Die Toten von Silbernaal - Helmut Exner - E-Book

Die Toten von Silbernaal E-Book

Helmut Exner

4,9

Beschreibung

Silbernaal, eine alte Grubensiedlung im Harz: Über Jahrhunderte arbeiteten die Menschen hier im Erzbergbau. Das dunkelste Kapitel in ihrer Geschichte erlebte die Gegend während der Nazizeit durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern zur Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft. Vor fast siebzig Jahren wurde hier für einen vergrabenen Schatz schon einmal gemordet. Das Verbrechen konnte nie aufgeklärt werden. Dann wiederholt es sich.

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Seitenzahl: 192

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Über dieses Buch

 

Die Handlung dieses Romans spielt an realen Orten. Die Handlung und die Personen sind frei erfunden. Nicht erfunden sind die historischen Ereignisse. Und vieles von dem, was hier beschrieben ist, etwa die Tatsache, dass es zahlreiche Gefangenenlager gegeben hat, in denen unmenschliche Zustände geherrscht haben, dass Menschen erschossen wurden, weil sie ein Stück Brot an einen Gefangenen gegeben haben, dass Menschen malträtiert und ins Zuchthaus gesteckt wurden, weil sie nicht zur Wahl gegangen sind, all das hat es gegeben. Allerdings ist es nicht Absicht dieses Buches, durch die Handlung einen direkten Zusammenhang zu realen Personen herzustellen. Jede Ähnlichkeit der hier beschriebenen Menschen zu realen lebenden oder toten Personen wäre rein zufällig.

 

 

Helmut Exner

 

Die Toten von

Silbernaal

 

 

Ein Kriminalroman aus den

dunklen Zeiten des Harzes

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

Die Toten von Silbernaal

ISBN 978-3-943403-22-0

ePub Edition V1 (11/2012)

© 2012 by Helmut Exner

www.helmutexner.de

 

Covermotiv © rorem/bigstock.com (# 1812493)

Foto Medingschacht © Hans-Jürgen Koch (www.harzluchs.de)

Autorenfoto © Sascha Exner

 

EPV Elektronik-Praktiker-Verlagsgesellschaft mbH

Postfach 1163, D-37104 Duderstadt

- 1 -

 

Wollte man diese Nacht bildhaft darstellen, müsste man nur tiefschwarze Farbe über eine Leinwand kippen. Kein Mond, kein Stern, keine ferne Lichtquelle, kein Reflex von irgendwoher. Einfach nur schwärzeste Nacht, unmöglich zu beschreiben, weil es nichts zu beschreiben gab.

Sie hatte die Taschenlampe ausgemacht, um dieses Nichts zu erfühlen. Die anderen Sinne arbeiteten umso schärfer. Sie nahm den harzigen Geruch der Bäume wahr. Und ganz leise hörte sie das Plätschern des kleinen Flüsschens. Noch weit entfernt erahnte sie das Geräusch des Zuges. In ein paar Minuten würde er hier vorbeifahren und die Nacht kurz erhellen. Sie würde wieder Orientierung bekommen.

Das Geräusch des Zuges wurde langsam, aber stetig wahrnehmbarer. Nach zwei Minuten hörte sie das Plätschern des Wassers nicht mehr. Das Zuggeräusch wurde lauter. Da, rechts, kam der erste Lichtschein. Nur für einen Moment. Der Zug hatte etliche Biegungen zu nehmen. Dann wurde es noch lauter und der Lichtstrahl des tonnenschweren, eisernen Ungetüms erhellte das Panorama vor ihr. Der Wald an beiden Seiten des Bahndamms wurde beleuchtet. Jetzt war der Zug da. Eine alte Lok, die keuchend weiß-grauen Wasserdampf in die Luft zischte. Dahinter ein Kohlewagen, dann ein Güterwaggon. Danach drei Personenwaggons. Alle drei hell erleuchtet und menschenleer. Nur im letzten Wagen stand ein Mann am Fenster. Ein Mann in Uniform, der schwerfällig winkte. Der Mann hatte keinen Kopf.

Dann wurde das Geräusch leiser, das Licht verschwand schneller, als es gekommen war. Der Zug war wieder weg. Die tiefschwarze Nacht hatte die Landschaft zurückerobert.

- 2 -

 

Antek Spielmann hatte die Schnauze voll. Dieser Zustand hielt jetzt schon eine ganze Weile an. Aber heute gesellte sich noch eine Stinkwut dazu. Seit Jahren hatte er sich für die Firma den Arsch aufgerissen, war in der Welt herumgeflogen, um die kompliziertesten Anlagen in Betrieb zu nehmen. Besonders guten Kunden hatte er sogar seine Handynummer gegeben, wovon diese auch rege Gebrauch machten und ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit anriefen. Und dann fing dieser Volltrottel von Chef an zu meckern, dass er zwei Urlaubstage an eine Geschäftsreise in China drangehängt hatte. Dafür sollte er nun auch noch die anteiligen Flugkosten zahlen. Statt dankbar zu sein, ihn mit Lob und Prämien zu überhäufen, erdreistete sich dieser Idiot, ihm auf diese Tour zu kommen.

Das Maß war voll. Nun lief es über. Genau diesen Zustand hatte Antek jetzt erreicht. Aber im Gegensatz zu manch anderem Zeitgenossen erfüllte ihn dieses Gefühl mit einer kindlichen Vorfreude auf das, was nun kommen würde. Er räumte seinen Schreibtisch aus, packte ein paar Habseligkeiten in seinen Aktenkoffer und warf den Rest in den Papierkorb. Er wurde immer kribbeliger, etwa wie ein Kind an Heiligabend, das man in wenigen Augenblicken zur Bescherung rufen würde. Gleich würde er seinem Chef sagen, dass er ihn am Arsch lecken könne. Und zwar kreuzweise, stundenlang, mit wachsender Begeisterung. Er schloss die Tür seines Büros zum letzten Mal, fuhr mit dem Aufzug zwei Stockwerke höher, nach ganz oben, betrat das Sekretariat ohne anzuklopfen, grüßte die attraktive Sekretärin freundlich und betrat ohne Anmeldung das luxuriös ausgestattete Büro seines Chefs. Die Sekretärin wollte ihn gerade noch zurückhalten, war aber so verblüfft, dass sie zwar den Mund öffnete, jedoch keinen Ton herausbrachte. Herr Goldschmidt, ein fünfzigjähriger Managertyp von der Korinthenkacker- und Besserwisserfraktion, der gerade damit beschäftigt war, Geschenke für seine Frau zum Hochzeitstag im Internet zu kaufen, schaute auf und sagte erstaunt:

»Nanu, Spielmann, warum stürzen Sie unangemeldet in mein Büro? Aber, wo Sie schon mal da sind, kann ich ja gleich ein Hühnchen mit Ihnen rupfen. Sie werden wohl wissen, warum.«

»Sie können nur noch eines, Goldschmidt: mich am Arsch lecken. Hier ist meine fristlose Kündigung. Sie werden wohl wissen, warum.«

»Sie sind wohl von allen guten Geistern verlassen!«

Wenn Herr Goldschmidt aus der Fassung geriet, war er nicht in der Lage, normal zu sprechen oder zu brüllen, so wie andere Menschen es tun. Er zischte dann die Worte zwischen den Zähnen durch, dass man Mühe hatte, ihn zu verstehen. Antek Spielmann hatte heute einfach zu gute Laune, um sich auf eine Diskussion einzulassen. Stattdessen nahm er das Familienfoto vom Schreibtisch seines Chefs und erwiderte grinsend:

»Was ich Ihnen schon immer mal sagen wollte: Sie haben wirklich die grottenhässlichste Frau abgekriegt, die mir je begegnet ist. Ist sie wenigstens reich?«

Jetzt wurde Herr Goldschmidt weiß im Gesicht. Sein Zischen war nun überhaupt nicht mehr zu verstehen. Er streckte seinen Arm in Richtung Tür, was wohl so viel heißen sollte wie »raus!«. Ganz gemächlich stellte Antek das Bild wieder auf den Schreibtisch und schlenderte langsam zur Tür. Dort drehte er sich noch einmal um und sagte: »Und Ihre Kinder sehen aus wie Rollmöpse mit Arschbacken.«

Wieder ein Zischen von Herrn Golschmidt, der nun seine Unterlippe zum Zeichen von Wut und Missbilligung vorschob, dass er aussah wie ein Schimpanse. Antek verließ das Büro, schloss die Tür, machte nach drei Schritten kehrt, öffnete abermals die Tür und rief zu Herrn Golschmidt, der sich inzwischen wieder gesetzt hatte und das Familienfoto betrachtete: »Nur, dass sie die Arschbacken mitten im Gesicht haben.«

Dann schloss er wieder die Tür und hörte noch das Klirren des Bilderrahmens, den Herr Goldschmidt nach ihm geworfen hatte.

»Geht doch«, sagte er zu der Sekretärin, die angstvoll den Mund geöffnet hatte, aber immer noch nicht im Stande war, ein Wort zu sagen.

Quietschvergnügt marschierte Antek zur Treppe. Er wollte sich den Luxus gönnen, die fünf Etagen salopp herunter zu hopsen. Als er die Empfangshalle durchquerte, lächelte er der Dame hinterm Tresen freundlich zu. Vor der Tür atmete er dann die restliche Luft, die er von diesem miefigen Laden noch in sich hatte, tief aus und sagte zu sich selbst: »Das war´s! Auf zu neuen Taten.«

Nach diesem Erfolgserlebnis musste Antek sich belohnen. Er war ein begeisterter Spielzeugsammler. Und nicht nur Sammler; er spielte auch wirklich mit seinen Errungenschaften. Dass er inzwischen zweiundvierzig Jahre alt war, störte ihn nicht. Trotz Anzug, Schlips und Kragen sah er aus wie ein in die Jahre gekommener Junge. Einsachtzig groß, einigermaßen schlank, dunkles, leicht grau meliertes Haar. Er konnte nicht verstehen, warum manche Leute alles immer so ernst nahmen. Er lachte gern. Und das nicht nur, wenn es Grund zum Lachen gab. Gerade in prekären Situationen, wenn andere sich ärgerten und fleißig an ihrem Magengeschwür arbeiteten, lief er zur Hochform auf. Kunden, die die anderen Vertriebsingenieure in seiner bisherigen Firma zur Weißglut oder zur Verzweiflung bringen konnten, kanzelte er schon mal mit einer derben Bemerkung ab. Trotzdem war er der erfolgreichste Verkäufer, den Battermann Spezialanlagenbau in Braunschweig je gehabt hatte. Und er stellte sich gerade vor, wie Herr Goldschmidt sich schwarzärgerte, dass er gekündigt hatte. Kein Mensch außer ihm konnte die Anlagen, die gerade nach China geliefert worden waren, so in Betrieb nehmen wie er und dazu noch das chinesische Personal schulen. Auch die Bemerkung hinsichtlich seiner Frau, die genauso grässlich war wie sie aussah, hatte gesessen. Sollte er sich doch ein zweites Loch in den Arsch ärgern. Schadenfreude und Leute durch boshafte Bemerkungen auf die Palme zu bringen, waren Anteks Spezialität. Mit sich und der Welt zufrieden, fuhr er nun mit seinem Audi in die Innenstadt, um sich in der Spielzeugabteilung eines Kaufhauses zu belohnen.

In seinem Einkaufswagen lag endlich die Rennbahn, mit der er schon lange geliebäugelt hatte. Er blickte über die Empore ein Stockwerk tiefer und dachte: Eine Flasche Champagner wäre auch gut. Vor dem Geländer stand ein Korb mit diesen Superbällen, die unglaublich hoch springen konnten. Er nahm einen Ball in die Hand und knallte ihn mit aller Kraft auf den Boden. Sofort sprang er an die Decke und wieder runter. Dann sauste er nach unten in die Lebensmittelabteilung. Nach ein paar Hopsern landete er in der Käsetheke. Die Verkäuferin ließ vor Schreck das Messer fallen. Ein vielleicht sechsjähriger Junge gesellte sich zu Antek und grinste übers ganze Gesicht. Antek fragte: »Willst du auch mal?«

Das ließ sich der Bengel nicht zweimal sagen. Er nahm einen Ball und schleuderte ihn eine Etage tiefer. Antek sagte nun zu dem Jungen: »Ich habe eine Idee. Hilfst du mir mal?«

Die beiden verstanden sich, ohne dass viel gesagt werden musste. Eine typische Wesensverwandtschaft unter Jungen. Jeder fasste den Korb mit den Bällen an einer Seite und gemeinsam kippten sie die ganze Ladung nach unten. Dann verschwanden sie schnell. In der Lebensmittelabteilung hüpften etwa zweihundert Superbälle herum. Einige landeten im Obst, andere in der Fleischabteilung. Ein paar sprangen in Einkaufswagen. Einer flog einer Kassiererin an den Kopf. Als Antek mit dem Fahrstuhl in der Lebensmittelabteilung ankam, hüpften die Bälle immer noch. Jetzt ging er zu den Weinregalen und packte eine Flasche Champagner in seinen Trolley. Eine Frau, die so dick war, dass Antek etwa dreimal in sie hineingepasst hätte, blockierte den schmalen Gang mit ihrem Wagen und sich selbst. Antek tippte mehrfach laut mit seiner Schuhsohle auf den Boden. Es dauerte ihm zu lang, bis die dicke Dame endlich schnallte, dass sie ein Hindernis darstellte, und Antek gestikulierte, dass er gern vorbei wolle. Gequält langsam schob die Frau ihren Wagen ein Stück beiseite, als sei es eine Unverschämtheit von Antek, den Gang passieren zu wollen. Im Vorbeigehen sagte er dann: »Mein Gott, haben Sie einen fetten Arsch.«

Die Frau wusste nicht, wie ihr geschah. Von einer plötzlichen Wut erfasst, nahm sie ein Paket Mehl aus ihrem Einkaufswagen und warf es nach Antek. Sie verfehlte ihn, und das Paket fiel auf den Boden und platzte auf. Nun rannte Antek kichernd Richtung Kasse und hatte Mühe, den Einkaufswagen rechtzeitig zu bremsen. Als er gezahlt hatte, kam die dicke Dame aus dem Gang in seine Richtung, deutete mit dem Finger auf ihn und rief: »Der Kerl da, der hat das mit den Bällen gemacht.«

Aber niemand beachtete sie.

- 3 -

 

Antek wohnte in Lautenthal. Er war nicht verheiratet und momentan auch nicht verbandelt. Seiner fast neunzigjährigen Großmutter gehörte ein Haus an der Promenade, in dem die alte Dame, seine Mutter und er wohnten. Allerdings alle getrennt, in drei Singlehaushalten. Seine Großmutter Ingrid war nicht verheiratet gewesen. Den Mann, von dem sie ihr Kind, Anteks Mutter, erwartete, konnte sie nicht heiraten. Also gebar sie am 8. Mai 1945 ihr Kind unehelich. Seine Mutter Regine behauptete stolz, dass sie das erste Friedenskind von Lautenthal gewesen sei. In Wirklichkeit wurde sie allerdings in Silbernaal geboren, ein paar Kilometer entfernt. An Heiraten war damals nicht zu denken gewesen. Denn der Vater seiner Mutter war kein Arier. Wäre Regine früher auf die Welt gekommen, hätte es seiner Großmutter vielleicht das Leben gekostet. Rassenschande nannte man das damals.

Getrennte Wohnungen bedeuteten allerdings nicht zwangsläufig, dass jeder immer für sich allein war. Meistens kochte Mutter Regine für alle drei. Manchmal übernahm das auch Oma Ingrid. Nutznießer war Antek. Allerdings war er beruflich auch ziemlich eingespannt und außerdem zuständig für die Gartenpflege. Das Grundstück befand sich in der Talsohle des Städtchens und reichte hinten bis zum Flüsschen Innerste. Vorne warfen bewaldete Berge ihre Schatten auf das Haus.

Wie seine Großmutter hatte auch seine Mutter nie geheiratet. So kam es, dass alle den Familiennamen Spielmann trugen. Als Antek 1970 geboren wurde, war es kein Problem mehr, ein uneheliches Kind zu sein. Ganz anders sah das 1945 bei seiner Mutter aus. Und seine Großmutter hatte sich viel Unschönes anhören müssen. Es gab ein breites Vokabular an Schimpfwörten von Flittchen bis Polenhure. Aber so, wie er seine Großmutter kannte, war sie damit klargekommen. Sie war stark.

Als Antek nach der Kündigungsaktion und dem Kaufhausbummel nach Hause kam, empfing seine Mutter ihn im Vorgarten: »Nanu, Junge, du bist aber heute früh dran.«

»Heute ist ja auch ein besonderer Tag.«

In der Wohnung seiner Großmutter erzählte Antek dann von seiner Kündigung und wie er mit seinem Chef umgegangen war. Oma Ingrid schüttelte mit dem Kopf und sagte:

»Es ist merkwürdig, wie sich manche Charakterzüge vererben. Ich habe ja durchaus auch einiges von meiner Mutter mitbekommen, von ihrer Stärke und Unnachgiebigkeit. Allerdings nicht so viel von ihrem Sarkasmus und ihrem seltsamen Humor. Aber du, Antek, stehst ihr in nichts nach. Charakterlich bist du eine Art Wiedergeburt deiner Urgroßmutter Augustine.«

- 4 -

Als Augustine 1890 zur Welt kam, war die Grubensiedlung Silbernaal Teil eines florierenden Industriezentrums. Der Harz war durchzogen von Erzbergwerken mit den dazugehörigen Erzaufbereitungen, Hütten und allerlei Betrieben, die alle von dem Metall lebten, das dem Stein abgepresst werden konnte. Heute gibt es Silbernaal als Ort gar nicht mehr. Es besteht nur noch aus einigen wenigen Häusern, wenn man Clausthal-Zellerfeld in Richtung Wildemann verlässt. Lediglich die Straße, auf der sich diese Häuser befinden, trägt noch den Namen Silbernaal. Damals gab es Schächte, die zu den Stollen führten, die das ganze Gebiet bis zur Bergstadt Grund unterhöhlten. Es gab riesige Aufbereitungsanlagen, wo das wertvolle Erz vom tauben Gestein per Hand sortiert wurde. Das Pochen der Hämmer, mit denen neun- bis vierzehnjährige Jungen das Gestein nach Metall untersuchten, erfüllte über Jahrhunderte die Gegend. Und es gab Erzhütten. Nur ein Stück weiter befand sich die Bleihütte, danach Frankenscharrnhütte, wo man das wertvolle Metall aus dem Gestein herausschmolz. Selbstverständlich existierten auch Bahnhöfe in Silbernaal und Frankenscharrnhütte. Riesige Sand- und Gesteinshalden, durch den wertlosen Abfall auf der Suche nach Metall entstanden, muteten an wie eine Mondlandschaft. Das Gift, das bei der Verhüttung die Umwelt verpestet hatte, sorgte dafür, dass in manchen Gegenden kaum etwas wuchs oder eine neue, anspruchslose Vegetation entstand. Dass auch die Menschen dadurch gesundheitlichen Schaden nahmen, wurde hingenommen. Niemand sprach darüber. Ein weitaus größeres Problem war es, die Familie satt zu bekommen. Es reichte nicht, wenn nur der Vater im Bergwerk oder auf der Hütte arbeitete. Es war völlig selbstverständlich, dass die Söhne im Alter von neun oder zehn Jahren in die Lehre gingen. Die Aufgabe dieser sogenannten Pochjungen war es, das Gestein mit dem Hammer zu zerkleinern und das wertvolle Erz vom tauben Stein zu trennen. Bis zum vierzehnten Lebensjahr lernte man so, die verschiedenen Metalle voneinander zu unterscheiden. Je nach Stand der sozialen Errungenschaften mussten die Kinder von Montag bis Samstag, später von Montag bis Freitag pro Tag zwischen zehn und zwölf Stunden arbeiten. Danach hatten sie noch zur Schule zu gehen. Der Dienst begann meist schon um vier Uhr morgens. Dünn bekleidet, da man sich ja warm arbeiten sollte, im Sommer barfuß, sorgten diese Jungen für das Überleben der Familie. Die Tische, auf die das Gestein gekippt wurde, waren immerhin überdacht. Mit vierzehn konnte man dann als Schlepper, Grubenjunge, Vorhauer und später als Hauer für die direkte Arbeit unter Tage eingestellt werden. Zum Steiger oder gar Obersteiger brachten es nur wenige. Die Pochjungen standen in der gesamten Hierarchie des Bergbaus an unterster Stelle. Und so wurden sie auch behandelt. Die Aufsicht über die Aufbereitung wurde meist von Steigern und einfachen Bergleuten geführt, die nicht mehr in der Lage waren, unter Tage zu arbeiten und somit auch weniger verdienten. Ihren Frust ließen sie oft an den Pochjungen aus. Wer einen Fehler beging und dabei erwischt wurde oder zu langsam oder nicht sorgfältig genug arbeitete, bekam eins mit der Peitsche übergezogen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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