Dragon Age Band 3: Zerrissen - David Gaider - E-Book
Beschreibung

Die Zerstörung des Zirkel der Magi in Kirkwall hat bei den Magier und Templern in ganz Thedas für großes Chaos gesorgt. Einige Magier wollen sich gegen ihre Bewacher, die Templer, erheben, während andere sich dafür einsetzten, inmitten der Wirren, Ordnung und Stabilität zu bewahren. Im majestätischen Weißen Turm in Val Royeaux, dem Machtzentrum der Templer, erreichen die Anspannungen ihren Höhepunkt. Die Taten einiger Radikaler haben die Aufmerksamkeit der Sucher auf sich gezogen, einer mächtigen, geheimen Abteilung der Templer, die nun - koste es was es wolle - das Kommando übernehmen und die Ordnung wiederherstellen will. Was die Lage noch verschlimmert: Ein geheimnisvoller Mörder sucht die Hallen des Weißen Turms heim, unsichtbar für alle, bis auf einen einzigen Magier. Da Rhys als Einziger den Mörder sehen kann, rückt er alls Hauptverdächtiger ins Zentrum der Ermittlungen. Rhys glaubt nicht, dass er seine Unschuld beweisen kann: Seine Zukunft erscheint ihm daher kurz und trostlos. Doch dank seiner magischen Fähigkeiten erhält er eine Schonfrist: Er muss an einer Expedition teilnehmen, die tief ins westliche Ödland von Orlais führt. Dort verbindet sich sein Schicksal mit dem einer wunderschönen Templerin, dem einer gequälten Seele, und mit dem von Wynne, der Heldin des Verderbnis. Zusammen decken sie ein Geheimnis auf, das viel bedeutender ist, als sie es sich hätten vorstellen können. Ein Geheimnis, das das Schicksal der Magier in ganz Thedas für immer verändern wird.

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Sammlungen



BEREITS ERSCHIENEN:

DRAGON AGE Band 1: Der gestohlene Thron

David Gaider – ISBN 978-3-8332-1941-2

DRAGON AGE Band 2: Der Ruf der grauen Wächter

David Gaider – ISBN 978-3-8332-2058-6

DRAGON AGE Band 3: Zerrissen

David Gaider – ISBN 978-3-8332-2526-0

Weitere Infos und Titel unter:

Roman zum Game von David Gaider

Ins Deutsche übertragenvon Claudia Kern

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Deutsche Ausgabe: Panini Verlags GmbH, Rotebühlstraße 87, 70178 Stuttgart. Dieses Werk wurde im Auftrag von St. Martin’s Press, L.L.C, durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen, vermittelt.

In neuer Rechtschreibung.

Amerikanische Originalausgabe: „DRAGON AGE: Asunder“ by David Gaider published by Tom Doherty Associates, LLC, New York, December 2011.

© 2012 by Electronic Arts Inc. EA is a trademark or registered trademark of Electronic Arts Inc. in the United States and/or other countries. All Rights Reserved. Dragon Age, the Dragon Age logo, BioWare, and the BioWare logo are trademarks or registered trademarks of EA International (Studio and Publishing) Ltd. in the United States, Canada, and other countries. EA is a trademark or registered trademark of Electronic Arts Inc. in the United States and/or other countries. All other trademarks are the property of their respective owners.

All rights reserved including the right of reproduction in whole or in part in any form. No similarity between any of the names, characters, persons and/or institutions in this publication and those of any pre-existing person or institution is intended and any similarity which may exist is purely coincidental. No portion of this publication may be reproduced, by any means, without the express written permission of the copyright holder(s).

Übersetzung: Claudia Kern Lektorat: Peter Thannisch Redaktion: Mathias Ulinski, Holger Wiest Chefredaktion: Jo öffler Cover Art: Ramil Sunga Umschlaggestaltung: tab indivisuell, Stuttgart Satz: datagrafix, Philippinen

ISBN 978-8332-2560-4

Gedruckte Ausgabe:

1

Ich bin das Gespenst des Turms.

Dieser unangenehme Gedanke schoss Cole immer wieder durch den Kopf. Es hieß, es gäbe keine Gespenster, dass die Toten nicht unter den Lebenden wandelten, und doch glaubten einige daran. Sie glaubten, ein Toter könne sich auf dem Weg an die Seite des Schöpfers verlaufen und müsse dann auf ewig durch das Land der Schatten wandern.

Cole war nicht tot. Doch er existierte auch nicht und er wandelte unter den Lebenden.

Einmal hatte er mitbekommen, wie zwei Magier über ihn sprachen, obwohl sie ihn gar nicht bemerkten. Er hatte sie spät in der Nacht entdeckt, als sie in einem der dunklen Gänge des Weißen Turms kauerten. Es gab viele dieser verborgenen Nischen und Kammern in dem großen Turm, Orte, an denen sich die Magier vor den misstrauischen Blicken der Templer verstecken konnten, und Cole kannte sie alle.

Die Magier kannte Cole kaum. Er wusste jedoch, dass sie ein großes Risiko eingingen, wenn sie sich heimlich aus ihren Kammern schlichen. Nur wenige der Templer, die im Turm lebten, waren ihnen freundlich gesonnen. Die meisten glaubten, dass die Magier ununterbrochen Pläne schmiedeten, um entsetzliche Schrecken über die Welt zu bringen. Die Wahrheit war wesentlich harmloser: Die Unterhaltungen der Magier drehten sich hauptsächlich um Gerüchte, sie raunten sich Geheimnisse zu, spekulierten auch über Liebesangelegenheiten und sprachen nur selten über ernsthaftere Dinge, die allerdings niemand öffentlich auszusprechen wagte. Gelegentlich stieß er auf Magier, die sich zu einem Schäferstündchen trafen und ihre Körper auf der verzweifelten Suche nach Nähe aneinanderpressten, wohl wissend, dass dies nur flüchtige, gestohlene Momente waren.

Nur zufällig traf er auf die beiden, die über ihn sprachen. Als er durch die Schatten an ihnen vorbeiglitt, hörte er ihre geflüsterten Worte. Sie war eine schlichte Frau mit strohblondem Haar, er ein schlaksiger Elfenjunge, und beide kannte er nur vom Sehen. Ältere Lehrlinge wie sie hatten nur wenig magisches Talent und bereiteten sich schon zu lange auf das Unvermeidliche vor. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Templer sie zu ihrer letzten Prüfung führten und Cole sie niemals wiedersehen würde – oder bis sie als emotionslose Besänftigte zurückkehrten, ohne magische Fähigkeiten und dazu verdammt, ihr Leben im Dienst ihrer Folterer zu beschließen.

Cole erinnerte sich an die Furcht in den Blicken der beiden Magier, die über ihn gesprochen hatten. Die Frau hatte eine Prellung auf der Wange gehabt, deren Purpurfärbung bereits verblasst war. Die beiden Lehrlinge hatten in ihrem Versteck gehockt, sich immer wieder nach Wachen umgesehen und waren beim geringsten Geräusch zusammengezuckt. Sogar das leise Kratzen einer vorbeilaufenden Ratte hatte sie aufgeschreckt, dennoch hatten sie ihr Versteck nicht verlassen.

Trotz ihrer Nervosität bemerkten sie nicht, dass Cole sich ihnen näherte. Etwas anderes hatte er auch nicht erwartet. Unmittelbar neben ihnen blieb er stehen und beugte sich vor, damit ihm kein Wort entging.

„Ich habe ihn wirklich gesehen“, beharrte die Frau und ihre Stimme klang furchtsam. „Ich war in den unteren Gängen, um ein Buch für Verzauberer Garlen zu holen, und da stand er auf einmal.“

„Das Gespenst?“ Der Elfenjunge verbarg nicht, dass er ihr nicht glaubte.

„Drachen kann es also geben, aber keine Gespenster, ja?“ Sie klang beleidigt. „Die Kirche weiß auch nicht alles. Im Nichts gibt es Dinge, die sie niemals begreifen werden und …“

„Vielleicht war es ein Dämon.“

Sie schwieg eine Weile. Angst nahm ihrem Gesicht die Farbe. „Aber … Er hat nicht versucht, mit mir zu sprechen. Ich glaube, er hat mich nicht einmal bemerkt. Ich hielt ihn zuerst für einen Besucher, der sich verlaufen hat, aber als ich ihm um eine Ecke folgen wollte, war er verschwunden.“

Der Elfenjunge zog die Augenbrauen zusammen. Sein Flüstern wurde so leise, dass Cole ihn kaum noch verstehen konnte. „Du weißt doch, was sie uns lehren. Anfangs wirkt so ein Dämon nicht bedrohlich, sondern will uns nur neugierig machen. Erst nach einer Weile fängt er nach und nach damit an, uns zu verderben.“

Sie starrte ins Nichts und presste besorgt die Lippen zusammen. Ihr Blick ging durch Cole und durch dessen Kopf schoss ein einziger Gedanke: Hat sie mich wirklich nicht gesehen?

Der Elfenjunge seufzte und nahm sie in die Arme. Beruhigend redete er auf sie ein, sagte, sie solle sich seine warnenden Worte nicht zu sehr zu Herzen nehmen, dass sie vielleicht recht hatte. Die Frau nickte wie abwesend und kämpfte gegen die Tränen an. „Wie sah er denn aus?“, fragte er schließlich.

„Du willst mich nur ablenken.“

„Nein, ich möchte das wissen. Vielleicht war es ja ein Templer.“

„Meinst du nicht, dass ich mittlerweile alle Templer in diesem Turm kenne?“ Sie berührte die Prellung an ihrer Wange. „Manche sogar besser, als mir lieb ist.“ Die Miene des Elfenjungen verdüsterte sich, aber er sagte nichts. „Nein, er trug weder eine Rüstung noch ein Gewand. Es war nur ein junger Mann, nicht viel älter als du. Struppiges Haar, blond, glaube ich. Lederkleidung, die aussah, als müsste sie dringend gereinigt werden. Ihn haben auch schon andere gesehen und ihre Beschreibungen decken sich mit meiner Beobachtung.“

„Vielleicht ein Arbeiter, der in die Tunnel wollte.“

„Wann hat denn dort unten das letzte Mal jemand gearbeitet?“

Er zögerte, dann hob er die Schultern. „Ich weiß, ich wollte nur …“

„Ich war ihm so nahe, dass ich seine Augen sehen konnte.“ Die Frau konzentrierte sich auf ihre Erinnerungen. „Er wirkte so traurig, als hätte er sich dort unten verlaufen. Kannst du dir das vorstellen?“ Sie schauderte.

Der Elfenjunge lächelte sie beruhigend an. „Das berüchtigte Gespenst des Turms. Die anderen werden neidisch sein.“

Das Lächeln, mit dem sie das seine erwiderte, war dünn. „Wir sollten besser nicht weiter darüber sprechen.“

Sie waren noch eine Weile in ihrem Versteck geblieben. Cole hatte gewartet und gehofft, dass sie noch einmal über das, was die Frau gesehen hatte, reden würden, doch das taten sie nicht. Sie hatten sich bei der Hand gehalten und den dumpfen Gesängen gelauscht, die aus der Kapelle hoch über ihnen nach unten drangen. Als das Mitternachtsgebet schließlich beendet war, hatte sich Stille in den Gängen ausgebreitet und die beiden waren zögernd in ihre Quartiere zurückgekehrt.

Cole war ihnen nicht gefolgt. Stattdessen hatte er sich in die Nische gesetzt und der Stille gelauscht. Er wusste, dass er kein Dämon war. Er hatte zwar noch nie einen gesehen und noch nie bewusst mit einem gesprochen, aber er konnte sich nicht vorstellen, dass es möglich war, ein Dämon zu sein, ohne es zu bemerken. Aber ein Gespenst? Da war er sich nicht so sicher.

Er erinnerte sich an seine Ankunft im Turm. So wie alle anderen Magier vor ihm war er verängstigt gewesen, als die Templer ihn mit ihren rauen Händen durch die Gänge gezerrt hatten. Er hatte nicht gewusst, wo dieser seltsame Ort war oder wie lange die Reise dorthin gedauert hatte. Er war fast die ganze Zeit über ohne Besinnung gewesen und die Augen hatte man ihm auch verbunden. Seine unfreundlichen Bewacher hatten ihm nichts gesagt. Er hatte geglaubt, dass sie ihn umbringen würden.

Man stieß ihn durch einen dunklen Gang. Die wenigen Lehrlinge, die er dort sah, sprangen eilig zur Seite und wandten den Blick ab, was seine Angst nur noch verstärkte. Man würde ihn für das Verbrechen, ein Magier zu sein, in einen Kerker werfen und in diesem dunklen Loch verrotten lassen. Magier. Die Templer spuckten ihm das Wort vor die Füße, wenn sie ihn ansprechen mussten. Vor diesem Tag hatte Cole es nie auf sich bezogen. Nur die Priester hatten es benutzt, wenn sie über die sprachen, die vom Schöpfer verflucht waren.

Und das war er. Verflucht.

Sie warfen ihn in eine Zelle. Er lag auf dem feuchten Steinboden und wartete darauf, verprügelt zu werden, doch das geschah nicht. Stattdessen wurde die Zellentür laut krachend zugeworfen. Anfangs war Cole darüber erleichtert gewesen, aber das hatte sich schon bald geändert. Sie ließen ihn allein in der Dunkelheit, wo ihm nur die Ratten Gesellschaft leisteten. Unsichtbar huschten sie an ihm vorbei und nagten ihn mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen an. Er versuchte, von ihnen wegzukriechen, aber sie waren überall. Schließlich rollte er sich zusammen und betete.

In der kalten Dunkelheit betete er um den Tod. Alles war besser als das Warten auf die Rückkehr der Templer und die Angst vor dem, was sie ihm als Nächstes antun würden. Die Priester sagten, Dämonen würden von Magiern angezogen und könnten sie in schreckliche Ungeheuer verwandeln, aber für Cole gab es nichts Schlimmeres als die Templer. Die Erinnerung an ihre kalten Blicke ließ ihn nicht mehr los.

Er wollte kein Magier sein. Er wollte nicht herausfinden, wie man Magier wurde. Der Gedanke, Magie zu wirken, faszinierte ihn nicht. Inbrünstig bat er den Schöpfer um Erlösung. Er betete, bis er heiser wurde, bettelte darum, dass die Templer ihn vergaßen.

Sein Wunsch wurde erfüllt. Genau das geschah.

Vielleicht war er gestorben, vergessen in der Dunkelheit. Vielleicht wurden so Geister erschaffen: Sie starben, konnten es aber nicht akzeptieren und klammerten sich an ein Leben, das sie nicht mehr wollte.

Er schloss die Augen. Schöpfer über uns, dachte er, wenn ich tot bin, dann gib mir ein Zeichen. Willst du mich denn nicht an deiner Seite, so wie die Priester gesagt haben? Lass mich hier nicht zurück.

Aber er bekam keine Antwort. Er bekam nie eine Antwort.

Wenn er tot war, warum musste er dann schlafen? Warum hatte er Hunger, warum atmete und schwitzte er? Tote taten so etwas nicht. Egal, wie man ihn auch nannte, er war kein Geist und kein Dämon.

Doch das bedeutete nicht, dass er real war.

Der Weiße Turm über ihm war voller Leute. Es gab viele Stockwerke, die offen und voller Sonnenlicht waren. Cole ging selten dort hinauf. Er fühlte sich wohler in der Tiefe, zwischen all den Dingen, die die Templer vergessen hatten, und denen, die sie vergessen wollten. Die Eingeweide des Turms reichten bis tief in die Erde und sie waren sein Zuhause.

Auf den ersten Ebenen der unteren Stockwerke gab es nichts Ungewöhnliches. Sie enthielten Küchen und Waffenkammern mit genügend Ausrüstung, um eine Armee von Templern auszustatten. Dort gab es auch zahlreiche Archive, wo die Schriften gelagert wurden, die in den Bibliotheken weiter oben keinen Platz mehr fanden.

Man fand dort Schriften über Magie, über Musik und Philosophie in vergessenen Sprachen und sogar die verbotenen Schriften. Meistens waren die Archive leer, doch ab und zu stieß Cole auf einen Magier, der dort bei Kerzenlicht saß und stundenlang las. Er würde niemals verstehen, was die Magier an all den Worten und Bildern fanden. Für ihn waren Bücher nur altes Papier.

Die Ebenen unterhalb der Archive waren wesentlich interessanter. Der älteste Teil des Turms wurde „die Grube“ genannt und außer Cole hatten nur wenige je ihre Tiefen erforscht. Dort unten gab es überflutete Gänge, die man zugemauert und dann vergessen hatte, sodass das Mauerwerk längst eingestürzt war. Morsche Treppen führten zu alten Lagerräumen. In einigen fand Cole nur Staub, in anderen seltsam aussehende Relikte. Ein großes Mausoleum diente als stumme Erinnerung an vor Jahrhunderten gestorbene Templer. Verstaubte Statuen längst vergessener Helden bewachten Marmorsärge. Er fand verborgene Schätze, deren Besitzer längst nicht mehr lebten. Er folgte dunklen Tunneln, die im Kreis führten, verschüttet waren oder in die Kanäle der Stadt mündeten. Wusste außer ihm noch irgendjemand davon?

Er kannte jeden Teil der Grube, auch den Bereich, der in ihrem Herzen lag. Dort gab es die Kerker mit Hunderten von Zellen auf verschiedenen Ebenen. So viele konnten selbst die Templer nicht füllen. In den ältesten hallten die Schreie der Gefolterten immer noch unhörbar wider, so als hätten die Steine selbst sie eingesogen. Cole bekam eine Gänsehaut, wenn er daran dachte. Er betrat die Kerker nur, wenn es sein musste.

So wie in dieser Nacht.

In den Kerkern wurden keine Fackeln benutzt, sondern Leuchtsteine, die man in Glaslampen steckte. Sie flackerten wie eine Flamme, aber ihr Licht war kalt und blau. Sie waren magisch und er spürte ihr sanftes Flüstern auf seiner Haut, wenn er an ihnen vorbeiging. Es gab nur wenige dieser Lampen in den Kerkern, gerade so viele, dass die Wächter ihre eigenen Füße sehen konnten.

Der Zugang zu den Kerkern befand sich in einer lang gestreckten Halle unter einer Kuppel. Die zahlreichen Eisentore, die er dort sah, konnten im Bedarfsfall rasch geschlossen werden. Jeder, der sich in der Halle aufhielt, wenn das geschah, wurde von Bolzen, die aus dunklen Löchern in den Wänden schossen, aufgespießt. Cole schüttelte sich, als er hindurchging. Das war nicht die einzige Todesfalle in den Kerkern. Die Templer brachten Gefangene eher um, als sie fliehen zu lassen, und die alten Rußflecken an den Wänden erzählten die Geschichten derer, die das am eigenen Leib erfahren hatten.

Auf der anderen Seite der Halle gab es einen Wachraum, in dem ein kleiner Tisch und einige Stühle standen. Er sah eine offene Flasche Wein, zwei halb volle Kelche und Teller mit den kalten Überresten einer Mahlzeit. An einem Wandhaken hing ein Umhang, darunter auf dem Boden lagen zwei dreckverschmierte Helme. Es waren keine Wachen zu sehen und die Zwischentüren standen weit offen. Sie mussten sich im Inneren aufhalten.

Zögernd betrat Cole den Zellentrakt. Es stank nach alter und neuer Angst. Die Zellen in diesem Trakt wurden häufig benutzt. Er wusste nicht, wie viele Gefangene sich an diesem Ort aufhielten, aber einer war es zumindest, denn irgendwo vor ihm wimmerte jemand ängstlich.

Doch er hörte auch Gelächter und die lockere Unterhaltung zweier Männer. Ihre Stimmen hallten durch den Gang. Cole ging langsam weiter, bis er vor sich ein blaues Licht erahnte. Zwei Templer in voller Rüstung standen vor einer offenen Zelle. Einer hielt eine Lampe hoch. Da sie keinen Helm trugen, erkannte er sie. Zwar wusste er wie bei den meisten Templern nicht, wie sie hießen, aber er kannte sie als gnadenlose Jäger, die schon so lange im Dienst ihres Ordens tätig waren, dass sie jedes Mitleid, zu dem sie einst vielleicht fähig gewesen waren, längst abgelegt hatten.

„Vorsicht“, sagte der Lampenträger. „Sie weiß, wie man Feuer beschwört.“

Der andere, dem Cole den Namen Rübennase gab, schnaufte verächtlich. „Kann sie ja gern mal versuchen.“

Das Wimmern kam aus dem Inneren der Zelle. Der Lampenträger verdrehte die Augen und wandte sich ab. „Wird wohl nicht passieren. Sie hat sich kaum gewehrt, als wir sie erwischt haben, und jetzt wirkt sie lammfromm.“

„Hm. Glaubst du, dass sie es schaffen wird?“

„Wäre vielleicht besser, wenn nicht.“ Die beiden sahen sich wissend an, das verzweifelte Wimmern wurde lauter. Rübennase hob die Schultern und schlug die Zellentür zu. Er brauchte einen Moment, bis er den richtigen Schlüssel an dem großen Eisenring gefunden hatte, dann drehte er ihn im Schloss um.

Die Templer drehten sich um und gingen auf Cole zu. Sie flüsterten sich einen Witz zu und lachten grausam. Er blieb, wo er war, und hielt vor Anspannung die Luft an, als sie sich ihm näherten. Doch als sie ihn erreichten, taten sie das, was beinahe jeder tat: Sie gingen um ihn herum, ohne es zu bemerken. Das war keine sichere Sache und Cole rechnete stets damit, dass ihn jemand sah. Er hoffte es sogar ein wenig.

Er zog Rübennase den Schlüsselbund vom Gürtel.

Dann waren sie weg. Die Lampe, die einzige Lichtquelle im Kerkertrakt, hatten sie mitgenommen, sodass es nun vollkommen dunkel war. Cole atmete langsam aus und wartete darauf, dass ihre Schritte verhallten. Hinter der Zellentür hörte er immer noch dumpfes Schluchzen. Ganz in seiner Nähe tropfte Wasser rhythmisch auf den Boden. Ratten quiekten, als sie aus Rissen in den Wänden kamen. Aus den anderen Zellen hörte Cole keinen Laut. Wenn es dort Gefangene gab, dann schliefen oder dösten sie.

Er wollte weitergehen, doch seine Füße schienen am Boden festzufrieren. Er fühlte sich substanzlos, so als wäre er nicht mehr als die Schatten und würde sich in ihnen verlieren, wenn er nur einen weiteren Schritt machte. Panik überkam ihn, sein Herz hämmerte in seiner Brust, Schweiß lief ihm übers Gesicht.

Nicht jetzt, dachte er verzweifelt. Noch nicht!

Er stützte sich mit einer Hand an der Wand ab. Ein Teil von ihm befürchtete, seine Hand würde einfach hindurchgleiten, sodass er selbst stolpern und fallen würde, tiefer und tiefer. Sein letzter Schrei würde im schwarzen Nichts verhallen. Doch seine Hand berührte den Stein. Wunderbar kühlen Stein. Er atmete dankbar auf und presste sein Gesicht dagegen, genoss die kühle, raue Härte auf seiner Haut.

Sein Atem beruhigte sich. Er zitterte, aber er war immer noch real.

Es ist noch nicht zu spät.

Er zog ein kleines Stoffbündel aus seiner Tasche und faltete es vorsichtig auseinander. Der Leuchtstein, der darin lag, pulsierte bläulich. Für das, was er als Nächstes tun musste, würde er Licht brauchen.

Nach einigen Versuchen fand er den Schlüssel, den der Templer benutzt hatte. Lautlos drehte er sich im Schloss, bis es mit einem erschreckend lauten Klacken aufsprang. Cole hielt inne. Das Wimmern in der Zelle war verstummt. Er wartete nicht darauf, ob die Wachen auf das Geräusch reagieren würden, sondern trat rasch in die Zelle.

Der Leuchtstein zeigte ihm schmutzverkrustete Wände. Die winzige Zelle war abgesehen von einem Eimer und der jungen Frau, die in einer Ecke hockte, leer. Die Frau trug blutbespritzte schmutzige Lumpen. War das ihr Blut oder das eines anderen? Sie hatte schwarzes Haar, das nass auf ihre Schultern hing. Schützend hielt sie die Arme vor ihr Gesicht.

Einen Moment lang blieb Cole unsicher stehen, dann ging er in die Hocke und legte den Stein neben sich auf den Boden. Das Flackern wurde stärker, sein Schatten tanzte wild über die Wände. Er konnte das Mädchen sogar durch den Gestank der Zelle riechen. Sie roch nach Schweiß und Erbrochenem. Sie zitterte, glaubte wohl, dass er ihr etwas antun würde, also wartete er.

Nach einer Weile ließ sie die Arme ein wenig sinken und sah ihn aus geröteten Augen an. Sie war hübsch oder war es zumindest einmal gewesen. Nun wirkte sie ausgezehrt und erschöpft von dem, was sie durchgemacht hatte. Sie blinzelte im Licht des Leuchtsteins. In ihre Angst mischte sich Verwirrung. Sie starrte Cole an, er starrte zurück.

„Du kannst mich sehen“, sagte er erleichtert.

Sie schrie auf, als hätte er sie geschlagen, und versuchte, weiter von ihm wegzukriechen. Sie drückte sich in die Ecke ihrer Zelle wie ein in die Enge getriebenes Tier. Ihr Atem ging stoßweise und sie kratzte mit ihrer schmutzigen Hand über die Wand, als könnte sie den Stein mit bloßen Händen lösen. Cole wartete, bis ihre Verzweiflung nachließ und sie ihn erneut ansah.

„Du kannst mich sehen“, wiederholte er mit größerer Überzeugung.

„Ich wollte es nicht niederbrennen“, keuchte sie. „Das Feuer kam aus meinen Händen, aber ich weiß nicht, wieso. Alles ging so schnell. Ich hab versucht, sie zu warnen …“

Sie schloss die Augen. Tränen liefen ihr über die verdreckten Wangen. Mit einer zitternden Hand wischte sie sich übers Gesicht und verschmierte den Dreck.

Cole wartete. Nach einer Weile hörte sie auf zu schluchzen. Erneut sah sie ihn an, diesmal misstrauischer. Er hockte immer noch vor ihr, hatte sich nicht bewegt. An ihrem Blick sah er, dass sie neugierig wurde.

„Bist du ein Magier?“, fragte sie. „Sie sagten, dass einer kommen würde.“

Er zögerte. „Nein.“

„Was … bist du dann?

„Mein Name ist Cole.“

Das war nicht die Antwort, die sie hören wollte. Auffordernd sah sie ihn an, aber er sagte nichts. „Aber … wenn du kein Magier bist“, fragte sie schließlich, „was machst du dann hier? Was willst du von mir?“

„Ich bin hier, weil du mich sehen kannst.“ Er griff unter seine Lederweste und zog seinen Dolch aus der Scheide. Die Klinge war reich verziert, der Messinggriff hatte die Form eines Drachenkopfs. Der Dolch glänzte im blauen Licht. Der Blick des Mädchens richtete sich ungläubig darauf. „Ich habe es gefühlt, als sie dich herbrachten“, fuhr er fort. „Ich wusste, dass du es kannst, noch bevor ich hier hereinkam.“

Sie öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Schließlich fragte sie mit leiser, zitternder Stimme: „Wirst du … mich umbringen?“

„Ich denke schon. Ja.“

Sie keuchte einmal kurz auf. „Weil ich eine Magierin bin?“

„Nein, nicht deshalb.“

„Aber … warum dann? Was habe ich dir getan?“

„Du hast mir nichts getan.“ Gefühle wallten in ihm hoch. Die Verzweiflung, die er tief in sich eingeschlossen hatte, versuchte sich zu befreien. Atemlos legte er den Kopf auf die Knie und wippte auf den Fersen vor und zurück. Ein Teil von ihm fragte sich, ob die junge Frau ihre Magie einsetzen würde, solange sie es noch konnte. Würde sie Feuer beschwören, wie der Templer gesagt hatte? Was dann? Konnte sie ihn umbringen?

Aber sie tat nichts. Cole kämpfte um seine Fassung und atmete einmal tief durch, bevor er wieder aufsah. Das Mädchen war wie gelähmt. Es konnte den Blick nicht von seinem Dolch lösen und dachte wahrscheinlich nicht einmal daran, sich zu wehren.

„Ich … vergehe“, murmelte er. „Ich fühle, wie ich weniger werde. Ich muss dich töten. Es tut mir leid.“

„Ich werde schreien.“

Aber sie schrie nicht. Er sah, wie sie die Idee aufgab, als ihr klar wurde, dass dann nur die Templer zurückkommen würden – wenn überhaupt jemand kam. Diese Vorstellung war weitaus schlimmer für sie als dieser bewaffnete Mann. Er verstand das nur zu gut. Langsam sackte sie zusammen. Sie hatte sich aufgegeben.

Cole näherte sich ihr. Sein Herz schlug wild in seiner Brust. Er streckte die Hand aus und berührte die Wange der jungen Frau. Sie zog den Kopf nicht zurück. „Ich kann dafür sorgen, dass es aufhört“, sagte er sanft. Er hielt den Dolch hoch wie ein Versprechen. „Der Schmerz. Die Angst. Es wird schnell gehen. Du musst nicht hierbleiben und abwarten, was auf dich zukommt.“

Sie sah ihn seltsam ruhig an. „Bist du ein Dämon?“, fragte sie schließlich. „Das passiert doch mit Magiern, oder? Die Dämonen kommen und verwandeln sie in Ungeheuer.“ Dann lächelte sie, eine leblose Grimasse, die zu ihren toten Augen passte. „Du musst das nicht tun. Ich bin bereits ein Ungeheuer.“

Er antwortete nicht.

„Ich habe gesagt, dass ich es nicht niederbrennen wollte. Das habe ich ihnen gesagt. Aber das war gelogen.“ Wie kaltes Gift spuckte sie ihre Beichte aus. „Ich hörte, wie meine Mutter, wie mein Vater, wie all die anderen schrien, und ich tat nichts. Ich wollte, dass sie verbrennen. Ich bin froh, dass sie tot sind.“

Sie hatte ihr Geheimnis preisgegeben. Nun atmete sie tief durch und blinzelte Tränen aus ihren Augen. Erwartungsvoll sah sie Cole an, doch der seufzte nur.

„Ich bin kein Dämon“, sagte er dann.

„Aber … was bist du dann?“

„Verloren.“ Er stand auf und hielt ihr die Hand hin. Sie zögerte, aber dann nickte sie benommen. Er zog sie auf die Füße. Sie war nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. In dem blauen Licht entstand eine seltsame Intimität zwischen ihnen. Er sah jede Unreinheit ihrer Haut, jeden Fleck, den die Tränen auf ihren Wangen hinterlassen hatten, jede Haarsträhne.

„Sieh mich an“, bat er.

Sie blinzelte überrascht, kam der Bitte jedoch nach.

„Nein, sieh mich an.“

Sie tat es. Sie sah Cole an, blickte in sein Inneres. Er würde sie töten und sie wusste es. Er ging unbemerkt und von allen vergessen durchs Leben, aber in diesem Moment war er für sie das Wichtigste auf der Welt. Sie wusste nun, was er war. Cole war ihre Erlösung, ihr Ausweg aus einer Welt voller Schrecken. Er sah Müdigkeit und Erleichterung in ihrem Blick, gepaart mit Furcht. Ihre Augen waren wie ein Anker. Sie hielten ihn fest. Er fühlte sich wirklich.

„Danke“, sagte er leise, dann rammte er den Dolch in ihre Brust.

Sie stöhnte auf, sah aber nicht weg. Er stieß die Klinge nach oben, tief in ihr Herz. Sie krümmte sich zusammen, hellrotes Blut tropfte ihr aus dem Mund. Noch einmal zitterte sie, dann sackte sie in seinen Armen zusammen.

Cole hielt sie fest und blickte in ihre Augen. Er trank das Leben, das aus ihr herausfloss. Der Moment dehnte sich, wurde zu einer Ewigkeit – und dann war sie tot.

Zitternd zog er den Dolch aus ihrer Brust und ließ ihren Körper sanft zu Boden gleiten. Das warme Blut, das nicht nur die Klinge und seine Lederkleidung besudelte, sondern auch an seinen Händen klebte, bemerkte er kaum. Er konnte sich nicht von ihren Augen, die ins Nichts starrten, losreißen. Er hockte sich hin und schloss sie. Seine Finger hinterließen rote Spuren auf ihren Lidern. Dann taumelte er zurück und lehnte sich gegen die Zellenwand. Das Atmen fiel ihm schwer.

Du musst damit aufhören.

Er musste seine ganze Willenskraft aufbringen, um seinen Blick von ihr loszureißen. Wie ein Betrunkener taumelte er durch die Zelle und hob den Leuchtstein auf. Er wickelte ihn wieder in den Stoff ein, bis es in der Zelle endlich dunkel wurde. Dann atmete er langsam durch und gewann seine Fassung zurück.

Beinahe hatte er vergessen, wie es sich anfühlte, mit der Welt um ihn herum verbunden zu sein. Ein Teil von ihm erwartete, dass die Templer in die Zelle stürmen und der gesamte Weiße Turm schon bald wissen würde, wer er war: der geflohene Magier, der unter ihnen wandelte – das Gespenst des Turms.

Sie würden mit ihren Zaubern und ihren Schwertern kommen. Sie würden ihn fesseln und wieder in eine Zelle werfen. Verloren würde er in der Schwärze warten, bis sie ein letztes Mal zu ihm kamen. Diesmal würden sie ihn nicht vergessen. Diesmal würden sie die Tür öffnen und ihn dort liegen sehen und er würde sie anflehen, dem ein Ende zu machen.

Aber niemand kam.

2

Beim Adel von Orlais war es Brauch, dass man in der Öffentlichkeit eine Maske trug. Diese sorgfältig handgearbeiteten Kunstwerke spiegelten den Wohlstand einer Familie wider. Manche waren geschmackvoll mit winzigen Juwelen verziert, andere mit Silber und Gold überzogen. Gelegentlich wurden sie sogar mit Pfauenfedern oder glänzenden Drachenschuppen geschmückt. Es galt als vorteilhaft, eine schönere Maske als ein Rivale zu haben, deshalb gehörten die Maskenmacher des Reiches zu den einflussreichsten und begehrtesten Künstlern.

Diener trugen eine einfachere Version der Masken, die im Haushalt ihres Herren oder ihrer Herrin üblich waren. Diese Masken vermittelten eine einfache Botschaft: Ich bin Eigentum und wenn du mir ein Leid zufügst, riskierst du den Zorn meines Besitzers. Eine Maske unerlaubt zu tragen, war äußerst gefährlich. Ein weiser Adliger wachte über seine Masken so aufmerksam wie über seinen Ruf.

Wer in Orlais keine Maske trug, setzte ein Zeichen. Er war entweder ein armer Schlucker, der nicht einmal zum Dienst in einem adligen Haushalt taugte, oder jemand, der glaubte, über dem Spiel zu stehen. Für die Elite stand jedoch niemand über dem Spiel. Man war entweder ein Spieler oder eine Spielfigur, nichts anderes.

Justinia V., die Göttliche der Kirche und Ehrengast der abendlichen Festivitäten, trug keine Maske, ebenso wie die Priester, die sie begleiteten. Die Priesterschaft stand nicht über dem Spiel, sondern stellte eine Ausnahme in ihm dar. Von den Adligen wurde erwartet, dass sie einem Priester mit dem größtmöglichen Respekt gegenübertraten, egal, was er trug. Viele Priester nahmen am Spiel teil und einige behaupteten sogar, die Göttliche sei eine der besten Spielerinnen. Die Priester bedienten sich nur anderer Regeln.

Evangeline trug ebenfalls keine Maske. Als Templerin fiel sie theoretisch betrachtet unter die gleiche Ausnahmeregel wie die Priester, doch das ignorierten große Teile des Adels.

Als Einzige im Ballsaal des Palastes trug sie Rüstung und eine Waffe. Sie hatte ihre Templerplattenrüstung poliert, bis sie glänzte, und ihren edelsten roten Waffenrock mit dem aus Goldfäden gestickten strahlenförmigen Symbol der Kirche angelegt. Sie hatte sogar ihr schwarzes Haar geflochten und hochgesteckt, so wie es die Damen bei Hofe taten. Trotzdem verblasste sie zwischen den glitzernden Kleidern, den aufgetürmten, mit Kämmen und glänzenden Perlen versehenen Perücken und den Juwelen, die im Licht des Feuers funkelten, und das war ihr klar.

Evangeline wusste sehr genau, was die Hofdamen dachten, wenn sie in ihre Richtung blickten, und was sie sich hinter ihren filigranen Fächern zuflüsterten. Eine Frau, so hübsch wie sie, hätte einen Ehemann finden können. Dass sie stattdessen einem Kriegsorden beigetreten war, konnte nur zwei Gründe haben: Entweder entstammte sie einer armen Familie oder sie war zu ungehobelt, um sich in die Gesellschaft einzugliedern.

Beides stimmte nicht, aber das war egal. Sie war nicht auf diesem Fest, um das Spiel zu spielen. Sie war dort, um als Ehrengarde der Göttlichen zu fungieren und eventuelle Unruhestifter abzuschrecken.

Theoretisch gab die Kaiserin diesen Ball, aber Ihre Kaiserliche Hoheit war nirgends zu sehen. Soweit Evangeline wusste, hielt sie sich in ihrem Winterpalast im weit entfernten Halamshiral auf und erfreute sich entweder an ihrem neuesten Liebhaber oder kämpfte eine Rebellion nieder. Das hing davon ab, wen man fragte. Es war daher offensichtlich, dass der Ball von Palastbeamten veranstaltet wurde, doch das schien die Gäste nicht zu stören. Wer an dem Fest teilnahm, zeigte damit, dass er es wert war, eingeladen worden zu sein. Das allein lohnte die Teilnahme. Der Ballsaal war voll.

Die Göttliche saß auf einem riesigen, kunstvoll geschnitzten hölzernen Thron, den man extra zu diesem Anlass in den Palast gebracht hatte. Er stand auf einem Podest, von dem aus sie den ganzen Saal überblicken konnte. Wer sich ihr näherte, musste zu ihr aufsehen. Orlaisianische Adlige wurden nicht gern daran erinnert, dass sie Untertanen waren, auch nicht von jemandem, der deutlich über ihnen stand. Deshalb näherte sich ihr kaum noch jemand, nachdem die höflichen Begrüßungsfloskeln gesprochen waren.

Der Ehrengast saß also stumm da. Nur die Priester standen an der Seite der Göttlichen. Sie betrachtete die Tanzenden, die durch den Ballsaal wirbelten, mit neutralem Gesichtsausdruck, damit sie keiner beschuldigen konnte, gelangweilt zu wirken. Sie ließ auch nicht erkennen, ob das voluminöse rote Gewand, das sie trug, und der glitzernde Kopfschmuck unbequem waren. Für Evangeline war die Göttliche ein Abbild kühler Anmut, doch die meisten Kommentare, die sie hörte, bezogen sich auf das Alter der Frau. Ihre Vorgängerin war fast fünfzig Jahre im Amt gewesen und im Reich hatte man sich an eine greise, gebrechliche Göttliche gewöhnt. Doch das hatte sich geändert und einige hofften, dass Justinia V. nicht das Alter ihrer Vorgängerin erreichen würde.

Natürlich äußerten sie diese Hoffnung nur leise und mit hinter dem Rücken verborgenen Dolchen, so wie es in Orlais üblich war. Schließlich ging es um die Erwählte des Erbauers.

Die Musiker befanden sich auf der Galerie des Ballsaals. Als sie eine schnellere Melodie anstimmten, begrüßten die Tanzenden unter ihnen ihre Wahl mit Applaus und stellten sich zum Tourdion auf. Das war ein ausgelassener Tanz und seit das Gerücht umging, die Kaiserin würde ihn mögen, hatte er deutlich an Beliebtheit gewonnen.

Die Tänzer standen sich gegenüber und nahmen die Posture Droit ein. Dabei stellten sie den rechten Fuß ein wenig vor den linken, verteilten ihr Gewicht aber gleichmäßig. Dann begann der Tanz. Auf einen kurzen Tritt mit dem linken Fuß folgte ein kleiner Sprung mit dem rechten. Das wiederholte sich bis zum fünften Schritt, dann machten sie einen Satz zurück, nahmen die Grundstellung ein und begannen von vorn.

Die Tritte und Sprünge sorgten für ein ziemliches Spektakel. Im Ballsaal herrschte angetrunkene Fröhlichkeit, nur wenige vollführten den Tanz mit geübter Eleganz. Die Zuschauer am Rande der Tanzfläche klatschten vor Begeisterung, sogar die Göttliche und ihre Priester klatschten mit.

Das Tempo der Melodie nahm zu, der Tanz wurde hektischer. Plötzlich schrie jemand auf, dann stürzte auch schon eine junge Frau zu Boden. Ihr Rock zerriss und sie warf noch drei andere Tänzer um. Schlimmer war jedoch, dass sich ihre Maske löste und laut klimpernd über den Boden schlitterte. Die Melodie brach ab. Gemurmel, teils interessiert, teils amüsiert, kam auf.

Niemand half der jungen Frau. Ungeschickt kam sie auf die Füße, raffte die Überreste ihres Rocks zusammen und griff nach ihrer Maske. Eine herrisch wirkende Frau, die eine aufgetürmte Perücke aus weißen Locken trug und bei der es sich offensichtlich um die Mutter der Gestürzten handelte, lief auf die Tanzfläche und zog ihre Tochter mit sich. Eine goldene Maske verbarg ihr Gesicht, aber ihre Bewegungen ließen erkennen, dass sie sich nicht um ihre Tochter sorgte, sondern beschämt war.

Einem aufmerksamen Beobachter wäre nicht entgangen, dass eine andere junge Frau, die ein leuchtend gelbes Kleid trug, für den Sturz verantwortlich war. Als die Musiker eine neue, langsamere Melodie anstimmten, damit sich die Tanzenden von dem Zwischenfall erholen konnten, ging sie zu dem Mann, mit dem die andere Frau getanzt hatte. Evangeline war sich sicher, dass jeder im Saal wusste, was sie getan hatte und warum. Heimlich begrüßten sie ihre Tat. Das Spiel war ebenso gnadenlos wie verachtenswert.

Evangeline stand vor dem Podest, auf dem die Göttliche saß, und beobachtete die Menge aufmerksam. Sie stand bereits so lange dort, dass ihre Beine schmerzten, und der Geruch von Schweiß, den süßes Parfüm zu überdecken versuchte, wurde zusehends unangenehmer. Trotzdem musste sie wachsam sein. Hinter jeder dieser Masken konnte sich ein Attentäter verbergen. Kein Gast würde bemerken, ob sich zwischen ihnen ein Fremder befand, der nichts auf dem Ball zu suchen hatte. Evangeline musste darauf vertrauen, dass die Armee von Wachen, die vor dem Ballsaal standen, ihre Pflicht erfüllt hatte. In der Zwischenzeit musste sie abwarten. Sie nahm an, dass sich die Göttliche in ungefähr einer Stunde höflich zurückziehen würde. Dann war auch ihr Dienst beendet.

„Ihr könnt es wohl nicht erwarten, hier wegzukommen.“

Evangeline drehte sich um. Eine der Priesterinnen trat vom Podest auf sie zu, eine Frau mit kurzem roten Haar und auffällig blauen Augen. Sie bewegte sich so kontrolliert und anmutig, dass Evangeline trotz ihres Gewandes daran zweifelte, dass sie tatsächlich Priesterin war. Eine Leibwächterin vielleicht? Evangeline konnte sich vorstellen, dass die Göttliche ihre Sicherheit nicht nur einem einzigen Schwert anvertraute. Der Gedanke beleidigte sie nicht.

„Ihre Eminenz braucht sich keine Sorgen zu machen“, antwortete sie. „Ich würde sie niemals im Stich lassen.“

Die Frau hob eine Hand und lächelte entwaffnend. „Das wollte ich auch nicht andeuten. Ihr habt Eure Gefühle besser im Griff als die meisten Templer, die ich kenne. Trotzdem muss dies ein sehr langweiliger Auftrag für Euch sein.“

Evangeline zögerte, wusste nicht so recht, wie sie darauf antworten sollte. „Ich glaube, mein Kommandant dachte, aufgrund der Familie, in die ich geboren wurde, würde ich mich hier … wohlfühlen.“

„Aber das tut Ihr nicht?“

„Ich habe dieses Leben vor langer Zeit hinter mir gelassen.“ Sie warf einen Blick auf die Menge, die gerade ihren Tanz beendete. Begeistert applaudierten sie den Musikern auf der Galerie, bevor sie kleine Gruppen bildeten und ihre Unterhaltungen begannen. Es war, als sähe man einem Wolfsrudel zu. Sie schlossen die Schwächsten aus, isolierten sie und bereiteten sich auf den Angriff vor. Ihre Waffen bestanden jedoch nur aus leisen Worten und Versprechungen. Der Ballsaal war ein Schlachtfeld, das bereits mit Leichen bedeckt war, und doch wurde kein Krieg gewonnen. Beim nächsten festlichen Anlass würden sich die Szenen wiederholen, wieder und immer wieder, so sicher wie Ebbe und Flut. „All dieser Reichtum und diese Macht nutzen sie nur zu ihrem eigenen Vorteil. Dabei zerfällt ihre Welt bereits.“

Die rothaarige Frau wirkte beeindruckt. „Dem stimme ich zu. Ihre Eminenz übrigens auch.“

„Dann sind wir ja schon zu dritt.“

Sie lachte herzlich und hielt Evangeline die Hand hin. „Entschuldigt meine schlechten Manieren. Ich heiße Leliana.“

„Hauptmann Evangeline.“

„Ja, ich weiß. Es wurde lange darüber diskutiert, wer die Göttliche heute Abend bewachen soll. In Eurem Orden gibt es einige mit ähnlichem Rang wie Ihr, deren … Ansichten uns jedoch Sorgen bereiten.“

Ihr Tonfall weckte Evangelines Interesse. Hinter ihren Worten verbarg sich etwas. Als Leliana zu einem kleinen Tisch ging und sich ein Glas Wein einschenkte, folgte ihr Evangeline.

„Was meint Ihr?“, fragte sie. „Was macht Euch Sorgen?“

„Ihr wisst, was in Kirkwall geschehen ist?“

„Jeder weiß das.“

Leliana zeigte auf die hohen Fenster an der Rückseite des Ballsaals, durch die man den Weißen Turm sehen konnte. Der Turm und der Palast gehörten zu den wenigen Gebäuden, die in der ganzen Hauptstadt nachts magisch beleuchtet wurden, sodass der Turm wie eine leuchtende weiße Klinge in der Dunkelheit aussah. Das Schwert des Erbauers, so nannten die Templer sich selbst. „In Kirkwall hat der Zirkel der Magi rebelliert und die Stadt in einen Krieg gestürzt. Die Konsequenzen sind in ganz Thedas spürbar. Die Templer können das auf die eine oder andere Weise interpretieren – entweder als einen Angriff auf ihre Autorität … oder als Lektion.“

„Und was hat das mit mir zu tun? Ich habe mich zu keiner der Alternativen geäußert.“

„Nein?“ Leliana nippte an ihrem Wein. Amüsiert betrachtete sie Evangeline. „Ihr sagtet, der Adel täte nichts Nützliches mit seiner Macht. Ihr denkt also, dass die Templer anders sind.“

Wieder verbarg sich etwas hinter ihren Worten. „Natürlich. Wir beschützen die Welt vor den Magiern und die Magier vor sich selbst – nicht, weil sie uns darum bitten oder weil diese Aufgabe leicht wäre, sondern weil es richtig ist.“

„Das klingt für mich nach einer Meinung.“

„Eine, die ich mit dem Rest meines Ordens teile.“

„Wenn dem nur so wäre.“ Leliana wirkte einen Moment ernst, doch dann hob sie die Schultern. „Viele sagen, dass ein Krieg unvermeidlich sei und die Kirche die Templer bei dem Versuch, ihn zu verhindern, nicht ausreichend unterstützt. Sie sagen, dass wir uns für eine Seite entscheiden müssen.“

„Soll das heißen, dass ich zur Bewachung der Göttlichen abgestellt wurde, weil ich meine Seite gewählt habe?“

„Ich weiß es nicht. Das wäre vielleicht eine Unterredung wert.“

Evangeline schwieg überrascht. Die rothaarige Frau nippte erneut an ihrem Wein und wirkte dabei so unschuldig, als sprächen sie über das Wetter.

Auf der anderen Seite des Ballsaals tauchte ein Templer auf, ein jüngeres Mitglied des Ordens. Der Schweiß auf seiner Stirn verriet, dass er sich beeilt hatte. Als er Evangeline entdeckte, zeichnete sich Erleichterung auf seinem Gesicht ab. Rasch bahnte er sich einen Weg durch die Menge. „Ser Evangeline! Dem Erbauer sei Dank, ich habe Euch gefunden!“

Er hielt inne, als ihm klar wurde, dass er ihre Unterhaltung gestört hatte.

Leliana lachte leise. Sie wirkte keinesfalls beleidigt. „Macht Euch keine Sorgen, junger Ser, auch wenn ich hoffe, dass Ihr Euer Schwert aus gutem Grund tragt. Es sollte schließlich nur eines in diesem Saal geben.“ Sie warf einen bezeichnenden Blick auf die Klinge an Evangelines Gürtel.

Der junge Templer sah zu seinem Schwert, das in der Scheide steckte, und errötete beschämt. „Das tut mir leid. Ich wusste nicht …“

„Gibt es einen Grund für Eure Anwesenheit?“, fragte Evangeline.

„Ich … ja, natürlich!“ Erleichtert zog er ein gefaltetes Pergament aus seinem Waffenrock und reichte es ihr. „Der Kommandant schickt mich. Im Weißen Turm hat es einen weiteren Mord gegeben.“

„Wirklich?“ Evangeline wurde kalt, als sie das Pergament entfaltete. Die Notiz forderte sie auf, zum Turm zu kommen, sobald sich die Göttliche zurückgezogen hatte. Außerdem stand dort, der Lordsucher persönlich hätte Interesse an diesem neuen Mord bekundet. Wenn man zwischen den Zeilen las, wurde deutlich, dass der Kommandant diese Entwicklung nicht begrüßte. „Sagt ihm, dass ich so schnell wie möglich kommen werde.“

Der Templer nickte, wandte sich jedoch nicht ab. Stattdessen sah er Leliana an und kaute unsicher auf seiner Unterlippe, bis sie eine Augenbraue hob. „Entschuldigt, Madame“, sagte er, „aber ich habe wohl auch für Euch eine Nachricht.“

„Von den Templern?“

„Nein. Ein Diener sucht draußen nach Euch – eine rothaarige Priesterin, die bei der Göttlichen sei, sagte er. Ich wurde gebeten, Euch auszurichten, ein alter Freund wolle Euch sprechen.“„Ein alter Freund?“ Sie wirkte neugierig. „Sagte der Diener, welcher?“

„Nein, Madame. Er sagte nur, diese Person käme aus Ferelden, wenn Euch das weiterhilft.“

„Das tut es.“ Sie wandte sich an Evangeline und neigte den Kopf. „Wir müssen unsere Unterhaltung ein anderes Mal weiterführen, Ser. Möge der Erbauer Euch bis dahin beschützen.“

„Und Euch.“ Evangeline sah der Frau und dem jungen Templer neugierig nach. Es hieß, die Göttliche umgebe sich mit Helfern, darunter auch Barden – meisterhafte Manipulatoren des Spiels, manchmal Spione, manchmal sogar Assassine. Wenn es sich bei dieser Frau um eine Bardin handelte, dann war ihre Unterhaltung äußerst gefährlich gewesen.

Evangeline sah sich unauffällig im Ballsaal um. Sie fragte sich, wie viele ihre Unterhaltung beobachtet und darüber gesprochen hatten. Würde der Kommandant davon erfahren? Es war eine schwierige Zeit für die Templer. Die Rebellion in Kirkwall hatte in allen Zirkeln von Thedas zu Unruhen geführt. Seit deren Niederschlagung war die Stimmung angespannt. Man vermutete Feinde in jedem Schatten und Verschwörungen hinter jeder Ecke. Der Weiße Turm war keine Ausnahme.

Zum Glück schien sie niemand zu beachten. Die Göttliche war reine Dekoration an diesem Abend, soweit es die orlaisianischen Adligen betraf, und sie selbst war nur eine Leibwächterin, die keiner Aufmerksamkeit bedurfte. Sie atmete durch und kehrte zu ihrem Posten vor dem Podest zurück. Sie musste sich Gedanken über die Morde machen. Ihre Nachforschungen waren bisher ergebnislos verlaufen und bei dem herrschenden Klima war das unverzeihlich. Sie hoffte, dass sie dieses Mal mehr Hinweise finden würde.

Der Ball neigte sich seinem Ende zu. Die Musiker verneigten sich ein letztes Mal und packten ihre Instrumente ein. Einige Männer zogen sich in das „Abendzimmer“ des Palastes zurück; hinter dieser höflichen Umschreibung verbargen sich Trinkgelage, das Rauchen von Kohlpfeifen und andere Aktivitäten, von denen ihre Ehefrauen nichts erfahren sollten. Die Frauen verbrachten ihre Zeit damit, sich über ihre abwesenden Gatten zu beschweren und Mädchen zu verkuppeln. Andere entschuldigten sich bereits. Sie waren die Verlierer des Abends und wollten sich zurückziehen, bevor ihr Ruf noch mehr Schaden nahm – auch wenn es ihnen als Schwäche ausgelegt werden würde, dass sie den Ball vor dem Ehrengast verließen.

Die Göttliche nahm die Gelegenheit wahr und erhob sich. Die Priester, die neben ihr standen, traten vor und klatschten laut, um die Aufmerksamkeit der Menge auf sich zu lenken. Das funktionierte. Die Besucher versammelten sich aufgeregt tuschelnd vor dem Podest. Sie erwarteten eine Rede. Evangeline ging zur Seite, um niemandem die Sicht zu nehmen.

Mit einem Nicken bedankte sich die Göttliche bei ihren Begleitern, dann hob sie die Arme. Sie bot einen beeindruckenden Anblick in ihrem zeremoniellen Gewand und dem Kopfschmuck. Die Adligen hätten sich eigentlich tief verneigen und dem Erbauer danken müssen, dass Er ihnen die Gnade erwies, Seine Erwählte erblicken zu dürfen, stattdessen behandelten sie die Göttliche wie einen normalen Gast mit einem merkwürdigen Titel. Sie waren zu abgebrüht oder zu stolz, um Unterwürfigkeit zu zeigen, doch zumindest täuschten sie Respekt vor und so war es nach einem Moment vollkommen still im Saal.

„Geehrte Bürger, Brüder und Schwestern“, begann die Göttliche mit lauter, klarer Stimme. „Wir haben uns heute hier versammelt, um dem Erbauer zu danken, denn Er hat uns mit den Privilegien gesegnet, die wir genießen dürfen: Wohlstand, Freiheit, ein Reich, das sich über halb Thedas erstreckt. Von dieser Stadt aus begann der Gesang des Lichts seine Reise rund um die Welt, deshalb erscheint es mir angemessen, einen Moment innezuhalten und über unsere Rolle als Lieblingskinder des Erbauers nachzudenken.“

Die Göttliche machte eine Pause, lächelte rätselhaft und trat von ihrem Podest. Evangeline hätte sich vor Überraschung beinahe verschluckt und die Priester, die auf dem Podest geblieben waren, konnten ihre plötzliche Sorge nur schwer verbergen. Was die Göttliche tat, war nicht nur überraschend und offensichtlich nicht abgesprochen, es war auch noch nie zuvor geschehen.

Im Ballsaal wurde ehrfürchtig geflüstert, als Ihre Eminenz sich denen näherte, die dem Podest am nächsten waren. Einige wichen unsicher zurück, während andere sich geistesgegenwärtig verneigten oder hinknieten. Die Gebieterinnen der Kirche waren stets unnahbar gewesen und hatten die Große Kathedrale nur verlassen, wenn Staatsangelegenheiten dies erforderten. Dass die Göttliche auf Einladung der Kaiserin zum Ball gekommen war, hatte für eine Überraschung gesorgt. Was sie nun tat, war so unerwartet, dass die Adligen nicht wussten, wie sie reagieren sollten. Sicherheitshalber verhielten sie sich wie Zuschauer.

Die Göttliche ergriff die Hand einer mit gesenktem Kopf dastehenden älteren Frau, die ein elegantes bronzefarbenes Kleid trug. Die Frau hob ihre Maske mit zitternden Fingern und küsste die Ringe der Göttlichen, die daraufhin sanft lächelnd weiter durch die Menge schritt. Die Adligen gaben den Weg frei, sie zuckten förmlich zurück und Evangeline stellte sie sich trotz ihrer edlen Kleider und Perücken als ein Meer aus zischenden Schlangen vor.

Sie erinnerte sich an ihre Aufgabe und schloss zu der Göttlichen auf. Sie warf einen Blick über die Menge. Trotz des Entsetzens hinter den Masken war klar, dass die Göttliche die Neugier der Adligen erregt hatte. Es war also vielleicht doch vorteilhaft, dass nun eine jüngere Frau das heilige Gewand trug.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass uns die Furcht den Verstand vernebelt“, fuhr die Göttliche fort. „Wir müssen uns an all die erinnern, die uns in vergangenen bitteren Zeiten verteidigt haben und auf deren Opfern unser Wohlstand fußt. Dass wir vergessen haben, wie viel wir ihnen schulden, ist beschämend.“

Die Göttliche machte eine dramatische Pause und betrachtete ihre schweigenden Zuschauer. „Ich spreche von den Magiern. Die Kirche des Lichts lehrt: Die Magie soll den Menschen dienen, sie nicht beherrschen. Und so war es auch. Die Magier haben uns in vielen Kriegen über Jahrhunderte hinweg gedient, doch wie gut haben wir ihnen in Friedenszeiten gedient? Wir wollen ihnen nichts antun, aber haben wir das nicht trotzdem getan?“

„Ihr lügt!“, schrie eine Stimme aus der Menge. Einen Moment lang schien niemand zu wissen, wer die Beschuldigung ausgestoßen hatte. Die Adligen wirkten schockiert, doch dann teilte sich die Menge und ein Mann trat vor. Er unterschied sich in nichts von den anderen adligen Gästen. Er hatte schütteres Haar, trug einen schwarzen Samtrock und wirkte würdevoll. Doch als er sich die Maske vom Gesicht riss, sah Evangeline eine vor Wut und Trauer verzerrte Miene.

„Ihr wollt uns etwas antun! Die Kirche lehrt sie, uns zu fürchten!“, fuhr er fort. „Ihr verwandelt uns in Knechte und hämmert uns immer wieder ein, dass wir nur leben dürfen, weil wir nützlich sind!“

Die Gäste wichen immer weiter zurück, bis sie einen Kreis bildeten, in dem nur noch der Fremde, die Göttliche und einige Schritte hinter ihr Evangeline standen. Sie legte eine Hand auf den Knauf ihres Schwertes. Wenn er wirklich ein Magier war, so wie er behauptete, ging Gefahr von ihm aus. Sie ließ die Klinge stecken und hoffte, dass die Wachen den Zwischenfall nicht bemerkten. Jede Einmischung konnte das Leben der Göttlichen gefährden.

Die Göttliche blieb ruhig. Sie hob die Hände und sprach die Menge mit fester Stimme an. „Hört mir zu“, bat sie. „Es gibt keinen Grund zur Besorgnis. Der Anlass ist vielleicht unpassend, aber ich werde mir gern anhören, was dieser Mann zu sagen hat.“

Die Menge murmelte nervös. Die Göttliche hatte weder sie noch den Fremden überzeugt. „Ihr werdet mich gern anhören?“, fragte er. „Ihr habt die Akademie der Verzauberer geschlossen und unsere Anführer zum Schweigen gebracht. Ihr habt uns noch nie angehört.“

„Ich höre zu“, antwortete sie, „aber die Ordnung muss erhalten bleiben, das versteht Ihr sicherlich. Frieden kann nicht durch Drohungen und Forderungen erzwungen werden. Nicht nur die Leben der Magier stehen auf dem Spiel, sondern auch die vieler anderer.“

Evangeline musterte den Magier aufmerksam. Er hätte nicht an diesem Ort sein dürfen. Seine Worte ließen darauf schließen, dass er einem Zirkel angehörte, vielleicht sogar dem des Weißen Turms, obwohl sie ihn nicht kannte. Offensichtlich war er den Templern entwischt und so zum Palast gelangt. Sie bezweifelte, dass er nur gekommen war, um eine Rede vorzubringen.

Er zitterte, so als stünde er kurz davor, in Tränen auszubrechen. Seine Hände waren zu Fäusten geballt. „Es wird keinen Frieden geben“, zischte er. „Kirkwall hat uns gezeigt, dass wir nur etwas erreichen können, wenn wir darum kämpfen.“

Er streckte die Hände aus. Eine leuchtend rote Aura entstand um sie. Der Saal war plötzlich voller elektrischer Energie, die auf der Haut kitzelte und deren dumpfes Dröhnen im Kopf widerhallte. Der Damm, der die Panik der Menge zurückgehalten hatte, brach. Menschen schrien auf und einige liefen auf die Türen des Ballsaals zu. Sie stießen all die zur Seite, die ihnen im Weg standen, trampelten sie nieder, wenn es sein musste. Aus Panik wurde Entsetzen.

Evangeline trat vor die Göttliche. Blitzschnell zog sie das Schwert und reckte die Klinge dem Fremden entgegen. Magier und Templer, die uralten Erzfeinde, starrten sich an. „Gebt auf“, warnte sie. „Ihr wisst, zu was ich imstande bin. Das muss nicht mit Blutvergießen enden.“

Er stieß einen Laut aus, der irgendwo zwischen Lachen und verzweifeltem Schluchzen lag. „Und wie sonst sollte es enden? Ich bin doch schon tot.“

Er hob die Hände. Ein Flammenbogen schoss daraus hervor, aber Evangeline reagierte bereits. „Zurück, Euer Eminenz!“, schrie sie in der Hoffnung, dass die Göttliche sie verstand. Dann warf sie sich dem Feuer in den Weg, spürte die Hitze auf ihren Wangen – und rammte dem Fremden das Schwert in die Brust.

Sie verfügte über die Macht der Templer, eine Kraft, die alle Magier fürchteten. Als die Klinge ihn traf, brachte sie diese Macht hervor. Sie stieg in ihr auf und floss in die Waffe. Es gab einen hellen Blitz, als die Mana-Zufuhr des Magiers unterbrochen wurde. Die Flamme erstarb.

„Hure!“, schrie er und taumelte zurück. Blut strömte aus dem Riss in seinem Waffenrock. Er berührte ihn mit der Hand und starrte auf seine roten Fingerspitzen, als könne er nicht verstehen, woher es kam. Dann sah er Evangeline an. Sein Gesicht verzerrte sich vor Hass.

Sie stürmte auf den Magier zu, als sie erkannte, was er tun würde, aber es war bereits zu spät. Das Blut auf seinen Händen zischte und verdampfte, als er sein Mana daraus zog. Rauch stieg aus seiner Brust und in seinen Augen loderte eine dunkle und böse Macht.

Evangeline wurde von dieser Kraft getroffen, bevor sie den Magier erreichen konnte. Sie umgab sich mit einer Schutzaura, aber der Magier zerschmetterte sie wie dünnes Glas. Der Schlag raubte Evangeline den Atem. Sie wurde durch die Luft geschleudert und landete krachend auf dem Boden. Ihr Kopf traf etwas Hartes.

Die Welt schwankte und drehte sich, als sie versuchte, auf die Beine zu kommen. Ihre Arme wollten sich nicht bewegen. Die Schreie, die durch den Ballsaal hallten, waren ohrenbetäubend. Sie hörte die Rufe der Wachen, die versuchten, in den Saal zu gelangen, aber von den Adligen, die in Panik auf die Türen zuliefen, zurückgedrängt wurden. Irgendwo hinter ihr redeten die Priester auf die Göttliche ein, flehten sie an, die Flucht zu ergreifen.

Evangeline spürte die Hitze, noch bevor die Flammen sie trafen. Im letzten Moment beschwor sie erneut ihre Aura und dieses Mal hielt sie – wenn auch nur mühsam. An einigen Stellen wurde sie trotzdem durchlässig. Der Schmerz, mit dem die Flammen über ihre Haut leckten, war schrecklich. Evangeline schrie. Die Welt verschwamm vor ihren Augen und die letzten Reste ihrer Kraft verließen sie.

Als Evangeline die Augen wieder öffnete, wusste sie nicht, ob eine Minute oder eine Stunde vergangen war. Sie hockte am Boden, ihre von Brandblasen bedeckten Hände hielt sie schützend über ihren Kopf. Ihr Schwert war weg. Sie musste es bei dem Sturz verloren haben. Bitterer Rauch hing in der Luft. Irgendetwas im Saal musste Feuer gefangen haben und die Flammen breiteten sich rasch aus. Die Panik nahm zu. Alle versuchten zu fliehen und jedes Mittel war ihnen dafür recht. Irgendjemand warf einen Stuhl durch eines der großen Fenster. Es zersplitterte laut klirrend.

Evangeline hob den Blick. Sie sah schwarze Stiefel, die Stiefel des Magiers. Er ging auf die Göttliche zu. Ihren Kopfschmuck hatte sie verloren, doch ihr rotes Gewand war selbst durch den Qualm gut auszumachen. Sie hatte sich bis zur Wand des Saals zurückgezogen, stand dort wie ein in die Enge getriebenes Tier. Die Göttliche sah den Magier an. Sie hatte Angst, aber im Gegensatz zu allen anderen gab sie ihr nicht nach.

Der Magier hob eine Faust, sammelte seine Kräfte. „Sie fürchten uns bereits“, knurrte er. „Nun werden sie das nicht grundlos tun.“

Mit einem Schrei richtete sich Evangeline auf. Sie biss die Zähne zusammen, als der Schmerz sie zu überwältigen drohte, und warf sich auf den Magier. Sie erwischte seinen Waffenrock, riss ihn daran zurück. Er versuchte, den Rock abzustreifen. Seine Hände spuckten einen Feuerball aus, der in die Decke schlug und sie in einen See aus tosendem schwarzrotem Feuer verwandelte.

Evangeline warf den Magier hart zu Boden. Er knurrte und versuchte sie wegzustoßen. Mit einer Hand griff er nach ihrem Gesicht. Seine Finger gruben sich in ihre Augen, aber sie ließ ihn nicht los.

Mit ihrem Panzerhandschuh schlug sie ihm ins Gesicht – einmal, zweimal, dreimal –, bis etwas knirschend nachgab. Dann hörte sie auf. Der Ballsaal stand in Flammen, doch es waren nicht mehr die des Magiers. Er lag reglos in einer Pfütze aus Blut. Tote Augen starrten sie anklagend an.

Und dann wurde alles dunkel.

Als Evangeline diesmal zu sich kam, saß sie auf der Terrasse vor dem Ballsaal. Normalerweise kamen die Gäste hierher, um dem Lärm des Festes zu entgehen und die kühle Abendluft zu genießen, doch momentan herrschte Chaos. Überall waren Menschen. Einige saßen schluchzend am Boden, andere riefen um Hilfe. Eine Adlige, die ein zerrissenes Kleid trug, stolperte an Evangeline vorbei und schrie hysterisch einen Männernamen. Ein fetter Adliger saß ein Stück entfernt auf dem Boden. Sein teurer Waffenrock war blutverschmiert. Ein Wachsoldat verband seine Wunden. Hinter ihm sah Evangeline Männer der Stadtwache, die in und aus dem Palast liefen. Verzweifelt versuchten sie, für Ordnung zu sorgen.

Wie lange saß sie schon auf der Terrasse? War die Göttliche in Sicherheit? Sie war verwirrt, Stimmen umschwärmten sie und verhinderten jeden klaren Gedanken. Sie wollte aufstehen, aber der Schmerz traf sie wie eine Faust. Mit zusammengebissenen Zähnen ließ sie sich zurücksinken und versuchte, nicht das Bewusstsein zu verlieren.

Rauch quoll aus den Palastfenstern. Die Feuerwehr traf gerade erst mit Wassereimern in den Händen ein. Wenn sie Glück hatten, würden sie das Feuer unter Kontrolle bekommen, bevor der halbe Palast abbrannte. Sollte das geschehen, würde die Kaiserin nach ihrer Rückkehr aus Halamshiral nicht gerade begeistert sein.

Außer die Kaiserin hatte etwas mit dem Angriff zu tun, dachte Evangeline. Dass ausgerechnet während ihrer Abwesenheit ein Magier in den Palast eindrang, war vielleicht mehr als nur ein Zufall. In diesem Fall waren die Templer machtlos. Doch wenn sie nichts damit zu tun hatte, würde der Schuldige dafür bezahlen.

Sie krümmte sich zusammen, als sie husten musste. Die Welt verschwamm. „Alles in Ordnung, Hauptmann?“, fragte jemand.

Evangeline musste einige Male blinzeln, bis sie Leliana, die rothaarige Frau, mit der sie auf dem Ball gesprochen hatte, erkannte. Sie kniete sich neben Evangeline und sah sie besorgt an.

„Was …?“, fragte Evangeline verwirrt. Nebel schien ihren Verstand einzuhüllen. Sie rieb sich die Stirn und bemerkte erst nach einem Moment, dass die Brandblasen auf ihren Händen verschwunden waren. Ihre Haut war unverletzt.

Leliana lächelte beruhigt. „Es sind Magier hier. Einer hat Euch geheilt, aber die Schmerzen konnte er Euch nicht nehmen. Ich habe mir Sorgen gemacht, weil Ihr so viel Rauch eingeatmet habt.“

„Mir geht es gut, danke.“ Evangeline schüttelte den Kopf. Sie konnte die Stimmen in ihrer Nähe allmählich besser verstehen, die Welt nahm wieder Gestalt an. „Die Göttliche … wurde sie verletzt? Ist sie noch hier?“

„Ihr ist nichts geschehen. Sie ist in Sicherheit.“

Evangeline atmete erleichtert auf. Eine Sorge weniger.

„Ich möchte Euch danken“, sagte Leliana. „Ich hätte für sie da sein müssen. Wenn ihr während meiner Abwesenheit etwas zugestoßen wäre, hätte ich mir das nicht verziehen.“

„Das verstehe ich.“

„Ihre Eminenz ist ebenfalls sehr dankbar, das sollt Ihr wissen. Wenn Ihr jemals etwas benötigt …“

Evangeline nickte, zu etwas anderem fehlte ihr die Kraft. Zufrieden legte ihr Leliana eine Hand auf die Schulter, dann ging sie. Es trafen immer mehr Templer ein. Die Ordnung wurde wiederhergestellt. Evangeline atmete tief durch und rückte ihre Rüstung zurecht. Trotz der Heilzauber fühlte sie sich, als wären ihre Knochen von Beulen bedeckt und ihre Lungen voller Rauch.

Magie kann nicht alles, dachte sie.

3

Rhys saß im Vorraum des Kommandanten und wartete auf die unvermeidliche Aufforderung, dessen Arbeitsstube zu betreten. Das Vorzimmer war ein kahler Raum aus grauem Stein, in dem nur zwei Holzstühle standen. Abgesehen von dem großen Fenster auf der gegenüberliegenden Seite gab es nichts Besonderes darin. Doch durch das Fenster konnte man ganz Val Royeaux überblicken, bis zum Hafenviertel der Hauptstadt und dem Meer dahinter. Es war eine spektakuläre Aussicht, die nur wenige Magier jemals genießen konnten, denn sie wurden nur selten in die oberen Stockwerke des Weißen Turms gerufen – und auch nur dann, wenn es Probleme gab.

Und die gab es. Die Templer sagten zwar nicht, was geschehen war, aber ihre grimmigen Gesichter sprachen Bände. Es hatte einen weiteren Mord gegeben.

Er warf einen Blick auf Adrian, die in dem kleinen Raum auf und ab ging, und grinste. Auf, bis eine Wand sie zum Umdrehen zwang, und ab, bis sie vor der nächsten Wand stand. Dann spuckte sie verärgert aus und starrte die schwere Eichentür zur Amtsstube des Kommandanten an, als könnte sie mit ihrem Geist erzwingen, dass sie sich öffnete. Seit Jahren dienten sie zusammen im Zirkel der Magi und noch nie war sie einer Konfrontation, egal, ob sie in Wirklichkeit oder nur in ihrer Vorstellung existierte, aus dem Weg gegangen. Manche sagten, das würde nicht zu einer Magierin passen, doch wenn sie so etwas hörte, trat ihr stets Schaum vor den Mund.

Rhys lächelte nur über solche Bemerkungen. Wie sollte ein Magier denn sein? Was die gewöhnlichen Leute außerhalb des Turms dachten, wusste er. Die Freundlichen hielten einen Magier für einen dünnen alten Mann, der sein Leben mit Büchern und Schriftrollen verbrachte. Die Unfreundlichen beschrieben einen Magier als einen düster aussehenden Kerl mit schwarzem Haar und einem spitzen Bart, der sich in den Schatten herumtrieb und Dämonen beschwor, wenn die Templer ihn nicht daran hinderten.

Adrian passte nicht zu dem, was man sich unter einem Magier vorstellte. Sie war sehr klein, hatte kurze rote Locken und Sommersprossen, die sie kindlich wirken ließen, obwohl sie nur ein paar Jahre jünger war als Rhys, der kurz vor seinem vierzigsten Geburtstag stand. Sie hasste solche Vergleiche und nur Rhys durfte sie ab und zu damit aufziehen – wenn sie gut gelaunt war. Außerdem fluchte sie wie ein Fischweib.