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Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. Weihnachten war vorbei, und für Dr. Norden war wieder mal die Zeit gekommen, sich um verdorbene Magen und strapazierte Nerven zu kümmern. Manchem Erwachsenen lagen Gänse- oder Entenbraten mit Knödeln und Blaukraut im Magen, den Kindern oft die zuviel genossenen Süßigkeiten. Gestreßte Mütter neigten schneller zu Erkältungen als sonst, und das abscheuliche Wetter trug dazu bei, daß eine neue Grippewelle schnell um sich greifen konnte. Es freute Daniel Norden, daß ihm Carola Heidebrink, die erst kurz vor Weihnachten operiert worden war, keine Sorgen bereitete. Sie wurde daheim in großer Fürsorge gehegt und gepflegt, und es war schon beschlossen, daß sie mit Jonas Hamann gleich zu Beginn des neuen Jahres einige Wochen zur Kur auf die Insel der Hoffnung fahren würden. Es sollte gleichzeitig ihre Hochzeitsreise sein, denn Jonas hatte es geschafft, für den vorletzten Tag des Jahres einen Heiratstermin auf dem Standesamt zu bekommen. Carola hatte keinen Widerspruch mehr erhoben, da sich Jonas mit ihren drei Kindern verbündet hatte. Sie waren erwachsen und hatten nun auch eigene Interessen. Lutz, der Älteste, Jurastudent, wollte Silvester und den Jahresanfang mit seiner Freundin Felicia in Sankt Moritz verbringen, wo Franco Calderon, Felicias Vater, schon seit vor Weihnachten weilte. Felicia hatte es aber durchgesetzt, Weihnachten mit Lutz bei den Heidebrinks zu feiern. Es war für Carola nach der Operation ein wunderschönes Weihnachtsfest im Kreise ihrer Lieben gewesen. Auch Phil Steiner, Anemones zukünftiger Mann, war bei ihnen, und Jasmin, die jüngste Heidebrink, hatte sich ohne Eifersucht über das Liebesglück der anderen Paare gefreut. Sie träumte von einer Karriere als Filmstar, und der erste Schritt dazu war bereits getan. Ihr Freund Jens Winter spielte deshalb nur noch eine Nebenrolle in ihrem Leben, und er hatte sich auch gekränkt zurückgezogen. Sie bedauerte das dann doch ein bißchen, denn sie hatten sich immer gut verstanden. Die Hochzeit von Jonas und Carola wollten sie nur im engsten Familienkreis feiern, insgeheim hatten Anemone und Phil jedoch gehofft, daß seine Schwester Kathrin auch dabeisein könnte. Sie war aber noch in Australien und hatte telegrafiert, daß sie erst im Januar kommen könne. Es hatte sich bei den Heidebrinks viel getan in den letzten Wochen des Jahres. Dr.
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Weihnachten war vorbei, und für Dr. Norden war wieder mal die Zeit gekommen, sich um verdorbene Magen und strapazierte Nerven zu kümmern. Manchem Erwachsenen lagen Gänse- oder Entenbraten mit Knödeln und Blaukraut im Magen, den Kindern oft die zuviel genossenen Süßigkeiten.
Gestreßte Mütter neigten schneller zu Erkältungen als sonst, und das abscheuliche Wetter trug dazu bei, daß eine neue Grippewelle schnell um sich greifen konnte.
Es freute Daniel Norden, daß ihm Carola Heidebrink, die erst kurz vor Weihnachten operiert worden war, keine Sorgen bereitete. Sie wurde daheim in großer Fürsorge gehegt und gepflegt, und es war schon beschlossen, daß sie mit Jonas Hamann gleich zu Beginn des neuen Jahres einige Wochen zur Kur auf die Insel der Hoffnung fahren würden. Es sollte gleichzeitig ihre Hochzeitsreise sein, denn Jonas hatte es geschafft, für den vorletzten Tag des Jahres einen Heiratstermin auf dem Standesamt zu bekommen. Carola hatte keinen Widerspruch mehr erhoben, da sich Jonas mit ihren drei Kindern verbündet hatte.
Sie waren erwachsen und hatten nun auch eigene Interessen. Lutz, der Älteste, Jurastudent, wollte Silvester und den Jahresanfang mit seiner Freundin Felicia in Sankt Moritz verbringen, wo Franco Calderon, Felicias Vater, schon seit vor Weihnachten weilte. Felicia hatte es aber durchgesetzt, Weihnachten mit Lutz bei den Heidebrinks zu feiern.
Es war für Carola nach der Operation ein wunderschönes Weihnachtsfest im Kreise ihrer Lieben gewesen. Auch Phil Steiner, Anemones zukünftiger Mann, war bei ihnen, und Jasmin, die jüngste Heidebrink, hatte sich ohne Eifersucht über das Liebesglück der anderen Paare gefreut. Sie träumte von einer Karriere als Filmstar, und der erste Schritt dazu war bereits getan. Ihr Freund Jens Winter spielte deshalb nur noch eine Nebenrolle in ihrem Leben, und er hatte sich auch gekränkt zurückgezogen. Sie bedauerte das dann doch ein bißchen, denn sie hatten sich immer gut verstanden.
Die Hochzeit von Jonas und Carola wollten sie nur im engsten Familienkreis feiern, insgeheim hatten Anemone und Phil jedoch gehofft, daß seine Schwester Kathrin auch dabeisein könnte. Sie war aber noch in Australien und hatte telegrafiert, daß sie erst im Januar kommen könne.
Es hatte sich bei den Heidebrinks viel getan in den letzten Wochen des Jahres. Dr. Norden hatte daran große Anteilnahme gezeigt, denn die Unterleibsoperation bei Carola war nicht so ganz harmlos gewesen. Jedoch war sie gut verlaufen, und alles sprach dafür, daß sich auch keine Spätfolgen zeigen würden.
Carola hatte es so auch früher, als Anemone es eigentlich wollte, erfahren, daß sie im kommenden Jahr mit einem Enkelkind rechnen konnte, und das half auch mit zur baldigen Genesung. Heiraten wollte Anemone allerdings erst, wenn Carola und Jonas von der Kur und gut erholt zurück waren.
Pläne für diese Hochzeit wurden allerdings auch schon geschmiedet, und Phil hatte für seine berufliche Zukunft auch große Veränderungen geplant, die von Anemone sehr begrüßt wurden. Sein abenteuerliches Leben als Testpilot hatte sie nicht teilen wollen und deshalb auch lange gezögert, um ihr Jawort zu geben.
Nun aber hatte er ihr eingestanden, daß er Mitinhaber der großen Firma Zellermayer war, für die auch seine Schwester Kathrin jetzt in Australien tätig war, und daß er sich nun auch aktiv in dieser Firma betätigen wollte. Als Ehemann und werdender Vater war er sich der Verantwortung bewußt, die er künftig zu tragen hatte.
Carola, die es immer gewohnt gewesen war, für alles zu sorgen, brauchte sich um ihre eigene Hochzeit überhaupt nicht zu kümmern.
Die Formalitäten hatte Jonas erledigt, und er verfügte auch über die nötigen Verbindungen, um einen so kurzfristigen Termin zu bekommen, und was die Familienfeier anbetraf, waren die Kinder aktiv gewesen. Gefeiert werden sollte im Jagdschlößchen, wo das Kaminzimmer reserviert worden war. Es war auch schon beschlossen, daß sie sich den kirchlichen Segen anläßlich der Hochzeit von Phil und Anemone geben lassen wollten, die in großem Rahmen gefeiert werden sollte.
Die Zeit war schnell vergangen, und als nun die große Stunde für Jonas und Carola gekommen war, waren sie doch alle ziemlich aufgeregt.
Phil und Jasmin waren die Trauzeugen, und als Gäste hatten sich neben Jonas’ Mitarbeitern noch Frau Köhler und Fee Norden eingefunden, die persönlich die Glückwünsche der vielbeschäftigten Ärzte überbringen wollten.
Der Standesbeamte fand bewegende und sehr persönliche Worte, so daß diese Eheschließung nicht nur zu einer Formalität wurde, sondern zu einem feierlichen Akt. Es war auch rührend anzusehen, wie Jonas Carola beide Hände küßte und sie dann innig umarmte. Sie kannten sich schon so lange, und aus einer treuen Freundschaft war Liebe geworden, die sich gerade in letzter Zeit bewährt hatte. Wegen ihrer Erkrankung hatte Carola nicht heiraten wollen, aber Jonas hatte nicht locker gelassen. Er war entschlossen, alles mit ihr zu teilen. Es gab keine Zweifel und Probleme, denn die Kinder hatten sich immer gemocht, jetzt, da sie erwachsen waren, freuten sie sich doppelt, daß ihre Mami einen so zuverlässigen Lebensgefährten hatte.
Im Jagdschlößchen erwartete sie ein festlich gedeckter Tisch. Gern hätten sie auch die Nordens beim Essen dabei gehabt, aber Daniel war als Arzt und Fee als Mutter nicht so lange abkömmlich.
Carola war in träumerischer Stimmung. Ihr ging natürlich an diesem Tag viel durch den Sinn, und sie dachte auch zurück an ihre erste Ehe, an den Vater ihrer Kinder, der ihr früh genommen worden war. Sie hatte eine gute Erinnerung an Jochen Heidebrink, aber diese liebevolle Fürsorge, wie sie ihr von Jonas bewiesen wurde, hatte sie nicht kennengelernt. Nun, sie waren auch noch jung gewesen, und Jochen war ein wirklich nüchterner Jurist gewesen.
Carola war glücklich, daß Lutz mehr Gefühl zeigte, obwohl man ihm dies früher nicht zugetraut hätte. Seit er Felicia kannte, war er wie verwandelt. Aber Felicia war auch ein ganz besonders reizendes und liebenswertes Mädchen, ohne alle Allüren und Arroganz. Sie sagte bereits »Mami« zu Carola, wie die anderen auch, und es gab für niemanden einen Zweifel, daß sie und Lutz einmal heiraten würden.
Jonas hielt eine launige Ansprache, in der er zum Ausdruck brachte, wie glücklich er sich schätzte, eine so große und fröhliche Familie zu haben.
»Ich bin euch dankbar, daß ihr mich akzeptiert«, sagte er. »Es ist wunderschön, wenn man im Herbst des Lebens noch so glücklich sein kann, und ihr tragt dazu bei, daß ich mit meiner Roli dieses Glück unbeschwert genießen kann. So kann ich euch nur von Herzen wünschen, daß auch eure Wünsche in Erfüllung gehen, daß ihr ein frohes, glückerfülltes Leben mit euren Partnern teilen könnt, daß für Jasmin in Erfüllung geht, was sie sich erträumt, und daß das neue Jahr uns allen Freude und auch eine gute Gesundheit beschert. Wir wissen ja, wie wichtig diese ist.«
Die Gläser klangen hell aneinander, Küsse wurden getauscht, und Carolas Augen konnten wieder strahlen.
*
Am nächsten Morgen starteten Lutz und Felicia nach Sankt Moritz.
Franco hatte noch angerufen und gesagt, daß auch Jasmin mitkommen solle, aber sie war fest entschlossen, die Jahreswende daheim zu verbringen, mit Carola, Jonas, Anemone und Phil. Jasmin war in wechselvoller Stimmung und in sich zerrissen, wenn sie es auch nicht zeigen wollte. Sie befand sich in einem tiefen Konflikt, weil sie wußte, daß sie vor eine schwere Entscheidung gestellt werden würde, wenn sie ihren ersten Film hinter sich hatte und abzusehen war, ob sie Erfolg haben würde. Einerseits hatte sie Angst vor einem Reinfall, andererseits wollte sie sich nicht so vermarkten lassen, daß ein Privatleben nur begrenzt möglich war. Sie hing zu sehr an ihrer Mutter, sie wollte nicht zu einem Außenseiter der Familie werden. Sie sprach nicht darüber. Sie wollte es mit sich selber ausmachen, aber Carola spürte, daß ihre Jüngste einen Reifeprozeß durchmachte.
Es wollte ihr nicht so recht gefallen, daß Jasmin allein sein würde, wenn sie vier Wochen fern war, und das deutete sie dann auch an.
»Mach dir keine Gedanken, Mami, ich bin doch nicht allein. Die Proben werden bald wieder losgehen, Felicia wird auch wieder in München sein, und Anemone ist auch da, wenn ich ihr freilich auch nicht auf die Nerven gehen will.«
»Red nicht solchen Quatsch«, warf Anemone ein, »es wird so sein, wie es immer war. Jetzt hat jeder seine eigenen Interessen, aber es ändert doch nichts daran, daß wir auch weiterhin zusammenhalten. Lutz wird auch nicht dauernd mit Felicia zusammenhocken.«
»Bestimmt jede freie Minute, wie es scheint«, meinte Jasmin lächelnd. »Wer hätte das von unserm Lutz gedacht.«
»Die Liebe ist halt eine Wundermacht«, sagte Jonas. »Aber schaffen wir nicht Probleme, wo keine vorhanden sein müssen.«
»Und jetzt wird erst mal richtig Abschied vom alten Jahr gefeiert«, meldete sich Phil zu Wort.
*
In Rom landete zu dieser Zeit das Flugzeug aus Sydney. Es wehte ein mildes Lüftchen, als ein dunkelhaariger hochgewachsener Mann zur Auslandsankunft eilte. Fabian Rombach war außer Atem. Er kam auf die letzte Minute an, und schon kamen die Passagiere zum Ausgang. Kathrin Steiner war nicht zu übersehen. Ihr kastanienbraunes Haar wurde durch einen Luftzug verweht und umspielte ihr schmales blasses Gesicht. Sie sah müde aus, aber das nahm ihr nichts von der aparten Schönheit. In ihren violetten Augen leuchtete es auf, als Fabian auf sie zueilte.
Stumm, schwer atmend nahm er sie in seine Arme. »Du bist da«, sagte er mit erstickter Stimme, »dem Himmel sei Dank.«
»Du bist auch da«, sagte sie leise, »wie froh ich bin.«
»Ich habe es gerade so geschafft, es war irrsinniger Verkehr auf der ganzen Strecke. Warum wolltest du nicht gleich nach München kommen?«
»Weil ich mit dir allein sein wollte, und ich habe hier auch noch zu tun.«
»Es freut mich natürlich, daß du mit mir allein sein willst, aber warum bist du so geheimnisvoll, Kätzchen?«
»Das wirst du schon noch erfahren. Jedenfalls sollte Phil nicht wissen, daß ich Silvester in Rom verbringen will.«
Fabian Rombach war schon seit zwei Tagen verunsichert, nämlich seit Kathrin ihn angerufen hatte, um ihn zu fragen, ob er sich mit ihr in Rom treffen könnte. Natürlich wollte er sie sehen, und so war er von Genf nach Rom gefahren. Und er hatte nicht mit Phil gesprochen, wie es Kathrin gewünscht hatte.
»Es wird schwer sein, hier noch ein Zimmer zu bekommen«, sagte er nachdenklich.
»Keine Sorge, ich habe alles arrangiert. Wir können in Lucias Haus wohnen. Sie ist in Paris.«
Im Organisieren war Kathrin Meisterin, aber das brachte auch ihre Stellung in der Firma mit sich. Fabian bewunderte sie, aber manchmal war sie ihm unheimlich.
»Du bist sehr blaß und schmal«, stellte er fest, als sie in seinem Wagen saßen. »Fehlt dir etwas, Chérie?«
»Ich war in letzter Zeit nicht gut beisammen. Das Klima ist mir doch nicht so recht bekommen. Wir müssen über manches sprechen. Kennst du den Weg noch zur Villa Magnolia?«
»Ich denke schon.«
»Dieser Verkehr irritiert mich«, stellte sie fest.
Er spürte, daß sie nervös war, und das war er von ihr gar nicht gewohnt. Alles in allem war es ganz gewiß keine Silvesterstimmung, die sie beflügeln könnte. Ihm war nicht nach lauten Parties und viel Tamtam, aber einen stimmungsvollen Jahreswechsel erhoffte er, da er nun mit Kathrin zusammen war.
Er hatte ein gutes Orientierungsvermögen, und er fand auch zu Lucia Lamottas Villa. Sie bot im Schein der untergehenden Sonne einen romantischen Anblick.
»In München ist miserables Wetter«, stellte er beiläufig fest. »Geht Phil in diesem Jahr nicht zum Skifahren?«
»Er scheint fest verbandelt zu sein. Ganz blicke ich da noch nicht durch, aber anscheinend hat er tatsächlich Heiratspläne.«
»Hat es ihn tatsächlich auch erwischt?« staunte Fabian. »Das muß aber eine ganz besondere Frau sein.«
»Ich lasse mich überraschen, aber er sagte mir am Telefon, daß er seinen Job als Testpilot an den Nagel hängen und in die Firma eintreten will.«
»Das ist allerdings sehr überraschend.«
»Aber mir kann es nur lieb sein. Harry macht mehr Schwierigkeiten, als mir lieb sein kann. Und seine Affäre mit Tanja Dreiken macht alles noch schwieriger.«
»Inwiefern?«
»Wenn sie erfährt, wie gut wir uns kennen, Fabian, wird sie zur Furie. Sie vergißt nicht, daß du sie hast abblitzen lassen.«
»Nimm das doch nicht so ernst. Ich hatte nie Interesse für sie. Komm, mach ein anderes Gesicht, Liebes.«
Sie betraten das Haus, nachdem die alte Alma ihnen die Tür geöffnet hatte. Sie war schon fast taub und konnte auch nur noch am Stock gehen, aber sie grinste freundlich. Es war ein wunderschönes, stilvolles Haus, in dem man sich wohl fühlen konnte, und es war auch alles vorhanden, was man für einen festlichen Abend brauchte, dafür hatte Juana gesorgt, die nun aber zu ihrer Familie gegangen war. Sie waren allein mit der schwerhörigen Alma.
»Weiß Lucia, daß ich hier sein werde?« fragte Fabian.
»Ich habe ihr gesagt, daß es möglich sein wird. Sie hat nichts dagegen.«
»Sie mag mich nicht.«
»Das bildest du dir nur ein. Sie hält alle gutaussehenden Männer für Casanovas. Und ich kann es verstehen, denn schließlich war sie zweimal mit gutaussehenden Männern verheiratet, die es mit der Treue nicht genau nahmen.«
»Ich nehme es damit aber sehr genau, mein Liebling.«
Kathrin lächelte hintergründig. »Wann sehen wir uns schon, und was weiß ich, was du sonst treibst«, sagte sie leichthin.
»Du kannst mich jederzeit überraschen«, konterte er, »ich habe nichts zu befürchten.«
Sie warf ihm einen schrägen Blick zu, und in ihren Augen blitzte es auf. »Was machen die Geschäfte?« lenkte sie ab.
Seine Augenbrauen schoben sich leicht zusammen. »Ich meine, daß du bestens informiert bist, und ich sehe nicht ein, daß wir heute von Geschäften sprechen müssen. Oder wolltest du mich deshalb treffen?«
Sie errötete leicht und machte eine abwehrende Handbewegung. »Machen wir uns frisch«, schlug sie vor.
»Willst du ausgehen?« fragte er.
»Nein, wir haben es hier gemütlich, oder bist du anderer Meinung?«
»Ich bin nach Rom gekommen, um mit dir zusammen zu sein«, erwiderte er betont, »und ich bin froh, daß wir uns nicht mit einem Hotelzimmer begnügen müssen. Ich habe mich sehr auf unser Wiedersehen gefreut, Kathrin.«
»Ich auch, Fabian.«
Sie hauchte ihm einen Kuß auf die Wange und eilte hinaus. Obgleich sie doch ziemlich groß war, bewegte sie sich so graziös, daß er immer wieder fasziniert war. Er kannte keine Frau, die ihr nur annähernd das Wasser reichen konnte, und er konnte sich auch vorstellen, daß Tanja Dreiken voller Neid und Mißgunst war, denn sie gehörte zu den Art Frauen, die immer die erste Geige spielen wollten, ohne jedoch das Format dazu zu haben. Aber er hatte auch gespürt, daß Kathrin ernsten Ärger hatte, sonst hätte sie nicht gleich Tanja und Harry erwähnt. Außerdem sah sie aus, als wäre sie krank gewesen. Nun, sie hatte einen langen Flug hinter sich und war sicher erschöpft. Ihm würde eine Dusche guttun, und dann konnten sie faulenzen, denn der Abend war noch jung.
Während er unter der Dusche stand, ruhte sich Kathrin schon auf dem breiten Bett aus. Sie war müde, aber sie wollte nicht schlafen. Endlich war sie wieder mit Fabian beisammen und konnte mit ihm sprechen. Sollte sie ihm aber auch alles sagen, was sie bedrückte, bewegte und sogar ängstigte? Würde er sie nicht für hysterisch halten, da er sie so bisher nicht kannte?
