Ebenbild - Frank Döhler - E-Book

Ebenbild E-Book

Frank Döhler

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Beschreibung

Als Jugendlicher bekam ich mein erstes What-Would-Jesus-Do-Armband geschenkt. Seit damals begleitet mich diese Herausforderung, der Wunsch, bei allen Entscheidungen zu fragen: Jesus, was würdest du tun? Mit der Zeit kam mehr und mehr Verzweiflung dazu. Warum? Weil ich merkte, dass ich das nicht wirklich schaffe. Ich scheitere an meiner Trägheit, an meinem Egoismus, an meinen Begierden … Und es hilft auch nichts, wenn ich mir fünf WWJD-Bänder um jeden Arm mache und um die Füße dazu. Gottes Wunsch ist es ausdrücklich, dass wir Jesus Christus ähnlich werden: denken, reden, fühlen, entscheiden, handeln wie er. Nach und nach entdeckte ich, dass das weniger Gottes Anspruch als vielmehr sein Versprechen ist: Er wird mich prägen, auf mich abfärben, mich reinigen und führen … WWJD braucht WWEI - Werden, wie er ist. Wie diese Prägung, Veränderung, Heiligung geschieht, darum geht es in diesem Buch.

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Seitenzahl: 239

Veröffentlichungsjahr: 2020

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© Copyright 2020 by Asaph-Verlag

1. Auflage 2020

Bibelzitate wurden folgenden Übersetzungen entnommen:

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Neue Genfer Übersetzung © 2011 Genfer Bibelgesellschaft

Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R. Brockhaus, Witten

Hoffnung für alle © Biblica, Inc.®, hrsg. von Fontis – Brunnen Basel

Revidierte Elberfelder Bibel © SCM R. Brockhaus, Witten

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 2016 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart

Umschlaggestaltung: Fontis Media, René Graf

Satz: Samuel Ryba

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH

ISBN 978-3-95459-610-2

Bestellnummer 148043

Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an:

Fontis Media GmbH, Baukloh 1, D-58515 Lüdenscheid

[email protected] oder www.fontis-shop.de

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Werden, wie er ist:Wichtig zu wissen

Das Dilemma

Warum eigentlich?

Geheiligt

Überwinder

Wie ist er?

Demütig

Durch Leiden

Stark

Gehorsam

Freimütig

Vollendet

Dank

Endnoten

Meinem lieben Freund und unschätzbar wertvollen Mentor Dr. Theo Lehmann

Werden, wie er ist:

Wichtig zu wissen

American Football fand ich von jeher nicht sehr reizvoll. Warum nicht? Na ja: Es lag nicht an der Härte des Spiels, auch wenn ich natürlich ungern von einem Klotz von Mann niedergerissen werden wollte. Es lag auch nicht daran, dass ich kleiner als der deutsche Durchschnittsmann bin und mich so gut wie jeder Gegenspieler einfach umrennen konnte. Mein Desinteresse hatte einen einfachen Grund: Ich verstand das Spiel nicht. Und das wiederum lag daran, dass ich mir nie Gedanken gemacht hatte, welche Regeln dem Ganzen zugrunde liegen.

Eines Tages war ich als Referent für ein Sportcamp gebucht. Natürlich habe ich alle Spiele mitgemacht. Und welche Sportart stand unter anderem auf dem Programm? Richtig: American Football. Okay, es war die Softie-Variante: Flag Football ohne wirklichen Körperkontakt. Aber nach einer Woche wusste ich, worum es bei American Football geht. Plötzlich machte es Sinn und war reizvoll.

Was du auf den kommenden Seiten liest, wird nur dann Sinn ergeben, wenn du zumindest weißt, welche drei Überzeugungen dem Ganzen zugrunde liegen. Ansonsten wirst du schnell das Buch zuschlagen, so wie ich beim Fernsehen weitergeschaltet habe, wenn American Football kam.

Gottes Wunschkind

Die erste Überzeugung lautet: Du bist Gottes Wunschkind – und ich auch. Die Bibel sagt, dass Gott uns geschaffen hat. Aber nicht wie ein Wissenschaftler, bei dessen Experimenten zufällig dieses Universum und einige Lebewesen herauskamen. Wenn es so wäre, dann würde Gott für uns keine große Bedeutung haben, weil wir nur ein Versuchsobjekt wären. Die Bibel stellt uns Gott als einen liebevollen Vater vor, der in unendlicher Kreativität und Macht diese Welt und alles, was lebt, geschaffen hat.

Gott hat dich gewollt. Du bist keine Laune der Natur, kein Schicksalsschlag für deine Eltern und erst recht nicht nur das Ergebnis eines geplatzten Gummis. Gott hatte eine herrliche Idee. Er wollte, dass du lebst. Also hat er dir das Leben geschenkt – aus Liebe. Er liebt dich, auch wenn du vielleicht bis heute nichts von ihm wissen wolltest. Auch wenn du ihm noch nie einen Grund gegeben haben solltest, dich zu lieben. Und selbst wenn du ihm schon viele Gründe geliefert haben solltest, dich zu hassen: Er liebt dich. Pflück dir ein Gänseblümchen und reiß die Blütenblätter aus; du brauchst nur noch zu sagen: Er liebt mich. Er liebt mich. Er …

Und wozu?

Die zweite Überzeugung hängt mit der Frage zusammen, wozu uns Gott geschaffen hat. Er hat dich nicht für dich geschaffen. Nicht dazu, dass du dich nur um dich drehst. Es geht nicht nur um Selbstverwirklichung, so schön große Träume sind. Aber die Verwirklichung deines Traums definiert nicht, wer du bist und wozu du lebst. Dass ganz oben auf der Karriereleiter einfach nichts ist, das hätte der Schauspieler und Regisseur Woody Allen schon gerne als Jugendlicher gewusst, wie er auf eine Interviewfrage einmal antwortete. Wenn deine Identität davon abhängt, was du erreichst, stehst du am Ende immer mit nichts da. Egal, ob sich dein Traum erfüllt oder nicht. Wie viele Träume sind schon geplatzt! Beziehungsträume, Karriereträume, der Traum von der vollkommenen Gesundheit ... Ist dein Leben dann sinnlos? Gott hat dich nicht für dich geschaffen.

Er hat dich aber auch nicht geschaffen, damit du dich nur um andere drehst. So gut es ist, für andere da zu sein: Es ist aber nicht der Sinn deines Lebens. Manchmal erzählen mir Leute, dass niemand mehr ihre Hilfe braucht oder haben will. Im gleichen Atemzug sagen sie dann, dass damit ihr Leben sinnlos ist. Wirklich?

Die Bibel stellt die Behauptung auf: Du bist Gottes Wunschkind. Er hat dich geschaffen, aber nicht für dich und nicht für andere. Gott hat dich für sich geschaffen. Nicht aus purem Egoismus, sondern aus Liebe zu dir! Gott hat dein Leben so angelegt, dass du dich um ihn drehst und er sich um dich. Die Bibel sagt das so – Kol. 1,16: „Alles ist durch Jesus und für Jesus erschaffen.“ Und wozu? Die Bibel sagt – 1. Kor. 1,9: „Gott selbst hat euch dazu berufen, für immer mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn, verbunden zu sein.“ Das ist deine Bestimmung: eine Beziehung mit Gott.

Werden, wie er ist

Also erstens: Du bist Gottes Wunschkind. Zweitens: Er hat dich geschaffen, damit du und er eine herrliche Vater-Kind-Beziehung haben. Eine Beziehung, in der du – drittens – ihm immer ähnlicher wirst. In der dein Herz lernt zu fühlen, wie sein Herz fühlt. In der du lernst, so zu leben, wie er sich das Leben vorstellte, als er alles schuf. Um diese dritte Überzeugung geht es auf allen weiteren Seiten. Viel Freude beim Lesen und beim „Werden, wie er ist“!

Ein Blick auf dich

•Welche Grundüberzeugungen prägen dein Leben?

Auf Gott hin angelegt

Ref.:

Du und ich,

wir sind auf Gott hin angelegt.

Und wer sich unentwegt

aus eigner Kraft bewegt,

hat noch nicht überlegt,

dass der Wind das Meer bewegt.

1. Str.:

Dass du lebst, ist kein Zufall,

es war Gottes Einfall.

Du bist von ihm gewollt.

Er hat vor dir ein Leben, so weit

wie das Meer, ausgerollt.

Komm und werd Gottes Kind

und dann nutze den Wind,

den dir Gott in die Segel legt.

Gott sorgt für den Wind und die Wellen,

damit sich dein Schiff bewegt.

2. Str.:

Wellental, Wellenberg,

du dazwischen ein Zwerg,

doch Gott hat dich fest im Blick.

Durch die Strömungen und durch Gezeiten

lenkt er dein Geschick.

Du wirst nicht ertrinken.

Dein Boot wird nicht sinken.

Gott kommt zu dir an Bord.

Und wird das Tosen der Wellen zu stark,

so stillt er den Sturm durch ein Wort.

Döhler & Scheufler | Album „Nicht vergebens“

Werden, wie er ist:

Das Dilemma

Als Jugendlicher bekam ich mein erstes What-Would-Jesus-Do-Armband geschenkt. Bis heute sind einige dazu gekommen. Etliche habe ich selbst schon verschenkt. Seit damals begleitet mich diese Herausforderung. Der Wunsch, bei allen Entscheidungen zu fragen: Jesus, was würdest du tun? Mit der Zeit kam mehr und mehr Verzweiflung dazu. Warum? Weil ich merkte, dass ich das nicht wirklich schaffe. Ich kann mich anstrengen. Ich kann mir ein Bein ausreißen. Aber nicht selten endet es in Frust. In Enttäuschung über mich selbst. Ich scheitere an meiner Trägheit, an meinem Egoismus, an meinen Begierden … Und es hilft auch nichts, wenn ich mir fünf WWJD-Bänder um jeden Arm mache und um die Füße dazu.

Mal sind es offensichtliche Fehlschläge und mal verborgene, die keiner mitbekommt. Der Frust ist der gleiche. Es war in einer Hauptprobe für ein Konzert, bei dem ich als Sänger mit einer dänischen Sängerin auf der Bühne stand. Sie hat eine grandiose Stimme, facettenreich von zart wie eine Feder bis wild wie ein Orkan. Sie erzählte nebenbei, dass sie erkältet und damit heiser sei und im Konzert nicht ganz so heftig schreien könne wie sonst. Was dachte ich, als ich das hörte? „Wenn sie nicht richtig loslegen kann, dann sehe ich wenigstens nicht ganz so blass neben ihr aus.“ Wo kam dieser Gedanke her? Wieso konnte ich nur an mich denken?

Als Christ weiß ich an sich gut, wie ich eigentlich sein sollte. Eben so, wie Jesus selbst ist. Und wenn ich die Bibel aufschlage, lese ich es an allen Ecken und Enden: „Seid voll Mitleid.“ Das wäre angebracht gewesen meiner Gesangskollegin gegenüber. „Seid voll Mitleid und Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftheit und Geduld. Seid nachsichtig mit den Fehlern der anderen und vergebt denen, die euch gekränkt haben. Vergesst nicht, dass der Herr euch vergeben hat und dass ihr deshalb auch anderen vergeben müsst. Das Wichtigste aber ist die Liebe …“ (Kol. 3,12–14). An sich wissen Christen das. Aber es zu wissen ist das eine. So zu leben …

Ich bin halt nicht Jesus

Nach einer Predigt kam jemand zu mir. Tränen in den Augen. Dann erzählte er mir, wie er am christlichen Leben verzweifelt. Er schafft das nicht. Bei seinen Eltern und in seiner Gemeinde sieht er so ein ober-frommes Leben. Sein Leben sieht nach außen hin auch nicht schlecht aus. Aber in seinem Herzen weiß er: Er scheitert ständig an dem Maßstab für ein christliches Leben, den er in der Bibel liest. An dem, wie Jesus gelebt hat. Er scheitert an WWJD. Und das frustriert ihn. So sehr, dass er weinend vor mir stand und das Christsein am liebsten in die Tonne kloppen würde. Jemand sagte mal in ähnlicher Lage frustriert: „Ich bin halt nicht Jesus!“ Richtig! Was für eine bahnbrechende Erkenntnis. Tatsächlich. Freilich wusste ich, dass ich nicht Jesus war. Aber mir dämmerte etwas anderes. Natürlich kann ich nicht das tun, was Jesus tun würde. Warum? Ganz einfach: Ich bin nicht Jesus.

Ich war in der sechsten Klasse. Wir schrieben eine Leistungskontrolle in Geografie. Nach ungefähr einem Drittel der Zeit gab der Erste seine Zettel ab. Die Lehrerin hatte gerade nichts Besseres zu tun. Also korrigierte sie den Test. Noch bevor der Zweite fertig war, stand die Lehrerin auf. Sie hielt die Zettel hoch und sagte: „Nehmt euch ein Beispiel an Lukas (Name geändert ), er ist schon längst fertig und hat eine Eins.“ Peinlich. Aber irgendwie auch nicht fair. Okay, man kann lernen für so einen Test. Aber wie schnell man die Fragen beantwortet und ob dann noch alles richtig ist, hängt auch ein bisschen am Intellekt, der einem geschenkt ist. Das soll keine Ausrede sein. Aber wenn du einen Einstein in deiner Klasse hast, ist es wenig hilfreich, ständig mit ihm verglichen zu werden. Du wirst immer schlechter abschneiden.

So ging es mir mit meinen WWJD-Armbändern. Aber da war dieser Gedanke: Du bist nicht Jesus. Wie sollst du dann so handeln und reagieren wie er? Das heißt aber auch: Vor WWJD braucht es WWJW. Werde, wie Jesus war. Oder besser: Werde, wie Jesus ist. Jesus ist ja nicht tot. Er ist auferstanden. Er lebt. Und wenn du wirst wie Jesus, kannst du auch so leben, wie Jesus lebte. Ist doch logisch, oder? Wenn du so bist wie Jesus, kannst du die Leute um dich herum auch so lieben wie Jesus. Wenn du so bist wie Jesus, wirst du deine Zeit nicht mehr mit Plunder füllen, der sinnlos ist und dich am Ende nur leer und bedeutungslos zurücklässt.

Da wäre nur noch ein Problem

Keine schlechte Erkenntnis. Jetzt müsste nur noch folgendes Problem gelöst werden: Wie bitte wird man gleich nochmal, wie Jesus ist? Dazu gibt es ein Buch: die Bibel. Dort steht alles, was wir brauchen. Gleich auf den ersten Seiten der Bibel steht das, was ich dir gerade als dritte Grund-Überzeugung vorgestellt habe. Dass Gott uns geschaffen hat, damit wir sind, wie er ist. Schau dir das an – 1. Mo. 1,27: „So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und als Frau.“ Mit diesem Ebenbild ist nun aber nicht unser Äußeres gemeint. Du musst dich jetzt also nicht vor den Spiegel stellen und fragen: Hat Gott auch so eine Nase wie ich? Es geht nicht ums Aussehen. Als Gott dich nach seinem Ebenbild geschaffen hat, schuf er dich mit seinem wunderschönen Charakter. Die Werkseinstellung unseres Charakters ist also Gottes herrlicher Charakter. Wie ist sein Charakter? Er ist liebevoll, gnädig, barmherzig, gütig, treu, gerecht, heilig … Das ist unsere Werkseinstellung. Lass dir das mal auf deinem Herzen zergehen: Gott sagt über uns Menschen, er hat uns nur wenig niedriger gemacht als sich selbst. „Mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt“ (Ps. 8,6).

Herrliche Aussichten

Apropos Herrlichkeit: Als Jugendlicher fragte ich mich manchmal, was mit „Herrlichkeit“ gemeint ist. Sicherlich etwas Schönes, dachte ich mir. Aber was genau? Natürlich gibt es da so einige mögliche Umschreibungen. Eine davon ist das „Wesen“ Gottes – sein Charakter. Johannes, einer der Freunde von Jesus, schreibt in seinem Lebensbericht über Jesus – Joh. 1,14: „Gott wurde Mensch und wir sahen seine Herrlichkeit.“ Das heißt doch: Die Menschen sahen an Jesus, wie Gott ist. Wie Gott redet, handelt, fühlt, denkt, tickt … Sie sahen Gottes Charakter auf zwei Beinen. Die Bibel sagt über Jesus – Hebr. 1,3: „Die ganze Herrlichkeit Gottes leuchtet in ihm auf; in ihm hat Gott sein innerstes Wesen sichtbar gemacht.“ Sein Ebenbild gezeigt. Und genau das ist bei uns Menschen entstellt, mitunter bis zur Unkenntlichkeit. Das sagt jedenfalls die Bibel – Rö. 3,23: „Alle sind schuldig geworden und haben die Herrlichkeit verloren, in der Gott den Menschen ursprünglich geschaffen hatte.“

Wir haben Gottes schönen Charakter verloren. Sag ich doch: Ich bin nicht wie Jesus. Ein Blick in unser Herz genügt. Einmal genau beobachten, was uns manchmal so durch die Gedanken schwirrt, über die Lippen kommt und von der Hand geht. Gottes Herrlichkeit – sein Charakter – kommt durch uns nicht mehr zum Ausdruck. So übersetzt das die Neue Genfer Bibelübersetzung – Rö. 3,23: „Alle haben gesündigt, und in ihrem Leben kommt Gottes Herrlichkeit nicht mehr zum Ausdruck.“ Die Frage ist also: Wie kann in unserem Leben wieder das sichtbar werden, wozu wir eigentlich geschaffen sind: das Ebenbild Gottes? Wie bekommen wir das zurück, was wir irgendwie verloren haben – Gottes Charakter? Denn wenn wir seinen Charakter haben, können wir auch leben, wie Jesus lebte. Aber wie wird Gottes Ebenbild in uns wiederhergestellt? Wenn dich so eine Frage umtreibt, ist es überaus beglückend, wenn du in der Bibel ein Versprechen findest, das dir genau das zusagt. Eines Tages las ich folgenden Vers – Rö. 8,29: „Schon vor aller Zeit hat Gott die Entscheidung getroffen, dass sie (die Menschen) ihm gehören sollen. Darum hat er auch von Anfang an vorgesehen, dass ihr ganzes Wesen so umgestaltet wird, dass sie seinem Sohn gleich sind.“ Das will ich!

Gott bleibt Gott

An dieser Stelle muss ich möglichen Allmachts-Fantasien vorbeugen. Zu werden, wie Jesus ist, heißt nicht, dass du Gott wirst und das Sagen hast. Falls du das gehofft hast, muss ich dich enttäuschen. Gott bleibt Gott. Jesus hat mal gesagt – Mt. 10,24: „Ein Schüler steht nicht über seinem Lehrer. Ein Diener steht nicht über seinem Herrn.“ Auch wenn uns Jesus Freunde nennt, hebt das nicht auf, dass er unser Herr bleibt. Er entscheidet, was richtig und was nicht richtig ist. Nicht du! Er sagt, was gut und was böse ist. Was also Sünde ist!

Das Fremdwort „Sünde“ wird nun öfters vorkommen. Deshalb will ich es zu Beginn erklären. Bei einem Marathon in Japan war eine Gruppe von vier Läufern auf der Zielgeraden. Etwa 500 m vor dem Ziel. Ein Kamerawagen fuhr an den Läufern vorbei. Dann bog das Auto vor der Gruppe rechts in eine Nebenstraße. Der führende Marathonläufer lief ganz selbstverständlich dem Kamerawagen hinterher. Die anderen liefen geradeaus. Als der bis dahin Führende merkte, dass er falsch abgebogen war und gerade am Ziel vorbeilief, war es schon zu spät. Ein anderer Läufer hatte die Führung übernommen und gewann den Marathon. Tragisch. Wenn man das Video sieht, leidet man mit. Am Ziel vorbei.

Das bedeutet Sünde: Zielverfehlung. Auf Griechisch – der Sprache, in der das Neue Testament, der zweite Teil der Bibel, geschrieben ist – heißt Sünde Hamartia. Zur Zeit, als Jesus lebte, wurde dieser Begriff auch im Sport verwendet: beim Bogenschießen. Die Reichen und Schönen liebten diese Sportart. Da es damals noch keine Ferngläser gab, stellten sie einen ihrer Sklaven neben die Zielscheibe. Der musste ihnen dann zurufen, wie präzise der Schuss war. Traf der Pfeil nicht ins Schwarze, schrie der Sklave: „Hamartia!“ Was so viel heißt wie: „Ziel verfehlt!“ Voll daneben! Darum geht es, wenn die Bibel von Sünde spricht.

Gottes Ziel mit uns war und ist die liebevolle Vater-Kind-Beziehung. Alles, was diese Beziehung verfehlt und belastet, nennt die Bibel Sünde. Also z. B. Gott aus den Augen zu verlieren, Gott zu vergessen oder sich wie Gott aufzuspielen und selbst festlegen zu wollen, was gut und richtig ist.

Das Problem mit den Süßigkeiten

Wusstest du eigentlich, dass wir Menschen von Gott nicht dazu geschaffen wurden, um über Gut und Böse zu entscheiden? Was ist der Grund für alle Kriege und menschlichen Streitigkeiten? In der großen Welt und bis hinein in Familien? Ganz einfach: Jeder will selber entscheiden, was gut und richtig ist. Das eine Kind findet es gut, dass es zwei Gummibärchen bekommt. Aber das Geschwisterkind darf nur eins kriegen, denn es ist ja jünger. Und schon knallt es. Meine Oma gab uns Enkeln von einer ganz bestimmten Süßigkeit täglich so viele, wie das jeweilige Kind alt war. Nun war mein Cousin ein halbes Jahr älter als ich. Also bekam ich ein halbes Jahr lang immer eine Süßigkeit weniger als er. Das hat mich aufgeregt. Das fand ich ungerecht.

So ist das eben: Jeder von uns hält etwas anderes für gut und richtig, für gerecht oder ungerecht. Am Ende gewinnt meistens nicht der, der recht hat, sondern der Stärkere – in Familien und in der großen Welt. Das war nicht Gottes Idee. Deshalb hatte Gott uns Menschen nicht dazu geschaffen, über Gut und Böse zu entscheiden. Als Gott die ersten Menschen, also Adam und Eva, schuf, gab er ihnen nicht die Erkenntnis über Gut und Böse. Aber seit dem Moment, als Adam und Eva von dem Baum der Erkenntnis aßen, nahmen sie es selber in die Hand, über Gut und Böse zu entscheiden – was ja mächtig danebenging. Denn ganz gleich, was wir entscheiden – gut und böse bleibt das, was Gott gut und böse nennt.

Unter diesem Baum der Erkenntnis nahm das ganze Elend dieser Welt und unseres Lebens seinen Anfang. Seitdem herrscht Streit und Krieg auf dieser Welt. Seitdem ist Schmerz in unseren Beziehungen. Gleich der erste Sohn von Adam und Eva brachte seinen Bruder um. Das ist ein Fluch der Sünde. Eine Folge, wenn wir die liebevolle Vater-Kind-Beziehung zu Gott verlassen. Uns von Gott freimachen, von Gott emanzipieren, unser eigenes Ding machen wollen. Es ist ein Fluch, selber über Gut und Böse entscheiden zu wollen. Damit enden wir immer wieder neu in Kriegen – in der großen Welt, in Familien und in Ehen.

Deshalb dachte sich wahrscheinlich Gott, dass nur er festlegt, was gut und was richtig ist. Nicht du!

Selbstverleugnung – wie bitte?

Wusstest du, dass du nicht Christ sein und gleichzeitig weiter selber über Richtig und Falsch entscheiden kannst? Jesus hat einmal gesagt – Mt. 16,24: „Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen ...“ Was ist denn mit Selbstverleugnung gemeint? Selbstverleugnung bedeutet nicht, dass du dich selbst schlecht machen und schlecht fühlen musst. Das ist Quatsch. Gott hat dich geschaffen. Du darfst nicht etwas schlecht machen, was Gott gut geschaffen hat. Auch nicht dich. Also sage allen Minderwertigkeitsgefühlen Tschüss und freue dich daran, dass Gott dich wunderbar gemacht hat. Selbstverleugnung heißt aber das: Ich höre auf, selber zu entscheiden, was gut und richtig ist. Stattdessen fange ich an, Jesus zu fragen: Was ist dein Wille? Was findest du richtig – jetzt in dieser Situation? Was findest du gut? Das bedeutet Selbstverleugnung. Du kannst nicht Jesus nachfolgen und gleichzeitig selber festlegen wollen, was gut und richtig ist.

Eine liebe Bekannte erzählte mir von ihrer Arbeit. Sie hatte die Nase gestrichen voll. Warum? Sie wurde den ganzen Tag angezickt. Dann bekam sie von einer Kollegin den Rat: Du musst zurückzicken. Das ist verständlich. Aber sie will Jesus nachfolgen. Sie hat nicht mehr die Freiheit, selbst zu entscheiden, was jetzt das Richtige ist. Das macht Jesus für sie. Und der sagt was anderes: Segnet, die euch verfluchen.

Also: Wenn ich hier darüber schreibe, wie Jesus unseren Charakter wieder in sein Ebenbild machen will, dann hebt das nicht auf, dass Jesus der Herr bleibt.

Wer bin ich?

Bei dem Ganzen mit unserem Charakter geht es ja um die Frage: Wer bin ich eigentlich? Jetzt könntest du sagen: Also wenn ich in meinem Charakter so werden soll wie Jesus, dann bin ich doch gar nicht mehr ich selbst! Dann verliere ich doch meine Identität.

Ich halte dagegen: Dann wirst du das erste Mal wirklich du selbst sein. Die Person, als die Gott dich geschaffen hat. Die Person, die Gott über alle Maßen liebt, weil er sie schon immer in dir sieht. Was du verlieren wirst, sind lauter Dinge, die du nicht wirklich willst. Dinge, für die Gott dich auch nicht geschaffen hat.

Jemand hat mir mal davon erzählt, wie jähzornig sein Vater war. Der hat seine Kinder geschlagen – manchmal sogar blutig geschlagen. Und auch seiner Frau gegenüber ist ihm die Hand ausgerutscht. Aber dieser Vater war Christ. Er lebte mit Jesus. Und er las in der Bibel, dass er nicht dafür geschaffen ist, jähzornig zu sein. Denn Gott hat ihn doch zu seinem Ebenbild erschaffen. Dieser Vater hat nicht aufgehört, Gottes Wort zu lesen. Immer wieder zu lesen, wie Gott ist und wie Jesus ihn verändern möchte. Er hat nicht aufgehört, sich immer wieder von Jesus den Finger auf die Wunde legen zu lassen. Einmal ist mein Freund nachts ausgebüxt und dabei durchs Haus geschlichen. Da sah er Licht in der Küche. Durch den Türspalt sah er seinen Vater weinend über der Bibel am Tisch sitzen. Er hat geweint, weil er nicht mehr jähzornig sein wollte, aber manchmal nicht anders konnte – manchmal doch davon überwunden wurde. Dieser Mann hat sich Jesus hingehalten und Jesus hat ihn geprägt. Menschen, die ihn heute erst kennenlernen, können die unschönen Geschichten über ihn kaum glauben. So sehr hat ihn Jesus verändert. Das passierte nicht von heute auf morgen. Das hat Jahre gedauert. Heute siehst du dem Mann in die Augen und siehst Gottes Barmherzigkeit. Und was er verloren hat, will er nie wieder zurück: den Jähzorn.

Was dir dein Verhalten zeigt

Wir sind eben nicht einfach die, die wir sind. Dein Verhalten zeigt dir in erster Linie nicht, wer du bist, sondern wer und was dich prägt. Jeder von uns wird geprägt. So ist das Leben. Der, der du heute bist, bist du nicht einfach, weil du halt so bist. Nein, du wurdest so geprägt. Durch deine Eltern, durch deine Freunde, durch sämtliche Erfahrungen und Erlebnisse, durch soziale Medien … Wir werden geprägt. Wir lassen uns beeinflussen. Wir lassen uns formen. Wir übernehmen Dinge von anderen.

Mein Opa hatte mal eine Entzündung im Zeigefinger. Dadurch konnte er ihn nicht mehr beugen. Über Wochen lief er mit einem leicht gestreckten Zeigefinger herum. Ich war damals etwa zwölf Jahre alt. Nach einiger Zeit merkte ich, dass ich meinen Zeigefinger auch so hielt – obwohl er gesund war. Das ist Prägung.

Wir übernehmen Dinge von anderen – z. B. unseren Kleidungsstil. Ich mag Slim-Fit-Hosen. Als ich das bei anderen sah, dachte ich: So will ich aussehen. Aber eben nicht nur unser Äußeres ist geprägt, auch unser Charakter. Meine Prägung ist: Riskiere lieber nicht zu viel. Dann lernte ich als Fünfzehnjähriger meinen Freund Daniel Scheufler kennen. Von ihm habe ich gelernt, Risiken einzugehen. Groß zu denken, groß zu träumen. 2007 ging Daniel für ein halbes Jahr nach Nashville zum Studieren. Ich hätte so etwas nie gemacht. Aber er hat es mir vorgemacht – im Frühjahr 2007. Weißt du, wo ich im Herbst 2007 war? In New York – für vier Monate zu einem Praktikum in den Gettos der Bronx und in Brooklyn. Und ich will diese Zeit nicht missen.

Deine Entscheidung

Jeder von uns ist geprägt und wird geprägt. Unser Charakter … – wer wir sind. Das Gute und auch das Schlechte. Bei Stress suchen wir oft die Schuld bei anderen, aber meistens liegt das Problem in unserem Charakter. An deinen Wutausbrüchen ist eben nicht dein Gegenüber schuld – dein Mitschüler, Arbeitskollege, Ehepartner …, auch wenn er vielleicht etwas falsch gemacht hat. Schuld daran, dass du ausrastest, ist dein Charakter. Daran, dass du in den falschen Freundeskreis reingeraten bist, sind nicht andere schuld. Daran, dass du in die Drogenszene gerutscht bist, sind nicht andere schuld. Das ist kein Vorwurf, aber das Problem liegt in deinem Charakter. Daran, dass du zu viel Alkohol trinkst, ist nicht die zu große Belastung auf Arbeit, in der Familie oder die Last deiner Sinnlosigkeit schuld. Es ist dein Charakter. Daran, dass du dich ständig in der Opferrolle fühlst und die ganze Welt so schlecht zu dir ist …, daran ist nicht die Welt schuld. Es ist dein Charakter. Es ist deine Prägung, dass du dich ständig minderwertig fühlst und im Vergleich mit anderen immer schlechter abschneidest. Daran sind nicht die anderen schuld. Es ist dein Charakter. Es ist deine Prägung.

Jemand hat mal gesagt: „Umstände bestimmen nicht, wer du bist, Umstände offenbaren, wer du bist.“ Dein Charakter wird sichtbar. Du kannst sagen: „Mein Konto ist leer und ich verdiene zu wenig Geld. Deshalb muss ich mir so viele Sorgen machen und kann schlecht schlafen.“ Aber im Grunde offenbart dieser Zustand nur, dass du Jesus nicht vertraust. Denn der verspricht dir ja, dass du täglich das haben wirst, was du brauchst. Andere sagen: „Dass ich in meiner Schulklasse oder Arbeitsstelle über andere lästere, liegt daran, dass alle das machen.“ Falsch. Der Umstand, dass du mitmachst, wenn andere es machen, zeigt nur deinen Charakter. Zeigt, von wem du dich prägen lässt.

Aber – und das ist wichtig: Es ist deine Entscheidung, von wem du dich prägen lässt, denn dein Verhalten zeigt dir nicht unbedingt, wer du bist, sondern wer und was dich prägt. Es ist deine Verantwortung, wovon du geprägt wirst.

Auf einen Blick

•Eine Erkenntnis: Nur wer wie Jesus ist, kann tun, was Jesus tat.

•Ein Versprechen: Gott hat von Anfang an vorgesehen, dass unser ganzes Wesen so umgestaltet wird, dass wir Jesus Christus gleich sind.

•Eine Einschränkung: Gott bleibt Gott und sagt, was richtig und falsch, was gut und böse ist. Nicht wir.

•Eine Realität: Jeder ist geprägt. Dein Verhalten zeigt dir nicht unbedingt, wer du bist, sondern wer und was dich prägt.

•Eine Entscheidung: Jeder reife Mensch entscheidet selbst, von wem er sich prägen lässt.

Ein Blick auf dich

1.Werden, wie er ist: Mit welchen Worten würdest du Jesus beschreiben?

Welche Charaktereigenschaften begeistern und inspirieren dich?

2.Nach welchen Werten entscheidest du, was richtig und falsch, gut und böse ist?

Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf bei der Aussage, dass Jesus darüber entscheiden will?

3.Welche Menschen und Erfahrungen haben deinen Charakter geprägt und damit deine Art zu denken und zu handeln?

Tiefer

1. Str.:

Spielst du den Clown, der sich bunt anmalt,

dass man die Traurigkeit nicht sieht?

Trägst du zur Tarnung Uniformen,

weiß man nie, was in dir geschieht?

Lebst du versteckt hinter Fassaden?

Spielst du im Leben Maskenball?

Schämst du dich deiner eignen Würde,

versteckst den inneren Zerfall?

Ref.:

Gott blickt tiefer, durch alle harten Schalen.

Gott blickt tiefer, es nützt kein Buntbemalen.

Gott blickt tiefer, du musst vor ihm nicht prahlen.

Du sollst von innen strahlen.

Gott blickt tiefer, entfacht in dir ein Beben.

Gott blickt tiefer, er will Gesunknes heben.

Gott blickt tiefer, er kann dir die Freiheit geben.

Er sieht bei dir noch Leben.

2. Str.:

Bist du ein Stern unter Millionen,

der ungesehn vom Himmel fällt?

Und unter vielen eine Nummer,

die man nur aus Versehen wählt?

Hast du dich restlos eingemauert,

damit man dich nicht mehr verletzt?

Versuchst du selbst vor dir zu fliehen?

Hat dich das Leben ausgesetzt?

Bridge:

Lass sie labern, lass sie lachen,

lästernd ihre Witze machen.

Zeig dein Gesicht, zeig dein Gesicht.

Lass sie feixen, lass sie fauchen,

in ihre Scheinwelt untertauchen.

Es geht um dich, es geht um dich.

Döhler & Scheufler | Album „Trotz Niederlagen“

Werden, wie er ist:

Warum eigentlich?

Dieses Buch hat eine einfache Botschaft an dich. Die lautet: Gott will dich prägen. Gott will deinen Charakter prägen. Du sollst und darfst so werden, wie Jesus ist – wie sein Charakter ist. Eben weil er dich genau dazu geschaffen hat – Rö. 8,29: „… dass ihr ganzes Wesen so umgestaltet wird, dass sie seinem Sohn gleich sind.“ Dieser Satz sagt auch schon, dass dieses „Werden, wie Jesus ist“