Ein Flirt in der Praxis - Patricia Vandenberg - E-Book

Ein Flirt in der Praxis E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. »Und dann hat diese Brandhorst doch glatt das Schaufenster vermessen!« Tatjana Bohde schnaubte noch immer vor Wut, als sie an diese Szene dachte. »Die tut gerade so, als wäre das alles schon beschlossene Sache.« Danny Nordens sehbehinderte Freundin war so zornig, dass sie über ihrer Wut sogar vergaß zu essen. Dabei hatte sich Lenni an diesem Abend besondere Mühe gegeben und nach der Gemüse-Lasagne eine hausgemachte Tiramisu serviert. Während es sich die ganze Familie schmecken ließ, saß Tatjana vor ihrem Teller und starrte düster auf die italienische Leckerei. »Ganz ruhig!«, versuchte Danny, seine Freundin zu beschwichtigen, und hielt ihr einen Löffel Mascarponecreme vor den Mund. »An deiner Stelle würde ich erst einmal mit Frau Bärwald sprechen. Wer weiß, was wirklich hinter dieser ganzen Aktion steckt. Vielleicht agiert Dorothea hinter ihrem Rücken.« »Hab ich schon und tut sie nicht«, erwiderte Tatjana und öffnete unwillig den Mund. Seit sich ihre Chefin, die Bäckerin Hilde Bärwald, um ihre kranke Mutter kümmerte und ihrem Lehrling eine Stellvertreterin an die Seite gestellt hatte, lief nichts mehr so, wie es sollte. Eigenmächtig hatte Dorothea das ganze Sortiment umgestellt und sorgte mit tiefgekühlten Fertigprodukten für Unwillen bei den von Tatjana verwöhnten Kunden. So war es nicht weiter verwunderlich, dass die Geschäfte immer schlechter liefen, bis Frau Bärwald offenbar Panik bekommen und die Notbremse gezogen hatte. »Ich hab heute Nachmittag mit Hilde Bärwald telefoniert«, erwiderte Tatjana. Fee, die der Geschichte aufmerksam gelauscht hatte, blickte interessiert über den Tisch. »Und?

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Seitenzahl: 110

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Bestseller – 384 –Ein Flirt in der Praxis

Dann kam Rivalität ins Spiel

Patricia Vandenberg

»Und dann hat diese Brandhorst doch glatt das Schaufenster vermessen!« Tatjana Bohde schnaubte noch immer vor Wut, als sie an diese Szene dachte. »Die tut gerade so, als wäre das alles schon beschlossene Sache.« Danny Nordens sehbehinderte Freundin war so zornig, dass sie über ihrer Wut sogar vergaß zu essen.

Dabei hatte sich Lenni an diesem Abend besondere Mühe gegeben und nach der Gemüse-Lasagne eine hausgemachte Tiramisu serviert. Während es sich die ganze Familie schmecken ließ, saß Tatjana vor ihrem Teller und starrte düster auf die italienische Leckerei.

»Ganz ruhig!«, versuchte Danny, seine Freundin zu beschwichtigen, und hielt ihr einen Löffel Mascarponecreme vor den Mund. »An deiner Stelle würde ich erst einmal mit Frau Bärwald sprechen. Wer weiß, was wirklich hinter dieser ganzen Aktion steckt. Vielleicht agiert Dorothea hinter ihrem Rücken.«

»Hab ich schon und tut sie nicht«, erwiderte Tatjana und öffnete unwillig den Mund.

Seit sich ihre Chefin, die Bäckerin Hilde Bärwald, um ihre kranke Mutter kümmerte und ihrem Lehrling eine Stellvertreterin an die Seite gestellt hatte, lief nichts mehr so, wie es sollte. Eigenmächtig hatte Dorothea das ganze Sortiment umgestellt und sorgte mit tiefgekühlten Fertigprodukten für Unwillen bei den von Tatjana verwöhnten Kunden. So war es nicht weiter verwunderlich, dass die Geschäfte immer schlechter liefen, bis Frau Bärwald offenbar Panik bekommen und die Notbremse gezogen hatte.

»Ich hab heute Nachmittag mit Hilde Bärwald telefoniert«, erwiderte Tatjana.

Fee, die der Geschichte aufmerksam gelauscht hatte, blickte interessiert über den Tisch.

»Und? Was hat sie gesagt?«

»Dass sie schon über den Verkauf nachdenkt, seit ihre Mutter krank geworden ist.«

»Aber das kann sie doch nicht machen!«, empörte sich Felix, der zweitälteste Sohn der Familie. »Zuerst spitzt sie dich an und stellt dir die Übernahme des Betriebs in Aussicht, wenn du eine Lehre gemacht hast, und dann entscheidet sie sich plötzlich anders. Das ist ungerecht.«

»Das ist weiblich!«, entfuhr es dem jüngsten Sohn der Familie, Janni.

Von seinen Geschlechtsgenossen erntete er zustimmendes Gelächter, während sich seine Zwillingsschwester Dési umgehend mit einem Knuff in seine Seite rächte.

»Weil du so viel Ahnung von Frauen hast«, fauchte sie. »Wer weiß, warum sie so eine Entscheidung treffen muss. Vielleicht braucht sie das Geld, um das Pflegeheim ihrer Mutter zu bezahlen.«

»Alle Achtung!«, lobte Dr. Norden seine jüngste Tochter umgehend für diesen klugen Gedanken. »Das könnte in der Tat so sein.«

»Genau das ist der Grund, warum sie alles verkaufen will«, beendete Tatjana die Spekulationen. Nach dem ersten Bissen von Dannys Löffel hatte sie der Tiramisu doch nicht widerstehen können und leckte den Rest der köstlichen Creme und dem mit Kaffee getränkten Biskuit von ihrer Kuchengabel. Dabei wirkte sie schon ein bisschen zufriedener als noch vor ein paar Minuten. »Das Pflegeheim ist so teuer und die Bäckerei läuft so schlecht, dass sie nicht anders kann, als komplett zu verkaufen. Und so viel Geld habe ich natürlich nicht. Mal abgesehen davon, dass ich ja auch noch gar nicht fertig bin mit meiner Ausbildung und das Geschäft offiziell noch nicht übernehmen darf.«

»Klingt ganz danach, als würde diese Dorothea gemeinsame Sache mit Südost-Backwaren machen«, sinnierte Fee und schob ihren Teller von sich. Sie war pappsatt und rieb sich den wohl gefüllten Bauch.

»Sie soll Filialleiterin werden«, bestätigte Tatjana diesen Verdacht postwendend. »Aber diese Suppe werde ich ihr gründlich versalzen.«

»Was hast du vor?«

»Ich habe Frau Bärwald gesagt, dass sie es für immer bereuen wird, wenn sie die Bäckerei an diese Kette verkauft. Ich habe ihr geschildert, wie ihr geliebtes Café aussehen wird, wenn die Südost-Backwaren erst damit fertig ist.«

»Und? Was hat sie gesagt?«, fragte Anneka gebannt.

Mit Tatjana verband sie eine tiefe Freundschaft und sie litt mit ihrer schwesterlichen Freundin genauso, als wäre sie selbst betroffen.

»Dass sie das alles selbst nicht will, aber keine Wahl hat. Sie hat sogar geweint am Telefon. Aber an allen Ecken und Enden fehlt Geld, und das Angebot der Großbäckerei ist einfach zu verlockend.«

»Das glaube ich auf’s Wort!«, gab Daniel Norden der jungen Frau recht. »Was hast du jetzt vor?««

»Wenn ich das wüsste«, seufzte Tatjana und wirkte ungewöhnlich verzagt.

Normalerweise gab es nichts und niemanden, der die junge Frau, die nach einem Autounfall erblindet war und durch eine Operation ihr Augenlicht nur zum Teil zurückbekommen hatte, aufhalten konnte. Das hatte sie bereits mehrfach und durchaus beeindruckend unter Beweis gestellt.

»Geplant war ja, dass Frau Bärwald Geschäftsführerin bleibt und ich mich als Teilhaberin einkaufe. Das ist auch schon mit meinem Vater besprochen. Er zahlt mir einen Teil meines Erbes aus. Aber das reicht natürlich bei Weitem nicht aus, um das ganze Geschäft zu kaufen.«

Nach dieser trostlosen Botschaft versank die Familie in betroffenes Schweigen. Sogar Felix, der nor­malerweise immer einen frechen Spruch auf den Lippen hatte, schwieg betreten.

Einzig Daniel Norden hatte eine Idee und schickte seiner Frau einen fragenden Blick. Wie so oft verstand sie ihn auch diesmal ohne Worte und gab ihr stummes Einverständnis.

»Wir könnten dir das Geld leih …« Weiter kam er nicht, denn in diesem Moment hob Tatjana lächelnd, aber abwehrend die Hände.

»Das ist sehr lieb von euch, aber das möchte ich nicht.« Sie erläuterte ihre Gründe für diese Entscheidung nicht. Doch nach der eben erst überstandenen Krise zwischen Danny und ihr war das auch gar nicht nötig. Auch so wusste jedes Familienmitglied Bescheid, und keines fragte weiter.

Um das lähmende Schweigen zu unterbrechen, stand Dési schließlich auf und begann, den Tisch abzuräumen. Janni half ihr dabei, froh, sich dieser unangenehmen Situation entziehen zu können. Der Rest der Familie blieb sitzen und dachte angestrengt nach, wie Tatjanas großer Traum doch noch gerettet werden konnte.

Es war schließlich Danny, der die rettende Idee hatte.

»Was haltet ihr davon, wenn wir im Internet ein Crowd Funding starten?«, fragte er und rutschte plötzlich nervös auf seinem Stuhl hin und her.

»Ein was?«, fragte Fee verständnislos und erntete prompt mitleidiges Gelächter ihres Sohnes Felix.

»Ach, Mami, manchmal bist du wirklich süß. Aber du kannst ja nichts dafür, dass du noch aus der guten alten Zeit stammst, in der Neuigkeiten in Steintafeln geritzt wurden.«

»Ich muss doch sehr bitten!«, reklamierte Felicitas, doch ihre Worte gingen im allgemeinen Gelächter unter.

Es war auch Felix, der anschließend eine Erklärung abgab.

»Unter Crowd Funding versteht man einen Aufruf im Internet, um Gelder für die Finanzierung einer Geschäftsidee aufzutreiben. Jeder, der spendet, bekommt später eine Gegenleistung. In Tatjanas Fall wären das zum Beispiel Brötchen, Gebäck oder Torten. Die Höhe des Betrags bleibt jedem selbst überlassen.«

»Allerdings gibt es auch Geldgeber, die nur an der guten Sache interessiert sind und deshalb Geld spenden«, ergänzte Danny die Ausführungen seines Bruders sichtlich aufgekratzt.

Auch seinen Eltern gefiel diese Idee immer besser, je länger sie darüber nachdachten.

»Das kann ich mir im Falle von Tatjanas Backkünsten gut vorstellen. Wir alle würden schon jetzt ungern auf ihre Vanilleschnecken, die Quarkbällchen und Rosinenschiffchen verzichten.« Wenn Daniel Norden nur an all die Leckereien dachte, lief ihm schon das Wasser im Mund zusammen.

In diesem Moment gab es kein Halten mehr für Danny. Er sprang vom Stuhl auf und zog seine Freundin mit sich.

»Komm! Wir setzen uns gleich an Felix’ Computer und entwerfen eine Webseite.«

»Au ja! Ich hab auch schon eine Idee, was wir schreiben könnten!«, rief Janni begeistert, und auch Felix war sofort Feuer und Flamme.

Kopfschüttelnd sahen Daniel und Fee ihren Sprösslingen nach, wie sie wie eine Horde ausgelassener Kinder aus dem Zimmer stürmten. Zufrieden lächelnd legte er seine Hand auf den Oberschenkel seiner Frau.

»Manchmal ist es doch schön, den Kindern die Arbeit zu überlassen und sich entspannt zurückzulehnen. Findest du nicht?«, fragte er und beugte sich über sie, um die günstige Gelegenheit zu nutzen und sie ausgiebig zu küssen.

*

»Vom Binnengebirge der Großen Randstufe bis hin zum Caprivi-Zipfel in der Nähe der Victoria-Fälle … die Weite Namibias offenbart sich dem Touristen, der es wagt, das Land auf einer gruppengeführten Reise oder auf einer Selbstfahrertour zu erkunden«, erklärte der Vortragende Kai Siewert seinen aufmerksamen Zuhörern. Er war am Ende seines Vortrags angelangt und lächelte in die Runde. »Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und stehe selbstverständlich noch für Fragen zu allen von mir bereisten Ländern Afrikas zur Verfügung.« Begleitet vom begeisterten Applaus der Besucher verbeugte er sich ein paar Mal in alle Richtungen.

Dann ging das Licht im Saal an. Geblendet von der plötzlichen Helligkeit hielt Janine Merck die Hände vors Gesicht.

»Fast so blendend, wie ich mir die afrikanische Sonne vorstelle«, scherzte sie und lugte vorsichtig durch die Finger, bis sich ihre Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten.

Ihre Freundin und Kollegin Wendy hingegen saß noch völlig gebannt auf ihrem Stuhl und dachte an die wunderschönen Bilder und den faszinierenden Bericht, die sie gesehen und gehört hatte.

»Herrlich«, schwärmte sie, und die Begeisterung stand ihr ins Gesicht geschrieben. »Wenn ich daran denke, dass Jenny Behnisch das alles schon mit eigenen Augen gesehen hat …«

»Tatsächlich?«, fragte Janine überrascht zurück. Neben, vor und hinter ihnen begann eifriges Stühlerücken, begleitet von angeregten Gesprächen. »Wann war das?«

»Ach, das ist schon eine kleine Ewigkeit her.« Wendy winkte ab und sah Janine dabei zu, wie sie aufstand. Sie selbst machte keine Anstalten zum Aufbruch. »Damals hat sie als Entwicklungshelferin gearbeitet und kann noch heute viele beeindruckende Geschichten erzählen.«

»Also, ehrlich gesagt hab ich jetzt genug über Afrika gehört«, lächelte Janine und sah auffordernd auf ihre Freundin hinab. »Was ist? Willst du hier Wurzeln schlagen oder trinkst du noch irgendwo ein Glas Wein mit mir? Eine Kleinigkeit zu essen wäre auch nicht schlecht.«

Während Wendy ihre Siebensachen zusammensuchte, schüttelte sie ungläubig den Kopf.

»Sag bloß, du könntest nicht auch sofort die Koffer packen und nach Namibia, Äthiopien oder Tansania reisen?«

»Nein, danke!« Janine lachte und hob abwehrend die Hände. »Allein wenn ich an die Hitze und den Staub denke … und dann die fremden Kulturen. Nein, danke, solche Abenteuer sind eindeutig nichts für mich. Die überlasse ich lieber anderen.«

Seite an Seite hatten sich die beiden Frauen in die lange Schlange derer eingereiht, die vor der Tür ins Freie standen.

»Was? Wirklich?« Einen Moment lang schien Wendy regelrecht enttäuscht zu sein. »Dabei hatte ich die Hoffnung, dir mit diesem Vortrag erst recht Appetit zu machen auf ein kleines Abenteuer«, sprach sie ihre Hoffnung laut aus. Erst kürzlich hatte sie das Buch ›Jenseits von Afrika‹ von Tania Blixen gelesen. Obwohl es sich nicht um einen autobiographischen Roman, sondern um eine Mischung aus Realität und Fiktion handelte, hatte sie unbändige Lust darauf bekommen, diesen geheimnisvollen Kontinent selbst einmal zu bereisen. »Immerhin ist Afrika die Wiege der Menschheit«, erklärte sie, als sie hinaustrat in den kühlen Sommerabend und fröstelnd die Jacke enger um sich zog. »Viele Menschen berichten von der magischen Atmosphäre dort.«

»Viele Menschen sind auch fasziniert vom Mond und wollen trotzdem nicht dorthin reisen«, konterte Janine, belustigt über die Vehemenz, mit der Wendy ihren Traum verfolgte. »Was ist denn auf einmal los mit dir? So kenne ich dich ja gar nicht.«

Sie wanderten nebeneinander her die Straße hinunter Richtung Parkplatz, auf dem Janine den Wagen abgestellt hatte. Es war schon dunkel, und ein böiger Wind fegte um die Ecken.

»Ich bin eben nicht halb so langweilig, wie du immer dachtest«, lachte Wendy belustigt auf. »Außerdem darf man ja wohl noch Träume haben. Ich finde, ich hab schon viel zu lange kein Abenteuer mehr erlebt. Und keine Angst: Ich würde ja nicht auf einem Maultier reisen wollen. Eine Pauschalreise würde mich voll und ganz zufrieden stellen.«

Während sie Wendy die Wagentür aufhielt, lachte Janine laut heraus.

»Dann bin ich ja beruhigt«, erklärte sie und setzte sich hinters Steuer. »Wohin willst du denn jetzt gehen?«

»Wie wär’s mit dem Blue Nile?«, fragte Wendy verschmitzt zurück. »Das ist ein kleines äthiopisches Restaurant nicht weit von hier. Es genießt einen ausgezeichneten Ruf …«

Seufzend startete Janine den Motor.

»Du lässt aber auch nicht locker, wenn du dir was einbildest, was?«, fragte sie und programmierte das Navigationsgerät mit der Adresse, die Wendy ihr diktierte.

Dann fuhren sie los, um den schönen Abend bei einem Glas Honigwein und einer typisch afrikanischen Mahlzeit ausklingen zu lassen. In der malerischen Umgebung des äthiopischen Restaurants konnte Wendy sich zumindest eine Weile einbilden, sich inmitten eines richtigen Abenteuers zu befinden, ehe sie am nächsten Morgen wieder brav in die Praxis Dr. Norden gehen würde, um dort zuverlässig und freundlich wie immer ihre Arbeit zu verrichten.

*

Nachdem sie die Webseite erfolgreich erstellt und ins Internet gestellt hatten, waren Danny und Tatjana nach Hause gefahren. Es war schon spät. Trotzdem zog sich der junge Arzt noch an den Schreibtisch zurück. Seit einer Weile schrieb er an seiner Doktorarbeit, während sich Tatjana auf ihre Gesellenprüfung vorbereitete. Statt ins Bett zu gehen, verschwand auch sie daher noch einmal in der Küche. Die Aussicht darauf, die Bäckerei doch weiterführen zu können, gab ihrer Kreativität neuen Auftrieb. Sie hatte eine Idee gehabt, die sie sofort in die Tat umsetzen wollte, und schon bald zog ein verführerischer Duft durch die ganze Wohnung.

»Hmmm, diese Maulwurf-Muffins mit dem Himbeer-Quark-Kern sind ja nicht schlecht. Aber irgendwie nicht raffiniert genug«, murmelte sie vor sich hin, als sie einen Bissen von ihrer neuesten Kreation genommen hatte. »Außerdem krümelt der Teig zu sehr. Vielleicht sollte ich eine andere Mehlsorte verwenden.«