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Zurück in Frankfurt ist Alex auf Grund der Geschehnisse in Berlin erst einmal vom Dienst freigestellt und wird anschliessend zum Schreibtischdienst verdonnert. Als er dann einen Brief vom Bundespräsidenten erhält, hofft er, dass seine Pechsträhne vorbei ist. Doch auf den Tag seines bis dato größten Erfolges, folgt wenige Stunden später die bitterste Enttäuschung. Ob sich Alex davon erholen wird und was das für seine Zukunft bedeutet, wird die Zeit zeigen.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Dunkle Wolken am Horizont
Der tiefe Fall eines jungen, erfolgreichen Polizisten
Dunkle Wolken am Horizont
Der tiefe Fall eines jungen, erfolgreichen Polizisten
Florian Preuß
Impressum
Copyright:
Florian Preuß
c/o COCENTERKoppoldstr. 186551 Aichach
Jahr: 2025
ISBN: 9783819486937
Veröffentlicht über: TolinoMedia
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie
Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig
Lieber Leser, Liebe Leserin, bevor ihr mit meiner Geschichte beginnt, möchte ich euch noch das ein oder andere mit auf den Weg geben.
Zum einen etwas mehr oder weniger Inhaltliches.
Der Hauptcharakter dieser Geschichte ist Polizist, da ich aber weder selber Polizist bin, noch Freunde bei der Polizei habe, musste ich recherchieren.
Dennoch ist mit Sicherheit das ein oder andere nicht zu einhundert Prozent korrekt, aber am Ende des Tages ist es immer noch eine aus-gedachte Geschichte und kein Sachbuch für Polizisten.
Des Weiteren werdet ihr beim Lesen möglicherweise noch den ein oder anderen Fehler entdecken. Bitte seid nachsichtig mit mir, da ich weder ein professionelles Korrektorat noch Lektorat hatte.
Jetzt wünsche ich euch aber erst einmal viel Spaß beim Lesen und ich hoffe euch gefällt meine Geschichte.
Montag, 19.Juni
„In Ordnung Herr Romanoff, das ist dann erst einmal alles“
Mit den Worten schließt Kriminalhauptkommissar Schmidt die Unterlagen, schaltet das Diktiergerät aus und erhebt sich mit der Akte unter dem Arm von seinem Stuhl.
„Darf ich zurück nach Frankfurt oder muss ich noch hierbleiben für weitere Fragen?“, fragt Alex, während er sich ebenfalls von seinem Stuhl erhebt.
Herr Schmidt schüttelt den Kopf.
„Nicht nötig Herr Romanoff, wir wissen ja, wo wir Sie finden, und außerdem ist dieses Verhör hier lediglich reine Vorschrift gewesen. Sie haben sich ja nicht wirklich etwas vorzuwerfen. Dennoch wissen Sie genauso gut wie ich, dass wir den Vorfall untersuchen müssen“
Alex nickt und gemeinsam verlassen die beiden den Verhörraum. Dort verabschiedet sich der Kriminalhauptkommissar von Alex und macht sich auf den Weg in sein Büro.
„Mensch Alex, da bist du ja endlich. Ich dachte du kommst überhaupt nicht mehr aus dem Verhörraum“, ertönt Kims Stimme hinter seinem Rücken.
Gerade als er sich umdreht, ist Kim bereits bei ihm und nimmt ihn in den Arm.
Alex wirft einen Blick über ihre Schulter, um auf seine Uhr zu schauen.
Erschrocken stellt er fest, dass es bereits 19 Uhr ist und sein Verhör sage und schreibe drei Stunden gedauert hat.
Kim löst sich von ihm und wirft ihm einen besorgten Blick zu.
„Hat er dir irgendwelche Vorwürfe gemacht? Er ist doch nicht der Meinung, dass der Schuss hätte, verhindert werden können, oder? Nein, das kann nicht sein. Du hast alles richtig gemacht. Das kann ich bezeugen, ich werde…“, doch da hat Alex ihr bereits seine Hand auf den Mund gelegt.
„Kim, jetzt halt doch mal die Luft an. Ich bin da drinnen schon mit genug Fragen bombardiert worden“, schmunzelt Alex.
„Kann ich die Hand wegnehmen, ohne dass du mich sofort wieder mit Fragen löcherst?“
Kim nickt zögerlich und Alex nimmt langsam die Hand von ihrem Mund.
„Tut mir leid Alex, ich habe mir doch nur Sorgen um dich gemacht“
Alex nickt verständnisvoll und schenkt ihr ein zaghaftes Lächeln.
„Das verstehe ich doch. Für mich war das Ganze auch ziemlich ungewohnt. Immerhin stehe ich ja sonst auf der Seite derer, die andere Verhören. Aber ich denke, dass ich mich ganz gut geschlagen habe. Schmidt weiß selbst, dass ich nichts falsch gemacht habe und das Ganze hier lediglich passieren muss, um den Vorschriften zu genügen“, erklärt Alex, während die beiden das Revier verlassen. Draußen zündet er sich erstmal eine Zigarette an und reicht dann Kim seine Schachtel.
„Die anderen wollen heute Abend was trinken und danach noch feiern gehen, da wir ja erst morgen wieder zurückmüssen. Bist du dabei?“, fragt Kim und gibt ihm seine Zigarettenschachtel wieder.
Alex schüttelt den Kopf, während er an seiner Zigarette zieht.
„Danke für das Angebot, aber da muss ich leider passen. Mir ist gerade nicht nach Gesellschaft und erst recht nicht nach Feiern zumute.“
Kim nickt verständnisvoll und streichelt ihm sanft über den Rücken.
„Das kann ich nur allzu gut verstehen. Soll ich bei dir bleiben und wir gehen irgendwo was essen und danach im Monbijoupark was trinken?“
„Das ist echt nett von dir Kim, aber du sollst dir meinetwegen nicht den einzigen freien Abend hier in Berlin kaputt machen lassen. Ich gehe jetzt kurz ins Hotel, hole mir dann was zu essen und werde später ein wenig fernsehen.“
„Bist du sicher? Ich mein… ich kann dich doch…“
Alex guckt sie etwas verwirrt an, so wortkarg hat er seine Kollegin noch nie erlebt. Ist sie etwa leicht rot im Gesicht?
Kim hält seinem Blick nicht lange stand, winkt stattdessen ein vorbeifahrendes Taxi heran, mit dem die beiden zurück zum Hotel fahren.
Zurück in seinem Zimmer wirft Alex sich aufs Bett und durchsucht Lieferando nach einer guten Pizzeria, bei der er etwas zu essen bestellen kann.
Nach ein paar Minuten scrollen durch die App findet er schließlich eine vielversprechende Pizzeria mit genug positiven Bewertungen, dass sich eine Bestellung lohnt.
Er entscheidet sich für eine große Thunfischpizza mit extra Käse und Knoblauch. Dazu bestellt er sich noch eine große Cola und gefüllte Pizzabrötchen mit Sucuk und Käse, um auf den Mindestbestellwert von 30€ zu kommen.
Damit seine Pizza auch an sein Zimmer geliefert wird und er sie nicht unten in der Lobby abholen muss, gibt er bei Bemerkungen noch seine Etage sowie Zimmernummer an.
Da der Lieferdienst noch mindestens eine halbe Stunde braucht, nutzt er die Zeit, um Duschen zu gehen.
Er kramt seine Jogginghose, ein Shirt und eine Boxershorts aus seiner Tasche und begibt sich samt neuer Klamotten und seinem Kulturbeutel ins Bad.
Er tritt in die Dusche, dreht das Wasser auf und schließt die Augen. Er genießt das Prasseln des warmen Wassers auf seiner Haut und versucht den anstrengenden Tag zu verdrängen.
Für einen Moment klappt es auch ganz gut, doch plötzlich befindet er sich wieder auf seinem Posten von heute Morgen und sein Herz beginnt schneller zu schlagen. Doch dieser Moment unterscheidet sich von dem, was heute Morgen tatsächlich passiert ist. Denn in dem Augenblick, als das Auto auf Alex zu rast, hat seine Maschinenpistole auf einmal Ladehemmungen.
Hektisch fummelt Alex daran herum und versucht die MP schussbereit zu bekommen. Doch seine Hände zittern so sehr, dass er es nicht schafft.
„Mach, dass du da wegkommst, sonst überfährt er dich“, hört er Kims Stimme.
Er hebt seinen Blick, sieht das Auto auf sich zu rasen und schafft es gerade noch rechtzeitig auf die Seite zu springen.
Er kracht hart auf den Boden auf und hört, wie kurz darauf sich ein Schuss
aus seiner MP löst, dicht gefolgt von einem enormen Knall hinter sich.
Er konnte den Anschlag nicht verhindern, wird ihm in diesem Moment bewusst. Panisch versucht er, sich trotz wackeliger Beine aufzurichten und blickt sich verzweifelt um. Und da sieht er sie am Boden liegen. Genau an der Stelle, an der eben noch Kim gestanden hat, liegt eine uniformierte Person regungslos auf dem Boden.
Für einen Moment steht er wie angewurzelt da. Während sich ein Dutzend Polizisten kreuz und quer irgendwelche Befehle zurufen und in Richtung des Explosionsorts laufen, taumelt Alex der Person entgegen, die regungslos am Boden liegt.
Als er sie endlich erreicht hat, wird ihm bewusst, was er eigentlich schon ahnte. Es ist Kim, die in einer immer größer werdenden Blutlache regungslos und mit weit aufgerissenen Augen da liegt.
Alex fällt auf die Knie, legt ihren Kopf in seinen Schoß und streichelt ihr über den Kopf.
Nach und nach wird ihm bewusst, dass es sein Schuss war, der sich im Fallen aus seiner Waffe gelöst und sie tödlich am Hals getroffen hat.
In sein immer heftigeres Schluchzen dringt plötzlich ein Klopfen in sein Ohr, was überhaupt nicht in die Szene passt.
Das Klopfen wird immer lauter und mit einem Mal dringt auch eine Stimme an sein Ohr, welche ihn zusammenzucken und aus seinem Albtraum aufwachen lässt.
„Hallo? Pizzaservice. Ist jemand da?“
So langsam kommt Alex wieder zu sich und findet sich zusammengekauert in einer Ecke der Dusche wieder, während der Pizzalieferant weiter an der Tür klopft.
„Einen Moment bitte. Ich komme sofort“, ruft Alex, nachdem er das Wasser abgestellt hat und ihm langsam bewusst wird, dass das Ganze gerade nicht real gewesen ist.
Er rappelt sich langsam auf und muss sich an die Wand gestützt aus der Dusche schleppen.
Er greift sich eins der großen Handtücher, trocknet sich notdürftig ab und wirft sich dann den Bademantel über.
„Alter, wenn du nicht gleich die Tür uff machs verzieh ick mich und dann kannste kieken, wo du ne neue Pizza herkriegst. Bezahlt isse ja schon, also
danke für die kostenlose Mahlzeit du Flitzpiepe.“
In dem Moment öffnet ein sichtlich aufgelöster Alex die Tür und blickt den Pizzaboten ausdruckslos an.
„Sorry, dass du so lange warten musstest. Stimmt so.“
Er drückt dem Pizzaboten einen Zehn-Euro-Schein in die Hand, schnappt sich seine Bestellung und kickt im Umdrehen die Tür mit dem Fuß zu.
Für einen kurzen Moment steht der Pizzabote verdattert vor der geschlos-senen Tür und starrt auf den Geldschein in seiner Hand.
„Wat bist du denn für ein arroganter Fatzke? Hältst dich wohl für wat besseres, wa?“
Alex ignoriert das Gemecker von draußen und lässt sich mitsamt seinem Essen auf dem Bett nieder.
Sein Herz rast immer noch und er zittert am ganzen Körper. Er kann sich absolut nicht erklären, was das gerade gewesen ist.
Doch da kommen ihm wieder die Worte der Ärztin aus dem Krankenhaus in den Sinn.
Ich denke Sie haben eine Panikattacke, schwirren ihm ihre Worte im Kopf umher. War das vorhin unter der Dusche vielleicht wieder eine? Leide ich vielleicht unter PTBS?
Es vergeht einige Zeit bis Alex sich langsam wieder beruhigt und auch sein Herzschlag sich normalisiert. Da er keine Lust auf eine weitere Panikattacke hat, verzichtet er auf eine erneute Dusche. Stattdessen föhnt er sich lediglich kurz seine Haare, tauscht Bademantel gegen Shirt und Jogginghose und haut sich ins Bett.
Er schaltet den Fernseher ein, zappt ein wenig durch die Sender und bleibt schließlich bei irgendeiner Sitcom hängen.
Er schaut zwar nicht wirklich hin und weiß auch nicht so recht, was er da überhaupt guckt, aber Stille kann er jetzt überhaupt nicht ertragen. Dann fängt es bloß wieder in seinem Kopf an zu rattern.
Als er gerade zum Rauchen auf den Balkon will, klopft es an seiner Tür.
Da Alex allerdings niemanden mehr erwartet, weiß er nicht, ob er die Tür überhaupt auföffnrn soll. Es wird wohl kaum noch einmal der Pizzabote sein, der ihm erneut seine Meinung geigen will. Immerhin ist es bereits 23:30 Uhr.
Er lauscht auf ein weiteres Klopfen, als dieses allerdings ausbleibt, geht er mit einem Schulterzucken weiter in Richtung Balkon.
Hat sich wahrscheinlich jemand an der Zimmertür geirrt. Doch als er gerade die Balkontür öffnet, klopft es erneut an seiner Tür.
Da er aber irgendwie doch neugierig ist, schließt er die Balkontür wieder, durchquert sein Zimmer und öffnet die Zimmertür.
Noch bevor er sieht, wer im Flur steht und darauf wartet, dass er sie endlich reinlässt, verrät es ihm ihre Stimme.
„Alex, bist du noch wach? Ich hoffe, ich störe dich nicht“, erklingt Kims stark lallende Stimme.
Ach du meine Güte, was steht mir denn da jetzt bevor, schießt es ihm durch den Kopf.
Sichtlich angetrunken steht Kim mit einer Hand an den Türrahmen gestützt vor ihm und grinst ihn an.
Alex schaut sie mit hochgezogener Augenbraue an und hofft, dass Kim ihm verrät, warum sie so spät noch an seiner Tür klopft. Doch sie steht einfach nur da und grinst.
„Ist alles okay mit dir? Soll ich dich auf dein Zimmer bringen?“
Kim schüttelt den Kopf und tätschelt Alex sanft die Wangen.
„Ich habe mir nur Sorgen um dich gemacht Natasha und dachte, ich gucke mal nach dir.“
Mit den Worten quetscht sie sich an ihm vorbei in sein Zimmer und lässt sich rücklings auf sein Bett plumpsen. Alex wirft einen Blick auf den Gang, um sicherzugehen, dass keiner seiner Kollegen in der Nähe ist und gesehen hat, dass Kim in sein Zimmer gekommen ist. Er hat keine Lust, dass jetzt auch noch irgendein Gerücht über ihn und Kim in die Welt gesetzt wird.
Nachdem er sich vergewissert hat, dass keiner auf dem Flur ist, schließt er die Tür und stellt sich vor sein Bett. Kim liegt in schwarzer Jeans und schwarzer Bluse mit über den Kopf gestreckten Armen da und grinst.
Ihre Beine, mitsamt Turnschuhen, hängen außerhalb des Bettes.
„Uh alles dreht sich wie auf einem Karussell Natasha“, kichert sie.
„Was hast du bitte mit Natasha? Bist du auf Drogen?“, schmunzelt Alex und hat keinen blassen Schimmer, was Kim ihm damit sagen möchte.
„Na Natasha Romanoff, die von den Avengers. Ich habe letztens endlich mal angefangen die Filme zu gucken und dachte, dass wäre witzig“, löst sie die Situation auf.
Jetzt macht es auch endlich bei Alex klick und er kann sich ein Lachen nicht verkneifen.
„Wehe das wird jetzt dein neuer Spitzname für mich. Das wagst du nicht“, gibt er empört von sich. Würde es irgendwie aber auch witzig finden.
Kim, die sich mittlerweile aufgerichtet hat, zuckt lediglich mit den Schultern und schweigt.
„Komm, wir gehen raus auf den Balkon und rauchen eine. Ich hab auch noch Cola oder Wasser, falls du was zu trinken brauchst.“
Alex reicht ihr seine Hand, die Kim ergreift und sich von ihm hochziehen lässt. Allerdings ging das Ganze etwas zu schnell für sie und so landet sie mit ihrem Kopf an Alex Brust. Dieser reagiert blitzschnell und schlingt seine Arme um Sie, damit sie nicht hinfällt.
„Ups, sorry. Das tut mir leid. Ich glaube, ich habe wohl zu viel getrunken“, nuschelt sie an seiner Brust und richtet sich so schnell sie kann auf.
Sie streicht leicht verlegen ihre Bluse glatt und senkt ihren Kopf.
„Tut mir leid, Alex, das wollte ich nicht. Ich glaube, ich gehe besser.“
Kim quetscht sich an Alex vorbei in Richtung Tür, doch dieser packt sie sanft am Handgelenk und hält sie zurück.
„In dem Zustand gehst du nirgends hin. Du bleibst hier, bis du wenigstens ein bisschen ausgenüchtert bist. So kann ich dich doch nicht allein in deinem Zimmer lassen.“
„Jetzt sorgst du dich ja um mich. Wie süß“, lallt Kim und setzt sich zurück aufs Bett. Alex schüttelt schmunzelnd den Kopf und reicht ihr eine Flasche Wasser.
„Hier trink mal was, das wird dir guttun. Ich gehe erst mal eine rauchen und du bleibst hier. Du fällst mir nachher noch vom Bett.“
Er nimmt sich seine Zigaretten aus dem Regal neben dem Balkon und tritt raus in die kühle Nachtluft.
Mit einer Zigarette im Mund lehnt er sich in eine Ecke des Balkons und lässt seinen Blick über das nächtliche Berlin schweifen.
Als er nach ein paar Minuten zurück in sein Zimmer kommt, liegt Kim wieder wie vorhin auf seinem Bett und schläft.
Na großartig, das habe ich mir jetzt so aber nicht vorgestellt. Soll ich sie wecken oder lasse ich sie schlafen?
Die Gedanken überschlagen sich in seinem Kopf und er hat keine Ahnung, was jetzt die richtige Entscheidung wäre. Wenn er sie weckt und in ihr Zimmer schickt und ihr nachher etwas passiert, macht er sich ewig Vorwürfe. Lässt er sie aber hier und einer ihrer Kollegen sieht sie morgen aus seinem Zimmer kommen gibt das nur doofe Fragen.
Scheiß drauf, was die anderen denken, wenn sie sehen, wie Kim morgen aus meinem Zimmer kommt. Sie ist eine sehr gute Freundin von mir und ihr Wohlbefinden liegt mir mehr am Herzen als Gerüchte oder dumme Sprüche von den Kollegen.
Da Alex sie nicht in eine unangenehme Situation bringen möchte, zieht er ihr lediglich die Schuhe aus, legt sie richtig ins Bett und deckt sie zu.
Danach holt er ihr noch den kleinen Mülleimer aus dem Bad und stellt diesen zusammen mit der Wasserflasche ans Bett. Falls ihr in der Nacht schlecht werden sollte, muss sie wenigstens nicht erst noch ins Bad laufen.
Mit dem zweiten Bettzeug macht er es sich schließlich auf dem viel zu kleinen Sofa gemütlich.
Dienstag, 20.Juni
Da Alex als Erster wach wird, beschließt er, Kim eine kleine Freude zu machen und ihr vom Frühstücksbuffet einen Kaffee und ein belegtes Brötchen zu holen.
Er schleicht sich also aus dem Zimmer und kommt wenig später mit einem Brötchen und zwei Kaffee wieder zurück. Nachdem er die Sachen auf dem kleinen Tisch unter dem Fernseher abgestellt hat, geht er Schnurstracks zum Fenster und reißt schonungslos die Vorhänge auf.
„Los aufstehen, du Schlafmütze. Ich habe dir Kaffee und ein Brötchen mitgebracht.“
Panisch schreckt Kim hoch und reibt sich die Augen.
„Ey du Arsch, was machst du in meinem Zimmer und was fällt dir ein, einfach so die Vorhänge…“, mitten in ihrem Satz macht sie eine Pause, als ihr schlagartig bewusst wird, dass sie überhaupt nicht in ihrem Zimmer ist.
„Fuck, warum bin ich in deinem Zimmer? Alex haben wir etwa?“
Sie wirft einen kurzen Blick unter die Decke und stellt erleichtert fest, dass sie noch immer die Klamotten von gestern trägt.
Alex, der sich mittlerweile mit Kaffee und Brötchen am Bettende niedergelassen hat beruhigt sie mit einem Kopfschütteln.
„Alles gut Kim, es ist nichts passiert. Du hast gestern Abend lediglich sturzbetrunken an meine Tür geklopft und bist wenig später eingeschlafen.“
Kim starrt ihn mit weit aufgerissenen Augen an und wird mit einem Mal knallrot im Gesicht.
„Das…, das ist ein schlechter Scherz, oder? Mensch Alex… fuck, ist mir das peinlich“, stammelt sie vor sich hin und vergräbt peinlich berührt ihr Gesicht in den Händen.
Alex tätschelt sanft ihr Bein und reicht ihr den Kaffee.
„Ach Kim, das muss dir doch überhaupt nicht peinlich sein. Du hast mich vor unserer Abreise in einer ebenso peinlichen Situation vorgefunden und ich denke wir beide sind schon lange genug befreundet,
um darüber lachen zu können. Jetzt trink erst mal deinen Kaffee.“
Zögerlich nimmt Kim ihre Hände vom Gesicht und schenkt Alex ein zaghaftes Lächeln, während sie nach dem Kaffee greift und einen großen Schluck davon nimmt.
„Da hast du recht. Ein wenig peinlich ist es mir schon, aber ich habe mir echt Sorgen um dich gemacht. Ich meine das war kein normaler Einsatz und dass das Ganze dann auch noch so ein Ende nimmt, damit konnte erst recht keiner rechnen.“
Gemeinsam genießen sie ihren Kaffee, als Alex Erinnerungen an seinen Zwischenfall unter der Dusche wieder hochkommen. Er ist sich nicht sicher, ob er Kim davon erzählen soll, schließlich will er nicht, dass sie sich noch mehr Sorgen macht als jetzt schon. Andererseits würde er sehr gerne mit jemandem darüber reden. Aber nicht jetzt und nicht hier.
„Mir wurde übrigens noch ein Brötchen versprochen oder hast du Vielfraß dir das etwa schon reingezogen.“
Da ist sie wieder, die Kim, die jeden Spaß mitmacht und sich für keinen dummen Spruch zu schade ist.
„Na los, rück das Brötchen raus, ich habe Hunger oder du bekommst das Kissen ins Gesicht.“
Sie funkelt ihn mit einem bösen Blick an und hat sich bereits mit dem Kissen bewaffnet.
„Schon gut, schon gut. Nicht schießen. Wir sauen nachher nur mit dem Kaffee alles ein und das will ich dem Hotel nicht erklären müssen.“
Er hebt als Zeichen seiner Kapitulation einen Arm nach oben und reicht ihr mit dem anderen das Brötchen. Kim greift danach und legt das Kissen wieder bei Seite. Anschließend hüpft sie aus dem Bett, schlüpft in ihre Schuhe und schnappt sich ihren Kaffee.
„Ich verschwinde dann mal nach nebenan in mein Zimmer und gehe duschen. Wir haben ja nur noch eine Stunde, bis unser Zug zurück nach Frankfurt geht.“
Nach knapp viereinhalb Stunden Fahrt kommt Alex mit seiner Truppe wieder auf ihrem Revier in Frankfurt an. Auch wenn jeder am liebsten direkt in den verdienten Feierabend mit drei freien Tagen starten würde, steht erst noch die abschließende Einsatzbesprechung an. Außerdem müssen alle auch noch ihre Ausrüstung zurückbringen. Auf dem Weg in den Besprechungsraum laufen sie natürlich direkt Andreas in die Arme, der ihnen anerkennend zunickt. Allerdings verändert sich seine Miene schlagartig, als er Alex erblickt.
„Romanoff, sofort in mein Büro! Johnson Sie leiten die Nachbesprechung.“ Kim wirft Alex einen irritierten Blick zu, doch dieser zuckt lediglich mit den Schultern und gibt sich ahnungslos. Dabei weiß er nur zu gut, was ihm jetzt blühen wird.
„Rede ich polnisch, oder was? Wobei das könnten Sie als Halbrusse wahrscheinlich noch verstehen“, grunzt Andreas.
„Romanoff bewegen Sie augenblicklich Ihren Arsch hier rein und Sie, Johnson, sehen Sie zu, dass Sie den Einsatz mit der Besprechung hinter sich bringen und danach Abmarsch nach Hause.“
Kim zuckt zusammen und auch Alex ist mit einem Mal etwas mulmig. So aufgebracht hat er seinen Chef noch nie erlebt. Klar haben die beiden in letzter Zeit ein recht angespanntes Verhältnis, aber es war stets professionell.
Allerdings scheint diese Professionalität bei Andreas gerade etwas abhanden gekommen zu sein. Da Alex ihn aber nicht noch mehr verärgern will, tut er wie befohlen und folgt ihm in sein Büro.
Kim nickt er zu und formt ein wortloses „Du schaffst das.“
Nach einem grimmigen Blick von Andreas sieht sie dann zu, dass sie schleunigst Land gewinnt.
„Setzen!“, blafft Andreas ihn an und schließt mit einem lauten Knall die Tür.
„Ich weiß wirklich nicht, was ich mit dir machen soll. Obwohl ich es versucht habe zu verhindern, hast du es geschafft mit deiner Einheit nach Berlin zu fahren. Und dann wäre da noch der vorherige Einsatz bei der Demo. Was hast du dir da gedacht? Du hast dich und deine Kollegin Kim Johnson in eine äußerst gefährliche Situation gebracht. Hätten die anderen Kollegen euch nicht gefunden und euch den Arsch gerettet… Herrgott Romanoff, wer weiß was da passiert wäre. Du glaubst wirklich, du kannst dir alles erlauben.“
Sichtlich aufgebracht tigert Andreas durch sein Büro und macht seinem Ärger Luft.
Moment mal, hat er gerade ernsthaft zugegeben, dass er versucht hat, unseren Einsatz in Berlin zu verhindern, obwohl wir vom Polizeipräsidenten angefordert worden sind?
„Ich sollte dir eigentlich ganz gehörig in den Arsch treten, für den Mist, den du dir bei der Unterstützung der Einheiten bei der Demo geleistet hast. Aber dann würde sich wahrscheinlich nicht nur unser Polizeipräsident, sondern auch die von Berlin, sowie einige Politiker und die Presse auf mich stürzen. Das wäre das Ende meiner Karriere“, redet Andreas sich weiter in Rage. Mittlerweile hat er sich gegenüber von Alex an seinen Schreibtisch gesetzt. Alex ist vollkommen irritiert und weiß nicht, was er sagen soll. Dass er von seinem Chef eine Standpauke für seinen Blackout bei der Demo erhält, war ihm klar.
Aberwas die Nummer mit Berlin anbetrifft, das kapiert er nicht.
„Sag mal, ist das ein Scherz? Du gibst also zu, dass du mit voller Absicht unseren Einsatz in Berlin sabotiert hast? Obwohl der Polizeipräsident unsere Unterstützung zugesagt hat?“
Alex kocht innerlich vor Wut, versucht sich aber nichts anmerken zu lassen. Er hat zwar schon immer gewusst, dass sein Chef gerne mal ein falsches Spiel spielt, aber das hier geht dann doch zu weit. Bis gerade hat er lediglich gedacht, Andreas hätte sie aus Schusseligkeit für den Dienst bei der Demo eingeplant und wollte, dass dann nicht zugeben.
„Ach deine Einheit ist mir doch völlig egal. Mir geht es nur vollkommen gegen den Strich, dass Mister Perfect alles zufliegt, der Polizeipräsident ihm auch noch den Arsch pudert, um gute Presse zu bekommen und das nur, weil sein Goldjunge mit seiner alles geliebten Tochter befreundet ist.“
Jetzt dreht Andreas aber völlig durch und verdreht vollkommen die Tatsachen. Ja, ich bin mit Kira befreundet und habe bei ihrem Vater ein Stein im Brett, was mir manchmal auch unangenehm ist, aber weder bekomme ich vom Polizeipräsidenten den Allerwertesten gepudert noch, ist mir alles zugeflogen. Ich habe mir alles hart erarbeitet und jegliche Anerkennung verdient, auch wenn es mir manchmal unangenehm ist.
„Was ist, hat es dir die Sprache verschlagen?“, funkelt Andreas ihn an.
Auch wenn Alex kurz davor ist vor Wut zu platzen, lässt er sich nichts anmerken.
„Nein Andreas, mir hat es nicht die Sprache verschlagen. Ich denke nur, es ist besser zu schweigen und wir sollten das Gespräch erst weiterführen, wenn du dich etwas beruhigt hast und wieder klarer denken kannst.“
Mit diesen Worten erhebt sich Alex von seinem Stuhl und verlässt das Büro.
„Das ist noch nicht vorbei Romanoff! Wir sprechen uns noch, wenn du nach deiner zweiwöchigen Suspendierung wieder hier bist. Mach dich danach schon mal auf Schreibtischdienst auf unbestimmte Zeit gefasst“, brüllt er ihm hinterher. Alex erwidert darauf allerdings nichts, sondern schließt wortlos die Bürotür und verlässt das Revier.
Zielstrebig steuert Alex auf seinen Wagen, steigt ein und startet den Motor. Doch er fährt nicht direkt los. Stattdessen malträtiert er beinahe das Lenkrad. Seine aufgestaute Wut auf seinen Chef ist kein guter Begleiter, um Auto zu fahren. Das weiß er, zu groß ist die Gefahr durch Unachtsamkeit einen Unfall zu bauen. Außerdem schleicht sich langsam, aber unaufhaltsam ein beklemmendes Gefühl in sein Herz und lässt es schneller schlagen.
Nicht schon wieder so eine blöde Panikattacke, schießt es ihm durch den Kopf.
Er schaltet den Motor aus und verlässt kopfschüttelnd das Auto.
Es ist besser, wenn ich ihn stehen lasse und vielleicht später hole. Besser so, als wenn ich nachher noch einen Unfall baue.
„Hey Alex, gut, dass ich dich noch erwische“, ertönt Kims Stimme in seinem Rücken und seine Miene hellt sich ein wenig auf.
Mit ein paar schnellen Schritten ist sie bei ihm.
Alex dreht sich zu ihr um und schenkt ihr ein gequältes Lächeln. Auch wenn er sehr gerne seine momentane Gemütslage verbergen würde, ist ihm klar, dass Kim an seinem Gesichtsausdruck erkennt, dass es nicht so ist.
„Ich frage besser nicht, wie es gelaufen ist. Dein Gesicht sagt mehr als tausend Worte. Aber du weißt, wenn du jemanden zum Reden brauchst, habe ich immer ein offenes Ohr für dich Natasha“, zwinkert sie ihm mit einem schelmischen Grinsen zu.
„Hey, ich hab doch gesagt, du sollst das lassen. Das ist nicht witzig.“
Doch sein Gesicht sagt etwas anderes, was auch Kim natürlich bemerkt.
„Dann sag das mal deinem Gesicht, das sagt nämlich was anderes“, erwidert sie mit einem Grinsen und stupst ihn sanft mit dem Ellenbogen in die Seite.
„Lass mich, ich hab schlechte Laune“, brummt er und steckt sich eine Zigarette an.
Kim mopst sich schnell die Schachtel, bevor er sie wieder in seiner Hosentasche verschwinden lässt.
„Ey, du schuldest mir schon bald ne ganze Schachtel, wenn du so weiter machst“, protestiert Alex und nimmt einen Zug.
„Wenn du mir jetzt so kommst und willst das Aufrechnen, verlierst du mein Lieber. Aber haushoch. Das weißt du genauso gut wie ich“, nuschelt Kim mit der Zigarette im Mund.
„Ist ja schon gut. Ich bin schon still.“ Alex nimmt die Zigarette aus seinem Mund und verschließt mit einem imaginären Reißverschluss seinen Mund.
„Kannst du mich vielleicht mitnehmen und zu Hause absetzen? Mein Auto ist noch in der Werkstatt und auf Bus oder Taxi habe ich keine Lust.“
Alex nickt, drückt die Zigarette am Mülleimer aus und wirft sie hinein.
„Klar, aber nur wenn du fährst. Ich fühle mich gerade nicht dazu in der Lage zu fahren.“
Alex kramt den Schlüssel aus seiner Hosentasche und hält ihn Kim hin, die ihn zögerlich greift.
„Es ist wirklich immer wieder eine Ehre für mich dein Baby fahren zu dürfen“, antwortet sie ehrfürchtig und steigt ein. Alex nimmt auf dem Beifahrersitz Platz und die beiden fahren los.
Als sie nach gut zehnminütiger Fahrt vor Alex‘ Wohnung ankommen, fängt es in Strömen an zu schütten.
„Mist, da werde ich wohl nass werden“, schimpft Kim, während sie den Wagen an den Straßenrand steuert und den Motor ausschaltet. Zwar wohnt sie nur ein paar Blocks von hier, aber so wie es schüttet, wird sie klatschnass sein, bis sie zu Hause ist.
Normalerweise würde Alex ihr ja anbieten, dass sie noch mit hochkommt, bis es aufgehört hat zu regnen, aber ihm ist gerade überhaupt nicht nach Gesellschaft zumute. Er will sich einfach nur ins Bett schmeißen und versuchen abzuschalten.
„Nimm ruhig den Wagen, dann wirst du nicht nass. Ich komm ihn nachher oder morgen abholen.“
Kim starrt ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
„Bist… bist du dir sicher?“, stammelt sie vor sich hin. „Du weißt, dass ich keine Garage habe und wenn der Wagen nen Kratzer oder schlimmeres bekommt, bin ich pleite und kopflos“, schiebt sie hinterher.
„Mach dir darum mal keinen Kopf. Es ist immer noch ein Auto und es gibt eigentlich nichts, was sich nicht reparieren lässt.“
Noch bevor Kim etwas erwidern kann, ist Alex bereits ausgestiegen und holt seine Tasche aus dem Kofferraum.
„Trotzdem reiße ich dir den Kopf ab, wenn du mir auch nur einen Kratzer in den Wagen machst“, schiebt er mit einem kleinen Lachen hinterher, schließt den Kofferraumdeckel und verschwindet im Hausflur.
Als er die Wohnungstür öffnet und Tobis Schuhe kreuz und quer im Flur verteilt sieht, ahnt er bereits Böses. Auf dem Weg in den Flur wirft er seine Tasche kurz in sein Zimmer und setzt schnurstracks seinen Weg in die Küche fort.
Das darf doch wohl nicht wahr sein. Tobi ist so ein Dreckschwein. Ich bin gerade einmal etwas mehr als 48 Stunden weg und die Küche sieht, aus wie ein Schlachtfeld. Überall steht dreckiges Geschirr, leere Bierflaschen und auch der Mülleimer quillt über.
„Aber so nicht Freundchen, den Saustall räumst du selbst auf und wenn wir in dem Müll umkommen. Ich räum dir dieses Mal nicht hinterher“, murmelt Alex vor sich hin und öffnet den Kühlschrank,
„leer…“, seufzt er.
„Das kann doch wohl nicht wahr sein. Nicht mal einkaufen ist dieser faule Sack gewesen und ich hab echt geglaubt, er hat sich geändert. Nicht mal eine Flasche Bier hat er mir übrig gelassen.“ Sein Magen meldet sich mit einem lauten Knurren.
„Von was zu essen ganz zu schweigen“, brummt er und wirft die Kühlschranktür ein Stück zu fest zu, worauf ein paar seiner Kühlschrankmagneten runterfallen.
„Ach scheiß drauf, ist jetzt auch egal.“ Er lässt die Magneten achtlos auf dem Boden liegen und stapft wütend in sein Zimmer.Du kannst bloß froh sein, dass du nicht da bist. Ich würde dir so dermaßen den Arsch aufreißen.
Als er das Licht in seinem Zimmer einschaltet, trifft ihn der nächste Schlag.
Nicht nur, dass sein Bett zerwühlt ist und definitiv jemand darin geschlafen hat, liegen auch hier ein paar Bierflaschen und mehrere Pizzakartons herum.
Was ist das denn? Liegt da ernsthaft ein BH auf meinem Kopfkissen? Nein, das kann nicht sein.
Mit einer Mordswut im Bauch eilt Alex zu seinem Bett und tatsächlich liegt auf seinem Bett ein schwarzer Spitzen-BH.
Kann es sein, dass er vielleicht von Amy ist und sie mir damit irgendwas sagen will?
Er hebt den BH hoch, mustert ihn und schüttelt schließlich den Kopf.
Nein, der ist zu klein. Der ist definitiv nicht von Amy. Ein Blick auf das Schild bestätigt es schließlich.
Als ihm dann noch die aufgerissenen Kondomverpackungen auf dem Nachttisch ins Auge springen, ist es für ihn ganz vorbei. Er stopft seine Schmutzwäsche aus Berlin in seinen Wäschekorb, schnappt sich ein paar frische Klamotten, sowie seine Sportsachen und stürmt aus der Wohnung. Auf dem Weg in den Keller, um sein Rad zu holen, zückt er sein Handy und schreibt Max eine WhatsApp.
Hey Max,
kann ich vielleicht heute Nacht bei euch auf dem Gästebett schlafen?
Bin gerade aus Berlin zurück und meine Wohnung sieht aus wie ein Saustall und dann scheint auch noch irgendwer in meinem Bett gevögelt zu haben. Ich muss einfach raus. Wenn es dir oder Kira aber nicht passt, würde ich mir ein Hotel nehmen.
Da er im Keller keinen Empfang hat, bekommt er die Antwort erst, als er mit seinem Rad das Haus verlässt.
Hey Alex,
klar kannst du bei uns pennen. Kira macht dir das Gästebett fertig und wenn du uns noch ein wenig in der Bar hilfst, ist es ein Gewinn für uns alle.
Alex wirft sich seine Tasche als Rucksack auf die Schulter und tritt in die Pedale.
Nach ein paar Minuten Fahrt kommt er schließlich an der Bar von Max und Kira an. Er nimmt natürlich wie meistens den Lieferanteneingang, um nicht anstehen zu müssen und sein Fahrrad im Innenhof parken zu können.
Er schiebt also sein Rad zum Seiteneingang und klopft. Es dauert ein paar Minuten, bis ihm jemand öffnet.
„Gott sei Dank bist du hier Alex. Da drinnen ist die Hölle los. Wir können jede helfende Hand gebrauchen“, wird er von Kira begrüßt.
Allerdings kommt er nicht dazu zu antworten, denn bereits, nachdem sie ihm die Tür geöffnet hat, ist sie auch schon wieder verschwunden.
„Tut mir leid Alex, aber ich muss zurück in die Bar, aber du kennst dich ja aus. Wenn du dein Rad und deine Tasche weggebracht hast, komm zu uns. Wir gehen gerade unter“, ruft sie ihm über die Schulter zu und ist kurz darauf auch schon wieder durch die Tür zur Bar verschwunden.
Sehr gut, wenn so viel zu tun ist, dann komme ich auf andere Gedanken und rege mich nicht weiter auf. Nachteil ist aber, dass ich weiterhin nicht zum Essen komme.
Alex schiebt sein Rad in den Flur und schließt hinter sich die Tür. Da der Flur recht eng ist, hat Alex ein wenig damit zu kämpfen sein Rad in den Hinterhof zu schieben. Er muss immer wieder darauf achten sich nicht an irgendwelchen kurzzeitig abgestellten leeren Kästen oder Fässern zu stoßen oder mit dem Rad daran hängen zu bleiben. Schließlich schafft er es sich irgendwie durchzuwurschteln und sich dann auch noch zur Tür in den Innenhof durchzuquetschen, um sie öffnen zu können.
„Das war ein ganz schöner Akt“, seufzt er und reibt sich den Ellbogen, mit dem er doch immer mal wieder irgendwo hängen geblieben ist. Er schiebt das Rad in irgendeine Ecke, in der es hoffentlich nicht stört und verschwindet wieder nach drinnen.
Alex geht auf direktem Weg hoch in die Wohnung von seinen Freunden und bringt seine Tasche ins Gästezimmer. Da er immer noch in den Klamotten aus Berlin steckt, zieht er sich kurzerhand um und macht sich ein wenig frisch.
„Da bist du ja endlich. Du solltest doch nur deine Sachen wegbringen und dich nicht noch ewig im Bad aufhalten“, frotzelt Kira, der Alex Outfit-Wechsel natürlich auffällt.
„Mensch Alex, bei der Duftwolke, die du hinter dir herziehst, könnte man denken du willst heute noch jemanden aufreißen“, stimmt Max mit ein, während er ein paar Bier zapft.
„Willst du Max mit den Getränken helfen oder willst du mit mir bedienen?“
Alex würde am liebsten auf dem Absatz kehrt machen und verschwinden. Auch wenn er sich über Ablenkung freut, ist ihm die heutige Anzahl an Gästen eigentlich ein wenig zu viel. Aber er kann seine Freunde nicht hängen lassen.
„Du weißt, wie schlecht meine Kellnerfähigkeiten sind. Von daher entscheide ich mich für die Arbeit hinter dem Tresen“, antwortet er mit einem breiten Grinsen und verschwindet zu Max hinter die Bar.
„Das hätte ich mir gleich denken können“, antwortet Kira kopfschüttelnd und lädt die nächsten Getränke auf ihr Tablett.
„Wird das heute noch was? Wir warten schon über eine halbe Stunde auf unsere Getränke“, ertönt das Gemecker eines männlichen Gastes, der mit einer kleinen Gruppe direkt neben der Bar sitzt.
„Hey! Wir warten schon viel länger. Was ist das hier für ein Saftladen?“, erklingt die Stimme eines anderen Gastes aus der Nähe der Eingangstür.
Kira tauscht mit Max und Alex hilflose Blicke aus, stößt einen tiefen Seufzer aus und setzt sich anschließend in Bewegung.
„Vielleicht solltet ihr weniger quatschen und mehr arbeiten“, meldet sich jetzt auch noch ein dritter Gast zu Wort, während von draußen immer mehr Gäste versuchen, ins Innere zu gelangen.
Alex wirft Max einen Blick zu, dem seine Verzweiflung förmlich ins Gesicht geschrieben steht.
„Wo sind denn eure beiden Mitarbeiter?“
„Gekündigt“, antwortet Max knapp mit einer abfälligen Handbewegung.
Alex nickt, atmet einmal tief durch und krempelt die Ärmel hoch.
„Keine Sorge, ich mach das schon. Als erstes werde ich mal dafür sorgen, dass keine neuen Gäste mehr reinkommen. Es ist voll genug für drei Leute und danach versuche ich mal noch Hilfe zu organisieren.“
Max nickt erleichtert und zapft in Windeseile den nächsten Schwung Bier.
Gerade als Alex hinter dem Tresen hervortritt und sich an den ersten Gästen vorbeigequetscht hat, vibriert sein Handy.
Er schafft es so gerade eben sein Gerät in dem Gedränge aus der Hosentasche zu ziehen. Auf dem Display prangt Amys Name. Alex zögert einen kurzen Moment, entscheidet sich dann aber dafür den Anruf nicht anzunehmen. Zum einen ist er hier gerade mehr als beschäftigt und zum anderen möchte er gerade nicht mit ihr reden.
Als Alex es endlich geschafft hat sich zur Tür durchzukämpfen, versucht gerade eine Vierergruppe, in die Bar zu kommen. Alex vermutet zwei befreundete Pärchen, zumindest macht es den Eindruck.
„Sorry Leute, heute nicht mehr.“ Er stellt sich direkt vor das erste Pärchen und blockiert so ihren Weg.
Auch wenn keiner von ihnen den Anschein macht, dass er Stress machen könnte, ist Alex trotzdem auf alles vorbereitet und bleibt wachsam. Polizist bleibt eben Polizist, auch in seiner Freizeit.
„Hey man, mach kein Mist Alter. Wir haben uns schon den ganzen Tag auf einen schönen Abend hier gefreut“, protestiert einer der Männer.
Alex bemerkt gleich die leichte Alkoholfahne bei ihm und ist sofort alarmiert, noch aufmerksamer zu sein.
„Es tut mir leid, aber ihr seht ja, was hier los ist. Keine Chance. Versucht es später vielleicht noch mal oder morgen.“
„Was ist da los Micha? Brauchst du Hilfe?“ Sofort verlagert Alex seinen Blick auf den zweiten Mann im Bunde.
Er weiß, dass die Situation jetzt jederzeit kippen kann. Erst recht, wenn der zweite Typ jetzt auch noch nach vorne kommt.
Natürlich muss es so kommen, dass der Typ jetzt auch noch mitmischen will, schießt es ihm durch den Kopf, als sich der Kumpel von diesem Micha an den beiden Frauen vorbeiquetscht und sich neben Micha postiert.
Auch hier riecht Alex sofort den Alkohol und macht instinktiv einen Schritt zurück, um etwas Abstand zwischen sich und die beiden Jungs zu bekommen.
„Jungs, kommt wir gehen woanders hin und kommen nachher noch mal wieder“, meldet sich eine der Frauen zu Wort.
„Nein, wir kommen jetzt hier rein“, macht der Unbekannte seinen Standpunkt klar und verschränkt demonstrativ die Arme vor der Brust.
„Wer bist du Wichtigtuer überhaupt, dass du meinst uns, hier den Zutritt zu verbieten. Ich hab dich hier noch nie gesehen.“
Er macht einen Schritt auf Alex zu und versucht sich vor ihm aufzubauen. Wirklich Eindruck macht das allerdings nicht, da er mindestens einen Kopf kleiner ist als Alex. Dieser weiß natürlich, dass das hier überhaupt keine Rolle spielt. Denn zum einen steht er ihnen alleine gegenüber und zum anderen sind die Beiden alkoholisiert.
„Immer müsst ihr Stress machen. Komm wir gehen Laura“, meldet sich die zweite Frau jetzt zu Wort. Sie greift ihre Freundin sanft, aber bestimmt am Handgelenk und zieht sie zurück nach draußen.
Die beiden Jungs hingegen machen keine Anstalten die Bar zu verlassen.
„Na kommt ihr beiden, macht es euren Freundinnen nach und geht nach draußen. Noch ist nichts passiert und noch könnt ihr nachher wiederkommen“, gibt Alex sich weiter diplomatisch.
Entschlossen und selbstsicher macht er einen Schritt auf die beiden zu und macht eine Handbewegung in Richtung Ausgang. Dabei muss er wohl den Arm von diesem Micha berührt haben, der daraufhin etwas aggressiv wird.
„Fass mich nicht an du Arsch oder wir machen dich platt.“
Alex lässt sich davon allerdings wenig beeindrucken, sondern zeigt weiter nur stoisch Richtung Ausgang.
„Ich bitte euch noch einmal zu gehen und wenn ihr meint, ihr müsst nicht freiwillig gehen, werde ich nachhelfen. Dann werde ich aber auch gleichzeitig dafür sorgen, dass ihr nie wieder einen Fuß in diese Bar setzen werdet.“
Micha zuckt unbeeindruckt mit den Schultern und auch sein Kumpel steht nach wie vor wie angewurzelt an Ort und Stelle.
