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Ein Abenteuer jenseits von Raum und Zeit... Der 17-jährige Steve Anderson wird zufällig Zeuge eines mysteriösen Rituals, das ihn und seine beste Freundin unvermittelt in eine fremde Dimension katapultiert. Thuslan eine magische Parallelwelt, die von faszinierenden Wesen und uralten Legenden erfüllt ist, erwartet sie. Auf ihrer gefährlichen Reise durch dieses unbekannte Reich begegnen sie sowohl mächtigen Verbündeten als auch unbarmherzigen Gegnern. Doch einer sticht besonders hervor: der finstere Dämon Marrik, der alles daran setzt, ihre Mission zu durchkreuzen. Gemeinsam begeben sich Steve und seine Freunde auf die Suche nach dem sagenumwobenen Zepter der Zeit. Ein Artefakt von unschätzbarer Macht, das ihnen nicht nur die Flucht ermöglichen könnte, sondern auch die Kontrolle über Raum und Zeit selbst. Inmitten von Magie, Zauberkraft und dunklen Intrigen entdecken sie eine Wahrheit, die ihre kühnsten Vorstellungen übersteigt. Eine Wahrheit, die alles verändert.
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Seitenzahl: 558
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Für meine Familie, die in schweren Zeiten ihr Vertrauen in mich nicht verloren hat.
Für Zaruna und Starkall, zwei magische Geister, deren Freundschaft ich genießen darf.
Teil I Der Darmet
Einleitung
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
Epilog
Teil II Turks Ruf
Vorwort
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
Epilog
Teil III Stehende Festung
Vorwort
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18.Kapitel
Epilog
Es gibt mehr Dinge zwischen
Himmel und Erde,
als die Schulweisheit euch
beibringen kann.
Hamlet Shakespeare
Mein Name ist Steve Anderson, und was ich euch erzählen möchte, begann in einer kleinen Stadt mit einem großen Geheimnis. Salem, eine Küstensiedlung im US-Bundesstaat Massachusetts, ist berüchtigt als Schauplatz der berühmten Hexenprozesse – ein Ort, an dem Geschichte und Mythos ineinanderfließen. Dort nahm mein Leben eine Wendung, die ich nie für möglich gehalten hätte. In dieser kleinen Stadt fing alles an, als ich ihn traf.
Ich war siebzehn Jahre alt, als alles begann. Salem war für mich bis dahin nur meine Heimat – eine ruhige, fast unscheinbare Stadt mit alten Häusern und noch älteren Geschichten. Doch an einem scheinbar normalen Tag kreuzten sich meine Wege mit einer Begegnung, die mein Leben für immer veränderte.
Dies ist keine einfache Geschichte. Sie ist verwoben mit Dimensionen, die unser Verstehen herausfordern, und mit Ereignissen, die manche als Fantasie abtun würden. Doch ich war dabei. Ich habe es erlebt. Und am Ende liegt es an euch, zu entscheiden, ob ihr den Weg mit mir geht und die Wahrheit hinter diesen Worten entdeckt.
Du, der du das Buch liest, kannst dir dein eigenes Urteil bilden. In anderen Dimensionen und Parallelwelten ist das hier Niedergeschriebene bekannt geworden unter dem Namen „Die Sage von Thuslan“, die in weiten Teilen des Landes als Chronik in den großen Gelehrtenbüchern festgehalten wurde.
Ich selbst werde darin auch erwähnt, unter dem Namen „Steve der Thale“.
Ich beginne mit der Erzählung von ihm, von unserem ersten Treffen, damit du einen Einblick erhältst, wie es zu diesem Abenteuer kam, das mein ganzes Leben veränderte. Die anfängliche Erzählung habe ich selbst nicht miterlebt. Im Laufe der Zeit habe ich es ihm aus der Nase ziehen müssen, denn er sprach nicht gern über seine Jugend und Lehrzeit, die wie er sagte, nie aufhört.
Das, was nun folgt, trug sich weder in unserer Welt noch in unserer Zeit zu, sondern in einem Landesteil von Thuslan.
Der Werdegang von Turk, dem Magier, der auch unter einem der vielen Namen wie der Unbesiegbare oder der Unbegreifliche später bekannt wurde, sei nicht einfach erzählt. Eigentlich hieß er nur Turk, es gibt selten Nachnamen in Thuslan, zur Unterscheidung werden die Titel benutzt. Diese werden durch Eigenschaften oder Errungenschaften verliehen. Dabei gibt es auch ganz spezielle darunter. Er wurde so als Turk genannt, weil er als Baby im Wald von Lanzei gefunden wurde. Es ist ein von Rothlenzen beheimatetes Gebiet in Thuslan. Diese Rothlenzen sind kleine Tiere des Waldes und rufen immer TURK, TURK, und sind mit unseren Hühnern zu vergleichen. Haben dazu jedoch einen Kopf, der tatsächlich so groß wie ihr Körper ist. Rothlenzen schmecken zäher als Hühner, wie ich später herausfinden sollte. Anstatt Federn haben sie kurzes Fell in der Farbgebung Rot-Braun.
Seit ein alter Mann ihn umwickelt fand, in einem einfachen Leinentuch hatte Turk ein sonderbares Zeichen auf der linken Brust, dass im Laufe der Jahre nie verblaste und mitwuchs .
Es war ein Kreis mit sieben Punkten außerhalb und einem großen rot farbigen Punkt in der Mitte, von dem sieben Strahlen ausgingen. Der alte Mann, der den Namen Issan trug, nahm sich dem im Wald gefundenen Kind an und gab ihm einfach den Namen – Turk.
Von da an lebten die Zwei in einer bescheidenen Holzhütte mit einem noch kleineren Stall, wo eine Art Ziege – wie gesagt, Art Ziege – lebte. Das Tier war ruhig und friedlich, hatte borstige Haare und braun-weiß geflecktes Fell. Jeden Tag wurde sie gemolken. Ihre Milch war gelblicher und fester als von unseren Kühen oder Ziegen, aber nahrhaft, wie mir Turk später versicherte. Vor der Hütte lag ein kleines Feld mit allerlei Gemüse und Obstsorten, die hier nicht an Bäumen hingen, sondern am Boden wuchsen. Am besten schmeckten mir die Gulsen, die gelegentlich auch wild wachsen. Sie sehen wie unsere grünen Gurken aus, schmecken aber saftig süß. Es gab auch stachelige Früchte im hellem Rosa und in der Erntezeit war ihr angenehmer, aber schwerer Duft weit verbreitet. Das viele verschiedene Tiere zum Mahl einlud und oft wurde dadurch das Feld beschädigt. Diese Früchte waren gut als aufschnitt auf Brot geeignet. Das kleine Feld ernährte die Beiden gut und hielt sie ebenso gesund.
Issan brachte dem kleinen Turk, sobald er laufen konnte, die Kunst der Magie bei. Schließlich sollte er etwas Nützliches lernen. Magie zu erlernen war nicht unüblich in Thuslan. Schon nach wenigen Jahren merkte Issan, dass der Junge nicht nur begabt war, sondern ein großes Talent entwickelte. Was er ihm auch beibrachte, der aufgeweckte Junge hatte Freude an den Dingen, und lernte mit Begeisterung sein Handwerk von dem Alten Issan.
Bevor Turk sein zehntes Lebensjahr erreichte, konnte er bereits schweben und sich kurzzeitig unsichtbar machen, was dem alten Issan schwer zu Kopf stieg, denn der kleine Turk machte allerlei Späße mit dem alten Mann.
Doch mit der Zeit wurde der Junge vernünftiger und ruhiger, was Issan froh darüber, gerne annahm. Turk verdankte Issan sehr viel. Nicht nur die Kunst der Magie, sondern auch die Sprachen brachte er dem Jungen bei, zum Beispiel wie die thuslanische, die tahleische und mehrere Umgangsformen, einige davon die wie Laute klingen. Denn in manchen Dimensionen gibt es keine Sprache, aus dem einfachen Grund, weil nicht jede Dimension oder Welt, die gleiche Kultur und den gleichen Entwicklungsstand besitzt. Das kann bedeuten, dass bei uns Flugzeuge am Himmel fliegen, während zur selben Zeit in Thuslan noch mit Pfeil und Bogen geschossen wird.
Es kam die Stunde, als Turk 18 Jahre alt wurde und damit seine Reife in Thuslan erreicht hatte. So musste er nun seine Lehrprüfung in Magie bestehen. Aus welchen Aufgaben die Prüfung bestand, hat er mir nie erzählt, weil es ein Ehrencodex ist, der nicht gebrochen werden darf. Turk bestand die schwere Prüfung ohne sonderliche Probleme, denn der Alte Issan hatte ihn gut darauf vorbereitet. Jetzt konnte er selbst Rituale und Beschwörungen entwickeln, die nach einigen Fehlschlägen dann auch zum gewünschten Ziel führten. Im Großen und Ganzen war Issan sehr zufrieden mit Turk und dieser wurde damals schon ein recht passabler Magier.
Mittlerweile gingen die Jahre ins Land, und Turk wurde ein stattlicher junger Mann mit breiten Schultern und kräftiger Muskulatur – die wahrscheinlich von der harten Feldarbeit kam. Issan wurde aber immer schwächer mit der Zeit, die verfloss, und so musste bald Turk den größten Teil der Feldarbeit alleine verrichten. Turk hatte sich einen Pferdezopf gebunden aus seinen langen Haaren. Jedoch keinen Bart, was in Thuslan ungewöhnlich war, denn Bärte verkörperten Männlichkeit, so ähnlich wie bei uns. Für jüngere Zauberer galten aber Ausnahmen, und ein solcher war er ja.
Als Turk wie üblich in alten Büchern las, entdeckte er die Formel einer Mixtur, die Denjenigen, der sie einnimmt, ab diesem Zeitpunkt nicht mehr altern lässt. Issan verbot Turk, die Mixtur zu benutzen, denn es gab und gibt bis heute keine Gegenmittel, was bedeutet, dass die Mixtur einmal genommen unwiderrufliche Folgen mit sich bringt. Doch Turk hörte nicht auf Issan. Er wollte jung bleiben, kräftig und gesund. Als Issan mal wieder in die Stadt Monko ging, die zwei, bis drei Fußstunden entfernt lag, braute sich Turk schnell den Zaubertrank zusammen.
Er hobelte lange schwarze Wurzeln der Würgschlinge, schnitt verschiedene Blätter und Kräuter klein, nahm gelbe Augen des Meerfrosches und Gift der grünen Waldspinne, vermengte es mit dem Speichel einer Sechsfinger Harpyie und rührte um.
So, jetzt noch den Schrei eines Klabautermannes dazugegeben, den hatte sich Turk extra von einem Seemann aus Monko besorgt, den er in einer Hafenkneipe kennengelernt hatte, und schon war die Mixtur damit fast fertig – kochen und rechts rühren, bis die zähe Flüssigkeit aus den verschiedenen Bestandteilen hervor quillte.
Die grüne Flüssigkeit brodelte und zischte geheimnisvoll im Glas Kelch. Turk zögerte ein wenig. Sollte er, oder hatte der Alte doch Recht mit seinen Bedenken? Ewig jung – was sollte daran falsch sein? Wie wunderbar, das durfte er sich nicht entgehen lassen. Andererseits hatte ihn Issan noch nie schlecht beraten, er war für ihn wie ein Vater, sollte er auf ihn hören? Doch auf einmal nahm Turk all seinen Mut zusammen, kippte das schauerliche schleimige „Getränk“ den Gaumen hinunter – und Zack! Sackte er langsam und zuckend in sich zusammen.
Dort blieb er liegen, das leere Glas noch in der Hand und wurde erst wach, als Issan ihn unfreundlich am Oberarm kräftig und fest schüttelte. „Du Narr!“, fuhr er Turk an, der langsam erwachte. „Was hast du getan? Du wirst nicht mehr altern. Es ist wie ein Fluch! Das heißt aber nicht, dass du unverwundbar bist!“ „Was ist daran falsch nicht mehr zu altern? In anderen Welten werden die Leute tausend und mehr Jahre alt!“, protestierte Turk. „Du hast Recht, Turk, aber diese Leute erreichen ihr Alter von Natur aus. Verstoße nicht gegen deine Natur! Wir in Thuslan werden nicht ohne Grund nur hundertfünfzig Jahre alt, die Tahler sterben sogar noch früher. Ich verstehe deinen Wunsch nicht zu altern, aber wehe dir, wenn du es ändern willst und es dann nicht abwenden kannst. Jedes Alter hat seine Qualitäten und birgt seine eigenen Erfahrungen, die du nun nicht mehr machen wirst, auch wenn du es später willst oder bereust. “ So sprach der Alte wild und äußerst erregt. „Ich habe jetzt viel Zeit es auszuprobieren“, sagte Turk frech, was er besser nicht getan hätte. Ein bösartiger Blick folgte darauf von Issan. Ein wirklich böser Blick! „Durch die Mixtur wird sich dein Körper nach deinen Tod, wie auch immer er kommt spurlos auflösen, sie werden dich niemals beerdigen können“, sprach Issan und das waren seine letzten Worte, denn in diesem Augenblick verstummte der Alte, zornig funkelten seine Augen nochmal auf. Turk erzählte mir, dass man besser den Mund hält, wenn Issan wütend war. Und daher sagte Turk an diesem Abend nichts mehr - kein Wort. Als einige Monde weiter im Land vergangen waren, fragte sich Turk, wie schon so viele Male, was sein Zeichen am Körper zu bedeuten habe und wer seine Eltern waren. Es war eine quälende Frage, die immer wieder in ihm hochkam.
Er wollte nur wissen, woher er kam, wer waren seine Eltern und warum hatten sie ihn im Wald als Kind ausgesetzt?
Es war Winter geworden, ein strenger Winter mit viel Eis und Schnee und der alte Mann wurde sehr krank. Er bat Turk zu sich ans Bett, wo er unter schweren Fellen lag, und erklärte ihm, dass sein Ende nahe sei. „Mein alter Körper kann meine Seele nicht mehr halten. Mein Geist geht nun auf Reisen. Geh nun, mein Junge, ziehe aus, um zu erfahren, wer du bist“, sagte er mit ruhiger zitternder Stimme. „Es ist an der Zeit, Turk, dir fehlt die Lebenserfahrung eines wahren Magiers, denn Magie allein macht noch keinen Magier aus. Viel Weisheit gehört dazu und die erlangt man nur durch Erfahrungen, die man in seinem Leben sammelt. Lerne aus deinen Fehlern. “
Turk erinnerte sich ungern an die letzten Worte des Alten. Ihm ging es sehr zu Herzen, und als Issan einige Tage danach starb, starb auch ein Teil von ihm. Für Turk war Issan Vater, Mutter und Lehrer in einem gewesen und er war immer ein guter Freund.
Turk baute für Issan ein großes Monumental aus Steinen, unter dem er ihn in einer geheimen und magischen versiegelten Kammer verbarg. Nach einigen weiteren Tagen zog er aus der Hütte aus, um in die Stadt Monko zu gehen. Die Zeit Erfahrungen zu sammeln und sein eigenes Leben zu führen, war gekommen. Nachdem er seine wenigen Habseligkeiten verstaut und den Beutel mit Proviant gefüllt hatte, machte er sich auf den Weg, in Gedanken an Issan und die Zeiten, die sie zusammen verbrachten, es war kein einfacher Weg.
Bald sah er die vielen Dächer in der Ferne. Monko ist eine Hafenstadt, in der es mitunter lustig zu geht und viele Seeleute lebten dort. Sie ist mit einer kleinen Walfänger Stadt aus dem sechzehnten Jahrhundert zu vergleichen. Hier am Hafen gab es viele Tavernen, mit Tanz und Musik, hier wurden Geschichten erzählt aus vergangenen und gegenwärtigen Tagen und aus fremden Ländern. Einige sehr merkwürdige Geschäfte, mit ebenso merkwürdigen Besitzern. Die nur noch von den kuriosen Waren aller Art übertrumpft wurden. Turk ging hinunter zum Hafen und heuerte als einfacher Matrose an, ohne preiszugeben, dass er ein Magier war. Issan hatte ihn zuvor gewarnt, man fürchtete sich vor der Magier Gilde, in einigen Teilen von Thuslan, die im Geheimen agieren musste. Es war zwar nicht so schlimm wie in Tahle, wo sie Hexer und Hexen, wie sie sie nannten, verfolgten, um sie auf Scheiterhaufen zu verbrennen, aber einige Seeleute waren sehr abergläubisch, weshalb es Turk vorzog zu schweigen.
Zum ersten Mal war Turk auf sich allein gestellt, seine Reise hatte begonnen. Er sah viele Städte und viele Länder bei seinen Fahrten. Er packte hart an und war oft wochenlang auf See. Dabei betrachtete er oft die Sterne und ihre Konstellationen bei Nacht. Schrieb sich alles auf, in seinem geheimen Buch. Wohin er auch kam, er fragte die Leute, die er traf über sein Zeichen, das er mittlerweile auf Pergament gemalt hatte, aber er hatte keinen Erfolg, niemand konnte ihm auch nur den kleinsten Hinweis geben.
Es vergingen Jahre, viele Jahre, die Turk als Seemann zubrachte, und überall wo sie ankerten, fragte er nach, um verlorenes Wissen um das Symbol zu finden. Irgendwann in einer alten Hafenkneipe, weit weg von seiner Heimat traf er einen seltsamen Mann, mit dem er einen Zischel Becher trank, der ihm sagte, er habe das Zeichen in einem alten Buch gesehen, das hier in der Bibliothek steht. Er hatte dort einmal mitgeholfen, als vor einigen Jahren Vandalen mehrere Bücherregale umgeworfen hatten. Dabei blätterte er ein Buch auf, in dem er das Zeichen sah. Turk erkundigte sich nach dem Weg und betrat einige Minuten später den großen Empfangssaal der Bücherei mit den zahlreichen Gängen, die sehr hohe Bücherregale bildeten. Hier waren alte und neue Bücher aufgestapelt, vergilbte Pergamente in allen Variationen. Lange Leitern ermöglichten den Zugriff auf die obere Regal reihen, in denen noch mehr Bücher standen. Er ging auf einen gewaltigen Schreibtisch aus Holz zu, an dem eine hübsche Bibliothekarin saß und Turk legte das Papier bestimmend auf den Tisch. Die junge Frau erschrak nicht, sondern schaute es sich an und ohne etwas zu sagen, ging sie fort und verschwand in einem Gang. Turk wusste nicht, was das zu bedeuteten hatte.
Einige Zeit später, als Turk sich gerade entschlossen hatte wieder zu gehen, kam sie mit einem alten dicken Buch wieder, legte es vorsichtig auf den Tisch und schlug langsam nach. „Wir glauben es ist ein altes Druidenbuch, aber genau wissen wir es nicht. Die Schrift ist thaleisch“, sagte sie. Ein Buch aus Thale, dachte sich Turk, wie es wohl in die Bücherei gekommen war? „Hier!“, riss ihn die Frau aus seinen Gedanken. „Das ist es. “ Sie drehte das Buch zu Turk herum, so dass er einsehen konnte und sagte dabei: „Die Schrift kann ich leider nicht lesen. “ Ich schon, dachte Turk. Er sagte mir, so aufgeregt wie damals sei er selten gewesen. Jetzt bestand für ihn eine kleine Hoffnung zu erfahren, wer er ist oder zumindest etwas über sein Zeichen zu erfahren. Es fiel ihm schwer das Handgeschriebene zu übersetzen und er konnte nicht jedes Wort herausfinden, aber es war ihm möglich, den Sinn der Zeichen zu erfassen. Er fand heraus, dass die Zeichnung unter dem Text einen Druidenplatz in Tahle darstellt, auf einem Berg, den sie den „Hexenberg“ nennen. Er ist nah bei einem Ort namens Salem gelegen. Die Punkte waren wohl kurze Säulen, oder ähnliches und in der Mitte war ein runder Tisch gezeichnet. Warum er strahlte, konnte Turk nicht sagen, nur dass die Punkte mit seinem Zeichen genau übereinstimmten, sogar die Farben. Weiter unten im Text stand im Buch, dass sich die Druiden in einer bestimmten Nacht dort trafen, in der Walpurgisnacht. Einige Seiten weiter erblickte er die Zauber Formeln für ein magisches Ritual, die er sich genau abschrieb. Dann klappte er das schwere Buch zu und bedankte sich herzlich bei der hübschen Frau, die ihm nach lächelte.
Turk wusste nun, dass er nach Tahle musste, um mehr zu erfahren. Er ging hinunter zum Ankerplatz, verabschiedete sich von seinem Kapitän und ließ sich die Heuer auszahlen. Nachdem er sich in dem kleinen Ort ein paar Sachen besorgt hatte, die er brauchte, ging er in einen dichten Wald, der ganz in der Nähe lag, und suchte sich eine kleine Lichtung. Mit einem Zauber Pulver zeichnete er ein Pentagramm auf den Boden, setzte sich in das Zentrum, erhob die Arme seitlich nach oben und eine bläuliche, durchsichtige Kugel wuchs zwischen seinen Händen. Sie wurde nach und nach immer größer und intensiver. Bald nahm sie Turks ganzen Körper ein und wuchs weiter. Als die künstliche leuchtende Kugel den Rand des Pentagramms berührte verschwand sie und Turk mit ihr.
Es war Freitagmorgen an einem heißen Apriltag, viel zu warm für diese Jahreszeit. Vor ein paar Jahren hatte es zu dieser Zeit sogar mal geschneit. Nicht heute, heute war die Hitze beinahe unerträglich, und es war noch früh am Morgen. Gerade hatte ich meine Arbeit als Paper Boy erledigt und bog mit meinem Fahrrad in die Helmer Straße ein, wo der kleine Zeitungsverlag war, der mich beschäftigte. Der Chef des Verlages war ein netter Mann ende Vierzig. Sein langer schwarzer Schnauzer, wie ihn die Mexikaner trugen, ließ ihn ein bisschen gefährlich aussehen, aber das täuschte.
Als ich mein altes rotes Fahrrad in den Ständer stellte und die Schwingtür anschließend aufstieß, kam mir der Drucker entgegen, der zum Frühstück in „Ellis gute Stube“, so hieß das kleine Lokal auf der anderen Seite, ging. „Morgen Steve!“, sprach er im Vorbeigehen. Ich erwiderte: “Morgen John!“ Ich schritt schnellen Fußes am Empfang vorbei, wo selten jemand saß, und durchquerte den Redaktionsflur mit seinen etlichen Schreibtischen. Nicht alle waren besetzt. Aber selbst jetzt oder vielleicht gerade jetzt herrschte reges Treiben. Die alten Schreibmaschinen tackerten und ein lautes, schrilles Telefon war zu hören, dass jeder zu ignorieren schien. Die Jalousien im Büro des Chefs waren heruntergelassen, was allerlei bedeuten konnte, vom ruhig Sitzen und Zigarre Rauchen bis zum Wutausbruch, wenn mal wieder eine falsche Meldung in der Zeitung gedruckt wurde.
Ich klopfte an. „Herein!“, hieß es mit deutlicher Stimme. Als ich das Büro betrat, war Mister Lexton gerade dabei sich wieder eine Zigarre anzustecken. „Morgen Chef! Ich bin fertig mit dem Zeitungsverteilen. “ Er paffte ein paar schnelle Züge, bevor er zu reden anfing. „Was, schon? Es ist ja erst neun Uhr. Wirst du immer schneller, oder hast du gar ein paar Häuser ausgelassen?“, fragte er forschend. Er wusste, dass ich das nie tat, und ich wusste, dass es nicht ernst gemeint war. „Gut, gut, hier dein Scheck für diese Woche, du hast ihn dir verdient. “ „Danke“, sagte ich, und wünschte ihm noch einen schönen Tag. Ich setzte mich wieder auf mein altes Fahrrad und fuhr zum Gemischtwarenhändler, der für mich auf meinen Wunsch hin ein neues Fahrrad aus einer anderen Stadt bestellt hatte.
Heute ist der Tag der Tage, an dem ich mit dem Scheck das ganze Fahrrad bezahlen und mitnehmen konnte. Es war ein Mountainbike mit allem, was mein Herz höherschlagen ließ: 21-Gang, breite Alufelgen, Bremsen, die selbst beim Regen nicht ihre Stärke verlieren und einem robusten Rahmen. Als es ankam, durfte ich es einmal Probe fahren. Dass ich nur einen Tag mit dem Fahrrad fuhr, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der Händler des Kleinladens, sortierte gerade frisch eingetroffene Obstwaren, sah mich anfahren und sagte, als er die kleine Treppe des kleinen Vorbaus hinunterstieg: „Heute ist dein großer Tag, was Steve?“ „Ja, und ob, Mr. Milles“, antwortete ich freundlich. Ich übergab ihm den Scheck und folgte ihm um das Geschäft, zur seiner alten, aber gepflegten Garage. Er schloss das Garagentor auf und da sah ich es. Es stand an der Innen Seite gegen die Wand gelehnt. „Ich habe es heute Morgen beim Öffnen des Ladens schon von der Plane befreit. Wie ich dich kenne, willst du bestimmt nicht mehr warten“, sagte Mr. Milles. Er holte das Rad hervor und schob es in meine Richtung. Wie Recht er hatte, ich konnte nicht mehr warten nicht einen Moment. Ich bedankte mich schnell und kurz, schwang mich auf das neue Fahrrad und trat in die Pedale.
Ich blickte mich um, und rief während des Fahrens: „Das alte Fahrrad hole ich später ab, ja, Mr. Milles?“ Ohne auf Antwort zu warten, fuhr ich fort. Ich denke ich habe deshalb so ein gutes Verhältnis zu den Leuten hier im Ort, weil sie mich alle vom Austragen her kennen.
Stolz fuhr ich durch die Straßen unseres Seelenortes und machte beim Bäcker noch kurz halt. Dort kaufte ich mir ein paar Teilchen und eine Flasche Kakao, nicht ohne durch das Schaufenster von innen, nach draußen zu blicken, um mein neues Fahrrad zu bewundern. Die Chromgabel glänzte gleißend in der Sonne, das mir Freunde ins Gesicht brachte. Nach dem Bezahlen fuhr ich schnell und völlig glücklich weiter, bis ich an den Rand des Waldes mit dem verschlungenen Bachlauf kam, wo ich mich immer mit meinen Freunden traf. Doch jetzt waren sie nicht hier. Ich hätte ihnen gern mein neues Fahrrad voller Stolz vorgeführt. Ich hatte einfach ein tolles Gefühl in mir. So setzte ich mich am Bachufer hin, zog die Schuhe aus und ließ die Füße im klaren, kühlen Wasser baumeln. Das tat richtig gut. Ich dachte so vor mich hin und mir kam die Idee mein neues Mountainbike zu testen, daher aß ich schnell mein Frühstück auf. Dann schwang ich mich wieder auf den Sattel und fuhr tiefer in den Wald. Als Teststrecke hatte ich den Hügel, der mitten in Wald steht ins Auge gefasst. Die Leute nennen ihn den Hexenberg. Manchmal erinnerte ich mich, wie mir meine Großmutter früher schaurige Geschichten über diesen Berg erzählte und ich hatte jedes Mal eine Gänsehaut. Aber jetzt war es Vormittag und ich saß auf meinem neuen Fahrrad, für das ich ein halbes Jahr gespart hatte. So verlor ich keinen weiteren Gedanken mehr daran. Der Hügel zeichnete sich als die ideale Teststrecke aus. Er war ungefähr zehn Meter hoch und wies einen Durchmesser von fünfzig Metern auf. Die Decke war fast vollständig von Wildgras bedeckt und ein Haufen Sträucher wuchs darauf, aber keine Bäume. So konnte ich gut drüber wegfahren. Die Seitenhänge, zur einen Seite hin flach abfallend, zur anderen Seite steiler und erdiger, waren für meinen Parkour bestens geeignet, schlottriger Kies bedeckte den Wall an vielen Stellen.
Von dort aus wollte ich heranfahren, dann um den Hügel herum und wieder die flache Steigung heraus, die trotz alledem eine gute Anstrengung abverlangt. Ich überquerte die Grasfläche und fuhr mit angezogener hinter Bremse, die ich nur kurz aufzog, den Hang hinunter. Beim zweiten Mal ging es schon etwas besser. Ich fuhr die Runde einige Male. Als ich vor Erschöpfung eine Pause auf einem runden Stein einlegte, oben auf dem Berg, dessen Seiten mit Moos bedeckt waren, hörte ich Schritte. Ich fuhr mit dem Kopf herum und sah einen Mann den steileren Weg heraufkommen. Bei näherer Betrachtung dachte ich an einen Farmer. Die Sachen, die er trug, waren irgendwie seltsam.
Er trug kniehohe braune Lederstiefel und am rechten Bein hatte er ein Messer außen mit Lederriemen festgebunden. Die Hose, die er anhatte, war schwarz und aus dickem Stoff. Seine braune Lederweste mit aufgesteckter Tasche war stark ausgebeult. Das weiße, langärmelige Hemd gab einen Teil der Brust frei. Wo ich den Gürtel vermutete, hing links eine kleine grüne Flasche mit langem Hals und kurzem dicken Bauch, etwas dahinter eine kleinere Tasche, auch aus Leder, aber schwarz. Doch was mich völlig stutzig machte, war das Schwert an seiner Seite. Mir wurde etwas mulmig.
Ich stand auf, als er noch ungefähr zehn Meter entfernt von mir war. Jetzt sah ich, wie groß er war, und das verstärkte meine sonderbare Meinung noch über ihn. Er blieb stehen, hob die rechte Hand und sprach: „Hey!“, kurz danach mit nicht ganz so fester Stimme. „Sarem? “ „Sarem?“ wiederholte er, „Das Hügel von Sarem sein?“ Ich guckte ihn verdutzt an. Sarem, Sarem, ach so, nicht Sarem, sondern Salem meint er bestimmt. Er sprach wie die ersten Siedler, so kam mir das jedenfalls vor. Ein seltsamer Dialekt, mit gebrochenem Tonfall. Ich nickte gemächlich und redete ihn an. „Salem heißt es SALEM sprach ich langsam und deutlich. “ Jetzt guckte er verdutzt, was mich wiederum nervös machte. Er legte eine Hand ans Ohr und jetzt verstand ich, dass er mich nicht gut gehört hatte. „Nicht Sarem?“ fragte er. „Doch Salem, hier Salem. “ Jetzt vernahm er meine Worte richtig und sagte mit dem Finger auf die Brust drückend: „Turk. Ich Turk. “ Ich machte dieselbe Geste bei mir und sagte: „Steve, ich heiße Steve. “
„Wo sind Steine?“, fragte er mich, während er den Kopf drehte und mit seinen dunklen Augen danach suchte. Ich zuckte die Achseln. Plötzlich ging er schnell auf mich zu. Ich erschrak und sprang zur eilig zur Seite, aber er beachtet mich nicht, sondern den Stein, auf dem ich eben noch gesessen hatte. Er kniete sich vor dem Stein nieder, musterte den Stein sehr genau, fegte mit der Hand über die Sitzfläche und fuhr mit dem Finger in kleine Furchen, die zum Vorschein kamen, diese waren mir nie aufgefallen, so oft ich schon hier mit meinen Freunden sahs. Es handelte sich um eine Schrift oder um Zeichen, die ich jedoch nicht genau erkennen konnte.
Er holte ein Pergament, das schon vergilbt war, aus dem Brustausschnitt seines Hemdes, rollte es auf, glitt mit dem Finger von oben herab, bis der Finger unten stehen blieb. Kurz danach steckte er das Pergament wieder weg und drehte sich zu mir um. „Wo sind Steine?“, fragte er schon wieder. Wenn sie alt waren, dachte ich mir, nach dem Stein zu urteilen, den ich sah, dann sind sie vielleicht unter der Grasdecke, die sich im Laufe der Jahre gebildet hatte. Also sagte ich: „Drunter, vielleicht unter dem Gras. Drunter!“, und deutete mit dem Finger auf den Boden. Ich bestätigte es nochmals, indem ich deutlich nickte und seitdem überlegte ich es mir zweimal, bevor ich Turk nochmal zunicke, denn was nun geschah ging mir durch Mark und Bein.
Turk hob die Hände über seinen Kopf und klatschte sie zusammen. Im selben Augenblick sprach er die Worte: „Gurt kran kann ba. “ Sein Spruch oder besser gesagt die Laute waren kaum ausgesprochen, als der ganze Boden zu zittern begann. Es fühlte sich an wie ein mächtiges Erdbeben. Ein grollender dumpfer Laut ertönte und ich befahl meinen Beinen zu laufen. Laufen, laufen wollte ich, doch mein Körper gehorchte mir nicht, bewegungslos verharrte ich auf der Stelle. Das Gras, die Erde und allerlei Geröll flogen wie im Strudel durch die Luft. Was passiert hier? Was geschieht mit mir? Ich sackte immer tiefer, es kribbelte leicht unter meinen gelähmten Füßen, bis meine Schuhe wieder Boden berührten und im selben Moment verschwand die fliegende Erde spurlos. Nun stand ich auf einem Steinboden. - Alles hatte sich verändert.
Als ich mich immer noch fassungslos umschaute, sah ich den Stein, auf dem ich gesessen hatte. Doch es war kein Stein mehr, sondern eine Runde Säule, einen Meter fünfzig hoch. Ich zählte noch weitere sechs solcher Säulen, die in einem Kreis angeordnet waren, der einen Durchmesser von einigen Metern hatte. Die Säulen standen in gleicher Entfernung von sich zueinander. Im Zentrum befand sich ein runder Sockel, einen Meter hoch und mindestens zwei Meter im Umfang, mit einem großen Loch in seiner Mitte.
Der runde Stein hatte zudem noch weitere Löcher in der Größe eines Tennisballs. Unter ihm führten Furchen im Boden bis zu den Säulen. Am ganzen Boden waren seltsame Zeichen eingehauen, ähnlich wie bei den Säulen, aber größer. Sie erinnerten mich an alte Hexenzeichen, wie es sie früher in unserer Stadt noch häufiger gab, meine Oma hatte mir davon einmal erzählt. Irgendwie ging es nicht mit rechten Dingen zu. Ich ging in die Mitte, wo Turk vor der Säule stand und sie genauso argwöhnisch anschaute, wie den Stein vorhin. Er rieb sich mit seiner Hand am Kinn und dachte nach. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und sprach leise: „Turk? Was hast du gemacht?“. Doch er antwortete nicht, nahm das Pergament hervor und rollte es aus. Er nahm zwei Steine vom Boden und legte einen oben und einen unten darauf, so dass das Pergament von allein nicht wieder zusammenrollen konnte. Dann wandte er sich zu mir. „Wann ist Walpurgisnacht?“.
„Walpurgisnacht?“ Zusammen mit dem, was gerade passiert war und dieses Wort ließen mir einen Schauer über den Rücken laufen, was ich in meinen Knochen noch fühlte. Meine Oma hatte mir mal erzählt, dass es die letzte Nacht im Monat April sei, und bei Vollmond ist es dann besonders gefährlich, weil dann die hexen, ihr Unwesen trieben. Wie der Zufall es wollte, war diese Nacht heute. Und es würde Vollmond sein, das wusste ich genau, weil ich den Mond seit drei Tagen beobachtete, denn ich hatte vor sechs Tagen meinen siebzehnten Geburtstag gefeiert. Meine Großmutter hatte mir ein Teleskop geschenkt, mit dem ich meine ersten Experimente veranstaltet hatte. Also ist heute der letzte Tag im Monat und bei klarem Himmel Vollmond zu erwarten. „Heute“ stammelte ich langsam hervor, mit kaum merklicher Stimme.
Turk nahm aus der kleinen Tasche, die an seinem Gürtel befestigt war, eine dünne Steinplatte heraus, legte sie auf den Boden und beobachtete die Sonne. Dann steckte er einen Keil in ein Loch, das sich in der Platte befand. Der Keil warf einen Schatten auf eine Skala. Jetzt erkannte ich, dass es eine Sonnenuhr war. Lässig schaute ich auf meine Digitaluhr. „Du kannst vielleicht Erde durch die Luft wirbeln, aber wenn ich die Zeit lesen will, brauche ich keine Sonnenuhr. Ich gucke auf meine Armbanduhr und habe die exakte Zeit, wenn ich will, sogar die von fünfzig anderen Ländern. Also, Turk es ist 12. 33 Uhr. “ Ich deutete auf meine Armbanduhr. Er stand auf, packte leicht mein Handgelenk und schaute ungläubig auf meine Uhr. „Eine Seiko“, fügte ich stolz hinzu. „Seiko?“, fragte er mich. „Ja, die Marke Seiko. “ Ich wusste nicht, ob er alles verstand, aber er packte seine „Uhr“ wieder in die Tasche. Mir wurde es langsam ein bisschen zu komisch, anders ausgedrückt viel zu seltsam mit einem unwohlen Gefühl in der Magengegend.
Ich entschied, mich sehr schnell zu verabschieden, ging auf mein Fahrrad zu und meinte: „Ciao, ich bin dann mal weg. “das alleine noch zu sagen, erforderte meinen ganzen Mut. „Bitte nicht gehen, du mir helfen“, hörte ich ihn hinter mir. Ich drehte mich um. „Ich kann dir nicht helfen, ich verstehe nicht, was du hier willst oder was du gemacht hast!“ Er beruhigte mich mit verständlichen Gesten, seine Körpersprache war nicht aggressiv eher zurückhaltend. Er fing an, mir die Geschichte von seinem Zeichen zu erzählen, und von dem alten Buch, das er gefunden hatte. Bis dahin glaubte ich ihm noch fast, doch als er sagte, dass er aus einer anderen Dimension, aus einer anderen Welt kam mit dem Namen Thuslan, da wusste ich nicht, woran ich noch war. Es klang zu Fantastich. Doch dass er Steine durch die Luft fliegen lassen konnte und seltsame Kleider trug, gab mir jedoch ebenfalls zu denken, denn es bestärkte seine Geschichte auf einer gewissen Art und Weise. Nach und nach fasste ich immer mehr Vertrauen zu ihm, bis ich schließlich zu ihm sagte: „Gut, ich helfe dir, wenn ich kann, aber sag mir wie ich dir helfen soll? So wie du aussiehst und was du eben gemacht hast - brauchst du nämlich keine Hilfe von mir. “ Er reichte mir einen Zettel, auf dem in alten Englisch stand: Kugel Blei, Kugel Gold, Kugel Silber, Kugel Lehm, Kugel Stein, Kugel Holz, Kugel Eisen. „Kannst du mir bringen?“ Tausend Gedanken zogen an mir vorbei, noch nicht im Stande zu verstehen, was hier passiert. Daher wunderte ich mich selbst über meine sprechenden Worte. „Ich weiß zwar noch nicht wie genau, aber ich versuche es. Bis wann brauchst du die Kugeln denn?“ „Heute Nacht vor Vollmond“, antwortete Turk. „So schnell? Das wird aber knapp, ich weiß nicht, ob ich das schaffe. “ „Es ist wichtig für mich, Steve.“ Es lag Besorgnis in seiner Stimme. „Ich gebe mein Bestes“, antwortete ich ihm, ging zu meinem Mountainbike und setzte mich drauf. „Bleib du besser hier, ich will nicht, dass dich jemand sieht. Das wäre nicht gut. Wenn einer kommt, verstecke dich, o. k.?“ Er nickte und ich trat wieder in die Pedalen, aber mit völlig anderem Gefühl als noch heute Morgen.
Auf dem Weg in die Stadt kam mir der Gedanke hoch, die Polizei zu rufen. Merkwürdig war die Sache ja schon, gelinde ausgedrückt und woher sollte ich wissen, dass er mich nicht umbringt? Ich erinnerte mich an das große Schwert, das er wohl nicht ohne Grund trug.
Dass wir gute Freunde werden sollten, das konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Ich entschied mich dafür, dass es ein Vertrauensbruch wäre, die Polizei zu rufen und so las ich von diesem Gedanken ab. Der Wald lichtete sich und als der Bach kam, sah ich meine Freunde. Es waren Jack, Daniel und Jo Pit. Das Bremsgummi berührte die Alufelge und ich kam abrupt zum Stehen. „Hey Jungs, alles klar?“ sprach ich, so unauffällig wie ich konnte. „Du hast ja dein neues Fahrrad endlich, lass mich mal fahren!“ Während Jack die Runden am Weg drehte, erklärte ich den anderen, dass ich gerade vom Übungsfahren kam und schnell wegmüsse, um für meine Oma ein paar Sachen einzukaufen. Ich entschied mich nicht zu erzählen, was ich soeben erlebt hatte, da es mir sowieso keiner glauben würde. Jack mein bester Freund und Schulkamerad fuhr ja gerade mit meinem Fahrrad und so behielt ich die ganze Sache erstmal für mich. Ich sagte noch, dass ich, nachdem ich die Besorgungen erledigt hätte, auf jeden Fall wieder zurückkommen würde. So trat ich abermals in die Pedalen und wieder mit einem anderen Gefühl., wie zuvor.
Mein erstes Ziel war das Geschäft von Mister Milles. Mrs. Bones stand mit Mr. Milles unter dem Vordach des Ladens und sie unterhielten sich über das Wetter, soweit ich das hören konnte. Ungewöhnlich warm war es für diese Jahreszeit. Als Mr. Milles mich auf ihn zufahren sah, sagte er: „Na, holst du dein altes Fahrrad ab?“ „Noch nicht, Mr. Milles, ich brauche ein paar Sachen aus ihre Laden. “ „Dann geh schon mal rein und leg alles an die Kasse, ich komme gleich. “ „Ist gut. Tag Madame“, sagte ich, als ich zwischen den Beiden durch das kleine Geschäft ging. Es war nicht groß, hatte alles Mögliche an Zeug, von Lebensmitteln und Spielsachen bis hin zum Rasenmäher, alles in allem war Mr. Milles ein Händler, den eine Stadt wie unsere brauchte. Meine Augen durchsuchten die Regale in dem leicht dunklen Laden und ich hörte, wie sich die Zwei noch unterhielten. Mrs. Bones war dafür bekannt, dass sie gerne viel erzählte, aber keinen störte es ernsthaft. Sie fing damit an, als ihr Mann vor fünf Jahren verstorben war.
Ich hatte also noch viel Zeit die Sachen zusammen zu suchen. Neben der Eingangstür stand ein Korb voll mit Holzkugeln. Es waren Polokugeln, ein typisches Sommerspiel, das gerne auf den Wiesen beim Picknick gespielt wurde. Eine nahm ich und warf sie in den kleinen eisernen Warenkorb, den ich vom Stapel aufhob. Ich strich „Holzkugel“ auf dem Zettel durch und suchte noch eine Weile umher. Aber es hatte keinen Zweck, die anderen Kugeln fand ich nicht. Ich hatte mir eigentlich erhofft mehr in dem Kramladen zu finden. In diesem Moment kam Mr. Milles auf mich zu. „Na, ist das alles, Steve?“, fragte er freundlich. „Nicht ganz, Mr. Milles. Haben Sie vielleicht eine Kugel aus Blei oder aus Stein?“ „Aus Blei oder Stein? Was willst du denn damit?“ Ich dachte kurz nach und das Einzige, was mir auf die Schnelle einfiel, war: „Ich baue ein Spiel. “ „Hm…müssen sie aus dem Material sein?“ „Ja“, erklärte ich, „Es gehört zu den Regeln. “ „Na du wirst schon wissen, was du tust. Also lass mich mal überlegen, Steve. Kugel aus Blei, Kugel aus Stein…“, murmelte er vor sich hin. „Ist die Größe egal?“ Tja, gute Frage. Woher sollte ich das wissen? Darüber hatte ich mir selbst noch keine Gedanken gemacht. Daher sagte ich einfach: „Ja. “
Da ging er zum abgeschlossenen Waffenschrank, öffnete die Tür, holte eine Dose Schrotkugeln heraus und legte eine davon auf die Vitrine. „Oh, prima, danke Mr. Milles!“, freute ich mich. „Keine Ursache. Wegen der Steinkugel…“, er überlegte weiter: „Ah ja, zum Grabsteinhauer, vielleicht hat der eine. “ „Das ist eine gute Idee. Was macht es zusammen mit der Holzkugel?“ „Nichts, ist gut, mein Junge. Sag, um welches Spiel handelt es sich?“ „Um ein Märchenspiel, Mr. Milles. “ Ich nahm die Bleikugel und steckte sie zusammen mit der anderen in die Hosentasche. Langsam kommt mir das auch wie ein Spiel vor, ging es mir durch den Kopf, als ich auf dem Weg zum Steinmetz war. Es hing ein Schild an der Eingangstür: Bin um 16. 00 Uhr wieder da. Ich schaute auf meine Seiko, es war 14. 00 Uhr. So beschloss ich zur Fabrik zu fahren, in der mein Onkel als Schlosser arbeitete. Es dauerte eine Weile bis zur Fabrik sie liegt etwas außerhalb der Stadt. Vom Steinmetz aus war es ein gutes Stück Weg, selbst für einen guten Fahrradfahrer. Verschwitzt und etwas außer Atem kam ich schließlich an und fragte dort nach Theo, nachdem ich mein Fahrrad am großen eisen Tor abgestellt hatte. Ein Arbeiter in verschmiertem Blaumann sagte mir, dass er hinten in der Halle am Schweißen sei. Ich durchquerte die lange graue Halle, vorbei an Werkbänken und zahllosen Maschinen, von denen einige so einen Lärm machten, dass ich beim Vorbeigehen die Ohren zuhielt.
Theo war wirklich am Schweißen und so wartete ich, bis er fertig war. Unter der großen Schutzhaube mit dem schwarzen Glas hätte er mich ohnehin nicht bemerkt. „Steve, was machst du denn hier?“, fragte er, als er mich erblickte. „Tag Theo. Ich brauche deine Hilfe. “ „Schieß los, ich helfe dir gerne, wenn ich kann“, sagte er und wischte sich die Schweißperlen von der Stirn, mit einem Lappen aus seiner Hosentasche. Theo hätte es gerne gesehen, dass ich meine Lehre hier in der Fabrik anfange, und so wie er Schlosser werde, aber mich trieb es zum Verlag, wo mir Mr. Lexton eine Lehrstelle in Aussicht gestellt hatte. Und wer weiß, vielleicht würde ich eines Tages einen guten Reporter abgeben. „Ich brauche eine Eisenkugel, Theo, die Größe ist egal. “ „Na, dann komm mal mit. “ Ich folgte ihm und erzählte ihm unterwegs von dem angeblichen Spiel, das ich bauen würde. Theo öffnete eine kleine Seitentür der gewölbten Halle. Unter einem Vordach standen Eisenwannen mit Stahlschrott und in einer Ecke lehnten Eisenstangen aller Art. „Hier in den Wannen sind jede Menge Eisenkugeln, Such dir ruhig eine aus. Das ist der Abfall von Kugellagern. “ Ich wühlte eine Weile herum und hatte eine passende Kugel gefunden. „Ich muss weiterarbeiten, grüß Grand Ma von mir, ja?“, sagte er und verschwand.
Ich genoss die Kühle der Halle beim Zurückgehen, bevor mich die Sonne wieder schwitzen ließ. Auf meinem Zettel strich ich „Eisenkugel“.
Es war kurz vor vier, als ich beim Steinmetz eintraf. Ich überdachte noch eine Weile das Geschehen der letzten Stunden, als ich den alten Pritschenwagen kommen hörte. Mr. Spick, so hieß der Fahrer und Besitzer der Steinhauerei, die schon seit Generationen im familiären Besitz war. Einige Leute behaupteten sogar, die Familie war schon hier bei den Hexenverbrennungen im 16. Jahrhundert ansässig. Mr. Spick war ein dicker Mann von 60 Jahren.
Er hatte graue Haare und einen grauen Bart. Sein Helfer, Anton war das genaue Gegenteil von ihm: 25 Jahre jung, dünn und groß, trug er einen Arbeitsanzug, der Hochwasser anzeigte. Beide waren nette Leute, sie begrüßten mich freundlich. „Was führt dich hierher? Es ist doch keiner gestorben, Steve?“, fragte er verwundert. „Nein, nein, keine Sorge. Mr. Spick, ich brauche eine Steinkugel. „Dann ist ja gut, Steve“, sagte er erleichtert. Ich erwartete eine Frage, aber sie kam nicht. Er schloss die Glastüre zu seinem Verkaufsraum auf und ließ mich hinein. „Eine Steinkugel, sagst du…Moment. Anton, hol doch die Steinkugel, die wir von Mrs. Johnsons Grabstein entfernt haben. “ Er erzählte mir, dass sie einen Grabstein mit einer Kugel drauf gewählt hätte, der aber nicht ganz ihre Geschmack entsprach. Sie ließ die Kugel entfernen, die nun im Schaugarten neben der Werkstatt lag und seitdem keine Verwendung mehr hatte. Anton kam mit der Kugel wieder und gab sie mir.
Die weiße Steinkugel war schwerer als ich dachte, obwohl sie kleiner als ein Tennisball war. Bezahlen musste ich auch hier nichts. So bedankte ich mich und verließ den Steinmetz. Langsam wurden meine Hosentaschen ganz schön schwer und ich strich „Steinkugel“ von meinem Zettel.
Bevor ich zum Goldschmied konnte, bin ich zu meiner Großmutter gefahren, wo ich seit dem Tod meiner Eltern lebte. Sie starben bei einer Karibiksegeltour da war ich sieben. Das Schiff zerschellte an einem Riff.
Es wurden keine Überlebenden gefunden.
Ich stoppte mein Fahrrad vor der Veranda, ging zur Haustür in den Flug und wollte gerade zur Treppe, um in mein Zimmer im ersten Stock zu gelangen, als die Stimme meiner Großmutter ertönte: “Steve, bist du es? Das Essen ist fertig, komm runter. “ „Ja, Grandma, ich komme“, antwortete ich. Meine Großmutter war nicht sehr groß, mit ihre weißen, zu einem Dutt hochgesteckten Haaren. Sie war sehr fürsorglich und kümmerte sich immer um mich. Mir wurde das oft zu viel, ständig wollte sie wissen, wo ich bin und was ich mache. Aber sie meinte es gut mit mir. Beim Betreten des Esszimmers, drang der Duft des Bratens in meine Nase. „Na, hast du dein neues Fahrrad?“, fragte sie mich, als sie mir ein dickes Stück Braten auf den Teller legte. „Ja, es ist toll, Grandma. Ich bin ein wenig herumgefahren. “ Ich nahm die Salatschüssel, um mir aufzuhäufen, doch zuerst musste ich einen großen Schluck vom Orangensaft trinken, denn ich hatte großen Durst vom Fahren. „Trink nicht so viel, sonst isst du wieder nicht auf“, sagte Großmutter. Ich aß auf. Die Fahrerei hatte mich richtig hungrig gemacht. Nach dem Essen unterhielt ich mich ein wenig mit Grandma. Die meisten Fragen, die ich ihr heute stellte, betrafen den Hexenberg. Sie erzählte mir das dort viele der Hexenprozesse von früher stattgefunden haben.
Danach ging ich in mein Zimmer. Das Bett war gemacht worden, natürlich nicht von mir. Mein Schreibtisch sah aus, als ob eine Bombe dort eingeschlagen hatte und meine Gitarre war immer noch am Verstärker angeschlossen. Meine Grandma räumte zwar mein Zimmer auf, aber nur die wichtigen Sachen. Sie würde nie anfangen irgendwelche Dinge einzuräumen. Sie wäscht nur meine Anziehsachen und macht das Bett, wenn ich es morgens mal wieder nicht geschafft habe.
Ich holte einen Rucksack aus dem Schrank, nahm die Kugeln aus der Tasche und kontrollierte, ob ich keine verloren hatte. Dann stopfte ich sie alle wieder in den Rucksack. Ich wechselte meine verschwitzte Kleidung, zog mir eine lange Jeans und ein neues Shirt an, packte einen Pullover, einen Fotoapparat, mein Fernglas, Feuerzeug und Taschenlampe ein und ging nach unten. Bevor ich das Haus verließ, nahm ich noch ein großes Stück vom Braten vom Wochenende für Turk mit, der bestimmt Hunger hatte. Meiner Oma sagte ich, dass ich heute wieder bei Jack schlafen würde, was nicht ungewöhnlich war.
Der Goldschmied hatte seinen Laden in der Bexter´s Straße. Mr. Neven, ein großer Mann mit Glatze und weißem Kittel stand hinter dem Tresen seiner Holztheke, die einen Glasdeckel hatte, um den darunterliegenden Schmuck zu bewundern. Gerade war er damit beschäftigt einen Ring mit einem funkelten Stein durch seine Lupe zu begutachten. „Guten Tag Mr. Neven. “ „Hallo Steve, was führt dich denn hier her?“ Ich sagte ihm, dass ich eine Kugel aus Gold und eine aus Silber brauchte. Er machte eine Schublade auf und zog eine Schatulle hervor, in der viele Goldkugeln lagen. Sie waren wahrscheinlich für eine Kette bestimmt. Ich nahm eine heraus, die die Größe einer kleinen Murmel hatte und fragte nach dem Preis. Er wog sie ab und sagte dann „85 Dollar. “ Wie sollte ich denn diese Summe auftreiben? Zurzeit hatte ich kein Geld. „Und eine Silberkugel in derselben Größe?“ „35 Dollar, zusammen 120 Dollar. “ 120 Dollar und ich hatte gerade mal acht Dollar in der Tasche. Da kam mir eine Idee, eine Idee, die ich am liebsten in eine weite Ecke gefeuert hätte, aber ich hatte wohl keine andere Wahl, wenn ich Turk wirklich helfen wollte. Ich kämpfte mit meinem Gewissen. Egal, jetzt musste ich Prioritäten setzen. Entweder alles oder nichts. Ich musste mein neues Fahrrad versetzten.
„Mr. Neven, ich habe im Moment nicht so viel Geld und es soll doch ein Geschenk werden. Würden sie vielleicht ein Auge zudrücken und mein neues Fahrrad, das 500 Dollar wert ist, solange als Pfand nehmen, bis ich bezahlen kann?“ „Wie lange denn?“ „Höchstens eine Woche. “ Er überlegte kurz. „Na gut, weil du es bist. “ „Danke, Mr. Neven!“. „Hier sind die Kugeln. “ Ich wünschte ihm noch einen schönen Feierabend und verließ den Laden. Mein schönes neues Fahrrad schob ich schweren Herzens hinter das Gatter. „Keine Sorge, ich hol dich wieder ab“, sagte ich tröstend zum Fahrrad, was aber wohl eher mich selbst trösten sollte.
Ich ging zum Laden von Mr. Milles, der nun damit beschäftigt war die Fensterläden zu schließen. Die Uhr zeigte 18. 30 Uhr an. Ich sagte ihm, dass ich kommen würde, um das alte Fahrrad abzuholen. „Ist in Ordnung Steve. “ Ich hob es auf und fuhr los.
Am Bach angekommen, waren meine Freunde noch da und flirteten mit Cindy und Sammy. Es waren gutaussehende Mädchen. Cindy blond und Sammy brünett. Beide trugen kurze Kleider mit einer Bluse, die vorne einen Knoten hatte. Dadurch war die Bluse so eng, dass die Brüste deutlich zu erkennen waren und man kaum wegschauen konnte. Eigentlich war es dafür noch nicht warm genug, um diese Uhrzeit. Die Aufmerksamkeit war den Beiden jedoch gewiss. Ich legte mein Fahrrad auf den Boden und wurde von Sammy mit einem Lächeln begrüßt, das ich gerne erwiderte. Eigentlich mochte ich sie sehr gerne, obwohl ich oft mit ihr stritt, über verschiedenste Themen, naja war ebenso. „Steve, wo ist dein neues Rad?“, fragte mich Jo Pit. „Darum kümmere ich mich später, Jo“, antwortete ich ihm. „Wir wollen heute nach Tucon fahren, um in die Disco zu gehen, heute ist „Getränke“ Tag. Kommst du mit?“, fragte mich Jack. Tucon ist die nächstgrößere Stadt, die eine Disco und ein neues Kino hatte. „Ich kann nicht, muss meiner Großmutter später noch helfen“, erwiderte ich knapp. „Doch nicht so spät abends, erzähl das einem Anderen“, gab Jo Pit ungläubig zurück. „Oder hast du eine Freundin, von der wir nichts wissen?“, fragte Sammy neugierig. Keine Freundin, einen Freund, dachte ich mir. „Nein, nein, das ist es nicht. “ „Was denn?“, fragte Jack. „Ich habe heute keine Lust zur Disco. “ „Und was machst du dann in dieser außergewöhnlichen Partynacht?“, fragte Daniel. „Den Mond beobachten, mit meinem Teleskop“, log ich. „Das sind doch Kindereien“, höhnte Jo Pit. „Wo willst du denn in Wirklichkeit hin?“ „Auf den Hügel im Wald, da hat man eine gute Sicht auf die Sterne“, sagte ich zu Daniel.
Das hätte ich besser nicht sagen sollen, wie ich später herausfinden sollte. „Hast du keine Angst vor dem Hexenberg?“, fragte mich Sammy. „Nein, warum? Hexen gibt es ja nicht mehr und für mich ist es ein idealer Platz für meine Studien. “ Ich hatte das Gefühl, dass ihre tiefbraunen Augen durch mich hindurchschauten. „Komm, lass uns gehen, es ist viertel vor acht und ich will mich noch zurecht machen“, sagte Cindy zu Sammy. „Ciao Steve!“, sagte Sammy und schaute mir dabei noch einmal von unten herauf in meine Augen. „Willst du wirklich nicht mitkommen?“, fragte Jack, als die Mädchen den Weg zur Straße gingen. „Ich glaube Sammy steht auf dich, die Chance würde ich mir nicht entgehen lassen“, fügte er noch hinzu. Das dachte ich mir auch, denn Sammy ist wirklich hübsch, mit einem netten Charakter, aber manchmal frech, wie es wohl bei 17-jährigen Mädchen üblich ist. „Nein, ich kann wirklich nicht. “ „Na gut, aber morgen bei meiner Fete kommst du! Da haben wir alle frei und lassen es wieder krachen!“ „Na klar, Jack. Kann ich dich noch mal kurz sprechen?“ „Ist es wichtig?“ „Nein, nein, geh nur, ich erzähl es dir morgen. “ Wir gaben uns einen Hand Clap, sie stiegen auf ihre Fahrräder und fuhren den Weg runter in die Stadt. Jack wäre nicht mitgefahren ohne mich, aber ich weiß, dass er was von Cindy wollte. Wir hatten uns oft über Cindy und Sammy unterhalten, die neuerdings zu unserer Clique gehörten. Heute Nacht wollten sie zuerst alle ins Kino gehen, bevor die Disco ruft, denn heute war Gruselnacht, es liefen nur Horrorfilme, und im Kino ist immer gut Kirschen essen, wenn sich die Mädchen fürchten, also lag es auf der Hand, dass mein Freund seine Chance nutzen würde.
Meine Gedanken kreisten zurück zu Turk. Jetzt brauchte ich nur noch Lehm, und den gab es hier haufenweise, weil der Bachlauf aus Lehm war. Ich kratze von der Seitenwand etwas ab und formte eine Kugel in Größe eines Golfballs aus dem Dreck, legte sie in ein Taschentuch und steckte sie in den Rucksack. Also konnte ich jetzt auch das letzte Wort von der Liste streichen - Lehmkugel.
Als sich der Hexenberg vor mir auftat, war es bereits kurz vor 21. 00 Uhr. Ich schob mein altes Fahrrad hinauf und lehnte es gegen eine der Säulen. Nervös blickte ich mich um, aber niemand war zu sehen. „Turk!...... Turk!“, rief ich in verschiedene Richtungen, als vor mir die Luft flimmerte, merkwürdige Verzerrungen und Farben annahm. Zuerst wurde ein Schatten, dann eine schemenhafte Figur sichtbar. Ich ging schnell ein paar Schritte zurück, ohne die Augen abzuwenden. Die Gestalt nahm eine rotbräunliche Farbe an, die immer deutlicher wurde, bis ich Turk erkannte. „Ich sollte mich doch verstecken!“, sagte er. „Ja, ein gutes Versteck“, sagte ich langsam, als ich wieder ein wenig Luft bekam. „Hast du Kugel?“ „Ja, ich habe die Kugeln, für eine habe ich mein Fahrrad versetzt. Ich hoffe du ehrst das. “ Ich schnallte mir den Rucksack vom Rücken und legte eine nach der anderen Kugel auf die Säule in der Mitte. Er schaute sie sich genau an und sprach schließlich: „Gute Kugeln, danke Steve. “ Ich fragte, was er damit vorhätte. Er antwortete er brauche sie für eine Zeremonie und eine Beschwörung. Es funktionierte angeblich nur bei Mondschein in der Walpurgisnacht. Es sollte ihm Antworten geben. Ich beschloss bis dahin zu warten, einmal aus Neugierde und um Fotos zu schießen. Wir unterhielten uns die ganze Zeit und warteten auf den Mond, wobei sein Englisch erstaunlich schnell immer besser wurde.
Die tief dunkle Nacht brach an, und um 23. 00 Uhr war es stockfinster. Sterne funkelten über unseren Köpfen und der Mond stieg auf. Durch unser Gespräch konnte ich feststellen, dass dort, wo Turk herkam, dieselben Sterne leuchteten. Nur hatte er andere Bezeichnungen für sie. So gegen 24. 00 Uhr war es so weit. Der Mondschein erhellte urplötzlich den ganzen Ort. Darauf schien Turk nur gewartet zu haben. Er stand auf, nahm seine Flasche und zog den Korken heraus. Er wollte sie gerade über dem Loch ausschütten, als ihn eine Stimme unterbrach. „Was machst du hier, Steve? Und was zu Teufel ist mit dem Berg passiert?“ Es war die Stimme von Sammy, die bei der kleinen Säule stand. Sie hatte das enge Kleid gegen Jeans und einen dicken Pullover getauscht. „Und was machst du hier? Wolltest du nicht in der Disco sein?“ Auf unangenehme Fragen soll man mit Gegenfragen antworten, dachte ich mir. „Ich habe keine Lust mehr gehabt und Cindy abgesagt. Die hängt doch sowieso nur mit deinem Freund ab. Ich wollte auch den Mond angucken und da ich wusste, dass du hier bist, habe ich mich einfach davongemacht. Aber was ist hier los? Und wer ist der Typ da?“, sie zeigte mit dem Finger auf Turk. Ich hätte ihr gar nicht so viel Mut zugetraut mitten in der Nacht in den Wald zu gehen es war immerhin schon ein gutes Stück Weg vom Waldrand bis hierher.
„Das ist ein Freund von mir. Sein Name ist Turk. Er…“ Turk unterbrach mich. „Es ist Zeit, Steve, ich muss anfangen. “ Ich erklärte ihm kurz, wer das Mädchen sei. „Womit muss er anfangen?“ „Ist doch egal, geh besser wieder nach Hause. “ „Auf gar keinen Fall, erst will ich wissen, was hier los ist. “ „Ich weiß es ja selber nicht. “ Sammy schaute skeptisch. „Na schön, sei still und setze dich. Ich erkläre es dir später. “ Sie setzte sich mürrisch neben mich und so schauten wir Turk von den kleinen Säulen aus zu. Er streckte seinen Arm über das Loch in der Säule aus und kippte den Inhalt seiner grünen Flasche hinein. Nun las er laut von der Pergament rolle Worte ab, die er unterstützend mit kreisenden Armbewegungen sprach. Aus den Löchern der Säule floss die Flüssigkeit, die merkwürdig phosphoreszierend leuchtete, Sie ergoss sich in die Rinnen und schoss mit rasender Geschwindigkeit auf die Säulen zu. Dort angelangt, umhüllte sie die Säulen in demselben merkwürdig leuchtenden Weiß, das auch aus den Löchern leuchtete. Der Lichteffekt wurde so intensiv, dass es fast blendete. Alle kleinen Säulen leuchteten in dem Weiß, sie waren vollkommen umhüllt. Ich schaute rüber zu Sammy, dann starrten wir Beide wie gebannt auf das Farbenspiel, das sich uns bot. Turk nahm, die Kugeln, die ich mühevoll gesammelt hatte, in beide Hände und warf sie hoch, doch sie fielen nicht runter, sondern kreisten langsam einen Meter über der Säule. Es glich einer Planetendarstellung, so wie ich sie in meinem neuen Buch über Astrologie gesehen hatte. Der Kugelring drehte sich immer schneller um eine imaginäre Achse. Bald rotierte er so schnell, dass er aussah wie ein drehender, farbiger Streifen. Dann wurde der Durchmesser größer, bis er die Maße der Säule erreichte. Ein weißes Licht strahlte aus der Säule heraus. Es stieg nach oben und formte sich zu einem Schatten… langsam ganz langsam. Ich merkte, wie etwas meine Hand drückte. Es war Sammy, die nun so eng neben mir saß, dass unsere Seiten sich berührten. Der Schatten nahm die Gestalt einer Frau an, die alles andere als vertraulich aussah. Sie hatte vier Arme und keine Beine. Stattdessen hingen an ihre Seiten Tentakel herab, die um sich griffen und ihr das Aussehen eines Riesenkraken verliehen. ihre grünen leuchtenden Augen machten die ganze Gestalt noch unheimlicher. Was war das für ein Wesen, aus einer anderen Welt? Mir lief der Schauer über den Rücken, was ich mir aber nicht anmerken ließ. Sammy drückte fester.
Turk redete das Wesen an, in einer mir nicht bekannten Sprache. Sie antwortete mit einer singenden monotonen Stimme. Es handelte sich offensichtlich um ein Orakel, das Turk befragte. Beim Antworten leuchteten die Augen des Orakels ab und zu kurz auf. Das Orakel schien voller Energie zu sein und strahlte seltsamerweise eine gewisse Ruhe aus. Turk unterhielt sich eine Weile mit diesem Wesen. Auf einmal hörte ich ein leises Surren hinter mir, das langsam lauter wurde. Als ich mich umdrehte, weil es näherkam, hatte ich plötzlich Todesangst in meinen Gebeinen stecken. Keinen Meter hinter uns standen zwei Gestalten mit Helmen, die an der Seite Hörner hatten. Sie trugen eine Rüstung, die grün schimmerte. Aber das Schlimmste, was mich ängstigte, waren die rot leuchtenden Augen. Stechend blickten sie mich an. Noch nie hatte ich solche Augen gesehen. Das ging ja ab wie im Horrorfilm. Sammy schrie hell auf. Sie musste sich wohl auch umgedreht haben. Wie durch Geisterhand – wohl durch Turks Zauber – rutschten wir auf unserem Hosenboden auf Turk zu. Die weißen Strahlen am Boden verschwanden genauso schnell wieder, wie sie gekommen waren. Und auch das Orakel verschwand im selben Augenblick mit einem lauten Knall. Der Energiering – wie ich später erfuhr – wurde langsamer in seiner Bewegung, und die einzelnen Kugeln purzelten zurück in meinen Rucksack.
Plötzlich umgab eine rötliche Kugel Sammy Turk und mich. Fast gleichzeitig zuckten helle Blitze von den grünen Teufeln auf uns, die an der Kugel zerbarsten. Die Rotaugen kamen näher. ihre Blitze wurden stärker und ließen unsere Schutzkugel erzittern. Was es genau war, dass uns tatsächlich schützte wusste ich nicht. „Ich nehme euch mit, sonst seid ihr tot!“, sprach Turk. „Mitnehmen? … Wohin?“, fragte ich, doch es war zu spät. Alles um uns herum verschwand im weißen Licht. Mir wurde schwindelig und ich verlor die Orientierung. Vor meinen Augen tanzte ein Strudel. Alles drehte sich wie im Karussell. Als sich meine Umgebung nach wenigen Sekunden dann wieder aufklärte, war der Hexenplatz verschwunden. Ich fühlte Feuchtigkeit an meinen Beinen und greller Sonnenschein blendete mich. Als sich meine Augen daran gewöhnt hatten, sah ich mich und meine Begleiter in einem See sitzend.
Turk ging an uns vorbei in Richtung Ufer, das mit schilfähnlichem Gewächs zugewuchert war. Sammy und ich standen auf und folgten ihm. „Einen besseren Platz hätte er nicht finden können“, sagte Sammy, deren Klamotten pitschnass geworden sind. „Maul nicht, wir leben noch. Außerdem hat keiner gesagt, dass du zum Berg kommen solltest“, erwiderte ich und stapfte durch das seichte Wasser auf Sammy zu. „Wer konnte ahnen, dass sowas passiert?“ Da musste ich ihr allerdings Recht geben. „Ich habe dir gesagt du sollst nach Hause gehen, aber du hast ja nicht auf mich gehört. Ich meinte es nur gut mit dir. “ „Das wäre ja noch schöner, auf dich hören, was?“, sagte sie und spritzte mich nass. Ich antwortete nicht, machte kehrt und fischte meinen Rucksack aus dem Wasser. Zum Glück war das Wasser nicht tief, sonst hätten wir schwimmen müssen, als wir reinfielen.
Sammy und ich sammelten Holz im Wald, der den kleinen See umgab. Turk schaute den Stapel Holz an, den ich zu einem Haufen zusammengestellt hatte. Und Schwupp! züngelten mit einem Mal die Flammen heraus. Das Feuer war entfacht. Für Turk schien es keine Schwierigkeiten zu bereiten, mit einem Blick ein Feuer zu entzünden. Bei uns würde er eine große Karriere starten können, mit dieser Nummer. Das Feuer trocknete unsere Sachen. In der Zwischenzeit fing Turk ein Rothlenzen, das mittlerweile über dem Feuer drehte. Ich fischte das letzte Stück Braten von meiner Grandma aus dem Rucksack und befreite es aus der Frischhaltefolie. Ein angenehmer Bratenduft stieg in meine Nase. Sammy überließ ich den Vortritt beim Probieren des sonderbaren Vogels, gab ihr aber natürlich ein großes Stück Braten ab. „Danke“ sagte sie. „Klar sehr gerne!“