Du machst den Unterschied - Max Lucado - E-Book

Du machst den Unterschied E-Book

Max Lucado

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Beschreibung

Sie haben nicht darum gebeten, aber Sie haben eines. Einen ersten Tag. Einen letzten Tag. Und ein paar Tausend dazwischen. Sie haben ein waschechtes menschliches Leben bekommen. Und es rast vorbei. Wenn Sie und ich nicht aufpassen, werden wir irgendwann feststellen, dass wir unsere Chance, das Leben zu gestalten, verpasst haben. Das Leben nur mehr oder weniger im Griff zu haben, ist zu wenig. Sie wollen mehr. Sie wollen, dass Ihr Leben Spuren hinterlässt. Sie wollen so leben, dass Ihre Mitmenschen einmal froh darüber sind, dass Sie so und nicht anders gelebt haben. Doch wie sollen Sie das schaffen? Wie soll ich das schaffen? Kann Gott uns überhaupt gebrauchen? Die Antwort ist: Er kann. Halten Sie sich das Buch doch mal ans Ohr, und lauschen Sie, wie Gott in die Ecken und Winkel dieser Welt vordringt. Lassen Sie sich von einem Leben, das Spuren hinterlässt, anstecken. Sie machen den Unterschied! Mit Diskussionsleitfaden für Kleingruppen.

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Seitenzahl: 224

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Über den Autor

Max Lucado ist Pastor der Oak Hills Church in San Antonio, Texas. Er ist verheiratet, Vater von drei Töchtern und Autor mehrerer Bücher. Die Zeitschrift Christianity Today zählt ihn zu den bekanntesten christlichen Autoren Amerikas. Tatsächlich erreichten seine Bücher bisher eine Gesamtauflage von über 50 Millionen Exemplaren und gewannen einige Preise.

Seit 1991 ist Max Lucado auch im Hörfunk engagiert. Die Radiosendung „Upwords“, in der er jede Woche mit aktuellen Kurzpredigten zu hören ist, kann man auf über 1.200 Radiostationen rund um die Welt empfangen.

Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links nur bis zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags für externe Links ist stets ausgeschlossen.

Das amerikanische Original erschien im Verlag

Thomas Nelson, Nashville, Tennessee, unter dem Titel „Outlive your Life“.

All Rights Reserved. This Licensed Work published under license.

© 2010 by Max Lucado

© 2012 der deutschen Ausgabe by Gerth Medien GmbH, Asslar,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Die Bibelzitate wurden, sofern nicht anders angegeben, der folgenden Übersetzung entnommen: Hoffnung für alle, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica Inc.. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Brunnen Verlags.

Alle weiteren Rechte weltweit vorbehalten.

Weitere verwendete Bibelausgaben:

Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung. © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (GN)

Luther, revidierte Fassung von 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.

© 1984 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (LÜ)

Neues Leben. Die Bibel. © 2002 und 2006 SCM R. Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten (NL)

Neue Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen.

Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Alle Rechte vorbehalten. (NGÜ)

Willkommen daheim. © 2009 by Gerth Medien GmbH, Asslar, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München (WD)

ISBN 978-3-96122-323-7

Umschlaggestaltung: Michael Wenserit; James W. Hall, JWH Graphic Arts

Umschlagfoto: Steve Gardner, PixelworksStudios

Satz: Marcellini Media GmbH, Wetzlar

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel GmbH, Köln

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages.

Denalyn und ich möchten dieses Buch

meiner Schwester und meinem Schwager

Jacquelyn und Ken Wallace widmen.

Es mag warmherzigere Menschen geben –

aber nicht diesseits des Himmels.

Wir lieben euch.

Inhalt

Auf der Suche nach Vater Benjamin

Eine Erzählung

Kapitel 1

Eine einmalige Gelegenheit

Kapitel 2

Ganz gewöhnliche Menschen sind gefragt

Kapitel 3

Lassen Sie Gott Ihren Panzer aufbrechen

Kapitel 4

Vergessen Sie das Brot nicht

Kapitel 5

Im Team arbeiten

Kapitel 6

Öffnen Sie Ihre Tür, öffnen Sie Ihr Herz

Kapitel 7

Die Not sehen, den Schmerz lindern

Kapitel 8

Verfolgung: Sich darauf einstellen, standhaft bleiben

Kapitel 9

Gutes tun – in aller Stille

Kapitel 10

Für die Habenichtse eintreten

Kapitel 11

Eine gesunde Selbsteinschätzung

Kapitel 12

Ein paar Mauern sprengen

Kapitel 13

Schreiben Sie niemanden ab

Kapitel 14

Lassen Sie das hohe Ross im Stall

Kapitel 15

Beten, beten und nochmals beten

Kapitel 16

Der da mit der Geige, das ist Jesus

Werden Sie ein kleiner Held.

Danksagungen

Anmerkungen

Auf der Suche nach Vater Benjamin

Ungünstige Winde drängen das Schiff vom Kurs ab und dabei entdecken die Segler bislang unerforschte Inseln. Ein halbes Dutzend Berge erhebt sich aus den blauen Wassern der Südsee. Der Kapitän gibt Befehl, Anker zu werfen, und lässt sich an Land rudern. Er ist ein kräftiger Mann mit breiter Brust, Vollbart und großer Entdeckerlust.

Auf der ersten Insel begegnet ihm nichts als Traurigkeit. Unterernährte Kinder. Verfeindete Stämme. Keinerlei Landwirtschaft, keine medizinische Versorgung für die Kranken, keine Schulen. Nur einfache Menschen, die kaum das Nötigste zum Leben haben.

Auf der zweiten und den nachfolgenden Inseln bietet sich ihm das gleiche Bild. Dem Kapitän tut der Anblick in der Seele weh. „Das ist doch kein Leben!“ Aber was soll er tun?

Dann betritt er die letzte und größte Insel. Die Menschen dort sind gesund und gut ernährt. Die Felder werden künstlich bewässert und die Dörfer sind durch Straßen miteinander verbunden. Die Kinder haben leuchtende Augen und sind kräftig. Der Kapitän bittet den Stammesältesten um eine Erklärung. Wie kommt es, dass diese Insel den anderen so weit voraus ist?

Der Stammesälteste, der von etwas kleinerer Statur ist als der Kapitän, diesem aber an Selbstbewusstsein in nichts nachsteht, antwortet ohne zu zögern: „Vater Benjamin. Er hat uns alles gelehrt, von der Landwirtschaft bis zur Gesundheitsaufklärung. Er hat Schulen und Krankenhäuser gebaut und Brunnen gebohrt.“

Der Kapitän fragt: „Darf ich ihn kennenlernen?“

Der Stammesälteste nickt und bedeutet zwei Männern, ihn zu begleiten. Sie führen den Kapitän über einen bewaldeten Gebirgsrücken zu einem schlichten, großräumigen Krankenhaus. Dort gibt es saubere Betten und ausgebildetes Personal. Sie zeigen dem Kapitän die mit Medikamenten gefüllten Regale und stellen ihm die Mitarbeiter vor.

Der Kapitän ist zwar beeindruckt, doch von Vater Benjamin keine Spur. Er wiederholt seine Bitte: „Ich würde gerne Vater Benjamin kennenlernen. Können Sie mich zu seinem Wohnort bringen?“

Die drei Einheimischen sehen verwirrt aus. Sie beraten sich untereinander. Nach ein paar Minuten schlägt der Stammesälteste vor: „Folgen Sie uns zur anderen Seite der Insel.“ Sie gehen an der Küste entlang, bis sie zu einer Anlage von Fischteichen gelangen. Die Teiche sind über Kanäle mit dem Ozean verbunden. Mit steigender Flut werden die Fische in die Teiche gespült. Dann lassen die Insulaner Kanalwehre herunter und fangen so die Fische.

Wieder ist der Kapitän erstaunt. Er trifft Fischer und Arbeiter und Wehrwärter und Netzeauswerfer. Aber Vater Benjamin sieht er nicht. Er fragt sich, ob er sich vielleicht nicht verständlich genug ausgedrückt hat.

„Ich kann Vater Benjamin nirgends entdecken. Bitte bringt mich zu ihm.“

Das Trio bespricht sich wieder. Nach einer kurzen Diskussion bietet der Stammesälteste an: „Lasst uns auf den Berg steigen.“ Sie führen den Kapitän einen steilen, schmalen Pfad hinauf. Nach vielen Biegungen führt der Pfad sie schließlich zu einer grasbedeckten Kapelle. Die Stimme des Ältesten ist sanft und feierlich. „Er hat uns von Gott erzählt.“ Er begleitet den Kapitän ins Innere und zeigt ihm den Altar, ein großes Holzkreuz, etliche Bankreihen und eine Bibel.

„Wohnt Vater Benjamin hier?“, fragt der Kapitän.

Die Männer nicken und lächeln.

„Kann ich ihn sprechen?“

Die Gesichter werden plötzlich ernst. „Oh, das ist unmöglich.“

„Warum?“

„Er ist schon vor vielen Jahren verstorben.“

Der verblüffte Kapitän starrt die Männer an. „Ich bat darum, ihn zu sehen, und ihr habt mir ein Krankenhaus, eine Fischfangstation und eine Kapelle gezeigt. Von seinem Tod war nie die Rede.“

„Sie haben nicht nach seinem Tod gefragt“, erklärte der Stammesälteste. „Sie wollten sehen, wo er lebt. Und genau das haben wir Ihnen gezeigt.“

Kapitel 1

Eine einmalige Gelegenheit

Als Sie wussten, wie man es nennt, steckten Sie schon bis über beide Ohren drin. Tapsend und brabbelnd, an Buntstiften kauend, mit Spielzeugautos spielend, glucksend und giggelnd hatten Sie die Windeln hinter sich gelassen und kamen in der Kindheit an.

Sie hatten festgestellt, dass Jungs keine Mädchen sind und Hunde keine Katzen und dass Spinat nicht an Pizza herankommt. Und dann, irgendwann zwischendurch, traf die Erkenntnis Sie mit voller Wucht. Vielleicht bei der Beerdigung Ihres Großvaters. Vielleicht, als Sie Ihrem Bruder nachwinkten, der von zu Hause auszog. Sie erkannten, dass es im Leben nicht nur um Eisessen, Hausaufgaben und Pickel geht.

Und in Ihrem Leben gibt es Sommer und fröhliche Lieder, aber auch graue Himmel und Tränen. Sie haben nicht darum gebeten, aber Sie haben eines. Einen ersten Tag. Einen letzten Tag. Und ein paar Tausend dazwischen. Sie haben ein waschechtes menschliches Leben bekommen.

Sie haben Ihr spezielles Leben bekommen. Niemand sonst hat Ihre Ausgabe. Sie werden niemals zufällig sich selbst auf der Straße treffen. Sie werden niemals jemandem begegnen, der genau dieselbe Mischung aus Vorfahren, Vorlieben und Vorhaben hat. Ihr Leben wird niemals von jemand anderem gelebt werden. Sie sind kein Mantel auf einem Dachboden, der nach Ihrem Ableben weiterverwendet werden kann.

Und wer hat aufs Gaspedal gedrückt? Kaum ist ein Tag vorbei, voilà, da kommt schon der nächste. Die Vergangenheit ist vergangen und die guten alten Zeiten sind genau das: alte Zeiten, der Stoff für Erinnerungsalben, das, was man im Rückspiegel sieht. Das Leben rast vorbei, und wenn Sie und ich nicht aufpassen, werden wir uns eines Tages umsehen und feststellen, dass wir unsere Chance, das Leben zu gestalten, bereits verpasst haben.

Es gibt Menschen, die sich über so etwas nicht den Kopf zerbrechen. Sie schlittern durch ihren Alltag, ohne nach rechts oder links zu blicken. Sie leben und sie sterben, und sie fragen sich niemals, wozu.

Doch zu dieser Sorte Mensch gehören Sie nicht. Sonst hielten Sie kein Buch mit dem Titel „Du machst den Unterschied“ in den Händen. Es reicht Ihnen nicht, Ihr Leben nur im Griff zu haben. Sie wollen mehr. Sie wollen, dass Ihr Leben Spuren hinterlässt. Sie wollen so leben, dass die Menschen einmal froh darüber sind, dass Sie so und nicht anders gelebt haben.

Doch wie sollen Sie das schaffen? Wie soll ich das schaffen? Kann Gott uns überhaupt gebrauchen?

Auf diese Frage habe ich 120 Antworten. 120 Einwohner im alten Israel. Sie waren die Gründungsmitglieder der Gemeinde in Jerusalem (nachzulesen in Apostelgeschichte 1,15). Ein paar waren Fischer. Andere Steuerbeamte. Ein ehemaliges Strichmädchen und ein oder zwei bekehrte Terroristen waren auch dabei. Sie hatten keine Beziehungen zum Kaiser, keine Freunde im Hohen Rat. Genau genommen hatten sie nichts weiter als das: den brennenden Wunsch, die Welt zu verändern.

Dank Lukas, der ihre Erlebnisse in der Apostelgeschichte festhielt, wissen wir, wie es ihnen ergangen ist. Und wir wollen uns diese Geschichte einmal anhören. Ganz richtig, wir wollen uns die Apostelgeschichte anhören. Sie knistert und sprüht nur so von dem sich immer weiter ausbreitenden Werk Gottes. Halten Sie sich das Buch doch mal ans Ohr, und lauschen Sie, wie Gott in die Ecken und Winkel dieser Welt vordringt.

Hören Sie, wie die Predigten von den Tempelmauern widerhallen. Das Spritzen des Taufwassers, das Lachen der Menschen, die gerade ein neues Leben angefangen haben. Hören Sie das Kratzen des Löffels in der Schüssel, wenn ein weiterer hungriger Magen gefüllt wird.

Hören Sie, wie sich Türen öffnen und Mauern einstürzen. Türen nach Antiochien, Äthiopien, Korinth und Rom. Türen zu Palästen, Kerkern und römischen Plätzen.

Und die Mauern. Das uralte Vorurteil der Juden gegenüber Samaritern – nieder damit! Die strikte Trennung zwischen Juden und Heiden – krach! Die trennenden Mauern, die Männer und Frauen voneinander fernhielten, Grundbesitzer von Bettlern, Herren von Sklaven, schwarze Afrikaner von Juden aus dem Mittelmeerraum – Gott riss sie alle ein.

Die Apostelgeschichte verkündet: „Gott ist unterwegs!“

Ist er das immer noch?, fragen wir uns. Würde Gott mit uns das Gleiche vollbringen wie mit seinen ersten Nachfolgern?

Weiß der Himmel, das hoffen wir. Wir leben in schlimmen Zeiten: 1,75 Milliarden Menschen sind bitterarm1, 1 Milliarde hungert2, Millionen werden in die Sklaverei verschleppt, pandemische Krankheiten haben ganze Nationen im Griff. Jedes Jahr werden fast zwei Millionen Kinder weltweit im organisierten Sex-Geschäft ausgebeutet3. Und in den fünf Minuten, die Sie gebraucht haben, um bis hierher zu lesen, sind fast 90 Kinder an Krankheiten gestorben, die man eigentlich vermeiden könnte.4 Mehr als die Hälfte aller Afrikaner hat keinen Zugang zu moderner medizinischer Versorgung. In der Folge sterben jedes Jahr 10 Millionen von ihnen an Durchfall, Atemwegsinfektionen, Malaria und Masern. Viele dieser Todesfälle könnten mit einer Impfung vermieden werden.5

Doch mitten in diesem Scherbenhaufen stehen wir, die moderne Ausgabe der Jerusalemer Urgemeinde. Sie und ich mit unserer beispiellosen einzigartigen Gelegenheit, etwas zu unternehmen.

Christen waren noch nie so reich wie heute. Wir sind gescheit, gebildet und erfahren. Wir können in 24 Stunden einmal um die Erde reisen oder in einer Millisekunde eine Nachricht verschicken. Wir haben Spitzenforschung und -medizin direkt vor unserer Haustür. Wir haben Ressourcen in Hülle und Fülle. Schon 2 Prozent der weltweiten Getreideernte würden reichen, wenn man sie gerecht verteilte, um das Problem von Hunger und Unterernährung weltweit zu beseitigen.6 Es gibt genügend Nahrung auf unserem Planeten, dass jeder Mensch täglich 2.500 Kalorien zum Leben haben könnte.7 Wir haben ausreichend Nahrungsmittel, um die Hungernden zu sättigen.

Und wir haben genug Wohnraum, um die Waisen zu beherbergen. Die Rechnung geht wie folgt: Weltweit gibt es 145 Millionen Waisenkinder.8 An die 236 Millionen Menschen bezeichnen sich in den USA als Christen.9 Rein statistisch gesehen haben also allein die US-amerikanischen Christen die Mittel, um jedem Waisenkind auf der Welt ein Zuhause zu geben.

Natürlich ist nicht jeder dazu in der Lage. Viele Menschen sind alt, gebrechlich, arbeitslos oder fühlen sich einfach nicht dazu berufen, ein Kind zu adoptieren. Und doch: Was wäre, wenn ein kleiner Prozentsatz das täte? Ein Prozentsatz von, hmmm, sagen wir einmal, 6 Prozent. Damit könnten wir den über 14,1 Millionen afrikanischen Kindern südlich der Sahara, die durch die Aids-Epidemie ihre Eltern verloren haben, ein liebevolles Zuhause bieten.10 Wie macht sich dieser Vorschlag unter all den zahlreichen anderen ehrenwerten Anliegen der Kirche? „Amerikanische Christen setzen sich für Aids-Waisen ein.“ Wäre das nicht eine begrüßenswerte Schlagzeile?

Ich möchte diese äußerst komplexen Sachverhalte keineswegs zu stark vereinfachen. Wir können nicht einfach nur mit den Fingern schnippen und erwarten, dass das Getreide plötzlich ungehindert über Grenzen hinwegfließt oder dass Regierungen Auslandsadoptionen erlauben. Bestimmungen und Gesetze bremsen die aufrichtigsten Bemühungen aus. Internationale Beziehungen sind gespannt. Korrupte Beamte bereichern sich auf Kosten anderer. Das weiß ich auch.

Doch so viel ist klar: Die Vorratskammern sind gefüllt. Die Vorräte sind nicht das Problem; das Problem liegt in der Verteilung. Gott hat dieser Generation, unserer Generation, alles Nötige gegeben, um etwas gegen das Leid der Menschheit zu tun.

Vor einigen Jahren erschütterten drei Fragen meine kleine Welt. Sie wurden von verschiedenen Personen innerhalb eines Monats an mich herangetragen. Frage Nr. 1: Wenn Sie im Zweiten Weltkrieg in Deutschland gelebt hätten und Christ gewesen wären, hätten Sie Hitler dann Widerstand geleistet? Frage Nr. 2: Wenn Sie während des amerikanischen Menschenrechtskonflikts ein Südstaatler gewesen wären, hätten Sie sich dann gegen Rassismus zur Wehr gesetzt? Frage Nr. 3: Wenn Ihre Enkelkinder einmal feststellen, dass Sie zu einer Zeit gelebt haben, in der es 1,75 Milliarden Arme und 1 Milliarde Hungernde gab, was werden sie dann über Ihr Verhalten denken?

Die ersten beiden Fragen störten mich nicht weiter. Sie waren rein hypothetischer Natur. Ich würde gern annehmen, dass ich meine Stimme gegen Hitler und den Rassismus erhoben hätte. Doch diese Zeiten sind vorüber und diese Fragen stellten sich mir nicht. Aber die dritte Frage hat mir nachts den Schlaf geraubt. Ich lebe heute, genau wie Sie. Wir haben die Wahl … die Möglichkeit, in schwierigen Zeiten viel zu bewegen. Was wäre, wenn wir das täten? Was wäre, wenn wir die Welt mit Hoffnung aus den Angeln heben würden? Alle Ecken und Winkel mit Gottes Liebe und Leben durchdringen würden? Was wäre, wenn wir dem Beispiel der Gemeinde in Jerusalem folgten? Diese winzige Sekte wuchs zu einer weltverändernden Macht heran. Wir trinken immer noch aus ihren Brunnen und essen von ihren Bäumen des Glaubens. Was war ihr Geheimnis? Was können wir von ihrer Leidenschaft und ihren Prioritäten lernen?

Lassen Sie uns über ihre Lebensgeschichten nachdenken, die wir in den ersten zwölf Kapiteln der Apostelgeschichte finden. Lassen Sie uns jedes Ereignis durch das Brennglas des folgenden Gebets betrachten: Tu es wieder, Jesus. Tu es wieder. Denn schließlich hat Gott „etwas aus uns gemacht: Wir sind sein Werk, durch Jesus Christus neu geschaffen, um Gutes zu tun. Damit erfüllen wir nur, was Gott schon im Voraus für uns vorbereitet hat“ (Epheser 2,10). Wir wurden von einem großen Gott erschaffen, um große Dinge zu tun. Er lädt uns ein, ein Leben zu führen, das über uns hinausweist.

Am Ende dieses Kapitels möchte ich einen Toast ausbringen, einen Toast auf ein langes Leben: Güte, die das Grab überdauert, Liebe, die den letzten Atemzug überlebt. Mögen Sie so leben, dass der Tod lediglich der Anfang Ihres Lebens ist.

„Nachdem David den Menschen seiner Zeit so gedient hatte, wie Gott es wollte, starb er und wurde bei seinen Vorfahren begraben“ (Apostelgeschichte 13,36; NGÜ).

Oh, Herr, was für eine erstaunliche Gelegenheit hast du mir vor die Füße gelegt – die Chance, in einer Welt, in der so vieles aus dem Gleichgewicht geraten ist, für dich etwas zum Guten zu verändern. Hilf mir, die Nöte zu sehen, die ich nach deinem Willen sehen soll, so darauf zu reagieren, dass du dadurch geehrt wirst, und für andere zum Segen zu werden, indem ich ihnen fröhlich diene und deine Liebe ganz praktisch zum Ausdruck bringe. Hilf mir, Jesu Hände und Füße zu sein, und gib mir durch deinen Geist die Kraft und die Weisheit, die ich brauche, um deinen Plan für mich in meiner eigenen Generation zu erfüllen. Amen.

Kapitel 2

Ganz gewöhnliche Menschen sind gefragt

„Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apostelgeschichte 1,8; LÜ).

Sie machen nicht gerade viel her. Für überqualifiziert hat man sie nie gehalten. Ungeschickt, ja. Sturköpfig und vergesslich, ganz sicher. Aber Botschafter? Avantgarde? Boten der Hoffnung?

Wohl kaum.

Der Große da in der Ecke, das ist Petrus. Sein Akzent ist aufgrund seiner galiläischen Herkunft hart. Seine Hände sind hart von den Fischernetzen. Sein Schädel ist hart vor Sturheit. Sein bisher größter Fang im Leben hatte Kiemen und Flossen. Seltsam. Der Typ, der dazu auserkoren ist, das nächste große Werk Gottes zu leiten, versteht mehr von Dorschen und Docks als von römischer Kultur oder ägyptischen Machthabern.

Und erst seine Kumpel: Andreas, Jakobus, Nathanael. Waren nie weiter als einen einwöchigen Fußmarsch von zu Hause weg. Haben sich nie mit asiatischer Lebensweise oder griechischer Kultur befasst. Ihre Pässe sind nicht zerfleddert, ihre Manieren nicht geschliffen. Haben sie überhaupt irgendeine Ausbildung?

Ja, was haben sie denn dann? Demut? Sie rangelten sich um Ministerposten. Ein rechtgläubiges Schriftverständnis? Petrus forderte Jesus auf, die Sache mit dem Kreuz zu vergessen. Einfühlungsvermögen? Johannes wollte die Heiden abfackeln. Loyalität? Als Jesus ihre Gebete gebraucht hätte, machten sie ein Nickerchen. Als Jesus verhaftet wurde, rannten sie davon. Dank ihrer Feigheit hatte Christus bei seiner Hinrichtung mehr Feinde als Freunde um sich.

Doch sehen Sie nur, wie sie sechs Wochen später aufgeregt in einem gerammelt vollen Dachgeschoss eines Jerusalemer Hauses sitzen, als hätten sie soeben Tickets für das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft gewonnen. Sie umarmen sich und schauen sich mit weit aufgerissenen Augen an. Fragen sich, was Jesus wohl mit seinem letzten Auftrag „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ gemeint haben mag (Apostelgeschichte 1,8; LÜ).

Ihr Hinterwäldler werdet meine Zeugen sein.

Ihr ungebildeten und einfachen Leute werdet meine Zeugen sein.

Ihr, die ihr mich früher einmal für verrückt gehalten habt, die ihr mich im Boot angeschrien und meine Worte am letzten Abend angezweifelt habt.

Ihr launischen, engstirnigen Netzeauswerfer und Steuereintreiber.

Ihr werdet meine Zeugen sein.

Ihr werdet die Speerspitze einer Bewegung sein, die wie ein frisch geöffneter Feuerhydrant von Jerusalem aus explodiert und sich bis an die Enden der Erde ergießt, in die Straßen von Paris, die Stadtviertel von Rom, die Häfen von Athen, Istanbul, Schanghai und Buenos Aires. Ihr werdet Teil von etwas so Gewaltigem, Kontroversem, Auffälligem und Atemberaubendem sein, dass in zwei Jahrtausenden ein rothaariger Schriftsteller mittleren Alters, der in einem Flieger von Boston nach Dallas am Notausstieg sitzt, die folgende Frage in seinen Laptop tippt:

Tut Jesus das immer noch?

Gebraucht er immer noch einfache Leute wie uns, um die Welt zu verändern? Wir sind so unsagbar gewöhnlich. Der Herr zu meiner Rechten schnarcht mit offenem Mund. Die Frau mittleren Alters neben ihm trägt Kopfhörer und ihr Kopf wackelt im Rhythmus der Musik von rechts nach links. (Ich meine, Frank Sinatra zu hören.) Sie haben weder Heiligenscheine noch Flügel. Und abgesehen von der glänzenden kahlen Stelle auf dem Kopf des Mannes verströmen sie auch keinerlei Licht.

Das tun die wenigsten unter uns. Wir sind Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller. Gewöhnliche Leute. Wir sitzen auf den billigen Plätzen, essen bei McDonald’s, wechseln Windeln und tragen T-Shirts mit dem Emblem unserer Lieblingsmannschaft. Wenn wir vorbeigehen, winken uns keine Fans zu. Wenn wir nach Hause kommen, hasten keine Bediensteten herbei. Kein Chauffeur fährt unser Auto, kein Butler öffnet uns die Tür oder lässt uns das Badewasser ein. Kein Pförtner begrüßt uns und kein Leibwächter beschützt uns. Wir sind, wie die Jünger aus Jerusalem, ganz normale Leute.

Gebraucht Gott Otto Normalverbraucher?

Edith würde sagen, ja.

Edith Hayes war eine rüstige Achtzigjährige mit dünnem, weißem Haar, einer energischen Statur von 1,52 Metern und einem nie versiegenden Mitgefühl für die Krebskranken in Südflorida. Ich kam 1979 gerade frisch von der Hochschule und saß in einem Büro voller unausgepackter Bücher, als sie hereinspazierte und sich vorstellte. „Ich heiße Edith und ich helfe Krebskranken.“ Sie reichte mir die Hand. Ich bot ihr einen Stuhl an, aber sie lehnte höflich ab. „Ich habe zu viel zu tun. Sie werden mein Team hier jeden Dienstagvormittag im Gemeindehaus sehen. Sie können gerne dazustoßen, aber wenn Sie das tun, müssen Sie damit rechnen, dass Sie auch eine Aufgabe kriegen.“

Zu ihrem Team gehörten etwa einhundert weißhaarige Frauen, die sich der wenig glamourösen Aufgabe widmeten, offene Wunden zu versorgen. Krebswunden waren ihre Mission; jeden Dienstag nähten sie ganze Lastwagenladungen von Einwegkompressen zusammen, die sie dann im Laufe der Woche an Patienten verteilten.

Edith wohnte in einem kleinen Apartment, lebte von ihrer Witwenrente, trug eine Brille, die ihre Augen riesig wirken ließ, und scheute Applaus wie der Teufel das Weihwasser. Sie hätte gut zu ganz gewöhnlichen Menschen wie Petrus und den anderen Jüngern gepasst.

So wie Joe und Liz Page. Bei ihrem Engagement geht es um eine andere Notlage – sie kümmern sich um Bekleidung für Frühchen und verwandeln einen Gruppenraum in unserem Gemeindehaus in eine Fabrik für ehrenamtliche Näherinnen. Es war mir nie in den Sinn gekommen, dass es einen Bedarf für Babygarnituren in Puppengröße gibt. Aber meine Kinder sind auch nicht mit einem Gewicht von 1½ Kilo zur Welt gekommen. Joe und Liz sorgen dafür, dass solche Kinder etwas zum Anziehen haben, selbst wenn sie es auf ihrer eigenen Beerdigung tragen.

Joe war früher im Militärdienst und ist heute pensioniert. Liz war Lehrerin. Er hat Herzprobleme. Sie hat verkrümmte Füße. Doch das Herz der beiden brennt für die bedürftigsten aller Kinder.

So wie das des neun Jahre alten Caleb. Er spielt Basketball, hat nichts für Mädchen übrig und möchte, dass die Kinder von El Salvador sauberes Trinkwasser haben. Sein Sonntagschullehrer hatte ihm und den anderen Kindern eines Sonntags erklärt, wie das Leben der Menschen im von Armut gezeichneten Mittelamerika aussieht. Jeden Tag sterben Kinder aus Mangel an sauberem Trinkwasser an Krankheiten, die man eigentlich vermeiden könnte. Die Vorstellung erschütterte Caleb und er schritt zur Tat. Er nahm die 20 Dollar, die er für ein neues Videospiel gespart hatte, spendete sie für diesen Zweck und bat seinen Vater, denselben Betrag zu spenden. Dann forderte er alle Mitarbeiter der Sonntagschularbeit in seiner Gemeinde auf, seinem Beispiel zu folgen. Das Ergebnis? Genug Geld, um in El Salvador zwei Brunnen zu graben.

Edith, Joe, Liz und Caleb sind ganz gewöhnliche Menschen. Sie schweben nicht beim Gehen, und sie sehen auch keine Engel, wenn sie beten. Sie haben keinen Sitz bei den Vereinten Nationen oder eine Lösung für das Leiden in Darfur. Aber von einem sind sie überzeugt: Gott beruft nicht die Qualifizierten. Er qualifiziert die Berufenen.

Lassen Sie sich von Satan nichts anderes einreden. Das wird er nämlich versuchen. Er wird Ihnen vormachen, dass bei Gott ein Mindest-IQ oder ein Startgeld gefragt sind. Dass er nur Spezialisten, Experten, Regierungen und hochrangige, mächtige Persönlichkeiten einstellt. Wenn Satan Ihnen solche Lügen einflüstern will, halten Sie ihm die folgende Wahrheit entgegen: Gott verbreitete seine Botschaft im 1. Jahrhundert mit Klappergäulen und nicht mit Vollblütern. Ehe Jesus kam, beluden die Jünger Lkws, betätigten sich als Fußballtrainer und verkauften Softdrinks im Kiosk an der Ecke. Sie trugen Blaumänner, und ihre Hände waren voller Schwielen, und es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Jesus sie auswählte, weil sie gescheiter oder netter gewesen wären als der Typ von nebenan. Das Einzige, das für sie sprach, war ihre Bereitschaft, aktiv zu werden, als Jesus sagte: „Folge mir.“

Sind Sie eher ein Tretboot als ein Kreuzfahrtschiff? Eher Double als Filmstar? Eher Klempner als Direktor? Haben Sie eher blaue Jeans als blaues Blut? Herzlichen Glückwunsch. Gott verändert die Welt mit Leuten wie Ihnen.

22 Menschen reisten eines Morgens im Herbst 2009 nach London, um Nicholas Winton zu danken. Man hätte sie für die Reisegruppe eines Seniorenheims halten können. Alle waren zwischen 70 und 80 Jahre alt. Eher schlurfende Schritte als beschwingte. Mehr Grau im Haar als die ursprüngliche Haarfarbe.

Aber das Ganze war keine Kaffeefahrt. Es war eine Dankesreise. Sie wollten dem Mann danken, der ihnen das Leben gerettet hatte: ein vom Alter gebeugter Hundertjähriger, der sie wie damals im Jahr 1939 auf dem Bahnsteig erwartete.

Nicholas Winton war damals 29 und Börsenmakler. Hitlers Armeen hatten die Tschechoslowakei überfallen, rissen jüdische Familien auseinander und verschleppten die Eltern in Konzentrationslager. Um die Kinder kümmerte sich niemand.

Der Brite erfuhr von ihrer Not und beschloss, ihnen zu helfen. Er nutzte seinen Urlaub, um sich in Prag mit Eltern zu treffen. Diese waren tatsächlich bereit, die Zukunft ihrer Kinder in seine Hände zu legen. Er kehrte nach England zurück, ging tagsüber seiner normalen Arbeit an der Börse nach und setzte sich abends für die Kinder ein. Er überzeugte die britischen Behörden, ihnen die Einreise zu gewähren. Er fand Pflegefamilien für sie und sammelte Gelder. Für den 14. März 1939 plante er den ersten Transport und führte innerhalb der nächsten fünf Monate sieben weitere durch. Die letzte Zugladung mit Kindern erreichte England am 2. August dieses Jahres. Damit stieg die Zahl der geretteten Kinder auf insgesamt 669.

Der größte Transport sollte am 1. September stattfinden, aber Hitler fiel an diesem Tag in Polen ein und verriegelte überall in Europa die Grenzen. Die 250 Kinder in diesem Zug wurden nie wieder gesehen.

Nach dem Krieg behielt Winton seine Rettungsbemühungen für sich. Noch nicht einmal seiner Frau erzählte er davon. 1988 fand sie dann auf dem Dachboden ein Notizbuch, in dem Fotos von den Kindern lagen und eine vollständige Namensliste verzeichnet war. Sie drängte ihren Mann, die Geschichte zu erzählen. Seit er ihrer Bitte gefolgt ist, sind einige der Geretteten zurückgekehrt, um sich bei ihm zu bedanken. Darunter ein Filmregisseur, ein kanadischer Journalist, ein Nachrichtenkorrespondent, ein ehemaliger Minister im britischen Kabinett, der Herausgeber einer Zeitschrift und einer der Begründer der israelischen Luftwaffe. Etwa 7.000 Kinder, Enkel und Urenkel verdanken ihre Existenz dem Mut des 29-jährigen Börsenmaklers. Er trägt heute einen Ring, den ihm einige der geretteten Kinder überreicht haben. Darauf steht ein Zitat aus dem Talmud, dem jüdischen Gesetzbuch: „Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.11“

Und noch ein Hoch auf den ganz gewöhnlichen Menschen.