Dummheit ist unsterblich - Doreen Unkel - E-Book

Dummheit ist unsterblich E-Book

Doreen Unkel

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Beschreibung

Mit dem Landleben ist die Langeweile im Leben von Maska, dem archäologischen Ermittler und forensischen Philologen, angekommen. Er hat genug Geld aus Störtebekers Schatz, er hat ein Gutshaus und darin seine einzigartige Bibliothek, aber er hat nichts zu tun. Ein Anruf und ein Auftrag einer adeligen Blondine, für die er einen Verbrecher suchen soll, der seit mehr als vierhundert Jahren tot ist, ändern das deutlich. Der Kommissar aus Schwerin braucht seine Hilfe bei der Suche nach einem kopflosen Reiter und außerdem verschwinden immer wieder Obdachlose. Und warum schließt sich Frollein mit anonymen Umschlägen und viele Kaffee im Turmzimmer ein? Welche Rolle spielt der junge Mann mit seiner IT-Scheune? Und warum hält man einen Komposthaufen als Tor zur Hölle?

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Ein Anruf

Ein Auftrag

Ein zweiter Auftrag

Wieder auf der Straße

Ein unterirdischer Fusel

Rüben ohne Zahl

Fünf Posaunen für ein Halleluja

Wieder auf den Beinen

Bücher und Besuch

Verhör in der Dunkelheit

Ein Flittchen wird entführt

Kampf der Legenden

Verhör des Gefangenen

Forensische Archäologie 4.0

Stuhlkreis für Sitzenbleiber

Impressum

Vorwort

Zu meiner Reihe »Maska – Der Schnüffler von Schwerin« gibt es ein Begleitbuch. Es erzählt die Geschichte und die Motivation von Maskas Erzfeind Dr. Kneifer aka Dr. Zwick, Peter Pinch, Prof. Zange und Graf Zwack.

Es ist nicht notwendig, das Begleitbuch schon gelesen zu haben, »Der letzte Bigfoot Mecklenburgs« ist in sich abgeschlossen und Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Das Begleitbuch »Die geheimen Tiere Mecklenburgs« von Dr. naturalis Ferdinand Kneifer ist als eBook im Verlag Weberhof erschienen, wenn auch nicht ohne Bedenken.

Doreen Unkel

Ein Anruf

Es ist einer von diesen Tagen. Die Stadt kaut Dich durch und wenn sie mit Dir fertig ist, dann spuckt sie Dich in die Gosse. Die Gosse kaut Dich durch und wenn sie mit Dir fertig ist, dann spuckt sie Dich in den Kanal. Wenn der Kanal Dich durchgekaut hat, dann spült er Dich ins Meer. Das Meer spült Dich durch und spuckt Dich zurück an den Strand. Und Du rappelst Dich wieder auf, stehst an der Wasserkante, siehst die Sonne hinter der Stadt aufgehen, rückst Deine Krawatte zurecht und es geht von vorne los.

Ich habe das so oft durchgemacht, ich hätte Meilen sammeln sollen. Jetzt leben wir auf dem Land und ich hasse Krawatten.

Ich stehe am Fenster meiner Bibliothek. Wenn Frollein durch den Garten geht, dann schütteln sich die Bäume vor Begeisterung, der Rasen wächst einen Fingerbreit höher, die Blumen verblassen und neigen sich vor Neid zu Boden und die Schmetterlinge bilden ein herzförmiges Spalier. Ja, Ihr könnt sie hübsch nennen.

Sich in Frollein zu vergucken ist so, als hätte Dir eine rosa Wolke das Gehirn weggepustet, als hinge Dein Herz an der Autobatterie und jedes Wimpernklimpern verstärkt dieses Gefühl um einige millionenhundert Watt. Wir sind das beste Team seit Bienchen und Blümchen.

Heute ist sie niedergeschlagen, wir beide vermissen Mautz. Unser Kobold ist im ersten Stock auf Zeitreise gegangen, durch den alten Schrank, und nicht wieder aufgetaucht. Keine Ahnung, wann er sich gerade herumtreibt. Wir haben gestern seine Zimmerflucht aufgeräumt und vor einer Woche den Kühlschrank entsorgt, in dem er seine Leckereien gelagert hat. Sondermüll, haben sie gesagt und einen Aufpreis gefordert. Trotzdem vermissen wir den alten Kerl, ohne ihn ist es still im Haus. Still und ungefährlich. Ich konnte nicht hinter ihm her, denn Zeitreisen sind nur für Mädchen. Und natürlich haben wir keine Ahnung, in welchem Teil der Vergangenheit wir ihn suchen sollten.

Ich kippe den Rest meines bitteren Kaffees herunter und würde lieber nach unten zu Frollein in den Garten gehen, als sie zu verlassen.

Aber ich war Schnüffler, forensischer Archäologe, oder philologischer Kriminalist, wie du willst. Philologischer Forensiker ist auch ok. Das ist kein Ausbildungsberuf, trotz zwei Doktortiteln, einem in mittelalterlicher Philologie und einem in angewandter Kryptozoologie, und es gab keinen anderen Schnüffler in Mecklenburg, der sich mit solchen Fällen herumschlagen musste. Ich machte keine Scheidungen und nach dem Verkauf des Buchladens mache ich gar nichts mehr.

Früher bist Du morgens aufgestanden, bist in Deinen Zwirn gestiegen, hast Deinen Kaffee getrunken, die Beine auf den Schreibtisch gelegt, Dir den Hut in die Stirn geschoben und auf einen Auftrag gewartet. Am besten von einem gutgerundeten Babe im engen Kleid und auf hohen Absätzen, das mit einer Handtasche voll gebrauchten Scheinen in Dein Büro gewackelt kam. Ja, es war nicht alles schlecht damals.

Und abends hattest du keinen Auftrag, dafür Magenschmerzen vom Kaffee und mehr Büroschlaf als die Verkehrspolizei am autofreien Sonntag. Aber ich brauchte das Geld, sonst hätte mir meine Bank schneller gekündigt als ein Bettler braucht, um den frischen Fünfer aus seinem Hut zu fischen.

Hier auf dem Land ist das anders. Du stehst morgens auf und hast H-Milch und Spanplatten auf Deinem Einkaufszettel und viel spannender wird es nicht werden. Du kannst das Haus nur einmal einrichten, den Garten nur einmal umgraben und die Bücher nur einmal aus den Kisten nehmen.

Und ganz ehrlich, manchmal meine ich, Frollein ginge etwas ziellos durch den Garten, als wisse sie nicht, dass sie etwas sucht, das nicht gefunden werden will.

Heute ist es anders, heute hat nach dem zweiten Kaffee das Telefon geklingelt und eine vornehme Männerstimme hat sich als Butler ausgegeben und mich zu einer geschäftlichen Unterredung nach Gut Tüwkow einbestellt. Auf Nachfrage hat er gesagt, es ginge um eine wichtige Familienangelegenheit. Nach meinem Einwand, dass ich keine Scheidungen mache und nicht mehr im Geschäft bin, hat er höflich geschwiegen.

Ihr kennt die goldene Regel: Der Mann mit dem Gold macht die Regeln. Ich brauche kein Gold und ich glaube nicht an Regeln und ich weiß nicht, warum ich ihn nicht gleich ausgelacht habe. Aber seit ein paar Wochen weiß ich, wie sich Langeweile anfühlt.

Ich lasse meine Wumme in der Schublade, verabschiede mich von meiner gutgebauten Gartengöttin und steige in den Namenlosen. Es bringt Unglück, Autos Namen zu geben. Aberglaube bringt immer Unglück, aber es ist gefährlich, nicht abergläubisch zu sein, hat eine Freundin von mir mal gesagt.

Und Tüwkow ist eine Adresse mit Geld. In Tüwkow kann man die Grundstücke nicht kaufen, man kann sie nur erben. Dort wohnen die Anwälte, die Dir schon vor dem ersten Händedruck einen Tausender abnehmen. Da wohnen die Verleger, die mit einer Randnotiz politische Karrieren beenden können. Da wohnen die Sportler, deren Gesicht Du ein Dutzend Mal am Tag in der Werbung siehst. Da wohnen die Fabrikanten, von denen Du Dein Frühstück kaufst. Und da sollen Bräute wohnen, für die würde der Papst strippen lernen.

Es verspricht, ein interessanter Tag zu werden. Und es riecht nach Abwechslung, wenn auch nur für ein paar Stunden.

Auf dem Weg nach Tüwkow muss ich durch die Stadt.

Wenn das Elend der Wolkenkratzer aufhört, fängt das Elend der Vorstädte an. Nur im Norden sind die Häuser etwas billiger, denn dort wohnst Du im Schatten der Stadt, keine Sonne auf dem Rasen, kein Sonnenbrand auf der Haut Deiner Süßen und dreitausend Leute schauen Dir nicht auf die Terrasse. Der Rasen hier wird nicht braun, denn er ist aus Plastik, und er wird nicht gegossen, er wird regelmäßig desinfiziert.

Auf dem Weg durch die Stadt musst Du viel Müll ausweichen, der auf der Straße liegt oder sie überquert. Einige Straßen sind so eng und tief, dass sie am Boden dämmerig und düster und dauernd feucht sind. Hier unten ist Nacht, oben ist Tag. Die Pessimisten sagen, es breche ein hoffnungsvoller Tag an, die Optimisten reden von einer hinterhältigen Nacht. Die Wahrheit liegt in der Mitte und Du fährst besser schnell hindurch. In diesem Viertel wohnen die Leute, bei denen am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist, die sich mit jeder neuen Idee weiter an den Abgrund schubsen, die abends jedes Problem lösen und am nächsten Morgen mit dem Hut in der Hand auf Arbeit warten, die ihren Kindern keine Zukunft bieten können und doch eins nach dem anderen in die Welt setzen, die das Pech mit sich herumtragen wie schlechten Mundgeruch und deren Lebenslinien in der Handfläche so blass sind wie die abgelegten Nylonstrümpfe eines pensionierten Showgirls.

Eine halbe Stunde fahre ich immer geradeaus die Straße entlang und es ist gut, dass die Häuser Nummern haben, sonst würden sie sich nicht voneinander unterscheiden. Sogar die Kinder, die auf der Straße spielen, haben etwas gemeinsam. Sie sind gleich alt, gleich gekleidet und haben den gleichen vorwurfsvollen Blick, weil sie mir und dem Namenlosen ausweichen müssen. Die Kinder stehen am Straßenrand und spielen mit einem Fußball, dem Luft fehlt. Ihre Jacken sind zu klein oder zu groß, ihre Gesichter sind zu blass und zu alt. Die Jungen starren mich an und runzeln die Stirn, die Mädchen starren zur Seite. Wie sie es von ihren Eltern gelernt haben.

Dann erwischt mich der Schatten der Innenstadt und ich muss für ein paar Minuten das Licht einschalten.

Eine weite Linkskurve bringt die Innenstadt in den Rückspiegel und nach einer Viertelstunde heißt der Asphalt Tüwkow. Du fährst hier automatisch langsamer, denn es gibt alte Bäume am Straßenrand und junge Puppen auf dem Bürgersteig und Du willst alles sehen. Jedes Haus ist anders als das Haus nebenan und mit jeder halben Meile werden die Grundstücke und die Häuser darauf größer. In dem Haus rechts könnte Hansa Rostock wohnen und trainieren und sie würden sich nicht auf die Nerven gehen.

Noch eine Viertelstunde bis Gut Tüwkow, schätze ich.

Ein Auftrag

Ich bekomme nicht, was ich erwartet habe. Ok, ich bekomme den Park und die halbkreisförmige Auffahrt und das große Tor, das sich wie von selbst öffnet. Ich bekomme auch den schmalen Pagen in Uniform, der meine Fahrertür öffnet, den Schlüssel nimmt und mit Widerwillen den Namenlosen wegfährt. Ich bekomme auch den Butler mit grauen Schläfen und gestreifter Weste, der bei meinem Namen keine Miene verzieht, sich zwei Finger weit verbeugt und mich in angemessenem Tempo auf einem Weg aus Natursteinen zwischen zwei Gebäuden hindurch und an gepflegten Buschreihen entlang zu einem sonnigen Innenhof im italienischen Stil führt.

Beim Vorbeigehen sehe ich mehrere Namen am Klingelschild, Gefn, Horn, Mardoll und Vanadis & Frigge, Freifrau von. Aber es gibt nur einen Klingelknopf.

Aber erwartet habe ich eine kurvenreiche Blondine in einem Badeanzug. In einem dieser Badeanzüge, die durchsichtig werden, wenn sie ins Wasser fallen (die Badeanzüge, nicht die Blondine). Ich habe erwartet, von ihr einen Drink zu bekommen, zu stolpern und den Drink über sie zu gießen.

Was ich bekomme, ist ein alter Mann in einem weißen Hemd und einer grauen Anzughose, der am Rand eines Swimmingpools sitzt und die Füße ins Wasser hält. Ärmel und Hosenbeine sind hochgerollt und zeigen alte blasse Haut. Schweiß steht auf seiner Stirn, die Hosenbeine sind unten feucht und das Kondenswasser, das an seinem Drink herabläuft, reicht für eine halbe Tasse Kaffee. Sonst ist er staubtrocken und dürr und hat Altersflecken im Gesicht und auf der Stirn.

»Sie sind Maska«, sagt er als Feststellung, nicht als Frage. Beim Sprechen sieht sein Kopf aus wie der eines kranken Vogels.

Ich nicke zu ihm herunter und obwohl er am Beckenrand sitzt, meine ich, zu ihm aufzusehen. »Warum?«

»Warum Sie Maska sind?«

»Warum ich hier bin. Hier bei Ihnen und nicht bei Freya.«

»Freifrau von Frigg. Meine Enkelin. Und meine Erbin.« Dabei schaut er von unten auf mich herab, als wäre ich der mexikanische Pool-Boy, den er gerade beim Beckenrandpinkeln erwischt hat.

»Das ist sicher schön für die Freifrau. Dass sie Ihre Enkelin ist, meine ich. Wo finde ich sie?«

»Sie werden sie nicht finden, Maska. Sie ist nicht hier und sie will Sie nicht sehen.«

»Sie hat mich eingeladen.« Und der alte Mann hat mir noch keinen Drink angeboten.

»Ein bedauerlicher Irrtum. Ein Büroversagen. Ein Missverständnis.«

»Und ich bin zwei Stunden gefahren.«

»Das ist verständlich. Und entschuldbar.« Er macht eine Pause und nimmt einen Schluck aus dem eisglänzenden Glas. Die Sonne brennt auf meinen Nacken und mein guter Anzug ist zu warm für diese Gegend.

Ich passe in diese Gesellschaft wie Zwiebelringe auf ein Stück Kirschkuchen.

Der alte Frigg setzt das Glas ab. »Zwanzig Euro? Fürs Benzin?«

»Ich will Ihr Geld nicht.«

»Da sind Sie der Erste.«

»Nicht mein Problem, wenn Sie sich mit Weicheiern umgeben.« Ich zucke mit den Schultern, aber das löst mein Problem nicht. Ich weiß noch nicht, wer und wo die Freifrau ist und ob sie einen Badeanzug anhat. Und ich weiß noch nicht, was ich hier soll.

Der Schrank, der plötzlich neben mir steht, muss uns belauscht haben. Wahrscheinlich gehört er zum Mobiliar und hat auf ein Zeichen gewartet. Ich weiß nicht, worauf diese Typen warten, sie erscheinen immer zur falschen Zeit.

»Wen nennst Du ein Weichei, Maska?«

Ich drehe mich zu ihm und frage mich, ob er das wert ist. Er ist einen Kopf größer und eine Brust breiter als ich. Sein Kinn ist glatt rasiert und seine Nase ist krumm geschlagen. Die Augen sind zu klein, die Haare sind zu lang und der Blick ist zu leer für Homo Sapiens. Sicher ist er in der Erbfolge der von Friggs nicht vertreten, Haustiere sind nicht erbberechtigt.

Ich sehe, dass der alte Mann mit der halbnassen Hose uns aufmerksam beobachtet. Wie ein Kind, wenn zwei Hunde sich streiten.

Meine Wumme liegt zu Hause in der Schublade. Aber dafür brauche ich sie nicht. Wumme gegen Steinzeit, das wäre unfair. Auch der Wumme gegenüber.

»Der richtige Zeitpunkt, den Spaten einen Spaten zu nennen, ist, wenn Du ein Loch graben willst. Und der richtige Zeitpunkt, das Weichei ein Weichei zu nennen, ist –« Ich lenke den Schrank mit einem schnellen Blick nach rechts ab, verlagere mein Gewicht auf das linke Bein und ziehe durch. Es dauert zwei Sekunden, bis die Nachricht vom Schmerz von seinem Schritt in sein Hirn gelangt.

» – ist jetzt«, sage ich und schlage ihm freundschaftlich an den Oberarm. Der Schrank kippt langsam mit schmerzverzerrtem Gesicht in den Pool, die Hände vor den Schritt gepresst wie ein übertrunkener und unterpinkelter Pennäler.

Seine Bugwelle wirft den alten Mann auf den Rücken. Er liegt wie ein nasser Teebeutel in einer großen Pfütze, strampelt mit seinen dünnen Armen und Beinen und hat einen Riesenspaß.

»Maska!«, schreit er. »Maska! Unbezahlbar!« Er klatscht mit der rechten Hand auf die nassen Fliesen, Tropfen treffen meine Schuhe.

Die billige Nachahmung des Homo sapiens klettert an der anderen Seite aus dem Wasser. Damit ihn der erste Schritt aus dem Wasser ans Land nicht zu sehr ermutigt, bekommt er meinen Fuß ins Gesicht und fällt wieder ins Becken.

»Weichei! Ein Weichei!« Von Frigg der Ältere beginnt zu kichern.

»Na Jungs, habt ihr euren Spaß?«

Diese Stimme ist weich und sinnlich, sie klingt wie die Schlagsahne auf einem Schokoladeneis, wie der Honig auf einer heißen Waffel, wie das Massageöl auf einem nackten Rücken, wie ein herabgleitender Seidenkimono.

Und sie ist geduldig und nachsichtig, wie eine gütige Mutter, der die Kinder mit schmutzigen Knien und strahlenden Augen gegenüber stehen. Sie hat alles schon gesehen und alles schon verziehen, den planschenden Schrank, der jetzt in der Mitte des Beckens bleibt, und den kichernden Zausel mit der nassen Hose.

Was für ein langweiliges Leben.

Ich drehe mich nicht um, denn ich möchte die Hoffnung, dass zu dieser sinnlichen Stimme auch eine sinnliche Frau und ein Badeanzug gehören, nicht zu früh aufgeben müssen.

Meine Hoffnung wird erfüllt. Aber Freifrau von Frigg trägt keinen Badeanzug, sie trägt ein maßgeschneidertes Business-Kostüm aus grauem Stoff, mit einer Rose am Revers, darunter eine graue Seidenbluse, die ich sofort um ihre Zuflucht beneide, und in ihrem viel zu kleinen Ausschnitt suhlt sich eine goldene Kette, die aus durchbohrten Gelenken gefertigt ist.

Ich bin gut darin, um die Ecke zu denken, aber bei diesem Babe geht es nur um Kurven. Sie ist fast eine Nummer 1, aber sie ist mit Sicherheit eine 90-60-90. Ja, manchmal hänge ich alten Idealen nach.

Ihre Augen sind grün wie die Saphire an ihrem Ohrring, ihre Zähne blitzen zwischen den dunkelrosenroten Lippen wie der Vierkaräter an ihrem Finger, ihre Haut ist weich wie nach einem Vollbad in Sahne und ihre erdbeerblonden Haare hängen wie ein Schwall goldener Wolken über ihre Schultern. Ihre Lippen lächeln ein Küss-mich-wenn-Du-Dich-traust-Lächeln, aber ihre Augen haben diesen Es-wird-Dir-schlecht-bekommen-Blick.

---ENDE DER LESEPROBE---