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Immanuel Kant

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Beschreibung

In "Drei Kritiken" legt Immanuel Kant seine fundamentalen philosophischen Überlegungen zu Erkenntnis, Moral und Ästhetik dar, die die Grundpfeiler der modernen Philosophie bilden. Der kritische Stil Kants ist geprägt durch präzise Argumentation und strukturelle Klarheit, wobei er in der "Kritik der reinen Vernunft" die Grenzen der menschlichen Erkenntnis untersucht, in der "Kritik der praktischen Vernunft" die Prinzipien der Moral entfaltet und in der "Kritik der Urteilskraft" das ästhetische Empfinden analysiert. Diese drei Texte stellen nicht nur einen literarischen, sondern auch einen philosophischen Begleittext dar, der das Spannungsfeld zwischen Subjektivität und Objektivität beleuchtet und die Kinship von Verstand, Glauben und Gefühl charakterisiert. Immanuel Kant (1724-1804), ein zentraler Denker der Aufklärung, hat mit seinen theoretischen und praktischen Ideen das intellektuelle Klima seiner Zeit revolutioniert. Aufgewachsen in einem pietistisch geprägten Milieu und geprägt von den Wissenschaften des Rationalismus und Empirismus, entwickelte Kant eine systematische Philosophie, die beide Traditionen miteinander versöhnt. Seine Arbeiten waren jedoch nicht nur akademische Übungen, sondern Ausdruck eines tiefen Wunsches, die Möglichkeit von Wissen und Moralität in einer oft irrungen und unvollkommenen Welt zu erkunden. Dieses Werk ist sowohl für Philosophie-Studierende als auch für interessierte Laien eine unverzichtbare Lektüre. Kants "Drei Kritiken" fordern die Leser auf, ihre eigenen Denkstrukturen zu hinterfragen und bieten einen tiefen Einblick in die Dinge, die das menschliche Dasein ausmachen. Durch das Studium dieser Kritiken erschließen sich neue Perspektiven auf die Themen Wissen, Ethik und Ästhetik, von denen die Leser ihr eigenes Leben bereichern können. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Die Autorenbiografie hebt persönliche Meilensteine und literarische Einflüsse hervor, die das gesamte Schaffen prägen. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Immanuel Kant

Drei Kritiken

Bereicherte Ausgabe. Kritik der reinen Vernunft + Kritik der praktischen Vernunft + Kritik der Urteilskraft
Einführung, Studien und Kommentare von Moritz Wolf
EAN 8596547771289
Bearbeitet und veröffentlicht von DigiCat, 2023

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Autorenbiografie
Historischer Kontext
Synopsis (Auswahl)
Drei Kritiken: Kritik der reinen Vernunft + Kritik der praktischen Vernunft + Kritik der Urteilskraft
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Diese Werksammlung vereint Immanuel Kants drei großen Untersuchungen zu den Vermögen des menschlichen Geistes unter dem Titel Drei Kritiken: Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft. Entstanden im späten 18. Jahrhundert, markieren sie den Kern seines kritischen Projekts, das die Bedingungen, Reichweiten und Grenzen von Erkenntnis, Handeln und Beurteilung klärt. Die Zusammenstellung verfolgt den Zweck, diese eigenständigen, doch aufs Engste miteinander verschränkten Werke in ihrer systematischen Einheit zugänglich zu machen. Leserinnen und Leser erhalten damit die Möglichkeit, den inneren Aufbau von Kants Denken in einer geschlossenen Architektur nachzuvollziehen und dessen Schritte im Gang durch Theorie, Moral und Ästhetik zu verfolgen.

Es handelt sich nicht um Erzählungen, Romane oder Dramen, sondern um streng philosophische Abhandlungen. Kants Kritiken sind systematische Untersuchungen, in denen er die Begriffe, Prinzipien und Verfahren der Vernunft in jeweils eigener Perspektive prüft. Sie gehören zur Gattung der theoretischen, normativen und reflektierenden Philosophie und greifen Formen des Essays, der Analyse und der methodischen Rechtfertigung auf, ohne literarische Fiktion zu bieten. Gleichwohl zeigen sie eine reiche stilistische Vielfalt in Argumentationsmodi, begrifflicher Präzision und didaktischer Struktur. Die vorliegende Sammlung stellt die vollständigen Werke zusammen, so dass die sachlichen und methodischen Bezüge zwischen ihnen unmittelbar erfahrbar werden.

Die Kritik der reinen Vernunft (erste Ausgabe 1781, zweite 1787) untersucht die Möglichkeiten und Grenzen des Erkennens. Sie fragt, wie Erfahrung möglich ist, welche Rolle Anschauung und Verstand dabei spielen und unter welchen Bedingungen Metaphysik eine wissenschaftliche Gestalt annehmen kann. Zentral sind dabei Überlegungen zu den Formen von Raum und Zeit, zu den Kategorien des Verstandes und zu der Frage, inwiefern es Urteile gibt, die zugleich informativ und notwendig sind. Das Werk begrenzt spekulative Ansprüche, ohne die objektive Geltung von Naturerkenntnis preiszugeben, und begründet damit den kritischen Standpunkt, von dem aus die weiteren Untersuchungen ansetzen.

Die Kritik der praktischen Vernunft (1788) entfaltet Kants Moralphilosophie und prüft die Bedingungen vernünftigen Handelns. Sie bestimmt, was es heißt, aus Pflicht und nach einem Gesetz zu handeln, das die Vernunft sich selbst gibt, und wie Freiheit, Autonomie und Verantwortung zu denken sind. Sie erörtert die Autorität moralischer Normen, die Möglichkeit motivierender Gründe und die Stellung praktischer Prinzipien gegenüber Neigung und Interesse. In diesem Rahmen entwickelt Kant die Idee des Vorrangs der praktischen Vernunft sowie die Postulate, die aus der moralischen Perspektive erforderlich werden, ohne dabei theoretisches Wissen zu behaupten.

Die Kritik der Urteilskraft (1790) vermittelt zwischen theoretischer und praktischer Philosophie, indem sie die Fähigkeit des Urteilens in ästhetischer und teleologischer Hinsicht untersucht. Sie analysiert Urteile über das Schöne und das Erhabene, ihre Anspruchsstruktur und ihren Bezug auf gemeinschaftliche Gültigkeit, ohne auf Begriffe zu reduzieren. Zugleich widmet sie sich der Beurteilung organischer Natur und dem Gedanken der Zweckmäßigkeit, der Orientierungsleistungen ermöglicht, ohne die Naturwissenschaft zu ersetzen. Damit schließt dieses Werk eine systematische Lücke, indem es eine reflektierende Instanz entfaltet, die Sinnzusammenhänge sichtbarer macht und zugleich methodische Zurückhaltung wahrt.

Gemeinsam ist den drei Kritiken die methodische Idee der Kritik: Nicht die Erweiterung der Wissensbestände steht im Vordergrund, sondern die Prüfung ihrer Möglichkeit und Rechtfertigung. Kant fragt nach den Bedingungen, unter denen Erkenntnis, moralisches Handeln und Beurteilung Anspruch auf Geltung erheben können. Er entwirft so ein Bild der Vernunft, die sich ihrer Grenzen bewusst ist, um innerhalb dieser Grenzen verlässlich und verbindlich zu orientieren. Der Zusammenhang des Ganzen ist architektonisch gedacht: Erkenntnis, Begehrung und Gefühl bilden korrespondierende Bereiche, die sich nicht ersetzen, wohl aber gegenseitig stützen und in ihren Kompetenzen begrenzen.

Stilistisch zeichnen sich die Kritiken durch systematische Strenge, terminologische Sorgfalt und eine ausgeprägte Architektonik aus. Kant arbeitet mit schrittweisen Bestimmungen, Unterscheidungen und Begründungen, die zentrale Begriffe präzisieren und ihre Geltungsansprüche klären. Technische Termini wie Anschauung, Kategorie, Autonomie, Zweckmäßigkeit oder Urteilskraft erscheinen nicht als rhetorische Zierde, sondern als Werkzeuge einer methodischen Selbstaufklärung der Vernunft. Die Dichte der Argumentation verlangt aufmerksam geführtes Lesen, belohnt aber mit Klarheit über Reichweite und Grenzen des Denkens. Die Sammlung lässt erkennen, wie Motive und Beweisgänge über die Werke hinweg korrespondieren.

Die Wirkungsgeschichte der drei Kritiken zählt zu den prägenden Bewegungen der neueren Philosophie. Kants Einsätze veränderten das Verständnis von Metaphysik, Erkenntnistheorie, Ethik und Ästhetik grundlegend und setzten Maßstäbe für methodische Strenge. Von der deutschen Idealismusdiskussion über die Phänomenologie bis hin zu analytischen Debatten über Begründung, Normativität und Wissenschaftstheorie reichen die Spuren seiner Überlegungen. Auch in Rechts- und Politischer Philosophie, in Pädagogik und Kulturtheorie haben seine Begriffe und Argumentationsformen langfristige Resonanzen entfaltet, die in unterschiedlichen Kontexten produktiv aufgenommen und kritisch weiterentwickelt wurden.

Für gegenwärtige Diskussionen behalten Kants Kritiken ihre Relevanz, weil sie Grundfragen in einer Form behandeln, die empirische Erkenntnis, normative Vernunft und ästhetische Erfahrung zusammen denkt. In Debatten über die Fundierung von Wissenschaft, über Freiheit und Verantwortung, über die Begründung moralischer Normen sowie über Urteil und Geschmack bieten sie differenzierte Kriterien der Orientierung. Ihre Zurückhaltung gegenüber spekulativen Überschreitungen verbindet sich mit einem hohen Anspruch an argumentative Rechtfertigung. So dienen die Kritiken als Ressource, um komplexe Diskurse zu strukturieren und tragfähige Unterscheidungen einzuführen, ohne die Pluralität der Perspektiven zu nivellieren.

Die Lektüre der drei Werke bietet sich in der hier präsentierten Reihenfolge an: Zunächst die Untersuchung der theoretischen Bedingungen der Erfahrung, dann die Grundlegung der Moral in der praktischen Vernunft, schließlich die reflektierende Vermittlung der Urteilskraft. Diese Ordnung zeigt, wie sich Erkenntnis, Handlungsnorm und Beurteilung zu einem Ganzen fügen, das keine der Sphären auf Kosten der anderen überdehnt. Zugleich erlauben Querlektüren, Motive und Begriffe im Dialog zu verfolgen. Wer den Gedankengang Schritt für Schritt nachgeht, wird eine systematische Kohärenz entdecken, die die Eigenständigkeit der Teile respektiert.

Ein besonderes Augenmerk verdient die Terminologie, die Kant mit großer Konsequenz führt. Wiederkehrende Begriffe gewinnen über die Werke hinweg Profil, indem ihre Rollen variieren, ohne ihre Funktionen zu vermischen. So lässt sich verstehen, weshalb die Kritiken nicht bloß nebeneinander stehen, sondern eine wechselseitige Erhellung bewirken. Der Blick auf die jeweiligen Einleitungen, systematischen Überblicke und Übergänge erleichtert das Nachvollziehen des Aufbaus. Die vorliegende Zusammenstellung unterstützt eine solche Lektüre, weil sie die drei vollständigen Texte in unmittelbarer Nachbarschaft bietet und damit Anschlussstellen und Kontraste deutlich hervortreten lässt.

Diese Ausgabe verfolgt die Absicht, Kants kritische Philosophie in ihrer Geschlossenheit und Offenheit zugleich sichtbar zu machen: geschlossen, weil sie ein architektonisches System skizziert, das jedem Vermögen seinen Ort zuweist; offen, weil sie Forschung, Diskussion und Selbstprüfung ausdrücklich herausfordert. Drei Kritiken stehen hier als ein Werk, das über Disziplingrenzen hinweg wirkt und zur Besinnung auf das Vermögen der Vernunft im Ganzen anleitet. Wer die Texte in ihrer eigenen Strenge ernst nimmt, findet nicht nur historische Dokumente, sondern ein bleibendes Instrument der Aufklärung, das Denken, Handeln und Urteilen verantwortet.

Autorenbiografie

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Immanuel Kant (1724–1804) gilt als zentrale Gestalt der europäischen Aufklärung. Sein Lebensweg ist eng mit Königsberg verbunden, wo er geboren wurde, studierte, lehrte und starb. Den dauerhaften Rang sichern ihm drei Hauptwerke, die in dieser Sammlung versammelt sind: Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft. Mit ihnen entwarf er ein System, das Erkenntnistheorie, Ethik und Ästhetik neu ordnete und die Reichweite menschlicher Vernunft klärte. Kants nüchterner Stil, seine strenge Argumentation und die systematische Architektur seiner Schriften machten ihn zum Bezugspunkt moderner Philosophie und setzten Maßstäbe für wissenschaftliches Denken.

Seine sogenannte kopernikanische Wende verlegte die Bedingungen von Erkenntnis in die Subjektivität des Erkennenden: Nicht die Dinge passen sich unserem Wissen an, sondern unser Wissen strukturiert die Erfahrung nach eigenen Formen und Begriffen. Die drei Kritiken untersuchen deshalb die Möglichkeiten, Grenzen und Geltungsansprüche von Erkenntnis, Handeln und Urteil. Damit vermittelte Kant zwischen Rationalismus und Empirismus und schuf eine Grundlage, auf der sich spätere Debatten über Wissenschaft, Moral und Kunst entfalteten. Zugleich verteidigte er wesentliche Ideale der Aufklärung wie Autonomie, Selbstgesetzgebung und die Verantwortung des Denkens im öffentlichen Raum.

Bildung und literarische Einflüsse

Aufgewachsen in einem pietistisch geprägten Elternhaus, besuchte Kant das Collegium Fridericianum, eine strenge Lateinschule in Königsberg. Anschließend studierte er an der Universität Königsberg vor allem Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften. Früh prägten ihn die Newtonsche Physik und die systematische Schule von Leibniz und Wolff. Wichtig wurde der Königsberger Lehrer Martin Knutzen, der ihn zur exakten Naturforschung anleitete und für metaphysische Grundfragen sensibilisierte. Die Verbindung einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Orientierung mit philosophischer Systematik bereitete den Boden für Kants spätere Einsicht, dass Erkenntnis nicht bloß Empfindung ist, sondern nach apriorischen Formen und Begriffen geordnet werden muss.

Nach der Universitätszeit arbeitete Kant mehrere Jahre als Hauslehrer und kehrte dann als Privatdozent an die Universität zurück. 1770 übernahm er eine Professur für Logik und Metaphysik. In dieser Phase setzte er sich intensiv mit der Tradition des Rationalismus auseinander, zugleich aber mit der empiristischen Kritik an Metaphysik. Besonders David Humes Analyse von Kausalität und Induktion erschütterte die etablierten Gewissheiten und verlangte nach einer neuen Grundlegung. Auch Jean-Jacques Rousseaus moralphilosophische Betonung von Würde und Freiheit vertiefte Kants Sensibilität für Autonomie und Gesetzgebung der Vernunft, die später die praktische Philosophie prägen sollten.

Die intellektuelle Konstellation, in der die drei Kritiken entstehen, ist daher doppelt gerichtet: Sie will die objektive Geltung naturwissenschaftlicher Erkenntnis sichern und zugleich die Freiheit des praktischen Subjekts begründen. Kants Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik (1783) klären das Programm der ersten Kritik in zugänglicherer Form und bereiten die breitere Rezeption vor. In thematischer Nachbarschaft entwickelt er mit der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785) die Kernideen seiner Moralphilosophie, die in der Kritik der praktischen Vernunft systematisch ausgearbeitet werden. Die ästhetischen und teleologischen Fragen erhalten ihren systematischen Ort in der Kritik der Urteilskraft.

Literarische Laufbahn

Die Kritik der reinen Vernunft erschien 1781 und wurde 1787 grundlegend überarbeitet. Sie untersucht die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis, insbesondere die Rolle der Anschauungsformen Raum und Zeit und der reinen Verstandesbegriffe. Die Lehre vom transzendentalen Idealismus unterscheidet zwischen Erscheinungen, die uns gemäß unseren Erkenntnisbedingungen zugänglich sind, und Dingen an sich, deren Wesen nicht erkannt werden kann. Die Erstaufnahme war verhalten; die Schwierigkeit des Textes und seine neuartige Methode verlangten Vermittlung. Mit den Prolegomena und frühen Deutungen gelang es jedoch, die Debatte in Gang zu setzen und die Bedeutung der kritischen Wende zu verdeutlichen.

Die Kritik der praktischen Vernunft (1788) schließt die Lücke zwischen Erkenntnis und Moral, indem sie die Selbstgesetzgebung des Willens und die Unbedingtheit des moralischen Gesetzes herausstellt. Freiheit ist hier nicht empirisch nachweisbare Tatsache, sondern Bedingung der Möglichkeit moralischer Verbindlichkeit. Kant diskutiert das Verhältnis von Pflicht, Glückseligkeit und dem höchsten Gut sowie die sogenannten Postulate der praktischen Vernunft, die moralisches Handeln im Horizont von Freiheit, Unsterblichkeit und Gott denken lassen. Der nüchterne, systematische Stil vermeidet Rhetorik zugunsten strenger Begründungen und prägte die moderne Deontologie, die Pflichten und Prinzipien vor Konsequenzen stellt.

Die Kritik der Urteilskraft (1790) versucht die Kluft zwischen Naturerkenntnis und Freiheit zu überbrücken. Sie analysiert das ästhetische Urteil über das Schöne und Erhabene als eine Form interesseloser, gleichwohl allgemein mitteilbarer Lust. In ihrer teleologischen Analytik untersucht sie, wie wir Organismen als zweckmäßig verstehen, ohne in dogmatische Metaphysik zu verfallen. Kant charakterisiert die reflektierende Urteilskraft als Vermögen, das von Besonderem auf Allgemeines sucht und dadurch systematische Einheit stiftet. Diese Schrift erweiterte die Reichweite des kritischen Projekts in Richtung Ästhetik und Lebenswissenschaften und wirkt bis heute in Theorie der Kunst, Biologie und Hermeneutik.

Stilistisch zeichnen sich die Kritiken durch eine architektonische Strenge aus: Ein Gefüge von Einteilungen, Deduktionen und systematischen Übergängen stützt die Argumente. Die Sammlung bildet den Kern eines größeren Ganzen, dem auch Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft und die Metaphysik der Sitten zuzuordnen sind. Zeitgenossen und Nachfolger reagierten kontrovers, doch nachhaltig: Von Karl Leonhard Reinhold über Johann Gottlieb Fichte bis zu Schelling und Hegel wurde Kants Projekt weitergeführt, modifiziert oder kritisiert. Die Kritiken wurden so zum Ausgangspunkt des Deutschen Idealismus und zur Referenz für moderne systematische Philosophie.

Überzeugungen und Engagement

Kants Überzeugungen sind eng mit der Idee der Aufklärung als Selbstbefreiung durch Vernunft verbunden. In der programmatischen Schrift Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1784) verteidigt er die öffentliche Verwendung der Vernunft und fordert institutionelle Bedingungen, die freies Prüfen von Überzeugungen ermöglichen. Zugleich betont er die Verantwortung des Bürgers, dem geltenden Recht zu gehorchen, während er als Gelehrter kritisch argumentieren darf. Die praktische Philosophie der Kritik der praktischen Vernunft spiegelt diese Haltung: Moralische Autonomie und Achtung vor der Person sind keine äußerlichen Forderungen, sondern Ausdruck der Vernunft, die sich selbst Gesetz gibt.

Politisch setzt Kant sich in Zum ewigen Frieden (1795) für rechtlich geordnete internationale Beziehungen ein, die auf Republikanismus, Vertragsrecht und einem kosmopolitischen Recht der Gastfreundschaft beruhen. Seine Religionsphilosophie, besonders in Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793), richtet den Blick auf den moralischen Gehalt religiöser Praxis. Die Publikation führte zu Auseinandersetzungen mit der Zensur und zu einem königlichen Reskript, das Kant von weiteren religionsphilosophischen Äußerungen abmahnte, dem er nach eigener Darstellung zu Lebzeiten des Monarchen Folge leistete. In Der Streit der Fakultäten (1798) reflektiert er diese Konflikte und die Stellung der Philosophie in der Universität.

Letzte Jahre & Vermächtnis

In den späten Jahren konzentrierte sich Kant auf die Ausarbeitung praktischer und rechtlicher Themen in der Metaphysik der Sitten (1797) und befasste sich mit institutionellen Fragen im Streit der Fakultäten. Er stellte den Lehrbetrieb ein, arbeitete jedoch weiter an Notizen zu einem unvollendet gebliebenen Opus postumum, das seine naturphilosophischen Überlegungen fortführen sollte. Kant starb 1804 in Königsberg. Sein Erbe prägt bis heute Erkenntnistheorie, Ethik, Ästhetik, Rechts- und politische Philosophie. Die drei Kritiken bilden das Fundament: Sie definieren die Grenzen und Ansprüche der Vernunft und sind Ausgangspunkte für Debatten von der Wissenschaftstheorie bis zur Menschenwürde.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Immanuel Kant lebte von 1724 bis 1804 in Königsberg, einer Stadt des Königreichs Preußen. Seine drei Kritiken erschienen in den Jahren 1781, 1788 und 1790 und gehören zur Spätphase der europäischen Aufklärung. Die Sammlung verbindet Erkenntnistheorie, Moralphilosophie und Ästhetik in einer systematischen Abfolge, die in einer Zeit politischer Reformen, wissenschaftlicher Umbrüche und lebhafter Öffentlichkeit entstand. Kant schrieb in deutscher Sprache für ein wachsendes Lesepublikum und verortete seine Arbeit im Spannungsfeld zwischen Tradition und Neubeginn. Die drei Bände wurden rasch zu Bezugspunkten akademischer Debatten und prägten die intellektuelle Kultur im deutschen Sprachraum und darüber hinaus.

Königsberg war ein Handels- und Verwaltungszentrum mit einer Universität, die seit dem 16. Jahrhundert bestand. Die Stadt stand unter dem Einfluss des Pietismus und der Wolffianischen Schulphilosophie, die an vielen preußischen Lehrstühlen dominierte. In diesem Milieu erhielt Kant seine Ausbildung, wurde Privatdozent und später Professor. Die Institutionen der Stadt förderten eine disziplinierte Gelehrsamkeit, zugleich aber auch Austausch mit internationalen Strömungen über Handel und Korrespondenzen. Diese gelebte Verbindung aus lokaler Strenge und europäischer Offenheit prägte das intellektuelle Klima, in dem Kants kritische Wende vorbereitet und schließlich in Buchform realisiert wurde.

Kants Projekt reagierte auf die Auseinandersetzung zwischen Rationalismus und Empirismus. Die Autorität der Newtonschen Naturwissenschaften, die systematische Metaphysik der Leibniz-Wolff Tradition und die skeptischen Anstöße David Humes bildeten zentrale Bezugspunkte. Kant thematisierte sein Aufwachen aus dogmatischer Selbstzufriedenheit ausdrücklich in späteren Einlassungen und suchte eine tragfähige Neuordnung der Fragen nach Erkenntnis und Methode. Die Debatten über die Grenzen des Wissens und die Geltung naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeit waren in der europäischen Gelehrtenöffentlichkeit weit verbreitet und schufen den Resonanzraum, in dem die kritische Philosophie ihre Form fand.

Politisch fällt Kants Schaffensperiode in die Epoche des aufgeklärten Absolutismus in Preußen, besonders unter Friedrich II. Der Staat förderte Verwaltungsreformen, Bildungsinitiativen und wissenschaftliche Akademien. Zugleich blieb die monarchische Ordnung unangefochten, weshalb intellektuelle Erneuerung sich häufig in methodischen und kulturellen Bahnen vollzog. In diesem Umfeld gewann die Forderung nach Aufklärung, Mündigkeit und öffentlicher Vernunft an Bedeutung. Kants philosophisches Unternehmen bot eine theoretische Kartierung der Möglichkeiten und Schranken vernünftiger Begründung, auf die gebildete Beamte, Lehrer und Gelehrte in einem sich modernisierenden Staatswesen aufmerksam wurden.

Der Siebenjährige Krieg traf Ostpreußen schwer; Königsberg stand zeitweise unter russischer Besatzung. Die Nachkriegszeit brachte in Preußen die Erneuerung staatlicher Strukturen und eine Intensivierung von Finanz-, Militär- und Bildungsverwaltung. Die Erfahrung politischer Verwundbarkeit und wirtschaftlicher Belastungen lenkte das Interesse auf Verlässlichkeit, Normbildung und methodische Klarheit. In diesem historischen Hintergrund erscheint das kritische Programm als philosophische Antwort auf den Wunsch nach festen Orientierungen, ohne in dogmatische Sicherheiten zurückzufallen. Das Bedürfnis nach Rechtfertigung von Erkenntnis und Moral gewann so eine zusätzliche gesellschaftliche Dringlichkeit.

Das achtzehnte Jahrhundert erlebte einen Aufschwung der Druckkultur: Zeitschriften, Rezensenten, Lesegesellschaften und Buchhandlungen bildeten eine vernetzte Kommunikationssphäre. Periodika ermöglichten schnelle Reaktionen auf neue Bücher; philosophische Werke wurden Gegenstand öffentlicher Debatten. In diesem Umfeld mussten anspruchsvolle Texte sich an fachliche wie breitere Leserschaften wenden. Kants Arbeiten wurden intensiv besprochen, kritisiert und verteidigt, was die Bildung von Schulen und Gegenschulen begünstigte. Die Infrastruktur der Aufklärung, von gelehrten Anzeigen bis zu gelehrten Gesellschaften, war entscheidend dafür, dass die drei Kritiken rasch Wirkung entfalteten.

Ein Scharnier vor den Kritiken bildet Kants Inauguraldissertation von 1770, die den Übergang von früheren naturphilosophischen Interessen zur Ausarbeitung der kritischen Methode markiert. Die erste Kritik erschien 1781 und stellte vertraute Formen der Metaphysik in Frage, was zunächst auf Unverständnis und pointierte Einwände stieß. Die Breite der Argumentation, die Terminologie und die systematische Zielsetzung überstiegen gängige Darstellungsformen. Zugleich signalisierte das Werk den Anspruch, die Möglichkeiten der Erkenntnis in Wissenschaft und Philosophie neu zu bestimmen. Der Weg zur Anerkennung führte in den folgenden Jahren über Klärungen und Debatten.

Frühe Rezensionen, unter anderem von Christian Garve und Johann Georg Heinrich Feder, äußerten scharfe Kritik, die Kant zu weiteren Erläuterungen veranlasste. Er reagierte mit einer knapperen, einführenden Schrift, um Grundgedanken zugänglicher zu machen. Die zweite, überarbeitete Auflage der ersten Kritik erschien 1787 und ordnete die Darstellung neu. Diese editorische Geschichte zeigt, wie eng Werk und Öffentlichkeit verbunden waren. Der kritische Dialog durch Rezensionen, Erwiderungen und Neuauflagen prägte die Rezeption, indem er die zentralen Probleme sichtbar machte und die methodischen Intentionen in den Vordergrund rückte.

Karl Leonhard Reinholds Briefe über die Kantische Philosophie trugen ab Mitte der 1780er Jahre maßgeblich zur Popularisierung bei. In Jena und anderen Universitätsstädten bildeten sich lebhafte Diskussionszusammenhänge, die die Terminologie und die Systemarchitektur der kritischen Philosophie vermittelten. Die Verbindung von akademischem Unterricht, journalistischer Vermittlung und Verlagswesen schuf eine große Bühne für die Auseinandersetzung. Aus der zunächst schwer zugänglichen Darlegung wurde eine programmatische Bewegung, die nicht nur philosophische Seminare prägte, sondern in die allgemeine Debatte über Bildung, Wissenschaft und Sittlichkeit hineinwirkte.

Mit der zweiten Kritik von 1788 gewann die Moralphilosophie neues Profil. Sie erschien zu einer Zeit, in der in Europa intensive Diskussionen über Tugend, Pflicht und Gefühlskulturen geführt wurden. In Preußen verschärfte sich gleichzeitig die religiöse Aufsicht unter Friedrich Wilhelm II., sichtbar im Religionsedikt von 1788, das die Kontrolle über Lehre und Predigt stärkte. Das Zusammenspiel von moralphilosophischer Grundlegung und staatlich gesteuerter Religionspolitik schuf einen besonderen Hintergrund. Fragen nach der Autonomie des Sittlichen und nach der Öffentlichkeit moralischer Vernunft standen dadurch nicht nur theoretisch, sondern auch institutionell unter Beobachtung.

Die Französische Revolution ab 1789 veränderte die politische Landschaft Europas und intensivierte Debatten über Freiheit, Gesetz und Bürgerschaft. Obwohl Kants drei Kritiken nicht als politische Traktate konzipiert sind, wurden ihre Grundgedanken zur Autonomie und zur Geltung von Normen in diesem neuen Kontext gelesen. Kant hatte bereits in den 1780er Jahren über Aufklärung geschrieben und später zu rechtlichen und völkerrechtlichen Fragen publiziert. Die politische Dynamik, von Hoffnungen bis zu Befürchtungen, trug dazu bei, dass moral- und rechtstheoretische Lesarten seiner Philosophie besondere Aufmerksamkeit fanden und in juristischen, theologischen und philosophischen Fakultäten verhandelt wurden.

Mit der dritten Kritik von 1790 erweiterte sich der Horizont um ästhetische Urteilskraft und die Problematik der Zweckmäßigkeit der Natur. Dies fiel in eine Zeit, in der Kunsttheorie, Genieästhetik und Debatten über Geschmack breiten Raum einnahmen. Zugleich entwickelte sich die Naturgeschichte weiter; in der Biologie kursierten Überlegungen zur inneren Formbildung. Die reflektierte Behandlung von Schönheit und Naturzwecken traf daher auf eine lebendige Gesprächskultur zwischen Kunst, Wissenschaft und Philosophie. Die dritte Kritik wurde zu einer Schnittstelle, an der sich Diskurse über Kultur, Organismus und Erkenntnismethoden kreuzten.

Die Zuspitzung der religiösen Zensur in den 1790er Jahren berührte auch Kant. Nach der Veröffentlichung eines Werks zur Religion im Jahr 1793 erhielt er 1794 eine königliche Rüge und sagte zu, sich öffentlich nicht weiter zu religiösen Themen zu äußern, solange der regierende Monarch lebe. Dieses Ereignis markiert die Grenzen, die die preußische Politik dem philosophischen Diskurs setzte, und es prägte die Wahrnehmung der moralphilosophischen Dimension von Kants System. Die Verbindung zwischen ethischer Autonomie, öffentlicher Vernunft und staatlicher Kontrolle wurde dadurch für Zeitgenossen besonders deutlich.

Die kritische Philosophie stimulierte eine Vielzahl von Reaktionen. Reinhold systematisierte und popularisierte, Salomon Maimon problematisierte zentrale Voraussetzungen, Friedrich Heinrich Jacobi griff den Begriff des Ding an sich an. Johann Gottlieb Fichte, später auch Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Georg Wilhelm Friedrich Hegel, transformierten Motive der kritischen Wende zu eigenen Systemen. In diesen Auseinandersetzungen wurde die Frage, wie Vernunft sich selbst begründet und welche Rolle Erfahrung, Freiheit und Geschichte spielen, neu gestellt. Die Kontroversen vergrößerten die Reichweite der drei Kritiken und verlagerten den Fokus in Richtung idealistischer Weiterentwicklungen.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts ebbte der unmittelbare Einfluss zeitweise ab, ehe die neukantianische Bewegung zu einer Renaissance führte. Die Marburger Schule um Hermann Cohen und Paul Natorp betonte den Wissenschaftsbezug und die erkenntnistheoretische Strenge, die Südwestdeutsche Schule um Wilhelm Windelband und Heinrich Rickert akzentuierte Werte und Kulturwissenschaften. Naturforschung und Physiologie, etwa bei Hermann von Helmholtz, beleuchteten Wahrnehmung und Erkenntnis in Auseinandersetzung mit kantischen Motiven. So verknüpften sich die drei Kritiken mit neuen Disziplinen und Problemfeldern, ohne ihren historischen Ursprung in der Aufklärung zu verlieren.

An der Wende zum 20. Jahrhundert gewann die Auslegung der Kritik der Urteilskraft an Bedeutung für Kunst- und Kulturtheorie. Ernst Cassirer verband neukantianische Motive mit einer Philosophie symbolischer Formen. Parallel dazu reagierten Philosophen der entstehenden analytischen und phänomenologischen Traditionen auf Kant. In der Auseinandersetzung um Geometrie, Raum und Erfahrung wurden kantische Positionen geprüft und modifiziert. Debatten über Form und Geltung wissenschaftlicher Sätze, ebenso wie über normative Begründungen, griffen auf die Strukturgedanken der drei Kritiken zurück, um neue methodische Horizonte zu öffnen.

Im 20. Jahrhundert erschienen einflussreiche Neubewertungen, etwa Martin Heideggers Studie über Kant und das Problem der Metaphysik, die die erste Kritik in existenzphilosophischer Perspektive deutete. Vertreter des logischen Empirismus und ihm nahestehende Denker wie Hans Reichenbach und Rudolf Carnap setzten sich kritisch mit kantischen Begriffen des Apriori auseinander und entwickelten alternative Konzeptionen. In der Moralphilosophie wirkten kantische Ideen in unterschiedlichen Ansätzen fort; in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurden deontologische Perspektiven neu entfaltet. Auch Autoren wie Peter Strawson und spätere politische Theoretiker nahmen explizit Bezug auf zentrale Gedanken der drei Kritiken bestandssichernd und kritisch zugleich aufnehmend.

Synopsis (Auswahl)

Inhaltsverzeichnis

Kritik der reinen Vernunft

Die Abhandlung prüft, unter welchen Bedingungen Erfahrung und Wissen möglich sind, und steckt die Grenzen der theoretischen Vernunft ab. Sie entwickelt eine transzendentale Analyse von Anschauung (Raum und Zeit) und Verstandeskategorien, um zu zeigen, wie objektive Erkenntnis zustande kommt, ohne über das Erfahrbare hinauszugreifen. Der Ton ist streng-systematisch und kritisch gegenüber metaphysischer Spekulation.

Kritik der praktischen Vernunft

Dieses Werk untersucht die Bedingungen der Moral und die Reichweite praktischer Vernunft. Es begründet die Autonomie des Willens und leitet aus der Vernunft ein allgemeines, verpflichtendes Sittengesetz ab, das Handlungen nach ihrer Maximenbewährung beurteilt. Der Ton ist normativ und konzentriert sich auf Freiheit, Pflicht und die Motivation moralischen Handelns.

Kritik der Urteilskraft

Die dritte Kritik sucht eine Vermittlung zwischen Naturerkenntnis und Moral durch eine Analyse der reflektierenden Urteilskraft. Sie behandelt ästhetische Urteile wie das Schöne und Erhabene sowie die Idee einer zweckmäßigen Ordnung der Natur, ohne auf dogmische Metaphysik zurückzugreifen. Der Ton ist vermittelnd und explorativ, mit besonderem Augenmerk auf Erfahrung, Gefühl und Sinn für Zweckmäßigkeit.

Übergreifende Themen und Stil

Gemeinsam ist den drei Kritiken die kritische Methode: Statt Dogmen aufzustellen, klären sie die Voraussetzungen, Grenzen und Geltungsbereiche der Vernunft in Theorie, Praxis und Urteil. Wiederkehren die Motive von Autonomie, Gesetzmäßigkeit und Freiheit sowie die Trennung von dem, was wir erkennen können, und dem, was wir nur denken dürfen. Stilistisch sind sie architektonisch angelegt, begriffsgenau und systematisch, mit einer zunehmenden Tendenz zur Vermittlung zwischen Erkenntnis und Moral in der dritten Kritik.

Drei Kritiken: Kritik der reinen Vernunft + Kritik der praktischen Vernunft + Kritik der Urteilskraft

Hauptinhaltsverzeichnis
Kritik der reinen Vernunft
Kritik der praktischen Vernunft
Kritik der Urteilskraft

Kritik der reinen Vernunft

Inhaltsverzeichnis
Vorrede
Einleitung
I. Idee der Transzendental-Philosophie
II. Einteilung der Transzendental-Philosophie
I. Transzendentale Elementarlehre
Erster Teil Die transzendentale Ästhetik
Erster Abschnitt Von dem Raume
Zweiter Abschnitt Von der Zeit
Zweiter Teil Die transzendentale Logik
Einleitung Idee einer transzendentalen Logik
I. Von der Logik überhaupt
II. Von der transzendentalen Logik
III. Von der Einteilung der allgemeinen Logik in Analytik und Dialektik
IV. Von der Einteilung der transz. Logik in die transzendentale Analytik und Dialektik
Erste Abteilung Die transzendentale Analytik
Erstes Buch Die Analytik der Begriffe
Erstes Hauptstück Von dem Leitfaden der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe
Erster Abschnitt Von dem logischen Verstandesgebrauche überhaupt
Zweiter Abschnitt Von der logischen Funktion des Verstandes in Urteilen
Dritter Abschnitt Von den reinen Verstandesbegriffen oder Kategorien
Zweites Hauptstück Von der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe
Erster Abschnitt Von den Prinzipien einer transz. Deduktion überhaupt
Zweiter Abschnitt Von den Gründen a priori zur Möglichkeit der Erfahrung
Dritter Abschnitt Von dem Verhältnisse des Verstandes zu Gegenständen überhaupt und der Möglichkeit diese a priori zu erkennen
Zweites Buch Die Analytik der Grundsätze
Einleitung Von der transzendentalen Urteilskraft überhaupt
Erstes Hauptstück Von dem Schematismus der reinen Verstandesbegriffe
Zweites Hauptstück System aller Grundsätze des reinen Verstandes
Erster Abschnitt Von dem obersten Grundsatze aller analytischen Urteile
Zweiter Abschnitt Von dem obersten Grundsatze aller synthetischen Urteile
Dritter Abschnitt Systematische Vorstellung aller synthetischen Grundsätze desselben
Drittes Hauptstück Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena
Anhang Von der Amphibolie der Reflexionsbegriffe durch die Verwechslung des empirischen Verstandesgebrauchs mit dem transzendentalen
Zweite Abteilung Die transzendentale Dialektik
Einleitung
I Vom transzendentalen Schein
II Von der reinen Vernunft als dem Sitze des transzendentalen Scheins
A Von der Vernunft überhaupt
B Vom logischen Gebrauche der Vernunft
C Von dem reinen Gebrauche der Vernunft
Erstes Buch Von den Begriffen der reinen Vernunft
Erster Abschnitt Von den Ideen überhaupt
Zweiter Abschnitt Von den transzendentalen Ideen
Dritter Abschnitt System der transzendentalen Ideen
Zweites Buch Von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft
Erstes Hauptstück Von den Paralogismen der reinen Vernunft
Erster Paralogism der Substantialität
Zweiter Paralogism der Simplizität
Dritter Paralogism der Personalität
Zweites Hauptstück Die Antinomie der reinen Vernunft
Erster Abschnitt System der kosmologischen Ideen
Zweiter Abschnitt Antithetik der reinen Vernunft
Dritter Abschnitt Von dem Interesse der Vernunft bei diesem ihrem Widerstreite
Vierter Abschnitt Von den Transzendentalen Aufgaben der reinen Vernunft, insofern sie schlechterdings müssen aufgelöst werden können
Fünfter Abschnitt Skeptische Vorstellung der kosmologischen Fragen durch alle vier transzendentalen Ideen
Sechster Abschnitt Der transzendentale Idealism als der Schlüssel zu Auflösung der kosmologischen Dialektik
Siebenter Abschnitt Kritische Entscheidung des kosmologischen Streits der Vernunft mit sich selbst
Achter Abschnitt Regulatives Prinzip der reinen Vernunft in Ansehung der kosmologischen Ideen
Neunter Abschnitt Von dem empirischen Gebrauche des regulativen Prinzips der Vernunft, in Ansehung aller kosmologischen Ideen
Drittes Hauptstück Das Ideal der reinen Vernunft
Erster Abschnitt Von dem Ideal überhaupt
Zweiter Abschnitt Von dem transzendentalen Ideal (Prototypon transzendentale)
Dritter Abschnitt Von den Beweisgründen der spekulativen Vernunft, auf das Dasein eines höchsten Wesens zu schließen
Vierter Abschnitt Von der Unmöglichkeit eines ontologischen Beweises vom Dasein Gottes
Fünfter Abschnitt Von der Unmöglichkeit eines kosmologischen Beweises vom Dasein Gottes
Sechster Abschnitt Von der Unmöglichkeit des physikotheologischen Beweises
Siebenter Abschnitt Kritik aller Theologie aus spekulativen Prinzipien der Vernunft
Anhang zur transzendentalen Dialektik
II. Transzendentale Methodenlehre
Erstes Hauptstück Die Disziplin der reinen Vernunft
Erster Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft im dogmatischen Gebrauche
Zweiter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihres polemischen Gebrauchs
Dritter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung der Hypothesen
Vierter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihrer Beweise
Zweites Hauptstück Der Kanon der reinen Vernunft
Erster Abschnitt Von dem letzten Zwecke des reinen Gebrauchs unserer Vernunft
Zweiter Abschnitt Von dem Ideal des höchsten Guts, als einem Bestimmungsgrunde des letzten Zwecks der reinen Vernunft
Dritter Abschnitt Vom Meinen, Wissen und Glauben
Drittes Hauptstück Die Architektonik der reinen Vernunft
Viertes Hauptstück Die Geschichte der reinen Vernunft
Viertes Hauptstück Die Geschichte der reinen Vernunft
Sr. Exzellenz, dem Königl. Staatsminister
Freiherrn von Zedlitz

Gnädiger Herr!

Den Wachstum der Wissenschaften an seinem Teile befördern, heißt an Ew. Exzellenz eigenem Interesse arbeiten; denn dieses ist mit jenen, nicht bloß durch den erhabenen Posten eines Beschützers, sondern durch das viel vertrautere eines Liebhabers und erleuchteten Kenners, innigst verbunden. Deswegen bediene ich mich auch des einigen Mittels, das gewissermaßen in meinem Vermögen ist, meine Dankbarkeit für das gnädige Zutrauen zu bezeigen, womit Ew. Exzellenz mich beehren, als könnte ich zu dieser Absicht etwas beitragen.

Wen das spekulative Leben vergnügt, dem ist, unter mäßigen Wünschen, der Beifall eines aufgeklärten, gültigen Richters eine kräftige Aufmunterung zu Bemühungen, deren Nutzen groß, obzwar entfernt ist, und daher von gemeinen Augen gänzlich verkannt wird.

Einem Solchen und Dessen gnädigem Augenmerke widme ich nun diese Schrift und, Seinem Schutze, alle übrige Angelegenheit meiner literarischen Bestimmung, und bin mit der tiefsten Verehrung

Ew. Exzellenz untertänig gehorsamster Diener

Königsberg den 29sten März 1781

Immanuel Kant.

Vorrede

Inhaltsverzeichnis

Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: daß sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann; denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber auch nicht beantworten kann; denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft.

In diese Verlegenheit gerät sie ohne ihre Schuld. Sie fängt von Grundsätzen an, deren Gebrauch im Laufe der Erfahrung unvermeidlich und zugleich durch diese hinreichend bewährt ist. Mit diesem steigt sie (wie es auch ihre Natur mit sich bringt) immer höher, zu entfernteren Bedingungen. Da sie aber gewahr wird, daß auf diese Art ihr Geschäft jederzeit unvollendet bleiben müsse, weil die Fragen niemals aufhören, so sieht sie sich genötigt, zu Grundsätzen ihre Zuflucht zu nehmen, die allen möglichen Erfahrungsgebrauch überschreiten und gleichwohl so unverdächtig scheinen, daß auch die gemeine Menschenvernunft damit im Einverständnisse steht. Dadurch aber stürzt sie sich in Dunkelheit und Widersprüche, aus welchen sie zwar abnehmen kann, daß irgendwo verborgene Irrtümer zum Grunde liegen müssen, die sie aber nicht entdecken kann, weil die Grundsätze, deren die sich bedient, da sie über die Grenze aller Erfahrung hinausgehen, keinen Probierstein der Erfahrung mehr anerkennen. Der Kampfplatz dieser endlosen Streitigkeiten heißt nun Metaphysik.

Es war eine Zeit, in welcher sie die Königin aller Wissenschaften genannt wurde, und wenn man den Willen für die Tat nimmt, so verdiente sie, wegen der vorzüglichen Wichtigkeit ihres Gegenstandes, allerdings diesen Ehrennamen. Jetzt bringt es der Modeton des Zeitalters so mit sich, ihre alle Verachtung zu beweisen und die Matrone klagt, verstoßen und verlassen, wie Hecuba: modo maxima rerum, tot generis natisque potens – nunc trahor exul, inops – Ovid. Metam.

Anfänglich war ihre Herrschaft unter der Verwaltung der Dogmatiker, despotisch. Allein, weil die Gesetzgebung noch die Spur der alten Barbarei an sich hatte, so artete sie durch innere Kriege nach und nach in völlige Anarchie aus und die Skeptiker, eine Art Nomaden, die allen beständigen Anbau des Bodens verabscheuen, zertrennten von Zeit zu Zeit die bürgerliche Vereinigung. Da ihrer aber zum Glück nur wenige waren, so konnten sie nicht hindern, daß jene sie nicht immer aufs neue, obgleich nach keinem unter sich einstimmigen Plane, wieder anzubauen versuchten. In neueren Zeiten schien es zwar einmal, als sollte allen diesen Streitigkeiten durch eine gewisse Physiologie des menschlichen Verstandes (von dem berühmten Locke) ein Ende gemacht und die Rechtmäßigkeit jener Ansprüche völlig entschieden werden; es fand sich aber, daß, obgleich die Geburt jener vorgegebenen Königin aus dem Pöbel der gemeinen Erfahrung abgeleitet wurde und dadurch ihre Anmaßung mit Recht hätte verdächtig werden müssen, dennoch, weil diese Genealogie ihr in der Tat fälschlich angedichtet war, sie ihre Ansprüche noch immer behauptete, wodurch alles wiederum in den veralteten wurmstichigen Dogmatismus und daraus in die Geringschätzung verfiel, daraus man die Wissenschaft hatte ziehen wollen. Jetzt, nachdem alle Wege (wie man sich überredet) vergeblich versucht sind, herrscht Überdruß und gänzlicher Indifferentismus, die Mutter des Chaos und der Nacht, in Wissenschaften, aber doch zugleich der Ursprung, wenigstens das Vorspiel einer nahen Umschaffung und Aufklärung derselben, wenn sie durch übel angebrachten Fleiß dunkel, verwirrt und unbrauchbar geworden.

Es ist nämlich umsonst, Gleichgültigkeit in Ansehung solcher Nachforschungen erkünsteln zu wollen, deren Gegenstand der menschlichen Natur nicht gleichgültig sein kann. Auch fallen jene vorgeblichen Indifferentisten, so sehr sie sich auch durch die Veränderung der Schulsprache in einem populären Tone unkenntlich zu machen gedenken, wofern sie nur überall etwas denken, in metaphysische Behauptungen unvermeidlich zurück, gegen die sie doch so viel Verachtung vorgaben. Indessen ist diese Gleichgültigkeit, die sich mitten in dem Flor aller Wissenschaften ereignet und gerade diejenigen trifft, auf deren Kenntnisse, wenn dergleichen zu haben wären, man unter allen am wenigsten Verzicht tun würde, doch ein Phänomen, das Aufmerksamkeit und Nachsinnen verdient. Sie ist offenbar die Wirkung nicht des Leichtsinns, sondern der gereiften Urteilskraft1 des Zeitalters, welches sich nicht länger durch Scheinwissen hinhalten läßt und eine Aufforderung an die Vernunft, das beschwerlichste aller ihrer Geschäfte, nämlich das der Selbsterkenntnis aufs neue zu übernehmen und einen Gerichtshof einzusetzen, der sie bei ihren gerechten Ansprüchen sichere, dagegen aber alle grundlosen Anmaßungen, nicht durch Machtsprüche, sondern nach ihren ewigen und unwandelbaren Gesetzen, abfertigen könne, und dieser ist kein anderer als die Kritik der reinen Vernunft selbst.

Ich verstehe aber hierunter nicht eine Kritik der Bücher und Systeme, sondern die des Vernunftvermögens überhaupt, in Ansehung aller Erkenntnisse, zu denen sie, unabhängig von aller Erfahrung, streben mag, mithin die Entscheidung der Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Metaphysik überhaupt und die Bestimmung sowohl der Quellen, als des Umfanges und der Grenzen derselben, alles aber aus Prinzipien.

Diesen Weg, den einzigen, der übrig gelassen war, bin ich nun eingeschlagen und schmeichle mir, auf demselben die Abstellung aller Irrungen angetroffen zu haben, die bisher die Vernunft im erfahrungsfreien Gebrauche mit sich selbst entzweit hatten. Ich bin ihren Fragen nicht dadurch etwa ausgewichen, daß ich mich mit dem Unvermögen der menschlichen Vernunft entschuldigte; sondern ich habe sie nach Prinzipien vollständig spezifiziert und, nachdem ich den Punkt des Mißverstandes der Vernunft mit ihr selbst entdeckt hatte, sie zu ihrer völligen Befriedigung aufgelöst. Zwar ist die Beantwortung jener Fragen gar nicht so ausgefallen, als dogmatisch schwärmende Wißbegierde erwarten mochte; denn die könnte nicht anders als durch Zauberkräfte, darauf ich mich nicht verstehe, befriedigt werden. Allein, das war auch wohl nicht die Absicht der Naturbestimmung unserer Vernunft; und die Pflicht der Philosophie war: das Blendwerk, das aus Mißdeutung entsprang, aufzuheben, sollte auch noch soviel gepriesener und beliebter Wahn dabei zu nichte gehen. In dieser Beschäftigung habe ich Ausführlichkeit mein großes Augenmerk sein lassen und ich erkühne mich zu sagen, daß nicht eine einzige metaphysische Aufgabe sein müsse, die hier nicht aufgelöst, oder zu deren Auflösung nicht wenigstens der Schlüssel dargereicht worden. In der Tat ist auch reine Vernunft eine so vollkommene Einheit: daß, wenn das Prinzip derselben auch nur zu einer einzigen aller der Fragen, die ihr durch ihre eigene Natur aufgegeben sind, unzureichend wäre, man dieses immerhin nur wegwerfen könnte, weil es alsdann auch keiner der übrigen mit völliger Zuverlässigkeit gewachsen sein würde.

Ich glaube, indem ich dieses sage, in dem Gesichte des Lesers einen mit Verachtung gemischten Unwillen über, dem Anscheine nach, so ruhmredige und unbescheidene Ansprüche wahrzunehmen, und gleichwohl sind sie ohne Vergleichung gemäßigter, als die, eines jeden Verfassers des gemeinsten Programms, der darin etwa die einfache Natur der Seele, oder die Notwendigkeit eines ersten Weltanfanges zu beweisen vorgibt. Denn dieser macht sich anheischig, die menschliche Erkenntnis über alle Grenzen möglicher Erfahrung hinaus zu erweitern, wovon ich demütig gestehe: daß dieses mein Vermögen gänzlich übersteige, an dessen Statt ich es lediglich mit der Vernunft selbst und ihrem reinen Denken zu tun habe, nach deren ausführlicher Kenntnis ich nicht weit um mich suchen darf, weil ich sie in mir selbst antreffe und wovon mir auch schon die gemeine Logik ein Beispiel gibt, daß sich alle ihre einfachen Handlungen völlig und systematisch aufzählen lassen; nur daß hier die Frage aufgeworfen wird, wieviel ich mit derselben, wenn mir aller Stoff und Beistand der Erfahrung genommen wird, etwa auszurichten hoffen dürfe.

So viel von der Vollständigkeit in Erreichung eines jeden, und der Ausführlichkeit in Erreichung aller Zwecke zusammen, die nicht ein beliebiger Vorsatz, sondern die Natur der Erkenntnis selbst uns aufgibt, als der Materie unserer kritischen Untersuchung.

Noch sind Gewißheit und Deutlichkeit zwei Stücke, die die Form derselben betreffen, als wesentliche Forderungen anzusehen, die man an den Verfasser, der sich an eine so schlüpfrige Unternehmung wagt, mit Recht tun kann.

Was nun die Gewißheit betrifft, so habe ich mir selbst das Urteil gesprochen: daß es in dieser Art von Betrachtungen auf keine Weise erlaubt sei, zu meinen und daß alles, was darin einer Hypothese nur ähnlich sieht, verbotene Ware sei, die auch nicht für den geringsten Preis feil stehen darf, sondern sobald sie entdeckt wird, beschlagen werden muß. Denn das kündigt eine jede Erkenntnis, die a priori feststehen soll, selbst an, daß sie für schlechthin notwendig gehalten werden will, und eine Bestimmung aller reinen Erkenntnisse a priori noch vielmehr, die das Richtmaß, mithin selbst das Beispiel aller apodiktischen (philosophischen) Gewißheit sein soll. Ob ich nun das, wozu ich mich anheischig mache in diesem Stücke geleistet habe, das bleibt gänzlich dem Urteile des Lesers anheimgestellt, weil es dem Verfasser nur geziemt, Gründe vorzulegen, nicht aber über die Wirkung derselben bei seinen Richtern zu urteilen. Damit aber nicht etwas unschuldigerweise an der Schwächung derselben Ursache sei, so mag es ihm wohl erlaubt sein, diejenigen Stellen, die zu einigem Mißtrauen Anlaß geben könnten, ob sie gleich nur den Nebenzweck angehen, selbst anzumerken, um den Einfluß, den auch nur die mindeste Bedenklichkeit des Lesers in diesem Punkte auf sein Urteil, in Ansehung des Hauptzwecks, haben möchte, beizeiten abzuhalten.

Ich kenne keine Untersuchungen, die zur Ergründung des Vermögens, welches wir Verstand nennen, und zugleich zur Bestimmung der Regeln und Grenzen seines Gebrauchs, wichtiger wären, als die, welche ich in dem zweiten Hauptstücke der transszendentalen Analytik, unter dem Titel der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe, angestellt habe; auch haben sie mir die meiste, aber, wie ich hoffe, nicht unvergoltene Mühe, gekostet. Diese Betrachtung, die etwas tief angelegt ist, hat aber zwei Seiten. Die eine bezieht sich auf die Gegenstände des reinen Verstandes, und soll die objektive Gültigkeit seiner Begriffe a priori dartun und begreiflich machen; eben darum ist sie auch wesentlich zu meinen Zwecken gehörig. Die andere geht darauf aus, den reinen Verstand selbst, nach seiner Möglichkeit und den Erkenntniskräften, auf denen er selbst beruht, mithin ihn in subjektiver Beziehung zu betrachten und, obgleich diese Erörterung in Ansehung meiner Hauptzwecks von großer Wichtigkeit ist, so gehört sie doch nicht wesentlich zu demselben; weil die Hauptfrage immer bleibt, was und wie viel kann Verstand und Vernunft, frei von aller Erfahrung, erkennen und nicht, wie ist das Vermögen zu denken selbst möglich? Da das letztere gleichsam eine Aufsuchung der Ursache zu einer gegebenen Wirkung ist, und insofern etwas einer Hypothese Ähnliches an sich hat, (ob es gleich, wie ich bei anderer Gelegenheit zeigen werde, sich in der Tat nicht so verhält), so scheint es, als sei hier der Fall, da ich mir die Erlaubnis nehme, zu meinen, und dem Leser also auch freistehen müsse, anders zu meinen. In Betracht dessen muß ich dem Leser mit der Erinnerung zuvorkommen; daß, im Fall meine subjektive Deduktion nicht die ganze Überzeugung, die ich erwarte, bei ihm gewirkt hätte, doch die objektive, um die es mir hier vornehmlich zu tun ist, ihre ganze Stärke bekomme, wozu allenfalls dasjenige, was Seite 92 bis 93 gesagt wird, allein hinreichend, sein kann.

Was endlich die Deutlichkeit betrifft, so hat der Leser ein Recht, zuerst die diskursive (logische) Deutlichkeit, durch Begriffe, dann aber auch eine intuitive (ästhetische) Deutlichkeit, durch Anschauungen, d. i. Beispiele oder andere Erläuterungen in concreto zu fordern. Für die erste habe ich hinreichend gesorgt. Das betraf das Wesen meines Vorhabens, war aber auch die zufällige Ursache, daß ich der zweiten, obzwar nicht so strengen, aber doch billigen Forderung nicht habe Genüge leisten können. Ich bin fast beständig im Fortgange meiner Arbeit unschlüssig gewesen, wie ich es hiermit halten sollte. Beispiele und Erläuterungen schienen mir immer nötig und flossen daher auch wirklich im ersten Entwurfe an ihren Stellen gehörig ein. Ich sah aber die Größe meiner Aufgabe und die Menge der Gegenstände, womit ich es zu tun haben würde, gar bald ein und, da ich gewahr ward, daß diese ganz allein, im trockenen, bloß scholastischen Vortrage, das Werk schon genug ausdehnen würden, so fand ich es unratsam, es durch Beispiele und Erläuterungen, die nur in populärer Absicht notwendig sind, noch mehr anzuschwellen, zumal diese Arbeit keineswegs dem populären Gebrauche angemessen werden könnte und die eigentlichen Kenner der Wissenschaft diese Erleichterung nicht so nötig haben, ob sie zwar jederzeit angenehm ist, hier aber sogar etwas Zweckwidriges nach sich ziehen konnte. Abt Terrasson sagt zwar: wenn man die Größe eines Buchs nicht nach der Zahl der Blätter, sondern nach der Zeit mißt, die man nötig hat, es zu verstehen, so könne man von manchem Buche sagen: daß es viel kürzer sein würde, wenn es nicht so kurz wäre. Andererseits aber, wenn man auf die Faßlichkeit eines weitläufigen, dennoch aber in einem Prinzip zusammenhängenden Ganzen spekulativer Erkenntnis seine Absicht richtet, könnte man mit eben so gutem Rechte sagen: manches Buch wäre viel deutlicher geworden, wenn es nicht so gar deutlich hätte werden sollen. Denn die Hülfsmittel der Deutlichkeit fehlen zwar in Teilen, zerstreuen aber öfters im Ganzen, indem sie den Leser nicht schnell genug zur Überschauung des Ganzen gelangen lassen und durch alle ihre hellen Farben gleichwohl die Artikulation, oder den Gliederbau des Systems verkleben und unkenntlich machen, auf den es doch, um über die Einheit und Tüchtigkeit desselben urteilen zu können, am meisten ankommt.

Es kann, wie mich dünkt, dem Leser zu nicht geringer Anlockung dienen, seine Bemühung mit der des Verfassers, zu vereinigen, wenn er die Aussicht hat, ein großes und wichtiges Werk, nach dem vorgelegten Entwurfe, ganz und doch dauerhaft zu vollführen. Nun ist Metaphysik, nach den Begriffen, die wir hier davon geben werden, die einzige aller Wissenschaften, die sich eine solche Vollendung und zwar in kurzer Zeit, und mit nur weniger, aber vereinigter Bemühung, versprechen darf, so daß nichts für die Nachkommenschaft übrig bleibt, als in der didaktischen Manier alles nach ihren Absichten einzurichten, ohne darum den Inhalt im mindesten vermehren zu können. Denn es ist nichts als das Inventarium aller unserer Besitze durch reine Vernunft, systematisch geordnet. Es kann uns hier nichts entgehen, weil, was Vernunft gänzlich aus sich selbst hervorbringt, sich nicht verstecken kann, sondern selbst durch Vernunft ans Licht gebracht wird, sobald man nur das gemeinschaftliche Prinzip desselben entdeckt hat. Die vollkommene Einheit dieser Art Erkenntnisse, und zwar aus lauter reinen Begriffen, ohne daß irgend etwas von Erfahrung, oder auch nur besondere Anschauung, die zur bestimmten Erfahrung leiten sollte, auf sie einigen Einfluß haben kann, sie zu erweitern und zu vermehren, machen diese unbedingte Vollständigkeit nicht allein tunlich, sondern auch notwendig. Tecum habita et noris, quam sit tibi curta supellex. Persius.

Ein solches System der reinen (spekulativen) Vernunft hoffe ich unter dem Titel: Metaphysik der Natur, selbst zu liefern, welches, bei noch nicht der Hälfte der Weitläufigkeit, dennoch ungleich reicheren Inhalt haben soll, als hier die Kritik, die zuvörderst die Qellen und Bedingungen ihrer Möglichkeit darlegen mußte, und einen ganz verwachsenen Boden zu reinigen und zu ebnen nötig hatte. Hier erwarte ich an meinem Leser die Geduld und Unparteilichkeit eines Richters, dort aber die Willfähigkeit und den Beistand eines Mithelfers; denn, so vollständig auch alle Prinzipien zu dem System in der Kritik vorgetragen sind, so gehört zur Ausführlichkeit des Systems selbst doch noch, daß es auch an keinen abgeleiteten Begriffen mangle, die man a priori nicht in Überschlag bringen kann, sondern die nach und nach aufgesucht werden müssen, imgleichen, da dort die ganze Synthesis der Begriffe erschöpft wurde, so wird überdem hier gefordert, daß eben dasselbe auch in Ansehung der Analysis geschehe, welches alles leicht und mehr Unterhaltung als Arbeit ist.

Ich habe nur noch einiges in Ansehung des Drucks anzumerken. Da der Anfang desselben etwas verspätet war, so konnte ich nur etwa die Hälfte der Aushängebogen zu sehen bekommen, in denen ich zwar einige, den Sinn aber nicht verwirrende Druckfehler antreffe, außer demjenigen, der S. 379, Zeile 4 von unten vorkommt, da spezifisch anstatt skeptisch gelesen werden muß. Die Antinomie der reinen Vernunft, von Seite 425 bis 461, ist so, nach Art einer Tafel, angestellt, daß alles, was zur Thesis gehört, auf der linken, was aber zur Antithesis gehört, auf der rechten Seite immer fortläuft, welches ich darum so anordnete, damit Satz und Gegensatz desto leichter miteinander verglichen werden könnte.

1 Man hört hin und wieder Klagen über Seichtigkeit der Denkungsart unserer Zeit und den Verfall gründlicher Wissenschaft. Allein ich sehe nicht, daß die, deren Grund gut gelegt ist, als Mathematik, Naturlehre usw. diesen Vorwurf im mindesten verdienen, sondern vielmehr den alten Ruhm der Gründlichkeit behaupten, in der letzteren aber sogar übertreffen. Eben derselbe Geist würde sich nun auch in anderen Arten von Erkenntnis wirksam beweisen, wäre nur allererst für die Berichtigung ihrer Prinzipien gesorgt worden. In Ermanglung derselben sind Gleichgültigkeit und Zweifel und endlich, strenge Kritik, vielmehr Beweise einer gründlichen Denkungsart. Unser Zeitalter ist das eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen muß. Religion, durch ihre Heiligkeit, und Gesetzgebung durch ihre Majestät, wollen sich gemeiniglich derselben entziehen. Aber alsdann erregen sie gerechten Verdacht wider sich und können auf unverstellte Achtung nicht Anspruch machen, die die Vernunft nur demjenigen bewilligt, was ihre freie und öffentliche Prüfung hat aushalten können.

Einleitung

Inhaltsverzeichnis

I. Idee der Transzendental-Philosophie

Inhaltsverzeichnis

Erfahrung ist ohne Zweifel das erste Produkt, welches unser Verstand hervorbringt, indem er den rohen Stoff sinnlicher Empfindungen bearbeitet. Sie ist eben dadurch die erste Belehrung und im Fortgange so unerschöpflich an neuem Unterricht, daß das zusammengekettete Leben aller künftigen Zeugungen an neuen Kenntnissen, die auf diesem Boden gesammelt werden können, niemals Mangel haben wird. Gleichwohl ist sie bei weitem nicht das einzige Feld, darin sich unser Verstand einschränken läßt. Sie sagt uns zwar, was da sei, aber nicht, daß es notwendigerweise, so und nicht anders, sein müsse. Eben darum gibt sie uns auch keine wahre Allgemeinheit, und die Vernunft, welche nach dieser Art von Erkenntnissen so begierig ist, wird durch sie mehr gereizt, als befriedigt. Solche allgemeine Erkenntnisse nun, die zugleich den Charakter der innern Notwendigkeit haben, müssen, von der Erfahrung unabhängig, vor sich selbst klar und gewiß sein; man nennt sie daher Erkenntnisse a priori: da im Gegenteil das, was lediglich von der Erfahrung erborgt ist, wie man sich ausdrückt, nur a posteriori, oder empirisch erkannt wird.

Nun zeigt es sich, welches überaus merkwürdig ist, daß selbst unter unsere Erfahrungen sich Erkenntnisse mengen, die ihren Ursprung a priori haben müssen und die vielleicht nur dazu dienen, um unsern Vorstellungen der Sinne Zusammenhang zu verschaffen. Denn wenn man aus den ersteren auch alles wegschafft, was den Sinnen angehört, so bleiben dennoch gewisse ursprüngliche Begriffe und aus ihnen erzeugte Urteile übrig, die gänzlich a priori, unabhängig von der Erfahrung entstanden sein müssen, weil sie machen, daß man von den Gegenständen, die den Sinnen erscheinen, mehr sagen kann, wenigstens es sagen zu können glaubt, als bloße Erfahrung lehren würde, und daß Behauptungen wahre Allgemeinheit und strenge Notwendigkeit enthalten, dergleichen die bloß empirische Erkenntnis nicht liefern kann.

Was aber noch weit mehr sagen will ist dieses, daß gewisse Erkenntnisse sogar das Feld aller möglichen Erfahrungen verlassen, und durch Begriffe, denen überall kein entsprechender Gegenstand in der Erfahrung gegeben werden kann, den Umfang unserer Urteile über alle Grenzen derselben zu erweitern den Anschein haben.

Und gerade in diesen letzteren Erkenntnissen, welche über die Sinnenwelt hinausgehen, wo Erfahrung gar keinen Leitfaden noch Berichtigung geben kann, liegen die Nachforschungen unserer Vernunft die wir der Wichtigkeit nach für weit vorzüglicher, und ihre Endabsicht für viel erhabener halten, als alles, was der Verstand im Felde der Erscheinungen lernen kann, wobei wir, sogar auf die Gefahr zu irren, eher alles wagen, als daß wir so angelegene Untersuchungen aus irgendeinem Grunde der Bedenklichkeit, oder aus Geringschätzung und Gleichgültigkeit aufgeben sollten.

Nun scheint es zwar natürlich, daß, sobald man den Boden der Erfahrung verlassen hat, man doch nicht mit Erkenntnissen, die man besitzt, ohne zu wissen woher, und auf den Kredit der Grundsätze, deren Ursprung man nicht kennt, sofort ein Gebäude errichten werde, ohne der Grundlegung desselben durch sorgfältige Untersuchungen vorher versichert zu sein, daß man also die Frage vorlängst werde aufgeworfen haben, wie denn der Verstand zu allen diesen Erkenntnissen a priori kommen könne, und welchen Umfang, Gültigkeit und Wert sie haben mögen. In der Tat ist auch nichts natürlicher, wenn man unter diesem Wort das versteht, was billiger- und vernünftigerweise geschehen sollte; versteht man aber darunter das, was gewöhnlichermaßen geschieht, so ist hinwiederum nichts natürlicher und begreiflicher, als daß diese Untersuchung lange Zeit unterbleiben mußte. Denn ein Teil dieser Erkenntnisse, die mathematischen, ist im alten Besitze der Zuverlässigkeit, und gibt dadurch eine günstige Erwartung auch für andere, ob diese gleich von ganz verschiedener Natur sein mögen. Überdem, wenn man über den Kreis der Erfahrung hinaus ist, so ist man sicher, durch Erfahrung nicht widersprochen zu werden. Der Reiz, seine Erkenntnisse zu erweitern, ist so groß, daß man nur durch einen klaren Widerspruch, auf den man stößt, in seinem Fortschritte aufgehalten werden kann. Dieser aber kann vermieden werden, wenn man seine Erdichtungen behutsam macht, ohne daß sie deswegen weniger Erdichtungen bleiben. Die Mathematik gibt uns ein glänzendes Beispiel, wie weit wir es unabhängig von der Erfahrung in der Erkenntnis a priori bringen können. Nun beschäftigt sie sich zwar mit Gegenständen und Erkenntnissen, bloß so weit als sich solche in der Anschauung darstellen lassen. Aber dieser Umstand wird leicht übersehen, weil gedachte Anschauung selbst a priori gegeben werden kann, mithin von einem bloßen reinen Begriff kaum unterschieden wird. Durch einen solchen Beweis von der Macht der Vernunft aufgemuntert, sieht der Trieb zur Erweiterung keine Grenzen. Die leichte Taube, indem sie im freien Fluge die Luft teilt, deren Widerstand sie fühlt, könnte die Vorstellung fassen, daß es ihr im luftleeren Raum noch viel besser gelingen werde. Ebenso verließ Plato die Sinnenwelt, weil sie dem Verstande so vielfältige Hindernisse legt, und wagte sich jenseit derselben auf den Flügeln der Ideen, in den leeren Raum des reinen Verstandes. Er bemerkte nicht, daß er durch seine Bemühungen keinen Weg gewönne, denn er hatte keinen Widerhalt, gleichsam zur Unterlage, worauf er sich steifen, und woran er seine Kräfte anwenden konnte, um den Verstand von der Stelle zu bringen. Es ist aber ein gewöhnliches Schicksal der menschlichen Vernunft in der Spekulation ihr Gebäude so früh, wie möglich, fertigzumachen, und hintennach allererst zu untersuchen, ob auch der Grund dazu gut gelegt sei. Alsdann aber werden allerlei Beschönigungen herbeigesucht, um uns wegen dessen Tüchtigkeit zu trösten, oder eine solche späte und gefährliche Prüfung abzuweisen. Was uns aber während dem Bauen von aller Besorgnis und Verdacht freihält, und mit scheinbarer Gründlichkeit schmeichelt, ist dieses. Ein großer Teil, und vielleicht der größte, von dem Geschäfte unserer Vernunft besteht in Zergliederungen der Begriffe, die wir schon von Gegenständen haben. Dieses liefert uns eine Menge von Erkenntnissen, die, ob sie gleich nichts weiter als Aufklärungen oder Erläuterungen desjenigen sind, was in unsern Begriffen, (wiewohl noch auf verworrene Art) schon gedacht worden, doch wenigstens der Form nach neuen Einsichten gleich geschätzt werden, wiewohl sie der Materie oder dem Inhalte nach die Begriffe, die wir haben, nicht erweitern, sondern nur auseinander setzen. Da dieses Verfahren nun eine wirkliche Erkenntnis a priori gibt, die einen sichern und nützlichen Fortgang hat, so erschleicht die Vernunft, ohne es selbst zu merken, unter dieser Vorspiegelung Behauptungen von ganz anderer Art, wo die Vernunft zu gegebenen Begriffen a priori ganz fremde hinzutut, ohne daß man weiß, wie sie dazu gelangen und ohne sich diese Frage auch nur in die Gedanken kommen zu lassen. Ich will daher gleich anfangs von dem Unterschiede dieser zweifachen Erkenntnisart handeln.

Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer Urteile

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In allen Urteilen, worinnen das Verhältnis eines Subjekts zum Prädikat gedacht wird, (wenn ich nur die bejahenden erwäge: denn auf die verneinenden ist die Anwendung leicht) ist dieses Verhältnis auf zweierlei Art möglich. Entweder das Prädikat B gehört zum Subjekt A als etwas, was in diesem Begriffe A (versteckterweise) enthalten ist; oder B liegt ganz außer dem Begriff A, ob es zwar mit demselben in Verknüpfung steht. Im ersten Fall nenne ich das Urteil analytisch, im andern synthetisch. Analytische Urteile (die bejahenden) sind also diejenigen, in welchen die Verknüpfung des Prädikats mit dem Subjekt durch Identität, diejenigen aber, in denen diese Verknüpfung ohne Identität gedacht wird, sollen synthetische Urteile heißen. Die ersteren könnte man auch Erläuterungs-, die anderen Erweiterungs-Urteile heißen, weil jene durch das Prädikat nichts zum Begriff des Subjekts hinzutun, sondern diesen nur durch Zergliederung in seine Teilbegriffe zerfällen, die in selbigen schon, (obschon verworren) gedacht waren: dahingegen die letzteren zu dem Begriffe des Subjekts ein Prädikat hinzutun, welches in jenem gar nicht gedacht war, und durch keine Zergliederung desselben hätte können herausgezogen werden, z. B. wenn ich sage: alle Körper sind ausgedehnt, so ist dies ein analytisch Urteil. Denn ich darf nicht aus dem Begriffe, den ich mit dem Wort Körper verbinde, hinausgehen, um die Ausdehnung als mit demselben verknüpft zu finden, sondern jenen Begriff nur zergliedern, d. i. des Mannigfaltigen, welches ich jederzeit in ihm denke, nur bewußt werden, um dieses Prädikat darin anzutreffen; es ist also ein analytisches Urteil. Dagegen, wenn ich sage: alle Körper sind schwer, so ist das Prädikat etwas ganz anderes, als das, was ich in dem bloßen Begriff eines Körpers überhaupt denke. Die Hinzufügung eines solchen Prädikats gibt also ein synthetisch Urteil.

Nun ist hieraus klar: 1. daß durch analytische Urteile unsere Erkenntnis gar nicht erweitert werde, sondern der Begriff, den ich schon habe, auseinandergesetzt, und mir selbst verständlich gemacht werde; 2. daß bei synthetischen Urteilen ich außer dem Begriffe des Subjekts noch etwas anderes (X) haben müsse, worauf sich der Verstand stützt, um ein Prädikat, das in jenem Begriffe nicht liegt, doch als dazu gehörig zu erkennen.

Bei empirischen oder Erfahrungsurteilen hat es hiermit gar keine Schwierigkeit. Denn dieses X ist die vollständige Erfahrung von dem Gegenstande, den ich durch einen Begriff A denke, welcher nur einen Teil dieser Erfahrung ausmacht. Denn ob ich schon in dem Begriff eines Körpers überhaupt das Prädikat der Schwere gar nicht einschließe, so bezeichnet er doch die vollständige Erfahrung durch einen Teil derselben, zu welchem also ich noch andere Teile eben derselben Erfahrung, als zu dem ersteren gehörig, hinzufügen kann. Ich kann den Begriff des Körpers vorher analytisch durch die Merkmale der Ausdehnung, der Undurchdringlichkeit, der Gestalt usw., die alle in diesem Begriff gedacht werden, erkennen. Nun erweitere ich aber meine Erkenntnis, und, indem ich auf die Erfahrung zurücksehe, von welcher ich diesen Begriff des Körpers abgezogen hatte, so finde ich mit obigen Merkmalen auch die Schwere jederzeit verknüpft. Es ist also die Erfahrung jenes X, was außer dem Begriffe A liegt, und worauf sich die Möglichkeit der Synthesis des Prädikats der Schwere B mit dem Begriffe A gründet.

Aber bei synthetischen Urteilen a priori fehlt dieses Hilfsmittel ganz und gar. Wenn ich außer dem Begriffe A hinausgehen soll, um einen andern B, als damit verbunden zu erkennen, was ist das, worauf ich mich stütze, und wodurch die Synthesis möglich wird, da ich hier den Vorteil nicht habe, mich im Felde der Erfahrung danach umzusehen? Man nehme den Satz: Alles, was geschieht, hat seine Ursache. In dem Begriff von etwas, das geschieht, denke ich zwar ein Dasein, vor welchem eine Zeit vorhergeht usw. und daraus lassen sich analytische Urteile ziehen. Aber der Begriff einer Ursache zeigt etwas von dem, was geschieht, Verschiedenes an, und ist in dieser letzteren Vorstellung gar nicht mit enthalten. Wie komme ich denn dazu, von dem, was überhaupt geschieht, etwas davon ganz Verschiedenes zu sagen, und den Begriff der Ursachen, obzwar in jenen nicht enthalten, dennoch, als dazu gehörig, zu erkennen. Was ist hier das X, worauf sich der Verstand stützt, wenn er außer dem Begriff von A ein demselben fremdes Prädikat aufzufinden glaubt, das gleichwohl damit verknüpft sei. Erfahrung kann es nicht sein, weil der angeführte Grundsatz nicht allein mit größerer Allgemeinheit, als die Erfahrung verschaffen kann, sondern auch mit dem Ausdruck der Notwendigkeit, mithin gänzlich a priori und aus bloßen Begriffen diese zweite Vorstellungen zu der ersteren hinzufügt. Nun beruht auf solchen synthetischen d. i. Erweiterungs-Grundsätzen die ganze Endabsicht unserer spekulativen Erkenntnis a priori; denn die analytischen sind zwar höchst wichtig und nötig, aber nur um zu derjenigen Deutlichkeit der Begriffe zu gelangen, die zu einer sicheren und ausgebreiteten Synthesis, als zu einem wirklich neuen Anbau, erforderlich ist.

Es liegt also hier ein gewisses Geheimnis verborgen1, dessen Aufschluß allein den Fortschritt in dem grenzenlosen Felde der reinen Verstandeserkenntnis sicher und zuverlässig machen kann: nämlich mit gehöriger Allgemeinheit den Grund der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori aufzudecken, die Bedingungen, die eine jede Art derselben möglich machen, einzusehen, und diese ganze Erkenntnis (die ihre eigene Gattung ausmacht) in einem System nach ihren ursprünglichen Quellen, Abteilungen, Umfang und Grenzen, nicht durch einen flüchtigen Umkreis zu bezeichnen, sondern vollständig und zu jedem Gebrauch hinreichend zu bestimmen. Soviel vorläufig von dem Eigentümlichen, was die synthetischen Urteile an sich haben.

Aus diesem allen ergibt sich nun die Idee einer besondern Wissenschaft, die zur Kritik der reinen Vernunft dienen könne. Es heißt aber jede Erkenntnis rein, die mit nichts Fremdartigen vermischt ist. Besonders aber wird eine Erkenntnis schlechthin rein genannt, in die sich überhaupt keine Erfahrung oder Empfindung einmischt, welche mithin völlig a priori möglich ist. Nun ist Vernunft das Vermögen, welches die Prinzipien der Erkenntnis a priori an die Hand gibt. Daher ist reine Vernunft diejenige, welche die Prinzipien etwas schlechthin a priori zu erkennen, enthält. Ein Organon der reinen Vernunft würde ein Inbegriff derjenigen Prinzipien sein, nach denen alle reinen Erkenntnisse a priori können erworben und wirklich zustande gebracht werden. Die ausführliche Anwendung eines solchen Organon würde ein System der reinen Vernunft verschaffen. Da dieses aber sehr viel verlangt ist, und es noch dahin steht, ob auch überhaupt eine solche Erweiterung unserer Erkenntnis, und in welchen Fällen sie möglich sei; so können wir eine Wissenschaft der bloßen Beurteilung der reinen Vernunft, ihrer Quellen und Grenzen, als die Propädeutik zum System der reinen Vernunft ansehen. Eine solche würde nicht eine Doktrin, sondern nur Kritik der reinen Vernunft heißen müssen, und ihr Nutzen würde wirklich nur negativ sein, nicht zur Erweiterung, sondern nur zur Läuterung unserer Vernunft dienen, und sie von Irrtümern frei halten, welches schon sehr viel gewonnen ist. Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit unsern Begriffen a priori von Gegenständen überhaupt beschäftigt. Ein System solcher Begriffe würde Transzendental-Philosophie heißen. Diese ist aber wiederum für den Anfang zu viel. Denn weil eine solche Wissenschaft sowohl die analytische Erkenntnis, als die synthetische a priori vollständig enthalten müßte, so ist sie, insofern es unsere Absicht betrifft, von zu weitem Umfange, indem wir die Analysis nur so weit treiben dürfen, als sie unentbehrlich nötig ist, um die Prinzipien der Synthesis a priori, als warum es uns nur zu tun ist, in ihrem ganzen Umfange einzusehen. Diese Untersuchung, die wir eigentlich nicht Doktrin, sondern nur transzendentale Kritik nennen können, weil sie nicht die Erweiterung der Erkenntnisse selbst, sondern nur die Berichtigung derselben zur Absicht hat, und den Probierstein des Werts oder Unwerts aller Erkenntnisse a priori abgeben soll, ist das, womit wir uns jetzt beschäftigen. Eine solche Kritik ist demnach eine Vorbereitung, wo möglich, zu einem Organon, und, wenn dieses nicht gelingen sollte, wenigstens zu einem Kanon derselben, nach welchen allenfalls dereinst das vollständige System der Philosophie der reinen Vernunft, es mag nun in Erweiterung oder bloßer Begrenzung ihrer Erkenntnis bestehen, sowohl analytisch, als synthetisch dargestellt werden könnte. Denn daß dieses möglich sei, ja daß ein solches System von nicht gar großem Umfange sein könne, um zu hoffen, es ganz zu vollenden, läßt sich schon zum voraus daraus ermessen, daß hier nicht die Natur der Dinge, welche unerschöpflich ist, sondern der Verstand, der über die Natur der Dinge urteilt, und auch dieser wiederum nur in Ansehung seiner Erkenntnis a priori den Gegenstand ausmacht, dessen Vorrat, weil wir ihn doch nicht auswärtig suchen dürfen, uns nicht verborgen bleiben kann, und allem Vermuten nach klein genug ist, um vollständig aufgenommen, nach seinem Werte oder Unwerte beurteilt und unter richtige Schätzung gebracht zu werden.

II. Einteilung der Transzendental-Philosophie

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