Miyaca - Christiane Siegert - E-Book

Miyaca E-Book

Christiane Siegert

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Beschreibung

Robert Miller verschlägt es aufgrund einer Autopanne am Abend vor Halloween in das kleine verschlafene Städtchen South Mills. Schnell bemerkt er, dass er dort nicht willkommen ist. Der Besitzer des einzigen Hotels will ihm kein Zimmer geben. Stattdessen wird alles getan, um sein Auto noch am selben Abend zu reparieren, damit Robert South Mills so schnell wie möglich wieder verlassen kann. Doch es ist schon zu spät, die Nacht bricht herein und Robert kann South Mills nicht mehr verlassen. Und so erfährt er von Amy, der Tochter des Hotelbesitzers, in den letzten Stunden vor Mitternacht von Miyaca, einem einst mächtigen indianischen Wolfsgott, von dem Dämon Belphegor und seinem Pakt mit dem weißen Mann. In jeder Halloweennacht muss dieser Pakt erneuert werden, sonst gewinnt Miyaca seine Freiheit zurück. Aber Roberts Anwesenheit in South Mills sorgt dafür, dass dieses Jahr alles anders ist. Und nicht nur in South Mills fällt in dieser Nacht die Wand zwischen den Welten. In New York macht sich Roberts Freundin Beverly zusammen mit Peter auf den Weg zu DER Halloweenparty des Jahres. Was keiner der Gäste auch nur ahnt: Der Gastgeber muss einen Pakt mit Belphegor erfüllen. Die Party nimmt ihren grausamen Lauf. Und während Julian Saint Claire, angestellt beim NYPD und spezialisiert auf übernatürliche Fälle, versucht, die Erfüllung des Paktes zu verhindern, bricht in South Mills die Halloweennacht an. Jahre später zwingt die Geschichte Amy, Robert und Julian, noch einmal nach South Mills zurück zu kehren und Miyaca ein letztes Mal in die Augen zu sehen.

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Seitenzahl: 240

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Christiane Siegert

Miyaca

oder Was passiert, wenn die Wand zwischen den Welten fällt

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Miyaca

Was im >>Dorian<< geschah

Ein Auftrag für Julian Saint Claire

Eine Reise in die Zukunft

Eine Reise in die Vergangenheit

Nachwort der Autorin

Impressum neobooks

Miyaca

Der Nebel war ganz plötzlich aufgekommen. Max sah nur noch eine weiße, leicht vor sich hin wabernde Masse, die klamm und feucht ihre Finger nach ihm ausstreckte. Die Hände vor sich haltend, tastete der junge Mann sich Schritt für Schritt orientierungslos vorwärts. Wo war der Weg? Eben noch hatte er ihn sehen können, hatte das Knirschen von Kies unter seinen Füßen gehört, doch jetzt war seine Umgebung vollkommen stumm und weiß. Max ging weiter, langsam und vorsichtig. Unerwartet stieß sein Fuß gegen etwas. Das Gleichgewicht verlierend fiel der junge Mann der Länge nach hin. Hart prallte sein Kinn auf kalten Stein. Fluchend rieb Max sich die schmerzende Stelle und schmeckte plötzlich Blut in seinem Mund. Er drehte sich auf die Seite, wollte aufstehen, als er erkannte, worüber er gestolpert war. Mit einem Schaudern las er die Inschrift auf dem alten verwitterten Grabstein. Plötzlich glaubte Max, ein seltsames Geräusch zu hören ...

Robert feuerte das Buch >>SpookyHalloween<< wütend auf den Tisch. Diese Geschichte brauchte er nicht zu Ende zu lesen, wie sie ausging, wusste er. Der liebe Max würde gleich auf ein Skelett, wahlweise auch einen Ghoul, auf jeden Fall aber irgendein Wesen treffen, das gerne auf Friedhöfen hauste. Das Monster würde Max natürlich jagen und der würde natürlich das Weite suchen. Am Schluss würde sich selbstverständlich herausstellen, dass es gar kein übernatürliches Wesen, sondern Max' bester Freund gewesen war, der sich verkleidet hatte, um ihm einen kleinen Schrecken einzujagen. Haha, was für ein unerwartetes Ende! Von diesem Buch hatte Robert sich mehr versprochen. >>Es ist wirklich spannend<<, hatte die Verkäuferin ihm versichert. >>Der Autor hat das Gruseln quasi neu erfunden.<< Und Robert hatte das Buch in blindem Vertrauen gekauft. Doch jetzt entpuppte die Geschichte sich als voraussehbar und vollgestopft mit Standard-Horror-Elementen, die bei Robert tödliche Langeweile hervorriefen, anstatt ihn in Spannung zu versetzen. Schade! Seufzend sah er zum Fenster hinaus auf das geschlossene Tor der Autowerkstatt.

Es war Sonntag, der 31. Oktober, und Robert saß mitten im Nirgendwo im Staat New York wegen einer Autopanne fest. Zum Glück hatte er einen Automechaniker gefunden, der bereit gewesen war, seinen Wagen nicht nur abzuschleppen, sondern auch sofort zu reparieren. Allerdings dauerte das schon eine ganze Weile.

Verärgert warf er einen Blick auf die Uhr. Ausgerechnet heute muss die Karre kaputt gehen, schimpfte Robert lautlos vor sich hin. Warum hatte sein Chef nicht irgendwen anderes in diese gottverlassene Gegend geschickt? Dann säße er jetzt nicht hier fest. Wütend schnaubt Robert durch die Nase. Er hatte alles genau geplant, genau durchgerechnet und ja, die Zeit war knapp kalkuliert gewesen. Aber alles hätte mit Sicherheit funktioniert - wenn sein Wagen sich nicht verabschiedet hätte. Robert schaute erneut auf die Uhr. Nein, er konnte seine Halloween-Pläne vergessen. Nach New York City würde er heute nicht mehr kommen. Dabei hatte er sich so auf die Party gefreut - und darauf, sie mit Beverly besuchen zu können.

Der Frau des Automechanikers, die zusammen mit Robert wartete, blieb dessen Unmut nicht verborgen. Der junge Mann tat ihr leid. Schon als sie sein Auto abgeschleppt hatten, war ihr aufgefallen, dass er unter großem zeitlichem Druck zu stehen schien. Aber ihr Mann tat gerade, was er konnte.

In dem Moment blickte Robert zu ihr hinüber. Kurzentschlossen sah sie ihn auffordernd an und winkte ihn zu sich. Robert stand erleichtert auf. Das Buch ließ er liegen, absichtlich. Hoffentlich landete es in der Mülltonne!

>>Mister Miller<<, sagte die Dame freundlich, >>ich rufe jetzt in der Werkstatt an, dann wissen wir mehr. Ist ja kaum mit anzusehen, wie Sie hier auf glühenden Kohlen sitzen.<< Für einen kurzen Moment meldete sich bei Robert das schlechte Gewissen, schließlich hatten der Automechaniker und seine Frau diesen Sonntagnachmittag mit Sicherheit auch anders verbringen wollen.

>>Tut mir leid<<, murmelte er, aber die Frau winkte ab, während sie darauf wartete, dass ihr Mann in der Werkstatt den Hörer abnahm.

Das Telefonat war kurz und offensichtlich hatte ihr Mann Positives zu berichten, denn die Frau legte mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck auf und meinte: >>Ihr Wagen wird gleich gebracht.<< Robert zwang sich zu einem Lächeln. Der Mechaniker hatte sich mit Sicherheit alle Mühe gegeben und es war definitiv nicht seine Schuld, dass Robert seit über vier Stunden hier festsaß. Ohne dessen Hilfe stünde er jetzt immer noch fluchend am Straßenrand.

>>Bezahlen Sie bar oder mit Karte?<<, unterbrach die Dame Roberts Gedanken.

>>Mit Karte bitte<<, sagte Robert nach kurzem Überlegen.

Während er die Geheimzahl eintippte, fragte die Frau neugierig: >>Sie haben heute doch noch etwas vor, oder? Es muss Ihnen sehr wichtig sein.<<

>>Ich hatte etwas vor, ja. Aber ich werde es nicht mehr schaffen<<, sagte Robert und seine Stimmung verdunkelte sich wieder.

Es war ihm dieses Jahr endlich gelungen, zwei Karten für DIE Halloweenparty des Jahres in New York City zu bekommen, aber dank der Panne hatte er keine Chance mehr, die Karten auch einzulösen. Bedauernd schaute die Dame ihn an. >>Das tut mir sehr leid.<<

Und mir erst, dachte Robert. Er seufzte und zuckte mit den Schultern. >>Ist nicht zu ändern und jammern hilft mir jetzt auch nicht weiter. Ich werde zusehen, dass ich heute noch ein paar Meilen gutmache. Mal sehen, wie lange ich durchhalte. Vielleicht fahre ich auch bis New York durch.<<

Ein entsetzter Blick traf Robert. >>Sie wollen doch nicht in der Halloweennacht, in der Nacht, in der die Wand zwischen den Welten fällt und die Toten unter uns wandeln, Auto fahren?<<

Im ersten Moment dachte Robert, sie meine es ernst, doch dann sah er den Schalk in ihren Augen und musste grinsen. Die Dame grinste verschmitzt zurück. >>Kleiner Scherz. Jetzt aber im Ernst: Ich bitte Sie, wenn Sie wirklich weiterfahren wollen, bleiben Sie bei dem Wetter auf dem Highway, egal was passiert. Und suchen Sie sich eine Bleibe, wenn Sie müde werden.<<

Robert blickte zum Fenster hinaus. Zwar war es hier im Gegensatz zu der Geschichte und dem lieben Max auf seinem Friedhof kein bisschen neblig, aber er sah, wie der Wind an den Ästen der Bäume zerrte und die letzten Blätter des Herbstes durch die Gegend wirbelte. Auch das Grau des Himmels sah nicht gerade freundlich aus und versprach in nicht allzu ferner Zukunft Regen zu bringen. Vielleicht drohte sogar ein Sturm, so wie der Wind tobte. >>Das verspreche ich Ihnen<<, sagte Robert feierlich, mit dem festen Vorsatz, der netten Dame diesen Gefallen zu tun. Im selben Moment fuhr draußen sein schwarzer Dodge vor. Robert wünschte noch ein schönes Halloween und ging hinaus.

Der Mechaniker empfing Robert an der geöffneten Fahrertür. >>Die nächsten zwei- bis dreihundert Meilen müsste er jetzt schaffen<<, meinte er. >>Aber ich kann Ihnen nichts versprechen. Zuhause müssen Sie den Wagen dringend überprüfen lassen.<<

Robert dankte dem Mann von ganzem Herzen, froh, dass der Dodge überhaupt wieder lief, stieg ein und fuhr vom Hof. In diesem Moment begann es zu regnen.

Bedrückt lenkte Robert den Dodge auf den Highway 87 und rief Beverley an. Seine Freundin begrüßte ihn überrascht. >>Robert? Was ist los?<<

>>Hi, Süße, du ich schaff's nicht.<< Absolute Stille in der Leitung. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, zählte Robert.

>>WAS?<<, rief Beverly wütend. >>Das glaub' ich jetzt nicht! Du meinst nicht im Ernst ...<<

>>Der Wagen hatte eine Panne<<, unterbrach Robert sie rasch. >>Ich bin auf dem Heimweg, aber bis um acht bin ich niemals in New York.<<

>>Ausgerechnet heute<<, motzte Beverly stocksauer. Sie war außer sich. Von Robert würde sie sich Halloween mit Sicherheit nicht verderben lassen! Autopanne, dass sie nicht lachte, ihr Freund würde ja sehen, was er davon hatte. Sein Problem! >>Ich will aber auf jeden Fall auf die Party<<, sagte Beverly mit dem trotzigen Unterton eines Kleinkinds. Robert hatte sich schon gedacht, dass sie nicht darauf verzichten würde, Egoismus war eine von Beverlys Stärken. Aber seine Freundin alleine auf die Party gehen zu lassen, nein, dieser Gedanke behagte Robert überhaupt nicht.

>>Frag doch Peter, ob er mit dir hingeht<<, schlug Robert nach kurzem Zögern vor. Peter war sein bester Freund, er würde bestimmt auf Beverly aufpassen, die dazu neigte, gelegentlich über die Stränge zu schlagen. Sie flirtete ein bisschen zu gerne, war ein bisschen zu sehr darauf aus, sich ihre Selbstbestätigung von anderen Männern zu holen, aber der ruhige Peter würde schon aufpassen.

Beverly war begeistert. >>Ich ruf ihn gleich an. Bis morgen früh dann! Und du weißt schon, dass dir eine Spitzenparty entgeht?<<

>>Leider ja<<, seufzte Robert und legte auf. Ein bisschen mehr Enttäuschung, ein >>Ich werde dich vermissen<< hätte er sich schon gewünscht, aber das war einfach nicht Beverlys Art.

Robert senkte den Blick, um sein Smartphone zurück in seine Aktentasche zu legen. Für einen kurzen Moment war er abgelenkt. Der Schnappverschluss klemmte und Robert musste sein Smartphone durch eine enge Lücke in die Tasche schieben, als er aus dem Augenwinkel ein Hindernis auf der Straße wahrnahm. In letzter Sekunde blickte er hoch und trat instinktiv das Bremspedal bis auf den Boden durch. Er hörte, wie das ABS vergeblich zu greifen versuchte, spürte, wie der Wagen ins Schlingern geriet, bemühte sich, gegenzulenken und erreichte nur, dass der Wagen sich einmal um die eigene Achse drehte. Mit Entsetzen sah Robert den umgestürzten Baum immer näher kommen, bereitete sich innerlich schon auf den Zusammenprall vor, als der Dodge in letzter Sekunde nur wenige Handbreit vor dem Baum zum Stehen kam. Nass klopften dünne Äste auf seine Windschutzscheibe.

RobertsPuls raste, sein Herz wollte aus der Brust springen. Bilder von einem zerquetschten Dodge, er selbst schwer verletzt, eingeklemmt zwischen Sitz und dem Motorblock, der sich beim Aufprall in den Fahrerraum gedrückt hatte, schoben sich vor seine Augen. Und das alles hier, im Nirgendwo! Bis ihn da jemand gefunden hätte! Bei diesen Gedanken brach ihm der Schweiß aus. Seine schneeweißen Händen umklammerten eisern das Lenkrad, während Robert sich bemühte, einfach nur ein- und auszuatmen und darauf wartete, dass das Zittern nachließ, und seine Hände endlich seinem Befehl folgten, das Lenkrad loszulassen. Dann erst stieg er aus.

Mit wackeligen Beinen umrundete er das Auto. Kein Kratzer, keine Delle, nichts. Er hatte wirklich mehr Glück als Verstand gehabt - im wahrsten Sinne des Wortes. Eines aber stand fest: Hier war kein Durchkommen. Der Baum hatte nicht nur seine Seite des Highways lahmgelegt. Die mächtige Krone lag auf der Gegenfahrbahn.

Kurzentschlossen fuhr er über den Grünstreifen, lobte die amerikanischen Highways ohne nervige Mittelleitplanke und brauste den Weg zurück, den er gekommen war.

Oh man, dachte er sich, Halloween hat dieses Jahr etwas gegen mich.

Mit noch immer zitternden Händen aktivierte er das Navigationssystem des Wagens und tippte sein Ziel >>New York<< ein, darauf bestehend, auf Nebenstraßen fahren zu wollen. Dabei fiel ihm das Versprechen ein, das er der Damen vom Autohaus gegeben hatte. Tut mir leid, dachte er sich, ich muss es brechen.

Das Navigationssystem schlug Robert zwei Routen vor. Verwundert schaute er auf das Display. Die grüne Route, >>meine Route<<, war ganze dreißig Meilen länger als die rote Route. Eigentlich hatte er alles so eingestellt, dass immer die kürzeste Strecke als >>meine Route<< angezeigt wurde.

>>Rote Route<<, gab Robert laut und deutlich den Stimmbefehl.

>>Das würde ich an Ihrer Stelle nicht tun<<, antwortete die weibliche Computerstimme ohne diese winzigen, kaum hörbaren Pausen, die entstanden, wenn die einzeln aufgenommenen Worte zu einem Satz zusammengefügt wurden. Robert erschrak. Verunsichert wagte er einen Blick auf das Display. Hatte er sich verhört? Das musste er, oder? Sein Navigationssystem konnte nicht auf diese Weise eigenständig agieren. Es war unmöglich, dass es ihm solche Ratschläge erteilte. Leichtes Unbehagen machte sich in ihm breit. Das war heute definitiv nicht sein Tag.

>>Was hast du gerade gesagt?<<, fragte er beunruhigt nach und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme zitterte.

>>Es tut mir leid, ich habe Sie nicht verstanden.<<

Erleichtert atmete Robert auf. Alles nur Einbildung.

>>Rote Route<<, wiederholte er den Sprachbefehl. Dieses Mal gab es keine Probleme. Das Navigationssystem startete die rote Route und lotste Robert über Nebenstraßen in Richtung New York City.

Das Wetter wurde ungemütlicher. Immer wieder schüttelten Windböen das Auto durch. Krampfhaft hielt Robert das Lenkrad umklammert, bemüht den Wagen in der Spur zu halten. Er drosselte die Geschwindigkeit auf 40 Meilen pro Stunde.

Langsam streckte die Müdigkeit ihre Finger nach ihm aus. Gähnend rieb Robert sich die Augen und stellte zur Unterhaltung das Radio an. Doch nichts passierte. Missmutig aktivierte Robert den Suchlauf, doch auch der präsentierte nichts als nervige Störgeräusche.

Verdammt!, dachte sich Robert. Vermutlich hatte der Sturm einen Sendemast lahm gelegt. Er musste sich eingestehen, dass er irgendwo übernachten musste.

>>Wo ist der nächste Ort?<<, fragte Robert.

Das Navi reagierte nicht.

Was ist bloß heute mit der Technik los?, fragte er sich. Wenn das Navi mich jetzt auch noch im Stich lässt, kann ich genauso gut rechts ranfahren.

Gerade wollte er seine Anfrage wiederholen, als es sich zögernd doch noch meldete. >>South Mills, fünf Meilen.<<

>>Dann South Mills<<, antwortete Robert und hoffte, dass es dort ein Hotel gab.

*

Ungefähr zum selben Zeitpunkt, als Roberts Navigationssystem die Route neu berechnete, um ihn zum gewünschten Ziel zu bringen, traf Amy Taylor in ihrem Auto vor dem Hotel >>Pinto Inn<< in South Mills ein und stieg aus.

Ich bin wieder da, dachte sie und konnte nicht verhindern, dass sich ein schwerer Kloß in ihrem Hals bildete, der direkt in ihren Magen plumpste und es sich dort gemütlich machte. In diesem Moment wollte die junge Frau an jedem anderen Ort der Welt sein, nur nicht hier, in South Mills vor dem >>Pinto Inn<<. Ihr Blick fiel auf die viktorianische Fassade des Hotels, die sie höhnisch anzugrinsen schien. Am liebsten wäre Amy auf dem Absatz umgedreht und wieder zurück ans College gefahren. Aber diese Möglichkeit war ihr für die nächsten vierundzwanzig Stunden versagt.

Niemand verlässt dieses Dorf für immer, dachte sie müde, dieser Ort zwingt dich jedes Jahr zur Heimkehr.

Schweren Herzens betrat sie das Hotel. Kaum hatte sie die Tür geöffnet, als ihr Vater sie auch schon erleichtert begrüßte. Wie jedes Jahr am Halloween hatte er am Küchenfenster nach seiner Tochter Ausschau gehalten und ihr Kommen schon sehnlichst erwartet.

>>Gut, dass du da bist<<, sagte er. >>Ich dachte schon, du kommst nicht.<<

Amy umarmte ihren Vater. >>Du weißt doch, dass ich das nie wagen würde.<<

>>Und ich weiß, wie sehr du das alles hier verabscheust.<<

Für einen kurzen Moment herrschte eine bedrückende Stille zwischen den beiden. Hastig löste Amys Vater sich aus der Umarmung seiner Tochter. >>Bleib kurz an der Rezeption<<, bat er.

>>Es darf doch eh keiner kommen<<, sagte Amy lustlos.

>>Ich weiß<<, antwortete ihr Vater. >>Bitte, nur kurz. Ich bin gleich wieder da und dann machen wir uns den Abend so schön wie möglich.<< Er verschwand in der Küche. Seufzend setzte sie sich an die Rezeption. >>So schön wie möglich<<, hatte ihr Vater gesagt. Mit anderen Worten: Im Dunklen sitzen und auf unerwartete Geräusche lauern um dann Panik zu bekommen. Sie verzog das Gesicht ohne es zu merken.

*

South Mills lag an diesem Abend wie ausgestorben da. Alle hatten sich in ihre Häuser zurückgezogen. Alle, bis auf Steve. Er war bereits seit Stunden im Wald unterwegs. Angespannt und nervös suchte er den nadelbedeckten Boden nach etwas ganz Bestimmtem ab. Sollte Steve es nicht finden, hatte er ein nicht zu unterschätzendes Problem.

Sein Blick fiel auf die langsam sinkende Sonne. Der Mann murmelte Unverständliches. Vielleicht war es ein verzweifeltes Fluchen gewesen, denn für einen kurzen Moment gewann die Panik, die schon lange in ihm gärte, die Oberhand. Doch Steve zwang sich zur Ruhe und suchte weiter. Noch hast du Zeit, flüsterte er sich selbst immer wieder zu. Und dann entdeckte er endlich das Gesuchte. Unendlich erleichtert hob Steve die Adlerfeder vom Boden auf und verstaute sie sicher in seiner Umhängetasche. Wieder schaute er, dieses Mal sichtlich ruhiger, in den Sonnenuntergang. Sollte die Sonne ruhig ihr Tagewerk vollenden, er konnte sich jetzt auf den Weg zu Martin machen. Der Keller der alten Jagdhütte wartete bereits.

*

Kurze Zeit später fiel Robert auf, dass sein Motor seltsame Geräusche von sich gab. Oh nein, dachte er sich, war wohl nichts mit den 200 Meilen. Betend, dass der Wagen es noch bis South Mills schaffen würde, fuhr er weiter.

Wo ist dieses verdammte Dorf?, fragte sich Robert. Rings um ihn herum war nichts als eine bewaldete, dunkelgrüne, hügelige Landschaft, durch die er schon seit einer gefühlten Ewigkeit fuhr. Vertraute er auf sein Navi, konnte es aber nicht mehr weit sein. Vorsichtig gab Robert etwas mehr Gas und der Wagen beschleunigte verhalten.

Kurz bevor er South Mills erreichte, hörte es auf zu regnen und die Wolkendecke riss auf. Die letzten Strahlen der Abendsonne fielen auf den regennassen Asphalt. Robert beschloss, das als gutes Omen zu nehmen und lenkte den Wagen einen kleinen Hügel hinauf. Von der Kuppe aus erblickte er in der vor ihm liegenden Talsenke endlich das kleine Dorf South Mills. Verschlafen und friedlich lag es da, noch eingehüllt vom Dunst des Regens, der nur stellenweise von einigen Sonnenstrahlen durchbrochen wurde. Umgeben von saftigen Wiesen schmiegte sich der Ort zu einer Seite eng an einen dunklen, nicht enden wollenden, vom Regen dampfenden Wald. Zur anderen Seite entdeckte Robert zu seinem Entzücken einen tiefblauen See.

Was für ein wunderschönes Fleckchen, dachte er sich, gab Gas und fuhr auf das Dorf zu. Das Ortsschild teilte Robert im Vorbeifahren mit: >>South Mills - Staat New York - 300 Einwohner<<.

Für heute Nacht dann wohl 301, überlegte sich Robert und musste lächeln.

Wenige Meter vor dem >>Pinto Inn<< gab Roberts Wagen endgültig den Geist auf. Der Motor erstarb und Robert dankte dem lieben Gott, dass er den Dodge bis hierher hatte durchhalten lassen. Er ließ den Wagen ausrollen, der genau vor der Treppe zum Eingang des Hotels zum Stehen kam. Besser geht’s nicht, dachte sich Robert. Durch die Frontscheibe betrachtete er die Fassade des Hotels - wie kurz zuvor Amy. Im Gegensatz zu ihr hatte Robert allerdings das Gefühl, das Hotel begrüße ihn freundlich und die Fenster schienen ihm einladend zuzuzwinkern.

Hier lässt es sich auf jeden Fall aushalten, dachte der junge Mann sich. Robert stieg aus und sah sich um. Obwohl es erst Nachmittag war, präsentierte sich die Straße menschenleer. Doch nicht nur Menschen vermisste Robert. Auch etwas anderes ... Angestrengt schaute er die Hauptstraße hinauf und hinunter. Irgendetwas in diesem Dorf fehlte, etwas, das so offensichtlich war, dass er es genau deshalb nicht erkannte.

Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Es gab keinerlei Halloweendekoration! Komisch, dachte Robert sich, überall in diesem Land wimmelt es zurzeit von Plastikskeletten, geschnitzten Kürbissen mit seltsamen Fratzen, Hexen und anderen Gestalten der Dunkelheit, aber hier gibt es - nichts. Als ob die Bewohner von South Mills Halloween nicht feiern.

Im selben Moment musste er über sich selbst lachen. Dieser Gedanke war absolut absurd. Wer bitte in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika feierte nicht Halloween?

Sein Blick wanderte wieder zum >>Pinto Inn<<. Auch das Hotel wies keinerlei Dekoration auf, noch nicht einmal den obligatorischen Strohballen mit einem darauf liegenden Kürbis neben der Eingangstür. Ein wenig seltsam erschien Robert das schon, aber ihm war heute bereits zu viel passiert, als dass er sich auch noch darum Gedanken machen wollte. Kurzentschlossen ging er die Treppe zum >>Pinto Inn<< hinauf. Ein Zimmer und Hilfe für sein Auto war alles, was er sich jetzt wünschte.

Als er durch die Eingangstür trat, klingelte darüber leise eine kleine Glocke. Hinter der Rezeption erblickte Robert eine junge Frau, die ihn völlig überrascht ansah.

>>Was wollen Sie denn hier?<<, fragte sie brüsk. Robert, der mit so einer Begrüßung nicht gerechnet hatte, blieb verblüfft in der Tür stehen.

>>Ich ..., äh ..., mein Auto.<<

>>Sie müssen gehen! Sofort! Raus mit Ihnen!<<

Robert sah sie an. Ihrer Gesichtszüge hatten blitzschnell von Überraschung zu, ja Robert täuschte sich nicht, Furcht gewechselt. Er hob die Arme, hielt sie ausgestreckt vor sich und bewegte seine Hände langsam auf und ab, als wolle er ein aufgeregtes Rennpferd beruhigen. Während er behutsam einen Schritt auf die sichtlich nervöse Frau zumachte, sagte er: >>Ich wünsche mir genauso wie Sie, dass ich nicht hier wäre, glauben Sie mir, aber ich ...<<

In diesem Moment betrat ein Mann in den Fünfzigern den Empfangsraum. Robert hielt mitten in seiner Bewegung inne und verstummte. Der Mann starrte Robert an als sei er ein seltenes Insekt. Abstoßend, aber zu außergewöhnlich um es zu töten. Steile Falten gruben sich in seine Stirn und für einen Moment glaubte Robert, tiefe Verzweiflung in seinen Augen zu sehen. Doch innerhalb kürzester Zeit hatte der Mann sich wieder unter Kontrolle und kam auf ihn zu. Zurückhaltend stellte er sich vor. >>Hallo, ich bin Sam, Sam Taylor.<< Nachdenklich musterte er Robert von oben bis unten. Instinktiv ging Robert einen Schritt zurück. >>Ich brauche ein Zimmer für heute Nacht<<, sagte er zurückhaltend, als fordere er etwas ein, auf das er kein Anrecht habe. Sams Blick wurde zu Eis. Abweisend sagte er: >>Wir haben in dieser Nacht nie Gäste. Es ist besser so.<<

Robert wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Das seltsame Verhalten von Sam und seiner Tochter machte ihm beinahe Angst, aber er hatte keine Wahl.

*

Zur gleichen Zeit trafen Martin und Steve am Waldrand von South Mills vor der Hütte ein. Bedrückt sahen sie sich an. Wie jedes Jahr an diesem Tag ruhte eine große Verantwortung auf ihren Schultern.

Niemand außer den Bewohnern von South Mills wusste von dem Fluch, der seit Jahrhunderten auf dem Dorf lag. Gefangen in einem Pakt mussten die Bewohner des Ortes ihn jedes Jahr in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November erneuern. Diese Aufgabe übernahmen schon seit Generationen die Familien von Steve und Martin. Gelang es den beiden nicht, ihren Teil des Paktes zu erfüllen, drohte jeder Seele in South Mills nichts Geringeres als der Tod. Denn wenn der Pakt brach, war Miyaca frei.

>>Was musstest du dieses Jahr sammeln?<<, fragte Martin. Steve zog einen Sack hervor und ließ Martin einen Blick hinein werfen. >>Adlerfedern<<, stellte er fest. >>Und es sind genau dreihundert?<<

>>Nicht mehr und nicht weniger. Die Letzte fand ich erst vorhin.<<

>>Was ein Glück<<, sagte Martin erleichtert.

Für Fremde musste sich dieses Gespräch seltsam anhören, für Steve und Martin aber war es bitterer Ernst.

>>Was hast du?<<, fragte Steve.

>>Mais und Rittersporn.<<

>>Dreimal Dreihundert<<, sagte Steve leise. >>Das sollte Miyaca für ein weiteres Jahr besänftigen.<<

>>Vorausgesetzt, wir haben seine Zeichen richtig gedeutet<<, wandte Martin ein. Steves Gesicht verfinsterte sich. Martin bedeutete ihm mit einer Handbewegung, fortzufahren. Steve schloss die Kellertür auf.

*

>>Robert Miller<<, stellte Robert sich zögernd vor. >>Mein Wagen ist vor Ihrem Hotel liegen geblieben. Vermutlich ist er endgültig kaputt. Eigentlich wollte ich heute nach New York auf eine Halloweenparty, aber das schaffe ich nicht mehr. Dafür wollte ich dann wenigstens die Nacht durchfahren bis nach Hause, aber ich hatte kein Glück.<<

>>Nein, das haben Sie wirklich nicht<<, sagte Sam todernst und schaute nachdenklich auf Robert. >>Amy, ruf die Werkstatt an, Mister Miller sollte unser Dorf noch heute verlassen<<

Amy griff zum Telefon und wählte.

>>Ich bin sehr müde<<, wandte Robert ein. >>Haben Sie keine freien Zimmer mehr?<< Robert entging das kurze Zögern von Sam nicht. Es war nicht zu übersehen, dass er sich bei dem Gedanken, dass Robert hier die Nacht verbringen könnte, sehr unwohl fühlte. Merkwürdig, dachte sich der junge Mann, was haben die beiden nur für ein Problem mit Gästen? Und warum haben sie dann ein Hotel?

Sam räusperte sich. >>Natürlich haben wir noch freie Zimmer. Nur, wie ich bereits erwähnte, wir haben an Halloween nie Gäste<<, sagte er zurückhaltend. >>Außerdem meinten Sie doch, dass Sie noch nach New York wollten?<< Sam ließ die Frage im Raum stehen.

Sie wollen tatsächlich, dass ich gehe, dachte sich Robert und gab nach. >>Wenn es geht und der Wagen wieder läuft, natürlich.<< Darauf kam es jetzt auch nicht mehr an. Irgendwie würde er den Rest der Strecke schon schaffen, zur Not blieb immer noch die Rückbank seines Dodge, falls ihm die Augen zufielen.

>>Marty kommt sofort<<, meldete Amy in diesem Moment.

>>Gut<<, meinte Sam bedrückt. >>Bring du doch unseren Gast auf sein Zimmer. Ich werde hier auf Marty warten und versuchen, Steve und Martin zu erreichen. Vielleicht können sie uns noch retten.<<

Während Robert mit Amy die Treppe in den ersten Stock hinauf ging, sah er aus den Augenwinkeln, wie Sam nervös zum Telefon griff. Seine Finger trommelten aufgeregt auf der hölzernen Theke herum. Als sie die oberste Stufe erreichten, hörte Robert, wie das Telefon fluchend auf den Tresen geworfen wurde.

Amy blieb direkt vor der ersten Zimmertür stehen und kramte in ihrer Tasche. Während sie nach dem Zimmerschlüssel suchte, sah Robert sich um. Viel zu entdecken gab es in dem Flur nicht, bis auf ein Bild, das direkt an der Wand neben der Tür mit der Nummer 1 in einem schlichten Holzrahmen hing. Neugierig ging Robert hin und betrachtete es genauer. Schaudernd fuhr er zurück. Zwischen fremden Symbolen, vermutlich indianischer Herkunft, und einem längeren Text, hatte der Künstler einen pechschwarzen zähnefletschenden Wolf gemalt. >>Was ist das?<<, fragte Robert. Im selben Moment überkam ihn das Gefühl, dass er die Antwort nicht wissen wollte, aber es war schon zu spät.

>>Die Geschichte von South Mills<<, antwortete Amy. >>Das alles hier gehörte einst den Miyaca-Indianern. Doch irische Siedler forderten dieses fruchtbare Land für sich. Die Ureinwohner wehrten sich dagegen, natürlich ohne die geringste Aussicht auf Erfolg. Die Geschichte endete wie so viele andere über die einstigen Ureinwohner unseres Landes: Der Stamm wurde von den Weißen grausam abgeschlachtet. Jeder einzelne. Keiner überlebte.<< Sie seufzte.

>>Wie furchtbar<<, sagte Robert schockiert.

>>Die Geschichte lockt unsere Sommergäste an<<, erklärte Amy. >>Zwar gibt es hier keine Kultstätten oder Ähnliches, zumindest sind keine bekannt. Aber Boden, auf dem einst eine Menge Blut vergossen wurde, zieht immer.<<

Robert schaute nachdenklich auf den Wolf. Er wirkte unheimlich, geradezu lebendig. Für einen kurzen Moment hatte er das Gefühl, das Tier würde ihm direkt in die Augen sehen. Ein Schauer lief ihm über den Rücken.

>>Das Bild ist unheimlich, ich weiß<<, sagte Amy und zog endlich den passenden Schlüssel aus ihrer Tasche. >>Aber den Gästen gefällt's.<< Sie öffnete ihm die Tür. >>So, das hier ist Ihr Zimmer, hoffentlich nicht allzu lang.<< Robert, froh dem Wolf zu entkommen, trat neugierig ein und sah sich um. Es war klein, aber sehr gemütlich eingerichtet, mit einem großartigen Ausblick über das Dorf bis hinunter zum See.

*

Steve und Martin betraten die Jagdhütte und zogen sich aus. Die Kleidung legten sie sorgfältig auf zwei bereitstehende Stühle. Nackt und frierend gingen sie die kleine Treppe hinunter und betraten den Kellerraum. Steve, der nach Martin eingetreten war, verschloss die Kellertür hinter sich. Sie war massiv, aus fünf Zentimeter dickem Stahl und hielt nicht nur jedes Geräusch fern, das von außen herein drang. Eine dringend nötige Sicherheitsmaßnahme für das Dorf. Im Notfall würde die Tür hoffentlich das drinnen einsperren, was niemals frei kommen durfte.

Zuerst klingelte Steves Handy in seiner Jacke, lange und anhaltend, danach Martins, der es immer in seiner Jeans bei sich hatte. Doch die beiden konnten das Klingeln nicht hören.

Die Männer entzündeten in der Dunkelheit Feuer in kleinen flachen Schalen. Sie wussten genau, wo die Schalen standen, wussten genau, wo sich in dem Keller welcher Gegenstand befand. Hätte Feuer nicht zum Ritual gehört, sie hätten sich auch ohne Beleuchtung problemlos zurechtgefunden.

Flackerndes Licht erhellte den Raum und zeigte, was er sonst verbarg. Die Decke bestand aus dicken Stämmen, geschwärzt von Ruß und braun vom Alter. Die Wände waren mit gegerbtem Leder verkleidet, das wunderschön bemalt war. Felle verschiedener Tiere lagen auf dem Boden, exakt angeordnet und seit Jahrhunderten unverändert. Eine Art Altar war in dem Raum aufgebaut, hinter dem ein alter indianischer Teppich hing, der einen riesigen schwarzen Wolf zeigte. Ein seltsamer Geruch, eine Mischung aus Erde, Tod und Raubtier hing in der Luft.

Steve und Martin sahen sich bedrückt an, dann begannen sie, sich anzukleiden. Die zeremonielle Tracht des Schamanen, sorgfältig auf einem Wolfsfell ausgebreitet, wartete bereits auf sie. Ohne ein Wort zu sagen, gingen die Männer ihrer Aufgabe nach.

>>Bist du soweit?<<, fragte Steve schließlich. Seine Stimme klang kraftlos. Martin nickte. >>Und du? Nichts vergessen?<<

Beide schauten auf das Wolfsfell. Nein, sie hatten alles angelegt. Sie begannen mit der Reinigung ihres Geistes.

*

Sam ging im >>Pinto Inn<< nervös auf und ab. Der junge Mann aus New York City musste verschwinden. Hoffentlich würde Marty diese dämliche Karre wieder hinbekommen und zwar bevor die Sonne unterging.

Marty hatte nach Amys Anruf alles stehen und liegen gelassen und war sofort zum Hotel aufgebrochen. Er wusste, was auf dem Spiel stand. Kaum hatte er das >>Pinto Inn<< erreicht, als er auch schon die Stufen hinauf stürmte und so hektisch die Tür aufriss, dass die kleine Glocke empört klingelte. Sam unterbrach seine Wanderung und schaute Marty erleichtert an.