Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 458 - Liebesroman - Yvonne Uhl - E-Book

Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 458 - Liebesroman E-Book

Yvonne Uhl

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1,49 €

Beschreibung

Seine Braut aus dem Waisenhaus Erfolgsroman um eine wundersame Fügung Unvorstellbar und völlig inakzeptabel ist für Gräfin Rosa die Brautwahl ihres Sohnes. Ein Mädchen aus dem Waisenhaus, ein hergelaufenes Fräulein Niemand will er heiraten! Hat er denn vergessen, was er seinem Namen schuldig ist? Obwohl Gräfin Rosa das Mädchen, das ihren Sohn glücklich macht, nie gesehen hat, lehnt sie es ab. Sie kann noch nicht ahnen, dass Harald, der ihr bisher immer gehorcht hat, diesmal standhaft bleibt. Er heiratet Michaela heimlich - und bringt sie aufs Schloss ...

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Seitenzahl: 105

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Inhalt

Cover

Impressum

Seine Braut aus dem Waisenhaus

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: ORLIO / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8285-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Seine Braut aus dem Waisenhaus

Erfolgsroman um eine wundersame Fügung

Unvorstellbar und daher völlig inakzeptabel ist für Gräfin Rosa die Brautwahl ihres Sohnes. Ein Mädchen aus dem Waisenhaus, ein hergelaufenes Fräulein Niemand will er heiraten! Hat er denn vergessen, was er seinem Namen schuldig ist?

Obwohl Gräfin Rosa das Mädchen, das ihren Sohn glücklich macht, nie gesehen hat, lehnt sie es ab. Sie kann noch nicht ahnen, dass Harald, der ihr bisher immer gehorcht hat, diesmal standhaft bleibt. Er bringt Michaela aufs Schloss …

„Sie war im Waisenhaus. Kein Mensch weiß, wer ihre Eltern sind!“, fuhr Rosa Gräfin Grewen ihren Sohn an. Sie war außer sich. „Und du wagst es, mir solch eine Person als Schwiegertochter ins Haus zu bringen?“

Harald Graf Grewen blickte seine Mutter traurig an. Sie war sehr schön in ihrem Zorn, aber auch unheimlich und beängstigend.

„Mama, du musst sie einmal kennenlernen“, beschwor Harald sie. „Oder ist es wirklich so gleichgültig für dich, ob ich ein Mädchen von ganzem Herzen liebe oder nicht?“

„Ja. Auf dem Sterbebett habe ich deinem Vater versprochen, dafür zu sorgen, dass nur ein Mädchen von bester Herkunft deine Frau wird. Unser guter Familienname muss rein bleiben.“

„Michaela beschmutzt unseren sauberen Namen nicht, Mama!“ Harald atmete schwer. „Wie kannst du so etwas sagen, ohne dass du sie kennst?“

„Oh“, höhnte die Gräfin, „ich zweifle nicht daran, dass sie ein hübsches Lärvchen besitzt, mit dem sie dich betört hat. Dich, den reichen jungen Grafen Grewen! Aber wie ist ihre Herkunft! Das weiß sie selbst nicht, wie? Kein Mensch kann sagen, ob ihr Vater ein Säufer, ein Mörder oder ein Dieb war. Und die Mutter? Vielleicht war sie ein Straßenmädchen, eine Bardame – was weiß ich! Und so etwas willst du heiraten?“

„Mama, man hat Michaela im Alter von drei Monaten unter dem Altar einer Kirche gefunden.“

„Siehst du! Welches Elternpaar von guter Herkunft würde sein Kind in einer Kirche aussetzen? Michaela ist das Kind der Sünde. Darüber gibt es keinen Zweifel.“

„Aber was kann Michaela dafür?“, rief Harald Graf Grewen in wilder Verzweiflung.

„Schrei mich nicht so an!“ Die fast schwarzen Augen der Gräfin blitzten auf. „Ist es schon so weit gekommen, dass du den Respekt vor deiner eigenen Mutter vergisst?“

Harald sank in seinen Stuhl und legte seine Hand über die Augen.

„Du willst mich nicht verstehen“, stammelte er. „Nie kann ich auf Michaela verzichten. Sie ist meine ganze Welt. Ohne sie würde mir die Luft zum Atmen fehlen.“

„Schweig!“, herrschte ihn die Gräfin an. „Sie hat dich ja völlig verhext! Du bist der letzte lebende Grewen, an dir liegt es, den stolzen Namen deines Vaters weiterzuführen. Ich habe für dich die Baroness Cordula von Platen vorgesehen. Sie entstammt einer vornehmen Familie.“

Harald nahm die Hand von seinen Augen.

„Ich mag Cordula ganz gern, Mama, aber ich liebe sie nicht. Mein Herz gehört nur Michaela.“

„Du wirst sie nicht heiraten. Ich verbiete es.“

„Mama, ich bin sechsundzwanzig Jahre alt …“

„Ja“, unterbrach ihn die Gräfin triumphierend. „Aber du hast nichts anderes gelernt, als unsere Güter zu verwalten. Du bist finanziell von mir abhängig. Ich verfüge über das Familienvermögen.“

Bitter blickte Harald zu seiner Mutter auf.

„Verfügst du auch über das Vermögen von Marian?“, platzte er heraus.

Die Gräfin fuhr zurück.

„Wie kommst du jetzt auf Marian?“ Ihre Stimme war kaum zu verstehen. Sie war sehr blass geworden.

„Marian ist mein älterer Bruder. Ihm hätte es gebührt, Schlossherr zu werden. Ich habe dich schon so oft gefragt, Mama, warum er damals auf Nimmerwiedersehen fortging. Und ich frage dich heute noch einmal: Wo ist Marian, mein Bruder? Warum ist er damals fortgelaufen? Lebt er überhaupt noch?“

„Ich habe keinen Sohn Marian mehr. Und du hast keinen Bruder mehr, der so heißt. Das muss dir genügen.“

„Mama, ich habe ein Recht auf die Wahrheit.“

Die schwarzhaarige Gräfin stand in ihrer stolzen Schönheit am Fenster und hob theatralisch die Arme.

„In deiner Kinderzeit hattest du einen älteren Bruder namens Marian. Aber er war wie eine Sternschnuppe, die verglüht. Plötzlich gab es ihn nicht mehr. Du bist allein als Graf Grewen übriggeblieben. Und nie mehr wird er deinen Weg kreuzen.“

„Warum nicht? Wo lebt er? Warum darf ich ihm nicht schreiben, ihm nicht mehr begegnen?“

„Weil er für dich nicht mehr existiert. Auch im Tierleben, Harald, gibt es Fälle, in denen das Muttertier eines ihrer Jungen fortjagen muss. Das ist die Natur. Du bist künftiger Schlossherr. Du bist der Erbe, falls ich einmal die Augen schließe. Nie wird Marian dir dein Recht streitig machen.“

„Ich denke nicht an Geld, Mama. Ich würde ihn als Freund brauchen.“

„Freund?“, spottete da die Gräfin. „Schlage dir das aus dem Kopf. Er ist ein Fremder. Er trägt nicht mehr unseren Namen.“

„Und warum nicht? Sag es mir!“, brach es aus Harald hervor.

„Nein!“ Die Gräfin wandte sich ihrem Sohn zu. „Ich gebe am Sonnabend einen kleinen Ball. Ich wünsche, dass du dich an diesem Abend mit Cordula verlobst.“

Harald Graf Grewen stand auf.

„Tut mir leid, Mama!“ Seine Stimme war verletzend kurz. „Ich bin dir gern gefällig, aber diesen Wunsch kann ich dir nicht erfüllen. Es geht um mein Leben, um mein Glück. Und da lasse ich mir auch von dir nicht hineinreden!“

♥♥♥

„Treue Freundin! Wie kann ich Ihnen helfen?“ Dr. Hubert Geroldsen setzte die Kaffeetasse ab. Er befand sich in dem Salon der Gräfin und blickte bewundernd zu ihr hinüber. Wie gut ihr das mattgelbe Kaminkleid stand!

Die Gräfin verschlang die Hände und blickte zu dem Freund hinüber.

„Hubert, Sie müssen mir beistehen. Ich will diese Michaela Roland nicht als Schwiegertochter. Rechtlich gesehen könnte Harald auch ohne meine Zustimmung heiraten. Er ist sechsundzwanzig.“ Sie tupfte ihre Augen mit einem Spitzentüchlein ab. „Aber soll ich jetzt auch noch ihn verlieren?“

Die Gräfin sah flehend über den Tisch hinweg Dr. Geroldsen an.

„Rosa, ich bin bereit, für Sie sogar ein Verbrechen zu begehen“, murmelte Dr. Geroldsen. „Was kann ich tun?“

Die Gräfin starrte ihn an. „Ich müsste mich sehr in Harald täuschen“, murmelte sie, „wenn es ihn nicht abstoßen würde, wenn seine Auserwählte von sehr niedriger Herkunft wäre. Man müsste irgendetwas konstruieren, lieber Hubert. Man muss sie von dem Podest hinunterstoßen, auf das Haralds Liebe sie gestellt hat.“

„Sie wuchs im Waisenhaus Friedrichsgarten auf“, überlegte Dr. Geroldsen laut.

„Ja. Aber seit drei Jahren ist sie dort fort, lebte dann in einem Mädchenheim und wohnt seit dem letzten Jahr in einem möblierten Zimmer. Sie arbeitet in einem Reisebüro als Angestellte. Ich habe mich genau über das Mädchen informiert. Es spricht vier Sprachen fließend, ist sehr gewandt im Umgang mit Menschen, hat einen tadellosen Lebenswandel, versteht sich anzuziehen …“

„Und warum wollen Sie partout nicht, dass Ihr Sohn sie heiratet?“, staunte Dr. Geroldsen.

„Weil Cordula von Platen die einzige Tochter des alten Platen ist und ein Riesenvermögen mit in die Ehe bringen wird“, gab die Gräfin dem Freund heftig zur Antwort. „Mit Cordulas Vermögen könnten wir unsere Finanzlage aufbessern, die ja wirklich in letzter Zeit nicht sehr rosig ist, aber das darf ja niemand wissen.“

Dr. Hubert Geroldsen nickte. So waren also die Gedankengänge der Gräfin! Immer hatte sie ein Ziel vor Augen, das sie anstrebte. Ein sehr nüchternes Ziel. Von Gefühlen allein ließ sich die schöne Gräfin Grewen niemals leiten.

„Heiratet mein Sohn Harald aber ein bettelarmes Mädchen, so sind wir früher oder später ruiniert. Allein der Unterhalt des Schlosses verschlingt jeden Monat Unsummen. Aber ich bin nicht gewillt, auf die großzügige Lebensführung zu verzichten, lieber Hubert. Ich musste meinem Mann auf dem Sterbebett schwören, dass …“

Sie stockte. Zweifelte er etwa?

Er nickte überzeugt. Diesem Argument konnte sich niemand widersetzen. Was eine Gattin ihrem Mann auf dem Sterbebett versprach, musste eingehalten werden.

Dr. Hubert Geroldsen entsann sich, dass die Gräfin immer wieder dieses Gelübde auf dem Sterbebett des Grafen Grewen erwähnte, um ihren Willen zu untermauern.

Kein Mensch wusste wirklich, was Rosa Gräfin Grewen ihrem Mann gelobte, als er starb. Niemand war dabei, als er starb, nur die Gräfin.

Rosa Gräfin Grewen war achtzehn Jahre jünger als ihr Mann gewesen. Der ältere Sohn Marian war aus der ersten Ehe des Grafen hervorgegangen. Harald aus der zweiten.

„Wie haben Sie sich also vorgestellt, wie wir vorgehen, teure Freundin?“, erkundigte sich Dr. Geroldsen. „Wie wollen wir Harald die Liebe zu diesem Waisenmädchen austreiben?“

„Nun, wir könnten natürlich mit gefälschten Dokumenten arbeiten“, erklärte die Gräfin gelassen. „Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, Hubert. Zum Beispiel Fotografien. Wir brauchen von Michaela Roland kompromittierende Fotos. Wenn wir sie Harald zur Kenntnis bringen, wird er sich sofort von dem Mädchen abwenden, da bin ich sicher.“

Dr. Hubert Geroldsen schwieg. Als Jurist wusste er, dass das, was die Gräfin von ihm verlangte, eine strafbare Handlung darstellte, die in das Gebiet üble Nachrede und Urkundenfälschung gehörte.

„Also gut“, murmelte er dennoch und strich sich über das schmale graue Bärtchen über der Oberlippe. „Wie soll ich zu diesen Fotos kommen?“

Sie sah ihn vorwurfsvoll aus ihren dunklen Augen an.

„Meine Güte, Hubert – muss ich denn alles allein machen? Nichts ist doch einfacher als das! Suchen Sie sich einen guten, verschwiegenen Fotografen. Er soll eine Szene, die sehr kompromittierend ist, mit Modellen aufnehmen, und dann wird der Kopf dieser Michaela Roland hineinmontiert. Ein guter Fotograf kann das. Soll ich mich wirklich mit solchen Kleinigkeiten aufhalten?“

Dr. Hubert Geroldsen lachte. Sie war wundervoll! Eine Frau von Format, eine Frau, die keinerlei Gewissen kannte. Manchmal kam sie ihm nicht vor wie eine hochgeborene Gräfin, sondern eher wie eine Zigeunerin, die in der Mystik bewandert ist.

„Warum lachen Sie, Hubert?“, fragte die Gräfin misstrauisch.

„Weil Sie anbetungswürdig sind!“ Dr. Geroldsen atmete tief. „Als Jurist müsste ich mich mit Entsetzen vor Ihren Plänen abwenden, aber als Mann, der Sie liebt, möchte ich mich vor Ihnen in den Staub werfen! Was sind Sie für eine Frau! Wenn Sie sich etwas in den Kopf setzen, führen Sie es auch aus. Woher nehmen Sie diese gewaltige Kraft, Rosa?“

„Aus mir selbst!“ Sie hob den Kopf und musterte ihn kühl. „Werden Sie mir also helfen, dass mein Sohn Cordula von Platen heiratet?“

Dr. Geroldsen legte seine Hand auf das Herz.

„Ich bin Ihr untertänigster Diener, liebste Rosa.“

♥♥♥

Marian Grewen faltete die Hände und starrte zu dem schlichten Hügel mit dem Kreuz nieder.

„Leb wohl, liebste Anna“, flüsterte er. „Du warst mir eine gute Frau. Könnte ich nur alles wieder ungeschehen machen.“

Der Pfarrer trat hinter ihn. Er sprach nur wenig Deutsch. Er war holländischer Missionar.

„Kommen Sie, Herr Grewen. Wir müssen besprechen, was jetzt weiter geschehen soll.“

Marian wandte sich ab.

„Ja, Sie haben recht“, sagte er. Er sah sich um. „Wo ist Andreas?“

„Die Seibolds haben ihn mit nach Hause genommen. Sie können ihn dort abholen.“

Langsam ging Marian neben dem Pfarrer auf den Ausgang des kleinen Friedhofes zu.

„Ihr Farmhaus ist abgebrannt. Ihr Vieh ist zum Teil auch vernichtet worden. Und die geernteten Kaffee- und Kakaosamen sind ebenfalls zerstört. Eine ganze Ernte ist vernichtet. Aber ich habe schon in der Europäerkolonie gefragt, Herr Grewen. Alle sind bereit, Ihnen beim Wiederaufbau Ihres Hauses zu helfen und Ihnen auch finanziell unter die Arme zu greifen.“

„Nein!“ Marian Grewens Wangenmuskeln spielten. „Ich bin jetzt dreizehn Jahre lang im Sudan gewesen, Herr Pfarrer. Ich weiß nicht, ob ich noch einmal von vorne anfangen kann. Noch bin ich nicht so weit, dass mir Afrika im Blut steckt und ich dieses Land nicht mehr missen kann. Es ist für mich noch nicht zu spät, um Abschied zu nehmen, Herr Pfarrer. Ich will zurück in die Heimat.“

Der Pfarrer blieb stehen. „Was für ein Gedanke! Haben Sie denn noch Verwandte dort?“

„Ich glaube ja“, murmelte Marian Grewen. Er drehte den Hut in seinen Händen. „Andreas ist sechs Jahre alt. Er ist Deutscher. Er soll seine Heimat endlich kennenlernen.“

„Glauben Sie wirklich, dass Deutschland seine Heimat ist?“, fragte der Pfarrer leise. „Die Savanne und Grassteppe des Sudans, die Wasserläufe und Flüsse, die einsamen Seen – all das wird sich fest in das Gedächtnis des Knaben eingeprägt haben, Herr Grewen.“

„Auch im Interesse von Andreas ist es höchste Zeit, von hier fortzugehen!“ Marian Grewen sah an dem Pfarrer vorbei. „Natürlich wird es mir leidtun, dieses Land zu verlassen. Dreizehn Jahre sind eine lange Zeit.“