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Auf die Frage: Warum dieses Buch? sagt Kroh: Arbeit und lange Wege braucht es in einer komplexen und der Aufklärung verpflichteten Zivilisation. Dieser Prozess gilt der je eigenen Person, in Beziehungskonstellationen und im Aufeinandertreffen globaler Kulturen. Im Entdecken, Verlieren, Verletzen und spielerischem Neubeginn, in Dominanzen, Einseitigkeiten und Turbulenzen fragen wir nach Ordnungsfaktoren, Management und flexibel anwendbaren Strukturen, die helfen, Orientierung und klare Standpunkte zu finden. Dem dient die Paradigmaidee mit den zwei Grundsymbolen von Kreis und Kreuz in fernöstlicher Yin-Yang Weisheit und abendländischer Koordinaten-Kultur (s. Zellganzes und Zellteilung). In der Summe ist dies Arbeitsbuch zugleich eine Fundgrube in vielfachen Verknüpfungen und psychosozialen Kontexten zu einer integrativen runden Gestalt, mit Anstößen zur Mitte und mancherlei Wachstumsecken (s. The Growing Edge).
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Seitenzahl: 364
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Vorwort und Dank
KAPITEL I
Ausgangspunkte: Dialektik - Nullpunkt - Differenzierung Standpunkt, Felder der Yin-Yang Figur, Koordinatensystem
Annäherung an die Dynamik: Kausalität, Gleichwertigkeit Polare und zyklische Phänomene
Atemrhythmus als Eingefaltete Ordnung und Freiheit Übungszentriert atmen; mit zwei Händen zeichnen; mathematischer und psychosomatischer Exkurs
Einführung von Wippe und Schere ins Paradigma
4.1 Der Wipp-Vorgang in reziproken Polaritäten
4.2 Die Schere in korrespondierenden Polaritäten
Die Wippe in neurotischer Fixierung (schiefe Ebene)
5.1 Vier Grundbefindlichkeiten, zwei Paar-Achsen
5.2 Störungen: Abhängig - unabhängig, frei - unfrei
5.3 Kreis- Grundformen- Amplituden- Felder- Ichkern
Neurosenlehre und Ich-Kern: Akute Angst & Konfluenz; schizoide-, depressive-, konversive- und Zwangs-Neurose
Wipp-und Scherenstruktur im Paradigma
7.1 Focusing - Brennweiten - Pendelschläge, Spielraum, Eskalation, zyklothymer Umschlag,
7.2 Ambivalenz und Patt, steigende und fallende Tendenz
7.3 Fallbeispiel des Zyklothymen; Neurose und Psychose
KAPITEL II
Die Doppelnatur als Teilchen – und – Wellennatur
1.1 Atome, Pole, Schwingung, Ordnung & Wahrscheinlichkeit
1.2 Bootstrap- und Quanten Theorie: Diagnose-Verläufe
Doppelaspekt und Zweitakt von Teilchen und Welle
2.1 Der Geh-Vorgang: Gegensätze und Komplementarität
2.2 Foto-Studie und drei Ganzschritte im Paradigma
2.3 Alexander Lowens Beschreibung des Gehens
Zyklische Kreis- und Regelsysteme
3.1 Der Schöpfungsbericht - Genesis 1 - Regelkreise
3.2 Das „Rund um die Welt“- Prinzip und „Hot-Seat“
Zwei Perversionen im Zyklischen und Linearen
4.1 Die Perversion im Zyklus-Kult und die Geschichte Israels
4.2 Die lineare Perversion: Fortschrittsglaube und Resümee
Spirale & Spin in Fortbewegung: Doppelhelix - ERP-Experiment Spin Up und Down - zur vertikalen und horizontalen Achse
Kapitel III
Modell A 1+2: Als „Rund um die Welt“ und Kreisformate im ptolemäischen und kopernikanischen Weltbild
Modell B 1+2: Im Spin von „Figur und Grund“, im Non-stop „Rundum“ - und im Umpolen
Modell: B2 „Unbewusstes - Bewusstes“; „Unten - Oben“
3.1 Integrierte Zweitaktdynamik; Umkehrung und Grenze
3.2 Freuds Grundkonzept und Eriksons Ziel-Gedanke
3.3 Modell A + B im Vergleich und Fallbeispiel
Kapitel IV
Oben und Unten, Rechts und Links im Koordinatenkreuz
Reziproke Begriffspaare und Grundannahmen
2.1 Modell C1: Denken- Fühlen- Wahrnehmen- Ahnen
2.2 Modell C2: Der Umschalt-Spin in Hoch und Tief
Das Heben aller vier Quadranten in die Bewusstheit
3.1 Subatomare Teilchen und ihre Eigenschaften
3.2 Die Leary´schen Quadranten und Verhaltensweisen
Reziproke und komplementäre Kehrseiten
4.1 Unformed & formed enegy; Bewusstheits-Scheinwerfer
4.2 C.G. Jungs pathologische Grundannahmen
KAPITEL V
Modell D: Einheit und Zweiheit, Spaltung und Fusion
Potentielle und intermediäre Übergänge „Sinne und Emotion“ - „Intellekt und Intuition“
Überschneidungen: Spiel, Konflikt, Ambivalenz, Fusion Extase, Holoide, Löcher und umkehrbare Vorgänge
Duale Konstellationen in „Kollision und Kollusion“
Horizontale und vertikale Schere ( intermediär-potentiell) Das kleine Wörtchen „zu“ und bewusste Durchgänge
KAPITEL VI
Achsen - Grenzen - Kippmomente
Neurose und Psychose: Freud-Reich-Adler-Perls-Kuiper… Überkompensatorische- und Umkipp-Momente im Beispiel
Ich- und Kern-Punkte: Angst-Neurose und Schizophrenie
Störungen in den vier Quadranten und im Ich-Kern
Modell „D“: Viermal Störung zwischen Zenit und Tiefung
KAPITEL VII
Person und Pyramidenstrukturen
Persönlichkeitstheorien: Prämissen, Identität und Mitte Instanzenlehre bei S. Freud, A. Lowen, H. Petzold …
Die zweifache Pyramidenstruktur im Paradigma
2.1 Variable Inhalte, Umkehrformen, Ballint-Ansätze
2.2 Identitätskonzept und kollektive Leiblichkeit ( Petzold )
Holzwege und Sinn der Transzendenz- und Tiefungsachse
3.1 Teilkreis-Ganzheit mit körperbewusster Pyramide
3.2 Geometrische Schritte zur Integration der Bewusstheit
Kopf- und Körperbewusstheit in einem Kreisganzen
4.1 Zwei Bewusstheiten werden eine Einheit im Paradigma
4.2 Drei Ich-Punkte mit dem zentralem Nullpunkt
Der Sechsstern als Up und Down-Pyramide
5.1 Konstellationen, Winkelfelder, Schatten- & Übergangszonen
5.2 Tiefung und Inkarnation bei Marti, Petrarca, Jens, Bloch …
KAPITEL VIII
Kreis - Harmonie - Sprünge - Brüche
Das Wunder des Kreisganzen und Symbolische Wertigkeiten
Mutationen, goldener Schnitt, Nada Brahma, Quantenmechanik
Resonanzen: Sprünge, Brüche und das Nichts
KAPITEL IX
Focusing und Draufsicht
Fläche – Raum – Körpe und Zwiebelschalenvorgang Kugel-Kegel-Würfel-Oktaeder und die List der Götter ( Platon )
Gendlin´s Focusing- Konzept: „Felt-Sens und Felt-Shift“
Diffuses - Echos - Councelen - Implizites und Explizites
Holistische Einheiten: Wirkzusammenhang von Polen und Kern Der focusierende Bewusstheitskegel qua Drehscheibe
Schaltvorgang im Nullpunkt; Kipp-, Umschalt-, Spin- Momente
Tangenten entlang der Sinuskurve
KAPITEL X
Holonen - Grenzen - Übergänge
Koordinaten-Schnittpunkt und synaptischer Spalt
Synaptische Übertragung im „De- und Repolarisieren“
2.1 Synapsen, Rezeptoren, Bauelemente, Transmitter
2.2 De- und Repolarisation; Aktions- und Ruhepotential
2.3 Paradigmaprozess, Körperbewusstheit und die „Acht“
Aktions- und Ruhepotential; Überschuss und Abbau Integration der Anstöße; Bewusstheitsspektrum von 180*/ 360*
Herausforderung, qualitativer Sprung und Stressfaktoren Überschuss - Nullpunkt - Impasse - Sprung und Identität
Fallbeispiel des „zu“… in einer integrierenden Supervision
KAPITEL XI
Annäherung an die Pathologie
Die Doppelfunktion von Kern und Grenze Konfluenz, Spaltung, Wahrnehmung, neuralgischer Punkt
Pathologisch-paradigmatische Ausprägungen
2.1 Neurotische Mechanismen
2.2 Psycho-somatische Aspekte
Halluzination - Wahn - Spaltung – Vorprädikatives
3.1 In kognitiven Vorurteilen ( Mißtrauen )
3.2 Vorprädikatives im Wahrnehmungssektor
3.3 Vorprädikatives in Affekten und Gestimmtheiten
3.5 Paranoische-, Konfluente-, Konflikt- und Wahnzustände
3.6 Geometrischer Ausblick und therapeutische Ausrichtung
KAPITEL XII
Arbeit an Polen und Ich-Kern
Der doppelte, therapeutische Ansatz
Konflikt und Ambivalenz
Holismus erfordert inneren Frieden: Axiomatisches Bewegungsaspekte; Ganzheit jedes Entscheidungsschrittes
Skotome und Zentrierung
Die Mitte, Gaetano Benedetti, Annaloges zum Paradigma
Umschalten im symbiotischen, dualen Rapport
6.1 Umkehrbarkeiten als 180* Phänomen und Praxisfelder
6.2 Das Labyrinth als „Umkehr“-Symbol; s. auch in der Therapie
Umstrukturierung- und Verdoppelung: Die „Acht“ und „Flow“
7.1 Die „Runde Gestalt“ eines Erregens- und Erlebens-Moments
7.2 Doppelheiten im Spin von „Bewusst und Unbewusst“
7.3 Phase und Gegenphase: Vom Vorkontakt zur Integration
KAPITEL XIII
Die Fünfzahl im Modell
Archaische Ausgangspunkte; psychologischer Diskurs
Hermeneutische Übertragung, Dreiklang – Triangulierung
2.1 Dreitakte organisch – pathologisch - therapeutisch
2.2 Dreitakte im Korrespondenzmodell von H. Petzold
2.3 Dreitakte im wandernden Entwicklungs-Nullpunkt
Die „Fünf“: Psychologisch und nosologisch Ungereimtes
3.1 Ungereimtes in Verdrängung, Introjektion, Projektion, Retroflexion
3.2 Avoidance – Deflektion – Protektion - Blockierung ( Freud, Bünte-Ludwig, Hall, Kayser, Petzold, Polster …)
3.3 Protektions- und Awarenes-Quadrant im Paradigma
Der Kern in Konfluenz, Spaltung, Nullpunkt, Dreiklang
4.1 Ich-Kern und bipolares Selbst im dualen Rapport
4.2 Hiatus ( Spalt ) - als Rückschritt und Fortschritt
4.3 Doppelaspekte: Identität & interaktionale Beziehung
4.4 Paradigmatisch – synoptische Schautafel
4.5 Angst und Mut; Erregung und Sprung in der Dichtung
KAPITEL XIV
Psychologische Beschreibung
Summe: Koordinatensystem und Entwicklungsnullpunkt
1.1 Doppelter Flow im Up & Down und in fünf Phasen
1.2 Reziproke Wechselbeziehung und Synopse
Protektiver Verdrängungsquadrant en dètail
Retroflexion en dètail und Korrelationen
Introjektion en dètail. Pseudokonsum des „Als-ob“ Typs
Projektion en dètail; abgelehnte Selbstaspekte; Korrelationen
Projektive Aggression: „Don´t act it out“ &“ act it out”!
Impasse-Arbeit: Nichts geht mehr in der Nähe zum Ich-Kern
Handlungs- und system-theoretische Perspektiven Soziale Einschätzungen in Tafeln und Feldern
Phantasiereise: Animal Imageries in vier +/- Befähigungen
KAPITEL XV
Variable Entwicklungs-Nullpunkte
Horizontales, vertikales, zentrales Wachsen
Der wandernde Entwicklungs-Nullpunkt „vertikal“ in Chakren
Der wandernde Entwicklungs-Nullpunkt „horizontal“
3.1 Phasenabläufe, Umkehrbarkeiten; die „1+4“ Ordnung
3.2 Genderharmonie und Geschlechterkrieg seit Platon
3.3 „Rigid“-Korrelation zu Protektion-Deflektion-Avoidance.
„Diagnostic Issues“ in bioenergetischer Diktion am HFI
4.1 Das Muster für fünf Diagnosetafeln und „Atem“ als Mitte
4.2 Mentale Vorgaben bei Buber, Tagore, Sölle …
KAPITEL XVI
Death-Layer Arbeit und Zentrierung
Widerstandsschichten im Zwiebelschalen Look
1.1 „Charakterpanzerung“ und „zu revitalisierende“ Schichten
1.2 „Retroflexions-Mauern / Mißtrauen: Bin ich richtig?“
1.3 „Old Negativities“: Cruelty, Pseudostoffwechsel, Skotome
1.4 „Non-Existence-Schicht: Du bist nicht gewollt!“
1.5 „Schädigung des Ich-Kerns“; kein Unterschied von „I“ & „Die“
Praxisberichte: Eingeübte Muster in zweiter Natur
2.1 Projektions-Schicht: Nach außen gerichtet - bis explosiv
2.2 Retroflexions-Schicht: Ohne offen reflektierendem Zugang
2.3 Introjektiv- internalisierte Old Negativities: Cruelty - Crazines
2.4 Non-Existence und Core-Arbeit ( Herzenhören ).
KAPITEL XVII
Dichtung: „Death-layer und Core“
Angst als polares Ferment der Lust zu leben
Vier perinatale Grundmatrizen bei Stanislav Grof und „Freude“- von W. Schutz bei der Geburt seines Sohnes
I Ging und Kreuz, zwei weltweite Symbole Das Buch der Wandlungen: Kuas, Tri- & Hexagramme, Mitte, Einheit und Zweiheit
Das Kreuz im Koordinatenschnittpunkt
5.1 Klare Konturen der Ägeis, Rennaissance, Impressionen, Askese, Dithyrambos und Psychiatrie
5.2 Petrarca und sein genialer Einfall „Rede an den Europäischen Menschen“
5.3 Schleiermacher; Hollenweger: Himmel - Wüste – Oase.
KAPITEL XVIII
Anhänge 1 – 23
Schaubilder (1-3); Modelle A–D (4-7); Geometrien (8-15); Tafeln 1-8 (16-21); Doppelhelix (22); 64 Hexagramme (23)
Literaturverzeichnis
1. „Binsenwahrheiten werden oft auf Umwegen meine eigene, authentisch gefüllte Wahrheit”- Ernst Fuchs, Prof. für NT und Hermeneutik (Berlin 1957- 60): „Auf dem Umweg über ein Du komme ich zu mir selbst” (einen Kuss erfahre ich nicht alleine). Auch die vorliegende Arbeit braucht „Umwege”.
2. Die polare Dynamik von Leben im Diesseits zeigt sich vernetzt, vereinfacht im Bild der „Wippe”;- Dr. Wybe Zijlstra in Supervisionskursen.
3. Der Standpunkt als „dritter Punkt“ zwischen den Polaritäten! Im Vorwort zu „Ego, Hunger und Aggression” sagt Fritz Perls: Es sei ihm gelungen, „einen Weg aus der Sackgasse zu finden, den Status quo zu überwinden, in dem Therapie üblicherweise stecken zu bleiben scheint. Ohne einen adäquaten Standpunkt ist der Therapeut von Anfang an verloren.“ Dieser Standpunkt beruht für Perls „auf Polaritäten und Zentrierung”.
4. „Meine therapeutische Arbeit gewinnt an Prägnanz in „short pieces” (Stuart Alpert und Naomi Bressette am Hartford Family Institute für „Bioenergetik“ (s. W. Reich, A. Lowen). In 25 Jahren Psychiatrie-Arbeit bekamen kleine, in sich stimmige Schritte Gewicht, weil sie angstbefreiend öffnen (s. non-direktive Gesprächsführungen bei Carl Rogers, Ruth Cohn).
5. Die Entwicklung vom „Humboldt’schen Universalwissen“ zum differenzierten Fachwissen braucht den Mut zu axiomatischen und einfachen Linien, die wie „Lichtschneisen” den Dschungel an vielfältiger Verworrenheit durchleuchten (Jürg Willi u.a.).
6. Der „Netzwerkgedanke eingefaltet-innewohnender Ordnung” (F. Capra) ist verbunden mit kreativen Prozessen (J. Zinker). Aus „Teilganzheiten wird ein neues über-summatives Ganzes” (Prof. H. Petzold). Das gilt auch für diese Paradigma-Arbeit.
7. Mit Petzold und der „Integrativen Therapie” hat das Sein in der Welt (etreau-monde bei Merleau-Ponty) zu tun mit Identität, Integrität und Korrespondenz, sofern Sein zugleich „Mit-Sein” ist. „Response-ability zeigt ein Zusammenwirken von Kontext und Zeitkontinuum”, in dem ich mich als „Leib - Geist - Seele Subjekt” auf der „Bühne des Lebens” vorfinde (H. Petzold).
8. Das Paradox von Widersprüchlichkeiten und integrierender Hochzeit erfahren wir in der Partnerbeziehung auf Augenhöhe, im dialektischen Vollzug von Individuation und Sozialisation, im Paradox der Identität von Zweiheit und Einheit, ca. 50: 50 % elterlicher Gene. Vgl. B. Bettelheim: „Die Geburt des Selbst”; G. Benedetti: „Doppelrapport”; E. Gendlin:” Focusing” und in gruppendynamischen Prozessen ( E. Berne ´Games People Play“ ).
9. Widersprüche hausgemachter Art: Mein Gegenüber ist mal entzückt über meine „Einfalt” und kontert schroff: Du bist überhaupt nicht „naiv” - in dem Moment, als ich beides vermische. D. h. in mir bin ich verhochzeitet im Konflikt, mich meiner „Einfalt“ zu schämen und darauf bedacht, nicht „naiv“ sein zu wollen. Die „Hochzeit“ beider Begriffe signalisiert: Nur ja nicht den Weg schmerzlich-mühevoller Erfahrung zu wiederholen, den Weg erlernter, zweiter Natur (s. „Charakterstruktur“ bei W. Reich, A. Lowen). Waren nicht die Kosten zivilisierter Kultur, die Messlatte der Segnungen und Verbiegungen nicht unendlich hoch? Buddha: „Alle Lebensphasen sind Leiden!“ Sollen wir den Weg zur Unmittelbarkeit, O-Ton, Unbefangenheit, Einfalt zurückgehen in Annäherung an: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“ (Matthäus 18, 17)?! Oder Matthias Claudius in „Der Mond ist aufgegangen”: „Lass uns einfältig werden“! - Was sollte uns verlocken, in die alten Verletzbarkeiten zurückzukehren und in erlernte Schutzbefestigungen neu einbrechen zu lassen?
10. Der Gedanke wuchs: Ein flexibles Paradigma zu finden, das hilft, eine „einfältige” und komplexe Personenstruktur zu verbinden; ein Paradigma, das zwischen Gefühl und Verstand und im ganzen Fächer der Gefühle situativ umzuschalten weis; eins, das in Turbulenzen und Stagnationen beides erlaubt: Prägnanz und Kreativität, Fließen und Struktur; das in Sekunden-Bruchteilen lebbar, übertragbar, handhabbar ist; das in wacher Wahrnehmung einschließlich Fehlern in Plus und Minus unbestechlich Klarheit schenken kann.
11. Ein alter Kronzeuge „Konfutse” sagt zur Kunst, klare Gedanken zu haben, dass wir den „ruhenden Punkt“ in uns kennen müssen. - Dadurch gewinnen wir klare, praktische Begriffe, die es uns ermöglichen, auch in verwirrenden, gefährlichen Umständen richtig und wirkungsvoll zu handeln” ( C. Markert, S. → ).
12. Mit Fritz Perls verweist Prof. H. Petzold „auf das vielleicht bedeutendste Integrationssymbol menschlichen Denkens, das Yin und Yang, das Tai Chi in: „Modelle und Konzepte zu Ansätzen integrativer Therapie”.
13. Francesco Petrarca (1304-1374) in der Renaissance verweist auf ein zweites, integratives, versöhnendes Symbol irdischer Brüchigkeit zwischen Oben und Unten, Rechts und Links. Er setzt in den Schnittpunkt von Horizontaler und Vertikaler das Kreuz. Als mathematisches Koordinatensystem, wie auch als römisches Werkzeug zur Hinrichtung, wird es hier zum „Ja”, mit offenen Augen in Höhen und Tiefen zu sehen und dennoch sich nicht korrumpierbar einschüchtern zu lassen: „In der Welt habt ihr Angst; das ist wahr; doch seid getröstet …; hier geht es um die Solidarität mit den Kreuzen dieser Welt“. In der Rede „Vom Europäischen Menschen deutscher Nation“ überwindet Petrarca den verhängnisvollen, mittelalterlichen Neuplatonismus in der wertenden Dualität von höheren Ideenwelten contra leibfeindlicher, dionysischer „Fleischeslust“ mit aller Spaltung in Primatansprüchen und Geringschätzungen.- Mit dem Gedankenblitz des „Ja zur Inkarnation”, dem Ja zu beiden Koordinaten wächst der Renaissance der Mut, in beidem ganz zu sein.
14. Eine Blitzerfahrung im O-Ton erzählt: „Ich sitze in Todtmoos-Rütte beim „geführten Zeichnen“. Vor mir ein Papierblock, von vier Klammern gehalten. Bei geschlossenen Augen, mit zwei Kreiden in jeder Hand, bittet mich die Therapeutin, der inneren Bewegung zu folgen und sie aufs Papier zu bringen. Ich freue mich, schalenförmig zu schwingen; stoße aber im Schwingen verärgert gegen die obere Klammer. Mit einem „Stopp“ lässt sie mich die Augen öffnen und sagt: „Warum machst du dich zum Opfer einer Stahlklammer?“ Ich könne den Malblock auch zuerst erfühlen, um dann in den Grenzen frei zu sein”. Möglich sei auch, bei aller Zerrissenheit im Isis-Osiris Mythos, von den zerteilten Bruchstücken meiner zerbrochenen Partnerschaft zu sprechen, um im Mitteilen Stück für Stück zu kitten und zu heilen.“
Ilse Aichingers Kurzgeschichte: „Der Gefesselte“ erzählt vom minutiösen Lernen am Punkt Null, Spielräume in den Fesseln zu finden und darin frei zu sein. Der umgekehrte Weg aus den Fesseln heraus in die geschenkte Freiheit ist dann wieder ebenso mühsam. Solch kleinste Schritte geht die „Deathlayer-Arbeit“ in der Bioenergetik. Perls mahnt dazu: In der Therapie nicht direkt ins Zentrum vorzudringen, sondern den Symptomen zu folgen.
15. Prof. Fuchs in Berlin war in der dialektischen Theologie der, der mit seiner Hermeneutik einen Eros des Übersetzens pflanzte. Was in der Philosophie die „Phänomenologie“ war, was in der Germanistik die „Existentialisten“ waren und was in der Psychologie die „Integrative Gestalt“, sie hatten immer wie ein roter Faden den „phänomenologischen Ansatz“.-
Bei Ernst Fuchs wurde dies zu einer Art schwäbischer „Hausfrauen-Theologie”, die er im Krieg bei einer Bäuerin lernte.-
„Inkarnation” z.B. hiess bei ihm übersetzt: „Eine Hausfrau, die Kartoffeln schält, macht sich unweigerlich die Hände schmutzig.“ Zur „Identität”: „Es kann das Radieschen nicht einfach sagen: Ich wär´jetzt mal der Kaiser Maximilian.“- Zur „Nächstenliebe”: „Wenn Du abends mit deiner Frau ins Bett gehscht und ihr noch lange von Gott redescht und sie schläft ein, dann liebscht du sie nicht richtig!” Dem Theologen, der darauf beharrte: „Das hermeneutische Prinzip für die Katze sei die Maus”, antwortete er: „Ein Schälchen Milch tut´s auch.”
16. Die Eltern waren wie Feuer und Wasser, hugenottisch und deutsch. - Sie standen auf zwei Füssen im Urvertrauen von Glaube und Aufklärung. In den 20 Jahren auf Java trafen Ratio und Naturkulte und Islam zusammen.
Selber bin ich da geboren und 13 Jahre aufgewachsen. Als Dritter unter den fünf Geschwistern bin ich zugleich Zwilling ( s. Alice Miller ). Der patriarchale Vater (1897*) war in meinem 5.-13. Lebensjahr am Himalaja interniert (dazu später der Glückwunsch der Analytikerin ). Die lange Leine der Mutter ließ uns eigene Wege finden, inkl. „Brüche und Neuanfänge“ und dem gelebten Satz: „Wer unter Euch ohne … ist, werfe den ersten Stein.“ Daraus erwuchs der Mut zu Durchgängen mit offenen Augen und so auch Strukturen finden. Beides verbindet sich, wie eine Art Doppelhelix, zu einer „situativen Ethik“. Sie beäugt dogmatische Festlegungen mit einer Portion Skepsis.- In Toto waren Arbeit, Spiel und Satori-Erfahrungen oft miteinander verwoben.
17. Die Digitalisierung des Buches verweist auf die Grundschritte des PC-Aufbaus, auf die geometrischen Grafiken, auf klare Entscheidungen im „Ja und Nein“, vergleichbar mit der Unbestechkeit der Bergpredigt: „Eure Rede sei Ja, wenn Ja,- und Nein, wenn Nein!“ In dem Sinn, dass Form und Inhalt einander bedingen, disziplinieren und Klarheit schaffen, gilt mein Dank der Hilfe und dem Wissen von:
Fritz Hardy und Dr. Heinrich Raatschen.
18. Im Zug digitaler Entwicklungen gibt es punktuelle Anwendungen, z.B. in Stephani Hartungs Buch: „Gestalt im Managment“ - oder in JPS Sensoren, die bei Ski-Abfahrten im Weltcup, mit „Airbag“ am Körper helfen, bei hohem Tempo bis hin zum Crasch die Fahrer zu schützen. Die Entwicklungszeit für dies Wunderwerk der Technik - so die Medien – brauchte fünf Jahre.
19. Die Kreativität in seinen Entwicklungen benennt Joseph Zinker als „The Growing Edge“. Lore Perls kommentiert es mit der Aussage: „Dies Buch ist eine erfolgreiche Integration der Erfahrungen, Einsichten und Fertigkeiten des Autors mit Leidenschaft, Ausgelassenheit und Humor“ ( ISSN 0720-2385 ).
Pierre Teilhard de Chardin schreibt für sich im Brief vom 12. 9. 1933: „Es ist eine Freude, sich einer Sache, an die man glaubt, bis zum Ende zu geben“.
Paul Claudel teilt die duale Sicht seiner Arbeit in zwei Seiten: „Die Ordnung ist die Lust der Vernunft; aber die Unordnung ist die Wonne der Phantasie.“
Summarisch führen beide: Vernunft und Phantasie, Knochen und Fleisch, an den Anfang dieses Buches zurück, wonach oft erst auf Umwegen sog. „Binsenwahrheiten“ zu meiner je eigenen Wahrheit werden.
Fritz Perls nennt „Dialektik” nicht philosophisch, sondern als Brauchbarkeit bestimmter Regeln „differenzierendes Denken” (18). Von Salomon Friedländers Theorie ausgehend: „Jedes Ereignis stehe in Beziehung zu einem Nullpunkt, von dem aus eine Differenzierung in Gegensätzen stattfindet” - zeigen diese Gegensätze in ihrem spezifischen Zusammenhang große Affinitäten zueinander und bilden ein System „wie plus - minus; klug - dumm; schnell - langsam. Tausende solcher Gegensätze sind in der Alltagssprache miteinander gekoppelt wie hoch - tief, schwarz - weiß, warm - kalt, Tag - Nacht” (vgl. Joseph Zinker in „Die schöpferische Indifferenz” (19 ff). So finden sich auch im psychischen Bereich und in der Terminologie der Psychoanalyse Begriffspaare wie „Lust - Unlust“, Wunscherfüllung und Versagen; Sadismus - Masochismus; bewusst - unbewusst”. Gegensätze sind jedoch nicht nur durch Wörter vorgegeben, sondern auch durch ihren Zusammenhang. Es kommt vor, dass zum gleichen Wort mehrere korrelative Ausdrücke gehören. So stehen dem Wort * Geben * auch * Empfangen * und * Nehmen * gegenüber; * alt * steht * neu * und * jung * gegenüber. Diesen Sachverhalt bringt Zinker in eine anschauliche Graphik (s. u.). Bei Gegenpolen wird zudem im pathologischen Selbstkonzept der Fehlbestand an Gewahrsein des je anderen Pols grösser! Die gestrichelten Felder erscheinen wie blinde Flecke.- Zinker schreibt ( bei H. Petzold der „primordiale Sinn“) zum Vorgang schöpferischer Indifferenz und Dialektik: „Ich kann alles homogenisieren und irgendwas als Figur aus dem undifferenzierten Hintergrund treten lassen und habe es in den Brennpunkt gerückt. Ich gehe von einem dialektischen Zustand aus, einem rhythmischen Homogenisieren; da hinein fokussiere ich dann” (S. → f, → f, →)! Zu vergleichen ist damit Zinker´s Modellzeichnung in: „Pathologische Selbstkonzepte”, in der er sehr ins Detail geht ( Anhang 1 ).
Der Nullpunkt ist arithmetisch „die Mitte eines Plus-Minus-Systems” ( Perls ). Im Paradigma setzen wir hier ein Koordinatensystem ein. „Die Null hat eine zweifache Bedeutung, die eines Anfangs und die eines Zentrums.“
Sie ist der Anfang von „zwei Linien, die sich in eine Plus- und eine Minus-Richtung erstrecken. Auf diesen Linien können Zahlenreihen eingetragen werden“.„Die Zahlen geben den Grad der Differenzierung vom Nullpunkt an.“ Dabei hat die Null „den praktischen Aspekt des Normalen,“ ob der Gefrierpunkt des Wassers bei 0º Celsius liegt, der mittlere IQ bei ca. 90-100 angesetzt wird, die menschliche Körpertemperatur um 36, 7º C pendelt. „Tatsächlich gibt es in unserem Organismus viele Systeme, die um den Nullpunkt von Normalität, Gesundheit, Indifferenz angeordnet sind” ( 20 ).
Abb. 1
„Drei Punkte sind für das Verständnis unentbehrlich: Gegensätze, Prädifferenz (Nullpunkt) und Grad der Differenzierung” Bildlich wird das deutlich in der Darstellung des Spatenmannes. Er setzt den Spaten auf ebener Erde mit beliebigem Nullpunkt an; von ihm geht die Differenzierung aus. Jeder Spaten Erde ruft einen Fehlbetrag im Boden hervor, der als Überschuss auf das Hügelchen gehäuft wird”. Die Differenzierung der sich entsprechenden Vertiefung und Erhebung „ist graduell und geschieht in genau dem gleichen Grad nach beiden Seiten” ( 20f ). Erinnert sei an den Satz von der Erhaltung der Energien, dem grundlegenden Naturgesetz, wonach Energie weder erzeugt noch vernichtet wird. Sie wird von einer Energieform in eine andere umgewandelt.
Gleichzeitig knüpfen wir an die Sinuskurve in der Schwingungslehre an, die Perls in seinen Bildern (s.o.) beinahe nebenbei zeichnet. „Die zwei und mehr Richtungen einer Differenzierung entwickeln sich gleichzeitig. Und die Ausdehnung nach beiden Seiten ist allgemein gleich”; so ist das Maß der Differenzierung wichtig. Oft wird der „graduelle Unterschied” vernachlässigt. „Eine heilsame Droge und ein tödliches Gift, sie haben zwar entgegengesetzte Wirkungen, unterscheiden sich aber durch den Grad der Dosis. Quantität wandelt sich in Qualität” (25).
Perls: „Indem wir wachsam im Zentrum bleiben, können wir eine schöpferische Fähigkeit erwerben, beide Seiten vom Vorkommniss zu sehen und jede unvollständige Hälfte ergänzen. Indem wir eine einseitige Anschauung vermeiden” (es sei denn eine bewusst gewollte Intervention) „gewinnen wir eine tiefere Einsicht in die Struktur und Funktion des Organismus” (19). „Differenzierendes Denken - die Einsicht in die Funktionsweise der Systeme, liefert uns ein geistiges Präzisionsinstrument, das weder schwer zu begreifen noch zu handhaben ist. Das Denken in Gegensätzen ist die Quintessenz der Dialektik.“ So behalten wir immer auch die Kehrseite einer Medaille im Auge. „Es ist nicht schwer, die Kunst des Polarisierens zu lernen, es sei denn, man hält den Punkt der Prädifferenz im Sinn. Sonst entstehen Fehler, die zu willkürlich falschen Dualismen führen” (21 + 23).
Neben den drei Punkten: Gegensätze, Prädifferenz (Null) und Grad der Differenzierung kommen bei Perls noch hinzu:
Der Kontext, das Feld oder das Ganze (36).
Die bindenden und die spaltenden Kräfte (29, 26 f).
Die Vorstellung der Funktion, das „wie“, statt Kausalität.
Das Zeit-Zentrum unserer selbst, die Gegenwart (111).
Abb. 2
Der Kreis, das Feld, die Situation, sie sind „ein entscheidender Faktor bei der Wahl des Null - Punkts” ( 24 ). In der Therapie wird er durch die Wahrnehmung und in der Wahl von zwei sich zeigenden Polen markiert: Dem hervortretenden Pol und seinem zu erarbeitenden „Gegenpol“ ( blinder Fleck / Abhg. 1 ).
Perls: „Der Kontext oder das Feld oder das Ganze, in das ein Phänomen eingebettet ist, ist „nicht aus den Augen” zu lassen. Klar wählen wir auch „Objekte gemäß unseren Interessen aus; und diese Objekte erscheinen ebenso als hervorstehende Gestalten”. D.h. wir „erzeugen insgesammt eine Figur-Hintergrund-Wirkung.“ Auch folgender Zusammenhang gehört zum Standpunkt innerhalb eines ganzheitlichen Feldes: Mit „Leib und Seele“ hinter etwas stehen, bezeichnet „zwei Aspekte der gleichen Sache” und bildet doch gleichzeitig „eine holistische Einheit” (36+41). Das Yin-Yang Symbol im Tai-Chi drückt harmonisch-ausgewogen die fortschreitende Differenzierung in Gegensätzen aus. Beide Felder sind mal vertikal, mal horizontal, um 90 Grad versetzt, anzutrefen.
Abb. 3
In der Logik wacher Wahrnehmung von Oben und Unten sagt Konfutse: „Dass alle Dinge ihre unterirdischen Wurzeln und überirdische Zweige haben. Alles hat einen unsichtbaren Ursprung und ein sichtbares Entfalten. Wir dürfen nicht die Reihenfolge der Dinge verwirren, wie wir nicht den Unterschied von Kopf und Fuß vergessen dürfen” ( Markert 85 ).
Die Waagerechte weist auf Bewegungen vor und rück und auf Zeitabläufe. Die Erdumdrehung kreist immer von West nach Ost im Verhältnis zur Sonne. Sich fortpflanzende Schwingungen sind Wellenlinien. Für Frequenzen und geschichtliche Abläufe von der Vergangenheit über die Gegenwart bis zur Zukunft gilt das ebenso (vgl. die Zeit als vierte Koordinate bei Capra, 93). Waagerecht erfahren wir die Annäherung und die Entfernung gegenüberliegender Pole als „Nähe und Distanz“!
„Bewegung“ zeigt sich „horizontal“ im Aufeinander zu, sowie Fortbewegen ( in der Soziologie die Gesetze des „An und Ab“). Auch Yin und Yang sind zwei sich begegnende Größen. Sie können dynamisch als Teilganze weit entfernt von einander sein; sie können sich berühren und punktgenau abgrenzen; sie können sich partiell überlappen, vermischen oder symbiotisch decken und verschmelzen:
Abb. 4 zeigt: Die Sinus-Halbbögen im Spin der Polaritäten verdichten sich von Außen nach Innen, bis ihre Kernpunkte in der Annäherung an die vertikale Tangente sich im gemeinsamen Nullpunkt fusionieren. Waagerechte und Senkrechte gehören in Relationen zu einander. Im Wechselspiel von mehr oder weniger Nähe sind ihre Kernpunkte gleichwertig!
Abb. 4
Fortan spielt das Koordinatensystem in der horizontalen und vertikalen Achse mit die wichtigste Rolle. Das gilt für das „Spatenmännchen” mit den Amplituden von Berg und Tal, für das Yin und Yang in seiner Sinuskurve und für das zeiträumliche Auf-einander-zu der Pole in der mathematisch (wie idealiter) gegebenen Sinuskurve mitsamt den Nullpunkten:
Abb. 5
Entsprechend der oft müßigen Frage nach „Henne und Ei“, wonach viele Warum-Fragen müßig sind (Kinderfragen), empfiehlt Perls: „Denkbar vorsichtig” mit Ursache und Wirkung umzugehen. Er lässt an die Stelle der Vorstellung von der Funktion das „wie” treten (26).
So ist im Paradigma nicht stereotyp, primär entscheidend, wo ich ansetze. Klar ist wie beim Steinwurf ins Wasser: Zuerst ist der Einschlag da. Doch was sehen wir auf der horizontalen Nullachse? - Zuerst das Wellental oder den Wellenberg? Der große Kreis umfasst dabei die Einheit, das Ganze von Wellenberg und Wellental. Vgl. Abb. 6 A + B + C ( und Anhang 2 ).
Abb. 6 A
In der „Integrativen Therapie“ (IT) geht es nun nicht primär darum, den Einbruch traumatischer Schlüsselerlebnisse im „Aha“ von analytischer Deutbarkeit zu ergründen, noch geht es um die nach aussen sich zeigende Symptomatik ( Wellenberg ), die verhaltenstherapeutisch zu ersetzen wäre. Integrativ meint: Die Dynamik des Gesamtfeldes im Auge zu haben. Das Gegenwärtige im Zeitkontinuum von Vergangenheit und Zukunft weist schon immer auf das Zentrum integrierter oder nicht integrierter Bewegungen ( Bedürfnisse, Empfindungen, Entscheidungen, Handlungen gelten im Gesamtkontext ). Als Zentrum von kontinuierlicher Fortbewegung können wir z.B. den „Bug“ eines Schiffes uns denken und malen: Der Bug als senkrechte Mittel- und Null-Linie; die „Bugwelle“ als Widerstand und Stau vorwärts treibender Kraft und Masse (vgl. Schiller: „Hart im Raume stoßen sich die Sachen“).
Seitlich hinter dem Bug erscheint dann das Wellental ( s. Abb, 6 B+C). Doch schon in zyklothymen Zuständen eines Klienten sieht der Therapeut situativ, was er gerade miterlebt ( parallel zur manisch-depressiven Sprachformel ):
Ob die manische Phase oder die depressive Phase der Ausgangspunkt ist.
Abb. 6 B
Abb. 6 C
Herr X. wird per Psych.KG. erheblich „manisch“ stationär behandelt. Tage später klagt er: „Ich befinde mich immer noch in einer unerträglichen Hölle von Depression; ich habe dem Arzt gesagt: Er solle mir das Tofranil geben; das hilft!” Der Therapeut: „Und dann?“ - Klient: „Der Arzt sagt: Dann würde er mich wieder in die Manie schießen.“ - Mit anderen Worten: Schon mittels Psycho-Pharmaka lässt sich ein Kippmoment, mal so und mal so herum herstellen. Subjektiv hat Herr X seine eigene Prioritätenfolge. Er sagt „Die Manie ist ein Geschenk des lieben Gottes nach all den Tiefen von qualvoller Depression und Hölle!”.
Den vorsichtigen Hinweis: Ein ähnlich Betroffener habe die Manie als „glücklose Freude, freudloses Glück“ beschrieben, notiert er sich schnell in einem Büchlein (er ist promovierter Philologe) und findet: „Wirkliches Geniessen, Einlassen, Sichfreuen sei bei dem „drive“ nicht gegeben.“
Wie der Reiter über dem Bodensee beim Knacken des Eises dahin jagt; wie Ikarus beim Höhenflug zur Sonne nicht aufhört (die unterschwellige Angst vor Absturz beflügelt seinen manischen Sog), - in jedem Fall erscheint „High-sein“ subjektiv besser, als „depressiv“ zu werden.
2.2.1 Polare Phänomene sind tausendfach und allgegenwärtig! Himmel & Erde; Sonne & Mond; Ebbe & Flut; Sommer & Winter; Geburt & Tod; weiblich & männlich. Ebenso kennen wir die „Triangulierungen“: Vater – Mutter – Kind; Sonne - Mond - Sterne; oder wenn wir den „dritten“ Punkt zwischen die Pole setzen, z. B. Frau - Kind - Mann; Leib - Seele - Geist; Kopf - Herz - Bauch. Zuvor aber gilt: Eine grundlegende Polarität kennzeichnet unser ganzes Diesseits, die gesamte Wirklichkeit, alle Differenzierung, ob physisch und psychisch, wirtschaftlich, sozial, kulturell, alles Irdische ist gegenbegrifflich einzuordnen: Einatmen & Ausatmen; hungrig & satt; groß & klein; bewusst & unbewusst; Aktion & Reaktion; Spannung & Entspannung; konstruktiv & destruktiv; Ideal & Wirklichkeit; Emotion & Intellekt; Hass & Liebe. Auch die alltäglich polare Rollenzuschreibungen kennen wir: Arbeitgeber und Arbeitnehmer; Regierung und Opposition; Politiker. und Bürger; Polizist und Demonstrant; Falken und Tauben; Kommunist und Kapitalist; Ost und West; Nord und Süd ( synonym mit reich und arm weisen sie dann auf ein Gefälle ).
Auch gilt: „Das ewige Zusammenspiel von Yin und Yang bestimmt nicht nur Beziehungen zwischen Geschlechtern, sondern auch das Gleichgewicht aller Begriffspaare, die eine polarisierte Einheit bilden” (Markert 23).
Die Gleichwertigkeit der Pole sehen und die Einzigartigkeit einer polaren Teilganzheit: Sommer ist nicht Winter; Tag nicht Nacht; Frau nicht Mann; Buddhist nicht Christ;- heißt zuerst: Den Primat einseitiger Wertigkeiten abzubauen! Die Gegensatzpaare sind Pole eines Ganzen; und jeder Pol ist nur eine Hälfte, die durch eine andere ergänzt und bereichert wird. Nichts ist ausschließlich nur Yin oder nur Yang.- Sie sind „gleich-wertig” und nicht „gleichartig”. Sie ergänzen sich, brauchen einander, auch wenn jeder für sich ein Teil-Ganzes ist. Sie haben ihren Akzent! Gleichzeitig verhalten sich beide im gleichgewichtigen und im dynamischen Auf und Ab ihrer Kräfte.
Die Zuschreibungen laufen polar und zyklisch ab ( vgl. Capra 32 / 42 ).
Zyklisch meint: Wiederkehr, Umkehrbarkeit, rhythmische Gegenläufigkeit. Die zyklische Struktur des Yin und Yang zeigt sich, indem beide Pole den „Zyklen des Wandels Grenzen setzen”. „Nachdem das Yang seinen Gipfel erreicht, zieht es sich zugunsten des Yin zurück” ( Abb. 6 C ). In einer natürlichen, harmonischen Ordnung finden alle Übergänge „stufenlos in ununterbrochener Aufeinanderfolge statt” wie Einatmen und Ausatmen (Capra 32).
Bringen wir Capra in die Yin-Yang Figur ein, indem wir sie mit zwei Händen gleichzeitig vom Nullpunkt aus fortbewegen, so begegnet uns ein Satori eigener Art ( Abb.7A ).
Auch folgende Formulierung deckt sich mit diesem Phänomen: „Vom Nichts, als wie von der Mitte aus, lässt sich der Unterschied nach entgegengesetzten Richtungen ins Unendliche verfolgen: Anfang und Ende sind Mitte“.
Hier ist die „Grenze das Grenzenlose.“ - Wie im Satori Erleben sind die Erfahrungen von Integration und Kreation, aus der „Leere“, aus dem „Nichts“ geboren” (Petzold-Perls, IT 1-2, 84 /12). Vom Nullpunkt aus finden wir die Grenzen in der Wahl der Pole wie in der Wahl des Feldes, je nach Notwendigkeit und Freiheit der Ausdehnung, ob mikro- oder makrokosmisch.
Gibt es gleichberechtigte Polaritäten und gehen beide Pole von einem Nullpunkt aus, so gibt es auch die Möglichkeit des So- und So-herum. Bewusst wahrnehmend beginnen wir mit dem Einatmen oder umgekehrt. Sobald wir aber eins tun, zeichnen sich unterschiedliche Akzente ab.
3.1.1Erste Möglichkeit: Wir beginnen das Atmen bei Null mit dem Einatmen, bei einer wohlduftenden Abendluft oder bei einem Erschecken, um dann den Atem anzuhalten mit der Frage: Flüchten oder Angreifen?
3.1.2Zweite Möglichkeit: Meditative Entspannung beginnt mit dem Rest des Ausatmens. Dies zweite nochmal Ausatmen führt zur kleinen zyklischen Einheit im Viererrhythmus: Zweimal Ausatmen - Pause - Einatmen.-
3.1.3„Pulsschläge“: Teils wählt man auch diese im Zählen bis 40, um am Anfang des Einübens konzentriert zu bleiben. Andere nutzen im Kehrvers „Wortfolgen“, um dem Geheimnis des Atma auf der Spur zu sein, ein „bestmöglicher Kompromiss” ( Lee Le Shan 62 ).
Abb. 7 A
Abb. 7 B
Abb. 7 C
Die Freiheit des Probierens, Bewusstmachens, Integrierens in eigener Person kommt dem kreativen Teil des Netzwerkgedankens nah, einschließlich Fehler machen, Korrigieren, Fliessenlassen, Kommen- und Gehenlassen bis es zum: „Es atmet mich” gelangt.
Der Freiheit widerspricht auch nicht, dass Entwicklung und Wachstum - öfter als gedacht - in kreativen Sprüngen erfolgt ( J.E. Berendt: „Nada Brahma, die Welt ist Klang”). Dennoch geschieht nichts alleine beliebig und willkürlich. Die „eingefaltete, implizite Ordnung und eine ungebrochene Ganzheit ist anzunehmen, die dem kosmischen Gewebe von Zusammenhängen auf einer nicht-manifesten Ebene innewohnt” ( David Bohm, Fritjov Capra 101.).
Es lässt sich im ersten Schritt mit den Armen, von der Mitte aus synchron und in einem Zweitakt begleiten und unterstützen. - Wir wählen, beginnen mit dem Einatmen: Symmetrisch kreisen die Arme, von unten ausholend nach oben und dann wieder entlang der Mittelachse zurück nach unten.
Der Zielgedanke ist letztlich: Sind Verknüpfungen von Atma, Odem, Atem ( kaum etwas kommt dem Geheimnis des Lebens so nah ) möglich mit dem Link zur Literatur, die das Atmen als göttlich besingt, dem Link zu „vielleicht dem bedeutensten Integrationsymbol menschlichen Denkens“ ( H.Petzold ) und dem Link zu mathematischen, geometrischen Gesetzen?!
3.2.1 Einatmen: Arme von unten seitlich bis über den Kopf führen
3.2.2 Ausatmen: Arme mittig zur Körperachse sinken lassen und die Luft nach unten ausströmen lassen
3.2.3 Mit zwei Händen sind Yin und Yang gegenläufig in Nachzeitigkeit und gleichzeitig zu zeichnen?! - Eine Hand würde beide Figuren nachzeitig als Acht zeichnen! Verlangt nun aber die Gleichzeitigkeit einen Bewusstheitsspalt oder tut die Ganzheit im Gehirn, was das Klavierspiel mit zwei Händen immer schon tut?
3.2.3.1 Möglichkeit A: Einatmen - Ausatmen und Pause – Abb. 9A
Einatmen: Die Hände zeichnen gleichzeitig beide Sinus- Halbbögen 0 – A ( linke Hand ) und 0 - B ( rechte Hand ). Brust und Bauch haben dann ihre größte Ausdehnung zwischen A und B.
Ausatmen: Die Hände beschreiben den großen Halbkreis: Von B nach A und von A nach B. Die Arme überkreuzen sich, pressen letzte Luft aus.
Das Luftvolumen geht von der Expansion zur Kontraktion.
Pause: Hände und Arme lockern sich zurück auf Null: „Nichts. und Alles hat Anfang und Ende“ ( die Rechte malt: A - 0; die Linke: B – 0 ). Mit Abb. 9 A hat sich die zweifache Gestalt geschlossen: „Anfang und Ende sind Mitte”. Neues Luftholen beginnt. Die gleiche Übung aufrecht … erinnert an Goethe: „Im Atmen sind zweierlei Gaben, das Aufrichten und Sich-Niederlassen“.
Abb. 9 A
A - B horizontal räuml. Volumen
Abb. 9 B
A - B vertikal in aufrechter Gestalt
3.2.3.2 Mathematischer Exkurs: Die ganze Sinuskurve der Yin und Yang Figur entspricht in ihrer Strecke dem zu ihr gehörenden, großen Halbkreis außen herum - lt. 2 r (Pi):
Die Sinuskurve - innen
Der Halbkreis - außen
3.2.3.3 Möglichkeit Abb.9 B (zwei teilganze Kreise): Ist die Sinuskurve im Kreisinneren so lang wie der große Halbbogen des Kreisganzen außen, so können wir mit beiden Händen im Doppelrapport und zugleich gegenläufig die bipolaren Felder der Figuren im Takt von 1: 2: 1 umreißen. Wiederholen wir den Vorgang spiegelbildlich in der genauen Umkehrung der Figuren, so erscheint nun mit der entgegengesetzten Sinuskurve im Kreisganzen eine „Acht“. D. h. mit dem Unendlichkeitszeichen der Acht finden sich zwei teilganze Innenkreise in einem großen Kreisganzen. Beide Innenkreise als Teilganzheiten haben zusammen die gleiche Länge, wie der Umfang des großen Ganzkreises.
3.2.3.4 Möglichkeit Abb. 9 C
Letztes Ausatmen, von 0 nach A + B: Die Arme -überkreuz- schnüren die Brust an den Polen, Top A und B ein ( toter Punkt, Exitus ), oder:
Ein befreites Einatmen folgt im großen Außenbogen: 2. L / 2. R.
Ausatmen–Loslassen: 3. L / R. Zu
Abb. 9 C
folgende Beschreibung:
Wir beginnen mit dem Rest- Ausatmen mit zwei Händen: Damit verjüngen sich die Yin-Yang-Felder, bis sie auf die letzte Endspitze zulaufen. Die Brust engt sich spürbar ein. Am extremen Grenzpunkt fallen Bauch- Brust-Lungen zusammen. Bei den polaren Endpunkten A+B ( mit auf der Brust gekreuzten Armen ) kann das Atmen in Panik, Atemnot, Leere, Nichts auslaufen, ein letzter Hauch ( Exitus )! Oder - das letzte Ausatmen schwenkt um: Mit der Selbstregulation in die Gegenbewegung, ins Einatmen!
Der letzte Sinusteil der Figurspitze ist bei letztem Loslassen der Luft gleichzeitig eine äuserste Kraftspitze:
Beim Fechten ist es: Der Stoß; beim Bogenschießen: Der Pfeil; bei einem langgezogenen Ton und scheinbar ausgeatmeter Luft ist es: Ein „ssst”, ein explosionsartiges Stakkato „Ha”!
Auch bei der aufrechten Körpergestalt (in senkrechter Figur) ist „Atmen und Zeichnen“ gleichzeitig erlebbar: Die Yang-Brust (oben) ist gefüllt, der Yin-Bauch (unten) ist hochgezogen, korrelierend leer. Die Position waagerecht und senkrecht zeichnet Abb. 9 D und 9 E.
Abb. 9 D
Abb. 9 E
Abb. 9 D – beginnt mit dem „Einatmen”
Die Hände zeichnen die großen Halbbögen von A nach B und B nach A. Das Gesamtfeld der Yin-Yang-Figur in seiner größten Ausdehnung ist markiert (vgl. die vegetative Bauchatmung bei Nacht, Brustatmung am Tag). Im Extrem wird der psychopathische King-Kong Typ die Luft nach oben ziehen (Abb. 9 E), um mit „geschwellter Brust“ stark zu erscheinen. Doch das geht auf Kosten der Standfestigkeit; er kollabiert bald wie ein Luftballon.
Abb. 9 D - beginnt mit dem Ausatmen ( im Hauptteil )
Der Übergang vom Einatmen zum Ausatmen zeichnet sich ab, wenn die Hände „stufenlos“ bei A und B übergehen in den noch verbleibenden Sinus-Halbkreis von A nach Null (die Linke) und B nach Null (die Rechte).
Hören wir den Satz Capra´s noch einmal: „In einer natürlich- harmonischen Ordnung geschieht dies stufenlos in ununterbrochener Aufeinanderfolge. Sie gilt auch da, wo beide Hände sich am Nullpunkt begegnen und die Bewegung zu den Polen sich neu fortsetzt: „Anfang und Ende sind Mitte”!
Die Ausgangsposition einer „primordialen Ebene“ zwischen den Extremen ist erreicht.
Abb. 9 A-E betonte die zyklische Ganzheit und Gleichzeitigkeit: Das Kommen und Figurwerden des Einen ist zugleich das Zurücktreten des Anderen, vice versa. - Der Aspekt ändert sich, wenn wir ihn auf die zeitliche Aufeinanderfolge und die Nachzeitigkeit legen: Jetzt Yin, jetzt Yang; jetzt der Linksschritt, jetzt der Rechtsschritt. Der Rhythmus fortschreitender Bewegung im Zweitakt wirft neue Fragen auf: Was meinen folgende Sätze im dualen und linearen Fortschreiten und wie verbindet sich dies mit dem Zyklischen? (Vgl. Capra, S. 32):
a) „Nachdem das Yang seinen Gipfel erreicht hat, - zieht es sich zu Gunsten des Yin zurück. Alle Entwicklungen in der Natur, die physischen, die psychischen, die gesellschaftlichen, alle laufen zyklisch ab”. Sind solche Aussagen im bipolaren Zweitakt der Fortbewegung paradigmatisch umsetzbar ( s. Kapitel II )?- Zuvor noch zwei Exkurse.
Einatmen als psycho-somatischer Yin-Anteil: Einatmen geschieht von selbst vollzogen, nicht gewollt - als Kommenlassen, Hereinlassen, Empfangen von neuer Energie ( Prana, Odem, Ki- und Lebenskraft ).
Bewusster wird ein Atemzug, wenn wir z.B. aus großer Hitze in einen wohltuend kühlen Schatten treten. Oder wir holen erschrocken kurz Luft, halten sie an, um dann Flucht oder Angriff zu starten.
Wir kennen Phänomene des chronifizierten Mangels an Einatmen, bei verengtem Brustkorb, Astma, Bronchitis.- Ein Resultat ist auch: Wenn ein Mensch stellvertretend die Lebensenergie anderer braucht (vgl. das Drakula-Syndrom): Wenn er nur einen kleinen Teil von Gefühl, Liebe, Zugewandtheit, Aggression (ad-greddere) ausdrückt, dass er dann dazu neigt, die Rolle des hungrig Nehmenden, nicht des Gebenden zu leben. Die Kombination von festhaltender Angst, Zurückhaltung, Selbstschutz hat viel mit der Erfahrung zu geringer Luft und Lebensenergie zu tun. Das presst ihn eher in Qual- und Verzweiflungs-Zustände” (Ken Dychtwald, 167 ff).
„Einatmen” - als oral-betontes Yin hat eine Affinität zu Rezeptivität und Depressivität. Es braucht die Ergänzung und die eigene Entwicklung zum Yang, d.h. zum Ausatmen, Herauslassen, Expressivem, Trennen, Analem. „Anal“ im alten China meinte: „Geschenke an die Welt verteilen”.
Schon der Stoßseufzer „Gott sei Dank”- zeigt Entlastung an. Bei Paulus ist ein Seufzer schon ein Gebet, das Gott hört.
„Menschen mit einseitig erweitertem Brustkorb, mit Überladung an Energie und Erregbarkeit haben es schwerer, die Energien anderer korrespondierend zu empfangen. Während ein Mensch mit verengtem Brustkorb dazu neigt, gequält und depressiv zu leiden, leidet die Person mit erweitertem Brustkorb unter Problemen wie chronischer Unruhe, übermäßiger Anspannung, hohem Blutdruck, Herzproblemen” (Ken Dychtwald 170 / 172). AutogenesTraining, Meditation etc. setzt gerne beim leistungsorientierten Abendländer an - mit der Wirkung von mehr Entschleunigung, Integration, Konzentration, Gerichtetheit, Hinwendung nach Innen bis zum: „Es atmet mich“! Ein- und Ausatmen sind ein dualer Vorgang.
Goethe benennt ihn hymnisch:
„Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehen und sich ihrer entladen;
Jenes bedrängt, dieses erfrischt; so
wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich presst;
und danke ihm, wenn er dich wieder
entlässt.“ -
Oder mit den Worten Geba´s:„In der Erscheinung sind es zwei, im Grunde ist es eins. Alleine für sich sind sie nichts.- Sie belassen dich nur an einem der beiden Enden deines Atemzyklusses” (171).
Das Yang - mit dem Akzent „Ausatmen“ - ist im Ausgang „anal“ betont:
Sichverschenken, Loslassen, Klären - reicht bis zu Aggressivität, Unduldsamkeit, Psychopathie. Es braucht die Ergänzung zum Yin, dem Empfangen, Zulassen weicherer, zarterer Gefühle und den Kontakt mit dem Urgrund leibhaften Seins.
Im Prozess des „An” und „Ab” ( soziologisches Kürzel für Annähern und Entfernen ) und bei sich entwickelnden Polaritäten ( ausgehend von Prädifferenz und Nullpunkt ) gilt die weiteste Entfernung in einem gesteckten Feldrahmen (= Kreisperipherie). Die Intensität ihrer Berührungs- und Kontaktpunkte steht in unterschiedlicher Nähe und Distanz zu einander. Dies zeigt sich in einer graduellen Wipp- oder Scheren-Struktur. Sie spiegelt sich vom Schnittpunkt der Sinuskurve, vom Nullpunkt ausgehend und auf der Sinuskurve selber fortfahrend in mal mehr Nähe und mehr Entfernung der Wipp-, Scheren-, Pendel-Ausschläge. Es entsteht eine dynamische Struktur von Nähe und Distanz. Dazu zwei interpolare, interpsychische Beispiele für Annäherungen in Abb. 10 A + B:
Abb. 10 A
A wie B fühlen sich alleine -
B 1 sieht A 1; ist neugierig
A 1 hat B 1 nicht gesehen, oder tut so als ob, -
B 2 bringt sich deutlicher und näher ins Blickfeld, -
A 2 zeigt indirekt - reaktiv Wirkung, mehr Nähe,
B 3 spricht A 3 an,
A 3 ausweichend oder mit Wimpernschlag, sieht evtl. zur Seite
B4 - A 4 schauen sich an.
Der Volksmund kennt beides: „Gegensätze ziehen sich an“ und „Gleich und Gleich gesellt sich gern”! Gleiches verstärkt, Gegensätzliches ergänzt sich.
A & B möchten heiraten
A 1 gibt eine Annonce auf,
B 1 antwortet mit Foto.
A 2 ruft ahoi, telefoniert;
B 2 … ja, treffen wir uns!
Abb. 10 B zeigt:
In Beispiel 10 A entsteht bei dauernd einseitiger Rollenverteilung ein Gefälle an Unselbständigkeit und Dominanz; es verhindert ein androgynes Wachsen jeder Teilganzheit. Im Beispiel 10 B halten beide ihre je eigenen, reziproken Anteile zurück, z. B. Vorbehalte, Ängstlichkeit. So kommt zu dem sich verstärkenden „Gleich und Gleich” jene andere Wahrheit hinzu: „Gleiche Pole stossen sich ab!” Bei Tabu-Positionen kommt es nicht zu je andro-gynen Kontakten auf erwachsener Ebene.
