E-Book 1121-1125 - Patricia Vandenberg - E-Book

E-Book 1121-1125 E-Book

Patricia Vandenberg

0,0
14,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! E-Book 1: So viele offene Fragen E-Book 2: Die Stürme der Jugend E-Book 3: Rätsel um Anneka E-Book 4: Ein barmherziger Samariter? E-Book 5: Unser Lebenstraum ist in Gefahr!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Dr. Brinkmeier Classic – 3 –

Die Nacht, als Annemarie verschwand

Das Glück schien schon zerbrochen ...

Toni Waidacher

»Doktor, da ist nur noch der Burgmüller. Er klagt wieder über Gelenkschmerzen.« Christel Brunner, die Sprechstundenhilfe von Dr. Max Brinkmeier, verdrehte die Augen, weshalb der junge Landarzt wissen wollte: »Stimmt was nicht? Willst vielleicht andeuten, daß unser Ortsvorstand wieder mal simuliert?« Max dachte an die »Beschwerden«, die Alois Burgmüller vor einiger Zeit angeblich gehabt hatte. Diese waren eigentlich nur dazu angetan gewesen, ihm ein Rezept zu verschaffen, das er dann flugs zu Anna Stadler getragen hatte. Der verwitwete Bürgermeister von Wildenberg war nämlich in die hübsche Apothekerin verliebt, doch sie ließ ihn stets abblitzen.

»Ich will ihm nix unterstellen, aber das hatten wir doch schon mal«, erwiderte Christel mit einem schmalen Lächeln.

Alois Burgmüller, ein gestandenes Mannsbild von fünfzig Jahren, verzog gequält den Mund, als er wenig später vor Dr. Brinkmeiers Schreibtisch Platz nahm. »Das Reißen hat mich wieder«, knurrte er. »Dieses vermaledeite feuchte kalte Wetter ist schuld. Geh, Doktor, gib mir halt eine Spritzen, damit ich mich wieder bewegen kann und net herumkrieche wie ein Greis.«

»Zuerst muß ich dich mal untersuchen«, stellte der Mediziner klar. »Wo genau sitzt der Schmerz?«

Alois deutete unbeholfen auf seinen Rücken. »Überall!«

»Na, so viele Spritzen kann ich dir net geben. Also, sehen wir es uns mal an.« Der junge Landarzt mit dem sandblonden Haar und den klaren graublauen Augen untersuchte seinen Patienten genau und kam schließlich zu dem Schluß: »Du brauchst ein Aufbautraining für die Rückenmuskulatur, Burgmüller. Sonst werden die Schmerzen immer wiederkommen.«

»Aber es ist doch das Reißen, das hatte schon mein Vater selig«, beharrte der. »Da hilft nur ein gutes Schmerzmittel.«

Max bedachte den Großbauern mit einem strengen Blick. »Wer stellt jetzt die Diagnosen, du oder ich? Wir haben ja vor einiger Zeit schon mal einen Bluttest gemacht, und der hat eindeutig ergeben, daß du weder unter Gicht noch unter Rheuma leidest. Also, willst jetzt ein bissel üben und hernach schmerzfrei werden? Oder lassen wir alles, wie es ist?«

»Ich weiß net recht... Wenn es sein muß. Aber ich hab’ ja keinen Schimmer, wie so was geht.«

»Ich schicke dich zu einem Physiotherapeuten in die Stadt. Der stellt dir ein Programm zusammen, das mußt dann aber auch täglich absolvieren. Und du wirst sehen, auch in deinem Fall wirkt mehr Bewegung Wunder.«

»Also gut. Aber die Schmerzen, die mich jetzt quälen...«

»Dafür kriegst ein Rezept, keine Angst.« Dr. Brinkmeier konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Der Bürgermeister ahnte schon, was dem Landarzt durch den Kopf ging, weshalb er rasch das Thema wechselte.

»Der alte Gruber wird morgen beerdigt. Kommst auch hin?«

»Freilich, er war ja mein Patient. Und ich hab’ da so meine Erinnerungen an die kleine Schreinerei. Als Bub bin ich öfter dort gewesen, der Geruch des frisch gesägten Holzes ist mir jetzt noch in der Nase. Der Gruber war ein fleißiger Mann. Wer wird denn die Schreinerei jetzt weiterführen?«

Alois nahm das Rezept entgegen. »Er hat einen Neffen, Andreas Gruber, der Bub von seinem Bruder selig. Der ist auch Schreiner und erbt. Ich weiß es, weil ich das Testament in Verwahrung hab’. Nach der Beisetzung werde ich mit dem jungen Gruber reden. Ich denk, uns allen liegt daran, den Betrieb zu erhalten.«

»Das trifft sich aber, daß es da einen Neffen gibt, der die Schreinerei übernehmen kann.«

»Ja, mei, der alte Gruber und seine Frau selig hatten zwar selbst keine Kinder, aber er hat sich schon bemüht und früh genug nach einem Erben Ausschau gehalten.«

»Das ist vernünftig.«

»Net jeder hat das Glück, daß seine Kinder da sind, wenn er sie braucht«, sinnierte der Burgmüller in Anspielung auf Max Brinkmeier, der vor einiger Zeit seine Arbeit in der Entwicklungshilfe aufgegeben hatte, um die Praxis seines Vaters zu übernehmen. »Als dann, ich mach mich auf den Weg. Bis morgen. Wir sehen uns ja auf der Beerdigung.«

Nachdem der Bürgermeister gegangen war, verabschiedete sich auch Christel Brunner. Sie legte ihrem Chef noch die Liste der Hausbesuche auf den Tisch, die am nächsten Tag fällig waren, und fragte: »Na, hab’ ich recht gehabt? Ist der Burgmüller wieder auf ein Rezept ausgegangen?«

Max mußte schmunzeln. »Ich kann’s net leugnen, Christel.«

»Dachte ich mir doch. Aber es wird ihm nix nützen. Die Anna

Stadler hält nichts von dem alten Bock, die hat einen weitaus besseren Geschmack. Dann bis morgen nachmittag.«

Dr. Brinkmeier warf der patenten Mittfünfzigerin einen fragenden Blick zu. »Was hast denn damit sagen wollen, Christel, daß die Anna einen besseren Geschmack hat?«

»Ja, mei, das ist doch nicht schwer zu erraten.« Sie grinste so spitzbübisch, daß der Doktor nur noch den Kopf schütteln konnte. Er betrachtete das Foto von Dr. Julia Bruckner, das seinen Schreibtisch schmückte, und seufzte leise. Natürlich wußte Max Brinkmeier, daß die hübsche Apothekerin Anna Stadler ein wenig in ihn verliebt war. Doch sein Herz gehörte Julia, der Frau, mit der er knapp zehn Jahre seines Lebens in Ruanda verbracht hatte. Als sein Vater Josef wegen einer Herzerkrankung nicht mehr in der Lage gewesen war, die Landarztpraxis in Wildenberg allein zu führen, hatte Max Afrika nur sehr schweren Herzens verlassen. Zum Teil natürlich, weil ihm die Arbeit in der Missionsstation Holy Spirit wirklich viel bedeutet hatte und er dort als Mediziner seine Berufung hatte finden können. In erster Linie aber, weil Julia ihm nicht nach Deutschland folgen wollte. Sie hing mit Herz und Seele an dem Ort und den Menschen, sie hatte ihre ganze Kraft in den Aufbau eines funktionierenden medizinischen Systems mitten im Busch gesteckt. Und obwohl sie beide sehr unter der Trennung litten, schien es doch momentan keine Lösung für sie zu geben. Max hatte sich rasch wieder in Wildenberg eingelebt und es keinen Tag bereut, die Nachfolge seines Vaters angetreten zu haben. Und Julia brachte es nicht übers Herz, Ruanda zu verlassen. So blieben ihnen nur Briefe und gelegentliche Telefonate und die Sehnsucht nacheinander...

Eine Weile später verließ auch Max die Praxis und ging hinauf in seine Wohnung. Er wollte gerade die Tür aufschließen, als die alte Hauserin Afra von oben rief: »Komm nur auffi, Max, das Essen ist schon fertig!«

Der junge Arzt ließ sich nicht lange bitten. Er hatte es sich zur Gewohnheit werden lassen, zusammen mit Afra und seinem Vater zu essen, er genoß das wiedergewonnene Familienleben. Freilich war das nicht immer so gewesen. Josef hatte es Max seinerzeit sehr übel genommen, daß dieser in die Entwicklungshilfe gegangen war, statt in seine Praxis einzusteigen. Doch die alten Streitigkeiten waren längst beigelegt. Und Josef nahm regen Anteil am Leben seines Sohnes. Die beiden Mannsbilder, die einander sehr ähnlich sahen, plauderten eine Weile über das, was der Tag gebracht hatte, bis Josef feststellte: »Dein Bruder ist der schlimmste Sturschädel, der mir im Leben untergekommen ist. Gestern hab’ ich bei ihm vorbeigeschaut und wollte ihn auf Sonntag zum Essen einladen. Weißt, was er gesagt hat? Er will uns net stören. Angeblich hast was gegen ihn.«

»Ich?« Max lächelte schmal. »Der Lukas sucht immer wieder einen Grund, um mir aus dem Weg zu gehen. Dabei hab’ ich wirklich gehofft, daß wir es irgendwann schaffen würden, wie Erwachsene miteinander umzugehen. Aber die Hoffnung kann ich wohl begraben.«

»Das solltest net. Ich glaub, wennst nur ein bissel Geduld aufbringst, dann wirst es irgendwann schaffen. Bist doch der Vernünftigere, net wahr?«

Der junge Landarzt machte ein nachdenkliches Gesicht. »Das genügt aber manchmal net. Der Lukas hat so viele Vorbehalte gegen mich, da steht manches zwischen uns, wovon ich gar nix weiß. Mein Bruder ist nun mal ein sehr verschlossener Mensch. Und wenn er es nicht will, dann werde ich wohl nie einen Zugang zu ihm finden. Ein klein wenig muß er mir schon entgegenkommen.«

*

»Mei, ist das schön hier. Kein Vergleich zu Rosenheim. So eine tolle Landschaft! Dein Onkel selig hat es hier wirklich gut gehabt.« Annemarie Gruber betrachtete das Tal von Wildenberg mit großen Augen. Ihr Mann Andreas mußte schmunzeln, denn so begeistert hatte er Annemarie schon lange nicht mehr erlebt.

»Sollen wir anhalten und ein bissel spazierengehen? Das Wetter ist zwar nicht unbedingt danach, aber wennst magst...«

Die bildhübsche Blondine mit den großen rehbraunen Augen maß ihre bessere Hälfte tadelnd. »Ich glaub, du willst mich pflanzen, Andi. Aber lach nur über mich, ich bleib dabei. Hier ist es wunderschön, da würde ich auf der Stelle bleiben!«

»Ich kann dir ja nicht widersprechen und will es auch gar nicht«, kam es ein wenig bedächtig von dem jungen Schreiner. »Als Bub war ich öfter beim Onkel Xaver, meist in den Ferien. Weißt, er und mein Vater haben sich nicht so gut verstanden, sie waren halt zu verschieden. Den Vater hat es in die Welt hinausgezogen, er wollte nicht sein ganzes Leben in Wildenberg verbringen. Und zur Schreinerei hatte er gar keine Beziehung. Der Onkel Xaver war das genaue Gegenteil; er hat das Tal geliebt und wäre nie fortgegangen. Und er war ein echter Künstler auf seinem Gebiet. Die kleine Truhe bei uns in der Diele, die hat er ganz allein gebaut. Ohne eine einzige Schraube, nur mit Holzverzapfungen. Das will schon was heißen!«

»Du mußt dich net hinter ihm verstecken, kannst auch was.«

»Schon. Aber in so einem Betrieb wie unserem, da muß man machen, was anfällt, kann sich die Arbeit nicht aussuchen. Weißt, Annerl, ich tät davon träumen, auch selbständig zu arbeiten, so wie der Onkel Xaver. Aber das wird wohl immer ein Traum bleiben, weil es am Kapital fehlt.«

»Vielleicht hat dein Onkel dir ja was vermacht. Dieser Burgmüller, der hat doch audrücklich gesagt, daß du zur Beerdigung erwartet wirst. Und daß hernach das Testament verlesen wird.«

»Ja, schon. Aber da rechne ich mir nicht viel aus. Mag sein, der Onkel hat mir eine kleine Summe hinterlassen oder auch ein schönes Möbel. Aber mehr... Dazu haben wir uns in den letzten Jahren ja viel zu selten gesehen.«

»Warten wir es halt ab«, schlug Annemarie vor. »Da vorne ist die Pension Alpenrose. Da hab’ ich zwei Zimmer bestellt.«

»Gut, dann stellen wir unser Gepäck ab und machen gleich einen Besuch beim Bürgermeister.«

Alois Burgmüller begrüßte das Ehepaar Gruber freundlich. »Bist deinem Onkel recht ähnlich«, stellte er fest und klopfte dem jungen Schreinermeister jovial die Schulter. »Der Xaver war in den letzten Jahren ein bissel ein Einzelgänger, aber doch verträglich. Ich kann nix Schlechtes über ihn sagen.«

»Leider haben wir uns aus den Augen verloren. Wir leben in Rosenheim, und ich muß zu meiner Schand gestehen, daß ich nur noch selten an den Onkel selig gedacht hab’. Hat er denn sehr leiden müssen zum Schluß?«

»Ach, iwo. Der Doktor Brinkmeier, unser Landarzt, hat sich gut um ihn gekümmert. Sein Herz war halt schwach, das wollte nimmer. Ich weiß, daß er friedlich eingeschlafen ist. Und er hat ja auch ein erfülltes Leben gehabt.«

»Das beruhigt mich. Eigentlich wollte ich meine Eltern auch mitbringen, aber der Vater und der Onkel selig haben sich halt nie so recht verstanden.«

Alois nickte. »Ja, die zwei waren wie Feuer und Wasser. Wenn ich dich so anschau, Andreas, mein ich, du kommst mehr nach dem Xaver. Bist bodenständig, hast ein Handwerk gelernt.«

»Ja, das stimmt schon. Aber ich hab’ es leider nicht zu einer eigenen Schreinerei gebracht. Obwohl es mein Traum wäre...«

»Also, dann geduldest dich noch bis morgen, hernach reden wir über das Erbe. Und ich denk, du wirst dich net beschweren können«, deutete der Bürgermeister von Wildenberg an.

Andreas machte sich noch eine ganze Weile Gedanken über die Worte des Ortsvorstehers. Und auch Annemarie spürte, daß diese Reise nach Wildenberg ihr ganzes Leben verändern konnte...

Am nächsten Tag lag zäher Nebel über den Bergen, der Himmel war grau, und es schneite fein. Der Trauerzug bewegte sich mit gemessenem Schritt über den kleinen Friedhof von Wildenberg, der direkt neben dem Gotteshaus lag. Viele Nachbarn und Bekannte waren gekommen, um dem alten Schreinermeister die letzte Ehre zu erweisen. Und als Hochwürden Hirtner ergreifend predigte, da kamen auch Annemarie Gruber die Tränen.

Alois lud hernach zu einem Umtrunk in den Goldenen Ochsen ein, er wollte den Grubers beweisen, was für eine nette Gemeinde Wildenberg war. Und das nicht ganz ohne Hintergedanken...

Dominik Hirtner, der Geistliche im Tal, fragte seinen alten Spezl: »Führst du vielleicht was im Schilde, Lois? Ich mein fast, du weißt schon, was im Testament vom seligen Gruber steht. Oder warum bist sonst so nett zu seinem Neffen?«

Der Angesprochene setzte eine bühnenreife Unschuldsmiene auf, die dem Hirnter erst recht verdächtig vorkam, und beteuerte: »Ich bin nur freundlich zu Ortsfremden. Das ist alles. Wieso unterstellst mir eigentlich immer hinterfotzige Motive?«

»Weil du meistens welche hast«, erwiderte der Pastor schlicht.

»Wenn der junge Gruber die Schreinerei übernehmen tät, wäre das nur gut. Der Betrieb würde weitergeführt und wir müßten uns net über eine leerstehende Immobilie ärgern. Oder bist anderer Meinung?«

»Das klingt recht vernünftig. Er wird also erben?«

Dem Burgmüller schwoll die Zornesader, denn er stellte einmal mehr fest, daß er seinem alten Freund aus Kindertagen einfach nichts vormachen konnte. Der Hirtner besaß eine überaus ausgeprägte Menschenkenntnis. Alois verzichtete deshalb auf eine Antwort und wandte sich Andreas Gruber zu. Für Hochwürden war dies bereits Antwort genug. Er lächelte mild, denn in diesem Fall stimmte er mal mit dem Bürgermeister überein. Wenn dieses nette junge Ehepaar sich in Wildenberg ansiedeln sollte, dann wäre das für alle gewiß ein Gewinn gewesen...

»Hochwürden, Sie sind noch hier? Ich dachte, Sie haben Ferien.« Max Brinkmeier war neben den Geistlichen getreten, der nun erklärte: »Ab morgen. Ich werde eine Woche in der kleinen Skihütte an der Wildenklamm verbringen, ein wenig ausspannen und Ski fahren. Ich glaube, das habe ich mir verdient.«

»Sie wollen ganz allein dort oben bleiben?«

»O ja, das geht schon. Meine Hauserin werde ich fei nicht dazu bewegen können, mitzukommen. Die Milli plagt das Rheuma, und ihre Ski stehen schon seit dreißig Jahren in der Remise. Aber ich hab’ es ja nicht weit zum Berghof der Familie Fellner. Und dort werde ich mich auch verköstigen.«

»Das klingt vernünftig. Dann wünsche ich Ihnen viel Spaß.«

»Danke.« Dominik Hirtner lächelte milde. »Obwohl ich mich frage, ob es sich für einen Mann meines Schlages gehört, Spaß zu haben...«

Max lachte. »Der liebe Herrgott hat gewiß nix dagegen, wenn Sie seine herrliche Natur genießen.«

Eine Weile später verließen die Grubers dann in Begleitung von Alois Burgmüller das Wirtshaus. Der Bürgermeister hatte ihnen angeboten, das Testament gleich zu verlesen, womit beide einverstanden waren. Die Andeutungen, die der Burgmüller am Vortag hatte fallen lassen, sorgten dafür, daß Andreas und seine Frau nun doch ein wenig gespannt auf den letzten Willen des verstorbenen Onkels waren.

Alois ließ sich Zeit. Mit großer Geste erbrach er das Wachssiegel und las dann erst einmal akribisch alle Vorbemerkungen. Andreas rutschte ungeduldig auf seinem Platz hin und her. Endlich kam der Bürgermeister auf den wichtigsten Punkt zu sprechen. »Als Haupterben für mein Haus, die Schreinerei und alle festen und beweglichen Güter bestimme ich Andreas Gruber, meinen Neffen, momentan wohnhaft in Rosenheim, Karlstraße vier.« Der Burgmüller schaute auf und machte ein Gesicht, als erwarte er persönlich nun eine Dankesbezeugung. Die Grubers aber schwiegen erst einmal, denn sie mußten das, was sie da gerade erfahren hatten, ja begreifen.

Andreas fand als erster die Sprache wieder. »Der Onkel selig hat mir alles vermacht, aber das... Ist, ist ja net zu fassen!« Er warf Annemarie einen unsicheren Blick zu, die ihm zulächelte. »Was sagst dazu, was machen wir denn jetzt, ich mein...«