Die schöne Victoria - Patricia Vandenberg - E-Book

Die schöne Victoria E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Die schönsten Dr. Norden Romane in einer Serie zusammengefasst. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Er sucht nach Hintergründen, nach der Ursache, warum dem Patienten nicht zu helfen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Bitte Wendy, Sie müssen mir diesen Gefallen einfach tun!« Danny Norden stand am Tresen vor der treuen Arzthelferin und schickte ihr den treuherzigsten Blick, den er auf Lager hatte. »Ich lade Sie auch zum Essen ein!« Wendy lachte amüsiert auf. »Nein, vielen Dank. Nichts gegen dich, mein Junge. Aber von Essenseinladungen von Männern habe ich erst mal die Nase voll.« Sie dachte an ihre hartnäckigen Verehrer Edgar von Platen und Dr. Alexander Gutbrodt, die ihr nacheinander den Hof gemacht und ihr durch ihre seltsame Art vorerst gründlich die Lust auf weitere Begegnungen mit dem anderen Geschlecht verdorben hatten. Danny hatte nachgedacht und beugte sich noch weiter über den Tresen. »Dann bekommen Sie jede Woche einen schönen Blumenstrauß, wenn Sie mir nur diese Victoria Bernhardt vom Hals halten«, versuchte er leise, Wendys Herz mit einem weiteren Bestechungsversuch zu erweichen. Doch diesmal war sie unerbittlich. »So verlockend dein Angebot auch ist: Es geht nicht. Frau Bernhardt besteht ausdrücklich auf einer Behandlung bei dir. Mal abgesehen davon, dass sich dein Vater gerade um einen Notfall kümmert«, erwiderte sie leise und schob ihm die Patientenkarte zu. Seit Dannys Eltern Daniel und Felicitas Norden einige Monate im Orient verbracht hatten, um dem schwer kranken Sohn eines Sultans zu helfen, hatte sich Danny durch die würdige Vertretung seines Vaters unentbehrlich in der Praxis gemacht. Nach Dr. Nordens Rückkehr war vom Familienrat beschlossen worden, dass Danny auch in Zukunft und diesmal Seite an Seite mit seinem Vater praktizieren sollte, um weitere Erfahrungen zu sammeln.

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Liebhaber Edition – 11 –Die schöne Victoria

Sie hat nur ein Ziel: Danny!

Patricia Vandenberg

»Bitte Wendy, Sie müssen mir diesen Gefallen einfach tun!« Danny Norden stand am Tresen vor der treuen Arzthelferin und schickte ihr den treuherzigsten Blick, den er auf Lager hatte. »Ich lade Sie auch zum Essen ein!«

Wendy lachte amüsiert auf.

»Nein, vielen Dank. Nichts gegen dich, mein Junge. Aber von Essenseinladungen von Männern habe ich erst mal die Nase voll.« Sie dachte an ihre hartnäckigen Verehrer Edgar von Platen und Dr. Alexander Gutbrodt, die ihr nacheinander den Hof gemacht und ihr durch ihre seltsame Art vorerst gründlich die Lust auf weitere Begegnungen mit dem anderen Geschlecht verdorben hatten.

Danny hatte nachgedacht und beugte sich noch weiter über den Tresen.

»Dann bekommen Sie jede Woche einen schönen Blumenstrauß, wenn Sie mir nur diese Victoria Bernhardt vom Hals halten«, versuchte er leise, Wendys Herz mit einem weiteren Bestechungsversuch zu erweichen.

Doch diesmal war sie unerbittlich.

»So verlockend dein Angebot auch ist: Es geht nicht. Frau Bernhardt besteht ausdrücklich auf einer Behandlung bei dir. Mal abgesehen davon, dass sich dein Vater gerade um einen Notfall kümmert«, erwiderte sie leise und schob ihm die Patientenkarte zu.

Seit Dannys Eltern Daniel und Felicitas Norden einige Monate im Orient verbracht hatten, um dem schwer kranken Sohn eines Sultans zu helfen, hatte sich Danny durch die würdige Vertretung seines Vaters unentbehrlich in der Praxis gemacht. Nach Dr. Nordens Rückkehr war vom Familienrat beschlossen worden, dass Danny auch in Zukunft und diesmal Seite an Seite mit seinem Vater praktizieren sollte, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Rasch erwies sich diese Entscheidung als sehr weise. Die Praxis konnte einen deutlichen Anstieg an Patientenzahlen verbuchen, darunter viele Frauen, die sich bevorzugt von dem jungen, gut aussehenden und charmanten Danny Norden behandeln lassen wollten.

»Vielleicht solltest du ihr unmissverständlich klarmachen, dass du vergeben bist und deine Bemühungen um sie nur rein beruflicher Natur sind«, machte Wendy einen Vorschlag.

Danny verdrehte die Augen und stöhnte leise auf. Auf keinen Fall wollte er, dass die schöne und wesentlich ältere Unternehmerin, die hinter geschlossener Tür im Wartezimmer auf ihren Termin wartete, auf dieses Gespräch aufmerksam wurde.

»Das habe ich ja schon getan. Aber aus irgendeinem Grund will sie die Tatsachen nicht anerkennen.« Er dachte an Victorias letzten Besuch in der Praxis. Mit Schrecken erinnerte er sich an ihr Angebot, ihm sogar eine eigene Praxis zu kaufen, wenn er sich nur mit ihr einließe. Natürlich hatte Danny dieses Angebot ohne mit der Wimper zu zucken ausgeschlagen und sie darauf aufmerksam gemacht, dass er weder bestechlich war noch privaten Beziehungen zu Patientinnen pflegte. Trotzdem verfolgte ihn diese Frau seither in Gedanken, zumal sie auch seine Freundin ins Spiel gebracht hatte. Denn auch die fast blinde Tatjana Bohde war eine Patientin. Woher Victoria das wusste, war Danny ein Rätsel und beunruhigte ihn zutiefst. Diese Frau scheute sich nicht davor, über Leichen zu gehen, um ein Ziel zu erreichen. Danny hatte Tatjana zwar gewarnt. Aber Victoria Bernhardt war raffiniert.

»Dann musst du eben weiter hartnäckig bleiben«, wusste Wendy auch keinen anderen Ausweg mehr. In ihrem gutmütigen Gesicht lag echtes Bedauern.

Das sah schließlich auch Danny ein und fügte sich in sein Schicksal.

*

»Au! Aua!«, stöhnte der Jugendliche, als Dr. Daniel Norden vorsichtig die rot geschwollene Nase vorsichtig berührte.

»Tut mir leid, ich wollte dir nicht wehtun«, entschuldigte sich der erfahrene Arzt. »Aber ich fürchte, du hast dir die Nase gebrochen. Die leichte Verschiebbarkeit ist ein deutliches Zeichen dafür.«

»Sind Sie sicher?«, krächzte Theo Miller mit belegter Stimme. Er hatte die Arztpraxis auf Anraten seines Schulfreundes Felix Norden aufgesucht, der sich Sorgen um den neuen, offenbar ein wenig tollpatschigen Schulkameraden gemacht hatte. »Meine Mutter fällt in Ohnmacht, wenn sie das erfährt. Bestimmt legt sie mich gleich unters Messer«, nuschelte er durch das Taschentuch hindurch, das er vor den Mund hielt.

»Wer ist denn deine Mutter?«

»Ramona Miller. Sie ist Hand- und Schönheitschirurgin an der Behnisch-Klinik.«

Während Dr. Norden Spritze und Kanüle aus dem Schrank holte und alles für eine örtliche Betäubung vorbereitete, wunderte er sich.

»Ich arbeite eng mit der Behnisch-Klinik zusammen. Aber diesen Namen habe ich noch nie gehört.«

»Wir wohnen noch nicht so lange hier. Erst seit ein paar Wochen.« Vorsichtig betastete Theo seine in Mitleidenschaft gezogene Oberlippe.

»Ach, dann bist du also der neue Mitschüler, von dem mein Sohn Felix erzählt hat«, ging Daniel ein Licht auf. Er setzte sich wieder neben die Behandlungsliege und betupfte einige Stellen neben Theos geschundener Nase mit Desinfektionsmittel. »Nicht so einfach, in einer neuen Klasse Fuß zu fassen, was?«, erinnerte er sich an Felix’ Bemerkung, dass einige Mitschüler auf dem zurückhaltenden Theo herumhackten.

Schlagartig verschloss sich die Miene des Schülers, und er schickte dem Arzt einen misstrauischen Blick. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, den Rat des netten Felix’ zu befolgen und statt zu seiner Mutter in die Klinik in die Praxis zu gehen. Was wusste dieser Dr. Norden von ihm?

»Geht schon«, murmelte Theo. »Glauben Sie, dass ich operiert werden muss?«, wechselte er schnell das Thema.

»Das wird nicht nötig sein«, beschwichtigte Daniel Norden seinen Schmerz gepeinigten Patienten. Feinfühlig wie er war, hatte er Theos Verstimmung, seine Unsicherheit sofort bemerkt und verzichtete wohlweislich darauf, in ihn zu dringen. »Die Nase ist nur ein bisschen schief. Du bekommst eine örtliche Betäubung, bevor ich sie wieder in die richtige Position bringe. Wenn danach keine Atembehinderungen auftreten, dauert es ungefähr fünf Tage. Dann haben sich bereits wieder Knorpel gebildet, und deine Mutter kann dir eine Schutzschiene anlegen. In ein paar Wochen bist du wieder wie neu.«

Bis die Betäubung wirkte, kümmerte sich Daniel um Theos geschwollene Lippe, säuberte sie von getrockneten Blutresten und trug eine kühlende Salbe auf.

»Wie ist das überhaupt passiert?«, erkundigte er sich beiläufig und rollte mit dem Hocker hinüber zum Abfall, um den Tupfer wegzuwerfen.

»Ich hab nicht aufgepasst und bin gegen eine Tür gelaufen.«

Diese Version würde zumindest zu dem passen, was Felix über den Mitschüler erzählt hatte.

Trotzdem konnte und wollte Daniel Norden nicht an Theos Version der Geschichte glauben. Etwas am Verhalten des jungen, zurückhaltenden Mannes machte ihn stutzig und er nahm sich vor, sich eingehender mit seinem Zweitältesten über dieses Thema zu unterhalten.

Doch Daniel war klug genug, um seine Zweifel nicht preiszugeben.

»Das wäre mir früher auch mal um ein Haar passiert. Allerdings habe ich damals einem hübschen Mädchen nachgeschaut«, erzählte Dr. Norden lächelnd und beugte sich über Theo. Mit einem kurzen Ruck saß die Nase wieder gerade. »Schlimm?«

»Gar nicht. Ich hab fast nichts gespürt.«

»Sehr gut. Kannst du richtig atmen? Bekommst du gut Luft?«

Der Schüler atmete ein paar Mal durch die Nase ein und aus.

»Fühlt sich ganz gut an.«

»Im Augenblick ist das Gewebe noch geschwollen. Das wird also noch besser werden. Falls du irgendwelche Probleme haben solltest, steht dir deine Mutter bestimmt mit Rat und Tat zur Seite. Aber natürlich kannst du auch jederzeit wieder zu mir kommen.« Daniel half Theo dabei, sich aufzusetzen. »Geht’s? Ist dir schwindlig?«

»Alles bestens. Vielen Dank für Ihre Hilfe.« Er las die stumme Frage in Dr. Nordens Augen. »Ich wollte meine Mutter nicht in der Arbeit erschrecken. Der neue Job ist ihr wahnsinnig wichtig, und ich will nicht dran schuld sein, wenn bei ihr irgendwas schiefläuft.« Reicht schon, wenn ich ständig Ärger habe!, fügte der Schüler im Geiste hinzu, sprach seine Gedanken aber nicht laut aus.

»Du bist ein sehr rücksichtsvoller, junger Mann«, lobte Dr. Norden seinen jugendlichen Patienten, während er ihn zur Tür brachte. »Deine Mutter ist sicher ziemlich stolz auf dich.«

»Danke!« Theo Miller freute sich wirklich über dieses Kompliment. Andererseits fragte er sich, warum nicht jeder so nett zu ihm sein konnte wie der Arzt und sein Sohn Felix.

*

»Haben Sie sich das auch wirklich gut überlegt?« Danny Norden musterte sein attraktives Gegenüber sichtlich besorgt.

»Sie können mir glauben, dass ich es mir nicht leicht gemacht habe mit dieser Entscheidung«, erwiderte Victoria Bernhardt ernsthaft.

»Ich rate Ihnen trotzdem von einer Schönheitsoperation ab«, beharrte er auf seiner Meinung.

Victorias Miene verfinsterte sich. Sie schüttelte den Kopf, und die vielen Ketten um ihren Hals klirrten ebenso wie die langen goldenen Ohrringe. Über ihrer Nasenwurzel erschien eine kleine Falte.

»Es muss sein.«

»Ich verstehe das nicht. Sie sind doch eine bildschöne Frau!« Langsam aber sicher wurde Danny ärgerlich. »Warum wollen Sie unbedingt das Risiko eines chirurgischen Eingriffs auf sich nehmen?«

Victoria beugte sich vor und musterte das Objekt ihrer Begierde aus den ungewöhnlichen, schrägstehenden Katzenaugen. Ein Lächeln spielte um ihre Lippen, als sie sagte: »Machen Sie mir doch nichts vor, mein lieber Dr. Norden.«

»Ich bin noch kein Doktor«, wies Danny sie wieder einmal darauf hin, dass seine Promotion noch ausstand.

Doch schon in der Vergangenheit hatte sich gezeigt, dass die schöne, erfolgsverwöhnte Unternehmerin dieses Argument nicht gelten ließ. Victoria lächelte vielsagend.

»Wenn Sie auf meinen Vorschlag eingingen, hätten Sie den Titel im Handumdrehen«, deutete sie an, dass sie ihm den Doktortitel auch kaufen würde. Dabei ließ sie demonstrativ die vielen Ketten um ihren Hals durch ihre schlanken Finger gleiten. Sie wägte kurz ab, ob sie ihren Joker einsetzen sollte und entschied sich schließlich dafür. »Wenn Sie so wollen, sind Sie dran schuld, dass ich mich operieren lassen will.«

»Ich?«, rief Danny empört aus. »Was habe ich denn damit zu tun?«

Melancholisch lächelnd lehnte sich Victoria zurück. Dabei ließ sie Danny nicht aus den Augen.

»Es muss doch einen Grund geben, warum Sie mich nicht lieben können«, sagte sie leise. »Nein, nein, sagen Sie jetzt nichts«, wehrte sie ab, als Danny den Mund öffnete, um Einspruch zu erheben. »Ich bin selbstkritisch genug, um die Wahrheit anzuerkennen. Ein Mann wie Sie kann sich natürlich nur in eine schöne, junge Frau mit makellosem Teint und ohne Krähenfüße in den Augenwinkeln verlieben. In eine Frau wie Tatjana zum Beispiel«, bemerkte sie beiläufig und senkte die lang bewimperten Augen.

Danny erschrak.

»Lassen Sie Tatjana aus dem Spiel«, erwiderte er unwirsch. Seine Miene wurde abweisend. »Sie ist fast blind und hat wahrlich andere Sorgen als faltenfreie Haut.«

Victorias Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

»Mit Ihrer Liebe würden meine Probleme auch verblassen.«

Innerlich bebend vor Erregung atmete Danny tief ein und aus und lehnte sich zurück. Er gemahnte sich zur Ruhe und dachte darüber nach, wie er das Gespräch in andere Bahnen lenken konnte, ohne unhöflich zu sein.

»Frau Bernhardt, bitte nehmen Sie Vernunft an. Sie kennen mich doch gar nicht. Mit ziemlicher Sicherheit bin ich nicht der, für den Sie mich halten.«

»Sie erlauben mir ja nicht, Sie näher kennenzulernen.« Victoria schürzte die vollen Lippen. Sie wirkte wie ein trotziges kleines Mädchen.

Doch Danny ahnte, dass der harmlose Eindruck täuschte. Gleichzeitig beschloss er, ihre Bemerkung zu ignorieren.

»Und Sie sind wirklich wunderschön.«

»Ich bin nicht perfekt.«

»Auf Perfektion getrimmte Gesichter sind doch nichts weiter als ausdruckslose Masken. Dafür gibt es in der Welt der Stars und Sternchen inzwischen zigfache Beweise. Sagen Sie bloß, das ist Ihnen noch nicht aufgefallen.«

»Das liegt an den Operationsmethoden«, behauptete Victoria mit dem ihr eigenen Starrsinn. Gewohnt zu siegen, dachte sie gar nicht daran, von dem einmal gefassten Plan abzulassen.

Dabei ging es ihr bei der Operation zwar durchaus um ihre Schönheit. Aber erst in zweiter Linie. Viel wichtiger war die Tatsache, dass sich Danny Norden wie sein Vater höchstpersönlich um die Operationsnachsorge bei seinen Patienten kümmerte. Wenn sie den jungen Mediziner erst einmal Tag für Tag in ihrer Nähe hätte, würde es ihr mit Sicherheit gelingen, seine Liebe zu entfachen. Das war der Gedanke, der die Jungunternehmerin antrieb. »Ich habe gehört, dass seit Kurzem eine hervorragende Schönheitschirurgin an der Behnisch-Klinik tätig ist«, sagte sie nachdenklich. »Und Sie arbeiten doch eng mit dieser renommierten Privatklinik zusammen.«

»Sie sind wirklich gut informiert«, musste Danny zähneknirschend zugeben. Nichtahnend, welches Vorhaben wirklich hinter Victorias Plan steckte, suchte er händeringend nach Gegenargumenten. »Allerdings bleibt auch beim besten Arzt ein Restrisiko bestehen.«

»Ich werde den Eingriff gut überstehen«, gab Victoria Bernhardt zuversichtlich zurück.

Danny musterte sie unverhohlen.

»Woher nehmen Sie diese Gewissheit?«, fragte er provozierend. Er war gegen sinnlose Operationen und wollte sich auf keinen Fall mitschuldig machen, wenn tatsächlich etwas schiefgehen sollte. »Ein solcher Eingriff hat schon gesunde Menschen zu Pflegefällen gemacht. Warum wollen Sie dieses Risiko auf sich nehmen? Mir können Sie diese Verantwortung nicht zuschieben. Ich bin gegen diesen Eingriff.«

Victorias Katzenaugen wurden schmal. Sie hatte nicht mit so viel Widerstand seitens des jungen Arztes gerechnet.

»Ich bin nicht gekommen, um mir die Operation ausreden zu lassen sondern weil Sie mit einer der besten Kliniken des Landes zusammenarbeiten.« Sie erhob sich. »Aber gut, wenn Sie mir nicht helfen wollen, dann muss ich eben andere Wege gehen und mich mit weniger guten Ärzten zufriedengeben. Falls mir dann doch etwas passiert, müssen Sie das eben mit Ihrem Gewissen vereinbaren.« Dieser Satz schwebte in der Luft wie eine düstere Drohung.

Als Danny nicht antwortete, drehte sich Victoria um und stolzierte auf ihren bleistiftdünnen Absätzen zur Tür.

Er sah ihr nach und seufzte tief.

»Also schön, ich spreche mit Frau Dr. Behnisch«, gab sich der junge Mediziner schließlich geschlagen.

Die sorgfältig manikürte Hand auf der Klinke, verharrte Victoria kurz an der Tür. Dann drehte sie sich um und lächelte Danny mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Triumph an.

»Ich wusste, dass ich mich auf Sie verlassen kann«, erklärte sie und zwinkerte ihm verschworen zu, ehe sie das Sprechzimmer verließ und Danny mit einem schlechten Gefühl zurückließ.

*

»Heute war dein Mitschüler Theo Miller bei mir in der Praxis«, erzählte Daniel Norden, als er am Abend am Esstisch saß und sich Lennis kalten Braten schmecken ließ.