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Eine unerlässliche Fußnote: Mir liegt die Einheitsübersetzung der Bibel von 1980, Herder Verlag, vor. In all meinen Aussagen beziehe ich mich auf die in dieser Ausgabe befindlichen Texte und ihren Wortlaut. Und noch eine Bemerkung, nicht weniger unerlässlich: Der vorliegende Kommentar ist keinesfalls eine "prophetische Rede". Er erhebt keinerlei Anspruch auf wie auch immer geartete Maßgeblichkeit. Er ist einzig eine Mitteilung der Empfindungen eines alten Mannes, der sich des Eindrucks nicht erwehren kann, fehl geleitet worden zu sein als er in seiner frühen Jugend nach Orientierung suchte.
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Seitenzahl: 477
Veröffentlichungsjahr: 2023
Alfred Bartylla Blanke
Die Schrift, genannt: „Heilig“
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Die Schrift, genannt: „Heilig“
VORWORT
DAS ALTE TESTAMENT
DAS NEUE TESTAMENT
DIE PAULINISCHEN BRIEFE
Nachwort I
Nachwort II
Impressum neobooks
Alfred Bartylla-Blanke
Ein höchst persönlicher Kommentar nebst einigen Reflexionen eines ehemaligen Messdieners zum Alten- und Neuen Testament.
Eine unerlässliche Fußnote: Mir liegt die Einheitsübersetzung der Bibel von 1980, Herder Verlag, vor. In all meinen Aussagen beziehe ich mich auf die in dieser Ausgabe befindlichen Texte und ihren Wortlaut.
Und noch eine Bemerkung, nicht weniger unerlässlich: Der vorliegende Kommentar ist keinesfalls eine „prophetische Rede“. Er erhebt keinerlei Anspruch auf wie auch immer geartete Maßgeblichkeit. Er ist einzig eine Mitteilung der Empfindungen eines alten Mannes, der sich des Eindrucks nicht erwehren kann, fehl geleitet worden zu sein als er in seiner frühen Jugend nach Orientierung suchte.
Es ist eine Momentaufnahme. Darüber hinaus setzt das vorliegende Werk Vorkenntnisse voraus, denn es ist anzunehmen, dass viele Leser/innen die Frage stellen werden: „Wovon spricht der Autor denn hier überhaupt?“, da die Bibel zwar viele Regale schmückt, der Bekanntheitsgrad ihrer Texte jedoch eher als kümmerlich zu bezeichnen ist. Diesem Missstand – der zunehmend nicht als solcher empfunden wird – kann nur abgeholfen werden, indem man sich der Lektüre der nicht unbedingt „heiligen“ allerdings sehr lesenswerten Schrift zuwendet. Somit wäre es angebracht, das „Buch der Bücher“ aus dem Regal zu nehmen, es abzustauben und zur Hand zu haben, sollte man mein vorliegendes Werk, aus welchem Grunde auch immer, lesen wollen. Überhaupt: Es wäre mir eine Freude, wenn diese meine Schrift Sie dazu verleiten würde, endlich die Bibel zu lesen anstatt Ihre sündigen Körper und trägen Geister im Sonnenbad auf fernen Stränden vergeblich nach Erholung suchen zu lassen.
Hinsichtlich mancher Stellen beider Testamente wiederholen sich meine Kommentare. Nun, ich habe aus ihnen das Gleiche herausgelesen. Also habe ich es auch niedergeschrieben. Darüber hinaus kann ich zu dieser meiner Schrift, wie auch überhaupt, nur noch sagen: Wenn den Weisen das Schweigen auszeichnet, dann können Sie an ihr erkennen, dass ich diesem spärlichen, jedoch äußerst erlauchten Kreise nicht angehöre. Was mir nichts ausmacht, denn es wird wohl kaum jemanden auffallen in dem polternden Lärm dieser Welt.
Noch etwas merken Sie sich, werte Leserinnen und Leser: Wenn ich auf den Seiten meines Kommentars von „Menschen“, „Menschenart“, „Menschenkindern“, „Menschengeschlecht“, bzw. „Gotteskindern“ spreche, dann schließe ich mich keinesfalls aus, denn ich bin so wie Sie/du/er/sie/ es.
Und zu allerletzt: Freilich habe ich die Schrift aus der Sicht und mit den Empfindungen eines „modernen“ Menschen gelesen und kommentiert. Dass mir in dieser Eigenschaft sowohl die Ausdrucksweise als auch die Sprachbilder des alten orientalischen Volkes – soweit sie sich bis heute in der Bibel erhalten haben – unbekannt sind, versteht sich von selbst. Das heißt, ich habe womöglich einiges anders verstanden, als die Schreiber der Texte es meinten.
Ich will dich kennen, Unbekannter,Du tief in meine Seele Greifender,Mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender,Du Unfassbarer, mir Verwandter!Ich will dich kennen, selbst dir dienen.
Aus „Dem unbekannten Gott“
von Friedrich Nietsche
Redaktion und Korrektur: Alfred Bartylla-Blanke, also unvollkommen
Copyright: Alfred Bartylla-Blanke
Als ich im fortgeschrittenen Alter wahrnahm, dass es mir nicht gegeben war, jung und unreif zu sterben, beschloss ich, mich mit der Bibel, der wichtigsten – wie ich meine – der drei Säulen unserer abendländischen Zivilisation, eingehend auseinander zu setzen. Die vorliegende Schrift ist die Frucht dieser meiner Mühe.
Wer diese Zeilen als einen Frevel empfindet, dessen Geist ist versklavt.
Wer sie als eine Verhöhnung empfindet, dessen Geist irrt auf der Oberfläche.
Wer sie recht versteht wird merken, dass sie ein Akt des selbständigen Denkens sind und ein Sieben-Meilen-Schritt auf dem Weg zu einem Leben im Einklang mit Gott.
Genesis
1,1: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“
Wenn wir in diesem Satz „Himmel und Erde“ mit „Universum“ ersetzen und „Gott – falls Er es nicht war – damit, was den Urknall ermöglichte, haben wir eine wissenschaftliche Definition des besagten Phenomens vor 13,7 Milliarden Jahren.
1,26: „Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich (…) Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“
Könnte es auch nicht heißen: „Als Marotte eines Despoten“? Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum am Menschen so wenig an Gott erinnert. Eine andere Erklärung für die Unvollkommenheit des Menschen kann darin liegen, dass der Gott ihn erst am sechsten Tage schuf, also nachdem er schon fünf Tage lang Schwerstarbeit verrichtet hatte. Ermüdungserscheinungen und der Gedanke an den inzwischen wohlverdienten siebten, freien Tag, könnten zur fehlerhaften Rezeptur bei die Erschaffung des Menschen geführt haben, womit sich der Gott mit der Schaffung seines Abbilds ein Problem aufgehalst hatte, was wir bis in die Gegenwart täglich beobachten können. Und doch trägt der Mensch in sich die Potenziale, heilig zu werden; er will es aber meistens nicht wahrhaben.
Gen. 2, 15 bis 17: „Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden. (… .) Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst Du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen (… .)“.
Was der Mensch dann doch tat.
Die Frucht vom Baum der Erkenntnis hat den Menschen also Schweiß, Blut und Tränen gebracht. Allerdings auch die Fähigkeit zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Im Prinzip, denn viele kriegen es nicht hin. In ihrem Verständnis liegt das Böse, dessen sie sich schuldig gemacht haben, immer außerhalb ihrer: Es sind die Umstände, also der Staat, die Polizei, der Verlust der nahestehenden Menschen, die Anderen, die Süchte, die eigenen Schwächen, – alles Dinge, für die man selbst bekanntlich nichts kann – die Angst um das eigene Wohl; also ja bloß nicht tun, was eigentlich getan werden müsste!
Gen. 3, 6: „Da sah die Frau (nachdem die Schlange auf sie eingeredet hatte), dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.“
Aufgrund dieser Begebenheit zu dem Schluß zu kommen, die Frau wäre schuld an der Verteibung aus dem Paradies, also an aller Mühe und Plage der Menschen, ist nicht gewagt, es ist verbrecherisch. Denn was sehen wir da? Adam wusste von den verbotenen Früchten von Anfang an, noch bevor Gott Eva aus seiner Rippe „baute“, wie es im Text heißt. Anstat seine Frau zu warnen, dabei Gott zur Hilfe zu rufen, oder ihr ihre Absicht unter Umständen auch mit drastischen Mitteln auszutreiben, aß er mit, womit er, der Mann, sich an der Vertreibung aus dem Paradies zumindest im gleichen Maße wie Eva mitschuldig machte; nach meinem Verständnis bedeutend schuldiger.
Sein Verhalten ist nur mit folgenden Begleitumständen zu erklären: Adam wollte Sex, Eva war vom Verlangen auf die verbotene Frucht besessen. Von seinem Trieb benebelt dachte wohl Adam: „Wenn ihr Wunsch in Erfüllung geht, wird sie zugänglicher für den meinen sein.“ So ticken Männer bis heute, und wir haben Adams Sexualtrieb die Vertreibung aus dem Paradies zu verdanken. Bei Eva hätte Gott mildernde Umstände walten lassen müssen. Er hat sie aber ebenfalls aus dem Pardies vertrieben, damit wir, Männer, nicht in vollendeter Tristesse hienieden herum wandeln müssen. Dadurch, dass Gott mit uns mehr Mitleid hatte als mit der Eva, haben wir allen Grund, Ihn zu preisen und die Frauen keinen, sich irgendwie für unseren Mist verantwortlich zu fühlen.
Nach Gen. 4,15 war der Herr also der erste, der bei einem Kapitalverbrechen keine Todesstrafe verhängte (Kain). Später aber gebot er sie durchaus, unter anderem für Mord. Bis heute haben sich nicht alle Rechtssysteme der „christlichen“ Staaten darauf besonnen, dass der erste Mord aus niederen Beweggründen unter dem Menschengeschlecht mit verhältnismäßig milder Strafe gesühnt werden musste. Sie haben die spätere Wahl ihres Gottes getroffen: Blut muss her. Schade.
Gen. 6,5 „Der Herr sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war“.
Darauf hin wollte Gott sein Abbild vom Erdboden vertilgen. Dadurch, dass Er sich um Noah, den einzigen Gerechten, sorgte, und ihn die Arche bauen ließ, stellte Er sich selber ein Bein, denn schon bald wurden Noahs Nachkommen ebenfalls „verdorben und voller Gewalt“ (Gen. 6,11) und sind es bis Heute geblieben. Allerdings hält sich der Herr bis in die Gegenwart an seinen Bund: „Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben“ (Gen. 9,11)
Nun, es steht fest: Eines schönen Tages – eigentlich eines jeden Tages – kann dem Herrn urplötzlich klar werden, dass Ihm mannigfache Möglichkeiten, und nicht nur Wasser, zur Verfügung stehen, um „die Erde zu verderben“. Der Mensch, soweit kein Wissenschaftler bestimmter Richtungen, weist diese Erkenntnis von sich und treibt weiter sein verbrecherisches Unwesen auf der gequälten Erde.
Gen. 28, 12 bis 15 beschreibt Jakobs Traum auf dem Weg nach Haran.
Mit Jakob hat der Herr ein hinterlistiges Mamasöhnchen, ein Weichei und einen Betrüger zu Seinem Günstling gemacht. Daran ist zu sehen: Gottes Wege sind wahrlich unerforschlich. Zumindest wissen wir jetzt, woher all die heutigen erfolgreichen Weicheier und Betrüger kommen. Sie haben die Gunst Gottes in den Genen.
Gen. 28, 20 bis 22: In Jakobs Gelübde sehen wir wieder den auf eigenen Vorteil Bedachten: „Wenn Du, Herr, mir, dann will ich Dir auch etwas Gutes tun.“ Auch damit ist der Unverschämte beim Herrn durchgekommen. Merkwürdig, wenn man bedenkt, mit welchem Übermaß an Zorn und Vernichtung der Herr in Sodom und Gomorra auf harmlose Sexspielchen reagierte. Bei Jakob aber hat sich der Herr um den Finger wickeln lassen, bis zu diesem Moment hat immer Er die Witze gemacht.
In Gen., Kap. 30, kommt ja wieder der gemeine Charakter Jakobs völlig zum Vorschein. Doch ist er der Selbstreflexion fähig: „Ich bin nicht wert all der Hulderweise und all der Treue, die du (Herr) deinem Knecht erwiesen hast (...)“ Ob Gott wohl deswegen zu ihm stand? Tatsache ist: Ohne die Einsicht in die Strukturen der eigenen Persönlichkeit ist die Annäherung an Gott nicht möglich.
Esau, der Betrogene und Ausgebootete, ist wiederum ein der Liebe fähiger Mann von Redlichkeit und Anstand.
Gen. 37,2: Kein Wunder, dass die Brüder Josef, der sie ausspionierte und ihre Verfehlungen dem Vater zutrug, ihn nicht mochten. Ihn deswegen in die Skalverei zu verkaufen ist jedoch mehr als übertrieben. Zu beachten ist aber, dass Ruben, aber auch Juda, etwas gegen die Untat hatten, die ursprünglich sogar im Mord bestehen sollte.
Wenn der Herr seit Onans Zeiten jeden Mann hätte sterben lassen, der „seinen Samen zur Erde fallen und verderben gelassen hätte“, wären Männer wohl heutzutage das kostbarste Gut auf Seinem Erdboden. Und wie schrecklich wäre ihr Los!
Gen. 39, 7: „Nach einiger Zeit warf die Frau seines (Josefs) Herrn (Potifar) ihren Blick auf Josef und sagte: Schlaf mit mir!“
Am Beispiel von Potifars Gattin sieht man, dass die Frauen seit Pardieses Zeiten ihre Ansprüche gesteigert hatten: Sie wollten keine Äpfel mehr, sondern Sex. Recht so!
Gen. 47, 13 bis 26: Hier sehen wir Josef als Blutsauger und Gewinnler durch die Not anderer. Wie bis heute alle, die die Gelegenheit dazu haben, bzw. denen hohe Posten in der Gesellschaft anvertraut werden.
Am Ende des Kapitels Gen. 50 sehen wir einen Josef, der, trotz seiner vom Vater geerbten schlechten Charaktereigenschaften, die er in seiner Jugend praktizierte, und trotz seines Blutsaugertums dem ägyptischen Volk gegenüber, die Vergebung der Vergeltung vorzieht. So ist anzunehmen, dass er begriff: Durch Vergeltung wird der Berg des Unrechts und Leids nur größer gemacht, nie kleiner, und dass die Sucht nach Vergeltung nicht zu stillen ist. So soll ihm meinetwegen Gott am Jüngsten Tage seine Schweinereien verzeihen.
Exodus
Ex. 1, 12: „Je mehr man sie (die Israeliten in Ägypten) aber unter Druck hielt, um so stärker vermehrten sie sich und breiteten sich aus (...)“
Es galt also schon damals: Je weniger zum Essen, je größer das Elend, um so größer die Geburtenrate. Na.
Aus dem Exoduskapitel Nr. 13 geht hervor, dass die Israeliten nicht nur Ägypten verlassen wollten, sondern dessen Bewohner vor dem Auszug auch noch zu plündern suchten. Und zwar auf Befehl von Oben. Von ganz Oben. O Zeiten, o Sitten! - kann man da nur nach den Römern ausrufen.
Ex. 5, 6 bis 10 werden die Arbeitsbedingungen der Israeliten in Ägypten beschrieben. Außer Schlägen gelten in der Arbeitswelt auch heute noch die Prinzipien der Ägypter: Das Erhöhen des Solls beim gleichem Lohn, die Unterstellung der Faulheit, die Überzeugung, der Arbeiter muss permanent überlastet werden, denn nur so steht ihm der Sinn nicht nach Protest gegenüber dem ihm angetanen Unrecht, und das Abwälzen jeglichen ihm widerfahrenden Missstands auf ihn selber; im besten falle auf die Umstände. Was dasselbe ist.
Ex. 18,12: „Dann holte Jitro, Schwiegervater des Mose, Tiere für Schlachtopfer und Brandopfer zur Ehre Gottes. Aaron und alle Ältesten Israels kamen, um mit dem Schwiegervater Moses vor dem Angesicht Gottes ein Mahl zu halten.“
Siehe da, es hat schon wahrlich eine lange Tradition: Wenn die in jeglicher Hierarchie Großen feiern, darf das Volk es bezahlen. Mitfeiern darf es nicht.
Ex. 18, 17 bis 27: Jetzt wissen wir, wem wir die Hackordnung zu verdanken haben: Jitro, dem Schwiegerpapa Moses'. Auf sein Betreiben hin berief Mose die Richter und sonstige Oberen. Mindestens hier hat sich der Herr zurückgehalten, denn die zweite, gleichwohl parasitäre wie verbrecherische Kaste, die der Priester, ist auf Seinen höchst persönlichen Geheiß entstanden. Allerdings was die Strafen für Verbrechen anbetrifft, kannte Er eigentlich nur eine: Die Todesstrafe. Fast wie in den USA. Wahrlich ein Barbar, der Herr. Die Amerikaner, Saudis, Iraner, Chinesen u.a. sowieso.
Für sich selber und für die Fürsten führte Er die Majestätsbeleidigung ein. Dieses Gesetz hat von seinem Bestand bis heute nichts verloren, hält sich immer noch hartnäckig. Auch bei Zeitgenossen, die der Herr hätte damals gar nicht meinen können. Dass man die Hexen inzwischen am Leben lässt, ist immerhin ein Fortschritt.
Im Gegensatz zu der oben erwähnten Strenge gebot der Herr Milde gegenüber den Armen und Bedürftigen. Auch auf Korrektheit und Redlichkeit anderen Menschen gegenüber legte Er großen Wert. Und doch selten sind jene, die „das verirrte Rind des Feindes“ zu diesem zurückbringen, ebenfalls diese, die „dem Gegner, dessen Esel unter der Last zusammenbricht“ helfen, obwohl sich viele auf Seinen Namen berufen. Immerhin gilt hier ohne Einschränkungen: Ehre und Dank dem Herrn für solche Gebote!
Doch in Ex. 20, 4 lesen wir: „Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde“.
Von Anfang an ein Spiel mit gezinkten Karten, denn wie kann ich als Gott – zumindest manche – meiner Kinder mit einem scharfen Verstand ausstatten, und gleichzeitig das Obige von ihnen verlangen? Partnerschaft sieht anders aus.
In der zweiten Hälfte des Kapitels Ex. 23 sehen wir, dass der Herr dem Volk Israel nicht verbietet, Feinde zu haben. Allerdings trägt Er ihm nicht auf, diese zu töten. Diese Drecksarbeit behält er sich selber vor, in dem er sagt: „Ich sende meinen Schrecken vor dir her, ich verwirre jedes Volk, zu dem du kommst, und alle deine Feinde lasse ich die Flucht vor dir ergreifen.“ So ermöglicht er auf elegante Weise das im früheren Bund den Ahnen der Israeliten auferlegtes Gebot „Du sollst nicht töten!“ einzuhalten. Ein Diplomat wie aus dem Bilderbuch, der Herr, keine Frage!
Ex. 24: In diesem Kapitel schuf der Herr zwar nicht zum ersten Mal, dafür aber kategorisch, eine Kluft zwischen denen, die er beim Namen rief, und dem gemeinen Volk. Die ersten sollten fortan die zweiten unterweisen, und die zweiten versprachen, zu gehorchen. Der Lohn für ihre Willfährigkeit den Oberen gegenüber war, dass sie sich nicht mal dem Berg nähern durften, auf dem Mose mit dem Herrn sprach. Diese Rezeptur ist denkbarst simpel: Das Pack muss wissen, wo sein Platz ist! Gehorche und lasse dich erniedrigen, damit du Anrecht auf dein tägliches Brot hast; natürlich nur dann, wenn es auch für dich reichen sollte! Wie kamen dann die Geringen unter den Israeliten noch auf die Idee, sich für auserwählt zu halten? Ach ja, man hatte es ihnen gesagt!
Ex. Kap. 32: Da ist aber der Aaron, als auf Geheiß Gottes mit viel Pump geweihter Priester, glimpflich davon gekommen, als er sowohl Mose als auch den Herrn verriet und dem Volk das güldene Kalb baute! Eine Ausrede, in der er vorgab (Verse 23, 24) nur nach dem Wunsch des Volkes gehandelt zu haben reichte aus, um die hohe soziale Stellung beizubehalten und weiterhin Ansehen und Reichtum zu genießen. Nun ja, man kann es bis heute beobachten: Die eine Krähe kratzt der anderen kein Auge aus. Von dem Herrn erwartet man aber keinen Filz. Allerdings ist der Aaron noch nicht am Schmitz Backes – sprich: An dem Gericht des Jüngsten Tages – vorbei. Dieses Gericht bietet auch dem Herrn die Chance, die Geringen zu erhöhen, die Mächtigen von ihren Sockeln zu holen, wie auch sonstige Seine Fehler doch noch gut zu machen.
Im Ex. 33, 19 spricht der Herr: „(… .) Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.“
Im Ex. 34, 6 bis 8 wiederum: „(… .) Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue. Er bewahrt Tausenden Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg, lässt aber den Sünder nicht ungestraft (...)“
Mir ist, als ob ich den Koran lesen würde, in dem diese Feststellung öfters vorkommt. Nun ja, der Koran geht auch über das Alte Testament nicht hinaus.
Jedoch zurück zu dem oben zitierten Vers: Nicht, dass ich es billigen würde, aber ich denke, genau so ist der Herr. Allerdings ist der steile, steinige, enge, mit Dornen bewachsene Pfad zu Ihm für jeden zu finden. Dem Herrn ist keine Schuld dafür zu geben, dass so gut wie niemand den anstrengenden Steg sucht.
Nach Exodus 35, Absatz: „Die Spenden für das Heiligtum“ hat der Herr nach violettem und rotem Purpur, Karmesin, Byssus, Balsam, Akazienholz, Gold, Silber, Kupfer und derartigem Gelumpe mehr verlangt. Na ja, jedem das seine, dass aber der Herr einer Spende in Sachwerten oder Geld bedarf, glaube ich nicht. Wohl „soll man vor Ihm nicht mit leeren Händen erscheinen“(Ex. 34, 20). Hierunter verstehe ich allerdings das Ablegen der üblen Charaktereigenschaften des Angetretenen, der natürlich „sich auch vor keinem anderen Gott niederwerfen“ (Ex. 34, 14) soll. Dies nicht so sehr deswegen, weil der Herr, wie es heißt, ein „eifersüchtiger Gott“ ist, sondern weil es keinen anderen Gott außer Gott gibt. Der im Exodus 35 gemeinte, nach Gold und Purpur lechzender Herr ist es nicht.
Und ob der Gott den Namen „Jahwe“ trägt? Womöglich. Eines steht fest: Wenn er sich nicht den Israeliten, sondern erst den ersten Deutschen offenbart hätte, würde er höchstwahrscheinlich „Otto“ heißen.
Levitikus
Die Reden in den ersten Kapiteln Levitikus von „unrein“ und „schuldig“ treffen insoweit zu, dass der Mensch aufgrund seiner Persönlichkeitsfehler durch Gedanken, Wort und Tat sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber schuldig machen kann. Bildlich gesprochen macht Schuld unrein. Dass aber Schuld durch verbrennen irgendwelchen Fetts und Körperteile eines noch so fehlerlosen Tieres getilgt werden könnte – solches ist schier unmöglich. Da bedarf es ganz anderer Vorgehensweise.
Die Feueropfer mit Fett, Fleisch, Öl, Balsam und sonstigem Räucherwerk zwecks der Erzeugung des „beruhigenden Dufts für den Herrn“ sind verabscheungswürdig, denn sie stellen eine Körperverletzung dar: Sie nötigten den Herrn, abhängig zu werden. Oder war der Herr ein Junkie und den Israeliten war dies bekannt?
Als erstes hat der Herr wohl keine andere Sorge, als die Kaste der Priester zu schaffen und sie in materieller Hinsicht ordentlich abzusichern. Ob ihm wohl bewusst war, was für ein machtgieriges Schlangengezüchte er da in Amt und Würden einsetzte? Oder ist er erst später allwissend geworden, als es Ihm nicht mehr möglich war, die Macht der Priester über die Seelen der Menschen zu brechen?
Was auffällt: Alle Gesetzesübertretungen sollten geahndet werden, allerdings spricht der Herr in den wenigsten Fällen, dass ein Gesetzesbrecher durch seine Stammesgenossen getötet werden soll. In den meisten Fällen „soll er aus seinen Stammesgenossen ausgemerzt werden“. Angesichts solchen Gebots würde der Tiefblickende sich hüten, den Sünder zu töten oder seine Tötung zu betreiben. Er würde den Übeltäter verbannen und seine „Ausmerzung“ dem Herrn überlassen.
Und welcher Wahn hat den Herrn dazu bewogen, die menstruierende Frau und die gewordene Mutter für unrein zu erklären? War es der „beruhigende Duft“ der Opfergaben?
Lev. 17, 13 und 14: Das Verbot des Blutgenusses ist also darauf zurückzuführen, weil der Herr meinte, das Blut wäre das Leben selbst, und durch den Tod des Tieres nicht leblos geworden. Nun, da braucht man sich Ihm nicht zu wundern: Schon die Vorstellung, Lebendiges zu verzehren, ist ein Greuel.
Lev. 19, 13: „Du sollst Deinen Nächsten nicht ausbeuten und ihn nicht um das Seine bringen“. Die menschliche Gesellschaft lebt bis heute, und besonders heute, in einem Wirtschaftssystem, dessen erstes und tragfähigstes Fundament die Ausbeutung ist. Wie viel „beruhigenden Duftes“ bedarf der Herr, um diese Tatsache zu ertragen?
Lev. 19,17: „Du sollst in Deinem Herzen keinen Hass gegen Deinen Bruder tragen (… .)“.
„Denn dieser schadet dir selbst mehr als ihm“, hat der Herr hinzuzufügen vergessen. Dafür aber hat er dem Menschen den Verstand gegeben, damit dieser es selber herausfindet.
Lev. 19, 17: „(…) Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden“.
Dir aber ein blaues Auge holen.
Lev. 19, 18: „(…) Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst“.
An diesem Gebot erkennt man, dass Erbarmen nicht unbedingt die erste Tugend des Herren war. Konnte Er es seinem Abbild nicht leichter machen? Würde da „halb so sehr wie dich selbst“ nicht unausführbar genug sein?
Lev. 19,32: „Du sollst vor grauem Haar aufstehen, das Ansehen eines Greises ehren (...)“
Aber nur, wenn ein Greis es verdient, denn es gibt da sehr eingebildete und unverschämte Typen unter den Alten. Es reicht, wenn man ihnen gegenüber korrekt ist.
Lev. 19,32: „(…) und deinen Gott fürchten“.
Von wegen. Gott ist nicht dafür da, um gefürchtet, sondern um eins mit Ihm zu werden.
Lev. 19, 33 und 34. „Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch als Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst (...)“
Nichts dagegen, ist in Ordnung. Allerdings merke: dass dem Fremden auch noch Boni zu gewährleisten sind oder dass er mehr zu gelten hat als das Wirtsvolk – das hat der Herr nicht geboten, im Gegenteil: In Lev. 25,6 spricht er von „Halbbürgern“. Wen hat er damit wohl gemeint?
Lev. 20: Die Abschaffung der Kinderopfer – überhaupt der Menschenopfer – war eine zivilisatorische Errungenschaft ersten Grades und unvergleichlich größer als die Erfindung der Dampfmaschine. Im Namen des Profits werden Menschenleben heute noch geopfert. Die Dampfmaschine wurde aus dem gleichen Grund vervollkommnet, bzw. ersetzt.
Lev. 20, 26: „Seid mir geheiligt; denn ich, der Herr, bin heilig, (…).“
Nicht durch das Einhalten von den Geboten und Vorschriften der – mit Ausnahmen der wenigen, allerdings ewig gültigen und notwendigen Gesetze – doch noch primitiven Religion des Alten Testaments wird man heilig, sondern durch die Vereinigung mit dem, was als „Gott“ bezeichnet werden kann. Die „Heiligsprechungen“ der Kirche sind ein Witz und ein Frevel. Man soll sie nicht ernst nehmen. Käme ein Leutnant auf die Idee, den General zum Feldmarschall zu erhöhen, würde ihm auch nur Gelächter entgegen hallen.
Lev. 21, 10 nebst anderen Stellen in Lev. und nicht nur dort: Dass der Herr es für nötig hielt, Priester einzusetzen, beweist, dass Er seinen Pappenheimern – will heißen: dem Volk – nicht traute. Eigentlich Grund genug, um dem Herrn zu zürnen. Tue ich aber nicht, es wäre zwecklos.
Lev. 24, 10 bis 23: Dieser Abschnitt erzählt von einem Gotteslästerer und seiner Steinigung auf den persönlichen Begehr des Herrn.
Einem Herrn, der empfindlich ist wie ein pubertierender Junge oder eine alte Jungfer, will ich nicht dienen. Der Mensch kann Gott nicht beleidigen, sondern nur das Gesetz. Einen Gesetzesbrecher mit Tod zu bestrafen ist jedoch ein Frevel und ein Verbrechen. Es gibt kaum Übleres, als einem frevelhaften Herrn dienen zu müssen.
Allerdings bin ich froh, heute und nicht unter der Knute des Herrn damals zu leben, denn meine vorliegenden Anmerkungen hätten weiland vollends gereicht, um mich der Gotteslästerung schuldig zu sprechen und mich zu steinigen. Und der Herr würde den ersten Stein werfen. Auch, wenn Er selbst nicht ohne Schuld ist.
Der in Levitikus vom Herrn gebotener Umgang mit Sklaven und sonstigen Unterschichtlern geht schon eindeutig in Richtung dessen, was heute unter dem Begriff „Humanität“ verstanden wird.
Die Segenszusagen für Gehorsam (dem Herrn gegenüber), wie auch die Strafandrohungen und Fluch für Ungehorsam (dem Herrn gegenüber) sind insoweit von Interesse, dass seit Menschengedenken jene Leute, die dem Herrn gegenüber nicht unbedingt gehorsam sind, sich aber in Seine Rolle katapultieren und die Geringen unter dem Menschengeschlechte drangsalieren, indem sie strafen und belohnen, vom Herrn nicht „ausgemerzt“ werden.
Von besonderem Interesse ist der Satz: „Ihr flieht, selbst wenn euch niemand verfolgt“. Die Menge der Menschen, die dies Hier und Heute tun, geht in die Myriaden. Gibt es denn Hilfe für diese Unglücklichen? Wenn überhaupt, dann hetzt man diesen Bedauernswerten irgendwelche Seelenklempner auf den Hals. Die meisten sind aber auch ohne diese Quacksalber unglücklich – eben weil sie vor dem Gehorsam dem Herrn gegenüber flüchten, es anders nicht können.
Lev. 27,34: „Das sind die Gebote, die der Herr dem Mose für die Israeliten auf dem Sinai gegeben hat“.
Aha, dem Mose für die Israeliten. Gut, dass Er mir andere, erhabenere und humanere Gesetze gegeben hat.
Das Buch Numeri
Das Eifersuchtsordal, Num. 5, 11 bis 31: Auf Geheiß des Herren hatte die Frau bei den Israeliten ein äußerst schweres Schicksal, denn der Eifersucht der Männer waren praktisch keine Grenzen gesetzt: Wurde sie der Eifersucht bezichtigt, musste sie sich hokuspokusartigen Ritualen unterwerfen. Was diese taugten, haben die meisten Menschen inzwischen begriffen. Für die Frau galt es: Je pathologischer das Eifersuchtsempfinden des Idioten von einem Ehemann desto grausamer ihr Schicksal. Die Wut der Frauen auf das Patriarchat ist verständlich: Sie haben genug in der ihnen zugeschusterten Rolle als Mittel zum Zweck durchgemacht.
Num. 6, 24 bis 26: „Der Herr segne dich und behüte dich/der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig/der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil“.
Welch erhabener Gruß… Er soll bloß nicht den Priestern den Laien gegenüber vorbehalten bleiben, sondern von Mensch zu Mensch getauscht werden. Und unter dem begriff „Herr“ soll auf keinen Fall der launische und despotische Herr des Alten Testaments gemeint sein, sondern der Gott der Liebe.
Num. 9,14: „(…). Für den Fremden und für den Einheimischen soll bei Euch dasselbe Gesetz gelten“.
Spätestens an dieser Stelle sehen wir den Anfang der Menschenrechte.
Num. 9, 15: „An dem Tag, als man die Wohnstätte (des Herrn, das Zelt mit der Bundeslade) aufstellte, bedeckte eine Wolke die Wohnstätte (...)“.
Die Wolke über die Tempel des Herrn – welchen Namen man Ihm in anderen Kulturkreisen auch immer gegeben haben mag – die allerdings nicht aus Gott besteht, liegt heute noch über Seinen Tempeln und wird am Verflüchtigen gehindert. Zwei ungemein starke Mächte hindern sie am Auflösen: Erstens die listigen, hinterhältigen, durchtriebenen Priester, zweitens die Dunstschwaden in den Gehirnen der Laien.
Das Interesse der Ersten ist klar: Leben in materieller Sicherheit in einer sozial gehobenen Stellung, ausgestattet mit einer Macht, die so arrogant ist, dass sie ihnen straflos erlaubt, die sie ernährenden Laien „Herde“ zu nennen. Das Interesse der anderen Gruppe liegt in der Angst, ja nicht selbständig denken zu müssen.
Num. 9,18: „(… .) Solange die Wolke über der Wohnstätte lag, blieben sie im Lager.“
Die Wolke besteht aus Verblendung, und das Lager aus den Fesseln um den Geist. Die Wolke ist die Angst vor allem, was man über sich herrschen lässt – und man läßt vornehmlich Angst über sich herrschen – das Lager ist alles, was den gewöhnlichen Menschen im irdischen Leben widerfährt/ die Menschen zulassen, dass es ihnen widerfährt.
Num. 9, 23: „(… .) Sie (die Israeliten) achteten an die Anordnungen des Herren, so wie es ihnen der Herr durch Mose befahl.“
Aha! Der Herr durch Mose befahl! Der Mose und alle sonstigen Vermittler können mich gern haben. Bei den Israeliten hat wohl noch niemand gewagt auch nur daran zu denken, dass der Kontakt, das Gespräch mit Gott, keinerlei Vermittler bedarf, im Gegenteil: Die Vermittler sind ein absolutes Hindernis im Kommunizieren mit Gott.
Nun, die, die sich trauen, unmittelbar in ein Verhältnis mit Gott zu treten, sind und waren schon immer selten.
Num. 10, 1 bis10: „(… :) Mach dir zwei silberne Trompeten! (… ,) soll man mit großem Lärm (die Trompeten) blasen. (…).“
Mit großem Lärm geblasen wird heute noch, mehr denn je, von allen Seiten, die Israeliten hatten noch keinen Schimmer davon, wie viele Richtungen es gibt, von denen her man blasen kann. Das mit übergroßem Lärm sogar. Und dieser steigert sich auch noch immerzu.
Num. 11, 10: „(… .)Da entbrannte der Zorn des Herren; Mose aber war verstimmt.“
Richtig so, Mose! Als Kind Gottes muss ich das Recht haben und es mir zu nehmen wissen, um zum Vater sagen zu können: „Was hast Du denn da bloß wieder für einen Mist gebaut?“. Wie wir im weiteren Teil des Kapitels sehen, hat die Klage Moses‘ gewirkt, der Herr gab nach und schickte Wachteln. Allerdings vergällte Er Seine Gnade, indem Er seinen Zorn wieder entbrennen ließ, und „schlug das Volk mit einer Bösen Plage“. Irgendwie konnte Er nicht anders, hätte einen Therapeuten gebraucht.
Ein schlechter Vater, der Herr. Er hatte seine Charakterfehler nicht im Griff. Eine Mutter hätte es nicht so getan. Sie hätte keine Plage geschickt, sondern sich des Sattseins ihrer Kinder erfreut.
Und noch ein „Aha!“: Der Herr weist alle Charakterfehler des Menschen auf. Jetzt wird mir der Satz aus Gen. 1, 26: verständlich: „Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich (…) Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“
Allerdings ist in diesem Vers die Rede nicht von dem „Herrn“, sondern von „Gott“. Welcher Schreiberling hat diesen Fehler zu verantworten?! Unverzeihlich, den Gott mit dem Herrn zu verwechseln! Es gilt: Der Mensch wurde von dem Herrn und nicht vom Gott geschaffen. Deswegen ist er dem Herrn so ähnlich, deswegen ist er mit dem Herrn austauschbar. Beide kann man in der Pfeife rauchen.
Nun weiß ich: Der Herr wird mit dem Gott verwechselt, er ist es aber nicht. Der Herr ist der Götze der Toren, wie es der Dichter in Reime fasst: „ Tor, wer nach drüben seine Augen richtet, sich über den Wolken seinesgleichen dichtet!*“
*J.W.v.Goethe, Faust II: Korrekt lauten diese beiden Verse: „Tor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet/Sich über den Wolken seinesgleichen dichtet!“
Die Lehre hat durch den Mann Namens Jesus von Nazareth, Anrede „Meister“, Adoptivsohn Josephs und leiblicher Marias, geboren zu Bethlehem, eine Revolution erfahren. Der Meister hat, unabhängig von Anderen, die das vor ihm und nach ihm taten, den Herrn enttrohnt und den Weg zum Gott aufgezeigt.
Der Mensch ist das Abbild des Herrn geblieben. Bis zum heutigen Tage liebt er es, nach dem Alten Gesetz zu leben, indem er den Zorn und weitere grässliche Eigenschaften seines Herrn nachahmt und nach ihnen handelt, das Gesetz Gottes, wie schon die Israeliten, mit großer Lust übertritt.
Num. 12: Auffällig, wie frauenfeindlich doch der Herr war. Aaron und Mirijam hatten beide über Seinen Liebling Mose getuschelt. Aaron, der ebenfalls des Herrn Liebling war, verschonte er, seine Frau Mirijam bestrafte er. Auf die Bitte Moses‘ linderte Er jedoch die Strafe. Typischer Klüngel unter Mächtigen.
Num. 14 und weitere Kapitel: Der ewige Aufruhr! Da würde ganz anderen Instanzen als dem Herrn der Kragen platzen! Und nach ihnen die Strafen: Tod, Verderben, Plagen über Plagen. Der Sühne, wie die Nacht dem Tag, folgte der nächste Aufruhr. Das macht klar: Lehren zu ziehen ist nicht des Menschen stärkste Eigenschaft. Und die Geschichte lehrt bis heute, dass sie nichts lehrt.
Num. 15,35: Das Gesetz des Herren sah für bestimmte Fälle die Todesstrafe vor. Hier aber befiehlt der Herr direkt in einem konkreten Fall, einen Menschen zu töten.
Man muss Ihm aber auch lassen, dass Er in Seinem Gesetz durchaus zwischen vorsätzlicher und aus Versehen begangener Unrechtstat unterscheidet. Auch Num. 35, 30 „(…) doch aufgrund der Aussage nur eines einzigen Zeugen darf man einen Menschen nicht töten“ ist rechtens. Die Übertragung des Erbbesitzes an die weiblichen Nachkommen wiederum (Num. 27,8) dürfte einer der ersten Schritte Richtung Gleichberechtigung gewesen sein.
Num. 31: Hier befiehlt der Herr direkt die Tötung anderer Menschen, und zwar aus Rache. Plünderung, Gefangen- und Beutenahme, Ermordung der als Bedrohung empfundenen Gefangenen, Vertreibung aus angestammter Heimat, scheinen durchaus unter der Zustimmung des Herren zu geschehen.
Diese Verbrechen finden auch heute statt, und nicht selten scheint es so, dass die Täter, gleich den Israeliten, Lieblinge des Herren sind, denn sie gehen straffrei aus.
Num. 31, 35: „(… ,) Frauen, die noch mit keinem Mann geschlafen hatten.“ haben auch heute noch einen besonderen Wert für die Verbrecher allerlei Couleur, die sich meistens „Befreier“ nennen. Was Wunder, wenn diese sich auf den Herrn, den sie mit Gott verwechseln, berufen.
Num. 32, 38: „(… .) Sie gaben nämlich den Städten, die sie wieder aufbauten, neue Namen.“ und Num. 33, 55: „Wenn ihr die Einwohner des Landes vor euch nicht vertreibt, dann werden die, die von ihnen übrig bleiben, zu Splittern in euren Augen und zu Stacheln in eurer Seite (...)“ Frappierend, die Ähnlichkeit mit den „Gründen“ der Vertreibung der angestammten Einwohner aus ehemaligen Ostdeutschland nach 1945, etwa 3200 – dreitausendzweihundert! – Jahre später. Und das war nicht das Ende der Vertreibungen auf dieser Welt.
Deuteronomium
Der Mensch bestimmt weder seine geographische noch ethnische noch kulturelle Sphäre, in der er das Licht der Welt erblickt und von der er geprägt wird. Die Zeitgenossen und Mitbürger Jesus‘ von Nazareth waren nun mal Juden und das wurde er auch. Die Heimat der Juden war um das Jahr Null eine römische Provinz. Die Juden waren zu dieser Zeit schon seit langem ein Kulturvolk, das kaum einem anderen Kulturvolk der damaligen Zeit nachstand, vielleicht sogar im Gegenteil, einigen anderen überlegen war. Unter anderem hatten sie ein Rechtssystem, dessen Fundamente mehr als eintausend Jahre zurückreichten, und das für damalige Zeit nicht als rückständig anzusehen ist.
Nach diesem Gesetz war ihr Mitbürger namens Jesus von Nazareth zweifellos ein arroganter Häretiker. Was wunder, das sie ihn tot sehen wollten? Da sie als von Rom Unterworfene keinen zum Tode verurteilen und hinrichten durften, wandten sie sich an die Römer, die als Herren im Lande dies durften. Da aber Rom mit seinem Schwert zwar seine – und griechische – Kultur in die Welt trug, aber keine bestimmte Religion, war seinem Statthalter in Judäa, dem Pontianer namens Pilatus, nicht einsichtig, warum die Juden einen der ihren zum Tode verurteilt sehen wollen. Deswegen versuchte er den Todesurteil nicht auszusprechen. Angesichts des nicht nachlassenden, aus religiösem Eifer resultierenden Drucks der Masse, gab er schließlich nach, und zwar nach dem Motto: „Lieber irgendein toter Ungeliebter als anhaltende Krawalle im Volk!“.
Die Juden haben sich angesichts ihres damaligen Verständnisses von Recht und Gesetz korrekt verhalten. Der Pontianer hat sich menschlich ebenfalls korrekt verhalten und politisch sogar klug. Es stellt sich die Frage: Wo ist denn da die Schuld der Juden am Tod Jesu?
Keine Frage: Aus unserer heutigen westeuropäischen Sicht war das damalige Recht nicht nur der Juden und Römer, sondern aller Völker, barbarisch.
Allerdings: Heute noch gilt in nicht wenigen Staaten der Welt die Todesstrafe durch Steinigung für Gotteslästerung und Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe. Wer tut sich darüber empören? Und: Erklärt man die Opfer dieser barbarischen, aus religiösem Eifer resultierenden „Rechtssysteme“, zu Göttern?
Schlussbemerkung Pentateuch
Was dem Pentateuch gemeinsam ist, ist die Einsetzung der Priester. Diese parasitäre, vorteilshungrige Kaste ist bis heute nicht verschwunden. Die heutigen Priester sind weder Nachkommen des Meisters namens Jesus noch der Apostel. Über die Priester Ammons, Baals und anderer Götzenbilder sind sie in gerader Linie Nachkommen der Medizinmänner und Schamanen der ersten menschlichen Zusammenschlüsse. Mit einem Unterschied: Die Schamanen hatten höchstwahrscheinlich bedeutend intensiveren Zugang zum Numen gehabt als sie. Und merke: Die heutigen Priester, nicht die modernen Priester. Modern sind bei ihnen allemal die Mittel, mit denen sie die Geringen und Einfältigen den Zugang zu Gott versperren; so, z. B., die Gitarre oder Ausstellungen in den Kirchen..
Eine Rechtfertigung für ihre Existenz gibt es jedoch: Die Geringen und Einfältigen, die fern der Aufforderung, ja Erkenntnis, „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ leben, brauchen sie, sonst hätten sie weder Lebensmut noch Hoffnung. Man sehe sich nur den Jubel auf dem Petersplatz an, wenn der Papst sich dem Volke zeigt. Als ob der arme Tropf, genannt „Nachfolger Petri“ und sogar „Stellvertreter Christi“ (sic!) die Macht hätte, für sie beim Gott das Heil zu erwirken. Als ob er nicht selber verwirrt wäre und der Hilfe eines Seelendoktors bedürfte, denn man kann nicht „normal“ sein, wenn man sich mit so einem Posten betrauen läßt.
Allerdings wollen wir mit den Schimpftiraden nicht übertreiben: Irdische Macht hat der Papst schon. Damit kann er im Rahmen dieser Welt Gutes tun. Eine Reihe von Päpsten, voran die des XX und XXI Jahrhunderts, taten und tun das auch – wenn auch nur bruchstückhaft, denn die gleichen Päpste produzierten auch Opfer. Dazu aber ist anderswo Konkreteres zu lesen.
Sollte jemand einwenden, dass man einen großen Anteil der Geringen und Einfältigen beim besten Willen nicht als „gläubig“ bezeichnen kann: Nun, diese Menschen haben das Internet, Smartphone, Fernsehen, Fußball, Bier, Spaß. Am Spaß ist nichts auszusetzen. An seiner Qualität schon.
Das Buch Josua
Jos. 6,17: „Die Stadt (Jericho) mit allem, was in ihr ist, soll zu Ehren des Herrn dem Untergang geweiht sein (…)“.
Die Stadt Hiroshima ist nicht zu „Ehren des Herren“ in Feuer und Rauch aufgegangen. Die Rechtfertigung ihrer Vernichtung, betrieben durch erklärte Anhänger des Herren, klingt in den meisten Ohren der heutigen Anhänger des Herren genauso plausibel, wie der Ausspruch Josuas, wenn sie auch ganz anders lautet.
Jos. 6,27: „Mit scharfem Schwert weihten sie alles, was in der Stadt war, dem Untergang, Männer und Frauen, Kinder und Greise, Rinder, Schafe und Esel.“
Man kann also auch mit einem Schwert weihen? Ich dachte, nur mit Wasser. Gut wäre es, wenn man endlich auf der Welt damit anfinge, mit Brot, Reis und Medikamenten zu weihen und nicht mit Wirtschaftshilfe, die dahin fließt, wo keine Hilfe nötig ist.
Als Josua und die Seinen von den Amoritern Prügel bezogen, da „zerschmilz das Herz des Volkes und wurde zu Wasser“ (Jos. 7,5).
Der Mensch sucht die Gründe für seine Niederlagen in 99,9% der Fälle außerhalb seiner selbst. Es sind immer andere Menschen, die Umstände oder das Schicksal schuld. Es war soweit edel von den Israeliten, die Schuld dem Herrn zu geben, denn diesem kann man alles anlasten ohne Ihn zu überlasten. Vor allem aber kann man Ihn nicht verfolgen mit dem Zweck, Ihn zu bestrafen. Und Hass Ihm gegenüber zu hegen schadet nur dem Hassenden, in keinster Weise dem Herrn.
Im vorliegenden Falle kam aber alles anders. Der Herr nahm die Ihm gegebene Schuld nicht in aller Demut auf seine Kappe, sondern zeigte den wahrhaft Schuldigen auf. Es war der arme Achan, der sich unrechtmäßig etwas von der Beute angeeignet hatte. Er wurde gesteinigt.
Noch vor ein wenig mehr als zweihundert Jahren zeigte der Herr seinen „Stellvertretern“ die wahrhaft Schuldigen. Sie wurden verbrannt. (Das letzte Mal im Jahre 1781 in Sevilla. Allerdings soll das Opfer vor dem Anzünden erwürgt worden sein. Hoffentlich trifft das zu.)
In unserem Kulturkreis beruft man sich heute bei der Suche nach den Schuldigen nicht mehr auf den Herrn, sondern auf das Recht, bei dessen Schaffung man sich allerdings doch auf den Herrn beruft. Vermutlich ist deswegen das Recht in manchen Fällen nicht viel besser, als zu der Zeit, als der Herr noch mit seinen Lieblingen persönlich sprach. Einzig die Strafen sind nicht mehr so grausam, wenn auch nicht selten grausam genug. Alle sind aber zufrieden. Damals waren sie es auch.
In der nächsten Schlacht kämpfte der Herr wieder auf der Seite Israels (Jos. 10,14) und zusammen vernichteten sie die Amoriten. Merkwürdig: Hatten denn die Amoriten keinen Herrn oder war ihr Herr im Urlaub? Aha, sie haben bestimmt gesündigt. Durch ihr bloßes Da-Sein vermutlich.
Mit Hilfe des Herren und mit Seinem Segen richteten die Israeliten bei der Eroberung des Gelobten Landes ein Blutbad um das andere an. Nur weil der Herr in Seinem unerforschten Ratschlag sich darauf versteifte, ihnen das Land Kanaan zum Erbbesitz zu geben. War das richtig so? Der wahrhaft Gläubige zweifelt nicht! Und an „wahrhaft Gläubigen“ fehlt es auch heute nicht. Einzig der Herr hat den Namen geändert. Gegenwärtig heißt er Wirtschaftsinteressen, nationale Sicherheit und political correctness.
Das Buch der Richter
Rich. 1,28: „Als die Israeliten stark genug geworden waren, zwangen sie die Kanaaniter zur Fron (… .)“ .
Und doch immer noch pflegten sie das Gedenken an ihr Schicksal „im Lande Ägypten, wo sie Skalven waren“. Bestes Beispiel für die ehemaligen Opfer, die zu Tätern werden. Doch es wäre verwunderlich, wenn die Israeliten die ersten wären, die der Devise: „Wenn mich einer ins Gesicht schlägt, ist es schlecht; wenn ich einen ins Gesicht schlage, ist es gottgefällig!“ huldigten. Auf keinen Fall waren sie die letzten, denn diese Sitte hält sich bis in die Gegenwart und auch heute gilt: Deckt man die Untaten der Sieger auf, muss man mit Verfolgung rechnen.
Rich. 2,11: „Die Israeliten taten, was dem Herrn missfiel, und dienten den Baalen.“
Na, dann taten sie nichts Besonders. Auch heute noch wird dem Baal gedient. Einzig sein Name hat sich verändert. Er heißt jetzt „Fun“.
An dem Vers Rich. 6,7: „Als die Israeliten (die zuvor taten, was dem Herrn missfiel) wegen Midian (ein ihnen zusetzender Amalekiterfürst) zum Herrn schrien“ ist folgender Spruch erkennbar: „ In der Not kann man auch auf Tugend machen“ und „Im Glück Verschmähter, in Not Begehrter“.
Rich. 6, 36: Gideon war der nächste, der ohne eindeutige Versicherung des Herrn nicht bereit war zu tun, was Dieser von ihm verlangte.
Rich. 9, 52 und 53: Als Abimelech „an die Burg heranrückte, warf ihm eine Frau einen Mühlstein auf den Kopf“ und richtete ihn so zugrunde.
Hier sehen wir: Nur eine Frau kann einen Macho in die Schranken weisen. Wenn es sein muss, mit einem Mühlstein. Einen Macho bewundern die Männer und beneiden ihn um seine Manier und viele eifern ihm in beschämender Weise nach. Dass sie dabei von einem Mühlstein zugrunde gerichtet werden können, verdrängen sie.
Rich. 11, 29 bis 40: Hier wird erzählt, wie der Israelit Jiftach dem Herrn verspricht, „Ihm als Brandopfer darzubringen, was ihm auch immer als erstes aus der Tür seines Hauses entgegenkommt“, falls der Herr ihm den Sieg über die Ammoniter beschert. Er trug den Sieg davon und das erste, was ihm aus seinem Haus entgegentrat, war seine Tochter. Wenn auch unter Tränen tat er, was er gelobt hatte.
Entweder war der Herr ein blutrünstiges Ungeheuer oder Er sah sich gezwungen, die Seinem Abblid Jiftach eigene Unsitte, zu schwören und zu geloben, mit grausamen Mitteln auszutreiben.
Das Buch Rut
In zum Buch Rut von dessen „unfehlbaren“ Auslegern geschriebenen Vorwort steht der Satz : „Es zeigt, das Gott auch den Heiden, die sich zu Abraham und seinen Nachkommen, zum Volk Israel, bekennen, Segen und Heil schenkt“.
Ich bekenne mich zum Volk Israel nur in dem Sinne, indem ich derselben Art angehöre, wie dieses auch. Natürlich auch zu den jüdischen Kulturanteilen, die ich als Abendländer von ihnen geerbt habe. Trotzdem: Wieso habe ich dann mein Leben lang Zugang zu Gottes Heil und Segen, denn, ehrlich betrachtet, hatte ich doch im Leben immer Glück gehabt? Hat Gott es etwa nicht gemerkt, wessen Kind ich bin? So will ich aber still sein!…
In Rut 2 wird erzählt wie Rut, die eine Moabiterin war, Nachlese auf dem Feld des Verwandten ihrer Schwiegermutter Naomi namens Boas tat, und wie dieser auf sie aufmerksam wurde und ihr besondere Vergünstigungen auf seinem Acker und bei seinen Knechten einräumte. Daraufhin sprach Rut zu Boas: „(… .) Wie habe ich es verdient, dass du mich so achtest, da ich doch eine Fremde bin?“.
Offensichtlich wussten die Fremden damals noch zu schätzen, wenn ihnen Achtung und Vergünstigungen zuteil wurden. Heute kennen nicht wenige von ihnen nur noch Anspruch und Vorwurf an und Respektlosigkeit gegenüber dem Gastvolk. Woran die Gastvölker nicht gänzlich unschuldig sind, denn was soll man von ihrer Selbstachtung denken, wenn sie einem einheimischen Arbeitslosen die Schuld an seinem Schicksal selbst geben und die Arbeitslosigkeit eines Fremden „Ausgrenzung“ nennen?
Das erste Buch Samuel
Im ersten Absatz des ersten Kapitels wird von der Verzweiflung Hannas erzählt. Der Grund ihrer Plage war ihre Kinderlosigkeit. Die Geschichte hatte jedoch ein Happyend: Nachdem Hannah viel betete, sich den Segen des Priesters Eli holte, sich von ihrem Mann - wie das damals vornehm hieß: „erkennen ließ“ - wurde sie schwanger und gebar Samuel. Hosanna!
Und doch bleibt folgende Frage offen: Hätte Hannah das Dankeslied ( 1. Sam. 2, 1 bis11) an den Herrn nicht verfasst, hätte Er ihren Wunsch trotzdem erfüllt?
Es ist zu begrüßen, das heutzutage Frauen die Möglichkeit haben, auch auf andere Weise sich selbst zu verwirklichen. Dies tun sie auch nicht gerade selten. Doch alles in allem bleibt für die Frau das Kind ihre höchste und ersehnteste Selbstverwirklichung.
In 1. Sam. 2, 12 bis 22 wird zum ersten Mal die Willkür der Priester, der Söhne Elis, beschrieben, wie sie sich das Beste von den Gaben für den Herrn aneigneten, sich an ihnen „mästeten“, und die Mahnungen ihres Vaters in den Wind schlugen. Der Unterschied zwischen ihnen und seinen gegenwärtigen Nachfolgern ist: Sie – und sogar ihr Vater – wurden bestraft. Die heutigen Priester gehen straffrei aus.
Vielleicht ist der Herr inzwischen des Strafens müde geworden und lässt jegliche Vergeltung erst am Jüngsten Tage walten? Möglich, oder? Die Institution des Jüngsten Tages hätte wahrscheinlich auch ihr Positives, wenn es sie denn tatsächlich gäbe...
In 1. Sam. 3 wird berichtet, wie der Herr nachts mit Samuel sprach, was Samuels Vorgesetztem, dem Priester Eli, aufgrund der Umstände nicht verborgen blieb. So sprach Eli am nächsten Morgen zu Samuel: „Was war es, was der Herr zu dir gesagt hat? Verheimliche mir nichts!“ (Vers 17).
„Verheimliche mir nichts, denn du bist geringer als ich!“ gilt heute noch. Das Verheimlichen ist nach wie vor das Privileg der Mächtigen.
In 1. Sam., Kapitel 5 und 6, wird berichtet wie die Philister die Israeliten besiegten, die Bundeslade erbeuteten und sie wieder zurück gaben, das deswegen, weil „des Herrn Hand schwer auf ihnen lastete“, indem sie ihren eigenen Götzen Dagon zerschmetterte und die Philister in all ihren Ländern unter Beulenpest leiden ließ.
Der Herr machte also Aufstand wegen einer Sache, die das Volk gefälligst als „heilig“ wahr zu nehmen und zu behandeln hatte. Wegen des vergossenen Blutes und sonstiger Untaten machte Er nicht so viel Aufhebens. Wie heute auch, mit einem Unterschied: Heute ist es nicht mehr die Lade, sondern das Öl. Das Öl gilt zwar nicht als „heilig“, das vergossen Blut allerdings – damals wie heute – auch nicht.
1.Sam. 8, 1 bis 3: Als Samuel alt geworden war, setzte er seine Söhne als Richter in Israel ein. „(…) Seine Söhne gingen nicht auf seinen Wegen, sondern waren auf ihren Vorteil aus, ließen sich bestechen und beugten das Recht.“
Wie vormals schon die Söhne Elis. Und wie die höchsten Amtsträger heute. „Wie der Vater, so der Sohn“ scheint eher bei Taugenichtsen zuzutreffen als bei den Samuels.
Darüber hinaus: Wenn man sich heutzutage erdreißt, Amtsträger zu kritisieren, kriegt man nicht selten zu hören „Was hat dich daran gehindert, selber ein Amtsträger zu werden?“ Dieser Spruch belegt die Einfältigkeit und Unterwürfigkeit des Fragestellers, indem er entlarvt, dass dieser gerne einen vor der Nase hat, der ihm die Zuständigkeit für seine elementaren Angelegenheiten abnimmt, und dass er völlig übersehen hat, dass der Amtsträger nicht etwa aus Edelmut Amtsträger geworden ist, sondern sich mit anderen Dränglern darum schlug.
Das schien bei den Israeliten um das Jahr 1000 vor Christus nicht so gewesen zu sein: Saul schlug sich nicht darum, König zu werden, und er drängelte sich nicht danach. Es war das Volk der Israeliten, das nach einem König verlangte, das trotz der Warnungen Samuels, der ihnen klar machte, was es bedeutet, einen König zu haben („Er (der König) wird eure Söhne holen und sie bei seinen Wagen und Pferden verwenden, und sie werden vor seinem Wagen her laufen. Er wird sie zu Führern über Abteilungen machen. Sie müssen sein Ackerland pflügen und seine Ernte einbringen. Sie müssen seine Kriegsgeräte und die Ausrüstung für seine Streitwagen anfertigen. Eure Töchter wird er holen damit sie ihm Salben zubereiten und kochen und backen...“u.a.m. (1.Sam. 8, 11 bis17) Sie wollten den König sogar gegen den Willen des Herrn, der zu Samuel sprach: „… mich haben sie verworfen: Ich soll nicht mehr ihr König sein …“ (1.Sam. 8, 7), doch trotz dieser bitteren Klage seinem Diener Samuel folgendes auftrug: „… . Höre auf die Stimme des Volkes und setz ihnen einen König ein!...“ (1.Sam.8,7).
Ja, ein wenig Verbitterung klang in den Worten des Herrn schon, wie es mir scheint. Und er reagierte – wie immer, wenn es Ihm bei den Seinen etwas nicht gefiel – sehr unedel: Er drohte den Israeliten mit Seiner Ungnade. Ihren künftigen König zeigte Er aber selber auf (1.Sam. 9,16).
Wie dem auch sei: Die ganze Geschichte um Saul führt uns die Natur des Menschen vor Augen. Diese besteht darin, dass es dem Menschen nicht ausreicht, das Gesetz zu kennen und sich nach ihm zu richten, unter einer bloß lockeren zivilen Autorität. Er sehnt sich nach einer starken Führung, die ihn dazu zwingt, das Gesetz einzuhalten. Falls das Regime das Gesetz beugt, es denaturiert und pervertiert, meint er, nichts dafür zu können, denn es entspricht seiner Natur, die Verantwortung zu delegieren – und zwar in Richtung der ihn Beherrschenden. Der Mensch will einfach nicht einsehen, dass er es ist, der die Konsequenzen des Treibens der Mächtigen ausbaden muss. Aus Bequemlichkeit und Furcht vor der Verantwortung kreiert er die Herrscher und lässt sie in der irrigen Annahme herrschen, um ungestört – und vor allem konsequenzlos – seine Leier „Ich kann nichts dran machen!“ weiterhin herunter spulen zu können. Der Mensch will als unschuldig gelten. Dafür ist ihm jedes, und noch so selbstbetrügerisches, Mittel recht. Bis heute sind die Rufe der Samuels „… der Herr, euer Gott (= das ethische Gesetz) ist euer König!“ nur bei wenigen Menschen angekommen.
1. Sam.15, 22: „Samuel aber sagte: Hat der Herr an Brandopfern und Schlachtopfern das gleiche Gefallen/ wie am Gehorsam gegenüber der Stimme des Herren?/ Wahrhaftig, Gehorsam ist besser als Opfer, / Hinhören besser als das Fett von Widdern.“
Wenn unter dem „Herren“ und unter der „Stimme des Herren“ das ethische Gesetz zu verstehen ist, dann ist dieser Satz von einer überragenden Gültigkeit. Gehorsam anderen Instanzen als dem ethischen Gesetz gegenüber ist immer Ausdruck der menschlichen Schwäche, seiner Angst und seines Überlebenswillen unter allen Umständen und um jeden Preis.
Obiger Schluss scheint mir in 1. Sam. 16, 7 eine Bestätigung zu finden: „… Gott (= das ethische Gesetz) sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr (= das ethische Gesetz) sieht aber das Herz.“
1. Sam. 16, 12 „… David aber war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt“.
Hatten denn schon die Israeliten einen Spleen puncto blond? Und schöne Augen nebst Gestalt ist ein Privileg der Frauen, nicht der Männer!... Aber vielleicht war der David auch andersrum... Transgender können sehr schön sein.
Bevor David den Goliath erschlug, behauptete er „...es ist ein Krieg des Herren...“ (1. Sam. 17, 47). Hier sehen wir einmal mehr, wie gerne ein Mensch dem Herrn in die Schuhe schiebt, was ihn selbst zwar überfordert, aber was er selbst anzettelt und tut.
In den Personen Sauls und Davids sehen wir zwei von Volk und Geistlichkeit mit Macht und Vorrechten Ausgestattete, die sich benehmen, wie zwei mit Macht Ausgestattete sich eben benehmen. Beide sind mit den „Gesalbten“ aller Zeiten, auch den gegenwärtigen, austauschbar. Sowohl in ihren Bestrebungen und Taten als auch in ihren „Prinzipien“.
Das zweite Buch Samuel
2. Sam. 1: Zwei Lehren gehen aus diesem Kapitel hervor. Als ein Mitstreiter Sauls David die Nachricht von dessen Tod brachte und ihm erzählte, dass er Saul auf dessen persönlichen Befehl hin tötete, auf dass „die Unbeschnittenen ihn nicht gefangen nehmen und ihren Mutwillen mit ihm treiben“ können, ließ David den Boten töten, da „Wie kommt es, dass du dich nicht davor gefürchtet hast, um den Gesalbten des Herrn umzubringen?“
Das ist die Lehre Nummer eins: Mensch, halte dich fern von den Mächtigen, denn erfüllst du die Bitte des einen, legt es dir der Andere als Verbrechen aus.
Die zweite Lehre geht aus der Totenklage auf Saul hervor. Sie lautet: Mensch, bei einer Begräbnisfeier betrete den Tempel erst, nachdem die Lobhudeleien auf den Toten verhallt sind, sonst wirst du Zeuge der Heuchelei und musst dich womöglich übergeben.
Die heutigen Vertreter der Teufelsbrut – Eigenbezeichnung: „Geistliche“ – zögern keinen Moment lang, die Worte aus Gen. 1, 27 „Gott schuf den Menschen als Mann und Frau“ zu zitieren, sobald sie gegen die Homosexuellen Stellung beziehen. Den Vers aus Davids Klage „Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan./Du warst mir so lieb./ Wunderbarer war deine Liebe für mich/als die Liebe der Frauen.“ (2. Sam. 1, 26) übersehen sie gefließentlich. Sie verschweigen auch vollends, wer denn die Homosexuellen schuf.
2. Sam. 6, 16: „… König David hüpfte und tanzte vor dem Herrn...“. Jetzt wissen wir, seit wann der Mensch zum narrenhaften Benehmen bereit ist, wenn es um Stellung und Macht geht. Und der, der ihn deswegen tadelt, wird bestraft. Vom Herrn, natürlich. Oder zumindest im dessen Namen.
(2. Sam. 6, 23).
2. Sam. 7: Diesem Kapitel ist zu entnehmen, dass es der Herr selber war, der gewünscht hatte, in einem Haus (=Tempel, Kirchen) eingeschlossen zu werden. Was Wunder, wenn die Menschen außerhalb dieser Stätten sich gottlos benehmen: Der Herr ist ja in soliden Bauten eingesperrt und kann nicht eingreifen. Neigte man zu schnöden Gedanken, könnte man auch meinen, der Herr hat sich in die Häuser sperren lassen, weil er doch nicht soviel Kraft verspürte, immer und überall zu sein, um jedes Mal einzugreifen, wenn sein Abbild gegen Seinen Willen handelt.
Außerdem spricht David in diesem Kapitel, Vers 18: „… Wer bin ich, mein Herr und Gott, und was ist mein Haus, dass Du mich bis hierher geführt hast?“. Bemerkenswert, denn Bescheidenheit ist zwar eine Zier, allerdings eine seltene. Außerdem war es wohl nur ein kurzer Augenblick der Tugend, denn schon im Kapitel 11, 2. Sam. erfahren wir von Davids Zügellosigkeit, wenn es darum ging, sich die Frau Urijas, eines verdienten Gefolgsmannes, gefügig zu machen, und Urija selbst auf hinterhältige Weise dem Tod zu weihen. Recht anständig von dem Herrn, dass es Ihm missfiel (2. Sam. 11, 27) und Er unverzüglich die Strafe folgen ließ, indem er das Neugeborene Davids sterben ließ. Auch die künftige Rebellion und der Tod Absaloms dürften Teil dieser Strafe gewesen sein. Beide Verluste stürzten David in große Verzweiflung. Allerdings: Strafe durch Sippenhaftung? Wenig zivilisiert, der Herr.
Das zweite Buch Samuel besteht weitestgehend aus Beschreibungen von Kriegen, Intrigen, Rache, Meuchelmorden, Verwüstung, Ermordung der Gefangenen. Der Fachausdruck hierfür ist wohl „Festigung der Macht durch David“. Siege schrieb man dem Herrn zu, Niederlagen der Sünde gegen den Nämlichen, und versäumte nie, den Schuldigen zu suchen und auch zu finden. Wegen der vielen Waffengänge sprach man auch inzwischen vom „Herrn der Heere“ (2. Sam. 6, 18). So biegt sich das Abbild Gottes nach eigenem Gutdünken sein Gottesbild und die Werte zurecht. Dieses Phänomen sieht man auch in den letzten Worten Davids (2. Sam. 23, 3 bis 4) „… Wer gerecht über die Menschen herrscht, wer voll Gottesfurcht herrscht, der ist wie das Licht am Morgen …“ Sie sind angesichts des durch David vergossenen Blutes und seiner Untaten mehr als ein Spott und Gotteslästerung.
Im letzten, dem 24 Kapitel Sam. II, wird über die Strafe des Herrn für die letzte Verfehlung Davids, die darin bestand, das Volk der Israeliten zählen zu lassen (Volkszählung galt den Israeliten als Frevel) berichtet. Die Strafe durfte David selber wählen: Entweder sieben Jahre Hungersnot in seinem Land oder drei Monate Verfolgung durch die Feinde Israels oder drei Tage Pest, ebenfalls „in Seinem (= des Herrn) Lande“. Hier sehen wir die ewig gültigen Muster: 1. Für die Fehler und Vergehen der Führer zahlt das Volk. 2. Führen ist ein bequemer Job, weil die Konsequenzen tragen selten die Führer, jedoch immer die Geführten.
Das erste Buch der Könige
1.Kön. 2, 3: „Erfülle deine Pflicht, gegen den Herrn, deinen Gott. Geh auf seinen Wegen, und befolge alle Gebote, Befehle, Satzungen und Anordnungen, die im Gesetz des Mose nieder geschrieben sind. Dann wirst du Erfolg haben bei allem was du tust, und in allem, was du unternimmst.“ So spricht David zu seinem Sohn und Nachfolger Salomo.
Es gibt nichts daran auszusetzen, bloß: Um die Gebote zu befolgen, muss der Mensch – der Mensch, nicht nur irgendeine Führungskraft – wissen, was sie sind. Anders: Es reicht nicht, dass er sie irgendwo nachschlagen und lesen kann, schon gar nicht, wenn eine Autorität es ihm sagt. Er muss sie selber erkennen, und sich von ihnen durchdringen lassen. Nur dann kann er sie auch befolgen. Und zwar in Gedanken, Worten und Taten und in allen Lebenslagen.
