Ein einziger Grashalm - Henry Shukman - E-Book

Ein einziger Grashalm E-Book

Henry Shukman

0,0

Beschreibung

Ein Zen-Memoir von Henry Shukman Der erfolgreiche Romancier und Poet Henry Shukman legt in ­diesem ergreifend geschriebenen Memoir Rechenschaft ab über seinen persönlichen Heilungsweg. Aus einem ­intellektuellen, ­agnostischen Elternhaus in Oxford stammend, ist ihm alles andere vorgezeichnet als eine spirituelle Ankunft Jahrzehnte später als Leiter eines buddhistischen Zen-Zentrums in New Mexico und einer der angesehensten westlichen Zen-Meister weltweit zu ­werden. Verwirrende Offen­barungserlebnisse, Krankheit, ­Zweifel und ­Abwege zeichnen seinen allzu menschlichen Weg – aber ­immer ­getragen von einem offenen Herzen für die tiefe Poesie der Welt und die Schönheit des Lebens. Die ganz persönliche Perspektive führt uns zugleich unvergleichlich besser ins Herz dessen, worum es bei Zen wirklich geht. Keine äußerliche Beschreibung des Zen-Weges könnte jemals leisten, was hier verständlich wird. Bescheiden und zugänglich, aber sprachlich brillant und literarisch mitreißend teilt Henry Shukman seinen Werdegang mit uns und hinterlässt mit diesem Vermächtnis vor allem eines: Trost und ­Gemeinschaftlichkeit bei unser aller fehlbaren Suche nach uns selbst und dem, was wirklich zählt im Leben.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 486

Veröffentlichungsjahr: 2024

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Henry Shukman

Ein einziger Grashalm

Den Weg zum Herzen finden

Ein Zen-Memoir von Henry Shukman

Deutsch von Marlies Ruß

Arbor Verlag Freiburg im Breisgau

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel: One Blade of Grass: Finding the Old Road of the Heart – a zen memoir bei Counterpoint, Berkeley, CA, USA.

Copyright © 2019 by Henry Shukman

First published in the United States of America in 2019 by Counterpoint

Deutsche Erstausgabe

1. Auflage 2024

Copyright der deutschen Ausgabe © 2024 Arbor Verlag GmbH, Freiburg

Lektorat: Georg Grässlin

Umschlaggestaltung und Satz: mediengenossen.de

Titelfoto: © 2024 Philipp Torres/unsplash.com

Alle Rechte vorbehalten

Zitat William Wordsworth: Zitiert nach: Hundert Englische Gedichte, Herausgegeben und übersetzt von Hans-Dieter Gelfert, dtv, München, 1999. S. 107

Zitat Eugene O`Neil: Deutsche Fassung zitiert nach: O’Neill, Eugene: Meisterdramen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1963, S.742 (Übersetzung: Ursula und Oscar Fritz Schuh). Mit freundlicher Genehmigung.

Zitat Buddha: zitiert nach: Samyutta Nikaya – Die gruppierte Sammlung der Lehrreden des Buddhas, Kapitel IV: „Der Splitter“.

Zitat Lawrence: zitiert nach: Lawrence, D. h., Mexikanischer Morgen und Italienische Dämmerung. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1963, S. 90 (Übersetzung Alfred Kuoni).

Zitat Yamada Kōun: zitiert nach: Yamada Kōun Roshi: Die Niederschrift vom blauen Fels. ­Hekiganroku. Ins Deutsche übertragen und herausgegeben von Peter Lengsfeld, Kösel Verlag, München, 2002, Bd.II, S.450.

www.arbor-verlag.de

ISBN E-Book 978-3-86781-393-8

Für meine Lehrer*innen

Joan Rieck Rōshi,

John Gaynor-rōshi,

Ruben Habito Rōshi,

und Yamada Ryo’un Rōshi,

Abt des Sanbō Zen in Kamakura, Japan

Ich habe gesucht und gefunden

Carlo Carretto

Prolog

Es war der dritte oder vierte Abend des Retreats. Draußen prasselte der Regen, peitschte gegen die dunklen Fenster, und manchmal klirrte es, als ob jemand eine Handvoll Kies gegen die Scheiben geschleudert hätte.

Regen in der Wüste ist rar, und ein Segen, und der prickelnde Geruch von feuchtem Staub schwängerte allmählich die Luft in der Meditationshalle. Auch eine erfrischende Kühle war von draußen hereingekrochen.

All dies nahm ich wahr, aber vor allem war mir bewusst, dass ich endlich in einen Zustand von Ruhe und Klarheit geglitten war. Es war eine willkommene Erlösung. Den ganzen Tag über hatte ich mir richtig schwer getan. Mühselige, quälende Gedankenketten hatten sich durch mein Gehirn gewunden – über einmal getroffene Lebensentscheidungen, dass ich ein gutes Leben in England aufgegeben hatte, um nach New Mexico zu ziehen, dass ich meinen Vorstellungen davon, ein guter Vater zu sein, oder ein aufmerksamer Ehemann, in vielerlei Hinsicht nicht gerecht geworden war, über Herausforderungen in der Arbeit, schwierige Gespräche aus den letzten paar Wochen oder vergangenen Jahrzehnten, alles war genau in dem Moment über mich hereingebrochen, als ich so dringend innere Ruhe gebraucht – oder mir jedenfalls gewünscht – hätte. Es gab alle möglichen Arten, sich zu martern, wenn man in der Meditation hilflos festhing, aber die Tatsache, dass ich die meisten davon inzwischen kannte, schien keinerlei Hilfe zu sein.

Das Retreat-Zentrum lag in den Hügeln oberhalb des abgelegenen Städtchens Gallup im Westen New Mexicos. Gallup war eine staubige, in der Wüste ausgebreitete Kleinstadt, verschlafen, mit Ausnahme der Züge. Zufällig war es nämlich auch ein Eisenbahnknotenpunkt, und den ganzen Tag über war, zwangsläufig immer dann, wenn sich meine Gedanken gerade ein wenig zu beruhigen begannen, das langgezogene, tiefe Hupen eines Zugs die Hügel heraufgeschallt und hatte mich jäh wieder aus der sich sacht anbahnenden Sammlung gerissen. Von Neuem trieben mich Attacken von Unbehagen und Bedauern um, begleitet von Spannungen und Druck in meinen Eingeweiden – wie die Gewitterwolken, die vermutlich gerade draußen über den Nachthimmel zogen.

Doch jetzt hatte sich all das verwandelt. Stattdessen stieg, in der Kühle des Saals und der nach Kreide riechenden Luft des Wüstenregens, eine leuchtende Ruhe in mir auf, sickerte nach oben wie das Wasser der anschwellenden Flut durch nassen Sand, und machte mich hellwach, vollkommen still und tief entspannt. Als ob mein gesamter Körper die schlichte Tatsache seines Existierens genoss. Ich spürte, wie sich meine Wahrnehmung immer mehr weitete, wie die Blende einer sich öffnenden alten Kamera. Gleichzeitig erfasste mich ein komisches Gefühl, wie es manchmal in vertiefter Meditation passiert, als würde ich von beiden Seiten zusammengedrückt und mit jeder Sekunde dünner und länger, bis ich so schlank und rank war wie der Stängel einer Blume und das Gefühl hatte, jeden Moment abzuknicken.

Dann fokussierte mein Blick auf die Wand vor mir – eine Wand aus Lehmziegel – „adobe“ genannt –, die im Schein einer Lampe ­schimmerte. Eine tiefe Liebe für diese Wand wallte in mir auf, fast als würde ich mich in die Wand verlieben und sie sich in mich. Urplötzlich, mit der Unmittelbarkeit eines Erdstoßes, schien sich der ganze Saal komplett zu öffnen und ins Unendliche auszudehnen, und mir war, als würde ich in diesen grenzenlosen Raum hineingesogen und würde Teil davon, so dass die Wüstenberge draußen, die sich nach Gallup hinunter in das zwei Meilen entfernte Tal und darüber hinaus erstreckten, mein eigener Körper waren.

Eine intensive Energie durchströmte mich und die Welt, und ich spürte Tränen über mein Gesicht rinnen – Tränen der Liebe, der Freude, der Dankbarkeit. Es stimmte, was die Buddhisten sagten: Ich war eins mit der Welt. Ich war eins mit allem. Die ganze Welt war mein Körper, mein Geist. Und deshalb war ich geliebt, zugehörig, geheilt auf jede erdenkliche Weise. Alles war gut und war insgeheim immer schon gut gewesen.

Der Klang der Glocke verkündete das Ende der Meditationseinheit, und in mir beruhigte sich alles und wurde wieder normal, außer einem Kribbeln in meinen Gliedmaßen und einem Gefühl großer Ausdehnung, als wäre mein Geist ausgelöscht worden und ein grenzenloser Friede an seine Stelle getreten.

Dann musste ich mich um das Zimmer für die Einzelgespräche des Lehrenden kümmern, und der Abend ging weiter, und noch immer prasselte der Regen auf das kleine Retreat-Zentrum, trommelte auf das Dach, erfüllte die Luft mit diesem Duft von Verheißung. Aber ich wusste: Diesem Zen konnte ich trauen. Irgendwie war es einfach völlig richtig. Es war real, und es funktionierte. Trotz vieler gelegentlicher Zweifel – ich war auf einem wahrhaftigen Weg.

***

Einmal besuchte ich einen Vortrag der Engländerin Tenzin Palmo über ihre zwölf Jahre in einer abgelegenen Höhle im Himalaya. Die Isolation war Teil ihres buddhistischen Trainings gewesen. Jemand aus dem Publikum fragte, wie es sich angefühlt habe, danach wieder in die Welt hinaus zu gehen.

„Gut“, antwortete sie. „Entweder ist man gekocht oder nicht.“

„Wie weiß man, ob man gekocht ist?“, wollte die Zuhörerin wissen.

„Man weiß es einfach. Man ist gar.“

Sie überlegte kurz und fügte hinzu, sie habe von Leuten gehört, die dasselbe zwölfjährige Training in einer Höhle absolviert hatten und am Ende nicht „gar“ waren. Aber wenn man es war, dann war man’s – und mehr gab es dazu nicht zu sagen.

Man kann in der Welt der Meditation diesen Eindruck gewinnen: dass Menschen sich ganz normal hineinbegeben, dann in der Mitte irgendetwas passiert, etwas Unergründliches, Unbeschreibliches, das sich der gewöhnlichen Sprache der Sterblichen entzieht, und dass diese Menschen am Ende neu, verändert, „gar gekocht“ wieder daraus hervorkommen.

Ich wohnte eine Zeit lang nahe des Städtchens Stroud in Gloucestershire, England. Dort gab es ein Café, in dem ein Druck an der Wand hing, ein Triptychon mit drei Bildern von einem Berg. Das erste Bild war ganz schlicht, ein ikonischer dreieckiger Berg, und darunter die Worte: BEFORE ZEN, A MOUNTAIN IS A MOUNTAIN. Auf dem zweiten Bild waren mehrere Berge wirr übereinander projiziert und darunter stand: DURING ZEN, A MOUNTAIN IS NOT A MOUNTAIN. Das letzte Bild war dasselbe wie das erste, ganz einfach und schlicht, und der Satz darunter lautete: AFTER ZEN, A MOUNTAIN IS A MOUNTAIN1.

Was auch immer also dieser Garprozess mit einem anstellte, wie unübersichtlich es mittendrin auch werden mochte, es ging dabei nicht um irgendein jenseitiges Ziel, jedenfalls nicht auf dem Zen-Weg. Allerdings machte das die ganze Sache nur noch verwirrender. Wenn am Ende alles wieder genauso war wie am Anfang, warum dann das Ganze? Oder vielleicht waren zwar die Dinge am Ende genauso wie zuvor, aber man selbst betrachtete sie anders?

Dieses Buch trägt die Hoffnung in sich, den Garprozess zu entmystifizieren, ihn in gewöhnliche Sprache zu gießen und zu zeigen, wie er im ganz normalen Leben funktionieren kann. Und zu vermitteln, warum er wichtig ist. Denn auch wenn wir weiterhin unser gewöhnliches Leben leben, kann sich durch diesen Prozess die Art und Weise, wie wir dieses Leben erfahren, verändern. Und diese Veränderung ist alles andere als gewöhnlich. Manche sind überzeugt, es sei das Radikalste, was wir für uns und unsere Mitgeschöpfe tun können. Kann uns dieser Prozess doch zeigen, dass wir nicht allein sind, es gar nicht sein können, wie einsam wir uns auch manchmal fühlen mögen. Vielmehr sind wir alle Teil einer einzigen Existenz. Wenn das stimmt, sind die Implikationen schwindelerregend.

Gensha, ein Zen-Meister aus dem neunten Jahrhundert, erfuhr diese eine Existenz urplötzlich im Alter von dreißig Jahren. Er wuchs als Sohn eines Fischers in China auf und musste als Junge mitansehen, wie sein Vater von einem angeschwollenen Fluss mitgerissen wurde und ertrank. Er wurde selbst Fischer, ging jedoch als junger Mann, aufgewühlt von der Vergänglichkeit des Daseins, in ein Kloster und begann zu meditieren. Nach einigen Jahren kam er zu dem Schluss, dass er nicht das Zeug dazu habe, die Mysterien der Praxis zu durchdringen. Er schulterte seinen Reisesack, stieg in seine Sandalen und machte sich auf den Weg, ohne zu wissen wohin.

An seinem ersten Tag unterwegs wanderte er einen Hang hinauf und stieß sich die Zehe an einem großen Stein an. Es sah schlimm aus. In manchen Quellen ist von viel Blut die Rede, in anderen heißt es, seine Zehe „explodierte“. Während er unter Schmerzen seine verletzte Zehe umfasste, überkam ihn eine tiefe Erkenntnis, und seine Wahrnehmung, sich als getrenntes Wesen durch die Welt zu bewegen, löste sich auf. Dabei soll er ausgerufen haben: „Es gibt keinen Körper. Woher kommt dann dieser Schmerz?“

Außer sich vor Erleichterung – trotz seiner schmerzenden Zehe – humpelte er zum Kloster zurück.

„Warum bist du schon wieder zurück?“, fragte ihn sein alter Lehrmeister. „Was ist mit deiner Pilgerreise?“

Gensha erwiderte: „Kein einziger Schritt wurde getan.“

Offenbar gefiel dem Meister diese Antwort, und er hieß ihn wieder im Kloster willkommen. Dann fragte er, was genau passiert sei, was er gesehen habe.

Genshas Antwort lautete: „Dieses ganze Universum ist eine leuchtende Perle.“2

Anhand dieser kleinen Geschichte kann man ein paar Dinge lernen. Erstens, dass es manchmal stimmt: no pain, no gain – „Ohne Schmerzen, kein Gewinn“. Zweitens, dass wir manchmal erst weiterkommen, wenn wir aufgeben. Reculer pour mieux sauter, sagen die Franzosen. Ein paar Schritte zurückgehen, um besser springen zu können. Und manchmal finden wir das, was wir suchen, erst, wenn wir aufgehört haben, danach zu suchen. Wenn das Gesuchte außerhalb der Vorstellungskraft oder Berechenbarkeit liegt, so können wir nicht wissen, was es ist, bis es uns auf die Füße fällt.

Wir leben in einem außerordentlichen Zeitfenster. Auf der einen Seite ist unsere Situation mit dem Klimawandel und dem nuklearen Waffenarsenal, die wie ein Damoklesschwert über uns hängen, höchst gefährlich. Auf der anderen Seite – und ungeachtet der zunehmenden globalgesellschaftlichen Polarisierung zwischen Arm und Reich – wenden sich so viele Menschen wie nie einer Meditationspraxis zu, was uns nicht nur auf eine freundlichere, klügere Lebensweise hin ausrichten kann, sondern obendrein auch noch so frei verfügbar und kostenlos ist wie die Luft, die wir atmen. Alte Weisheitslehren – von den esoterischen Lehren des tibetischen Buddhismus über den frühen buddhistischen Kanon bis hin zum Kōan-Studium des Zen – sind leicht zugänglich und nicht selten alle in einer einzigen Stadt vertreten.

Gleichzeitig werden die kontemplativen Traditionen der akribischen Erforschung, der Innovation und dem Utilitarismus westlicher Wissenschaft unterworfen: Wie können wir die nützlichsten Teile herausfiltern und sie an moderne Bedürfnisse anpassen? Das bekannteste Ergebnis ist die Achtsamkeitsbewegung. Verschiedene Lehrer haben ihr den Weg gebahnt, allen voran Jon Kabat-Zinn, der selbst seine Meditationspraxis als Zen-Schüler begann. Es gibt eine Kontroverse darüber, wie weise es ist, die Achtsamkeitsmeditation von ihren Wurzeln zu trennen, aber dass sie die westliche Gesellschaft im Sturm erobert, kann kaum bestritten werden. Noch vor einem halben Jahrhundert versuchten sich vielleicht zehntausend Westler darin, heute sind es allein in den Vereinigten Staaten über dreißig Millionen, Tendenz steigend.

Neurowissenschaftliche Forschungen erbringen immer neue Belege für die positiven Auswirkungen der Meditation auf unsere Gehirnfunktionen und legen nahe, dass sie uns tatsächlich aus Stress, Ängsten, Selbstzentriertheit heraus- und zu Frieden, Kreativität und Mitgefühl hinführen kann, wie es ihre Anhänger seit Jahrtausenden postulieren. Doch während die Popularität der Meditation wächst und sie immer mehr in den Mainstream vordringt, wo sie als Allheilmittel für zahlreiche moderne Leiden verkauft wird, könnte es sein, dass die Art Schulung, die ich durchlaufen habe, jung wie sie im Westen noch ist, bereits wieder verloren geht. In unserem Streben nach Effizienz könnten die althergebrachten Ansätze eines langsamen, geduldigen Lernens – über viele Jahre hinweg und unter Anleitung eines erfahrenen Lehrers – womöglich den Weg der Dinosaurier gehen und komplett von kurzfristigen Methoden, sogar chirurgischen oder neuen, momentan noch unbekannten neurologischen Eingriffen ersetzt werden. Geht dabei etwas verloren? Ist Meditation ein bloßes Instrument, um erwünschte Veränderungen herbeizuführen?

Zum einen hat ja Meditation diese paradoxe Eigenart, eher nicht so gut zu funktionieren, wenn man zu direkt nach Ergebnissen strebt. Zum anderen ist die Chance, bei einem Meister in die Lehre zu gehen, sich also einem authentischen Führer auf diesem Weg anzuvertrauen, ein Privileg ohnegleichen. Und falls die modernen Ansätze am Ende die alten, transformierenden Einsichten in das Wesen des Menschseins einfach ersetzen, so werden sie ihre wahre Kraft, unserer Welt zu helfen, verloren haben.

Dieses Buch handelt davon, wie ich einen Pfad gefunden habe, obwohl ich nicht einmal wusste, dass ich einen suchte. Lange Zeit hatte ich keine Ahnung, wo ich hin wollte. Ich wusste bloß, dass ich nicht dort war.

Ich erzähle diese Geschichte nicht, weil sie irgendwie besonders wäre, im Gegenteil: Die Herausforderungen, denen ich mich in meinem Leben zu stellen hatte, waren nicht weiter bemerkenswert. Meine Geschichte handelt von alltäglicher Verzweiflung solcher Art, wie sie vielen Menschen begegnet, und davon, wie ich durch Meditationspraxis Heilung gefunden habe. Aus diesem Grund hoffe ich, dass sie hilfreich für andere sein möge – indem ich zeige, dass die Praxis auch einen ganz gewöhnlichen Dummkopf aus seinem Tran herauskatapultieren und zu einer freundlicheren, besseren Lebensweise führen kann, ohne göttliche Intervention, aber mit Momenten von Gnade. Jene, die wie ich einst mit dem Leben schon so gut wie abgeschlossen haben, mag vielleicht diese kleine Erzählung dazu animieren, es sich doch noch einmal zu überlegen.

Die Geschichte richtet sich auch an jene, die schon seit langem mit einem diffusen Gefühl des Unbehagens durchs Leben gehen, sich innerlich an einer Weggabelung eingerichtet haben und weder den mehr, noch den weniger begangenen Weg einschlagen. Zweifelsohne schüttelt uns das Leben durch und schleift uns mit. Es ist schwer, den Strömungen unserer Natur und Kultur auszuweichen, und wir finden uns in Lebensläufen wieder, die nach außen hin mehr oder minder sinnvoll erscheinen. Doch in unserem Inneren wissen wir, dass da noch mehr ist. Wir spüren, dass ein wahrhaftigerer Einsatz unserer Kräfte und Fähigkeiten noch aussteht.

„Die Welt vereinnahmt uns; tagaus, tagein / Verschwenden wir die Kräfte in uns nur“, schrieb der englische Dichter William Wordsworth. Wie recht er hatte. Eine ehrlichere Auseinandersetzung muss möglich sein. Aber womit? Das wissen wir letztlich nicht so genau – zumindest jedoch mit der schlichten Tatsache, dass wir für eine Weile existieren, in einer Welt voller anderer Lebewesen, die auch existieren. Kann es gelingen, dem näher zu kommen, bevor wir sterben? Aber wenn nicht, ist dann unser Leben nicht irgendwie vergeudet?

1VOR ZEN: EIN BERG IST EIN BERG. / WÄHREND ZEN: EIN BERG IST KEIN BERG. / NACH ZEN: EIN BERG IST EIN BERG (Anm. d. Übers.).

2 Ich habe mir erlaubt, diese Geschichte frei nachzuerzählen und zu komprimieren, und ich verwende im gesamten Buch die japanischen Formen der Namen chinesischer Meister. In diesem Fall ist Gensha der japanische Name für Xuansha; er lebte von 835 bis 908.

Teil 1

Eine leuchtende Perle

Speedys Hund

Es hat ein paar Jahre gedauert, um dieses Zen-Zentrum wieder zum Laufen zu bringen: diesen sicheren Hafen mit seiner robusten Hülle aus Adobe-Ziegeln am Rande von Santa Fé, New Mexico. Bereits ein Jahr nach der Gründung 1985 wurde es von seinem damaligen Lehrer schon wieder aufgegeben und fristete dann über Jahrzehnte hinweg mehr schlecht als recht sein Dasein. Als Seminarhaus für unterschiedlichste Gruppen verlor es beinahe gänzlich seine Identität und drohte, in die Erde zurückzusinken, auf der es sich erhebt und aus der es gebaut wurde. Doch irgendwie überlebte das Mountain Cloud Zen Center durch viele magere Jahre hindurch, und jetzt fängt es an zu brummen.

Dies ist das achte Retreat in Folge mit über dreißig Teilnehmern. Dreißig ist so ziemlich unsere Obergrenze. Und dabei sind gerade die Hunds­tage des Juni, die hier in den Bergen des nördlichen New Mexico früh kommen, kaum dass der Sommer sich hereingestohlen hat. Schon jetzt brennt die Hitze unerbittlich, von Mittag bis achtzehn Uhr steht das Thermometer bei um die fünfunddreißig Grad. Später, im Juli, drücken die Regenwolken herein und alles kühlt sich ab. Aber noch nicht jetzt. Nicht einmal die dicken Lehmmauern des Zendōs können die Hitze draußen halten. Wir sitzen in unseren leichtesten Kleidern, der Schweiß tröpfelt und rinnt uns am Körper hinunter und wir schmoren in unserem Saft, während der Nachmittag vor sich hin knarzt, zuckt, zischt, klappert oder flötet, um mit unseren nichtmenschlichen Mitbewohnern dieser Landschaft zu sprechen.

Ganz früh morgens, wenn die Nacht zu verblassen beginnt, sitzen wir draußen auf der Veranda. Tau gibt es so gut wie nicht, doch die Luft ist satt und kühl. Die Holzplanken schwingen sanft, während die Leute sich ihre Plätze suchen und sich niederlassen. An den Berghängen stehen die Pinyon-Kiefern noch im Dunkeln.

Die Glocke ertönt. Im Freien klingt es ganz nüchtern. Das erste Sitzen in Stille dieses Tages beginnt.

Zuerst stellt sich die übliche Unsicherheit ein – also, was jetzt? Was genau sollen wir tun? Doch rasch lässt sich der Geist im Körper nieder, und der Körper lässt sich in der Umgebung nieder, und die Wahrnehmung von Grenzen löst sich auf. Ein Wohlgefühl steigt von innen heraus auf, das Gefühl, Teil der Welt zu sein, die Dankbarkeit dafür, zu existieren.

Je weiter die Woche fortschreitet, desto mehr beginnen wir zu schätzen, wo wir sind und was wir tun: über die trockene Erde gehen, in einem Bachbett aus Kieselsteinen, auf schmalen Wegen zwischen den genügsamen Bäumen; in die Stille eintauchen, thronend auf trockenem Land zwischen Grüppchen von Wacholder und Pinyons, die ihre Existenz der rot-verbrannten Erde abtrotzen. Wunderschöne eisenhaltige Felsen durchsetzen das Gelände. An heißen Tagen ist der Schatten der alten Ponderosa-Kiefern eine Wohltat. Dies ist ein freundlicher Ort, wo Menschen sich nicht beweisen müssen, wo sie sich nicht anstrengen müssen, irgendetwas zu sein, was sie nicht sowieso schon sind. Wir lernen hier viel, indem wir einfach nur still sitzen. Aber diese paar Lehmhäuschen zwischen Bäumen sind auch ein Ort für Entdeckungen.

Er erinnert mich an eine Entdeckerlust, die vor vielen Jahren in mir erwachte, in der Stadt und dem Tal, in denen ich aufgewachsen bin, in Oxford, England. Die warme Luft hier, der ausgetrocknete Boden und die sengenden Nachmittage, wenn die Bäume satt vor Leben rauschen, einer Lust, die nur sie kennen, die ihnen ureigen ist. Dann verdichtet sich das Licht, die Zeit scheint still zu stehen, die Bäume schweigen nach ihrer langen, geheimen Vermählung mit der Sonne, und mit einem bläulichen Schimmer auf dem Laubwerk bricht der Abend an. All dies ruft Gefühle aus meiner Kindheit in mir wach, transportiert mich zurück in die Sommer meiner frühen Teenagerjahre, als eine mußevolle Leichtigkeit über dem Land lag, eine Verheißung in der Erde selbst. Was für ein innerliches Juchzen frühmorgens beim ersten Blick aus dem Fenster – juhu!, wieder ein wolkenloser Sommerhimmel. Eine Ahnung von etwas wohlig Vertrautem berührt mich und löst eine Erinnerung an einen bestimmten, längst vergangenen Abend in mir aus.

***

An einem Abend ganz am Ende des Sommers, ich war zwölf Jahre alt, klopfte es an der Hintertür unseres Hauses, einem baufälligen Cottage im Cherwell Valley. Unsere Mutter machte auf, und wir hörten ihren überraschten wie erfreuten Aufschrei. Es war eine regnerische Nacht und wir eilten zur Tür, um zu sehen, was da los war.

„Kommen Sie doch rein“, rief Mum, woraufhin ein baumlanger, vom Wind zerzauster Mann in einem nassen, haarigen Mantel aus dem Regen hereintrat, gefolgt von zwei Hunden. Das musste Speedy sein, schoss es mir durch den Kopf.

Wir hatten alle schon von Speedy gehört, hin und wieder auch einen Blick auf ihn erhascht, wenn er, in seinem zottigen Wollmantel von derselben Farbe wie sein wuchernder rötlicher Bart, mit ausgreifenden Schritten und seinem Wanderstab in der Hand an einem fernen Feldrand entlang ging, die durch Hecken und Gebüsch wuselnden Hunde auf seinen Fersen. Aber noch nie hatte ich ihn aus der Nähe gesehen oder gar so dicht vor ihm gestanden.

Jedes Frühjahr erschien er in unserem Tal und schlug sein Quartier in der verfallenen Mühle zwei Meilen flussabwärts auf, die sich abgeschieden hinter hohen Weiden verbarg. Der Platz hatte Atmosphäre. An Sommerabenden war er betörend. An düsteren Nachmittagen war er unheimlich, dann schlugen die langen Weidenruten kreuz und quer im Wind wie ein tosender Ozean.

Speedy verbrachte die Wintermonate an der Südküste Englands, weil es da wärmer war. Niemand wusste, wieso er ausgerechnet in unser Tal kam, aber jedes Frühjahr tauchte er hier auf. Keiner störte sich daran, nicht einmal die Bauern, obwohl er seine Hunde, einen Terrier und einen Lurcher, zum Jagen von Hasen und Teichhühnern einsetzte. Er war ein Könner im Räuchern von Hechten, die er im Kanal angelte, und bei den Frauen im Dorf hatte er einen Stein im Brett, weil er ihnen gelbe, ölige Räucherfischfilets vorbeibrachte. Auch unsere Mum war begeistert, wenn sie eins bekam.

Es waren die Mitt-Siebziger, und damals gab es noch echte Vagabunden auf den Landstraßen Englands, wie sie seit mindestens einem Jahrhundert oder noch viel länger über Nebensträßchen und Feldwege zogen. Immer hatte uns eine Mischung aus Furcht und Faszination ergriffen, wenn wir von ihnen hörten.

An jenem Herbstabend, als Speedy an unsere Tür klopfte, goss es in Strömen. Er blieb unter dem kleinen Vordach stehen. Sein Mantel tropfte. Er streifte das Wasser ab, knöpfte den Mantel auf und zum Vorschein kam ein junges Hündchen.

„Da, wie's angeschafft war“, sagte er zu Mum und stieß einen kehligen Lacher aus.

„O ja“, rief sie mit einer Mischung aus Entzücken und Aufregung. Dann rannte sie in die Küche, um etwas zu essen sowie Bier und Tabak für ihn einzupacken, und dazu einen Geldschein aus ihrer Börse.

Während sie weg war, schaute Speedy uns Kinder an. Noch nie hatten wir so ein Gesicht gesehen. Erstmal war es gar nicht so leicht, seine Wangen zu entdecken, weil die unter seinem Bart, Hut und Haaren verborgen waren. Als einem dann klar wurde, dass man sie sah, war man erschrocken über so eine braune, gerötete Haut. Es sah eigentlich eher wie Tierhaut aus. Dann landete man bei den Augen, die vor Lebendigkeit sprühten. Es versetzte einem einen richtigen Schock, wenn man sich traute, sie anzuschauen, so viel Leben und Licht war darin. Es war, als hätte man ein wildes Tier im Zimmer. Erst als ich lächeln musste, merkte ich, dass auch er lächelte.

„Und“, fragte er, „wem seine wird's?“

Zuerst wussten wir nicht, was er meinte. Seine Stimme war ein Knurren das von irgendwo unter seinem Mantel hervorzukommen schien, und auf seinen Dialekt konnten wir uns keinen Reim machen. Es klang eher wie ein Donnergrollen im übernächsten Tal als menschliche Rede.

„Ja und?“, bohrte er nach.

„Äh, was?“, fragte meine Schwester zögernd und kicherte.

„Wem seine’s wird? Deine oder seine?“, fragte er in seinem Singsang weiter.

„Oh“, riefen wir aus, als wir endlich kapierten, was er meinte.

Er hielt uns das hübscheste kleine Hündchen hin, das man sich vorstellen konnte, gelb-braun mit einer dunklen, glänzenden Schnauze, wie ein Afrikanischer Jagdhundwelpe, und schimmernden schwarzen Augen, die uns neugierig ansahen.

„Von uns allen“, antwortete ich. „Niemand bestimmtem.“

„Es ist ein Weibchen, oder?“, fragte meine Schwester.

„Und wie. Wie’s eure Mum angeschafft hat. ‚Wenn sie Junge kriegt, bring uns ne Hündin‘ hat sie gesagt.“

Auch jetzt noch, wo wir ihn verstanden, klang Speedys Stimme irgendwie seltsam dumpf, doch die Worte hallten deutlich in seinem Körper. Man verstand ihn besser, wenn man seiner Brust lauschte.

„Und, wer mag sie nu zuerst halten?“

Meine Schwester und ich blickten einander an und lachten verlegen.

„Na, nimm du mal“, sagte er und reichte das Hündchen meiner Schwester.

Mum kam mit der Tüte für Speedy zurück, und er sagte: „Besten Dank, Ma’am.“

Wir hatten noch nie gehört, dass jemand „Ma’am“ zu ihr sagte.

„Ich danke Ihnen“, sagte Mum höflich, und wir spürten, dass er irgendwie bedeutsam war.

Er spähte in die Tüte. „Da schau an.“ Dann richtete er sich mit einem Ruck auf. „Ist ein Weibchen, genau wie Sie wollten, und was für ne Süße.“

Und im nächsten Moment war er in der Dunkelheit und dem Regen verschwunden, und seine beiden Hunde mit ihm.

Als Speedy an diesem Abend davonging, wusste ich, dass es noch eine andere Art gab, Mensch zu sein. Es war anders als alles, was ich bis dahin kannte. Als ob das Zimmer selbst gerade aufgerüttelt worden wäre, und jetzt sprudelte ein verblüffender Friede durch den Raum. Eine Lebendigkeit, die mir neu war, und die nicht meine war, wallte in mir auf.

Während der ersten Woche mit dem Welpen tauchte jeden Tag einmal die Mutter an unserer Hintertür auf und kam ins Haus gelaufen, um ihr Junges zu suchen, das sogleich aufsprang und sie schwanzwedelnd begrüßte. Die Hündin war eine Schönheit, ein Terrier wie ein kleiner Fuchs, aber weiß. Den ganzen Sommer hatte sie mit unserem Hund, einem großen Terrier, herumgetollt, und sowohl unsere Mutter als auch Speedy hatten vermutet, dass es Junge geben könnte.

Jeden Tag stand sie in unserer Küche, säugte kurz ihr Junges, leckte es einmal hinter den Ohren und trottete mit klackenden Pfoten auf dem Linoleumboden wieder davon. Der Welpe stand da und sah ihr nach.

Das faszinierte uns Kinder. Die Mutter hatte ihr Junges nicht vergessen. Sie wusste, wo sie es fand, und kam ganz von allein. Woher kannte sie den Weg? Es waren zwei Meilen bis zur alten Mühle. Konnte sie die Landschaft lesen wie eine Landkarte?

Eines Tages, als sie kam, sprang der Welpe nicht auf. Die Mutter lief in unsere Küche und blieb regungslos stehen, während sie zu ihrem Nachwuchs schaute, der still bedrückt auf seinem Platz saß. Die Mutter machte kehrt und kam nie wieder zurück.

Nicht lange danach hieß es für uns wieder zurück in den Elfenbeinturm, nach Oxford in die Schule.

Es war inzwischen September, und wie alljährlich im Frühherbst kam der Jahrmarkt in die Stadt. An dem Abend, als er begann, saß ich an meinem Fenster und blickte über die Dächer hinweg auf funkelnde Sterne, die niedrig am Himmel standen, bis mir aufging, dass auch die fernen Lichter des Jahrmarkts mit seinen Fahrgeschäften darunter waren und ich Lichter und Sterne gar nicht auseinanderhalten konnte.

Ich stellte mir vor, ein junger Dichter zu sein, und als mir ein Satz in den Sinn kam, griff ich nach Stift und Papier. Nach einer Weile stand eine neue Art von Gedicht auf dem Blatt, anders als alle, die ich bis dahin geschrieben hatte, etwas, was die Szenerie besser kannte als ich, als ob es von einer von außerhalb kommenden Energie hervorgebracht worden wäre. Ich zitterte vor Erregung. Ich fühlte mich der Welt näher als je zuvor. Das Gedicht hatte nicht mein gewöhnlicher Verstand hervorgebracht, sondern jener andere Teil, den Speedy wachgerufen hatte.

In diesem Winter lasen wir As I Walked Out One Midsummer Morning, Laurie Lees brillanten Bericht, wie er mit einer Fiedel, einer Decke und einer Handvoll Peseten, die er sich als Straßenmusikant verdiente, durch Spanien wanderte. Wir lasen The Dharma Bums von Jack Kerouac und lernten die Beatniks kennen, die von Gelegenheitsjobs gelebt und gedichtet und ihre Spuren über ganz Amerika gezogen hatten.3 Wir lasen die Gedichte der Imagisten aus den 1910er Jahre, die ihrerseits die chinesischen Dichter aus dem achten Jahrhundert bewundert hatten und die Berge und Flüsse des „Reichs der Mitte“ erwanderten, sich in den jähen Landschaften verloren, Gedichte über die Freundschaft, die Liebe zum Wein und die Schönheit der Natur verfassten. Wir trafen uns in Cafés und rauchten Selbstgedrehte, verglichen Gedichte, die wir entdeckt, und teilten Textschnipsel, die wir selbst verfasst hatten. Gedichte waren unser Weg, dem Leben näher zu kommen.

Eine Idee keimte in uns: dass das Land selbst unsere Heimat sein könnte. Wir waren Geschöpfe dieser Erde, autochthon wie Plutarch es genannt hatte. Warum sollten wir nicht überall zu Hause sein? So wie Speedy und seine Hunde?

Das folgende Jahr war zufällig 1976, ein legendäres Jahr in England. Barry Sheene und James Hunt wurden Motorrad- und Formel-Eins-Weltmeister, Lynyrd Skynyrd tourten durch das Vereinigte Königreich, aber vor allem herrschte von Juni bis September Dürre. Es war ein Sommer, der in die Geschichtsbücher eingehen sollte, in dem Heuwagen spontan in Flammen aufgingen und sich auf den Straßen stundenlange Staus bildeten, in dem Wasserspeicher austrockneten und in unserem Tal die Felder zu knisternder Savanne verdorrten und die vom Vieh hartgetrampelte Erde entlang der Gatter an ausgetrocknete afrikanische Wasserlöcher erinnerte. Die Wälder wurden dunkel und ernst unter der Himmelskuppel, als schmeckten sie zum ersten Mal ein reiferes Leben, das ihnen lange verwehrt worden war.

Es war auch der Sommer, in dem wir Speedy richtig kennenlernten. Er freundete sich mit uns an und brachte uns ein paar seiner Kniffe bei. Wie man aus Bindfaden eine Schlinge zum Kaninchenfangen bastelte und sie auf verborgenen Kaninchenpfaden anbrachte. Wie man Fische fing und räucherte. Er erzählte uns von seinen Wintern an der Südküste und seinem Leben auf der Landstraße. In seinen haarigen Mantel gewickelt, mit den Schnürstiefeln an den Füßen saß er gerne einfach nur still da und beobachtete, so erzählte er uns. Man konnte so viel lernen, wenn man sich einfach bloß still hinhockte. Alle anderen, die ganze Welt, rennt den lieben langen Tag herum, die haben keine Zeit um nix zu lernen. Wenn die bloß mal einen Moment lang innehalten würden, die täten sich wundern, was sie dabei lernen.

Er erzählte auch von den alten Wegen, die das Land kreuz und quer durchzogen. Heutzutage fanden die Leute sie nicht mehr, dabei wären sie klar und deutlich zu sehen, wenn man nur wusste, wonach man Ausschau halten musste, sagte er. „Die meisten Leute sehen die Geisterpfade nicht“ – so nannte er sie auch –, „sie zeigen sich einem erst, wenn man schon viel gegangen ist.“

Wir wussten nicht, was wir davon halten sollten. Aber das Leben auf offener Straße, das war real. Hecken, Sträucher, Wälder, verfallene Scheunen, alte Eisenbahn-Stellwerke. Speedy liebte Stellwerke, so erzählte er uns, wo man nachts von den mit Kohle beladenen Güterzügen aus den Kohlerevieren im Norden in den Schlaf geschaukelt wurde. Es gab viele Plätze, wo man schlafen konnte, mit bloß einem Schlafsack und einem Stück Plastikfolie. Und mit einem Haken und einer Schnur konnte er Barsche und Schleien aus stehenden Gewässern ziehen. Speedy hatte kein Zuhause, keine Küche und kein Schlafzimmer. Im Grunde hatte er nur sich selbst, das war alles. Das und das Land. Er war überall zu Hause. Er war sich selbst ein Zuhause.

Wir machten es ihm nach, schulterten Rucksäcke vollgestopft mit Schlafsack, Würstchen, Tee und Brot und wanderten durch Täler und über Hügel, schliefen nächtelang unter freiem Himmel und kochten uns überm Lagerfeuer süßen Tee aus Bachwasser. Es gab eine kleine, wechselnde Gruppe von Freunden, die sich uns anschlossen. Wir hatten das Gefühl, dass jetzt das Leben anfing, und glaubten, dass unsere Träume, Wanderer, vagabundierende Weltliebhaber zu werden, sich bewahrheiteten. Man konnte sich treiben lassen wie die alten Dichter aus den Bergen Chinas, sein altes Leben abstreifen, jeden Tag ein neues in den Konturen der Landschaft entdecken und dem Duft der Erfüllung nachjagen, der stets zum Greifen nah war.

In der Glut unseres Lagerfeuers zündeten wir uns Zigaretten an, tranken Flaschenbier von kleinen Brauereien aus der Gegend und fingen an, eine Kraft in uns zu entdecken, die leben wollte. Etwas geschah in diesem Sommer. In den Wölbungen und Krümmungen der Felder, die wir wie unseren eigenen Körper kennenlernten, im Herumstreifen immer weiter weg von Zuhause, in den Dorfläden, wo wir unsere Vorräte aufstockten, in Gräben und Gehölzen, über sonnengebleichte Weidezäune kletternd und durch Bäche platschend fanden wir uns selbst, als Menschen mit einer eigenen Beziehung zum Land und seinen Geschöpfen.

Unsere kleine Hündin war immer dabei, wenn wir draußen schliefen. Sie konnte der Verlockung der offenen Felder, die sie als Welpe gekannt hatte, nicht widerstehen. Manchmal verschwand sie im Schilf eines Fluss­ufers. Dann hörten wir sie darin herumtollen, bis sie aufgeregt wieder hervorgeschossen kam. Sie wurde richtig lebendig da draußen. Das war das Leben, für das sie gemacht war: durch die Felder, Flüsse und Wälder ihres Territoriums zu preschen, in dem sie geboren war. Sie brauchte sich nicht zu überlegen warum. Sie war einfach dafür gemacht, und das Land für sie. Am Abend ließ sie sich, ein blasses Dreieck, am Fußende meines Schlafsacks nieder, blickte über die dämmrige Landschaft in die Nacht hinein, und ringelte sich erst zusammen, wenn alle anderen eingeschlafen waren.

3 Deutsch als: Laurie Lee: An einem hellen Morgen ging ich fort: Aufzeichnungen eines Vaganten. München: Kindler Verlag 1970. Sowie: Jack Kerouac: Die Dharmajäger. Hamburg: Rowohlt Verlag 2022.

Unter der Haut

Das alles ist eine Seite der Geschichte, eine Version. Aber es gibt noch eine andere. Oft hatte ich das Gefühl, mein Körper und meine Haut waren nicht für diese Welt gemacht.

Ich wurde in eine brennende Haut hineingeboren. In ein Nesselhemd.

In der Schule lernten wir über das mythologische Ungeheuer Typhon, das unter dem Vulkan Ätna lebte. Das war ich. Ich lebte in einem Vulkan. Oder aber ein kleiner, Schwefeldämpfe speiender Typhon lebte in mir, und diese Dämpfe bahnten sich durch meine Haut ihren Weg nach draußen.

Sie nannten es Ekzem4, was „herausbrodeln“ bedeutet. Bläschen bildeten sich unter der Lederhaut und der Oberhaut und brachen nach außen auf, dann folgte Jucken, Nässen, Bluten und so weiter.

Genau genommen wurde ich nicht direkt hineingeboren. Bei meiner Geburt war alles in Ordnung. Das Problem begann, als ich ein halbes Jahr alt war. Mein Vater, Historiker am Russisch-Seminar der Universität Oxford, hatte eine Dozentur in Helsinki erhalten und war samt seiner Familie dorthin gezogen.

Von Helsinki aus war Russland, per Schiff über den Finnischen Meerbusen hinweg, weniger als eine Tagesreise entfernt. Es war der Kalte Krieg, und wenn vom Cambridge Circus eine Nachricht kam, dass mein Vater in dringenden Angelegenheiten nach Leningrad reisen sollte, dann gab es kein Zögern. Obwohl er ein stiller Oxford-Mann war, wie viele damalige Russisten, arbeitete er gelegentlich für „The Circus“ – den britischen Geheimdienst MI6. Er war Spion in Teilzeit.

Mum und Dad fuhren zusammen. Sie verschwanden übers Wasser in die sowjetischen Einöden und ließen die Kinder in der Obhut eines finnischen Au-pair-Mädchens zurück. Offenbar hatte mein vierjähriger Bruder keinerlei Probleme damit, ich hingegen schon. Ich weiß nicht, was geschah, aber als sie ein paar Tage später zurückkamen, fanden sie das Baby, also mich, feuerrot und wund vor, buchstäblich vom Kopf bis zu den Zehen mit Ekzemen bedeckt.

„Er sieht aus wie gehäutet“, soll mein Vater mit gerunzelter Stirn gesagt haben, während er das heiße kleine Bündel im Arm hielt.

Was war passiert? War es das Au-pair-Mädchen? Was hatte sie angestellt? Meine Mutter haderte mit sich, weil sie den Jungen so abrupt abgestillt und dann einfach unter der Aufsicht eines Teenagers zurückgelassen hatte, noch dazu in einem fremden Land. Das Au-pair war der Ansicht, es müsse eine Allergie auf die finnischen Kiefern sein. Mein Vater kratzte sich am Kopf und sinnierte, dass sich zu Hause in Oxford schon alles wieder einrenken würde und dass man am besten nicht zu lange darüber nachgrübelte. Doch Finnland war erst der Anfang.

Wir kehrten nach Oxford zurück. Meine Haut tobte und brodelte weiter. In den folgenden Jahren wiesen mich die Ärzte immer wieder ins Radcliffe-Krankenhaus ein, wo ich auf frisch gestärkten Laken durch einsame Tage der Linderung dämmerte, betäubt und sicher. Wenn ich zu Hause war, kam täglich eine Krankenschwester vorbei, legte mich auf ein Handtuch, badete mich in antiseptischer Lösung, die nach Karamell roch, und wickelte mich in Steinkohlenteerverbände aus grauem, feuchtem Lehm, die nach Kreide rochen.

Während ich mich auf Neurodermitis spezialisierte, fand meine kleine Schwester, einmal im Kindesalter angelangt, ihr Fachgebiet in Asthma. Sie hatte Inhalatoren und Tabletten und war auch manchmal im Krankenhaus. Offenbar gingen sie Hand in Hand: Allergien, Asthma, atopisches Ekzem.

Manche Mütter würden sich mit solchen Kindern verrückt machen und sie von einem Spezialisten oder Quacksalber zum nächsten zerren. Andere, wie die Mittelschicht-Mütter im Nachkriegsengland, neigten eher zu einem „Jetzt mach nicht so ein Gezeter“. Unsere Mutter war sich nicht sicher, zu welchem Lager sie tendierte. Manchmal glaubte sie ihren Kindern, manchmal nicht. Vielleicht übertrieben wir ja und wollten bloß Aufmerksamkeit. Andererseits war es furchtbar, uns so leiden zu sehen. Derweil würgte meine Schwester an ihren Inhalatoren und ich kratzte mich durch meine Kindheit.

Ich wurde auch in Privilegien hineingeboren. Wir wohnten im alten Oxford, in seiner breiten Senke inmitten sanfter Hügel, an denen sich die Wolken sammelten und Nieselregen an der Tagesordnung war. Im Regen glänzten die Straßen hell und wirkten die Stirnseiten der alten Colleges dunkel. Wenn die Sonne herauskam, leuchteten die Fassaden aus dem Gestein der umliegenden Hügel pfirsichfarben.

Unsere Eltern lehrten beide an der Universität. Die Eltern unserer Freunde lehrten an der Universität. Und die Freunde unserer Eltern auch. Mein Bruder und ich besuchten eine Privatschule vor Ort, die sich für progressiv hielt, weil die Jungen Cordblousons anstatt Blazern trugen. Ab dem Alter von acht Jahren drillten sie uns in Französisch, Latein und Griechisch.

Wir waren zwar privilegiert, aber es war kompliziert. In der Familie meiner Mutter waren die Männer auf der einen Seite seit Generationen Anwälte, auf der anderen Seite bei der Küstenwache Northumbrias. Ein Jahrhundert vorher hatte einer der Männer von der Küstenwache als Kabinensteward auf einem Schiff angeheuert und war als Schiffseigner zurückgekehrt. Er baute eine Handelsflotte auf, die er größtenteils im Verlauf der beiden Weltkriege wieder einbüßte. Doch die Geister früheren Ruhms hingen über der Sippschaft.

Die Vorfahren meines Vaters hingegen waren bis zum letzten Mann und zur letzten Frau Schneider und Schneiderinnen gewesen. Den Pogromen in Osteuropa entkommen, waren sie als Flüchtlinge ohne einen Penny in der Tasche und mit nicht mehr als ein paar Habseligkeiten in Pappkoffern an den Tilbury Docks in London gelandet, im Glauben, sie hätten Amerika erreicht. So gingen sie an Land und blieben.

Wir gehörten nicht wirklich zur Mittelschicht, aber auch nicht zur Arbeiterschicht. Und auch nicht zu den Juden, denn unsere Mum war nicht jüdisch.

Anstatt zu schneidern wie alle vor ihm, wurde Dad Elektrotechniker, doch als er mit achtzehn zum Kriegsdienst eingezogen wurde, schickte man ihn in die Joint Services School for Linguistics, einen Paukkurs für Russisch, den sich die Briten in den 1950ern ausgedacht hatten, als man sich plötzlich im Kalten Krieg befand und zu wenig Leute mit Russischkenntnissen hatte. Die Spion-Schule, wie sie mit Spitznamen hieß, bot vielen cleveren jungen Männern einen Weg aus der Arbeiterklasse, darunter unserem Dad, der in einer Londoner Mietskaserne aufgewachsen war und später Professor in Oxford wurde. Zur Ausbildung gehörte ein Trimester am Russisch-Seminar der Universität Cambridge, wo er unsere Mutter kennenlernte.

Wir waren Treibhauskinder: überzüchtete Sprösslinge. Unsere Eltern waren nicht besonders wohlhabend, aber sie hatten Ressourcen in punkto Bildung, und die bekamen wir ab. Wir wurden erzogen, um zu brillieren, in Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Literatur, Sprachen, Musik – egal was, Hauptsache wir waren hervorragend.

Dad sah aus wie Inspektor Morse aus den Oxford-Krimis im Fernsehen. Wallendes 70er-Jahre Haar, etwas dunkler als das von Morse, bis es silbrig wurde. Und auch ein dunklerer Teint. Ein jüdisches Gesicht mit ausgeprägten Wangenknochen und einer markanten, scharf geschnittenen Nase. Wenn man ihm mit dummen Ideen kam, konnte er so böse dreinschauen wie Morse. „Ein kaschmirischer Gewürzhändler“, würdigte er sich einmal beim Anblick eines Fotos, das jemand von ihm gemacht hatte: ein Mann mit dunklem Teint und üppigen Koteletten, Augen, die sich hart wie Hagelkörner in die des Betrachters bohrten. „Nein“, korrigierte er sich. „Ein libanesischer Juwelenhändler.“

Wir lachten, weil er natürlich keins von beiden war. Er war unser Dad.

***

„Das atopische Ekzem hat eine multifaktorielle Ätiologie“, hieß es im British Medical Journal. Was so viel bedeutet wie, dass es viele Ursachen haben kann.

Die Grunderkrankung, Atopie, was im Griechischen „Ortlosigkeit“ bedeutet, ist ein mütterlicherseits vererbter Gendefekt, der Allergien auslöst. Die Barthaare einer Katze, der Kot einer Milbe, ein Pollenkörnchen: diese harmlosen Gäste, die in ein Nasenloch gelangen oder über einen Knöchel streichen, werden als tödliche Invasoren betrachtet und der Körper schaltet auf totalen Krieg, um den Eindringling wieder loszuwerden. Aber obwohl das atopische Ekzem genetisch mit den Allergien verwandt ist, benötigt es keinen Auslöser, um loszuschlagen. Und  – noch ein Unterschied zur Allergie – es ist chronisch.

Der Lebenszyklus beginnt mit winzigen Bläschen, die in Zeitlupe hervortreten. Das ist der zema-Teil des Ekzems, das Brodeln. Zum Griechischen sollte es mich später im Studium hinziehen, vielleicht wegen meines Brandmals, das auch griechisch war: ek-zema. Die Sprache nahm mich schon früh in Beschlag und zerrte mich hinunter in die Höhle des Typhon, wo er mich unter Vertrag nahm, als Lehrling seiner sinistren Künste.

„Atopisch“ oder „ortlos“ war eine seltsame Bezeichnung, wenn man bedachte, dass die Ausschläge hartnäckig an Ort und Stelle blieben. Bei mir erreichten manche die Drei-Jahrzehnte-Marke in voller Ausprägung und ohne sich je vom Fleck zu bewegen. Dabei wandelten sie durch die Jahreszeiten ihres Lebenszyklus: zuerst die Minipusteln, wie die Knötchen einer Brombeere, dann die nässenden, klaffenden Risse der mittleren Phase, schließlich die vertrockneten Schluchten der ausgedörrten Spätphasen und die knotigen Papeln des Endstadiums. Dann ging es wieder von vorne los, wie Obstbäume in den Tropen, die gleichzeitig blühen, Früchte tragen und Blätter abwerfen.

Ich erinnere mich an Straßenpflaster in meiner Kindheit, das von der Kraft nach oben strebender Baumwurzeln aufgerissen war, und wie ich den Blick nicht davon abwenden konnte, so exakt glich das Bild den langsamen Eruptionen auf meiner Haut.

Doch all diese Stadien trafen sich in einem Glutofen namens Juckreiz. Als ob es nicht schon genug des Elends gewesen wäre, manchmal musste ich einfach den gesamten geothermischen Prozess in Fetzen reißen, alle Darstellungen der Stadien dieser „Naturgeschichte“ in einem einzigen, rasenden Taumel zerstören – über Hosennähte reibend, an Tischkannten schabend, oder hemmungslos mit den Fingernägeln kratzend – egal wie, bloß irgendwie dieses ewige Feuer aus der Schmiede in meinem Inneren mit einem Schuss Blut oder Lymphe oder Tränen ersticken.

Und doch stimmte „ortlos“ auch. Es sei eine jüdische Disposition, hieß es. Wir waren ortlose Leute. Aus England und Schottland zwar, aber auch aus Russland, nur eben nicht ganz, weil unser Volk im eigentlichen Russland kein Aufenthaltsrecht hatte, sondern nur in seinen Annexen: Ukraine, Polen, Belarus. Wir waren die ortlose Sippe.

Die westliche Medizin hatte zwei Optionen im Angebot: Antibiotika-Cremes, die das Ekzem ein wenig störten, es aber ansonsten nicht weiter behelligten, und Kortisonsalben, die als der Heilige Gral galten, weil sie wirkten, zumindest die hochdosierten. Doch die Ärzte waren zurückhaltend damit, weil diese Salben die Haut „verbrannten“ und dünn werden ließen, und weil sie krebserregend waren.

Das Ekzem hinterlässt seine Spuren nicht nur auf der Haut, sondern auch in der Psyche. Die Scham geht tief und versteht es geschickt, sich selbst zu verstärken. Der verstohlene Blick eines Passanten auf der Straße, eine abweisende Bemerkung der Kindergärtnerin – Scham sucht Beschämung. Auch Verzweiflung ist mit im Boot, denn ungeachtet all der Vorhersagen der Ärzte hört es einfach nicht auf. Jahr für Jahr passiert man die Meilensteine, zu denen angeblich alles verschwunden sein soll: Fahrradfahren lernen, in die Schule kommen, Freunde finden, Spiele spielen.

Die Ärzte sagen, man soll nicht kratzen. Aber sie haben keine Ahnung. Ob man kratzt oder nicht ist völlig egal. Es geht auch nicht weg, wenn man nicht kratzt. Es verläuft dann nur anders, als eine sich ausbreitende subkutane Intrusion, während, wenn man kratzt, wenigstens die Entzündung mal an Ort und Stelle bleibt.

2007 entdeckte man am Forschungszentrum für Juckreiz der Washington University in St. Louis einen speziellen Juckreiz-Rezeptor im Rückenmark: Damit war belegt, dass Juckreiz und Schmerz verschiedene Nervenbahnen benutzen. Der große Gewinn beim Juckreiz ist, dass, wenn man kratzt, die neurologischen Belohnungsschaltkreise dem Gehirn ein Endorphinbad bescheren. Aber bei Neurodermitis so fest zu kratzen, dass der Juckreiz übertüncht wird, bedeutet, sich die Haut aufzureißen, und somit feuern auch die Schmerzrezeptoren und blasen die Endorphinflut wieder ab.

Das war ein Problem: die Schnittstelle zwischen der Welt und mir, meine impulsive Haut. Doch es gab noch andere. Dad zum Beispiel. Und die Scheidung.

Die „Familienzusammenkunft“ (unsere erste und letzte) fand in unserem kaum benutzen Wohnzimmer statt. Eines Morgens rief Dad uns alle zusammen. Während wir uns missmutig in dem Zimmer einfanden und uns unsicher auf die steifen Polstermöbel setzten, fragten wir uns, was es wohl gab.

Mum hatte ein zerknülltes Papiertaschentuch in einer Hand. Dad sagte etwas, das ich nicht verstand, und lachte dazu. Meine Schwester schaute ihn an und brach in Tränen aus. Durch das Lachen hindurch sagte Dad: „Du wusstest nicht, dass Daddy weinen kann, was?“

Er lachte also gar nicht.

Mein älterer Bruder schrie auf. „Oh nein, ihr lasst euch doch nicht scheiden?“

Er wusste also, was das war, nämlich offenbar nichts Gutes.

Im nächsten Augenblick schluchzten alle. Ich saß derweil am Rand des Sofas und war im Bann eines Juckreizes in meiner Kniekehle, und jetzt auch noch auf der Haut zwischen meinem Zeigefinger und Mittelfinger der einen Hand und dann der anderen, außer dass es in meinem Fall keine Haut zwischen den Fingern war sondern Schuppen.

Das Ekzem hat es so an sich, alle anderen Sorgen zu übertrumpfen. Wenn es gerade juckt, ist es fast unmöglich, seine Aufmerksamkeit auf irgendetwas anderes als dieses Jucken zu richten. Im Hirn ist dann kein Platz für irgendetwas, das nicht seinem ständigen Bestreben untergeordnet wäre – nämlich dem gegenwärtigen Juckreiz zu entkommen.

Dann ging Dad auch schon mit seinem marineblauen Koffer den Gang entlang und mit knallenden Schritten die Stufen zur Straße hinunter, stieg in den kleinen Fiat, aus dem eine bläuliche Wolke kam, und ich klammerte mich an die Stoßstange und rief, „Ich schieb dich, Dad!“, immer noch nicht kapierend, was los war, und die ganze Welt war auf einmal glasig und wässrig und hatte verschwommene Konturen, und Dad rief mit erstickter Stimme aus dem offenen Autofenster, „Lass los, Schatz, lass los“, und dann fuhr er davon und das Aroma seiner kleinen Auspuffwolke blieb in der Luft zurück.

Sie sagten immer, sie wären sich irgendwann auf die Nerven gegangen. Aber wir gingen uns doch alle auf die Nerven.

Unsere Mutter hatte nie ein festes Zuhause gehabt: Ihre Kindheit war vom Zweiten Weltkrieg zusammengestutzt worden. Ihre Mutter war eine der ganz wenigen Frauen gewesen, die als Fliegerinnen ihren Kriegsbeitrag leisteten, die erste Frau, die ein Spitfire-Kampfflugzeug flog. Sie arbeitete als Überführungspilotin bei der Air Transport Auxiliary und brachte kriegsbeschädigte Flugzeuge von Flugplätzen an der Südküste zu Fabriken weiter oben im Norden, wo sie wieder repariert wurden. 1944 starb sie bei einem Flugzeugabsturz. Aber schon vor dem Krieg war sie die meiste Zeit in ihrer De Havilland Gipsy-Moth auf transkontinentalen Pionierflügen unterwegs und somit abwesend.

Vielleicht hatte Mum sich vorgestellt, dass das Leben ohne Ehemann einfacher sein würde, dabei aber nicht bedacht, was es für eine Schinderei bedeutete, drei Kinder alleine aufzuziehen. Klar, wir verbrachten alle vierzehn Tage eine Nacht bei Dad, aber das war keine wirkliche Erleichterung für sie. Jeden Tag dieselbe Routine, ohne Wenn und Aber: Frühstück, Abendessen, Wäsche, zu Bett bringen, Einkaufen, Hausaufgaben beaufsichtigen, die Haustiere füttern, tagein, tagaus.

Mum wollte nicht Single sein, aber verheiratet bleiben wollte sie auch nicht. Die Ehe war ihr eine Qual. Nie konnte sie sich entspannen. In ihrer Familie hatte Scheidung eine lange Tradition, und vielleicht hatte sie es einfach in ihren Genen. Die beste Erholung für sie waren feuchtfröhliche Dinner-Partys mit ihren Freunden von der Universität, dann floss der Wein in Strömen und die Gespräche wurden immer wilder und lauter. Wir Kinder liebten diese Abende. Wir stahlen uns aus unseren Betten und lauschten hinterm Treppengeländer versteckt dem Stimmengewirr unten im Haus: Es war wie ein Segen, als wären wir plötzlich in einem Märchen gelandet, in dem die Erwachsenen fröhlich waren. Aber diese Abende waren allzu selten.

Nach der Scheidung stürzte sich Mum wie besessen in die Arbeit und ihre Studien. Sie ließ den Putzmann, einen netten Schotten aus den Lowlands, öfter kommen, damit er mit den Kindern aushelfen und sie sich währenddessen in ihr Forschungsprojekt vertiefen konnte, ein Buch über sowjetische Literaturtheorie, an dem sie schrieb. Sie zeigte uns Kindern, wie man Dosenbohnen auf Toast zubereitete, damit wir uns selbst etwas zu essen machen konnten, und verfrachtete uns nach dem Frühstück so schnell wie möglich zur Schule, damit sie an ihrem Schreibtisch abtauchen konnte.

Dad war nach der Scheidung nicht gerade aus der Welt. Er wohnte nur eine Meile weit weg von uns, und wir besuchten ihn alle zwei Wochen. Aber diese eine Meile der Banbury Road in Oxford trennte uns für den Rest unseres Lebens.

Anfangs war das Arrangement noch ganz gut. In seiner neuen Wohnung durften wir auf dem rollenden Bürostuhl herumfahren und schliefen in Stockbetten, während er Hähnchen in Sojasoße mit Chinakohl kochte. Nach dem Abendessen kuschelten wir uns auf sein neues Cordsofa und lutschten Minzbonbons, während er uns vorlas: überwiegend amerikanische Bücher wie Die Abenteuer von Huckleberry Finn und Der Fänger im Roggen. Wir badeten im Klang seiner Stimme, und ein warmes Glücksgefühl durchströmte uns dabei. Wenn es Zeit zum Schlafengehen war, zog er mich auf meinem Bett aus, um mich mit den Cremes und Salben einzuschmieren, die zu meiner täglichen Routine gehörten. Seine Hände strichen mit ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen über meinen Körper, und in mir keimte dann die Hoffnung, dass die Ekzeme eines Tages tatsächlich verschwinden würden.

Es war immer traurig, wenn wir am Sonntagnachmittag wieder gehen mussten, aber zumindest wussten wir, dass dieser Ort uns genau so wieder erwarten würde, wie wir ihn verlassen hatten.

Doch dabei sollte es nicht bleiben. Eines Abends, vielleicht ein oder zwei Jahre nach der Scheidung, als Dad mit uns, wie wir dachten, zu seiner Wohnung fuhr, gab es wieder eine Ankündigung.

Es war Oktober und ich saß mit meiner Schwester zusammen in seinem neuen Auto. Unser Bruder war damals schon im Internat. Wie üblich bettelten wir, dass er das Schiebedach aufmachte, es war unser erstes Auto mit einem Schiebedach. Es nieselte zwar leicht an diesem Herbstabend, doch Dad gab seufzend nach, und wir schauten begeistert in das Laub der großen, hellen Birken, das über unseren Köpfen hinweg zog.

Aus heiterem Himmel sagte er: „Was glaubt ihr wohl, wer hierher ziehen wird?“

Bevor wir überhaupt Zeit hatten, darüber nachzudenken, sagte er: „Eure Tante aus Kanada.“

Die Stimmung im Auto schlug um.

„We-her?“ fragte meine Schwester mit ungläubigem Tonfall. „Unsere Tante?“

„Genau“, stellte Dad klar. „Eure Tante.“

Unsere Tante war eigentlich gar nicht unsere Tante, sondern eine Cousine meiner Mutter. Ich mochte sie sehr. Sie lebte in Kanada, weshalb wir sie nur selten sahen, aber sie war nett und behandelte uns wie Erwachsene. Sie war Künstlerin, und deswegen irgendwie anders: Sie war frank und frei, und wir Kinder spürten das. Doch bei dem, was uns unser Dad da gerade eröffnet hatte, fühlten sich weder meine Schwester noch ich wohl. Es lag etwas Ungutes in der Luft.

Wie sich herausstellte, würde sie nicht erst hierher ziehen: Sie war schon da. Sie wohnte bereits mit ihren Kindern in Oxford. Das hatte nur bisher keiner erwähnt. Selbst im Alter von sechs und neun Jahren wussten meine Schwester und ich, dass das komisch war.

Und das war noch nicht alles: Wir waren gerade eben auf dem Weg zu ihr nach Hause. Nicht in Dads kuschelige Wohnung mit dem weichen Teppich und dem süßen Aroma von Sojasoße und dem rollenden Bürostuhl, sondern in eine Wohnung, die wir nicht kannten, und zu einer Familie, die wir zwar kannten, aber bloß als unsere Verwandten in Kanada.

Es hätte eine fröhliche Überraschung sein sollen, aber auf einmal hatte die Stimmung im Auto etwas Bedrückendes. Wir versuchten, ihn dazu zu bringen, wieder umzudrehen und zu seiner Wohnung zu fahren, doch er tat es nicht. Unsere Abende mit ihm allein waren vorbei.

Das hatte Mum nicht kommen sehen: Ihre Cousine ersten Grades kehrte samt ihren Kindern und ihren gesamten Habseligkeiten nach England zurück, und nicht nur nach England, sondern nach Oxford, und zog mit unserem Dad zusammen.

Es war unvorstellbar. Ihre Cousine. Und ihr Ex-Ehemann.

Sie versuchte, nicht daran zu denken, stürzte sich noch eifriger als bisher in ihre Arbeit und ihre Studien und vermied den Kontakt mit just den Menschen, die ihr einst so viel bedeutet hatten.

Sie sprach nie mit uns darüber, aber wir wussten, was sie durchmachte. Ich spürte es. Manchmal, wenn ich morgens in die Küche kam, stand sie gedankenverloren vorm Kühlschrank oder mit einer Pfanne in der Hand vorm Herd und rührte sich nicht. Oder sie saß im Morgenmantel am Tisch, den Kopf in die Hand gestützt, die Wange runzlig wie ein alter Apfel. Ich versuchte dann, sie zu trösten. Aber was konnte ich mit meinen kleinen Ärmchen schon tun? Trotzdem versuchte ich, den Arm um sie zu legen, und spürte, wie sie fröstelte.

Es war uns peinlich – ihr und mir. Sie wollte nicht, dass ich sie so sah, und ich wollte sie nicht trösten. Aber insgeheim wollte ich es doch. Entstellt von meinen Ekzemen wie ich war, fühlte ich mich wie eine Schande für meinen Vater, und daran änderten auch die gelegentlichen Einreibungen nichts, wenn ich bei ihm war. Mit meiner Mutter hingegen war es einfacher. Vielleicht hatte ich ja irgendwie gewollt, dass er ging. Und er war gegangen. Vielleicht hatte ich das Ganze insgeheim herbeigeführt und es war alles meine Schuld. Und jetzt hatte ich die Konsequenzen zu tragen.

Währenddessen erwies sich die zweite Ehe meines Vaters als eine echte Liebesheirat. Auf einem Foto von den beiden kurz nach der Hochzeit lodert das Feuer wie bei Elizabeth Taylor und Richard Burton. Die Vereinigung von Körper und Seele ist buchstäblich greifbar auf dem alten Bild.

Es war schwer, sich nicht vorzustellen, wie Dad uns nach der Hochzeit loswerden wollte, so nach dem Motto: „Liebling, mach dir keine Sorgen, ihre Mutter wird sich um die Kinder kümmern. Sie werden uns nicht zur Last fallen.“

Zuhause bei Mum lag ich nachts wach, nachdem ich mich selbst mit den verschiedenen Cremes und Salben eingeschmiert hatte, und erging mich in Phantasien über meine Eltern. Mum saß in einem Graben fest, und eine böse Hexe entführte Dad in den Nachthimmel hinauf, und ich musste sie beide befreien und nacheinander wieder nach Hause zurückbringen.

Eines Nachts bei Dad wachte ich aus einem Alptraum auf. Eine Hexe war am Fußende meines Betts gestanden, hatte mir die Zunge herausgestreckt und ein summendes Geräusch gemacht. Im Traum hatte ich erkannt, wer sie war: eine Kindermörderin, die nachts durch die Stadt schlich und tötete. Und zwar machte sie das genau so – mit ihrer Zunge. Sie war gerade dabei, mich umzubringen. Ein Blick genügte, auf Gorgo-­Art.

Ich erwachte schreiend und sah noch, wie sich der Vorhang bewegte, als ob gerade jemand hinausgehuscht wäre.

Vielleicht wurde damals ein Teil von mir tatsächlich umgebracht, etwas, das ich viele Jahre später würde zurückfordern müssen.

Mein Herz kochte. Ich hasste diese zweite Ehe. Ich schmollte schonungslos. Einmal setzte sich Dad mit mir in seinem Büro oben unterm Dach seines Hauses hin und sagte mir, dass ich es einfach akzeptieren müsse – dass er unsere Stiefmutter liebe, und Punkt. Und dass er jetzt nichts mehr davon hören wolle.

Sollte er auch nicht. Stattdessen mussten die beiden mein bleiernes Schweigen ertragen. Ich schaltete auf stur und weigerte mich, mit meiner Stiefmutter auch nur ein einziges Wort zu sprechen.

Aber da war auch noch die Schule: Ich stürzte mich mit vollem Einsatz ins Lernen und brachte allmählich die Noten zustande, die erwartet wurden.

„Sehen Sie?“, sagte mein Hautarzt. „Er ist Spitzenklasse. Sie kompensieren es immer auf andere Weise.“

Wer „sie“ waren – die anderen Ekzematiker – wusste ich nicht. An meiner Schule waren keine.

Schulische Leistungen waren also der Lohn. Wie die Frau in einer von Chaucers Geschichten, die für ihre überirdische Schönheit mit zwei verborgenen wunden Stellen an den Schenkeln bezahlte, so musste ich meine schulischen Leistungen mit meiner Haut bezahlen.

Im Unterricht umwickelte ich mir die Hände mit einem Taschentuch oder setzte mich auf sie, um die Feuersbrunst zu unterdrücken, bis sich die Rippen meiner Cordhose darauf abzeichneten. Die Schule machte wegen Gesundheitsproblemen keine Zugeständnisse. Dreckverklumpte Rugby-Bälle, Sportshorts, Umkleideräume, Duschen, einen Bleistift oder Hockey- und Cricketschläger halten, nach Hause radeln, den Abwasch machen, mein Bett machen – alles war angstbesetzt. Wasser bedeutete Schmerzen – L’eczème craint l’eau, hörte ich viele Jahre später einen algerischen Arzt sagen: Ekzeme fürchten das Wasser. Das stimmte. Aber sie fürchteten auch das Leben. Das Leben war eine Litanei von Dingen, die man nicht ohne Haut tun konnte. Und die Haut war da, egal was man tat. Eine bloße Umarmung konnte den ganzen Körper in Flammen setzen.

Die Ärzte gaben vor, alles im Blick zu haben. Unterschiedliche Salben für unterschiedliche Zwecke. Morgens Aureomycin, eine gelbe antibiotische Salbe. Dann Steinkohlenteerpaste aus einem großen braunen Schraubglas, dann eine „Barriere-Creme“, die man auf Knie und Waden auftrug, so dass sie weiß gekalkt waren. Es war eine Qual, vor allem in den kurzen Hosen der Schuluniform: die Haut gleichzeitig brennend und entblößt. Nachts Tri-Adcortyl, eine grüne Salbe; oder Graneodin, kalt und grau. Dann Oilatum, E45, Nivea, die die Haut bläulich erscheinen ließen.

Ich wuchs in stummem Zorn auf, ummantelt von einer Landschaft aus Vulkanspalten. Und in meinem Herzen ein Felsblock aus Scham, eine sture Verzweiflung über den Verlust unserer Familie. Das Magma floss in mich hinein und wurde hart.

***

So sah es in der Tiefe aus. Deshalb lebte ich an der Oberfläche und humpelte dort herum, so gut ich konnte. Die Oberfläche war mir gerade recht. Schulische Kudos, Gedichte, mit ein paar Freunden durch die Landschaft wandern. Wir ahmten unsere älteren Geschwister nach, saßen im Schneidersitz um einen knisternden Plattenspieler, auf dem Van Morrison und Creedence Clearwater lief, in einer Vase brannte ein Räucherstäbchen. Ich pinnte ein Indien-Tuch an die Wand über meinem Bett und klaute auf dem Jahrmarkt zwei bunte Glühbirnen: blau oder orange, je nach Stimmungslage.

Scheiß auf die Eltern, scheiß auf die Haut, gib mir eine Selbstgedrehte und ein Glas Ale.

Unsere Stadt wuchs mir ans Herz.