Dr. Nordens Doppelgänger - Patricia Vandenberg - E-Book

Dr. Nordens Doppelgänger E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Gold Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Dr. Daniel Norden betrachtete den jungen Mann, den er gerade untersucht hatte, nachdenklich und besorgt zugleich. Ulrich Roeder war ihm seit gut zehn Jahren bekannt, nämlich seit der Zeit, als Alwin Roeder, Ulrichs Vater, von ihm ärztlich betreut wurde. Alwin Roeder litt an Magenkrebs, und er mußte ein langes, schmerzvolles Leiden ertragen. Man konnte ihm nachsagen, daß er es mit unendlicher Geduld und Tapferkeit ertrug, wenngleich auch mit der Hoffnung, daß ihm doch noch geholfen werden könnte. Für seine Frau Heike und für die beiden Kinder Ulrich und Angela war es auch eine schwere Zeit, und Alwin Roeders Tod bedeutete nicht nur für ihn eine Erlösung. Damals war Uli, wie Dr. Norden ihn auch jetzt noch nannte, vierzehn gewesen. Jetzt war er ein sehr gut aussehender junger Mann, mehr als mittelgroß, mit einem schmalen, klugen Gesicht ausgestattet, dunklen Haaren und noch dunkleren Augen. Sein Gesicht war geprägt vom Ernst des Lebens, aber sein gutgeschnittener Mund verriet dennoch Humor. »Sie sollten sich nach dieser schweren Erkältung schonen, Uli«, sagte Dr. Norden eindringlich. »Studium und dann die nächtlichen Taxifahrten werden zuviel.« »Ich kann den Chef jetzt nicht im Stich lassen, Dr. Norden. Es sind zwei in Urlaub, und drei sind abgesprungen. Herr Hermann hat mich damals auch gleich genommen, obwohl ich Anfänger war, und außerdem brauche ich Geld. Mutsch hat sich genug abgerackert für uns. Die Rente ist lächerlich, und was sie selbst verdient, soll ihr endlich auch bleiben.

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Gold – 44 –Dr. Nordens Doppelgänger

Patricia Vandenberg

Dr. Daniel Norden betrachtete den jungen Mann, den er gerade untersucht hatte, nachdenklich und besorgt zugleich. Ulrich Roeder war ihm seit gut zehn Jahren bekannt, nämlich seit der Zeit, als Alwin Roeder, Ulrichs Vater, von ihm ärztlich betreut wurde. Alwin Roeder litt an Magenkrebs, und er mußte ein langes, schmerzvolles Leiden ertragen. Man konnte ihm nachsagen, daß er es mit unendlicher Geduld und Tapferkeit ertrug, wenngleich auch mit der Hoffnung, daß ihm doch noch geholfen werden könnte.

Für seine Frau Heike und für die beiden Kinder Ulrich und Angela war es auch eine schwere Zeit, und Alwin Roeders Tod bedeutete nicht nur für ihn eine Erlösung. Damals war Uli, wie Dr. Norden ihn auch jetzt noch nannte, vierzehn gewesen.

Jetzt war er ein sehr gut aussehender junger Mann, mehr als mittelgroß, mit einem schmalen, klugen Gesicht ausgestattet, dunklen Haaren und noch dunkleren Augen. Sein Gesicht war geprägt vom Ernst des Lebens, aber sein gutgeschnittener Mund verriet dennoch Humor.

»Sie sollten sich nach dieser schweren Erkältung schonen, Uli«, sagte Dr. Norden eindringlich. »Studium und dann die nächtlichen Taxifahrten werden zuviel.«

»Ich kann den Chef jetzt nicht im Stich lassen, Dr. Norden. Es sind zwei in Urlaub, und drei sind abgesprungen. Herr Hermann hat mich damals auch gleich genommen, obwohl ich Anfänger war, und außerdem brauche ich Geld. Mutsch hat sich genug abgerackert für uns. Die Rente ist lächerlich, und was sie selbst verdient, soll ihr endlich auch bleiben. Geli kann doch noch nicht viel zubuttern.«

Dr. Norden wußte, wie sehr Ulrich und seine drei Jahre jüngere Schwester Angela an ihrer Mutter hingen, die ja auch alles für ihre Kinder getan hatte, was ihr möglich war, damit sie nicht zuviel durch den frühen Tod ihres Vaters entbehren mußten, aber Uli dachte überhaupt nicht an sich selbst. Es war nichts dagegen einzuwenden, wenn er in den Semesterferien Taxi fuhr, aber jetzt, da er tagsüber in der Uni war, dann nachts noch sechs Stunden Taxi fuhr, von zwanzig Uhr bis nachts zwei Uhr, das war zuviel, und als Arzt konnte er es fast nicht verantworten.

»Ich bin doch okay«, sagte Uli, als Dr. Norden ihn so forschend anblickte. »Bitte, sagen Sie nicht zu meiner Mutter, daß mir etwas fehlt. Es fehlt mir wirklich nichts.«

»Normalerweise würde ich das auch nicht sagen, Uli, aber in dieser Streßsituation werden die Nachtfahrten wirklich zuviel für dich.«

»Ab nächste Woche bin ich nur vier Stunden eingesetzt, das schaffe ich leicht. Ich verdiene gut. Nachts sind die Fahrgäste spendabler als tagsüber. Und was man da so alles mitbekommt, das kann man zu abenteuerlichen Geschichten verarbeiten. Ich überlege schon, ob ich nicht lieber Dramaturg werden soll.«

»Als Redakteur können Sie solche abenteuerlichen Geschichten vielleicht auch unterbringen, Uli«, meinte Dr. Norden. »Aber wenn Sie auf der Nase liegen, bevor Sie überhaupt richtig Fuß fassen in dem erhofften Beruf, nützen Ihnen all diese Geschichten auch nichts.«

»Keine Sorge, ich schaffe das, und es dauerte ja nicht mehr lange, bis ich mit dem Studium fertig bin. Vielleicht erlebe ich mal so eine ganz tolle Story, die gleich Zündstoff ist und mir zu dem großen Sprung verhilft.«

»Ich wünsche es Ihnen, Uli«, sagte Dr. Norden, und es kam ihm aus dem Herzen, denn er wußte nur zu gut, wie tapfer, fleißig und begabt dieser junge Mann war, dem keine Arbeit zuviel wurde, um seiner Mutter zu helfen.

Zu einem eigenen Auto hatte ihm sein Chef Theo Hermann verholfen, der auch sehr auf Ulrich Roeders Fortkommen bedacht war. Ganz uneigennützig dachte er dabei allerdings nicht, denn Theo Hermann hatte schon lange ein Auge auf Heike Roeder geworfen, und das war auch der Grund gewesen, daß er Uli sofort eingestellt hatte, wenn er das auch

hübsch für sich behielt, und bereuen brauchte er es schließlich auch nicht, denn Uli war der gewissenhafteste und ehrlichste Fahrer in seinem recht großen Unternehmen.

*

Als Uli die Praxis von Dr. Norden verließ, dachte er vorerst aber nicht an seinen Job, sondern seine Gedanken galten einem reizenden jungen Mädchen, das in einem kleinen Café auf ihn wartete.

Antonia Sudhoff wartete geduldig, aber ihre wunderschönen veilchenblauen Augen strahlten wie Sterne, als sie ihn kommen sah.

»Es hat ein bißchen länger gedauert, Toni«, sagte er entschuldigend. »Du bist doch nicht böse?«

»I wo, was hat Dr. Norden gesagt?«

»Daß ich gesund bin, und daran wirst du wohl auch nicht zweifeln.«

»Aber ist er denn einverstanden, daß du nachts fährst neben dem Studium? Das kann ich mir nicht vorstellen, ich kenne ihn doch, Uli.«

Antonia konnte man nicht beschwindeln. Das brachte auch Uli nicht fertig, obgleich er arg in Verlegenheit geraten war.

»Er hat gesagt, daß ich es nicht übertreiben soll, aber ich fühle mich wirklich wohl, Toni.«

Sie sah ihn forschend an. »Ich würde gern wissen, was Dr. Norden sagen würde, wüßte er, daß wir befreundet sind«, sagte sie mit einem schelmischen Lächeln.

»Ich kann mir vorstellen, was er denken würde. Nämlich, daß Frau Generaldirektor Sudhoff es keineswegs billigen wird, daß sich ihre Tochter mit einem Taxifahrer eingelassen hat.«

Heiße Röte stieg in Antonias Wangen. »Du sollst es nicht so sagen, Uli. Außerdem ist es mir egal, was meine Eltern sagen oder denken würden, wenn es um meine Gefühle geht. Das entscheide ich allein, und ich bin volljährig. Und jetzt ist das schon gar kein Thema. Ich denke lieber daran, wie wir uns kennenlernten, und wahrscheinlich hätte ich dich nie kennengelernt, wenn du in jener verrückten Nacht nicht Taxi gefahren hättest. Und so sollte es für dich nur zählen, daß ich dich liebe.«

Er nahm ihre Hand und drückte sie an seine Wange. »Du sollst einmal nichts entbehren müssen, Toni«, sagte er zärtlich. »Ich liebe dich so sehr, daß ich dir die Sterne vom Himmel holen möchte.«

»Das wollen wir mal lieber bleiben lassen, Uli. Wir schauen doch so gern in den Sternenhimmel, und wenn die Sternschnuppen fallen, können wir uns etwas wünschen. Ich weiß genau, daß mein größter Wunsch in Erfüllung gehen wird und ich überhaupt nichts entbehren werde.«

»Und welcher ist das?« fragte er.

»Daß du mich immer liebst und wir ein langes Leben gemeinsam verbringen können. Dann werde ich wirklich nichts entbehren. Wenn es am Geld und am Prestige hängen sollte, du liebe Güte, ist meine Mutter etwa eine zufriedene und glückliche Frau? Und ist mein Vater mit ihr nach fünfundzwanzig Jahren noch glücklich? Er hat mal klein angefangen, und er hat ihr alles bieten wollen, dabei ist sie ja auch nicht gerade in eine goldene Wiege gelegt worden, sondern in die schlichte eines Schreinermeisters, der schwer gearbeitet hat für seine Familie, aber sie war dann ja die Tochter eines ›Möbelfabrikanten‹, als sie Papa geheiratet hat. Liebe Güte, ich habe für das Brimborium überhaupt nichts übrig. Schluß der Debatte.«

»Du bist zauberhaft, Toni. So viel Glück, wie ich habe, muß auch verdient werden.«

Sie sah ihn zärtlich an. »Ich möchte aber auch, daß du nachts nicht soviel fährst, Uli. Es passiert soviel. Neulich ist wieder eine Taxifahrerin überfallen worden.«

»Ich weiß, mein Herzblatt, ich bin vielleicht ein besserer Menschenkenner. Die meisten schauen sich die Fahrgäste ja gar nicht an, weil sie froh sind, eine Fuhre zu haben. Aber wenn mir jemand nicht gefällt, sage ich, tut mir leid, ich bin bestellt. Und heute abend bin ich am Flughafen, wie damals, als ich dich dort kennenlernte. Da war ich nicht frei. Ich sollte auf jemand warten. Aber dann kamst du! Und ich bekam zum erstenmal Ärger mit Theo. Und da habe ich geschwindelt und gesagt, daß du gesagt hast, daß ein Taxi für dich bestellt worden sei.«

Sie lachten beide. »Und der Clou war, daß die Maschine, mit der Graumann kommen sollte, in Paris wegen eines Defektes gar nicht gestartet war«, sagte Antonia. »Ich habe alles schon aufgeschrieben für unsere Nachkommen. Sie sollen ganz genau wissen, wie sie zu ihrem so heißgeliebten Vater gekommen sind.«

»Mit Kindern müssen wir aber schon noch ein bißchen warten, Toni«, sagte er stockend.

»Es wird aber nichts geplant, Uli. Ich finde es schrecklich, wenn junge Paare alles genau festlegen. Erst das Auto, dann die Wohnung, nach und nach die Einrichtung und dann ein Kind, wenn die Finanzen stimmen und die Stellung der jungen Mutter möglichst auch nicht gefährdet ist. Wir haben keine Großeltern, die sich um das Baby kümmern würden, wenn ich arbeite. Meine würden es nicht tun, und deine Mutter ist berufstätig.«

»Ich will aber nicht, daß du arbeitest, wenn wir mal Kinder haben«, sagte er.

»Wir werden auch diesbezüglich keine Pläne machen, mein Schatz. Ich werde weiterhin als Auslandskorrespondentin für unsere Firma arbeiten, und wenn Papa auch Zicken macht, suche ich mir anderswo eine Stellung. Aber zum Glück ist mein Vater nicht so überheblich wie Mama, und eigentlich wäre es an der Zeit, daß ihr euch mal kennenlernt.«

»Ich will aber nicht, daß du Schwierigkeiten bekommst, Toni.«

»Du brauchst dich wahrhaftig nicht zu verstecken, Uli, und ich lasse mich durch nichts und niemand beeinflussen, vor allem nicht von meiner Mutter. Ihr könnte ich höchstens sagen, daß sie sich ein Beispiel nehmen soll an deiner Mutter. Und jetzt fährst du heim und ruhst dich noch ein paar Stunden aus, sonst gebe ich mir alle Schuld, wenn du zusammenklappst.«

Momentan war er nicht müde, aber er wußte, daß die Müdigkeit kommen würde. Er war vernünftig und sich der Verantwortung für diejenigen bewußt, die er fahren mußte.

Antonia war mit ihrem eigenen Wagen unterwegs. Bisher hatten sie immer Glück gehabt, keine Bekannten zu treffen, aber an diesem Tag sollte ihnen ausgerechnet eine Nachbarin in den Weg laufen, die dazu auch noch als Klatschbase bekannt war. Sie kam nicht allein, sondern mit zwei anderen Damen.

Uli grüßte höflich, aber auch Antonia sagte lässig: »Grüß Gott.«

»Kennst du Frau Betge auch?« fragte er, als sie draußen standen.

»Zufällig kenne ich eine Frau Heinrich«, erwiderte sie und lachte amüsiert. »Na, nun können sie ja einen richtigen Kaffeeklatsch machen.«

»Es tut mir leid, Toni«, sagte er.

»Wieso denn, das war doch schon überfällig, und genauso ist es an der Zeit, daß meine Eltern über uns Bescheid wissen.«

»Es wird Ärger geben«, seufzte er.

»Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird«, lachte sie übermütig. Und sie war bezaubernd anzusehen.

»Das ist doch mal ein hübsches Paar«, sagte eine Dame älteren Semesters zu ihrem Begleiter, der besonders Antonia wohlgefällig gemustert hatte. »So was sieht man noch selten, so fröhlich und natürlich.«

Sie hatte es ziemlich laut gesagt, und ein paar Leute schauten nun auch aufmerksamer zu den beiden hin.

»Siehst du, Uli, wir gehören schon zu den Ausnahmen«, meinte Antonia neckend. »Ich fühle mich sehr geschmeichelt. Bist ja auch ein ganz besonders fescher Typ.«

»Jetzt hör aber auf«, murmelte er. »Du bist eine Augenweide; ist doch klar, daß das anderen auch auffällt. Nun weißt du hoffentlich auch, warum mir immer bange ist.«

»Weiß ich nicht.«

»Es gibt feschere Typen als mich, die dazu noch ein dickes Bankkonto haben.«

»Und einen schlechten Charakter. Ich kenne doch solche Typen auch, mein Schatz, und ich weiß genau, warum ich dich liebe.«

Er war glücklich, er konnte es sein, denn wem passierte es schon, daß er bei einem Job, der wirklich nichts über seine geistigen Qualitäten aussagte, ein Mädchen wie Antonia kennenlernte, die nicht nur schön war, sondern auch klug, und dazu auch mit beiden Beinen fest im Leben stand, und nicht nur die verwöhnte Tochter spielen wollte.

Er sah ihrem Auto nach und versank für ein paar Sekunden in Träume. Er wünschte so sehr, bald in der Lage zu sein, mit ihr ernsthaft über die Heirat sprechen zu können.

Er fuhr heim, nachdem er für seine Mutter noch ihre Lieblingspralinen gekauft hatte. Immer, wenn er einen Tag gut verdient hatte, brachte er ihr etwas mit, und jetzt, während der Urlaubszeit, kamen viele Touristen, die sich gern mit dem Taxi herumfahren ließen und spendabel waren. Diesbezüglich hatte Uli keinen Stolz, weil er sich sagte, daß sie nicht mehr geben würden, wenn sie es nicht hätten. Bei den deutschen Fahrgästen passierte es eher, daß über die Preise gemeckert wurde, und auch dafür hatte Uli Verständnis, aber er hatte die Preise nicht gemacht, und wenn das Benzin teurer wurde, mußten sie auch nachziehen.

Sie wohnten in einem ansehnlichen Zweifamilienhaus. Heike Roeder hatte alles darangesetzt, daß sie die Wohnung halten konnte, obgleich die Miete ziemlich teuer war. Doch die Hausbesitzer Erwin und Erika Hallstein waren sehr anständig und erhöhten die Miete nicht, wie es rundherum in diesem Viertel geschah.

Als Uli jetzt jedoch seine Schwester Angela auf der Straße mit Andy Hallstein sah, die beiden schienen sich sehr angeregt zu unterhalten, war ihm das durchaus nicht recht. Andy war auch Student, und er war auch ein netter Bursche, aber er war der einzige Sohn und dementsprechend von seinen wohlhabenden Eltern verwöhnt.

Die Hallsteins besaßen ein sehr gutgehendes großes Elektrogeschäft, und sie hätten sich längst ein großzügigeres Haus leisten können, aber da sie beide tagsüber im Geschäft tätig waren, meinten sie, daß die geräumige Wohnung ausreiche. Andy hatte schon seit zwei Jahren eine Eigentumswohnung. Er fuhr einen flotten Wagen, er hatte einige kostspielige Hobbys wie Golf und Segeln, und trieb auch sonst so viel Sport, daß Uli sich manchmal fragte, wie er da überhaupt zum Studieren kam. Jedenfalls war er nach Ulis Ansicht kein Mann für Angela, und er wollte seiner hübschen Schwester auch gleich auf den Zahn fühlen, wie sie zu Andy eingestellt war.

Sie wurde nicht verlegen, als Uli aus seinem Wagen stieg. »Kommst du endlich«, sagte sie, »ich habe nämlich meinen Schlüssel vergessen.«

»Hallo, Uli, wie geht’s?« fragte Andy. »War nett, mal wieder mit Geli plaudern zu können. Bei der Gelegenheit möchte ich euch gleich zum Sommerfest im Golfclub einladen.«

»Das ist nichts für uns«, erwiderte Uli.

»Wieso denn nicht?« warf Angela unwillig ein.

»Uli denkt, daß da nur Geldadel spielt«, meinte Andy grinsend. »Na ja, Geld schon, Adel wenig, jedenfalls in unserem Club nicht. Und was Bildung anbetrifft, meine ich, daß ihr mehr zu bieten habt als die meisten. Aber meine Eltern haben auch die gleiche Einladung wie du, Uli. Sie gehen lieber in den Biergarten bei schönem Wetter, als zum Sommerfest in den Club.«

»Und du hast doch sicher andere Gesellschaft als uns«, meinte Uli anzüglich.

»Weißt du, ich spiele gern Golf, und es gibt ein paar Leute, mit denen man sich sehr gut unterhalten kann. Für dich wäre das doch auch interessant, weil auch ein paar vom Fernsehen und von Zeitungen da sind. Es finden sich schon immer die richtigen Grüppchen zusammen.«

»Ich habe abends zu tun«, erklärte Uli. »Vielleicht fahre ich da auch ein paar Leute zum Golfclub, die vorsichtshalber ihr Auto zu Hause lassen.«