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Ein gestohlener bester Freund – es scheint, als gäbe es endlich eine Wende in dem momentan wirklich sterbenslangweiligen Leben von Stallkater Luzifer. Denn Merlin muss in jedem Fall wiedergefunden werden, schließlich schläft Luzifer jede Nacht auf ihm und seinen Schlafplatz lässt sich kein Kater einfach so stehlen. Kurzentschlossen übernimmt Luzifer den "Fall Merlin" und beschließt, seinen besten Freund zu suchen. Schließlich wartet er schon lange auf eine Gelegenheit, seine beispiellosen detektivischen Fähigkeiten, die der Kater sich beim Hören vieler Kriminalhörspiele angeeignet hat, auch in der Praxis zu testen. Kann ja nicht so schwer sein, mit Luzifers detektivischem Talent seinen Freund Merlin wieder zu finden. Schließlich hat er bei seinem großen Vorbild Sherlock Holmes gelernt und wenn einer weiß, wie man einen Kriminalfall löst, dann er. Warum sollte Luzifer das nicht auch gelingen? Allerdings verlaufen Spurensuche, Nachforschungen und Untersuchungen dann doch etwas anders als Luzifer sich vorgestellt hat. Katzen können nicht wie Menschen ermitteln, das wird ihm schnell klar und so entwickelt Luzifer seine ganz eigenen Strategien. Wie gut, dass ihm dabei Angel, die Nachbarskatze, als Watson treu zur Seite steht, ihn unterstützt und zu Luzifers Leidwesen so manch gute Idee und jede Menge Blödsinn im Kopf hat. Werden sie es gemeinsam schaffen, Merlin wieder zu finden und ihn nach Hause zurück zu bringen?
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Seitenzahl: 227
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Christiane Siegert
Ein Kriminalfall für Luzifer
Ein Katzenroman
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vom Wunsch Detektiv zu sein
Der Hörspielabend
Luzifers Schlafplatz
Abends im Stall
Der nächste Morgen
Luzifer denkt nach
Mangelnder Hafer?
Mörder!?
Der Eindringling
Angel
Der nächste Morgen
Was jetzt?
Was Miriam zu erzählen weiß
Ermittlungen bei Nacht
Ein neuer Tag
Die Suche nach Zeugen
Kann die Polizei helfen?
Hektor hilft
Die Lösung
Im Wald
Miriam muss helfen
Happy End
Impressum neobooks
Luzifer saßauf dem dicken Ast seiner Lieblingseiche und schaute auf sein Reich. Vor ihm lag sein Parkplatz, den er den Menschen großzügig zur Verfügung stellte, schließlich hatte er kein Auto. Dahinter stand das langgestreckte Stallgebäude, direkt daneben die Reithalle. Etwas abgelegen davon stand Jochens Haus, der immer behauptete, der Reiterhof würde ihm gehören, aber Luzifer wusste es besser.
Sein Zuhause wurde zur rechten Seite hin vom Wald begrenzt. Den mochte der Kater gar nicht, weil es da tagsüber immer ein bisschen unheimlich war und nachts ging Luzifer da schon gar nicht hin. Das allerdings hätte er niemals offen zugegeben.
Hinter seinem Aussichtsplatz lag die Bundesstraße, die das Gelände des Reiterhofs und den Wald begrenzte, und vor ihm lagen Wiesen und Weiden für die Pferde. Ja, alles hatte seine Ordnung, leider. Der Kater seufzte tief. Ihm war langweilig. Schuld daran war die Jahreszeit, denn die wollte dieses Jahr so gar nicht Luzifers Vorstellungen entsprechen. Eigentlich hatten sie Winter, nur fehlte davon zur Zeit noch jede Spur und der Kater konnte sich für das momentan anhaltenden nasse und feuchte Wetter absolut nicht begeistern.
Die Mäuse waren bei dem Regen vermutlich alle ertrunken, hier draußen hatte Luzifer jedenfalls schon lange keine mehr gesehen und anstatt wie letztes Jahr im Schnee toben und"Alle-suchen-Luzifer"spielen zu können, musste er jetzt aufpassen, nicht im Matsch zu versinken.
Wieder einmal verfluchte der Kater sein zu ruhiges Leben und war froh, dass heute wieder Mittwoch war. Dieser Tag bot ihm im Moment die einzige Abwechslung, denn jeden Mittwochabend konnte er in der Sattelkammer dank zweier hörspielbegeisterter Reiterinnen seine geliebten Kriminal-Hörspiele verfolgen. In denen passierte immer etwas und Luzifer konnte sich vorstellen, wie er, der große Detektivkater, mit seinem Lieblingsdetektiv Sherlock Holmes höchstpersönlich die heißesten Kriminalfälle löste und so gleichzeitig seine detektivischen Fähigkeiten schulte.
Es begann, wieder einmal, zu regnen. Luzifer beschloss, bevor er, wieder einmal, nass werden würde, den Heimweg anzutreten und bei Merlin, seinem besten Freund, den Rest des Tages zu verbringen. Theoretisch war es nicht weit, er musste nur den Baum runter,über den Parkplatz und schon wäre er im Stall. Aber Luzifer wollte ein bisschen Abwechslung in sein Leben zu bringen. Eine kleine Trainingseinheit, nichts Spektakuläres, die dennoch seine detektivischen Fähigkeiten trainieren würde. Ein kurzer Blick zum Stall hinüber und Luzifer entwickelte einen Plan. Anschleichen würde er sich, heimlich und unbemerkt, wie sein großes Detektiv-Vorbild.
Mit diesem Vorsatz sprang der Kater von seinem Baum und machte sich auf den Weg. Auf leisen Pfoten pirschte sich Luzifer an sein Ziel heran, nutze das Gebüsch am Rand der Hofeinfahrt als Tarnung und ignorierte dabei, dass die Büsche im Winter keine Blätter hatten. Vorsichtig spähte er zwischen denÄsten in Richtung Stalltür. Ahhh, da kam Tonja und wollte zu ihrem Auto. Bewegungslos verharrte Luzifer und wartete ab, bis er sicher war, dass Tonja in ihrem Auto saßund ihn weder gesehen hatte noch jetzt sehen konnte. Freie Bahn. Luzifer schlich weiter, erreichte die Stalltür, drückte sich daran vorbei, hörte jemanden kommen und huschte hinter einen Heuballen. Bewegungslos verharrte der Kater, bis die Schritte verklungen waren. Bevor er sein Versteck verlies, beobachtete er die Stallgasse ganz genau. Erst als Luzifer sicher war, dass niemand mehr kam, lief er auf Zehenspitzen zu Merlins Box und huschte hinein. Geschafft!
Mit einem Brummeln begrüßte Merlin den patschnassen Kater. "Pscht, nicht so laut, du machst meine ganz Tarnung zunichte!", flüsterte Luzifer und schüttelte sich ausgiebig. Merlin beäugte Luzifer nachdenklich von allen Seiten, ignorierte tapfer, dass der Kater ihm Wasser in die Nüstern spritzte und meinte dann: "Tarnung? Müsstest du dann nicht schwarz sein oder rasengrün oder wenigstens eine Brille tragen?" Luzifer war beleidigt. Merlin hatte keine Vorstellung, was er geleistet hatte. Höchste Zeit, dass er Merlin darüber aufklärte. "Ich bin den ganzen Weg von der Hofeinfahrt bis in deine Box geschlichen, ohne dass mich jemand bemerkt hat! Durch die Büsche hab' ich mich gequetscht, hinter Heuballen musste ich mich verstecken. Als Detektiv würde ich mich super machen." Stolz warf Luzifer sich in die Brust. Einen Kater wie ihn gab es kein zweites Mal!
Merlin wuschelte seinem Freund mit dem Maul durchs Fell. "Ein sehr nasser Detektiv", stellte Merlin fest. "Du wärest vermutlich trocken geblieben, wenn du gerannt wärest statt zu schleichen. Dir muss echt langweilig sein, wenn du freiwillig nass wirst."
"Da sagst du was!", stimmte Luzifer aus vollem Herzen zu um gleich darauf zu protestieren: "Das Nass ist eklig und es wird nicht besser, wenn du auch noch mit deinem Maul darin rumfuhrwerkst. Hör auf!"
Während der Kater sich putzte jammerte er noch ein wenigüber das schlechte Wetter und seine Langeweile im Allgemeinen. Merlin hörte ihm geduldig zu und bemitleidete ihn. Danach fühlte Luzifer sich sehr getröstet. Er suchte seinen Lieblingsschlafplatz auf, hielt ein ausgiebiges Nickerchen und träumte von seinen Abenteuern als Katerdetektiv.
Gerade noch rechtzeitig wurde Luzifer wach um seinen Hörspielabend nicht zu verpassen und vorher noch ein paar Vorbereitungen treffen zu können. Um ehrlich zu sein, war es Merlin, der Luzifer mit sanftem Anprusten weckte. Das Pferd wusste genau, dass Luzifer es sich nie verziehen hätte, wäre ihm sein Hörspielabend entgangen.
Luzifer war Merlin für das Wachprustenäußerst dankbar und machte sich sofort auf den Weg. Ganz leise schlich er aus der Box heraus zur Sattelkammer, quetschte sich in den Türrahmen und schaute um die Ecke um zu prüfen, ob jemand bereits in der Sattelkammer war. Für diesen Fall trat Plan B in Kraft und Luzifer würde sich hinter der Tür zur Sattelkammer verstecken. Doch zu Luzifers Enttäuschung war das heute nicht nötig. Noch war niemand da.Überhaupt war es heute verdächtig ruhig im Stall.
Wenn eh niemand da ist, kann ich mir das Schleichen auch sparen,überlegte Luzifer sich und betrat die Sattelkammer. Vom Boden sprang er auf einen Putzkasten, von da auf einen kleinen Sattelschrank und von da aus auf seinen Stammplatz, einen hohen alten Holzschrank. Irgendwer hatte Luzifer mal eine alte Pferdedecke dorthin gelegt und die rückte der Kater sich jetzt zurecht. Denn heute Abend sollte es so aussehen, als ob er gar nicht da wäre. Ein guter Detektiv musste schließlichüber die Fähigkeit verfügen, bei Bedarf die perfekte Deckung zu finden. Zuerst schob er die Decke mit den Pfoten so hin, dass ein Wulst entstand, hinter dem er nicht zu sehen war. Das war ganz schön anstrengend, da Luzifer versuchte, mit den Vorderpfoten die Decke zusammenzuschieben, mit den Hinterpfoten aber auf der Decke stand und sich so selbst im Weg war. In seinem Eifer bemerkte er es jedoch nicht.
Ärgerlich zerrte er an der Decke, was sich jedoch als fataler Fehler herausstellte. Die Decke rutschte und Luzifers Hinterbeine rutschten mit. Zweimal direkt hintereinander verlor er beinahe das Gleichgewicht und wäre vom Schrank gefallen, hätte er sich nicht in letzter Sekunde mit den Vorderpfoten festkrallen können. Mühsam hangelte er sich wieder auf den Schrank, nicht bereit, sich geschlagen zu geben und werkelte so lange weiter, bis der Wulst der Decke ungefähr seinen Vorstellungen entsprach.
Die Zeit drängte, bald würden Britta und Stefanie kommen. Luzifer testete sein Versteck. Zuerst hockte er sich hin und stellte fest, dass er die Sattelkammer noch im Blick hatte. Folglich konnten auch ihn noch alle sehen, genau das aber wollte Luzifer vermeiden. Zweiter Versuch: Luzifer legte sich auf die Seite, drückte den Kopf in die Decke und schielte nach oben. Sehr gut. Wenn er sich ganz flach hinlegte, konnte er nichts mehr sehen. Dass von unten jeder, der einen Blick auf den Schrank warf, ein weißes Katzenohrüber den Wulst schauen sah, konnte Luzifer schließlich nicht ahnen.
Jetzt, beschloss er, brauche ich nur noch eine Höhle. Zum Glück war die Decke bei Luzifers Gewerkel und Gezerre so verrutscht, dass bereits eine Ecke umgeklappt war. Vorsichtig pfotelte Luzifer die Ecke nach oben, schob seine Schnauze unter die Decke und arbeitete sich weiter vor, bis der ganze Kater verschwunden war. Jetzt konnte ihn wirklich niemand mehr sehen.
"Ja wo ist denn Luzifer?", hörte Luzifer die verwundert klingende Stimme von Britta. Luzifer war begeistert. Es war ihm gelungen, sich unsichtbar zu machen, Sherlock Holmes wäre stolz auf ihn. "Der kommt bestimmt noch, er hat noch nie einen unserer Hörspielabende verpasst", meinte Stefanie. Schranktüren wurden geöffnet und Luzifer hörte, wie die beiden ihre Sättel aus den Sattelschränken holten. Britta stellte klappernd die Boxen für ihr Smartphone auf und fragte: "Was hören wir heute?"
Stefanie war sich nicht ganz sicher undüberlegte. "Ich weißnicht, such dir einfach was aus. Hauptsache spannend!" Britta stöpselte ihr Smartphone ein, rückte die Lautsprecher zurecht und meinte: "Ich stell auf"random"und wir hören das Hörspiel, das mein Smartphone aussucht."
"Aber wenn wir das Hörspiel schon kennen, suchen wir uns ein neues aus", verlangte Stefanie.
Luzifer konnte nicht sehen, dass Britta zustimmend nickte. Das wurde ihm in diesem Moment auch klar und erärgerte sich, dass sein Versteck doch nicht so gut war, wie er gedacht hatte. Nächste Woche, so nahm der Kater sich vor, musste er die Decke so zusammen schieben, dass er zwar sehen, aber nicht gesehen werden konnte.
Endlich ging es los. Gespannt lag Luzifer unter seiner Decke und lauschte. Worum würde es dieses Mal gehen? Mord? Totschlag? Wurde jemand vergiftet?
Der Erzähler begann mit der Einführung in das Hörspiel. Eine Frau war tot in ihrem Schlafzimmer aufgefunden worden. Die Tür von innen verschlossen, das Fenster ebenfalls von innen verriegelt. Keinerleiäußere Anzeichen von Gewalt. Die Polizei tippte auf Selbstmord.
An dieser Stelle war Luzifer schon lange klar gewesen, dass es natürlich kein Selbstmord gewesen war, nein der Frau war das Leben genommen worden. Aber wie?
Der Detektiv in dem Hörspiel bekam von dem Ex-Ehemann der Frau den Auftrag, diesen Fall zu lösen und machte sich auf den Weg zum Tatort um vor Ort die Ermittlungen aufzunehmen.
Pah, Anfänger, dachte sich Luzifer als der Detektiv endlich im Haus des Mordes angekommen war und erstmal die dämlichen Standard-Frage abspulte: Wer war ermordet worden? Gab es irgendwelche Feinde? Gab es eine Tatwaffe? Wo war der Mord begangen worden? Luzifer dagegen war schon mitten in seinen Ermittlungen.
Der Katerüberlegte bereits, was erüber den Fall wusste, während der Detektiv noch im Dunklen stocherte. Wie hätte Luzifer den Fall lösen können? Dem Kater fiel ein, dass er sich ja, da er eine Katze war, in der Todesnacht unter dem Bett der Frau hätte verstecken können. Dann wüsste er jetzt ganz genau, was der Frau zugestoßen war. Aber das ging nicht mehr. Schade. Bedauernd, dass seine Idee nicht realisierbar war, wandte Luzifer seine Aufmerksamkeit wieder dem Hörspiel zu. Der Detektiv war gerade damit beschäftigt, nach Spuren zu suchen. Luzifer spitzte die Ohren. Das war wichtig. So bekam Luzifer zusätzliche Informationen. Wenn er alles richtig kombinierte, würde er den Fall vor der Auflösung im Hörspiel lösen können. Und tatsächlich, Luzifers konzentriertes Zuhören wurde belohnt.
Der Detektiv fand was der Polizei entgangen war: Zwei kleine Löcher am Handgelenk, winzigklein. Sofort kombinierte Luzifer, dass es sich um zwei Einstichlöcher handelte. Sie konnten von einem Vampir, einer Spritze oder etwas ganz anderem kommen. Eine von Luzifers Vermutungen wurde sofort von dem Detektiv bestätigt, auch dieser tippte zunächst auf eine Spritze. Luzifer freute sich, dass er dem Detektiv voraus gewesen war. Der vermutete, dass der Frau mit der Spritze ein schnell wirkendes Gift verabreicht worden war. Das hatte auch Luzifer in Betracht gezogen. Der Vampir war nur seine erste Idee gewesen und keine gute, wie der Kater sich offen eingestand. Außerdem bissen Vampire immer in den Hals, das wusste schließlich jedes Kind und viel wichtiger: Es gab gar keine Vampire!
Nein, Gift hatte die Frau getötet, das war klar. Aber wieso zwei Einstichlöcher? , fragte sich Luzifer. Dieses Problem hatte auch der Detektiv im Hörspiel.
Der Katerüberlegte angestrengt. Vielleicht wollte der Mörder sicher gehen und hat zweimal zugestochen, weil die Spritze sich beim ersten Versuch aus irgendeinem Grund nicht vollständig geleert hatte?
Luzifer beschloss, diese Theorie im Hinterkopf zu behalten, bis er sie aufgrund von weiteren Indizien bestätigen konnte oder verwerfen musste.
Luzifer ermittelte weiter und beschäftigte sich als nächstes mit dem Problem, wie der Mörder das Zimmer von innen verschließen und es dann hatte verlassen können. Für einen kurzen Moment war Luzifer sich sicher, dass der Mörder doch durch das Fenster geflohen war, hörte dann aber wie der Detektiv erklärte, das Zimmer der Toten läge im zweiten Stock und es gäbe keine Spuren im darunter liegenden Blumenbeet. Luzifer war ratlos. Was war die Lösung?
Das Hörspiel ging weiter. Ein zweiter Mord passierte, dieses Mal war es die Putzfrau. Sie hatte den Auftrag erhalten, das Zimmer aufzuräumen, nachdem die Leiche der Frau fortgebracht worden war. Es gelang der Putzfrau allerdings noch, "Ssschh" zu flüstern, ehe sie in den Armen des Detektivs verstarb. Auch bei ihr fand man die Löcher, dieses Mal im Bein. Im Bein,überlegte Luzifer, Löcher? "Sssch"? Da lag die Lösung, er wusste es. In diesen vier Wörtern. Sein Gehirn arbeitete auf Hochtouren, mit Erfolg.
Na klar, die Lösung lag doch auf der Hand. Der Detektiv rätselte noch immer, doch Luzifer war sich sicher: Eine Schlange hatte die beiden Frauen getötet und die Schlange versteckte sich unter dem Bett. Vermutlich war die Hand der Frau nachts aus dem Bett gerutscht, die Schlange hatte das als Angriff gesehen und zugebissen. Die Putzfrau hatte vermutlich das Bett frisch bezogen und die Schlage erneut aufgeschreckt, die wieder zugebissen hatte. Das war die einzige Erklärung, warum die Löcher bei der Putzfrau im Bein gefunden worden waren und bei der ersten Toten im Handgelenk. Eine Schlange erklärte auch die verschlossene Tür und alle anderen Probleme. Vermutlich war das Tier durch einen Lüftungsschacht oder eine Klimaanlage in das Zimmer gekommen. Ein ganz dummer Zufall, schlussfolgerte Luzifer. Beide Frauen waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.
War doch ganz einfach, lobte sich Luzifer und vergaßdabei, dass er an eine Geschichte von Sherlock Holmes hatte denken müssen, die enge Parallelen zu diesem Fall aufwies. Luzifer hatte indirekt also Hilfe gehabt.
Stolz wartete der Kater jetzt auf das Ende und tatsächlich, mit der Schlange hatte Luzifer recht gehabt. Allerdings war er davon ausgegangen, dass der Mord kein Mord gewesen war, sondern beide Frauen nur aus Zufall getötet worden waren. Der Detektiv allerdings löste den Fall, indem er den Gärtner der Tatüberführen konnte. Der Grund war eine Affäre gewesen, die die Frau hatte beenden wollen. Der Gärtner aber war dagegen gewesen und war, als die Frau sich nicht umstimmen lassen wollte, bis zumÄußersten gegangen.
Ein bisschenärgerte Luzifer sich, dass er den Fall nicht ganz hatte lösen können, aber er war sehr zufrieden, dass er das mit der Schlange vor dem Detektiv gewusst hatte.
Fast wollte der Kater schon aufspringen und seinen Platz verlassen um zu Merlin zurück zu gehen, als ihm klar wurde, dass Stefanie und Britta noch da waren. Die beiden räumten gerade auf und unterhielten sich. "Man, das war aber spannend", meinte Britta.
"Ja", sagte Stefanie, "total. Nur Luzifer hat gefehlt."
"Das glaube ich nicht. Er hat sich irgendwo hier versteckt. Der Kleine wird immer besser. Eines Tages wird noch ein Detektiv aus ihm." Lachend verließen die beiden die Sattelkammer und knipsten das Licht aus. Freie Bahn! Luzifer lief schnurstracks zu Merlin, der schon auf ihn wartete. "Wie war's?", wollte Merlin wissen.
"Ui", antwortete Luzifer, "total spannend!" Er erzählte Merlin den Fall, legte ihm seineÜberlegungen und die des Detektivs dar und berichteteüber den Ausgang. "Das hast du aber gut gemacht", meinte Merlin.
"Find ich auch", sagte Luzifer selbstgefällig. "Warum kann nicht morgen schon wieder Mittwoch sein?" Merlin legte den Kopf schief und schüttelte seine dicke blonde Mähne. "Das würde dir dann auf Dauer auch langweilig werden." Da musste Luzifer ihm zustimmen.
"So kleiner Kater", meinte Merlin, "Schlafenszeit?"
"Schlafenszeit", bestätigte Luzifer. Merlin drehte sein Hinterteil zur Futterkrippe und Luzifer nutzte die Gelegenheit, sich zur Nachtruhe zu begeben.
"Luzifer, nicht schon wieder! Komm da raus!", rief Miriam empört. Sie stand vor ihrem Pferd und musterte mit missbilligendem Blick das Hinterteil von Merlin. Unter dessen Decke wölbte sich eine Kugel. Luzifer hatte es sich mal wieder bequem gemacht. "Warum muss er sich ausgerechnet Merlin aussuchen?", wandte sie sich fragend an ihre Freundin Maja, die ebenfalls neugierig in Merlins Box getreten war. "Naja, es handelt sich eben um einen besonderen Kater", erklärte Maja, "normale Stallkater oder -katzen hat schließlich jeder. Aber welcher Reitstall hat schon einen Kater, der als besten Freund ein Pferd hat, nachts auf dessen Rücken schläft und jeden Mittwoch in der Sattelkammer Detektivgeschichten mithört? Auch wenn Luzifer wohl glaubt, dass ihn auf seinem Schrank keiner sieht." Miriam musste grinsen. Luzifer war wirklich ein spezieller Kater. Jeden Mittwoch amüsierten sich die Reiter aufs Neue, wenn Luzifer kurz vor 18.00 Uhr mit völlig unbeteiligtem Gesicht in die Sattelkammer schlich, jeden, der ihm begegnete völlig ignorierte und dann auf seinen Schrank sprang. Gestern war es wieder soweit gewesen. Der halbe Stall hatte sich in der Box gegenüber der Sattelkammer versteckt um Luzifer zu beobachten. Britta und Stefanie hatten anschließend absolutüberzeugend ihre "Wo-steckt-bloß-Luzifer?"-Nummer abgezogen, um den Kater auf gar keinen Fall zu enttäuschen.
"Kennst du schon seine neuste Geschichte?", fragte Miriam Maja. Als die den Kopf schüttelte, erzählte Miriam: "Gestern Morgen saßer patschnass im Gebüsch und hat dort gewartet, bis Tonja in ihr Auto gestiegen ist. Luzifer hat wohl gerade geübt, nicht gesehen zu werden." Maja fing bei dieser Vorstellung an zu lachen. Sie konnte sich bildlich vorstellen, wie Luzifer bei Regen im Gebüsch gesessen und gewartet hatte. Es wäre egal gewesen, wie lange Tonja gebraucht hätte, Luzifer wäre nicht eher zum Stall gegangen, bis sie weggefahren wäre. Da kannte der Kater nichts.
Miriam kam ein Gedanke: Ob Luzifer sich auch unter Merlins Decke versteckte, weil er dachte, dort würde ihn keine sehen? Sie musterte gemeinsam mit Maja nachdenklich den Deckenhügel. "Was jetzt?", fragte Miriam ratlos.
"SchmeißLuzifer einfach runter", schlug Maja vor. Entsetzt schüttelte Miriam den Kopf. "Das letzte Mal als ich das gemacht habe, hatte Merlin drei dicke Kratzer auf'm Poppes und war stinksauer auf mich. Das mache ich nie wieder." Maja grinste und meinte: "Nimm das doch nicht so persönlich." Nicht persönlich nehmen, Maja hatte da gut reden. Miriam mochte es, wenn sie in den Stall kam und Merlin ihr aus seiner Box zuwieherte. Wenn das Pferd aber beleidigt war, drehte es sein Hinterteil zur Boxentür, drückte dagegen und Miriam kam gar nicht erst in die Box rein.
Miriam fing ihre abschweifenden Gedanken wieder ein und wandte sich erneut ihrem eigentlichen Problem zu und das hieß"Kater unter Pferdedecke".
"Ob es wohl Decken mit eingebauter Katzenkuhle gibt?",überlegte Miriam laut, "oder heißt es "eingenähter"? Dann würde die Decke nicht immer so ausbeulen."
"Egal ob "eingenäht" oder "eingebaut" für Luzifer kommt eh nur eine "Katerkuhle" in Frage", wendete Maja ein, "aber was ich eigentlich sagen wollte: So eine Decke mit Katerkuhle wäre eine Sonderanfertigung und somit sauteuer. Du und Luzifer werdet weiterhin mit Decke ohne Kuhle leben müssen." Miriam grinste und wendete sich dem Deckenhügel zu. Vielleicht würde Luzifer sich bequemen, von Merlin herabzusteigen, wenn sie ein bisschen Süssholz raspelte. Darauf stand der Kater. In Gedanken formulierte Miriam ihren Satz,überdachte ihn noch einmal und sagte dann: "Luzifer, hättest du bitte die Güte, unter Merlins Decke hervorzukommen und vor allem von ihm runter? Wir würden gerne ausreiten."
Unter der Decke hatte Luzifer bereits zu Beginn des Gesprächs seine Ohren gespitzt und Miriam interessiert und zufrieden zugehört. Miriam wusste einfach, wie ein Kater von Luzifers Stand gerne behandelt wurde. Tatsächlich dachte er darüber nach, sein lauschiges Plätzchen zu verlassen, aber ein bisschen würde er Miriam noch zappeln lassen. Auf die erste Aufforderung zu reagieren, welche Katze machte das schon? Miriam streichelte den Deckenhügel und redete bewundernd weiter. "Wie schaffst du es nur immer, da drunter zu kommen? Ist eine großartige Leistung von dir. Und warum immer Merlin? Der gefällt dir, oder?"
Luzifer dachte bei sich, dass er beide Fragen leicht beantworten könne, aber dass bekanntlich Katzen, speziell natürlich Kater, ihre Geheimnisse niemals verrieten und auch bei so netten Personen wie Miriam nur selten eine Ausnahme machten.
Aber eigentlich,überlegte er, könnte ich das ruhig machen und eine von Miriams Fragen beantworten. Schließlich versteht sie mich ohnehin nicht.
Die Lösung war ganz einfach: Für Luzifer hatte Merlin einfach die perfekte Größe. Alle anderen Pferde im Stall waren für den Kater einfach zu hoch, er hatte das ausreichend und mit nicht wenigen Misserfolgen getestet. Nur bei Merlin konnte Luzifer vom Futtertrog bequem auf den Rücken des Haflingers springen und unter die Decke krabbeln. Wie Luzifer es allerdings schaffte, unter die Decke zu krabbeln, das würde er niemals irgendjemandem sagen oder zeigen, das stand fest.
Luzifer bewegte sich unter der Decke und beschloss, dass Miriam heute Glück hatte. Er musste sowieso mal wohin, also durfte sie auch ausreiten.Über Merlins Schweifansatz kam unter der Decke zuerst ein rosa Näschen mit prächtigem Schnurrbart hervor, dann ein dicker, schneeweißer Katerkopf mit zwei bernsteinfarbenen Augen, es folgten die Brust und Vorderbeine, ebenfalls schneeweiß. Merlin drehte sein Hinterteil zum Futtertrog, Luzifer stieg würdevoll hinein, sprang von dort auf den Boden und marschierte mit hoch erhobenem Puschel-Schwanz, selbstverständlich auch schneeweiß, in Richtung Stalltür und hinaus. Lange brauchte er für den Weg nicht, denn das Stallgebäude beherbergte nur 25 Pferde und Merlin stand in der vierten Box auf der rechten Seite.
Miriam atmete auf. So leicht war es nicht immer, Luzifer davon zuüberzeugen, ihr Merlin zuüberlassen. Maja schaute dem Kater nach, wie er als weißer Punktüber die matschigen Wiesen hüpfte undüberlegte laut: "Wenn es dieses Jahr noch schneit, müssen wir ihn bunt anmalen oder er bekommt ein Leuchthalsband. Den Mist wie im letzten Jahr mach ich nicht nochmal mit."
"Lass ihn das bloßnicht hören, sonst ist er sauer. Von wegen Halsband", antwortete Miriam. Maja schüttelte missbilligend den Kopf. Miriam tat immer so, als würden Tiere verstehen, was die Menschen sagten. Deshalb redete sie auch so viel mit ihrem Merlin und hatte Luzifer quasi adoptiert als der Kater angefangen hatte, bei Merlin in der Box zuübernachten. Mit so einer Gefühlsduselei konnte Maja nichts anfangen, deshalb meinte sie: "Ach, das versteht er doch eh nicht."
Miriam ging auf diesen Kommentar nicht ein. Was Tiere und das Verständnis für sie betraf, waren Maja und sie einfach zu unterschiedlicher Meinung. Luzifer und ein Halsband? Wie stellte Maja sich das vor? Er würde das als persönliche Beleidigung auffassen, dessen war Miriam sich sicher. Aber was machte sie sichüberhaupt Gedankenüber ungelegte Eier? Wenn das Wetter so blieb, würde niemand Luzifer im Schnee suchen müssen. Bei Temperaturen um 18 Grad bestand dafür absolut keine Gefahr.
"Wenn sich das Wetter in den nächsten paar Tagen nichtändert, wird's mal wieder nichts mit "Weiße Weihnacht"", seufzte Miriam und wechselte damit das Thema. Maja bestätigte das bedauernd und ging zu ihrer Stute um sie zum Putzen zu holen. "Wir treffen uns gleich am Putzplatz", rief Maja Miriam zu, bevor sie in der Box ihrer Stute verschwand. Miriam griff nach Merlins Halfter, dass an der Box hing, betrat die Box und zog das Halfter dem Pferdüber. Dannöffnete sie die Boxentür und führte Merlin zum Putzplatz. Dort band sie ihn fest und meinte: "Na dann auf Merlin, lass dich mal schön machen. Viel Zeit haben wir ja nicht mehr, sonst kannst du nicht pünktlich als Nachtlager dienen." Während des Putzens stand Merlin ganz still und genoss es, gestriegelt zu werden.
