das lassen doch nur Frauen mit sich machen, die keine Würde haben! Krank ist das! Ich verstehe nicht, wie man sich freiwillig derart herabwürdigen lassen kann!« Seitdem sie das Thema vor einigen Monaten ganz vorsichtig angesprochen hatte, war es nie wieder zu einer Unterhaltung darüber gekommen. Dass Ria beim Gedanken, den Hintern versohlt zu bekommen, ein Kribbeln am ganzen Körper verspürte, wusste Florin nicht. Er ahnte auch nichts von ihren Fantasien, sich einem Mann komplett zu unterwerfen und, zumindest für die Dauer des Spiels, seine ergebene Dienerin zu sein. Aber diese Gedanken, diese heimlichen Sehnsüchte hatten sich in Rias Innerem eingenistet, verfolgten sie auf Schritt und Tritt und sorgten dafür, dass Rias Pussy vor Verlangen bebte.

2. Cyril Kaltwein

Uaaaaaach!

Mit einem lauten Stöhnen fiel die Tür des renovierungsbedürftigen Hochhauses ins Schloss. Cyril Kaltwein zog den Reißverschluss seines Hosenstalls mit einer Selbstverständlichkeit hoch, als würde er sich die Nase mit einem Taschentuch putzen.

170 Zentimeter Selbstsicherheit. 27 Jahre hatte er Zeit gehabt, sein Ego zu nähren – mit Erfolg. Kaltweins maßgeschneiderter Anzug und die aus Italien importierten Santoni-Schuhe bildeten einen merkwürdigen Kontrast zu dieser heruntergekommenen Gegend. Genau wie seine dunkelbraunen, zum Undercut frisierten Haare nicht so recht zu dem rötlich-braunen Henriquatre-Bart passen wollten. Über seiner Schulter hing die gelbe Sporttasche, die er zu jedem Treffen dieser Art mitnahm. Ohne Spielzeug konnte nun mal nicht gespielt werden.

Kaltwein zog sein Handy aus der rechten Hosentasche. Seine dunklen, von definierten Augenbrauen gekrönten Augen fixierten das Display.

Hey, mein Schatz! Wollte nur kurz fragen, ob du schon weißt, wann du nach Hause kommst? :-*

Linnea! Ob sie vergessen hatte, dass er heute Abend Fußballtraining hatte? Wie auch immer. Mittlerweile musste sie wissen, dass sie keine schnulzig-schmalzigen Liebestexte von ihm zu erwarten hatte. Er war nicht der Typ Mann, der einer Frau Avancen mit Blumen und Pralinen machte. Er liebte die harte Tour. Nur die harte Tour. Und welchen Grund gab es auch, über seine Art, mit Frauen umzugehen, nachzudenken? Die meisten Frauen, mit denen er intim gewesen war, hatten es genossen, dass er das Ruder in der Hand hielt. Wenn ihn jemand gefragt hätte, wie Frauen ticken, wäre seine Antwort gewesen: »Sie wollen, dass man ihnen zeigt, wo es langgeht. Nicht alle. Aber die, die für mich interessant sind.«

Nach einigen Minuten erreichte Kaltwein sein Auto, das er in einer Nebenstraße geparkt hatte. Ein Mercedes AMG C 63 in dunklem Silber. Nach den Worten seines besten Kumpels Dustin Seemel »ein echter Fotzenficker-Wagen!«

Kaltwein verstaute seine Tasche im Kofferraum und ließ sich in den Fahrersitz sinken. Natürlich hatte er die Performance-Sitze gewählt. Wann immer das Leben eine Deluxe-Variante bot, nahm er sie. Schlichtheit hatte für ihn keinen Reiz.

Kaltwein drückte aufs Gas. Ein Orgasmus für alle Sinne. Man hörte ihn, wenn er losfuhr. Ein Löwe hätte nicht furchteinflößender brüllen können. Das Geräusch seines Automotors war sein Angriffsruf. Er kam. Und wenn er kam, war nichts vor ihm sicher. Er nahm sich, was er wollte. Das Leben mochte ihm gewisse Regeln aufzwängen wollen, doch er schrieb sie neu.

Ecke Veilchengang wartete eine rote Ampel auf ihn. Schon wieder! Es schien beinahe so zu sein, dass diese Ampel mit vollster Absicht jedes Mal rot wurde, wenn er gerade hier langrasen wollte. Die Geschwindigkeitsanzeige sank von 73 auf 0 Stundenkilometer ab. Kaltwein nutzte diese erzwungene Pause, um seine Freundin daran zu erinnern, wer in ihrer Beziehung das Sagen hatte.

Hey Karamelka, wird heute später. Denk dran, dir die Beine und dein Fötzchen zu rasieren. Daddy mag keine Stoppeln!

Die Ampel schaltete auf Grün. Kaltwein legte das Handy beiseite und somit auch jeglichen Gedanken an Linnea.

Die Straßen waren leer für einen Dienstagabend. Es war 19:16 Uhr, als Kaltwein langsamer wurde und links in einen schmalen Feldweg einbog. Staub wirbelte auf. Die Köpfe der Gestalten auf dem Fußballplatz drehten sich um. Er war nie zu überhören, wenn er kam. Kaltwein parkte in einem Zug rückwärts ein, stieg lässig aus, nahm seine schwarze Fußballtasche aus dem Kofferraum und begab sich in die Umkleiden. Noch roch sein Körper nach Sex, in wenigen Minuten würde er nach Sport riechen.

Seine Teamkollegen, heute dreizehn an der Zahl, waren bereits mit ihren Aufwärmübungen beschäftigt, als Kaltwein zu ihnen über den Rasen gelaufen kam. Seine Tasche ließ er am Spielfeldrand neben die der Mannschaftskollegen fallen. Den Namen des FC Freistoß hatten sich die Gründer bei einer Kneipentour einfallen lassen. Bis heute lautete das heimliche Motto des Vereins: Gewinnen ist gut, das Trinken danach noch besser!

»Was läuft, Cyril?« Dustin Seemel begrüßte Kaltwein mit einem festen Händedruck. Er war wenige Zentimeter größer als Kaltwein, 28 Jahre alt, hatte sonnengebräunte Haut und einen blonden Undercut. Durch sein Trainingsshirt konnte man die trainierten Bauchmuskeln und Oberarme erahnen.

»So ziemlich alles! Und bei dir?«

Kaltweins Lippen verformten sich zu einem Lächeln. »Kann mich nicht beklagen.«

»Sieh an, der Kaltwein! Auch schon da?« Ole Nüssig, Trainer der Mannschaft der 3. Kreisklasse, gab Kaltwein einen leichten Klaps auf den Rücken. Er war um die dreißig, etwa zwei Meter groß und hatte eine Figur wie ein Lavendelstängel. Um seinen Hals baumelte eine Trillerpfeife.

»Das Beste kommt eben zum Schluss!«

Ole Nüssig verdrehte die Augen und grinste. »Ab! Mach dich warm.«

Kaltwein gesellte sich zu den anderen Fußballern und begann, sich aufzuwärmen. Ganz langsam stellte er die Beine hüftbreit auseinander und streckte seine Arme nach oben, um diese dann hinter dem Kopf zu dehnen. Bewusst spannte er die Muskeln seines rechten Armes an und ließ die Macht in sich nachklingen, die er Karina vor wenigen Minuten demonstriert hatte. Sie würde es so schnell nicht wieder wagen, aufzumucken! Wenn Kaltwein eines bei seinen Sklavinnen schätzte, dann war es Unterwürfigkeit. Ohne Wenn und Aber.

»Keine Hektik, lass dir ruhig Zeit!« Adrian grinste Kaltwein zu. Er hatte etwa Kaltweins Größe und war von schmächtiger Statur. Ab und zu feierten Kaltwein und Dustin mit Adrian und einigen anderen aus dem Verein. Bevorzugt mit denen, die weder Kind noch Ehefrau hatten.

»Wozu stressen lassen?«

»Das ist dein Lebensmotto, oder?«, mischte sich Jan, ein 21-Jähriger, ein, dessen Haar bereits lichte Stellen an den Schläfen aufwies.

Kaltwein schüttelte den Kopf. »Mein Motto ist: Je härter, desto besser!« Gelächter unter den Männern.

»Na, wenn das so ist, kannst du ja heute beim Training Vollgas geben!«, spöttelte Dustin.

»Sowieso – nur, ohne mich stressen zu lassen!«

»So, Männer, genug gedehnt! Wir nutzen jetzt das schöne Wetter und laufen zwei Runden um den Platz!« Ole Nüssig klatschte in die Hände.

»Ach, du machst dieses Mal auch mit?« Kaltwein grinste.

Ole schüttelte den Kopf. »Würde ich zu gern, aber ich muss für die nächste Übung aufbauen.« Er griff nach den gelben Metallstangen, die er nach seiner Ankunft neben dem Sack mit den Trainingsbällen und den Markierungshütchen ins Gras gelegt hatte.

Kaltwein und Dustin begannen, mit den anderen Männern um den Platz zu joggen.

»Nächsten Samstag wieder nach Hamburg?« Dustin grinste.

»Bin dabei!«, gab Kaltwein zurück, ohne zu überlegen. »Mal sehen, ob die kleine Blonde wieder da ist!«

»Meinst du echt, die lässt sich noch mal auf dich ein?«

»Natürlich! Die muss schließlich Geld verdienen!« Kaltwein strich sein Deckhaar zurück und stieß einen lauten Lacher aus.

Es folgte ein Slalomlauf um die aufgestellten Metallstangen, bei der die Spieler den Ball dribbeln mussten. Im Anschluss forderte Ole seine Mannschaft zu einigen Passübungen auf und ließ alle für eine Strategiebesprechung im Kreis zusammenkommen. Nach dem Trainingsspiel, das die meiste Zeit des Fußballtrainings in Anspruch nahm, kündigte Ole an: »So, wir kommen zum Ende. Das Team, das als Erstes zehn Tore mit Kopfbällen macht, gewinnt. Die Verlierer bauen ab!«

»Och nö, ich kann doch keine Kopfbälle!«, seufzte Adrian und kickte einen herumliegenden Ball zum Spielfeldrand.

»Das ist die falsche Einstellung!« Ole warf Adrian ein blaues Leibchen zu und verteilte die anderen fünf willkürlich an die Spieler.

»Wir wollen die kommenden Spiele gewinnen, Männer! Ich will nicht umsonst der Presse gegenüber das Maul so weit aufgerissen haben. Das nächste Spiel entscheiden wir für uns – und alle darauf folgenden auch!«

»Na, das ist mal eine Ansage!« Dustin zog sein blaues Leibchen über das Trikot und nickte Kaltwein zu, der zum Team ohne Leibchen gehörte.

»Team Blau fängt an!« Oles Trillerpfeife ertönte. Wann immer sich die kleinste Gelegenheit bot, benutzte er sie.

Mario, der Torwart, nahm seine Position ein. Die Spieler teilten sich auf und stellten sich links und rechts hinter das Tor. Adrian machte den Anfang und positionierte sich vor dem Fünf-Meter-Raum. Dustin warf den Ball zu Adrian hinüber, damit dieser mit dem Kopf ein Tor erzielen konnte.

»Hab ich’s doch gesagt!«, schimpfte Adrian, nachdem der Kopfball weit am Pfosten vorbeigeflogen war. Adrian und Dustin tauschten die Positionen. Dustin schoss den Ball mit dem Kopf direkt ins Tor.

»Sauber!« Kaltwein klatschte für seinen Freund. »Reinschießen – das kannst du!«

Nachdem Team Blau mit zwei Toren nur mäßig abgeschnitten hatte, war Kaltweins Team dran. Jan verpasste den Kopfball. Als Kaltwein an der Reihe war, sauste der Ball geradewegs ins Tor.

»Yes!« Kaltwein sprang in die Luft und jubelte, als sei ihm soeben der Einzug in die Champions League geglückt. Auch die Bälle der restlichen vier Spieler landeten im Tor.

»Wir haben eindeutig einen Vorsprung, was?«, spöttelte Kaltwein.

»Sieht so aus …«, musste Adrian gestehen. »Aber in der nächsten Runde punkten wir!«

Das taten sie nicht. Während Team Blau die Kopfbälle nicht recht gelingen wollten, schoss Kaltweins Team alle Bälle ohne Patzer ins Tor.

»Das ist ein klares Ergebnis!«, sagte Ole und nahm die Leibchen von Team Blau entgegen.

Mit den anderen vom Verliererteam machte sich Dustin daran, alle Hütchen, Bälle und Stangen einzusammeln und die Netze vom Tor zu nehmen.

»Tja, Pech gehabt, du Loser!«, sagte Kaltwein zu seinem besten Freund und grinste.

»Beim nächsten Mal bist du im Versagerteam!«, gab Dustin zurück.

Kaltwein schüttelte den Kopf und hob seine schwarze Trainingstasche vom Boden auf. »Du vergisst da eine Kleinigkeit: Ich gewinne immer!«

Kaltwein zog sich in der Umkleide um, stieg in seinen Mercedes und fuhr genauso davon, wie er gekommen war: Laut und schnell.

Während er die leergefegten Straßen entlangheizte, holte Kaltwein ein Handy aus dem Fach der Mittelarmlehne – sein Handy für besondere Anrufe. Er scrollte sich durch seine Kontakte, bis er die Nummer fand, nach der er gesucht hatte.

»Hey! Freitagabend sehen wir uns. Ich komme zu dir. Gegen neun. Zieh dir was Hübsches an! Und dieses Mal will ich, dass dein Arsch für mich gründlich rasiert ist!« Damit legte Kaltwein sein Zweithandy beiseite.

Nach etwa einer Viertelstunde bog Kaltwein in eine Seitenstraße ein und parkte seinen Wagen vor der Reihenhaussiedlung.

Vor einigen Monaten waren Linnea und Kaltwein zusammengezogen. Linneas Cousin arbeitete als Immobilienmakler und hatte dieses schmucke Mittelreihenhaus für sie aufgetrieben. Die Miete konnten sich die beiden locker leisten. Kaltwein verdiente als Bankfachwirt gutes Geld und auch Linnea konnte sich mit ihrem Job als Rechtsanwaltsgehilfin nicht beklagen.

Auf dem Klingelschild der Nummer sechs stand Kaltwein & Moosmer. Kaltwein schloss die Tür auf und stellte seine beiden Taschen im Flur ab, eine schwarz, die andere gelb.

»Da bist du ja!« Die Tür zum Wohnzimmer ging auf. Linnea kam auf ihren Freund zu, ein Lächeln in ihrem schmalen Gesicht. Neben Linneas Größe von 1,57 Meter und ihrem elfenhaften Körperbau wirkte Kaltwein beinahe groß. Linneas dunkelblonde Haare waren hochgesteckt und gaben den Blick auf die Perlenstecker mit Swarowski-Kristallen an ihren Ohren frei – ein Geschenk Kaltweins zu einem der vergangenen Weihnachtsfeste.

Ein flüchtiger Kuss traf Linneas Mund. »Du würdest einen guten Hund abgeben. Stets zur Stelle, wenn das Herrchen nach Hause kommt. Aber im Ernst: Mach ruhig mit dem weiter, was du eben gemacht hast, ich will mich kurz frisch machen.«

»Ein Hund? Du vergleichst mich mit einem Hund? Zu meiner Verteidigung: Ich habe heute Abend mal keinen Knochen gesucht oder in meiner Hundehütte geheult! Ich habe bis eben gelesen. Aber dann konnte ich einfach nicht weitermachen damit. Ich weiß nicht, wie es passieren kann, dass in einem solchen Klassiker so viele Rechtschreibfehler auftauchen!« Linnea schüttelte den Kopf. »Ich meine, wir reden hier immerhin von Stolz und Vorurteil!«

»Du meinst, du redest davon. Lies mal schön dein Buch weiter!« Kaltwein zog seine Schuhe aus und sprintete mit der gelben Tasche die Treppe hoch.

»Wie war das Training?«, rief Linnea ihm hinterher.

»Gut!«, lautete die Antwort.

Die erste Etage gehörte Linnea und ihm. Hier gab es ein Badezimmer, ein Gästezimmer und das gemeinsame Schlafzimmer. In der zweiten Etage, die wenige Quadratmeter umfasste, hatte sich Kaltwein ein Arbeitszimmer eingerichtet. So nannte er es jedenfalls offiziell. Linnea hatte hier keinen Zutritt, dieser Raum war stets abgeschlossen.

Kaltwein schloss die Tür zu seinem Raum auf und ließ sich auf das anthrazitfarbene Sofa sinken, die gelbe Tasche neben sich. Er hatte heute noch jede Menge zu reinigen. Wie gut, dass Linnea sich für diese Bücher begeisterte, von denen er selbst niemals auch nur eine Seite gelesen hätte. Jane Austen. Wann hatte die Frau noch gleich gelebt? Es musste lange, lange her sein.

Kaltweins Zimmer war beinahe so karg eingerichtet wie sein Büro auf der Arbeit: Hier gab es einen Schreibtisch, der meist nicht mehr als einen Laptop und einen Drucker aushalten musste, ein elegantes Sofa und einen geräumigen Schrank, wie der Schreibtisch in Sonoma Eiche. Dieser Schrank beinhaltete das, was Kaltwein als sein Spielzeug bezeichnete. Er zog den Reißverschluss seiner Tasche auf und nahm einen schwarzen Satinbeutel mit Metallklammern heraus. Karina liebte es, sie an ihren Schamlippen zu spüren. Doch diese Belohnung hatte sie sich heute selbst verbaut. Die Wäscheklammern aus Metall kamen unbenutzt an ihren Platz im oberen Fach des Schrankes, über den fein säuberlich aufgereihten Peitschen, Gerten und Paddles aus hochwertigen Materialien. Diverse Knebel und Handschellen ergänzten Kaltweins Spielzeugsammlung.

Kaltwein schaltete seinen Laptop ein. Innerhalb weniger Sekunden war er hochgefahren. Nachdem Kaltwein sein Handy mit Ladekabel und USB-Anschluss des Laptops verbunden hatte, betätigte er den Einschaltknopf des Druckers. Im Innern des Druckers rumorte es. Ein paar Klicks – und ein glänzendes Foto bahnte sich seinen Weg aus dem Drucker. Karina, im Mund einen Knebel, Arme und Beine hinter dem Rücken miteinander verbunden. Die sonst so ordentliche Frisur ähnelte mehr dem Mix aus Staub, Haaren und Dreck, der sich so gern hinter Türen ansammelt. Das Auffälligste an dem Foto aber waren Karinas Augen. Ein kiwigrünes Flehen.

Kaltwein grinste und legte das Foto in seinen elektrischen Stahl-Tresor, für den nur er den Code kannte.

3. Kein Anzugtyp

»Nein. Definitiv nein!« Rias Mundwinkel zuckten. Eines stand fest: Florin war definitiv kein Anzugtyp. Nicht in hundert Jahren! Er wirkte eher wie ein Junge, der sich Papas aussortierten alten Anzug geschnappt hatte. Florin Degemann war zu schlank für seine Größe von 1,87 Metern. Es schien, als sei sein Körper zwar gewachsen, sein Gesicht jedoch nach der Pubertät nicht älter geworden. Wie sechsundzwanzig sah Florin bei Weitem nicht aus. Je nach Lichteinfall leuchteten seine Haare mal mehr, mal weniger hellblond. Florins Augen waren so grün wie die Blätter der Orchidee, die auf der Wohnzimmerfensterbank zwischen unzähligen staubigen Teelichthaltern und der Porzellan-Frettchen-Sammlung von Florins Tante Griemhild ein einsames Dasein fristete. Das Wohnzimmer war, wie der Rest der Zwei-Zimmer-Wohnung, ein Arrangement aus zusammengewürfelten Möbeln und Dekorationsartikeln, dem der Geruch von Knoblauch, Sojasoße und Garam Masala anhaftete und wohl auf Lebenszeit anhaften würde. Denn das Kochen würde Florin gewiss nicht aufgeben. Koch sein war nicht nur ein Beruf für Florin – es war seine Passion. Für Florins Chef im Imbiss Zum Wurstmeister war dagegen einfach nur wichtig, dass Florin anwesend war und die Pommes rechtzeitig aus dem heißen Frittierfett herauszog.

Vor drei Jahren war Ria zu Florin in das Sechsfamilienhaus aus der Vorkriegszeit gezogen. Außer dass die Tapete im Badezimmer abblätterte und die Heizung ab und zu streikte, gab es nichts auszusetzen.

Florin sah über die Schultern an sich herab, verwundert über Rias unverblümte Reaktion. »Echt? Der saß ganz gut!«

Das weiße Hemd war mit mehr Falten durchzogen als das Gesicht eines Shar-Pei-Hundes. Der schwarze Anzug selbst war aus billigem Satinstoff gefertigt. Ärmel und Hosenbeine waren einige Zentimeter zu kurz.

»Saß. Wann hast du ihn zum letzten Mal getragen?«

Florin sah nach oben an die Decke – seine typische Nachdenkpose. »Hmm … Muss zu meiner Konfirmation gewesen sein.«

Ria lachte auf. »Wie alt warst du da? Vierzehn? Ist ja nur … einige Jahre her! Wieso sollte der auch nicht mehr passen? Du warst bestimmt schon mit vierzehn so groß wie jetzt!«

»Haha!« Florin streckte die Arme zu den Seiten aus. Die Ärmel rutschten noch höher, an den Schultern spannte das Sakko. »Ich muss auf jeden Fall am Samstag im Anzug bei Paddy auftauchen! Es herrscht Anzugpflicht. Da bin ich zum ersten Mal dabei und dann ausgerechnet an einem Tag mit Anzugpflicht !«

Ria grinste. »Du hättest auch sagen können, dass du nicht kommst, weil du keinen Anzug besitzt!«

»Ich habe doch einen!«

»Na ja … Der gehört eher in die Kiste mit dem Aufdruck Jugenderinnerungen.«

»Ich finde, der geht noch. Ist doch bloß für einen Abend. Und es ist doch nur Paddy!«

Letztens hatte Florin seinen alten Klassenkameraden Paddy beim Einkaufen wiedergetroffen. Die beiden waren zusammen zur Realschule gegangen und hatten mehrere Jahre eine enge Freundschaft gepflegt. Nach dem Abschluss hatten sie sich jedoch aus den Augen verloren, weil Paddy für ein Jahr ins Ausland gegangen war. Nun wohnte Paddy wieder in der Stadt, gar nicht weit von ihm entfernt.

»Es kommen aber auch noch andere, oder?«, warf Ria ein.

Florin lachte. »Wir werden wohl kaum zu zweit pokern.«

»Haha! Ich an deiner Stelle würde mir jedenfalls einen anderen Anzug besorgen. Oder besser gesagt: Irgendwas besorgen, dass den Namen auch verdient hat! Wenn schon, dann solltest du auch wie ein richtig spießiger Anzugträger aussehen! Und, so leid es mir auch tut: Der hier bringt es nicht. Hast du die Mottenlöcher nicht gesehen? Ich fürchte, da kann kein Schneider was retten.« Ria trat auf Florin zu und schaute sich das Elend aus nächster Nähe an. »Und gut riechen tut der auch nicht mehr!«

»Den kann ich doch waschen!«

»Waschen?« Ria schüttelte den Kopf. Ihre Mutter war nicht gerade ein wandelnder Hausfrauenratgeber gewesen, aber ein bisschen was hatte sie ihr schon mit auf den Weg gegeben. »Anzüge gibt man in die Reinigung! Die kommen nicht in die Waschmaschine!«

»Echt? Was soll da schon passieren?«

»Hast recht … Bei dem Ding kann es nicht schlimmer werden!«

»Sei doch nicht so negativ!«

»Du kannst dich doch kaum bewegen in dem Teil! Und sieh dir mal die Hose an. Deine halben Unterschenkel gucken raus!«

»Kann das nicht als … ääh … Siebenachtel-Mode oder so durchgehen?«

Ria schüttelte lachend den Kopf. »Nein, kann es nicht! Und wenn du den zu unserer Hochzeit trägst, schlage ich dich!«

»Das würdest du nicht wagen!« Florin tat empört. »Ich denke, du magst sowieso keine Anzüge, Mäuschen?«

Ria schüttelte den Kopf. »Mag ich auch nicht. Aber weißt du, was ich mag?« Ihre Lippen suchten Florins Hals und liebkosten die zarte Haut. »Ich mag dich. Sehr sogar!«

Florin grinste. »Ach, waren wir nicht schon bei Ich liebe dich angekommen?«

»Ja, das waren wir. Ich liebe dich ja auch. Und weil ich dich liebe, möchte ich, dass wir mal wieder etwas Unanständiges machen.«

In Gedanken sagte Ria das Wort ficken, doch das auszusprechen, kam nicht infrage. Das wäre Florin zu ordinär. Er war der Meinung, richtig dreckiger Sex und alles, was in diese Richtung wies, sei pervers. Im Laufe der sechs Jahre, die sie mit Florin nun schon zusammen war, hatte sich Ria an seine Art gewöhnt. Sie spielte mit. Und doch wurde sie diese Stimme nicht los, dieses kleine Flittchen in sich, das ständig nach mehr verlangte. Die Seite, die danach bettelte, in die schwarzen Tiefen des BDSM vorzudringen.

»Soso … Etwas Unanständiges! So was zum Beispiel?« Florins Lippen trafen auf Rias Mund, in der Hoffnung, ein Feuerwerk auszulösen. Was bei Ria ankam, war jedoch nicht mehr als der Einheitsbrei aus trockenen Küssen, den Florin ihr alltäglich servierte.

»Ich hätte gern ein bisschen mehr hiervon!« Rias Zunge zwang Florins Mund, sich weiter zu öffnen. Sie forschte nach Florins Zunge und umspielte diese in fordernden Kreisbewegungen.

»Davon kannst du mehr haben!« Florin trug Ria ins Schlafzimmer. Hier war der Ort, an dem er sie vernaschte. Wie eine edle Kostbarkeit legte Florin seine Verlobte auf dem Bett ab. »Du möchtest also, dass wir es mal wieder tun?«

»Ja, das will ich!« Ich will, dass du mich fickst, bis ich dich um Gnade anflehe!, setzte Ria gedanklich hinzu.

Florin begann, Rias Hals zu küssen. Jeden Zentimeter beschenkte er mit leisen Küssen. Ria schloss die Augen.

»Ich liebe dich!«, hauchte Florin seiner Verlobten ins Ohr.

»Und ich liebe dich!«

Vorsichtig tasteten sich Florins Hände unter Rias dünnes Langarmshirt, schoben den BH leicht an und kneteten dann Rias Brüste. Florins Berührung hatte eher etwas Entspannendes als Erotisierendes. Dennoch nahm sich Ria vor, den Sex zu genießen. Ihre Fotze lechzte geradezu danach, gestopft zu werden. Die letzten Tage waren sexlos gewesen und Ria brauchte dringend Florins Schwanz.

Florin schob Rias Shirt hoch, zog es ihr über den Kopf und pfriemelte dann an Rias BH herum, bis sie es nicht mehr aushielt und ihm half, den Verschluss zu öffnen.

»Diese kleinen Biester!« Florin grinste entschuldigend. Seine Hände machten sich daran, an Rias rosa Nippeln zu zupfen, die sich von dem helleren Warzenhof absetzten.

Wäre Ria nicht so wild darauf gewesen, genommen zu werden, wäre Florins Schuljungenmiene Grund für sie gewesen, das Schlafzimmer zu verlassen und sich etwas anderem zuzuwenden. Stattdessen zog Ria Florin das Jackett aus und knöpfte das faltige Hemd auf. Sie konnte es nicht eine Sekunde länger ertragen, Florin in diesem Aufzug zu sehen! Sie wollte ihn nackt. Auf ihr. In ihr. Sie wollte, dass er ihr zeigte, dass er der Mann war, der die Kontrolle über ihre Lust hatte und sie zum Stöhnen brachte.

Sie ließ sich in die Laken sinken und zog die eng anliegenden schwarzen Leggins aus. Darunter kam ein gelber Slip zum Vorschein, der Rias kostbare Höhle komplett verdeckte und nicht ein bisschen preisgab.

In Zeitlupentempo bewegte sich Florins Hand auf Rias verhüllte Pussy zu – um sie dann mit ebenso langsamen Berührungen zu streicheln. Es war ein sanftes Streicheln, doch es verfehlte seine Wirkung nicht. Ria seufzte vor Lust, während ihre Muschi immer feuchter wurde. Sie war bereit, Florins Schwanz tief in sich aufzunehmen und in sich zu behalten, bis sie gefüllt wäre mit dem Saft seiner Lust.

Erst nach einer kleinen Ewigkeit zog Florin Rias Slip aus – und sah direkt auf eine Pussy, deren Schamlippen die kostbare Klitorisperle verhüllten wie die Blütenblätter einer Tulpe ihren Stempel. Ein sanfter brauner Flaum überzog Rias Pussy. Florin bevorzugte es, wenn Ria untenrum natürlich aussah und nicht wie »ein Marzipanschwein«.

»Ich liebe deinen Duft!«, flüsterte Florin und vergrub seinen Kopf in Rias Schoß. Seine Nase nahm den süßen Geruch von Rias startbereiter Pussy auf. Ein Kuss folgte auf den nächsten. Florins Zunge suchte Rias Perle und umspielte sie. Ria spreizte ihre Beine stärker, damit Florin alles genauestens betrachten konnte, was sich ihm zwischen ihren Beinen bot.

»Jaaa …«, flüsterte Ria. Florins Zunge war geübt darin, ihre Pussy ausgedehnt zu verwöhnen. Sie saugte an Rias Perle, leckte sie in einem Rhythmus, von dem sie wusste, dass es nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis sich ihr Orgasmus ankündigte. Doch so wollte sie nicht kommen. Sie wollte seinen Schwanz in sich spüren. »Zieh deine Hose aus!«, verlangte Ria.

Florin löste sein Gesicht von Rias Pussy und kam ihrem Wunsch nach. Er stellte sich vor dem Bett auf, machte die Knöpfe auf und versuchte dann, so lässig wie möglich aus der zu engen Hose zu steigen. Ria verzieh ihm, dass er dabei so gar nichts von einem professionellen Stripper an sich hatte.

Die weißen Boxershorts landeten zusammen mit der Anzughose auf dem Boden. Ria bekam wenig davon mit, denn ihre Augen fixierten Florins Penis. Sein Stab war nicht allzu dick, jedoch von beachtlicher Länge und wurde von dunkelblonden Schamhaaren umrahmt.

Als Florin seinen schlanken Körper auf Ria legte, konnte sie es nicht mehr erwarten, dass er in sie eindrang. »Ich will dich. Jetzt.«

Florin gab Ria einen Kuss auf den Mund. Er schmeckte nach ihrer Fotze. Ria leckte sich über die Lippen, um den Geschmack für weitere Sekunden auszukosten. So schmeckte ihre Geilheit.

Der Moment des Eindringens ließ Ria aufstöhnen. Dieser erste Augenblick der Vereinigung war für Ria immer wieder wie ein erstes Mal. Ihr ganzer Körper wurde von einem Kribbeln durchfahren, das sich beinahe wie ein Stromschlag anfühlte. Sein Schwanz steckte in ihr. Sein langer Schwanz, der sie schon so manches Mal zum Orgasmus gebracht hatte. Wenn auch das Einbeziehen von Sextoys, Rollenspielen oder BDSM-Elementen nicht an der Tagesordnung war, so konnte Ria nicht leugnen, dass Florins Lanze ihren Job ausreichend erledigte.

In Rias Fantasie hob Florin die Peitsche – und ließ sie gnadenlos auf Rias prallen Arsch herabsausen. Florin bewarf sie mit Ausdrücken, die ein Prickeln auf Rias gesamtem Körper auslösten.

In der Realität streichelte Florin Rias Haare – sanft, ganz sanft –, während sein Stab sich in Rias Höhle der Lust schmiegte. Kein wildes Stoßen, eher ein zaghaftes Anklopfen.

»Doller!«, entwich es Rias Lippen.

Florin kam der Aufforderung nur halbwegs nach. Er intensivierte seine Stöße, drang ein wenig tiefer in Rias nasse Fotze.

Rias Stöhnen wurde lauter und rhythmischer. Florins Lippen bedeckten ihren Mund mit Küssen, sodass ihre Geräusche der Wonne unterdrückt wurden.

»Ich liebe dich!« Da war er wieder. Dieser Satz, den Florin so gern beim Liebesspiel murmelte. Doch für Ria war er eher ein Lustkiller. Wenn sie gefickt wurde, wollte sie von Liebe nichts hören. Dann wünschte sie sich, benutzt zu werden.

Rias Konzentration lag zwischen ihren Beinen. Ihre Fotze war angeschwollen, entsprechend empfindlich reagierte ihre Haut auf Florins Stöße. Dann stieg es in ihr auf: Dieses grandiose Gefühl der Lust, das einem kleinen Erdbeben glich. Ria kam in einem Schwall von Seufzen und Stöhnen. Ihre Pussy pulsierte, zog sich um Florins Stange zusammen.

Doch statt erschöpft in die Laken zu sinken, wollte Ria ihren Verlobten für den soeben erlebten Höhepunkt belohnen. »Soll ich ihn dir blasen?«

Florin schüttelte den Kopf. »Ich will in dir bleiben.«

Sie konnte machen, was sie wollte; Blowjobs schienen für Florin keinen Reiz zu besitzen. Dabei liebte Ria den Geschmack seines Schwanzes in ihrem Mund. Wenn sie auch keine Expertin für Deep Throat war, so beanspruchte Ria doch für sich, zu wissen, wie man einen Mann mit der Mundfotze zum Orgasmus brachte.

Florins linke Hand verfing sich in ihren Haaren, griff zu, immer noch zu sanft für Rias Geschmack. Es dauerte nicht lange, dann kam es auch Florin. Seine männliche Sahne spritzte heraus. Ria spürte, wie sich seine Lust in ihr entleerte, und nahm es mit einem zufriedenen Grinsen hin.

Fast augenblicklich zog sich Florin aus ihr zurück und bot ihr ein Taschentuch vom Nachtschrank an.

»Danke!« Lieber hätte sie den Moment nachklingen lassen, ihn noch ein bisschen mit Florin genossen. Dieser wollte ihr jedoch nach dem Sex stets die Möglichkeit bieten, ihre Blase auf dem Klo zu entleeren und anschließend zu duschen. Ria bereute es noch heute, Florin vom Rat ihres Frauenarztes erzählt zu haben. Zumindest war sie froh, dass er sie mittlerweile nicht mehr aus dem Bett jagte, um ja schnell ins Badezimmer zu gehen.

»Nach dem Geschlechtsverkehr sollten Sie die Toilette aufsuchen, um den Bakterien weniger Raum zu geben!« Eines musste sie Doktor Bräunlich jedoch lassen: Seitdem sie seinen Rat befolgte, hatte sie nicht eine einzige Blasenentzündung mehr gehabt.

Ria erhob sich vom Bett und sammelte ihre Kleidungsstücke ein. Dabei fiel ihr Blick auf den muffigen, mottenzerfressenen Anzug.

»Zeit, dass wir dir einen anständigen Anzug kaufen!«

»Jetzt? Du weißt doch, dass ich immer so müde bin, wenn wir Bungabunga gemacht haben …«

Bungabunga! Eine der unerotischsten Bezeichnungen fürs Ficken, die Ria sich vorstellen konnte. »Mag ja sein, aber in dem Ding lasse ich dich nicht unter Leute gehen!« Ria deutete auf die Anzugteile, die sie am liebsten sofort in den Müll befördert hätte.

»Na gut. Gucken kann man ja mal. Ich hoffe, die haben in der Stadt irgendwo was Günstiges. Vielleicht finde ich ja was in dem Secondhandshop? Du weißt doch, da wo ich auch meine neue Jeans herhabe.« Florin hasste es, Geld auszugeben. Wann immer es die Möglichkeit gab, etwas gebraucht und so günstig wie möglich zu erwerben, war er dabei. Konsum war für ihn wie ein ekliges, giftiges Ding, das es zu vermeiden galt.

»Wir finden schon was. Oder du sagst den Pokerabend halt ab.«

Das wollte Florin dann doch nicht und setzte sich mit leicht benebeltem Blick auf die Bettkante. »Ich werde gar nichts absagen. Doch nicht wegen so was! Ich habe Paddy seit Jahren nicht gesehen. Außerdem soll Cyril auch dabei sein. Und den habe ich mindestens genauso lange nicht gesehen!«

»Wer war das gleich noch mal? Hilf mir mal auf die Sprünge!« Gehört hatte Ria den Namen schon mal aus dem Mund ihres Verlobten. Woher Florin ihn kannte und wer genau Cyril war, wusste Ria jedoch nicht. Noch nicht.

4. Schlagfertig

Cyril Kaltwein lockerte seine dunkelblaue Seidenkrawatte. Der Arbeitstag war lang gewesen. Umso mehr brauchte er jetzt Unterhaltung der besonderen Art.

Annas Wohnung kam ihm vor wie ein Rattenkäfig – viel zu klein und nach alten Bananen und dreckigem Abfluss stinkend. Doch bereitete es ihm eine unaussprechliche Befriedigung, sie genau hier zu erziehen. Sie zu ficken, wie er es wollte. Auf dem Bett, in dem sie jeden Abend schlafen musste, oder auf dem Sofa, auf genau den Stellen, an denen einige Stunden oder Tage später Freunde und Verwandte saßen.

»Zieh deine Hose aus.«

Wie das Jurymitglied einer Castingshow saß Kaltwein auf dem Sofa, neben sich seine gelbe Tasche, und beäugte Anna. Ihr Haaransatz zeigte, dass sie nur so tat, als wäre sie eine Blondine. Annas Körperbau konnte man weder als dünn noch als dick bezeichnen, sie war irgendetwas dazwischen. Anna tat, was ihr befohlen worden war, und ließ die Jeans wie eine überflüssige Verpackung herabgleiten.

»Zeig deinem Herrn dein Arschloch. Spreiz es weit.«

»Ja, mein Herr.« Annas Hände mit den violetten Nagellackresten gruben sich in ihren Po und enthüllten ihre winzige Körperöffnung, die sie Kaltwein schon so oft zur Verfügung gestellt hatte.

»Sehr gut. Und jetzt spreiz deinen Arsch noch weiter. Ich will sehen, ob du dich auch wirklich richtig rasiert hast für mich.«

Kaltwein bemerkte, wie sie schluckte. »WEIT habe ich gesagt!«

Anna riss ihre Pobacken weiter auseinander.

»Glatt rasiert sieht anders aus, das weiß meine kleine Nutte, nicht wahr?«

Anna nickte, ohne ihren Kopf dabei in Richtung ihres Herrn zu drehen. Sie hatte es vergeigt. Mal wieder. Sie ließ ihm keine andere Wahl, als sie zu züchtigen. Bis ihr Versagen sichtbar wurde!

Die Narben an Annas Po und ihren Oberschenkeln würden sie für immer daran erinnern, wem sie gehörte. Er hatte seine Macht an ihrem Körper verewigt.

»Und noch etwas hast du vergessen: Wo ist der Anal-Plug, den ich dir letztes Mal dagelassen habe? Du solltest ihn heute tragen, damit dein Arsch schön geweitet ist, wenn ich komme! Apropos kommen: Das wirst du in den nächsten Tagen nicht. Und selbst Hand anlegen, gestatte ich dir auch nicht! Verstanden?«

Mit grobem Griff umfasste Kaltwein das Kinn seiner Sklavin und drückte ihre Wangen zusammen. »Antworte mir, kleines Miststück!«

Anna nickte. »Ja, ich habe verstanden, mein Herr.«

»Was hast du verstanden?« Kaltweins Griff wurde fester.

»Dass ich meine Fotze nicht berühren darf.«

»Wer ist die einzige Person, die über deine Drecksfotze bestimmt?«

»Das bist du, mein Herr. Nur du.«

»Na, geht doch. Warum nicht gleich so? Wieso muss ich erst jedes kleine Wort aus dir herausquetschen und deinem Arsch noch mehr Striemen verpassen?«

»Es tut mir leid, mein Herr …«

»Das hoffe ich für dich. Trotzdem weißt du, dass ich das nicht so durchgehen lassen kann.«

Anna nickte, den Blick weiterhin auf den Boden gerichtet. Sie durfte ihren Herrn nur ansehen, wenn er es erlaubte.

»Knie dich hin.«

»Ja, mein Herr.«

»Zwanzig Schläge. Du errätst, womit. Aber du redest erst, wenn ich dich dazu auffordere! Ein einziger ungebetener Mucks und ich fange wieder bei null an!«

Anna nickte und schloss die Augen. Noch bevor der erste Schlag auf ihren Po niederstürmte, kommentierte ihre Pussy das Geschehen mit einem Schwall duftender Nässe, der zwischen Annas Schamlippen herausfloss.

Der nächste Schlag fegte auf Annas Arsch nieder, mit dem Ziel, ein weiteres Zeichen ihrer Sklavinnen-Identität zu hinterlassen.

Zzziiiiiiing!

Wieder und wieder traf etwas auf Annas Arsch. Genauso erbarmungslos wie beim ersten Schlag. Anna wimmerte leise. Sie konnte sich zusammenreißen. Jetzt. Das war nicht immer so gewesen.

Nach dem zwölften Schlag machte Kaltwein eine Pause. »Und? Was ist es? Wenn du richtig rätst, bekommst du eine Belohnung. Wenn nicht … Nun, du wirst sehen, was dann passiert!«

»Ich … ich … also … ähm … Es ist … eine …«

»Du stammelst mir zu viel rum!«

Zzziiiiiiing!

Anna stöhnte auf. Zu laut, wie sich herausstellte.

»Du hast dich nicht an die Regeln gehalten. Kein einziger Mucks – das habe ich von dir verlangt! Dieses Mal zählst du mit!«

Erneut preschte das Schlaginstrument auf Annas gerötete Backen.

»Eins«, keuchte Anna, in dem Wissen, dass sie noch jede Menge Schläge vor sich hatte.

5. Der Termin: Ettger meets Kaltwein

»Du würdest mir einen riesigen Gefallen tun, Mäuschen!«

Florin lag noch immer im Bett, auf dem Boden neben ihm stand die Schüssel, die Ria sonst für ihre Fußbäder benutzte.

Ria hatte befürchtet, dass er den Alkohol vom Wochenende nicht gut vertragen würde. Aber das hier? Heute war bereits Montag und der Pokerabend hatte am Samstag stattgefunden. Den ganzen Sonntag über war Florin nicht zu gebrauchen und teils nicht ansprechbar gewesen. Er hatte im Bett gelegen, die meiste Zeit geschlafen und die Wohnung mit seinen Alkoholausdünstungen gefüllt.

»Echt jetzt?«

»Ja, bitte. Dauert auch nicht lange. Cyril weiß doch, dass ich kommen wollte.«

Ria stemmte die Hände in die Hüften. Nach ihrer Frühschicht hatte sie eigentlich mit einem ruhigen Nachmittag auf der Couch gerechnet. Jetzt sollte sie stattdessen für Florin zur Bank gehen! Zwischen all den Anzugträgern und Dutt-Frauen mit Bluse und Minirock fühlte Ria sich immer wie das letzte Hippie-Exemplar und zog es vor, Überweisungen zu tätigen, wenn die Mitarbeiter bereits nach Hause gegangen waren.

»Na gut.« Auch wenn ihr nicht wohl dabei war – Florin hatte ihr in der Vergangenheit schon mehrere Gefallen getan. Nun war sie an der Reihe.

»Danke, dass du das für mich machst. Das ist echt lieb!« Florin strahlte sie an und zog die Bettdecke enger um seinen Körper.

»Du hättest deinem Kumpel auch einfach absagen oder den Termin verschieben können. Ich weiß nicht, wieso du dir diesen Papierkram antun willst!« Und wieso ich meinen freien Nachmittag bei der Bank verbringen muss!, setzte Ria in Gedanken hinzu.

»Hey, reg dich nicht auf, Mäuschen. Es hat nur Vorteile für mich, wenn ich die Bank wechsle, glaub mir das!«

»Ich wüsste nicht, was das für Vorteile sind, aber okay.«

»Das kann ich dir gern noch mal sagen, Mäuschen.«

»Noch mal?«

»Ja, ich habe es dir doch gestern erzählt, oder?«

Ria verdrehte die Augen. »Falls du dein Gelalle um vier Uhr morgens meinst, das habe ich leider nicht verstanden. Danke übrigens noch mal dafür! Ich konnte danach nicht wieder einschlafen.«

»Tut mir leid!« Florin lächelte sein entschuldigendes Lächeln, das ihn so unschuldig wie ein Taubenbaby aussehen ließ.

»Trink einfach nie wieder so viel, in Ordnung?«

Florin nickte langsam.

»Gut, denn du kannst keinen Alkohol ab. Und das ist auch gut so, denn ich will keinen Alki als Freund haben.«

Rias Hände entspannten sich allmählich. Sie würde für Florin zur Bank fahren und gut. Wie lange konnte so ein Termin schon dauern? Sicher, Florin hätte den Termin verschieben können. Aber Ria kannte Florin schon zu lange, um sich Illusionen zu machen. Nein-Sagen oder Absagen lag Florin einfach nicht.

»Also, jedenfalls kann ich endlich bargeldlos bezahlen. Meine aktuelle Bankkarte ist nicht auf dem neuesten Stand, weißt du? Und ich habe dann endlich Onlinebanking. Und das Beste: Ich muss kein Geld mehr für Kontoauszüge bezahlen!«

Natürlich ging es wieder um das Finanzielle. Wo Florin sparen konnte, tat er es. Er war, wie Ria manchmal spöttelte, ein Sparfuchs der Extraklasse.

»Du weißt, wo die OhneSorgenBank ist, oder?«

Ria nickte. Die Stadt, in der sie lebten, war keine Großstadt. Hier wusste man, wo welches Geschäft und welche Firma ansässig war. »Altkeim? Oder wie heißt er noch mal?«

»Kaltwein!« Florin musste sich das Lachen verkneifen. »Komm ihm bloß nicht mit Kaltkeim oder Altheim oder so!«

»Kaltwein klingt aber auch nicht unbedingt so viel besser«, antwortete Ria.

»Nenn ihn einfach Cyril. Er ist ganz cool drauf. Nicht so ein Spießer-Bank-Fuzzi.«

Na, das klang doch ganz vielversprechend. Immerhin!

»Sag ihm einfach, dass ich dich schicke, dann werdet ihr bestimmt schnell warm miteinander.«

»Bis später!« Ria ließ die Wohnungstür ins Schloss fallen. Cyril Kaltwein. Wegen ihm musste Ria sich jetzt in ihren türkisfarbenen Renault Twingo setzen. Kaltwein hatte ihren Freund so lange belabert und ihm wahrscheinlich immer wieder das Glas gefüllt, bis Florin in seiner guten Stimmung allem zugestimmt hatte.

Kurzum: Obwohl sie Cyril Kaltwein noch nie in ihrem Leben gesehen hatte, spürte Ria bereits jetzt eine gewisse Antipathie gegen ihn. Auch wenn er, wie Florin sagte, ganz cool drauf war.

Wieso hatte Ria ihn dann nicht schon früher kennengelernt? Wieso hatte es während der letzten Jahre keine Pokerabende und auch sonst keine Treffen gegeben? Ria trat etwas zu doll aufs Gas und verließ die Mehrfamilienhaussiedlung in der Cramer Straße.

***

Auf die Tasche aus Recycling-Materialien in leuchtendem Aquamarin war Ria bisher immer stolz gewesen. Sie hatte sie auf einem Wohltätigkeitsbasar gekauft, der einmal im Jahr kurz vor Weihnachten im Rathaus stattfand. Im Moment kam Ria die Tasche allerdings irgendwie fehl am Platz, ja beinahe lächerlich vor. So, als wäre die Tasche ein kleines Kind mit dreckverschmiertem Mund inmitten einer feinen Teegesellschaft und Ria die peinlich berührte Mutter. Genau deshalb war Ria nicht gern an Orten, wo es Menschen mit teurer Kleidung und noch teureren Autos gab. Ihr Selbstbewusstsein knickte so schnell ein wie ein zu langer Fingernagel, auf dem herumgedrückt wird.

Ria pfriemelte an ihrer Handtasche herum, in der Hoffnung, die Wartezeit vor dem Bankschalter etwas zu verkürzen und nebenbei die Tasche unauffällig von der Wollmaus zu befreien, die daran hing. Vor Ria stand ein älterer Herr, der ein paar Fragen zum neuen IBAN-System stellte. Die üppige Rothaarige im Blazer erklärte dem Mann alles ganz detailliert und mit einem breiten Lächeln, das sie wahrscheinlich während ihrer Ausbildung gelernt hatte. Ria schätzte sie auf Ende zwanzig.

Als der Mann alle seine Fragen zufriedenstellend beantwortet bekommen hatte, war Ria an der Reihe.

»Guten Tag, was kann ich für Sie tun?« Den Schneidezähnen der Rothaarigen war ihre Falschheit anzusehen. Ihr Make-up saß perfekt und Ria nahm sich vor, in den nächsten Tagen noch einmal das Smokey-Eyes-Tutorial im Internet anzusehen. Oder so oft, wie es eben brauchte, bis Ria es hinbekäme.

»Guten Tag, ich möchte … ähm … zu Herrn Kaltwein. Kaltwein ist richtig, oder?«

Wieder ein breites Lächeln. »Ja, genau. Herr Kaltwein. Sie haben einen Termin, nehme ich an?«

Ria nickte. »Also eigentlich nicht.«

Die Rothaarige zog eine Augenbraue hoch.

»Es ist so, dass mein Verlobter den Termin gemacht hat, Herr Degemann. Er kann leider nicht persönlich erscheinen, weil er … verhindert ist.« Warum musste sich Ria beim Reden immer so anstellen?

»Herr Degemann …« Die Rothaarige klimperte in die Tasten des Computers und sah dann wieder zu Ria.

»Okay, einen Moment bitte. Sie können da vorn Platz nehmen. Herr Kaltwein wird gleich für Sie da sein.« Noch ein Lächeln und eine Handbewegung, die Ria zu einer Stuhlgruppe am Rand des riesigen Raumes wies.

Na großartig! Jetzt muss ich auch noch warten!, dachte sich Ria. Jede Minute in dieser Bank war eine Minute zu viel. Ria schwitzte. Sie hätte sich nach der Arbeit noch schnell zu Hause umziehen sollen. Dieser Mai war bereits wärmer als so mancher Hochsommertag. Doch nun saß sie hier mit ihren langen braunen Haaren, die ihren eigenen Willen hatten, und ihren Wimpern, die trotz Mascara-Bürste für definierte Wimpern immer etwas nach Fliegenbeinen aussahen.

Als Kaltwein auf Ria zukam, war ihr erster Gedanke: Den habe ich mir größer vorgestellt! Kaltwein war kaum größer als sie selbst. Doch ohne dass er ein Wort gesprochen hatte, spürte Ria, dass sein Selbstvertrauen seine geringe Körpergröße mehr als ausglich. Der maßgeschneiderte Anzug und die schwarz glänzenden Herrenschuhe sorgten dafür, dass Ria sich noch unsicherer fühlte. So groß ihre Abneigung gegen diese Kleider-machen-Leute-Regel war – Ria wollte nicht, dass jemand aufgrund ihres Erscheinungsbildes über sie dachte, sie sei unordentlich oder so was wie eine Öko-Tante.

»Eigentlich habe ich jetzt einen Termin mit einem Herrn Degemann, aber hübschen Damenbesuch ziehe ich immer vor!« Kaltwein reichte Ria die Hand. Ria nahm sie entgegen, während sie vom Stuhl aufstand und geradewegs in eine Wolke von Kaltweins Parfum lief. Er roch stark nach einem Herrenduft, den Ria nicht kannte. Aber ihrer Nase fiel er nicht unangenehm auf. Im Gegenteil. Der Duft erweckte in ihr die Illusion, an einem viel zu heißen Sommertag ins kühle Wasser zu springen. Florin benutzte Parfum nur zu besonderen Anlässen.

»Herr Degemann, ähm Florin, ist mein Verlobter. Er hat mich hergeschickt, weil er … also … Es geht ihm nicht besonders gut.« Dass Florin daheim im Bett lag wie eine hypochondrische Kröte, verschwieg Ria lieber.

»Verstehe.« Kaltwein grinste. »Er muss sich noch von dem Abend erholen. Trinkt nicht oft, was?« In Kaltweins amüsiert blickenden Augen kollidierten Grün und Braun. Doch der braune Farbton dominierte.

Ria schüttelte den Kopf.

»Er hat erzählt, dass er eine Verlobte hat. Aber dass sie so hübsch ist, hat er verschwiegen. Er hatte wohl Angst, dass wir ihm nicht glauben.«

Ria spürte, wie ihre Wangen sich erdbeerrot färbten.

»Wir gehen da vorn den Gang entlang und dann in das zweite Zimmer links.«

Kaltweins Büro war spartanisch, aber stilvoll eingerichtet. Es gab einen breiten Aktenschrank und einen Schreibtisch mit Computer, vor dem zwei Stühle mit Armlehnen standen. Hinter dem Schreibtisch thronte ein schwarzer Chefsessel. Vor dem Fenster hingen weiße, lichtdurchlässige Vorhänge. Es roch nach neuverlegtem Teppich und dem Papier, das die Ordner in dem riesigen Aktenschrank füllte.

»Setz dich. Ich darf doch Du sagen?«

Ria nahm in dem linken Stuhl Platz. »Natürlich. Ich bin Henrietta. Aber alle nennen mich bloß Ria. Hat sich mal irgendwann in der Grundschule durchgesetzt.«

»Cyril.« Ein Grinsen durchzuckte Kaltweins dunkle Augen. Kein freundliches Lachen, sondern eine Demonstration seiner Souveränität.

War es so heiß in dem Raum? Ria konnte sich nicht erklären, wieso sie das Gefühl hatte, plötzlich noch mehr zu schwitzen als zuvor auf ihrem Platz im Eingangsbereich der Bank.

»Willst du was trinken?«

Ria schüttelte den Kopf. »Nein, danke.«

»Na gut. Falls du deine Meinung änderst, hab keine Scheu, es mir zu sagen. Die Formulare habe ich schon mal fertig gemacht. Ist der übliche Papierkram.« Kaltwein nahm ein paar zusammengeheftete Papiere vom Schreibtisch und überreichte sie Ria. »Unterschreiben muss Florin sie aber selbst, das kann keine Frau machen, egal, wie hübsch sie ist.«

Rias Wangen nahmen den Farbton von Granatäpfeln an. Auch wenn Kaltwein ihr bloß ein höfliches Kompliment gemacht hatte, wirkte es auf Ria irgendwie anrüchig. Es war der Klang seiner Stimme, der verriet, dass der Subtext einen anderen Inhalt besaß als die Worte, die Kaltweins Kehle verlassen hatten.

»Überall, wo er unterschreiben soll, habe ich Kreuze gemacht. Hier auf dem Blatt müssen noch ein paar Angaben gemacht werden. Das sollte Florin erst ausfüllen, wenn er wieder nüchtern ist!« Kaltwein grinste.

»Ich werde ihm die Zettel geben«, versprach Ria. »Muss ich sonst noch etwas wissen?« Ungewollt war ihre Stimme zum Ende des Satzes hin weggeknickt.

»Von meiner Seite aus nicht.«

»Das ging ja schnell.«

»Bei unserer Bank muss man sich halt keine Sorgen machen! Wir regeln alles. Und noch viel mehr!«

Rias Lippen verformten sich zu einem Lächeln. »Werbeslogan?«

»Ich wünschte, es wäre so!« Kaltweins Schmunzeln verriet Ria, dass er bloß scherzte.

»Gut, dann war’s das?« Etwas in Ria sträubte sich dagegen, sich aus dem Stuhl zu erheben.

»Auch wenn ich dich gern hierbehalten würde – von meiner Seite aus ist alles klar. Ich brauche die Formulare in den nächsten Tagen wieder, damit ich das neue Konto einrichten und Florins altes Konto auflösen kann.«

Ria konnte ihren Blick nur schwer von Kaltweins Gesicht lösen. Er war kein Adonis, aber er strahlte eine Dominanz aus, wie Ria sie bisher in der Realität nicht gesehen hatte. Die einzigen Männer, die so präpotent waren, lebten zwischen den Buchdeckeln der SM-Romane, die Ria bisher gelesen hatte.

»Hier, nimm meine Karte. Vielleicht wirst du sie irgendwann brauchen.«

Ria schluckte, während sie Kaltweins Blick erwiderte. Mit leicht zittriger Hand griff sie nach der Karte, die er ihr hinhielt. Vielleicht wirst du sie irgendwann brauchen. Seine Worte klangen, als läge keine Vermutung darin, sondern eine Gewissheit. Kann ja sein, dass er denkt, ich will nun auch die Bank wechseln, versuchte Ria sich einzureden. Doch da war mehr in Kaltweins Blick. Etwas Dunkles und gleichzeitig Amüsiertes.

6. Nur kurz was abgeben

»Was machst du denn schon hier?« Ria schob den SM-Roman, an dem sie gerade las, unauffällig in die Sofasitze und schaute Florin mit fragendem Blick an. Die Uhr im Wohnzimmer zeigte 14:53 Uhr an. Normalerweise war im Imbiss Zum Wurstmeister an einem Donnerstag um diese Zeit Hochbetrieb. Florin ließ sich aufs Sofa sinken, als sei er gar nicht richtig anwesend. Nicht mal die aktuelle Ausgabe der Kochzeitschrift Aubercchini, die Ria zusammen mit zwei Briefen von Florins neuer Bank (wahrscheinlich die Bankkarte und die PIN) aus dem Postkasten gefischt hatte, bemerkte er. Unbeachtet lag die Zeitschrift auf dem Fliesentisch mit Windmühlenmuster, der seine besten Tage hinter sich hatte. Aber etwas Neues zu kaufen, kam für Florin nicht infrage. Er hing an dem Tisch.

»Hallo? Redest du bitte mit mir?« Ria stand auf und setzte sich zu ihrem Verlobten.

»Sie ist nicht mehr da«, nuschelte Florin, den Blick auf den Teppich gerichtet, den niemand von den Krümeln der letzten Woche befreit hatte.

»Wer ist nicht mehr da? Nele meinte doch, sie würde gern in den Sommerferien bei euch aushelfen.«

Florin hatte die Schülerpraktikantin nicht besonders oft erwähnt. Wieso sollte er so niedergeschlagen sein, nur weil sie ihr dreiwöchiges Praktikum beendet hatte?

Florin schüttelte den Kopf. »Nele ist schon lange nicht mehr da.«

»Von wem redest du dann bitte?«

»Tante Griemhild. Sie ist …« Florin holte tief Luft. »Tot. Das Herz. Einfach so. Papa hat gesagt, dass es noch nie in der Familie vorgekommen ist, dass jemand einfach so gestorben ist, ohne dass es Vorboten gab. Also soweit er sich zurückerinnern kann.«

Ria streichelte Florin über den Rücken. Tante Griemhild war, obwohl sie weit weg in Bremen gelebt hatte, Florins engste Bezugsperson aus der Familie gewesen. Wenn er es finanziell hatte einrichten können, war er mit der Bahn zu ihr gefahren und hatte sich mit ihr über die Delikatessen der polnischen Küche ausgetauscht und alte Schwarz-Weiß-Fotos aus Griemhilds Jugend angesehen. Von ihr stammte auch ein Großteil der zusammengewürfelten Möbel in Rias und Florins Wohnung. Nachdem ihr Mann vor einigen Jahren verstorben war, hatte Griemhild vor dem Umzug in eine kleinere Wohnung dem Sohn ihres Bruders viele ihrer alten Möbel vermacht.

»Ich kann es nicht glauben … Sie war noch gar nicht so alt!«

Ria dachte nach. Als sie Griemhild damals kennengelernt hatte, war sie bereits Ende siebzig gewesen. Und das war mindestens sechs Jahre her. »Na ja, sie hatte ein gutes Alter. Manche Menschen werden nicht so alt.«

Florin schaute Ria an, als hätte sie ihn soeben aufs Übelste beleidigt. »Ein gutes Alter? Griemi war topfit! Sie hat gekocht wie eine Sterneköchin!«

Rias Hand fuhr wieder und wieder über Florins Rücken. »Tut mir leid … Ich weiß, was sie dir bedeutet hat.«