Die Schönste in meinen Armen - Anne Marie Winston - E-Book

Die Schönste in meinen Armen E-Book

Anne Marie Winston

0,0
2,49 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Für Silver ist es Liebe auf den ersten Blick, als sie den attraktiven Rancher Don Stryker kennen lernt. Jede zufällige Berührung von ihm setzt ihren Körper in Flammen - er soll der Erste sein, dem sie alles geben wird, wonach er nur verlangt. Wie in einem Rausch erlebt sie einzigartige Stunden der Leidenschaft mit Don - niemals wieder will sie seine Zärtlichkeit missen. Silver ahnt nicht, dass er ihr etwas Entscheidendes verschwiegen hat: Don und ihr Halbbruder, der für einige Zeit verreist ist, hassen sich. Cal soll den Tod von Dons Zwillingsschwester verschuldet haben ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 202

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



IMPRESSUM

Die Schönste in meinen Armen erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Ralf MarkmeierLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2000 by Anne Marie Rodgers Originaltitel: „Seduction, Cowboy Style“ erschienen bei: Silhouette Books, Toronto Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe BACCARABand 1135 - 2001 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg Übersetzung: Christiane Bowien-Böll

Umschlagsmotive: nambitomo/GettyImages, Kladyk/GettyImages

Veröffentlicht im ePub Format in 07/2019 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733747572

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

Alles über Roman-Neuheiten, Spar-Aktionen, Lesetipps und Gutscheine erhalten Sie in unserem CORA-Shop www.cora.de

Werden Sie Fan vom CORA Verlag auf Facebook.

1. KAPITEL

„He, warte!“ Don Stryker hastete seinem Bruder Marty hinterher. Es war schwer, sich in dem einzigen Supermarkt von Kadoka, South Dakota, aus den Augen zu verlieren, aber Marty war plötzlich verschwunden. Don beschleunigte seine Schritte, bog um ein Regal … und stieß mit jemandem zusammen.

Weiche, volle Brüste wurden für den Bruchteil einer Sekunde gegen seinen Oberkörper gepresst, der Duft von Parfum stieg ihm in die Nase. Eine Frau.

Im Reflex streckte er die Arme aus und umfasste ihre Taille, damit sie nicht das Gleichgewicht verlor. Eine Schachtel Nudeln fiel ihr aus Hand und landete auf dem Boden. Don ließ die Frau wieder los und hob die Schachtel auf. „Entschuldigen Sie bitte.“

„Ich muss mich entschuldigen“, erwiderte die Fremde. „Ich habe nicht aufgepasst …“ Sie brach ab und starrte ihn an. Einen Moment lang konnte er nichts anderes tun, als zurückzustarren.

Sie war attraktiv. Umwerfend. Ihm stockte der Atem. Er hatte das merkwürdige Gefühl, sie zu kennen, auf geheimnisvolle Weise zu ihr zu gehören.

Ein dichter Kranz langer schwarzer Wimpern betonte ihre wunderschönen Augen, die in strahlend hellem Grau leuchteten, das wie flüssiges Silber wirkte. Wie hypnotisiert stand er vor ihr und spürte ein Kribbeln in den Fingern, mit denen er sie eben noch berührt hatte.

Sie war nur einen halben Kopf kleiner als er, aber sie hatte sich sehr zerbrechlich angefühlt. Groß und schlank, ging es ihm durch den Kopf, aber nicht zu schlank. Don gestattete sich, seinen Blick einen Moment lang auf ihren Kurven unter dem blauen T-Shirt verweilen zu lassen. Das Blau brachte ihre leicht gebräunte Haut und die unglaubliche Farbe ihrer Augen besonders gut zur Geltung. Nie zuvor hatte er solche Augen gesehen. Sie waren ein ganz klein wenig mandelförmig, was ihrem Gesicht etwas Exotisches gab.

Das dunkle, fast schwarze Haar, das ihr in dichten Locken bis weit über die Schultern fiel, trug zu diesem Eindruck bei. Ihre Nase war schmal und sehr gerade, die Jochbögen hoch, und ihr Mund … Als sein Blick über ihre vollen, sinnlich geschwungenen Lippen glitt, flackerte Begierde in ihm auf.

Auf einmal wurde er sich bewusst, dass er die Frau anstarrte. Und sie starrte ihn an, aber vermutlich nur, weil sie sich fragte, ob er wohl ganz bei Trost war.

„Ich war auf der Suche nach jemandem“, erklärte er. „Es tut mir leid, bitte entschuldigen Sie.“

„Ist ja nichts passiert.“ Sie lächelte ihn an. Fast hätte er einen bewundernden Pfiff ausgestoßen. Ihr Mund war eigentlich zu breit, aber in Verbindung mit ihren feinen Gesichtszügen wirkte er einfach nur umwerfend sexy. Beim Lächeln entblößte sie zwei Reihen perfekter, strahlender Zähne.

„Gut.“ Er frage sich, was er noch sagen könnte, aber Reden war nicht gerade seine Stärke. Schließlich tippte er sich nur an den Hut und trat zur Seite.

Der Blick aus diesen außergewöhnlichen Augen ruhte noch einen Moment auf ihm, dann ging sie an ihm vorbei und verschwand in der Richtung, aus der er gekommen war.

Don musste sich zwingen, ihr nicht zu folgen, um sie aufzuhalten. Langsam ging er weiter. Wer war sie? Jackson County hatte kaum tausend Einwohner. Sicher hätte er davon gehört, wenn eine solch attraktive Frau hierher gezogen wäre.

„Fertig?“ Sein Bruder war wieder aufgetaucht und schob einen Einkaufswagen Richtung Kasse. Er blieb stehen. „Was ist los?“

„Nichts.“ Don war noch immer damit beschäftigt, einen etwas zu breiten, zum Küssen einladenden Mund aus seinen Gedanken zu vertreiben. „Hast du die Haferflocken und Cornflakes?“

Marty deutete nur auf den gefüllten Wagen. „Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich deine Frau.“

Doch Don schaute sich suchend nach endlos langen Beinen und einer wilden, schwarzen Lockenmähne um und hörte gar nicht hin. Er musste sogar noch an sie denken, als sie mit Einkaufstüten bepackt den Supermarkt verließen.

„Siebzig Dollar!“, jammerte sein Bruder. „Siebzig Dollar, für vier lausig kleine Tüten mit Lebensmitteln. Dabei habe ich nicht einmal Fleisch gekauft, abgesehen von den Würstchen.“

Don hörte immer noch nicht hin.

„Es ist doch unglaublich“, fuhr Marty fort, als sie ihre Einkäufe zu Dons altem Pick-up trugen. „Die Preise … O Mann, siehst du, was ich sehe?“

Don hob den Kopf und folgte Martys Blick. Und da war sie.

„Wenn das keine heiße Frau ist.“ Es klang fast ehrfürchtig.

Don war natürlich der gleichen Meinung, aber es gefiel ihm nicht, wie sein Bruder sie anstarrte. Allerdings, welcher Mann könnte sie ignorieren? Silberauge musste kurz vor ihnen aus dem Supermarkt gekommen sein. Jetzt stand sie vorne an der Ausfahrt des Parkplatzes und schien auf jemanden zu warten. Sie wirkte irgendwie unsicher.

„Schnell“, sagte Marty. „Steig ein. Vielleicht braucht sie eine Mitfahrgelegenheit.“

Bevor sie ihren Plan in die Tat umsetzen konnten, bog ein brandneuer Pick-up um die Ecke und hielt direkt vor Silberauge. Sie öffnete die Beifahrertür und stieg ein. Dabei konnte Don einen kurzen Blick auf den Mann hinter dem Lenkrad werfen.

Don hörte, wie sein Bruder unwillkürlich einen Fluch ausstieß. Er selbst war zu geschockt, um auch nur ein Wort von sich zu geben.

Der Mann, der mit Silberauge davonfuhr, war niemand anderes als Cal McCall.

Er konnte es einfach nicht glauben.

Am nächsten Morgen, als Don den Stall ausmistete, hatte er immer noch das Bild der Frau mit den silberhellen Augen aus dem Supermarkt vor sich. Warum in drei Teufels Namen musste sie ausgerechnet zu McCall gehören? Der Kerl verdiente nicht einmal einen treuen Hund, geschweige denn eine so fantastische Frau wie diese.

Zähneknirschend leerte Don eine weitere Schubkarre und schob sie zum Stall zurück. Zur Hölle mit diesem elenden Feigling! Was hatte er überhaupt nach dreizehn Jahren Abwesenheit hier in Kadoka zu suchen? Niemand hätte gedacht, dass er jemals zurückkehren würde.

Und wenn er auch nur über einen Funken Anstand verfügte, dann wäre er nicht zurückgekommen.

Don jedenfalls musste nicht extra an jene Nacht erinnert werden, in der Genie gestorben war. Genie – seine Zwillingsschwester. Sie war gerade sechzehn Jahre alt. Die Schuldgefühle, die er seitdem mit sich herumschleppte, hielten die Erinnerung für immer lebendig.

Sie wollten damals in eine Disco. Marty wollte einen Wagen für sich allein haben, weil er etwas mit Lora Emerson hatte und seine jüngeren Geschwister, die unsäglichen Zwillinge, ihn nur gestört hätten. Genie und er hatten zwar selber schon den Führerschein, aber sie hatten beschlossen, im Wagen ihres besten Freundes, Cal McCall, mitzufahren. Er war der Sohn ihrer Nachbarn. Don erinnerte sich daran, als ob es gestern gewesen wäre. Ihr Dad hatte auf den Eingangsstufen gestanden, und sie hatten ihm zugewinkt. „Bis bald!“, hatten sie lässig gerufen. Vor Morgengrauen sind wir wieder da.“

Wie stolz waren sie auf diesen coolen Spruch gewesen. Und Cal und er hatten während der Fahrt schmutzige Lieder gesungen, bis Genie sie beide mit einem schwesterlichen Fausthieb zum Schweigen gebracht hatte.

Kurz vor elf hatten dann Cal und Elmer Drucker angefangen sich zu prügeln. Sie hatten sich schon den ganzen Abend wegen eines Mädchens in den Haaren gehabt. Es dauerte nicht lange, und bald war aus der harmlosen Rauferei eine richtige Schlägerei geworden, die erst endete, als jemand die Streithähne getrennt hatte. Elmer hatte eine Platzwunde über dem Auge gehabt. Cals Knie schmerzte und war bald darauf sehr stark angeschwollen. Schließlich hatte er Don gebeten, ihn nach Hause zu fahren.

Sein Leben lang würde Don sich mit der Frage quälen, was wohl geschehen wäre, wenn er es getan hätte.

Aber damals hatte er geglaubt, nichts sei wichtiger, als herauszubekommen, ob die enormen Rundungen unter Andrea Stinsens Pulli echt waren. Deshalb hatte er geradezu begeistert zugestimmt, als Genie angeboten hatte, an seiner Stelle zu fahren. Er selbst wollte später mit Marty nachkommen.

Sein Pech, dass dieser nur eine Viertelstunde später zum Aufbruch blies. Wie sollte er bei Andrea jemals zum Ziel kommen, wenn er ständig unterbrochen wurde? Allerdings hatte sie ihm bereits ziemlich eindeutig signalisiert, dass sie andere Vorstellungen hatte als er. So hatte er sich nach einem letzten ungeschickten Kuss also von ihr verabschiedet.

Und dann war da das Blinklicht gewesen. Mitten auf der Strecke. Marty hatte abrupt angehalten, als sie den quer über der Fahrbahn liegenden Wagen erkannten. Es war Cal McCalls Pick-up. Der Wagen, den Genie gefahren hatte. Don war wie betäubt zum Krankenwagen gerannt. Nur ganz vage hatte er wahrgenommen, dass ein riesiger Hirsch tot auf der Straße lag, und dass Cal McCall auf einer Trage saß, die gerade in den zweiten Krankenwagen geschoben wurde. Doch er war viel zu panisch vor Sorge gewesen, um wirklich auf irgendetwas zu achten.

Genie war noch bei Bewusstsein, als er zu ihr in den Krankenwagen stieg. Ohne ihr blaues Oberteil und die silberne Gürtelschnalle, die sie beim Hufeisenwerfen gewonnen hatte, hätte er seine Schwester nicht erkannt. Überall war Blut.

Sie hatte die Augen geschlossen und stöhnte vor Schmerz, doch als er ihre Hand nahm, hatte sie „Don“ geflüsterte.

Er hatte nichts sagen können und stattdessen nur ihre Finger geküsst.

Genie hatte sich bewegt und das Auge geöffnet, das nicht völlig zugeschwollen war. „Cal kann nichts dafür.“

Das waren ihre letzten Worte.

Zwölf Stunden später war sie gestorben. Sie hatte nie erfahren, dass der Mann, der an ihrem Tod schuld war, es sich in einem Krankenhausbett gut gehen ließ, anstatt in einer Gefängniszelle zu schmoren. Cal hatte nur ein paar Knochenbrüche abbekommen. Das war alles.

Wie konnte sie von ihm erwarten, Cal nicht zu beschuldigen?

Ein stechender Schmerz in den Handflächen machte Don klar, dass er die Griffe der Schubkarre umklammerte, als wolle er sie zerquetschen. Unwillig warf er die Tür zur nächsten Box auf und machte sich an die Arbeit.

Kaum hatte er begonnen, tauchten wieder diese erstaunlichen grauen Augen vor seinem inneren Auge auf. Um sich abzulenken, gab er sich der Erinnerung hin. Volle Brüste, geschwungene Lippen, zu breit, aber umso verlockender. Lippen, die er zu gern geküsst hätte, schlanke Beine, an denen die Jeans wie angegossen saßen. Verdammt, was hatte dieses wundervolle Wesen bei Cal McCall zu suchen?

Drei Stunden später hatte er seine morgendlichen Pflichten erfüllt. Martys Tochter Cheyenne hatte Fieber, und deshalb musste Don an Martys Stelle zur Viehfutterhandlung und zur Apotheke, um die Medizin für Cheyenne abzuholen.

Es war ein sonniger Tag, und er fuhr mit heruntergelassenen Scheiben. Auf dem Parkplatz der Viehfutterhandlung standen bereits ein paar Wagen, als er dort ankam. Er stieg aus, warf die Tür zu und ging zum Eingang.

Stumpie Mohler nickte ihm von seinem Schaukelstuhl zwischen Fässern und Säcken zu. „Tag, Don.“

„Tag, Stumpie.“

Sev Andressen, der Besitzer des Geschäfts, hatte Stumpie als Aushilfe eingestellt, nachdem dieser bei seiner Arbeit auf einer Ranch einen Arm verloren hatte. Allerdings sagten die Leute hinter seinem Rücken, dass Stumpie nur noch dazu da war, den Schaukelstuhl warmzuhalten.

„Wird heute wohl nicht warm genug, um richtig ins Schwitzen zu kommen“, verkündete Stumpie. „Weißt du schon das Neuste?“

Don überlegte. „Ich habe im Auto Nachrichten gehört. Kein Regen in Sicht. Eine neue Krise in Nahost …“

Stumpie räusperte sich und spuckte auf den Boden. „Ach was, das ist nichts im Vergleich zu meinen Neuigkeiten.“

„Na schön, lass hören.“

Stumpie zögerte. Er wirkte plötzlich verunsichert und besorgt. „Na ja, dir wird es wohl nicht besonders gefallen, das zu hören. Setz dich erst mal.“

Don verschränkte die Arme und wartete.

„Hab gehört, du hast gestern Cal McCall gesehen.“

Don nickte. Das Leben in einer Kleinstadt konnte manchmal unerträglich sein. „Da hast du richtig gehört. Was weiter?“

„Er hat die Ranch seines Vaters zurückgekauft.“

Don rang schwer mit sich, um sich nicht anmerken zu lassen, was für ein Schock das für ihn war. Er zählte bis zehn, bevor er antwortete. „Ist das alles?“

„Nein.“ Stumpie beobachtete Don. „Er war heute Morgen hier und wollte Futter bestellen. Hat Sev erklärt, dass er seinen Job in New York aufgegeben hat und für immer hierher zurückkommt.“

Aha. Cal hatte also in New York gelebt und war eine Großstadtpflanze geworden. Typisch. Und jetzt wollte er zurückkehren. „Danke für die Information“, sagte Don so gelassen wie möglich und betrat das Geschäft, um bei Sev seine Bestellung aufzugeben.

Um nichts in der Welt hätte er gewollt, dass irgendjemand erfuhr, wie sehr die Nachricht von Cal McCalls Rückkehr erschütterte. Dons Schritte klangen übermäßig laut, als er zur Theke ging, wo Sev an dem kleinen Computer arbeitete, den er vor kurzem installiert hatte.

„Morgen, Don.“ Der große, breitschultrige Mann bedachte Don mit einem prüfenden Blick. „Wie ich sehe, hat Stumpie dir die Neuigkeit schon erzählt.“

„Hm.“ Don zog seine Einkaufsliste aus der Hosentasche. Sie brauchten Spezialkraftflocken für die Stuten und noch ein paar andere Dinge, die Marty aufgeschrieben hatte.

Sev nahm sie ihm ab. „Schätze, das weckt bei dir einige unschöne Erinnerungen.“

„Es gibt schönere.“ Don deutete auf die Liste. „Hast du alles da?“

„Klar. Ich helfe dir beim Aufladen.“ Er ging um die Theke herum zum Ausgang. „He, Stumpie, komm rein und bewache das Telefon, solange ich draußen bin.“

Zehn Minuten später holperte Dons Wagen über die Kieseinfahrt zum Drugstore. „Es dauert noch ein paar Minuten. Tut mir leid, Don, aber heute ist wieder einer dieser Tage“, empfing ihn die Apothekerin und schüttelte bedauernd den Kopf.

Also schlenderte er im Verkaufsraum herum und wartete auf die Lieferung des Antibiotikums. Er stand gerade vor dem Zeitschriftenregal, als er aus dem Augenwinkel bemerkte, wie jemand aus einer anderen Regalreihe hervorkam. Unwillkürlich hob der den Kopf.

Es war Silberauge! Die Schöne aus dem Supermarkt. Cal McCalls Freundin. Sie blieb stehen, als sie ihn sah.

Diesmal trug sie schwarze Jeans mit einem ärmellosen weißen Top, das ziemlich weit ausgeschnitten war und den wunderschönen, leicht gebräunten Ansatz ihrer Brüste freigab. Ihre Augen waren genauso strahlend wie bei ihrer ersten Begegnung. Sie erwiderte seinen Blick und verzog einen ihrer Mundwinkel zu einem kleinen Lächeln.

„Hoppla, schon wieder begegnen wir uns zwischen Verkaufsregalen.“ Sie lächelte amüsiert und streckte ihm eine Hand entgegen. „Ich bin Silver Jenssen.“

Don sah hinab auf die zierliche Hand. Sie sah so zart und weich aus. Zögernd nahm er sie in seine. Sie fühlte sich genau so an, wie er es sich vorgestellt hatte. Nein, noch weicher, und glatt wie Seide. Sie sah ihn immer noch an, doch der Blick ihrer wunderschönen Augen nahm einen verwunderten Ausdruck an, und ihr Lächeln wurde schwächer. Er begriff, dass er sie wieder anstarrte, genau wie am Tag zuvor. Dabei wartete sie doch nur auf eine Antwort auf ihre freundschaftliche Begrüßung.

„Don Stryker.“ Er legte den Kopf schief. „Silver? Ich nehme an, wegen Ihrer Augen?“

Sie nickte. „Meine Mutter hat die gleichen.“

Er hielt ihre Hand noch immer fest. „Sie sind neu hier?“

Ihr Gesichtsausdruck wurde wieder freundlicher. Er musste sich mehr Mühe geben, sich wie ein normaler Mensch zu verhalten. Andererseits, sie gehörte zu McCall. Was für eine Rolle spielte es, was sie von ihm dachte?

„Ja“, erwiderte sie. „Aber nur zu Besuch, für ein oder zwei Monate.“

„Haben Sie hier Verwandte?“ Wenn sie jemals zuvor in Kadoka gewesen wäre, dann würde er sich daran erinnern, ganz bestimmt. Zu gern wüsste er, wie sie bei McCall gelandet war.

Vorsichtig zog sie ihre Hand zurück, und er ließ sie endlich, wenn auch zögernd, los. „Mein Bruder hat früher hier gelebt“, erklärte sie. „Er ist jetzt wieder hierher gezogen.“

„Ihr Bruder?“ Don hatte das Gefühl, als habe er eins über den Schädel bekommen. Sollte das etwa bedeuten, dass sie Cals Schwester war? Eine McCall? Aber sie hatte doch gesagt, ihr Name sei Jenssen. Don überlegte fieberhaft. Er war mit Cal aufgewachsen, aber von einer Schwester hatte er niemals etwas gehört oder gesehen.

Doch. Jetzt erinnerte er sich.

Er hatte sie nie gesehen, das stimmte, aber Cal hatte eine Schwester. Ja. Seine Mutter hatte seinen Vater verlassen, als Cal noch ein Baby war, um zurück an die Ostküste zu gehen, wo sie herstammte. Cal und sein Daddy waren auf der Ranch geblieben, während seine Mutter einen feinen Pinkel aus Virginia geheiratet hatte. Dieses verboten attraktive Weib musste die Halbschwester sein, die Cal manchmal erwähnt hatte.

Sie sagte etwas, und er zwang sich zuzuhören.

„Sie kennen sicherlich meinen Bruder. Cal McCall? Ich bin für ein paar Wochen hergekommen, um ihm dabei zu helfen, sich im Haus einzurichten.“

„Don“, sagte die Apothekerin, „deine Lieferung ist da.“

„Ich muss gehen.“ Er zögerte, denn ihm war klar, dass sie vermutlich so schnell nicht wieder mit ihm reden würde, wenn sie ihrem Bruder erst einmal gesagt hätte, wem sie begegnet war. „Alles Gute für Ihren Aufenthalt in South Dakota.“

„Danke. Ich bin ja noch ein paar Wochen hier. Wir werden uns also sicher noch öfter treffen.“

Es gab nichts, was er dazu sagen konnte, also nickte er nur und nahm die Medizin in Empfang.

„Mir geht es gut, alles klar. Mach dir keine Sorgen!“ Silver klemmte sich das schnurlose Telefon zwischen Ohr und Schulter, während sie einen Stapel frisch gespülter Teller zu einem der ebenso frisch gereinigten und mit Papier ausgelegten Küchenschränke trug.

„Ich weiß“, hörte sie ihren Bruder antworten. „Aber du kennst das ja, man legt alte Gewohnheiten nicht so leicht ab. Du warst eben zu lange meine kleine Schwester.“

„Nun, deine kleine Schwester ist jetzt sechsundzwanzig und wirklich imstande, ein oder zwei Wochen allein auf einer Ranch zu leben. Ich werde so beschäftigt sein mit dem Haus, dass ich gar nicht merken werde, wie die Zeit verfliegt.“

„Tut mir wirklich leid“, sagte Cal bestimmt zum zehnten Mal. „Ich hatte eigentlich hier in New York alles geregelt, aber ich schulde diesem Mann einen großen Gefallen, und als er mich anrief, mochte ich nicht ablehnen.“

Sie konnte es schon nicht mehr hören. „Hör mal“, sage sie, „ich mache gerade die Küche. Hast du bestimmte Vorstellungen?“

„Ist mir egal.“ Cal hatte ihr schon einmal gesagt, dass sie schalten und walten könne, wie sie wollte, sobald die Handwerker ihren Job gemacht hätten. „Ich muss jetzt los. Danke noch mal, Schwesterchen. Du hast was gut bei mir.“

„Kein Problem. Das hier ist für mich ehrlich gesagt wie Urlaub. Pass auf dich auf. Bis in zwei Wochen.“

Als Silver den Verbindungsknopf drückte, fiel ihr ein, dass sie vergessen hatte, Cal zu fragen, ob er sich an Don Stryker erinnerte.

Don.

Volles, braunes Haar, das er etwas zu lang unter seinem schwarzen Stetson trug. Wie er wohl ohne Hut aussah? Seine Augen waren dunkelblau, wie der Himmel kurz vor einem sommerlichen Gewitter. Er wirkte unglaublich stark und selbstbewusst, doch er lächelte zu selten. Wenn sie es recht bedachte, hatte sie ihn überhaupt noch nicht lächeln gesehen. Sie hatte das Gefühl, sein Lächeln, sollte sie jemals in dessen Genuss kommen, würde ihr glatt den Boden unter den Füßen wegreißen. Er war der aufregendste Mann, dem sie je begegnet war.

Sie hätte schwören können, ein Blitzschlag hatte sie getroffen, als er bei ihrer ersten Begegnung seine Hände um ihre Taille legte, um sie festzuhalten. Einen kurzen Augenblick lang hatte sie seinen Körper gespürt, hart und muskulös, und sie hätte dabei fast vergessen, zu atmen.

Bei ihrer zweiten Begegnung war es ihr sehr ähnlich ergangen – nein beinah noch schlimmer. Sein Blick war so … intensiv. Er schien jeden einzelnen Zentimeter ihres Körpers förmlich mit den Augen zu verschlingen. Aber auch da hatte er nicht einmal gelächelt.

Wäre sie auf der Suche nach einem Mann, dann würde sie Don bestimmt in die engere Wahl ziehen, aber ihr Bedarf war vorerst mehr als gedeckt. Eher sollte die Hölle zufrieren, als dass sie sich noch einmal on Komplimenten und Liebesgeflüster einlullen ließ.

Sie nahm eine kostbare Porzellanplatte und ließ sie in das Spülwasser gleiten. Sämtliches Geschirr musste abgewaschen werden, bevor sie es in Cals Schränken verstauen konnte. Nein, sie war nicht so dumm, sich so bald wieder von einem Mann einwickeln zu lassen.

Ein kalter Schauer überlief sie, als sie daran dachte, wie nah daran sie gewesen war, diesen Schuft zu heiraten. Chet war anders als die meisten Männer, die mehr in das Vermögen, das sie einmal erben würde, verliebt waren als in sie. Das hatte sie zumindest geglaubt. Doch auch ihm war es nur um einen schnellen Zugang zur Welt der Reichen und der Schönen gegangen. Erst im letzten Augenblick hatte sie die Wahrheit erkannt.

Ein Klopfen an der Tür unterbrach ihre unangenehmen Erinnerungen. Wer konnte das sein? Die Ranch lag gut zwei Meilen von der Landstraße entfernt. Zufällig verirrte sich bestimmt keiner hierher. Rasch wischte Silver sich die Hände ab, ging durch den Vorraum zur Tür und öffnete sie.

Da stand ein Mädchen. Oder vielleicht auch eine Frau. Sie war so dünn, dass es schwierig war, das genau zu beurteilen.

Die Augen des Mädchens waren dick geschwollen und schillerten in allen Farben. Und an ihrem Kinn hatte sie eine hässliche Schramme. Die Unterlippe war an der linken Seite aufgeplatzt, und man sah das rohe Fleisch … Silver stockte der Atem bei dem Anblick. Die junge Frau wirkte sehr vernachlässigt. Ihre Haut war stumpf und grau vor Schmutz. Auf ihrer Stirn hatte sie eine Beule von der Größe eines Tennisballs. Sie schien ganz frisch zu sein, und man konnte förmlich zusehen, wie sie weiter anschwoll.

Silver wusste, sie war vom Schicksal eher sanft behandelt worden, aber solch einen Anblick hätte sie ganz bestimmt nicht am frühen Morgen an der Hintertür von Cals Ranch erwartet.

„Hallo.“ Es war nur ein heiseres Flüstern. „Kann ich mal Ihr Telefon benutzen?“

„Natürlich.“ Silver hielt die Tür auf und streckte die Hand aus, um die unerwartete Besucherin ins Haus zu ziehen. Diese wich wie im Reflex davor zurück. Offenbar hatte sie Angst, geschlagen zu werden.

Silver erhob beide Hände und trat einen Schritt beiseite. Es brach ihr fast das Herz. „Schon gut“, sagte sie. „Kommen Sie herein. Ich zeige Ihnen, wo das Telefon steht.“

„Danke, Ma’am.“ Das Mädchen machte einen Schritt vorwärts. Plötzlich nahm sie einen erstaunten, fast flehenden Ausdruck an … und im nächsten Moment verdrehte sie die Augen und sank zu Boden.

Silver schaffte es gerade noch, sie aufzufangen, bevor sie mit dem Kopf auf den Boden schlug. Vorsichtig legte sie sie ab und schob ihr ein zusammengerolltes Handtuch unter den Nacken. Wen sollte sie verständigen? Das nächste Krankenhaus war viel zu weit entfernt. Ein Krankenwagen wäre eine Ewigkeit unterwegs. Diese junge Frau brauchte aber sofort Hilfe.

Es gab einen Notdienst in Kadoka, das wusste sie von Cal. Er hatte ihr einen langen Vortrag darüber gehalten, wie sehr hier alles von dem unterschied, was sie gewohnt war. Silver fühlte den Puls der Frau. Nach allem, was sie darüber wusste, schien er einigermaßen normal zu sein.

Sie rannte hinaus zu Cals Wagen und parkte ihn direkt vor der Hintertür. Dann ging sie zurück und kniete sich hinter den Kopf der Bewusstlosen. Die Frau war wirklich dünn unter den abgetragenen Jeans und dem zerrissenen T-Shirt, geradezu mager, aber Silver bezweifelte dennoch, dass sie es schaffen würde, sie zu tragen. So behutsam wie möglich hob sie den Kopf an und legte ihn sich auf den Schoß. Dann fasste sie unter die Achselhöhlen des Mädchens und richtete sich langsam auf. Schweiß trat ihr auf die Stirn. Der Kopf der Fremden wackelte bedenklich, aber was sollte sie tun? Silver bot ihre ganze Kraft auf, um sie zum Auto zu schleifen. Irgendwie gelang es ihr, sie auf die Rückbank zu legen.