Dying for Beauty - Todd Strasser - E-Book

Dying for Beauty E-Book

Todd Strasser

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Beschreibung

Die 18-jährige Shelby liebt ihren Vater über alles. Er unterhält ein Fotostudio in der Stadt und erstellt hin und wieder Bewerbungsmappen für angehende Models. Als Shelby eines Tages plötzlich anonyme E-Mails erhält, die ihren Vater als Betrüger und Mädchenverführer bezeichnen, bricht für sie eine Welt zusammen. Kirby Sloan weist jegliche Anschuldigungen von sich, doch dann verschwinden drei Mädchen aus der Umgebung und in seinen Archivschränken finden sich ihre Modelmappen.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Carlsen Newsletter Tolle neue Lesetipps kostenlos per E-Mail!www.carlsen.de Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung, können zivil- und strafrechtlich verfolgt werden. Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen Deutsche Erstausgabe Veröffentlicht im Carlsen Verlag Februar 2012 First published under the title »Kill you last« in the United States of America by Egmont USA, 2011 Text copyright: Todd Strasser, 2011 Copyright der deutschsprachigen Ausgabe: 2012 Carlsen Verlag GmbH & Co., Hamburg Aus dem amerikanischen Englisch von Katarina Ganslandt Lektorat: Petra Deistler-Kaufmann Umschlagbild: istockphoto/© spxChrome, istockphoto/© Niko Guido Umschlaggestaltung: formlabor Corporate Design Taschenbuch: bell étage Satz und E-Book-Umsetzung: Dörlemann Satz, Lemförde ISBN 978-3-646-92250-9 Alle Bücher im Internet unterwww.carlsen.de

1  »Das ist schon das dritte Mädchen, das dieses Jahr einfach spurlos verschwunden ist. Und wie die anderen beiden hat sie vor ihrem Verschwinden erzählt, dass sie sich mit jemandem in der Mall treffen möchte«, flüsterte mir meine Freundin Roman zu. »Und jetzt sag du mir, dass das nicht merkwürdig ist …«

»Das ist nicht merkwürdig«, sagte ich.

Wir saßen in der Bibliothek und warteten darauf, dass es endlich gongte und wir nach Hause konnten. Roman beugte sich über ihr iPad und spielte mal wieder Online-Detektivin. Sie hatte ein in meinen Augen ziemlich krankhaftes Interesse für Gewaltverbrechen an jungen Frauen und las immer alles, was sie im Netz dazu finden konnte.

»Komisch, dass diese Parallele noch niemandem aufgefallen ist. Aber die drei haben ziemlich weit voneinander entfernt in unterschiedlichen Bundesstaaten gewohnt, wahrscheinlich ist deswegen bis jetzt noch niemand auf die Idee gekommen, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte.«

Ich spürte ein Vibrieren in der Hosentasche, zog meinen BlackBerry heraus und warf verstohlen einen Blick darauf. Verwundert stellte ich fest, dass ich eine E-Mail bekommen hatte. In unserem Freundeskreis schrieben wir uns ziemlich selten Mails, sondern schickten entweder SMS oder Facebook-Nachrichten. Die Adresse des Absenders – [email protected] – sagte mir überhaupt nichts. Das ist merkwürdig, dachte ich.

»Hörst du mir überhaupt zu, Shelby?«, fragte Roman leicht gereizt.

»Warte kurz«, sagte ich und öffnete mein Mailprogramm:

du hältst dich wohl für eine ganz süße maus mit deinem tollen super-daddy, der dich in seinem ferrari rumkutschiert. wenn du wüsstest, was er getan hat, würdest du nicht so selbstzufrieden grinsen …

Roman schob sich eine Strähne ihrer langen kastanienbraunen Haare hinters Ohr und sah mich neugierig an. »Was ist denn los?«

Ich reichte den BlackBerry unter der Tischplatte an sie weiter.

»Gruselig«, sagte sie kopfschüttelnd, als sie ihn mir kurz darauf zurückgab. »Was meint er damit, dass du nicht weißt, was dein Vater getan hat?«

»Wieso er?«, fragte ich.

»Na ja, weil er dich eine süße Maus nennt. So was würde ein Mädchen doch nie schreiben.« Roman war meine allerbeste Freundin und wirklich intelligent, aber manchmal sagte sie Sachen, die mich ernsthaft an ihrem Verstand zweifeln ließen.

»Warum denn nicht?«

»Vertrau einfach meinem Instinkt. So was schreiben Mädchen nicht.«

»Das ist doch Quatsch.«

»Sagst du.« Roman zuckte mit den Schultern. »Ich wette, ich bin auch die Einzige, der aufgefallen ist, dass alle drei vermissten Mädchen eine Verabredung in einem Einkaufszentrum hatten.«

»So wie du damals die Einzige warst, die erkannt hat, dass der Hai, der dieser Surferin auf Hawaii den Arm abgebissen hat, derselbe gewesen sein muss, der zwei Jahre vorher in Australien ein Mädchen getötet hat, bloß weil beide blond waren?«

»Das habe ich nie behauptet«, entgegnete Roman beleidigt. »Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass das eine interessante Parallele ist.«

Ich warf ihr einen skeptischen Blick zu. »Der Hai, der Blondinen bevorzugt?«

»Vielleicht hat er gedacht, dass er der Welt damit einen Gefallen tut«, kicherte Roman. »Nein, aber im Ernst, das hier ist eine total andere Sache. Die Mädchen stammen alle aus dem Nordosten – die erste aus Hartford in Connecticut, die zweite aus Scranton in Pennsylvania und die dritte aus Trenton in New Jersey. Und sie sind alle in der Mittagspause von der Schule aus zur Mall gefahren, weil sie mit jemandem verabredet waren, haben aber niemandem gesagt, mit wem sie sich treffen wollten.«

»Äh … hallo?« Ich deutete auf meinen BlackBerry. »Schon vergessen, dass ich gerade eine total merkwürdige Mail bekommen habe?«

»Antworte ihm doch, vielleicht schreibt er dann zurück und du kriegst mehr über ihn raus«, schlug Roman vor.

»Und was soll ich bitte schreiben? Wer bist du und was soll das? Wenn er gewollt hätte, dass ich weiß, wer er ist, hätte er sich nicht so eine unheimliche Mailadresse ausgedacht. Vengeance. Vergeltung … Das klingt irgendwie so nach Racheengel.«

»Schreib doch einfach: Vielen Dank für die Info, aber ich weiß, was mein Vater getan hat, und kümmere mich selbst um meine Angelegenheiten.«

»Gute Idee«, murmelte ich und tippte die Antwort ein.

Roman stützte die Ellbogen auf den Tisch und legte mit gelangweilter Miene das Kinn in die Hände. »Wahrscheinlich will dich bloß jemand ärgern.«

»Gut möglich«, stimmte ich zu und schickte die Mail ab.

Plötzlich hob Roman den Kopf. »Hey, rate, wer gerade reingekommen ist!«

Ich drehte mich unauffällig um. Chris Clarke, groß, breitschultrig und extrem gut aussehend, gefeierter Footballstar und außerdem auch noch einer der besten Schüler unseres Jahrgangs, stand vor dem Zeitschriftenständer. Als er mich sah, hob er lächelnd die Hand.

»Hallo!« Ich winkte zurück.

»Er steht auf dich«, zischte Roman mir zu.

Ich spürte, wie ich rot anlief. Aber es stimmte schon. Chris lächelte mich seit ein paar Wochen jedes Mal strahlend an, wenn wir uns begegneten, und war auffällig oft genau dort zu finden, wo ich mich auch gerade aufhielt.

»Er ist echt süß. Ihr beide würdet so gut zusammenpassen«, flüsterte Roman. »Hat er dich denn inzwischen mal angesprochen?«

Ich schüttelte den Kopf. »Noch nicht. Bis jetzt haben wir uns nur angelächelt.«

»Vielleicht wartet er ja darauf, dass du den ersten Schritt machst«, sagte Roman.

Bevor ich etwas erwidern konnte, vibrierte mein BlackBerry zum zweiten Mal. [email protected] hatte geantwortet:

du hast keine ahnung.

2  Nach der Schule fuhr ich zum Fotostudio und parkte meinen Jeep neben Dads feuerrotem Ferrari, den er – wie ich ihm manchmal im Spaß vorwarf – sogar noch ein bisschen mehr liebte als mich. Als ich über den Parkplatz auf das Gebäude zuschlenderte, kamen gerade zwei Männer aus dem Hintereingang und stiegen in eine dunkelgrüne Limousine, an deren Armaturenbrett eine Halterung für einen kleinen Laptop angebracht war. Man musste kein Experte sein, um zu erkennen, dass sie von der Polizei waren.

Ich wunderte mich zwar kurz, dachte aber nicht weiter darüber nach, schloss die Tür auf und ging den breiten, weißen Flur entlang, an dessen Wänden Porträtfotos bekannter Schauspieler und Models hingen. Auf den meisten standen mit schwarzem Marker geschriebene, kurze Danksagungen und Grüße an meinen Vater. Aus der Küche hörte ich Geschirrgeklapper. Mercedes war gerade dabei, Kaffee zu machen. Die kleine, hübsche Mexikanerin war Dads Stylistin und Mädchen für alles.

»Hola, Mercedes!«, begrüßte ich sie und blieb lächelnd in der Tür stehen. »Cómo está Angelo?«

Normalerweise leuchteten Mercedes’ große braune Augen sofort auf, wenn ich mich nach ihrem kleinen Sohn Angelo erkundigte, und sie berichtete mir stolz, was er Neues gelernt oder welchen Streich er wieder ausgeheckt hatte. Aber diesmal wich sie meinem Blick aus und nestelte an dem goldenen Kreuz an ihrer Halskette. »Está bien, gracias«, erwiderte sie nur. Eigentlich sprach Mercedes ziemlich gut Englisch, aber ich nahm jede Gelegenheit wahr, Spanisch mit ihr zu reden, weil ich vorhatte nach der Highschool ein paar Monate durch Mittelamerika zu reisen.

Hatte Mercedes’ verhaltene Reaktion etwas mit dem Besuch der beiden Polizisten zu tun?

»Was wollten eigentlich die Männer, die gerade da waren?«

»Das musst du deinen Vater fragen.«

Ihre knappe Antwort beunruhigte mich ein bisschen. »Okay«, sagte ich. »Und was heißt ›Umarme Angelo von mir‹ auf Spanisch?«

Mercedes lächelte schwach. »Dale un abrazo a Angelo de mi parte. Gracias, Shelby.«

Die Tür zum Büro am Ende des Flurs stand offen. Als ich vorbeiging, sah ich Dads Sekretärin Janet mit dem Rücken zu mir vor dem Aktenschrank stehen, wo sie einen Stapel Ordner einsortierte. Um sie nicht zu erschrecken, klopfte ich leise an den Türrahmen, bevor ich ins Zimmer trat.

Janet stieß trotzdem einen kleinen Schrei aus und zuckte so zusammen, dass sie die Ordner fallen ließ und sämtliche darin enthaltenen Unterlagen und Fotos herausrutschten.

»Oje, das tut mir leid«, entschuldigte ich mich. »Genau das wollte ich vermeiden.«

Jemand anderes hätte wahrscheinlich »Nicht so schlimm« gesagt, aber Janet starrte nur wie betäubt auf das Durcheinander zu ihren Füßen und ließ unglücklich den Kopf hängen. Am Scheitel ihrer braun gefärbten, schulterlangen Haare waren die grau nachwachsenden Ansätze zu sehen.

»Gott, was mache ich denn jetzt?«, jammerte sie. »Ich weiß doch gar nicht mehr, welche Fotos in welchen Ordner gehören!«

»Keine Sorge. Das kriegen wir schon wieder hin.« Ich bückte mich, um ihr zu helfen.

»Nicht!«, fuhr sie mich an. »Ich mache das schon.«

»Aber …«

»Shelby, bitte!«

Anscheinend war sie heute ganz besonders empfindlich. Als ich mich wieder aufrichtete, fiel mir auf, dass sie am ganzen Körper zitterte. Zwar wusste ich aus Erfahrung, dass Janet leicht aus der Fassung zu bringen war, aber normalerweise gehörte dazu schon mehr als ein paar heruntergefallene Akten.

»Was für ein Tag!«, stöhnte sie und setzte sich mit verschränkten Armen auf die Kante des Schreibtischs. Sie sah blass und mitgenommen aus. Auf dem Schreibtisch herrschte ein ebensolches Durcheinander wie auf dem Boden und ich fragte mich – nicht zum ersten Mal –, wie mein Vater bloß auf die Idee gekommen war, ausgerechnet eine solche Chaotin als Sekretärin einzustellen.

»Was war denn los?«

Janet seufzte. »Ach, wir haben wahnsinnig viel zu tun und gerade eben war auch noch die Polizei wegen zwei Mädchen hier, die verschwunden sind.«

»Models von uns?«, fragte ich. Vielleicht waren es dieselben Mädchen, von denen Roman heute in der Schule erzählt hatte. Falls ja, würde sie das sicher brennend interessieren.

»Wir haben die Fotos für ihre Sedcards gemacht«, sagte Janet.

»Und wo sind sie jetzt?«

Sie deutete mit zitternden Fingern auf die am Boden verstreut liegenden Unterlagen und Fotos. »Irgendwo in diesem Haufen.«

»Nicht die Fotos«, sagte ich. »Die Mädchen. Was ist mit ihnen passiert?«

»Ich habe dir doch gerade erzählt, dass sie verschwunden sind.«

In diesem Moment ging die Tür des gegenüberliegenden Studios auf und Dads Assistent Gabriel Gressen, ein geradezu absurd gut aussehender Mittzwanziger, der selbst häufiger als Model arbeitete, kam heraus. Er hielt einen Teller mit chinesischem Essen in der Hand und ich spürte, wie mein Herz schneller schlug … was ganz sicher nicht daran lag, dass ich Nudeln mit Sojasprossen und Rindfleisch so unwiderstehlich fand.

3  Mit seinen dunklen Augen, den schwarzen Locken und dem perfekt gebauten Körper sah Gabriel aus wie die Fleisch gewordene Statue des David von Michelangelo. Kurz: Er war zum Niederknien schön. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass es nicht auch etwas mit ihm zu tun hatte, dass ich nach der Schule so oft bei Dad im Studio vorbeischaute.

»Jemand Interesse?«, fragte er und hielt uns den Teller hin.

An dir?, dachte ich. Und wie.

»Gerne.« Janet nahm ihm den Teller ab und schaufelte sich die Nudeln hungrig in den Mund.

Gabriel bedachte das Chaos am Boden mit einem beiläufigen Blick, als fände er nichts Ungewöhnliches daran, und lächelte mich dann an. »Hey, Shelby. Auch mal wieder da?«

Seine samtweiche Stimme ging mir durch und durch, was ich mir allerdings nicht anmerken ließ.

»Hi, Gabe. Wie geht’s?«, fragte ich lässig.

»Wir haben hier heute großes Glamour-Shooting.«

»Echt? Wer ist denn da?«

»Dim-Sum und seine Freunde Wan-Tan und Ingwerwurz.«

Ich lachte und deutete dann auf die Studiotür.

»Kann ich rein?«

»Nur zu. Ich glaube kaum, dass die Garnelen was dagegen haben, wenn du sie hüllenlos siehst.«

In dem großen Raum, in dem das Studio untergebracht war, duftete es wie in einem Chinarestaurant. »Hey, Küken«, begrüßte mich Dad, der die Kamera gerade auf einen hell ausgeleuchteten Teller knusprig gebratener Nudeln mit Schweinefleisch richtete. Auf einem Tapeziertisch in der Nähe standen ungefähr noch ein Dutzend weiterer asiatischer Gerichte, die darauf warteten, ins Scheinwerferlicht gerückt zu werden.

»Machst du Fotos für eine Gourmetzeitschrift?«

»Nicht ganz.« Dad drückte ein paarmal in rascher Folge auf den Auslöser. Das Blitzlicht flammte so hell auf, dass ich einen Augenblick lang nur Punkte sah.

»Eine Werbekampagne?«

»So ähnlich.« Er verschob den Teller um ein paar Millimeter. »Das sind Bilder für die neue Speisekarte vom Whacky Wok.«

Der Whacky Wok war ein Asia-Imbiss im Zentrum von Soundview. Ich spürte, wie es mir einen kleinen traurigen Stich versetzte. Speisekarten rangierten in der Welt der kommerziellen Fotografie so ungefähr am untersten Ende der Skala, sehr viel tiefer konnte man als Fotograf gar nicht sinken. Erst recht nicht, wenn man schon einmal so weit oben gewesen war, dass man für eine Modestrecke ein Tageshonorar von zehntausend Dollar bekommen hatte.

Mein Vater schoss noch ein paar Fotos, dann stellte er den Teller zu den anderen und ersetzte ihn durch einen, auf dem Huhn mit gerösteten Cashewnüssen angerichtet war.

Nachdem ich ihm eine Weile stumm bei der Arbeit zugesehen hatte, sagte ich: »Ich habe gehört, die Polizei war da und hat nach irgendwelchen Mädchen gefragt, die verschwunden sind. Worum ging es denn genau?«

»Da fragst du mich zu viel.« Dad schob einen der Scheinwerfer ein Stückchen weiter nach rechts. »Anscheinend haben wir die Fotos für ihre Sedcards gemacht.«

»Weiß man denn schon, was mit ihnen passiert ist?«

»Ich habe keine Ahnung, Küken. Die Detectives haben uns nur ein paar Routinefragen gestellt.« Wieder flammte das Blitzlicht auf.

Ich spielte kurz mit dem Gedanken, ihn zu fragen, ob er glaubte, dass es sich um dieselben Mädchen handelte, von denen Roman gesprochen hatte, aber es war offensichtlich, dass er der Sache keine große Bedeutung beimaß. Außerdem gab es etwas anderes, worüber ich mit ihm reden wollte: die merkwürdige Mail von [email protected].

»Hm«, sagte Dad nur, nachdem ich sie ihm gezeigt hatte.

Ich sah ihn an. »Kannst du dir vorstellen, was derjenige damit gemeint haben könnte?«

Dad setzte ein gespielt irres Grinsen auf und rieb sich leise kichernd die Hände. »Das kann ich dir gern sagen, Kleines, nur leider müsste ich dich anschließend umbringen!«

»Ich meine es ernst, Dad.«

»Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung. Für mich klingt das nach einem dummen, bösartigen Scherz. So was ignoriert man am besten.« Er griff nach seiner Kamera. »Hör zu, ich muss hier weitermachen, bevor das Essen austrocknet. Nimm dir ruhig was von dem mit, was ich schon fotografiert habe. Du kannst es dir ja aufwärmen.«

»Kommst du zum Abendessen nicht nach Hause?«

»Ich fürchte, das schaffe ich nicht. Du siehst ja, dass ich hier noch einiges zu tun habe. Könnte wieder spät werden.«

Ich nickte resigniert. Daran war ich schon gewöhnt. Unter der Woche arbeitete Dad häufig bis spät in die Nacht im Studio und an den Wochenenden nahm er oft Aufträge in anderen Städten an, wo er dann auf Hochzeiten oder irgendwelchen Veranstaltungen fotografierte.

»Schade, Dad.« Ich umarmte ihn. »Ich hätte es echt schön gefunden, wenn wir alle mal wieder zusammen zu Abend gegessen hätten.«

»Heute ist das leider wirklich nicht drin«, sagte er bedauernd und drückte mich an sich. »Aber am Sonntag machen wir was Schönes, versprochen. Nur wir beide.«

Ich gab ihm einen Kuss, nahm mir eine Portion Nudeln mit Pilzen und Gemüse und ging wieder auf den Flur hinaus. Gabriel war nirgends zu sehen. Im Büro kniete Janet vor der Hängeregistratur, blätterte in den Ordnern und schien nach irgendetwas zu suchen. Am Boden lagen immer noch die verstreuten Fotos und auf dem Schreibtisch stand der halb leer gegessene Teller mit den Nudeln. Ich verzichtete darauf, mich von Janet zu verabschieden, weil ich nicht riskieren wollte, sie noch einmal zu erschrecken.

Auf dem Weg nach draußen war ich so in Gedanken versunken, dass ich beinahe mit Gabriel zusammenstieß, der gerade mit einem Becher Kaffee in der Hand aus der Küche trat. »Hoppla!« Ich trat hastig einen Schritt zurück, lachte nervös und spürte, wie ich rot anlief. »Entschuldige.«

»Kein Grund, sich zu entschuldigen.« Er lächelte gelassen, als würden ihm ständig irgendwelche Mädchen in die Arme laufen – was bei seinem Aussehen wahrscheinlich gar nicht so abwegig war. Dann sah er mir so tief in die Augen, dass mir ganz schwindelig wurde, und sagte: »Du siehst heute besonders hübsch aus, Shelby.«

»Danke«, antwortete ich und konnte mir gerade noch verkneifen hinzuzufügen: Du aber auch.

»Frisch verliebt?«, fragte er.

»Ich wüsste nicht, in wen.«

»Das wundert mich. Ein Mädchen wie du müsste doch unter den Jungs an der Schule freie Auswahl haben.«

»Selbst wenn – glaub mir, das Angebot des Abschlussjahrgangs an der Soundview High ist nicht gerade berauschend.«

»Du Arme, das ist natürlich bitter.« Gabriel lachte. »Dann wünsche ich dir trotzdem noch einen schönen Abend«, verabschiedete er sich und ging Richtung Studio.

Es war nicht das erste Mal, dass er mit mir geflirtet hatte, aber irgendetwas schien ihn immer davon abzuhalten, einen Schritt weiterzugehen. Jedenfalls hatte er noch nie ernsthafte Annäherungsversuche gemacht – leider. Ich vermutete, es lag daran, dass er für meinen Vater arbeitete und lieber nichts mit der Tochter des Chefs anfangen wollte.

Mir würde wohl nichts anderes übrigbleiben, als Dad zu bitten, ihm zu kündigen.

Kleiner Scherz.

4Als ich nach Hause kam, saß meine Mutter bei laufendem Fernseher in der Küche und löste Kreuzworträtsel. Es duftete köstlich nach Rosmarin-Hähnchen mit Süßkartoffeln und der Tisch war wie üblich für drei Personen gedeckt. Mir tat es unglaublich leid, ihr gleich sagen zu müssen, dass Dad zum Essen wieder nicht nach Hause kommen würde. Als ihr Blick auf den mit Alufolie bedeckten Teller in meiner Hand fiel, runzelte sie die Stirn und sah mich fragend an.

»Ich bin nach der Schule im Studio vorbeigefahren«, erklärte ich. »Dad macht Fotos für einen China-Imbiss und lässt ausrichten, dass er es leider nicht schafft, zum Essen zu Hause zu sein.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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