Dunkle Wolken am Horizont: Ein perfektes Leben beginnt zu bröckeln - Florian Preuß - E-Book
SONDERANGEBOT

Dunkle Wolken am Horizont: Ein perfektes Leben beginnt zu bröckeln E-Book

Florian Preuß

0,0
4,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Alexander Romanoff ist ein junger erfolgreicher Polizist bei der Bereitschaftspolizei in Frankfurt. Nicht nur beruflich, sondern auch privat läuft es für den jungen Hauptkommissar super. Seit zwei Jahren ist er nun mit seiner Freundin Amy zusammen und will sobald sie ihr Studium abgeschlossen hat den nächsten Schritt wagen und mit ihr zusammen ziehen. Doch dann bringt ein Ereignis alles ins Wanken und Alex gerät ins grübeln und wird unkonzentriert. Als dann ein Einsatz droht schiefzugehen, könnte alles ein Ende finden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Dunkle Wolken am Horizont

Ein perfektes Leben beginnt zu bröckeln

Dunkle Wolken am Horizont

Ein perfektes Leben beginnt zu bröckeln

Florian Preuß

Impressum

Copyright:

Florian Preuß

c/o COCENTERKoppoldstr. 186551 Aichach

Jahr: 2025

ISBN: 9783759271532

Veröffentlich über: TolinoMedia

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig

Vorwort

Lieber Leser, Liebe Leserin, bevor ihr mit meiner Geschichte beginnt, möchte ich euch noch das ein oder andere mit auf den Weg geben.

Zum einen etwas mehr oder weniger Inhaltliches.

Der Hauptcharakter dieser Geschichte ist Polizist, da ich aber weder selber Polizist bin noch Freunde bei der Polizei habe, musste ich recherchieren.

Dennoch ist mit Sicherheit das ein oder andere nicht zu einhundert Prozent korrekt, aber am Ende des Tages ist es immer noch eine ausgedachte Geschichte und kein Sachbuch für Polizisten.

Des Weiteren werdet ihr beim Lesen möglicherweise noch den ein oder anderen Fehler entdecken. Bitte seit nachsichtig mit mir, da ich weder ein professionelles Korrektorat noch Lektorat hatte.

Jetzt wünsche ich euch aber erst einmal viel Spaß beim Lesen und ich hoffe euch gefällt meine Geschichte.

Kapitel 1

Freitag, 09.Juni

Endlich frische Luft, denkt sich Alex, als er nach über einer Stunde die Disco für einen kurzen Moment verlässt, um im Außenbereich eine zu rauchen. Er atmet tief ein und genießt die Ruhe, während die frische Luft in seine Lunge strömt und seinen Körper etwas abkühlt. Zielstrebig steuert er auf eine der vielen Bänke zu und lässt sich mit einem leisen Seufzer nieder.

Froh darüber, dass ihm keiner seiner Kollegen gefolgt ist, zieht er seine Zigaretten samt Zippo aus der Hosentasche und zündet sich eine an.

Er mag zwar seine Kollegen und auch seinen besten Kumpel Tobi, der die Party hier organisiert hat, aber er, hasst es im Mittelpunkt zu stehen. Klar ist heute sein Tag, denn immerhin feiert er heute sein zehnjähriges bei der Polizei und in denen hat er auch schon einiges erreicht. Aber das Rampenlicht hat er schon immer lieber anderen überlassen.

Selbst während seiner Ausbildung, war ihm der Rummel um seine Person zu viel. Er hat als Jahrgangsbester seine Prüfung ohne Fehlerpunkte bestanden. Auch als er dieses Jahr mit gerade einmal 28 Jahren Hauptkommissar wurde und die Leitung über seinen eigenen Zug in der Hundertschaft bekam. Hat er so gut es ging einen Bogen um die Presse gemacht.

Er hatte keine Lust immer und überall Rede und Antwort zu seiner steilen Karriere stehen zu müssen.

Gerade als er einen weiteren Zug von seiner Zigarette nimmt, vibriert sein Smartphone.

In der Hoffnung, dass es seine Freundin Amy ist, holt er es aus seiner Hosentasche.

Mist! Nur eine Benachrichtigung von Instagram. Mit einem tiefen Seufzer scrollt er durch die Benachrichtigungen. Bevor er es wieder in die Hosentasche gleiten lässt und sich seine Zigarette erneut ansteckt.

Er ist sichtlich niedergeschlagen und wünscht sich nur, dass Amy sich bald bei ihm meldet. Seitdem sie kurz vor ihrer Doktorarbeit an der Uni steht, haben sie kaum noch Zeit füreinander.

Nicht, dass er dafür kein Verständnis aufbringt, im Gegenteil er freut sich sogar sehr für sie. 

Aber in letzter Zeit verhält sie sich ihm gegenüber ziemlich merkwürdig und er wird das Gefühl nicht los, dass es nichts mit der Uni zu tun hat.

Erst heute hat es wieder eine Situation gegeben, die ihn sehr ins Grübeln gebracht hat. Amy wollte eigentlich auch zu seiner Party kommen, doch urplötzlich hat sie abgesagt. Begründet hat sie es damit, dass sie lange in der Uni bleiben und morgen auch wieder früh hinmuss. Gemeinsam mit einer Kommilitonin müssen sie noch ihr Projekt beenden.

Aber Alex weiß nicht, was er davon halten soll.

Zu oft hat sie ihn in letzter Zeit wegen allem Möglichen kurzfristig versetzt.

Vielleicht ist er aber einfach auch nur zu misstrauisch und immer noch geprägt, von dem was seine Ex ihm damals angetan hatte.

Ich muss die Tage mal das Gespräch mit ihr suchen und fragen, was mit ihr los ist. Vielleicht ist es ja gar nicht das, was ich denke.

In Gedanken versunken zieht er ein weiteres Mal an seiner Zigarette, während sich die Tür der Disco öffnet.

Alex ist so in seine Gedanken vertieft, dass er die junge Frau, die sich zielstrebig in seine Richtung bewegt, erst gar nicht bemerkt.

„Hey, kannst du mir vielleicht mal dein Feuerzeug leihen?“, grinst sie und nestelt bereits eine Zigarette aus ihrer Handtasche.

Alex zuckt zusammen und blickt die junge Frau in ihrem kurzen schwarzen Kleid leicht verdattert an. Während er sich fragt, wo sie so plötzlich hergekommen ist. Da er ihr auch nach einem kurzen Augenblick nicht antwortet, stellt sie ihre Frage erneut. „Kannst du mir vielleicht dein Feuerzeug leihen?“, fragt sie mit einem sanften Lächeln.

„Ja klar, selbstverständlich“, erwidert Alex immer noch leicht verwirrt.

Er greift in seine Hosentasche holt das Feuerzeug heraus und reicht es ihr. Sie zündet sich ihre Zigarette an und gibt ihm das Zippo zurück. „Ich bin übrigens Sophie.“, grinst sie und streicht sich dabei eine dunkle lockige Strähne hinters Ohr.

Er zieht nachdenklich an seiner Zigarette. „Hey, ich bin Alex.“,

erwidert er und pustet den Qualm in den dunklen Nachthimmel.

„Ich bin echt froh, mal da rauszukommen. Ich habe das Gefühl, heute sind nur Polizisten hier. Jeder zweite Typ, der mich anquatscht, ist Polizist… Und einer davon ist besonders schlimm, der hat mich ganz billig angebaggert.“  

Sie zieht an ihrer Zigarette und blickt dann zu Alex, der sich nur schwer ein Lachen verkneifen kann und auch sofort weiß, wer sie da so billig angemacht hat. Sophie legt den Kopf leicht zur Seite.

„Was ist daran so lustig?“, fragt sie leicht empört und funkelt ihn mit ihren hellblauen Augen an.

„Naja… auch hier draußen bist du nicht sicher vor Polizisten.“, schmunzelt er und kratzt sich am Hinterkopf. „Tut mir leid.“

„Was…? Du etwa auch?“, fragt Sophie entsetzt, aber mit weiterhin mit einem Lächeln im Gesicht. „Hier sind heute wohl überall Polizisten.“, lacht sie und zieht ein letztes Mal an ihrer Zigarette, bevor sie sie auf dem Boden austritt.

Nickend bestätigt Alex Sophies Vermutung, bevor auch er den letzten Zug seiner Zigarette nimmt. „Aber ist das denn so schlimm? Du hast doch wohl nicht schon schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht?“, fragt er mit einem leicht provokanten Grinsen.

Sophie zieht mit gespielter Empörung scharf die Luft ein und reißt ihre Augen dabei weit auf. „Was… Ich?“, dabei legt sie schockiert ihre Hand auf ihren Brustkorb und muss sich zusammenreißen, um nicht aus ihrer Rolle zu fallen. Doch schon Sekunden später bricht sie in lautes Lachen aus und schüttelt den Kopf. „Mit der Polizei bin ich noch nie aneinandergeraten.

Im Gegenteil, seit drei Jahren bewerbe ich mich jetzt schon dort und jedes Mal habe ich eine Absage erhalten. Das ist echt frustrierend.“

Wie ein beleidigtes Kleinkind zieht sie einen Schmollmund und unterstützt ihre Enttäuschung zusätzlich mit vor der Brust verschränkten Armen.

Sofort wird Alex hellhörig. Immerhin ist er für die sportliche Entwicklung des Polizeinachwuchs zuständig und gibt immer alles, um junge Leute für die Polizei zu gewinnen.

Er steht auf, zieht seinen Geldbeutel aus der Gesäßtasche und holt seine Visitenkarte hervor. Dann dreht er sich wieder zu Sophie um und hält ihr die Visitenkarte hin.

„Wenn du wirklich zur Polizei willst, dann melde dich morgen unter dieser Nummer bei mir.“, sagt er und reicht ihr seine Karte.

„Ich werde dich dann zu einem Training einladen und sehen, ob du körperlich für den Polizeidienst geeignet bist.“ Sofort hat er Sophies ganze Aufmerksamkeit. Ohne zu zögern, greift sie nach der Visitenkarte. 

Und dabei passiert es… wenn auch nur kurz, streift Sophies Hand, die von Alex und lässt sein Herz für einen Augenblick aussetzen.

Alex versucht sich nichts anmerken zu lassen und schiebt diese merkwürdige Reaktion auf den Alkohol, von dem er bereits reichlich getrunken hat.

„Nicht vergessen… melde dich morgen bei mir und bereite dich am besten schon mal vor“, schmunzelt er und geht zielstrebig in Richtung Tür.

„Ich glaube, das brauche ich nicht.“

Sie folgt ihm nach drinnen, wo Alex ihr einen verwirrten Blick zuwirft.

Gerade als zu einer Frage ansetzen will, wirft Sie ihm noch mal ein letztes Lächeln zu und verschwindet dann nach links in einer kleinen Menschentraube. „Da bist du ja.“, ertönt hinter Alex plötzlich die Stimme von Tobi.

„Wer war denn diese schwarzhaarige Schönheit gerade? Du hast doch wohl nicht etwa mit ihr geflirtet? Ich glaub das ist die, die mich hat abblitzen lassen. Jetzt sag nicht, du hast ihre Nummer bekommen?“

Schlagartig stockt Alex der Atem und sein Herz fängt an zu rasen. „Was ich?“, fragt er und muss sich extrem zusammenreißen, um vollkommen normal zu wirken.

Immerhin hat er ja gar nicht mit ihr geflirtet… oder doch? Tobi kann sich ein Lachen nicht verkneifen, als er Alex‘ leicht verdutztes Gesicht sieht.

„Du lässt dich einfach zu leicht verarschen, Alter. Komm wir gehen zurück zu den anderen.“, er klopft ihm auf die Schulter, bevor er seinen Arm um ihn legt und ihn zurück in den VIP-Bereich zu ihren Arbeitskollegen schiebt.

Langsam normalisiert sich Alex‘ Herzschlag wieder, aber trotzdem braucht er jetzt erstmal einen Drink. Er lässt sich auf einem der beiden Sofas nieder und schnappt sich ein kühles Bier vom Tisch.

Man Alex, was war, dass denn für eine dämliche Aktion, schießt es ihm durch den Kopf. Es ist zwar ein Teil seiner Aufgabe neue Leute für die Polizei anzuwerben, aber mit ihnen zu flirten gehört nicht dazu. Nachdenklich legt er seinen Kopf in den Nacken und hält sich die Bierflasche an die Wange.

Nein du hast nicht mit ihr geflirtet, sagt er schließlich zu sich selbst. Du hast dich lediglich mit ihr unterhalten. Da ist nichts verwerflich dran, beruhigt ihn seine innere Stimme und einige Zeit und etliche Biere später hat er sein Treffen mit Sophie bereits wieder vergessen.

Irgendwann wirft er einen Blick auf die Uhr und schreckt schlagartig hoch. Verdammt es ist schon vier Uhr. 

Er lässt seinen Blick durch den VIP-Bereich schweifen und stellt fest, dass außer ihm nur noch seine Kollegen Kim und Tobi da sind.

Letzterer scheint in ein Gespräch mit zwei knapp bekleideten Frauen vertieft zu sein. Also alles wie immer, resümiert er nach seinem Blick durch die Runde und entschließt sich dazu nach Hause zu fahren. Er streckt sich einmal kurz, verabschiedet sich anschließend von den anderen und geht nach draußen zum Taxistand.

Im Taxi stellt er enttäuscht fest das er immer noch keine Nachricht von Amy bekommen hat. Für einen kurzen Moment überlegt er ihr eine längere Nachricht zu schreiben. Doch, nachdem er durch seinen einstigen Nachrichtenverlauf vom heutigen Abend scrollt, verwirft er die Idee schließlich und schreibt ihr nur ein kurzes „Du fehlst mir.“

Kapitel 2

Samstag, 10.Juni

Am nächsten Morgen kommt Alex für seine Verhältnisse erst spät aus dem Bett. Allerdings ist es auch nicht so prickelnd, um zehn Uhr aufzustehen, wenn man nur fünfeinhalb Stunden Schlaf geschlafen hat.

Leicht verkatert quält er sich aus dem Bett und streckt sich einmal. Er entschließt sich dazu umgehend Tageslicht und frische Luft in sein Zimmer zu lassen. Besonders letzteres tut ihm und auch seinem Zimmer sehr gut.

Das Wetter ist perfekt zum Joggen gehen, schießt es ihm durch den Kopf, während seine Haut von den ersten Sonnenstrahlen berührt wird. Ein letztes Mal lässt er die frische Luft von draußen in seine Lunge strömen. Bevor er das Fenster wieder schließt und in seine Sportklamotten schlüpft.

Als er nach draußen in den Flur tritt und ein leises Schnarchen vom anderen Ende des Gangs vernimmt, ist ihm klar, dass Tobi noch schläft.

Aber das war er ja bereits von seinem Mitbewohner gewöhnt und alles andere hätte ihn daher sehr gewundert. Denn als Alex gestern die Disco verlassen hatte, musste Tobi ja unbedingt noch bleiben.

Wann er genau nach Hause gekommen ist, weiß er gar nicht.

Er hat ihn zwar kommen hören, denn er ist nicht gerade leise gewesen. Aber Alex ist zu faul gewesen, um auf seinen Wecker zu schauen.

Ihm ist es auch so vorgekommen, als wäre Tobi nicht alleine nach Hause gekommen.

Es ist Fluch und Segen zugleich, dass Alex sein Zimmer direkt neben der Wohnungstür hat.

So konnte er zwar immer schnell ins gegenüberliegende Bad gelangen und auch schnell und unbemerkt aus der Wohnung verschwinden.

Allerdings bekommt er umgekehrt aber auch fast immer mit, wenn jemand kommt oder geht.

Da er nicht alleine joggen gehen will und er der Meinung ist, dass es Tobi auch guttun würde, huscht er zu seinem Zimmer.

Sein Besuch wird ja wohl schon weg sein. Tobi ist keiner, der einen One-Night-Stand bei sich schlafen lässt. 

Vorsichtig öffnet er Tobis Zimmertür und augenblicklich schlägt ihm der Geruch von Bier und Zigarettenqualm entgegen.

Am liebsten hätte Alex die Tür sofort wieder geschlossen,

aber letztendlich siegt seine Neugier und er steckt seinen Kopf ins Innere des Zimmers.

Das Bild, welches sich ihm dann bietet, lässt Alex schmunzeln.

Tobi liegt nur in Boxershorts bekleidet in der Mitte seines Bettes, während sich links und rechts zwei ebenfalls knapp bekleidete junge Frauen an ihn gekuschelt haben. Natürlich ist Alex sofort klar, was hier letzte Nacht noch ablief.

Als er dann bei einem letzten Blick durch Tobis Zimmer noch einige kreuz und quer über den Boden verteilte leere Bier- und Schnapsflaschen, sowie einige aufgerissene Kondomverpackungen entdeckt, ist auch der letzte Zweifel ausgeräumt. Da habe ich wohl falsch gelegen dieses Mal und werde besser alleine joggen gehen, schmunzelt er.

Er beschließt sich leise wieder aus dem Zimmer zurückzuziehen, um ihn nicht zu wecken. Doch als er die Tür fast geschlossen hat, kommt ihm der Gedanke, dass Tobi ihm gegenüber nicht so rücksichtsvoll wäre.

„Ey du faule Sau! Zeit joggen zu gehen.“, schreit er förmlich und kann sich ein Lachen nicht verkneifen.

Tobi zuckt zusammen und braucht erst mal einen Moment, um zu realisieren, was Sache ist.

„Alter, verpiss dich und geh mir nicht auf den Sack!“, keift er zurück und pfeffert sein Kissen in Alex‘ Richtung.

Alex schließt lachend die Zimmertür und geht zurück zur Kommode neben der Haustür und schlüpft in seine Laufschuhe.

Etwas Geld sollte ich vielleicht auch noch mitnehmen. Dann kann ich direkt Brötchen fürs Frühstück holen, schießt es ihm durch den Kopf, als sein Blick auf sein Portemonnaie fällt.

Um nicht das komplette Portemonnaie mitnehmen zu müssen, greift er sich lediglich ein paar Scheine und steckt diese in seine Hosentasche.

Draußen im Hausflur setzt er sich seine Bluetooth-Kopfhörer auf, schaltet die Musik ein und verlässt das Haus.

Dadurch dass Alex in unmittelbarer Nähe zum Ostpark wohnt, hat er es zu seinem täglichen Jogging Ziel nicht weit. Er muss lediglich zwei Straßen überqueren und schon kann er seine tägliche Joggingrunde starten. 

Denn egal ob Sommer oder Winter… Alex geht bei jedem Wetter joggen.

Er liebt es einfach draußen an der frischen Luft zu laufen, auch wenn es in Strömen regnet. Denn irgendwo im Fitnessstudio auf einem Laufband trainieren zu müssen, kommt für ihn nur im äußersten Notfall in Frage.

Klar geht er an sich gerne ins Fitnessstudio oder trainiert am Sportcampus der Polizei, aber laufen geht er eigentlich immer draußen. Auf einem Laufband kommt er sich immer vor wie ein Hamster im Laufrad. Doch bevor es ans Joggen geht, steht erst einmal aufwärmen auf dem Programm. Schließlich will er es nicht riskieren, eine Zerrung zu bekommen.

Es wäre auch mehr als peinlich, wenn der Leiter für Sportliche Schulung und Entwicklung bei der Polizei sich beim morgendlichen Joggen verletzt.

Bei dem Gedanken daran muss Alex ein wenig schmunzeln. Immerhin ist ihm das tatsächlich schon einmal passiert, aber das ist eine andere Geschichte.

Er lockert ein letztes Mal seine Muskeln, ehe er sich in gemächlichem Tempo in Bewegung setzt. Dabei lässt er seinen Blick durch den Park und über den See schweifen lässt. Obwohl es noch nicht einmal halb elf ist, ist der Park schon mehr als gut besucht.

Was zum einen natürlich am guten Wetter liegt, aber zum anderen auch daran, dass sowohl Sommer- als auch Semesterferien sind.

Auf der großen Wiese vor dem See tummeln sich haufenweise Studenten und ältere Schüler, die grillen, sich betrinken und Musik hören.

Gelegentlich springen sie dann in den See, um sich abzukühlen. Alex muss sich zusammenreißen, um hier nicht den Polizisten raushängen zu lassen. Auch wenn er sich sicher ist, dass hier noch nicht alle Alkohol trinken dürfen.

Aber da er gerade nicht im Dienst ist, drückt er einfach mal ein Auge zu. Während er langsam in Richtung See joggt, muss er an Amy denken und mit einem Mal wird ihm ein wenig schwer ums Herz.

Nicht dass die beiden in letzter Zeit irgendwelche großen Probleme hatten, aber er macht sich Sorgen um Ihre Beziehung.

Klar liebt er Amy immer noch und denkt auch nicht im Traum daran, sie zu verlassen. Aber die Tatsache, dass die beiden sich in letzter Zeit sehr selten sehen oder wenigstens miteinander telefonieren, stört ihn sehr.

Als er langsam in Richtung See kommt, bemerkt er zwei scheinbar stark alkoholisierte junge Männer.  

Die beiden scheinen Gefallen daran gefunden zu haben eine junge Frau zu belästigen, die sich dort sonnt. Als aus den verbalen Belästigungen handgreifliche werden, schrillen bei ihm sofort sämtliche Alarmglocken und ohne zu zögern greift er ein.

„Hey, ihr zwei… Polizei! Lasst die junge Frau in Ruhe“, ruft er ihnen vom Weg zu und läuft zielstrebig auf die Gruppe zu. Die beiden jungen Männer sind jedoch vollkommen unbeeindruckt von Alex‘ Ansage und setzen der Frau weiter zu.

Wäre auch mal ein Wunder, wenn das jemals funktionieren würde..., seufzt Alex und läuft einen Schritt schneller, um Schlimmeres zu verhindern.

Doch schon im nächsten Moment wird er Zeuge einer Aktion, mit der er niemals gerechnet hat. Ihm wird nach und nach klar, dass er sich absolut keine Sorgen um die junge Frau machen muss. Gerade als einer der Männer ihr an die Brust fassen will, greift diese sich blitzschnell dessen Hand.

Sie springt auf und dreht ihm in einer fließenden Bewegung und ohne Probleme den Arm auf seinen Rücken.

Damit hat der nun völlig perplexe Angreifer überhaupt nicht gerechnet. Er braucht einen Moment, um zu realisieren, was hier gerade passiert ist.

Natürlich versucht der Arme sich aus seiner mehr als misslichen Lage umgehend zu befreien. Doch je mehr er sich windet, desto mehr tut er sich nur selbst weh.

„Lass mich los, du blöde Schlampe! Du tust mir weh!“, brüllt er, mit schmerzverzerrtem Gesicht seinem vermeintlichen Opfer entgegen. Hilfesuchend wendet er sich schließlich an seinen Kumpel wendet.

„Chris, du Idiot, jetzt hilf mir doch mal mit dieser blöden Kuh“, schreit er ihm entgegen. Dieser steht allerdings erst einmal nur da und lacht ihn lauthals aus. Nach einem kurzen Augenblick der Schadenfreude entscheidet er sich dann doch dazu, seinem Kumpel zu helfen.

Er nähert sich von der Seite seinem vermeintlichen Opfer, welches schon längst keines mehr ist.

Alex ist sich ziemlich sicher, dass die junge Frau nicht mit beiden Angreifern fertig wird und beschleunigt noch einmal seinen Schritt. „Hey! Pass auf…“, setzt er gerade an, als er sich vollkommen überrascht eingestehen muss, dass er mit seiner Einschätzung völlig falsch gelegen hat.

Denn aus dem erhofften Überraschungsangriff wird leider nichts, was Chris gleich schmerzlich erfahren wird.  

Die junge Frau hat ihren zweiten Angreifer nämlich sehr wohl bereits aus dem Augenwinkel kommen sehen. Als er nah genug ist, verpasst sie ihm einen kräftigen Tritt in den Bauch.

Chris windet sich vor Schmerzen am Boden und japst nach Luft. Währenddessen versucht sein Kumpel immer noch sich irgendwie aus seiner misslichen Lage zu befreien.

Alex, der mittlerweile das Trio erreicht hat, ist immer noch überrascht, wie problemlos die Frau mit ihren Angreifern fertig geworden ist. Er kann sich nur schwer ein Schmunzeln verkneifen.

„So, ich denke, ihr habt eure Lektion gelernt. Wenn die Dame hier euch nicht wegen sexueller Belästigung anzeigen möchte, verschwindet ihr jetzt sofort von hier und kommt nicht wieder.“, macht Alex den beiden laut und energisch deutlich. Wenn seine Hilfe an sich schon nicht benötigt wird. „Ich denke auf eine Anzeige werde ich verzichten, Herr Kommissar“, erwidert die junge Frau, während sie den ersten Angreifer nun endlich loslässt und sich zu Alex umdreht.

Als dieser das Gesicht der Frau sieht, verschlägt es ihm augenblicklich die Sprache. Die beiden jungen Männer nutzen die Gunst der Stunde und ergreifen in Windeseile die Flucht.

„Wer hätte gedacht, dass wir uns so schnell wieder sehen“, schmunzelt Alex, als er seine Stimme wiedergefunden hat.

Er geht auf Sophie zu, die sich wieder auf ihrem Handtuch niedergelassen hat.

„Wer hätte gedacht, dass wir uns so schnell wieder sehen“, schmunzelt Alex, als er seine Stimme wiedergefunden hat. Er geht auf Sophie zu, die sich wieder auf ihrem Handtuch niedergelassen hat. „Aber kannst du mir mal erklären, was das gerade war? Ich habe schon gedacht, ich sehe nicht richtig, wie du die beiden Typen da gerade blitzschnell außer Gefecht gesetzt hast.“

Jetzt ist es Sophie, die schmunzeln muss. „Tja, ich bin halt nicht so brav, wie ich aussehe.“ Sie klopft mit der Hand neben sich auf das Handtuch, um Alex zu verstehen zu geben, dass er sich setzen soll. Für einen kurzen Moment zögert Alex, bevor er sich letztlich doch zu ihr auf das Handtuch setzt.

Auch wenn er eigentlich nicht will, wandert sein Blick unwillkürlich über Sophies Körper. Er hatte ja schon gestern in der Disco bemerkt, dass sie recht hübsch ist. Aber jetzt, wo sie im Bikini vor ihm sitzt, sieht er natürlich das, was ihm gestern noch verborgen geblieben ist.

Als erstes fallen ihm ihre recht langen Beine auf, die selbst ohne High Heels länger zu sein scheinen als bei anderen Frauen. 

Als sein Blick höher wandert, entdeckt er ein leichtes Sixpack, welches sich auf ihrem flachen Bauch abzeichnet. Es unterstreicht ihre durchaus sportliche Figur.

„Ich scheine dir zu gefallen, oder?“, meldet Sophie sich nach einer Weile zu Wort, der Alex Blicke natürlich nicht entgangen sind.

Und mit einem Mal fängt sein Herz bereits wie gestern Abend wieder schneller an zu schlagen und ein sanftes Kribbeln durchfährt seinen Körper. „Ähm… was?“, gibt Alex ein wenig verwirrt von sich und entschuldigt sich sofort für sein Verhalten. „Tut mir leid, das war unangebracht. Ich bin ja nicht besser als die beiden Kerle von vorhin.“

Er versucht das Ganze mit einem doch recht gequälten Lachen zu überspielen. In der Hoffnung, dass Sophie nicht weiter nachbohrt.

Denn die Situation gerade ist ihm mehr als unangenehm, weil er bei ihrem Anblick nicht so empfinden sollte.

„Ach alles gut. Ich mach doch nur Spaß“, antwortet sie schließlich und stößt ihm kumpelhaft mit dem Arm in die Seite.

Alex ist sichtlich erleichtert, dass Sophie es dabei belässt und ihn nur ein wenig necken wollte.

„Jetzt erzähl mir aber bitte Mal, was du da gerade veranstaltet hast?“

Er wirft ihr einen fragenden Blick zu und ist mehr als gespannt auf ihre Antwort.

Allerdings will Sophie nicht sofort mit der Sprache rausrücken und lässt Alex lieber noch ein wenig zappeln. Sie wirft ihm ein verführerisches Lächeln zu und fährt sich dabei mit der Hand durch die Haare.

„Naja, wie du vielleicht weißt, habe ich dir ja gestern gesagt, dass ich nicht extra trainieren muss, um dir zu zeigen, was ich kann.“

„Das habe ich gesehen“, schmunzelt Alex, der langsam ein wenig nervös wird und hofft, dass Sophie es ihm nicht anmerkt.

Allerdings kann er seinen Blick auch nicht von ihr lassen, was das Ganze nicht einfacher macht.

Natürlich bleiben seine erneuten Blicke Sophie auch dieses Mal nicht verborgen und sie würde gerne noch ein wenig weiter mit ihm spielen. Nicht weil sie etwas für ihn empfindet, sondern einfach, weil es ihr Spaß macht, die Männer ein bisschen nervös zu machen. Aber jetzt will sie erst Mal seine Reaktion auf ihr Geheimnis sehen.

„Ich bin seit acht Jahren Kickboxerin“, rückt sie schließlich mit der Sprache raus. Während ihr voller Stolz ein breites Grinsen über ihre Lippen huscht, fällt Alex die Kinnlade runter.

Er hat regelrecht damit zu kämpfen, dass ihm seine Gesichtszüge nicht komplett entgleisen und braucht erst mal einen Augenblick, um sich zu sammeln.

„Du…, du… bist was?“, stottert er vor sich hin und glaubt, sich verhört zu haben.

Gleichzeitig hofft er natürlich, dass er richtig gehört hat.

Denn dann hätte er eine gute Kandidatin für die Polizei und vor allem für seine Truppe gefunden.

Als er das realisiert, zeichnet sich ein riesiges, fast schon unheimliches Grinsen auf seinem Gesicht ab.

„Ja, du hast richtig gehört“, erwidert sie selbstbewusst, ist gleichzeitig aber auch ein wenig von seinem Grinsen abgeschreckt. „Aber keine Sorge, solange du nett zu mir bist, brauchst du keine Angst zu haben“, lacht sie.

„Schon als Kind habe ich Kickboxen im Fernsehen gesehen und war so davon begeistert, dass ich beschlossen habe, ebenfalls Kick…“Beginnt sie gerade ihren Satz, als sie durch ein kurzes Klingeln ihres Smartphones unterbrochen wird.

Sie wirft einen kurzen Blick darauf und springt dann auch schon, wie von der Tarantel gestochen auf. Sie wirft sich hastig ihre Klamotten über den Bikini und versucht Alex das Handtuch unter dem Hintern wegzuziehen.

Alex ist natürlich sofort klar, dass sie es mehr als eilig hat und steht natürlich direkt auf, damit Sophie das Handtuch einpacken kann.

„Sorry, aber ich muss los. Ich habe gleich noch Training. Total vergessen. Ich melde mich aber nachher noch, Tschüss.“

Bevor Alex auch nur ein Wort sagen kann, ist Sophie auch schon außer Hörweite. Leicht verdutzt bleibt er noch ein paar Sekunden wie angewurzelt stehen, bevor er seine morgendliche Joggingrunde fortsetzt. Nachdem Alex ein paar weitere Runden durch den Park gedreht hat, beschließt er noch einen kurzen Abstecher zum Bäcker zu machen und dann nach Hause zu gehen. 

Kapitel 3

Als Alex nach über einer Stunde sichtlich erschöpft von seiner morgendlichen Joggingrunde mit Brötchen bepackt die Wohnungstür öffnet, traut er seinen Ohren nicht. Aus Tobis Zimmer dringt leises Stöhnen gepaart mit Geschrei in den Flur, was nur auf eins schließen lässt. Schmunzelnd und kopfschüttelnd zugleich schließt er leise hinter sich die Tür und schleicht auf Zehenspitzen in die Küche.

Dabei kommt er nicht drumherum einen Blick durch Tobis offene Zimmertür zu werfen. Nur um das bestätigt zu bekommen, was ihm die Geräusche eigentlich schon längst verraten haben.

Naja, jeder hat ein anderes Verständnis von Frühsport, denkt er sich und legt die Brötchentüte auf der Küchenzeile ab.

„Jetzt erst einmal eine kalte, erfrischende Dusche“, murmelt er vor sich hin. Mit einem kleinen Umweg über sein Zimmer, um frische Klamotten zu holen, geht Alex ins Bad.

Langsam dreht er den Wasserhahn auf und lässt das kühle, erfrischende Nass auf seine Haut prasseln. Für einen Moment schließt er die Augen und genießt einfach nur den entspannenden Augenblick. Er spürt förmlich, wie sich seine Muskeln nach dem anstrengenden Joggen entspannen und immer weniger vor Schmerz brennen.

Doch sein Moment der Entspannung währt nur kurz, denn plötzlich wird er durch lautes Hämmern gegen die Tür aus seinen Gedanken gerissen.

„Alex, beweg sofort deinen Arsch aus dem Bad! Ich muss pinkeln und will duschen!“, brüllt Tobi und sorgt damit mal wieder für Kopfschütteln. Mittlerweile ist er es gewohnt, permanent von seinem Mitbewohner aus dem Bad geschmissen zu werden. Aber er gibt die Hoffnung nicht auf, dass es eines Tages nicht mehr so ist.

Alex dreht den Wasserhahn zu und steigt mit einem großen Seufzer aus der Dusche. „Ist ja gut, ich komm ja schon“, ruft er ihm zu, während Tobi erneut gegen die Tür hämmert.

In Windeseile trocknet Alex sich ab, schlüpft in seine neue Boxershorts, streift sein Shirt über und öffnet die Tür.

„Das ist wieder so typisch für dich. Erst vergnügst du dich stundenlang in deinem Bett, während ich schon joggen und Frühstück geholt habe und dann schmeißt du mich aus dem Bad.“, schmunzelt Alex, obwohl ihm dieses Verhalten langsam tierisch auf die Nerven geht.

Tobi stört das Ganze allerdings überhaupt nicht. Ehe Alex sich versieht, hat Tobi sich bereits an ihm vorbei ins Bad gequetscht und lässt die Tür hinter sich krachend ins Schloss fallen. „Und du leg mal ne neue Platte auf.

Der Spruch hängt mir schon zu den Ohren raus“, kontert er mit einem lauten Lachen.

„Ich habe dich auch lieb.“, erwidert Alex und mit einem Mal ist seine bis dato so gute Laune verschwunden.

Der nimmt mich überhaupt nicht ernst. Genervt stapft Alex in die Küche und widmet sich seinem Frühstück. Er nimmt sich zwei Brötchen aus der Tüte und belegt sie mit Wurst und Käse. Anschließend schüttet sich noch ein Glas Orangensaft ein und setzt sich dann nach draußen auf den Balkon, um in Ruhe zu frühstücken.

Als er gerade den ersten Bissen von seinem Brötchen nehmen will, vibriert sein Smartphone auf dem Tisch einmal kurz. Aus dem Augenwinkel sieht er, dass er eine Nachricht bei WhatsApp bekommen hat.

Ein bisschen genervt stellt er seufzend seinen Teller auf dem Tisch ab und greift nach seinem Handy. Nicht mal in Ruhe frühstücken kann man hier, meckert er innerlich ein wenig. Doch als er sieht, dass die Nachricht von seiner Freundin kommt, ist der Ärger über die Unterbrechung beim Frühstück sofort verflogen.

Er entsperrt gekonnt mit seinem Fingerabdruck die Tastensperre und liest die Nachricht.

Hey Schatz,

unser Treffen mit unserem Professor wegen unserer Doktorarbeit ist doch schon eher zu Ende als gedacht. Und weil das Wetter heute so toll ist, habe ich unheimlich Lust etwas zu unternehmen. Was hältst du davon, wenn wir uns so um 14 Uhr am See zum Schwimmen treffen? Eine Freundin von mir, von der Uni kommt auch mit, also bring ruhig Tobi mit. Ich liebe dich.

Gerade als er ihr antworten will, kommt Tobi auf den Balkon und legt sich nur in Boxershorts bekleidet auf die Liege, um sich zu sonnen.

Mit einem langen Seufzer betrachtet Alex seinen Kumpel und kann es sich nicht verkneifen, ihn ein wenig zu ärgern.

„Das ist mal wieder so typisch für dich… Erst die ganze Nacht saufen, flirten und vögeln bis in den frühen Morgen und sich dann nach einer Dusche faul auf der Liege in die Sonne zu legen“, brummt Alex vor sich hin.

Er hat seinen besten Freund an sich zwar total gern, aber so langsam geht ihm sein Machogehabe ein wenig auf die Nerven.

„Geht das jetzt schon wieder los?“, genervt verdreht Tobi die Augen und stößt einen leichten Seufzer aus. „Ich bin halt Single und ein Aufreißer, von daher lass mir meinen Spaß. Das weißt du doch… ich genieße mein Leben nun mal gerne in vollen Zügen“, schiebt er hinterher und hofft, damit seine Ruhe zu haben.

Er streckt sich einmal kurz, bevor er seine Arme unter seinem Kopf verschränkt und die Sonne genießt.

Alex belässt es dabei und schüttelt lediglich mit dem Kopf, bevor er sich wieder seinem Frühstück widmet.

Doch so richtig genießen kann er sein Frühstück nicht mehr, denn er muss die ganze Zeit darüber nachdenken, was Tobi gerade gesagt hat. So langsam, aber sicher geht ihm seine Art gehörig gegen den Strich. An sich hat er auch nicht wirklich etwas gegen seine Lebensweise. Aber er will damit auch nicht mehr täglich konfrontiert sein.

Zu allem Überfluss weiß auch mittlerweile gefühlt die halbe Frankfurter Polizei, wie Tobi sein Leben lebt und das kommt nicht bei jedem gut an.

Vor allem bei seiner Vorgesetzten stößt er damit auf großes Unverständnis, was wahrscheinlich auch der Grund dafür ist, dass er immer noch nicht befördert wurde.

Selbst nach drei Jahren bei der Polizei hat er es gerade einmal zum Polizeiobermeister geschafft. Allerdings auch nur, weil er sieben Jahre bei der Bundeswehr gewesen ist und den Rang eines Oberstabsfeldwebel innehatte.

Da Alex aber weiß, dass er mit dem Thema bei Tobi auf taube Ohren stößt und er keine Lust auf Streit hat, verdrängt er das Thema wieder. Zumindest für heute… 

Als er gerade seine letzte Brötchenhälfte verdrückt hat, fällt ihm wieder ein, dass Amy ihm ja gerade geschrieben hat.

„Ach Tobi, bevor ich das vergesse. Amy ist für heute schon fertig mit ihrem Unikram und hat gefragt, ob wir uns vielleicht am See treffen und schwimmen gehen wollen. Eine Freundin von ihr kommt auch mit, also kannst du gar nicht nein sagen.“

Tobi hebt mit einem breiten Grinsen im Gesicht den Kopf und nickt. „Natürlich komme ich mit. Wir haben frei, schönes Wetter und die Freundinnen deiner Freundin sind immer heiß.“

Alex seufzt und schüttelt mit dem Kopf. Tobi ist einfach Tobi und wird sich wohl auch nicht mehr verändern. Er schnappt sich sein Smartphone, um Amy zu antworten.

„Ich frage sie mal, ob wir nicht auch Grillen wollen. Dann können wir uns Mittag- und Abendessen sparen. Was meinst du?“ Er wirft Tobi einen fragenden Blick zu, der das Ganze mit einem Nicken quittiert und dann weiter in der Sonne döst. „Alles klar, dann wird gegrillt. Wir besorgen Fleisch, Würstchen, Kohle und den Grill. Die Mädels, Getränke und den Rest.“, brabbelt Alex vor sich hin, während er den WhatsApp Chat mit seiner Freundin öffnet.

„Hey Schatz, Tobi und ich kommen nachher sehr gerne mit. Wir haben überlegt, ob wir nicht auch Grillen wollen. Ihr müsst euch auch nur um die Getränke, Teller und Besteck kümmern. Was hältst du von der Idee?“

Als er sein Smartphone gerade wieder beiseitelegen will, beginnt es wieder zu vibrieren. Diesmal ist es allerdings keine Nachricht, sondern ein Anruf. Ein wenig genervt nimmt er es wieder an sich und sieht auf dem Display den Namen seines Chefs.

„Das heißt nichts Gutes, wenn Andreas mich an meinem freien Tag anruft“, brummt er vor sich hin und streicht gedanklich schon seinen freien Tag.

„Von deinem freien Tag kannst du dich jetzt wohl verabschieden“, grinst Tobi, der sich eine Antwort auf das Selbstgespräch seines Kumpels nicht verkneifen kann.  

Woraufhin er von Alex einen bösen Blick zugeworfen bekommt, während er in die Küche geht, um das Gespräch anzunehmen. „Guten Morgen Andreas oder besser gesagt guten Tag. Wenn du an meinem freien Tag anrufst, heißt das nie was Gutes.“, begrüßt Alex seinen Chef und lehnt sich mit dem Rücken gegen den Kühlschrank.

„Hallo Alex. Es tut mir unheimlich leid, dass ich dich stören muss. Aber deine Vertretung für den heutigen Sportkurs hat sich gerade krankgemeldet und ich kann den Kurs für die Auszubildenden nicht mehr absagen.“

In seiner Stimme schwingt ein wenig Wut mit, denn Andreas hasst es, wenn jemand kurzfristig etwas absagt und er deswegen einen Kollegen an seinem freien Tag stören muss.

Alex kann sich einen kleinen Seufzer nicht verkneifen und will auch nicht direkt Ja sagen, weil er weiß das sein freier Tag dann gestorben ist. „Und damit kommst du erst jetzt? Der Kurs geht doch schon in einer halben Stunde los und dann mindestens bis 16 Uhr… Also Andreas ganz ehrlich, aber so habe ich mir meinen freien Tag nicht vorgestellt“, antwortet Alex hörbar sauer.

„Mensch Alex, was soll ich denn machen? Du bist meine einzige Alternative und es ist ja nun einmal auch dein Kurs.“

Das hat er gerade nicht ernsthaft gesagt, oder? Ja, es ist mein Kurs aber der freie Tag steht mir zu. Alex brodelt langsam ein wenig und würde seinem Chef am liebsten mal ordentlich die Meinung geigen. Denn das ist nicht das erste Mal, dass er ihm so kurzfristig einen freien Tag streicht.

„Okay Andreas, ich mach es. Aber das Training geht heute bis maximal halb drei. Ich will noch was von meinem freien Tag haben.“

Denn wenn er schon wieder kurzfristig einspringen muss, dann dieses Mal nach seinen Regeln.

„Abgemacht Alex und danke noch mal“, antwortet sein Chef und gibt zähneknirschend klein bei.

Alex beendet das Telefonat und steckt den Kopf durch die Tür nach draußen zu Tobi.

„Du musst dich um alles kümmern und erstmal allein mit den Mädels zum See. Ich muss noch den Sportkurs für die Azubis leiten und komme dann nach, danke.“

Er lässt Tobi gar keine Zeit zum Antworten, da er es wirklich eilig hat. 

Er flitzt in sein Zimmer, stopft seine Sportsachen, sowie seine Schwimmsachen in seine Sporttasche und verlässt auf der Suche nach seinem Fahrradschlüssel wieder sein Zimmer. Als er ihn auf der Kommode im Flur schließlich gefunden hat, meldet sich auch schon wieder sein Smartphone. Jetzt nicht. Ich bin eh schon spät dran, flucht er und ignoriert das Vibrieren.

Er stürmt aus der Wohnung in den Keller, wo er sein Rad holt, und macht sich auf den Weg.

Kapitel 4

Normalerweise findet das Training wie üblich auf dem Campus der Polizei statt. Da dieser aber Aufgrund eines Wasserschadens und einer aufwändigen Sanierung des Außengelände gesperrt ist, müssen sie auf das nahe gelegene Sportgelände des SC Frankfurt ausweichen.

Da Alex schon echt spät dran ist, tritt er besonders schnell in die Pedale und hofft, dass er noch rechtzeitig zu Beginn des Kurses da ist. Am liebsten ist er immer fünf bis zehn Minuten vor allen anderen da, aber das wird er heute auf keinen Fall schaffen.

Als er nach gut fünfzehn Minuten Fahrt vor dem Gelände ankommt, stellt er leicht außer Atem sein Rad in den Fahrradständer und schließt es ab.

Mit schnellen Schritten betritt er das Vereinsgebäude, in dem sich neben ein paar Fitnessräumen auch die Umkleiden befinden.

Er ist so in Eile und mit den Gedanken schon beim Training, dass er um ein Haar mit einer jungen Dame zusammenstößt.

„Sag mal, verfolgst du mich etwa? Ich glaube ich sollte die Polizei rufen“, reißt ihn sein Gegenüber aus seinen Gedanken und das ist auch gut so gewesen. Denn hätte sie nichts gesagt, hätte Alex sie wirklich über den Haufen gerannt. So steht er jetzt allerdings wenige Zentimeter vor ihr und hat noch gar nicht ganz realisiert, was hier gerade passiert. „Und von Abstand halten hast du wohl auch noch nichts gehört“, lacht sie, während Alex vor Scham knallrot wird und erst mal einen Satz nach hinten macht.

„Ähm… was… was machst du denn hier?“, stottert Alex vor sich hin und hofft, dass keiner seiner Schüler ihn gerade so sieht, denn das wäre mehr als peinlich.

Nervös und bedacht darauf, dass man ihm dies nicht anmerkt, sieht er sich deshalb nach seinen Schülern um.

Er würde im Erdboden versinken, würden sie ihn so sehen. „Das ist mein Verein, in dem ich Kickboxen mache und ab und zu trainiere ich hier auch so ein wenig“, antwortet sie und amüsiert sich köstlich über Alex‘ Reaktion und mustert ihn ein wenig.

„Und so wie du aussiehst, scheinst du auch auf dem Weg zum Sport zu sein.“ Mit einer Kopfbewegung deutet sie auf seine Sporttasche und bekommt ihr Grinsen einfach nicht aus dem Gesicht. 

„Mehr oder weniger“, antwortet er schließlich, nachdem er sich wieder ein wenig gefasst hat.

„Eigentlich habe ich heute frei, aber ich muss einen Kollegen vertreten und den Sportkurs unserer Azubis leiten“, seufzt er, als ihm ein Gedanke kommt, der seine Laune schlagartig verbessert.

„Und du machst mit. Außer natürlich, du traust dich nicht.“, neckt er Sophie ein wenig.

Sie verschränkt die Arme vor der Brust und wirft ihm einen provokanten Blick zu. „Pah! Ich trainiere fünfmal die Woche und habe dazu jedes zweite Wochenende einen Wettkampf. Meinst du ehrlich, da beeindruckt mich eure kleine Sportrunde“, gibt sie sich selbstsicher und setzt ein breites Grinsen auf.

„Oh, da ist aber jemand sehr von sich überzeugt“, erwidert, Alex mit leicht ironischem Unterton. „Na, dann komm mal mit und dann zeig ich dir welches Training hier lahm ist.“ Ohne auch nur eine Antwort oder überhaupt eine Reaktion von Sophie abzuwarten, marschiert er los in Richtung Umkleidekabine.

Na warte, dir werde ich zeigen, dass unser Training alles andere als einfach ist, brummt er ein wenig verärgert vor sich hin.

Nach ein paar Sekunden setzt Sophie sich dann auch in Bewegung und hat Alex nach ein paar Schritten eingeholt. „Ist da etwa jemand sauer?“, stupst sie ihn leicht in die Seite und grinst dabei wie ein Honigkuchenpferd.

„Du wirst schon sehen.“, antwortet Alex knapp und geht in Richtung Umkleidekabinen. „Wir treffen uns in fünf Minuten draußen auf der Laufbahn und keine Sorge, die anderen beißen nicht.“

Auch dieses Mal wartet er nicht auf eine Antwort von ihr, sondern verschwindet einfach in der Umkleide. Sophie schüttelt etwas ungläubig mit dem Kopf und wird das Gefühl nicht los, dass sie bei Alex so etwas wie einen wunden Punkt getroffen hat.

Hoch motiviert und wild entschlossen, ihm zu zeigen, was sie kann, zieht sie sich um und begibt sich schon einmal nach draußen.

An der Laufbahn, welche den Fußballplatz des Vereins umrandet, entdeckt sie bereits Alex Azubis.

Obwohl sie eigentlich keine Probleme damit hat neue Leute kennenzulernen, bleibt sie dennoch etwas abseits der Gruppe stehen und wartet auf Alex.

Natürlich bleibt ihr Erscheinen nicht unbemerkt.

Während allerdings die meisten sie ignorieren beziehungsweise einfach nicht beachtet haben drei Jungs sie ins Auge gefasst.

Anfangs reden sie nur über Sophie, lachen ein wenig und zeigen immer mal wieder mit dem Finger auf sie.

Bis schließlich einer von ihnen sich von der Gruppe löst und auf sie zukommt. „Hey Püppchen. Was willst du denn hier? Hast dich wohl verlaufen was?“, blafft er sie an und baut sich demonstrativ vor ihr auf. Das bleibt natürlich allen anderen nicht verborgen, weshalb jetzt jeder von ihnen gebannt in Sophies Richtung blickt.

„Hier trainieren angehende Polizisten und das ist viel zu hart für dich“, schiebt er grinst hinterher und wirft ihr dabei einen äußerst verächtlichen Blick zu.

Sophie lässt sich von diesem Machogehabe natürlich überhaupt nicht beeindrucken. Sie kennt solche Typen zu genüge. Große Klappe und nichts dahinter. Dennoch kann sie sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.

„Na wenn so jemand wie du der Polizist von morgen ist, ist das aber sehr traurig“, kontert sie lässig. Während ihr gegenüber kurz nach Fassung ringt, fängt die restliche Truppe hinter ihm an zu kichern, was ihn vor Wut kochen lässt.

„Du sollst dich verpissen, du dämliche Kuh“, blafft er sie an, als Alex hinter dem Gebäude auftaucht. Er hat zwar nicht hören können, was gesagt wurde. Aber ihm war anhand des Tonfalls und der Tatsache, dass er den vermeintlichen Übeltäter an der Stimme erkannt hat, sicher, dass es nichts Nettes gewesen sein konnte.

War ja mal wieder klar, dass Felix Probleme macht, denkt er sich und ist gefühlt auf hundertachtzig.

Er legt also einen Zahn zu, um weiteres zu verhindern.

„Was ist hier los? Gibt es etwa ein Problem Felix?“

Er wirft seinem Azubi einen leicht gereizten Blick zu und muss sich zusammenreißen, nicht laut zu werden.

So langsam ist er es leid, dass Felix immer wieder Probleme macht. Da es diesem scheinbar die Sprache verschlagen hat und Alex ihm auch nicht vor der versammelten Truppe einen Anschiss verpassen will, regelt er das anders. 

„Kurze Info für alle hier, das ist Sophie und sie trainiert heute mit uns, klar?“

Als Antwort bekommt er ein einstimmiges Nicken, worauf er das Training beginnt.

„Zum Aufwärmen einmal kurz dehnen und anschließend zwanzig Runden laufen“, ruft er der Truppe zu und wendet sich dann wieder an Felix und Sophie.

„Also noch einmal. Kannst du mir bitte erklären, was hier gerade los gewesen ist?“, hakt er bei Felix nach und ist gespannt auf seine Antwort.

Allerdings vergehen erst noch einige Augenblicke, bis Felix seine Stimme wiedergefunden hat und sich äußert.

„Herr Romanoff, was machen Sie denn hier?“, stammelt er vor sich hin und ist sichtlich überrascht, ihn zu sehen. „Das ist nicht die Antwort auf meine Frage. Ich will wissen, was hier gerade los gewesen ist.“

„Er hat gesagt, dass ich mich verpissen soll und eine dämliche Kuh bin“, meldet sich Sophie plötzlich zu Wort und löst das Ganze auf.

Alex ist dankbar, dass er jetzt endlich weiß, was Sache ist, auch wenn er die Erklärung lieber von Felix selber bekommen hätte.

„Danke Sophie, schließ dich doch bitte der Truppe an. Ich habe hier noch etwas zu klären.

„Man, man Felix, was soll ich nur mit dir machen?“, seufzt Alex und wirft seinem Azubi einen fragenden Blick zu.

Dieser zuckt allerdings nur mit den Schultern und hüllt sich ansonsten in Schweigen.

„Hast du überhaupt nichts zu deiner Verteidigung zu sagen?“, hakt Alex noch mal nach und erntet erneutes Schweigen.

„Gut oder besser gesagt, nicht gut. Ich habe jetzt keine Lust, das Ganze hier noch mehr in die Länge zu ziehen. Aber eins möchte ich dir noch mit auf den Weg geben reiß dich verdammt noch mal zusammen, sonst ziehe ich hier andere Seiten auf und jetzt zu den anderen aufschließen und laufen.“

Auch jetzt bekommt er immer noch keine Antwort von Felix, aber er sieht ihm an, dass er weiß, was Sache ist.

Dennoch schließt Felix nur sehr widerwillig zu der Truppe auf und wirft immer wieder fiese Blicke in Richtung Sophie.

Damit Alex die beiden besser im Blick hat und auch nicht faul rumstehen will, läuft er mit. 

Nachdem alle die zwanzig Runden gedreht haben, lässt er die Gruppe sich erneut ein wenig dehnen, bevor es an die zweite Laufeinheit geht. „So Leute, ihr kennt das Ganze. Gewichtswesten anziehen und noch mal zehn Runden. Dieses Mal läuft er allerdings nicht mit, sondern beobachtet lediglich.

Während seinen Azubis bereits nach der Hälfte so langsam die Kraft auszugehen scheint, hat Sophie überhaupt keine Probleme mit dem Training. Im Gegenteil, sie scheint sogar Spaß zu haben.

Als sie dann nach den zehn Runden sogar noch ein paar Extrarunden dranhängt, während sich Alex’ Truppe eine Verschnaufpause gönnt fällt ihm beinahe die Kinnlade herunter.

Sie ist ein kleines Kraftpaket… Wahnsinn, was sie für eine Leistung an den Tag legt, schießt es Alex durch den Kopf als Sophie ihre fünfte Zusatzrunde gedreht hat und immer noch keine Anstalten macht aufzuhören.

„Okay, okay, du hast gewonnen… du kannst jetzt aufhören“, ruft Alex schließlich und applaudiert ihr anerkennend.

Nachdem alle sich ein wenig erholt haben, stehen anschließen verschiedene Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichtssinns, sowie diverse Kraftübungen auf dem Plan. Auch hier macht er gelegentlich mit, wenn er nicht gerade Hilfestellungen gibt oder Tipps zur Verbesserung der Übungen.

Die Einzige für die das Ganze überhaupt kein Problem zu sein scheint, ist natürlich Sophie. Zwar kommt auch sie langsam ein wenig ins Schwitzen, hat aber trotzdem bei den Übungen immer ein kleines Lächeln im Gesicht.

Irgendwann wirft Alex einen Blick auf die Uhr und stellt erschrocken fest, dass es bereits viertel vor zwei ist und er den Kurs eigentlich um halb drei beenden will.

Also entschließt er sich dazu, mit der Gruppe nach drinnen zu gehen, um noch ein bisschen den Nahkampf zu üben.

„So Leute, für eine letzte Einheit gehen wir jetzt noch einmal nach drinnen. Danach ist der Kurs dann für heute auch schon beendet.“ Gemeinsam begibt sich die Truppe also nach drinnen und versammelt sich vor dem Boxring.

„Damit ich einen besseren Überblick habe, treten immer zwei gegeneinander an. Als kleinen Anreiz bleibt der Sieger im Ring und für den Unterlegenen kommt jemand Neues in den Ring.“  

Die Gruppe stimmt ihm kopfnickend zu und wartet auf das weitere Vorgehen. „Ich würde sagen, Freiwillige vor“, ergreift Alex wieder das Wort, während er zeitgleich auf einen Schrank zusteuert und schon einmal ein paar Handschuhe heraus holt.

„Ich“, meldet sich Felix sofort und macht einen Schritt aus der Gruppe heraus. Das hätte ich mir ja denken können, schießt es Alex durch den Kopf.

„Und ich will gegen diese Sophie antreten“, schiebt er im abfälligen Tonfall hinterher, bevor Alex etwas sagen kann.

„Nein, nein, das wird nichts mein Lieber… nicht nach der Nummer von vorhin“, blockt Alex sichtlich gereizt seinen Vorschlag ab.

Auch wenn er zu gerne sehen würde, wie Sophie ihm zeigt,

wo der Hammer hängt.

Aber er hat keine Lust auf eine weitere Auseinandersetzung mit Felix.

„Ach, das macht mir nichts. Ich habe da keine Probleme mit und die Sprüche von gerade habe ich schon wieder vergessen. Sowas höre ich andauernd“, meldet sich Sophie zu Wort und tritt ebenfalls aus der Gruppe heraus. Er deutet mit einem provokanten Grinsen auf Sophie, die ebenfalls und ohne zu zögern einen Schritt nach vorne macht. Auch das war Alex klar und insgeheim hofft er, dass Sophie ihm mal ordentlich in den Arsch treten wird. „Na gut…“, seufzt Alex. „Dann haben wir ja unsere ersten Freiwilligen.“ Er wirft jedem ein paar Handschuhe zu und während die beiden den Boxring betreten, sucht er sich die ideale Position, um alles beobachten zu können.

Er stellt sich extra etwas abseits der Gruppe, damit er notfalls auch eingreifen kann. Natürlich hofft er inständig, dass es nicht dazu kommen wird. Aber Felix ist und bleibt nun mal ein Hitzkopf.

„Ich will einen fairen Kampf sehen, klar?“, ruft er ihnen zu, um besonders Felix noch einmal zu ermahnen.

Kapitel 5

Sofort fängt Felix wieder an, dumme Sprüche zu klopfen. „Ich hoffe du tust dir nicht weh beim Zuschlagen oder brichst dir sogar etwas.“ Dabei hüpft er wie wild hin und her, während Sophie ganz cool bleibt und auf ihre Chance wartet. „Na gut Süße, wenn du nicht willst, fang ich an. Aber bitte nicht gleich weinen.“ Mit diesen Worten holt Felix zu einem sehr unkontrollierten ersten Schlag aus, dem Sophie allerdings gekonnt ausweicht. Auch seine nächsten Schläge treffen nicht ins Ziel, da Sophie ihm immer einen Schritt voraus ist und so den Schlägen entgeht.

Allerdings versucht sie selbst nicht zuzuschlagen, was Alex ein wenig stutzig macht. Doch als Felix zu einem weiteren Schlag ansetzt und Sophie dieses Mal nicht ausweicht, sondern blitzschnell seine Hand greift, ist ihm klar, was jetzt kommt. Er kann sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen.

Gespannt verfolgen Alex und alle anderen das Geschehen.

Ohne zu wissen, wie ihm geschieht, hat Sophie Felix bereits den Arm auf den Rücken gedreht und hält ihn so mühelos in Schach. Während die Gruppe anerkennend klatscht, fängt Felix an zu fluchen. „Verdammt, was soll das?“

Ziemlich unbeholfen und von Wut getrieben versucht er sich aus dem Griff zu befreien, fügt sich dabei aber nur selbst noch mehr Schmerz zu. Sophie hingegen hat ihren Spaß an der Sache und denkt noch nicht daran ihn ganz außer Gefecht zu setzen. „Lass dir dass doch nicht gefallen. Du musst dich wehren“, rufen ihm seine besten Freunde Sven und Tim zu, die sich selbst vor Lachen kaum einkriegen. Natürlich will Felix sich die Blöße nicht geben und fängt an nach hinten zu treten, in der Hoffnung, sich so befreien zu können. Allerdings ist das ein mehr als kläglicher Versuch und mehr als Schmerzen im Arm hat er davon nicht.

Zwar ist es für Alex eine kleine Genugtuung ihn so zu sehen, aber er hat als Ausbilder natürlich auch die Aufgabe seinen Azubis zu helfen. „Felix, das bringt so nichts. Du musst einen kühlen Kopf bewahren und ruhig an die Sache ran gehen. Nur so hast du eine Chance dich aus dem Griff zu befreien“, versucht er, ihn zu unterstützen.

Allerdings ohne Erfolg. Denn Felix, stur wie immer, tut genau das Gegenteil von dem, was Alex ihm geraten hat. 

Irgendwann wird es Sophie zu bunt und sie bringt ihn mit einem gezielten Tritt in die Kniekehle zu Fall.

Felix hat das Ganze absolut nicht vorhersehen können und kann sich dementsprechend auch nicht dagegen wehren. Doch noch während er fällt, greift Sophie von hinten mit einem Arm um seinen Oberkörper, damit er nicht unkontrolliert zu Boden kracht.

Sie legt ihn so sanft, es geht auf der Ringmatte ab, greift sich dann blitzschnell seinen anderen Arm und dreht ihn ebenfalls auf seinen Rücken. Damit er nicht noch auf dumme Gedanken kommt, setzt sie sich zur Krönung auch noch auf ihn drauf.

„Handschellen bitte“, grinst sie triumphierend und macht eine fordernde Handbewegung in Richtung Alex.

Jetzt tobt die Menge natürlich richtig und applaudiert ihr begeistert zu. Nach ein paar Augenblicken, in denen er Sophie ihren Sieg genießen lässt, hebt Alex die Hand und bittet um Ruhe.

Augenblicklich verstummt die Gruppe, bis auf das ein oder andere leise Getuschel und Alex steigt wieder in den Ring.

„So… Felix, du hast verloren, also verlasse bitte den Ring, damit der nächste sein Können zeigen kann.“

Doch Felix denkt gar nicht daran und rappelt sich wutentbrannt auf, nachdem Sophie ihn losgelassen hat und baut sich vor ihr auf.

„Was glaubst du eigentlich wer du bist?“, blafft er sie zähneknirschend an und ballt die rechte Faust. Anders als von ihm beabsichtigt, lässt sie sich von seinen Worten allerdings nicht beeindrucken, sondern grinst lediglich süffisant. „Dir sollte man mal ein paar Manieren beibringen, du arrogante Ziege“, schreit Felix, der mittlerweile vor Wut kocht und gerade zum Schlag ausholen will, als Alex dazwischen geht und ihn am Arm packt. „Es reicht, Felix. Was soll das? Du hast in einem fairen Zweikampf verloren, fahr runter“, fährt Alex ihn energisch an.

„Du kannst hier nicht machen, was du willst. Mir reicht es mit dir. Du verschwindest jetzt und am Montag haben wir beide ein Gespräch mit deinem Vorgesetzten. Ist das klar, mein Freund?“ Ziemlich kleinlaut wirft Felix seine Handschuhe in die Ecke und verschwindet. „Ich denke, wir beenden an der Stelle das Training für heute. Geht euch bitte umziehen, wir sehen uns nächste Woche.“ 

Während der Rest der Truppe in Richtung Kabinen verschwindet, wendet Alex sich noch einmal an Sophie.

„Das hast du echt super gemacht. Respekt. Du weißt wirklich, wie du dich behaupten kannst“, lobt er Sophie und ist hellauf begeistert von ihren Fähigkeiten. „Und bitte entschuldige Felix’ Verhalten“, schiebt er noch schnell hinterher und bückt sich nach dessen Handschuhen.

„Alles gut. Dafür brauchst du dich nicht entschuldigen. Außerdem weiß ich ja auch, wie man mit solchen Typen umgeht“, gibt sie sich selbstbewusst und streift ihre Handschuhe ab.

„Ich kenne solche Typen, die haben immer eine große Schnauze und nichts dahinter.“

Alex ist total begeistert davon, wie taff und abgeklärt Sophie ist und ist sich absolut sicher, dass sie unbedingt zur Polizei muss, er will sie auf jeden Fall für seine Truppe haben.

„Ich kann glaub glauben, wie abgebrüht und lässig du bist und würde mich echt noch länger mit dir unterhalten, aber jetzt muss ich leider weg. Ich bin verabredet.“

Er schnappt sich ihre Handschuhe und verstaut sie gemeinsam mit denen von Felix wieder im Schrank und im nächsten Moment steht er bereits an der Tür und will den Raum verlassen. Er hat es eilig und will nicht noch mehr Zeit verlieren, dennoch will er Sophie jetzt auch nicht so stehen lassen.

„Aber pass auf, komm am Montag um 8:00 Uhr zu mir ins Polizeirevier und dann reden wir gemeinsam mit meinem Chef über deine Zukunft bei der Polizei.“ Er macht eine kurze Pause und lacht. „Außer du willst nicht mehr.“

Als Sophie das hört, ist sie überglücklich und weiß überhaupt nicht, was sie sagen soll. Sie braucht erstmal ein paar Sekunden, um sich zu sammeln und nicht jubelnd durch die Gegend zu hüpfen. „Natürlich will ich noch, was für eine Frage“, grinst sie über beide Ohren.

„Ich freu mich so, tausend Dank Alex und wenn es klappt, zeige ich dir mal, was richtiges Training ist und jetzt verschwinde. Ich finde allein raus.“

Sie kann es immer noch nicht fassen, was Alex da gerade gesagt hat. Natürlich ist noch nichts sicher, aber sie freut sich einfach auf die Chance.

„Also dann bis Montag“, ruft Alex ihr noch zu und ist kurz darauf bereits in Richtung der Umkleiden verschwunden. 

Bevor er duschen geht, will er erst mal einen Blick auf sein Smartphone werfen, um zu sehen, wer ihm da geschrieben hat, als er von zu Hause losgestürmt ist.

Wobei er sich denken kann, wer es gewesen ist. Und natürlich hat er Recht mit seiner Vermutung. Amy hat ihm geschrieben, mittlerweile sogar drei Mal.

Mist ich habe total vergessen ihr Bescheid zu geben, flucht er vor sich hin, während er den WhatsApp Chat öffnet und die Nachrichten liest.

Hey Schatz,

Ich freu mich schon so auf nachher. Ich hoffe, es klappt alles. Ich liebe dich

„Oh man, warum musst du denn unbedingt heute arbeiten? Schaffst du es trotzdem noch? Wir warten schon auf dich.“

„Schatz??? Wann kommst du denn endlich? Wir warten schon.“

Alex versucht sofort Amy auf ihrem Smartphone anzurufen und als er sie nicht erreicht, versucht er es bei Tobi, allerdings auch ohne Erfolg. Werden wohl gerade schwimmen sein., denkt er sich, legt sein Smartphone bei Seite und geht in den Duschraum.

Er weiß, dass er sich jetzt noch mehr als vorhin beeilen muss, damit er seine Freunde nicht noch länger warten lassen muss und Tobi nachher noch alles allein auffrisst.

Alex duscht so schnell wie noch nie und trocknet sich ebenso schnell ab. Beim Anziehen versucht er dann noch mal Amy oder Tobi zu erreichen, allerdings wieder ohne Erfolg. Er stopft seine Klamotten in seine Sporttasche und verlässt die Umkleide. Auf dem Weg nach draußen zu seinem Rad schreibt er Amy dann noch schnell eine Nachricht.

Hey Schatz. Ich bin so in knapp zwanzig Minuten bei euch, ich liebe dich.

Er steckt sein Smartphone in die Hosentasche, hängt sich die Tasche über den Rücken und fährt los.

Kapitel 6

Als er nach zwanzig Minuten Fahrt endlich am See ankommt, ist er ein wenig verwirrt.

Komisch. Kein Grill, keine Getränke und Amy, ihre Freundin und Tobi kann ich auch nirgends sehen. Er legt sein Rad zu den der anderen und sieht sich ein wenig um. Aber sie müssen ja hier sein. Immerhin liegen ihre Räder hier. Er geht ein paar Schritte weiter, als ihm plötzlich jemand von hinten um den Hals springt und sich wie ein Klammeräffchen an ihn hängt.

„Da bist du ja endlich, mein Schatz“, begrüßt seine Freundin ihn überschwänglich und gibt ihm einen Kuss auf die Wange.

„Ich freu mich auch dich zu sehen und tut mir leid, dass ich noch arbeiten musste und nicht Bescheid gesagt habe.“

Er lässt ein weiteres Mal seinen Blick schweifen und fragt sich, wo Tobi ist.

---ENDE DER LESEPROBE---