Ein schwieriger Gast - Patricia Vandenberg - E-Book

Ein schwieriger Gast E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Die schönsten Dr. Norden Romane in einer Serie zusammengefasst. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Er sucht nach Hintergründen, nach der Ursache, warum dem Patienten nicht zu helfen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Annemarie? Bist du das?« Ein ungläubiges Staunen im Gesicht, stand Hanno Thalbach am Tresen der Praxis Dr. Norden und betrachtete eine der beiden Assistentinnen. Ein ungläubiges Staunen stand ihm im Gesicht. Wendy, die den Patienten mit gewohnter Höflichkeit, aber ebenso wie alle anderen, begrüßt hatte, sah zuerst den Mann und dann den Fragebogen an, den er für sie ausgefüllt hatte. Erst als sie seinen Namen noch einmal und diesmal aufmerksamer gelesen hatte, ging ihr ein Licht auf. »Hanno! Ist das denn die Möglichkeit!« Ein Strahlen glitt über ihr Gesicht, und ihre Augen leuchteten vor Freude auf. »Um ein Haar hätte ich dich nicht wiedererkannt.« »Kein Wunder.« Der Herr mit dem markanten Gesichtszügen, dem Grübchen im Kinn und den silbergrauen Haaren zeigte sich großzügig. »Immerhin haben wir uns bestimmt dreißig Jahre lang nicht gesehen. Ich verzeihe dir also großmütig.« Er zwinkerte ihr trotz seiner Schmerzen gut gelaunt zu. Wendys Kollegin Janine, die im kleinen Labor neben dem Tresen Behandlungsbesteck sterilisierte, warf einen verstohlenen Blick durch die Tür, um zu sehen, wer ihrer Freundin und Kollegin dieses ungewöhnliche Lachen in die Stimme zauberte. »Immer noch so großherzig wie damals«, spielte Wendy das Spiel ihres alten Bekannten amüsiert mit. Tapfer ignorierte sie dabei den strengen Geruch, der von seiner durchaus gepflegten Erscheinung ausging.

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Liebhaber Edition – 20 –Ein schwieriger Gast

Anian fühlt sich abgeschoben

Patricia Vandenberg

»Annemarie? Bist du das?« Ein ungläubiges Staunen im Gesicht, stand Hanno Thalbach am Tresen der Praxis Dr. Norden und betrachtete eine der beiden Assistentinnen. Ein ungläubiges Staunen stand ihm im Gesicht.

Wendy, die den Patienten mit gewohnter Höflichkeit, aber ebenso wie alle anderen, begrüßt hatte, sah zuerst den Mann und dann den Fragebogen an, den er für sie ausgefüllt hatte. Erst als sie seinen Namen noch einmal und diesmal aufmerksamer gelesen hatte, ging ihr ein Licht auf.

»Hanno! Ist das denn die Möglichkeit!« Ein Strahlen glitt über ihr Gesicht, und ihre Augen leuchteten vor Freude auf. »Um ein Haar hätte ich dich nicht wiedererkannt.«

»Kein Wunder.« Der Herr mit dem markanten Gesichtszügen, dem Grübchen im Kinn und den silbergrauen Haaren zeigte sich großzügig. »Immerhin haben wir uns bestimmt dreißig Jahre lang nicht gesehen. Ich verzeihe dir also großmütig.« Er zwinkerte ihr trotz seiner Schmerzen gut gelaunt zu.

Wendys Kollegin Janine, die im kleinen Labor neben dem Tresen Behandlungsbesteck sterilisierte, warf einen verstohlenen Blick durch die Tür, um zu sehen, wer ihrer Freundin und Kollegin dieses ungewöhnliche Lachen in die Stimme zauberte.

»Immer noch so großherzig wie damals«, spielte Wendy das Spiel ihres alten Bekannten amüsiert mit. Tapfer ignorierte sie dabei den strengen Geruch, der von seiner durchaus gepflegten Erscheinung ausging. »Aber sag mal, was führt dich denn nach München und ausgerechnet in unsere Praxis?« Sie blickte noch einmal auf den Fragebogen und sah ihre Annahme bestätigt. »Du wohnst ja immer noch in Heidelberg. Wenn ich nicht irre …«, sie zählte kurz nach, »… seit zweiunddreißig Jahren.«

»Das weißt du noch?« Hanno lächelte geschmeichelt und entblößte eine Reihe blendend weißer Zähne.

Wendy errötete schlagartig und senkte den Blick.

»Wie könnte ich das je vergessen?« Sie suchte nach passenden Worten, doch in dieser Umgebung, an ihrem Arbeitsplatz, mit dem Wartezimmer voller Menschen, wollte sie nicht mehr Privates preisgeben als unbedingt nötig. Deshalb besann sie sich auf das Nächstliegende. »Also, raus mit der Sprache«, forderte sie ihn auf. »Was fehlt dir?«

Hanno antwortete nicht sofort. Sein wohlwollender Blick ruhte auf Wendy, ein feines Lächeln spielte in seinen Mundwinkeln.

»Ich bin Immobilienmakler und habe mich auf alte Bauernhöfe spezialisiert«, setzte er dann zu einer Erklärung an. »Einer meiner Kunden hat mich beauftragt, einen Hof im Einzugsgebiet von München zu suchen.«

Das erklärte zumindest ansatzweise den strengen Geruch, der durch den Empfangsbereich der Praxis zog.

»Und bist du fündig geworden?«, fragte Wendy und drehte sich kurz zu Janine um, die mit ­einem anzüglichen Grinsen hinter ihr ans Fenster trat und es öffnete.

Hanno bemerkte es nicht. Er hatte nur Augen für seine frühere Freundin.

»Allerdings. Leider war niemand zu Hause. Als ich mich ein wenig auf dem Gelände umsehen wollte, ist es passiert. Ich bin auf einem Kuhfladen ausgerutscht und mit dem Knie auf einem Felsbrocken gelandet.« Hanno schnitt eine Grimasse und zog die Hose ein wenig hoch. »Das nur zur Erklärung, falls du dich über mein aufregendes Parfüm gewundert hast.«

Janines ersticktes Kichern verriet, dass sie mitgehört hatte.

Trotz aller Sorge um Hannos Gesundheit konnte sich auch Wendy ein erleichtertes Lachen nicht verkneifen.

»Du hast mich durchschaut«, gestand sie immer noch lachend und stand auf, um Hanno ohne Umweg übers Wartezimmer in eines der Behandlungszimmer zu bringen. Diese Vorzugsbehandlung hatte er allerdings nicht nur seinem Duft zu verdanken, sondern auch Wendys Jugenderinnerungen, die mit dem unvermuteten Auftauchen von Hanno Thalbach eine unerwartete Erfrischungskur bekommen hatten.

*

Fast gleichzeitig kamen Dr. Norden und sein Sohn Danny, der vor einigen Monaten als Junior in die Praxis eingestiegen war, an den Tresen.

Schnuppernd hob Daniel Norden die Nase und sah seinen Sohn irritiert an.

»Hier riecht es wie auf einem Bauernhof«, stellte er fest.

»Hast du etwa ein neues Deo?«, grinste Danny seinen Vater frech an.

Nur mit Mühe konnten sich die beiden Damen hinter dem Tresen ein amüsiertes Lachen verkneifen.

»Ein gewisser Herr Thalbach ist nach der Begegnung mit einem Kuhfladen gestürzt und hat sich das Knie verletzt«, erklärte Janine glucksend.

»Er wartet in Behandlungsraum drei auf einen Arzt«, fügte Wendy hinzu und warf einen Blick auf den Terminkalender.

»Das kannst du erledigen, Dad.« Danny zeigte sich großzügig und wollte schon nach der nächsten Patientenkarte auf seinem Stapel greifen, als Wendy ihm einen Strich durch die Rechnung machte.

»Tut mir leid, so einfach ist das nicht. Stephan Hagedorn hat extra einen Termin bei deinem Vater ausgemacht. Es geht um die Beratung wegen einer Fernreise, und du bist meines Wissens kein Spezialist in Sachen Tropenmedizin.«

»Ich bin aber auch kein Veterinär«, murrte Danny beleidigt.

»Nur weil einer riecht wie ein ganzer Kuhstall, ist er noch lange kein Rindvieh«, lachte Wendy leise und sah dem Junior nach, wie er sich zähneknirschend auf den Weg in das Behandlungszimmer machte, in dem Hanno Thalbach schon auf ihn wartete.

Daniel hingegen schickte seiner Assistentin einen dankbaren Blick.

»Nicht, dass ich mich nicht gern um den Patienten gekümmert hätte. Aber Strafe muss sein!« Er zwinkerte Wendy verschwörerisch zu und griff nach der Karte von Stephan Hagedorn, den er direkt im Anschluss höchstpersönlich im Wartezimmer abholte. Auf dem Weg ins Sprechzimmer plauderten sie miteinander.

»Die meisten meiner Patienten reisen nach Thailand oder China. Laos steht eher selten auf dem Programm«, erklärte Dr. Norden, als er von dem ungewöhnlichen Reiseziel erfuhr.

»Das liegt wohl daran, dass es in diesem gebirgigen Land keine herausragenden Attraktionen gibt«, erklärte Stephan Hagedorn bereitwillig.

»Was reizt Sie dann, dorthin zu fahren?«

»Das ist leicht zu beantworten. Außerhalb der Ballungszentren gibt es eine schier unglaubliche Ursprünglichkeit und Natürlichkeit. Es gibt keine Autobahnen, keine Industrie, eine einzige Zugverbindung und auch keine Wolkenkratzer. Das möchte ich einfach mit eigenen Augen sehen.« Stephans Begeisterung war ansteckend.

»Klingt wirklich verlockend«, bemerkte Daniel Norden. »Es ist toll, dass Ihre Frau so ein Abenteuer mitmacht. Dafür ist nicht jeder Mensch zu haben.«

Das Strahlen auf Stephans Gesicht verblasste ein wenig.

»Meine Frau kommt nicht mit«, gestand er offen. »Wir haben uns vor einem halben Jahr getrennt. Seither lebe ich allein, mein achtzehnjähriger Sohn ist bei meiner Frau geblieben. Aber wir haben einen guten Kontakt. Raphael ist wie ich begeisterter Marathon-Läufer. Ich trainiere ihn nach wie vor.«

»Oh, das tut mir leid.« Dr. Norden war ehrlich erschrocken. »Es lag nicht in meiner Absicht, an Wunden zu rühren.«

Zu seiner Erleichterung lächelte Stephan Hagedorn beschwichtigend.

»Keine Sorge, das tun Sie nicht«, versicherte er mit Nachdruck. »Die Entscheidung war schon lange gefallen. Aber wie das halt so ist: Die Umsetzung dauert oft viel länger, als es für alle Beteiligten gut ist.«

»Vor allen Dingen, wenn Kinder im Spiel sind.« Während des Gesprächs hatte Daniel die Empfehlungen der Deutschen Impfkommission herausgesucht und das umfangreiche Werk aufgeschlagen.

Stephan sah ihm dabei zu, war aber mit den Gedanken woanders.

»Tja, da haben Sie ein großes Wort gelassen ausgesprochen. Aber Raphael hat das besser weggesteckt, als wir dachten. Da fällt mir das Alleinsein schon schwerer. Es ist wirklich kein Honigschlecken, und ich würde diese Reise lieber mit einer Partnerin machen als allein.« Ein Schatten huschte über sein freundliches Gesicht. »Aber so einfach ist das heutzutage nicht mit der Partnersuche. Schon gar nicht in unserem Alter. Deshalb reise ich dieses Mal wohl allein.«

»Wann geht denn Ihr Flug?« Diese Frage stellte Daniel Norden mitnichten aus Neugier, sondern ganz konkret wegen der anstehenden Impfungen.

»In zwei Monaten.«

»Wer weiß, vielleicht findet sich ja bis dahin eine nette Begleiterin«, tat er seine Hoffnung kund und legte Stephan Hagedorn die Empfehlungen der Kommission vor, um die nötigen Schutzimpfungen zu besprechen.

»Ach, ehrlich gesagt habe ich die Hoffnung schon fast aufgegeben«, seufzte Stephan und beugte sich über den Impfplan. »Dann wollen wir mal sehen. Glauben Sie wirklich, dass das alles nötig ist?«, fragte er, und Dr. Norden begann mit einer ausführlichen Beratung, die keine Fragen offen ließ.

*

»Puls und Blutdruck sind wieder normal«, erklärte Dr. Jenny Behnisch ihrer jungen Patientin Teresa Berger, die Dr. Norden nach einem Kreislaufzusammenbruch in die Klinik eingewiesen hatte. Die Klinikchefin stand neben der Behandlungsliege und blickte beruhigend lächelnd auf die erschreckend magere, blasse Frau hinab. »Wie fühlen Sie sich?«

»Eigentlich ganz gut«, erwiderte Teresa missmutig. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie ganz und gar nicht mit dem Klinikaufenthalt einverstanden war. »Ich hab ja gesagt, dass mein Freund maßlos übertreibt. Wegen so eines kleinen Schwächeanfalls in die Klinik? Pffft …« Unwillig verdrehte sie die Augen gen Himmel, während Jenny das Krankenblatt studierte.

»Offensichtlich ist mein Kollege Norden derselben Meinung wie Ihr Freund«, entnahm sie den Informationen. Sorgfältig, wie Daniel war, hatte er jedes Detail seiner umfangreichen Untersuchung festgehalten. »Darf ich mir mal Ihren eingewachsenen Zehnagel ansehen?« Jenny Behnisch gab dem Pfleger, der ihr bei der Untersuchung assistierte, ein stummes Zeichen, und er trat an die Krankenliege, um Teresa behilflich zu sein.

Murrend schlüpfte sie aus dem unförmigen Clog und zeigte den entzündeten Zeh.

»Nicht erschrecken!«, kam sie einem überraschten Ausruf Jennys zuvor. »Das Schwarze ist nur Zug­salbe. Die hab ich im Medikamentenschrank gefunden und dachte, das kann nicht schaden.«

»Und ich dachte schon, der stirbt ab!«, entfuhr es dem Pfleger Manuel.

Für diese Bemerkung erntete er einen strafenden Blick der Chefin.

»Wenn Sie sich nicht sofort dranmachen und die Wunde säubern, stirbt Ihre Karriere, bevor sie überhaupt begonnen hat.«

»Natürlich, Chefin!« Schnell machte sich der junge Mann an die Arbeit und entfernte die Reste der schwarzen Paste, die Dr. Norden wegen Teresas Schmerzen übrig gelassen hatte. Obwohl Manuel dabei so behutsam wie möglich vorging, stöhnte Teresa mehr als einmal auf vor Schmerz.

Als der Pfleger seine Arbeit beendet hatte, trat Jenny an die Liege und begutachtete den entzündeten Zeh eingehend.

»Das sieht aber gar nicht gut aus«, kam sie dann zu demselben Schluss wie ihr Freund und Kollege Daniel Norden. »Die Wunde muss auf jeden Fall revidiert werden.«

»Was heißt das?«, erkundigte sich Teresa mit einem ängstlichen Blick auf die Klinikchefin.

»Das heißt nichts anderes, als dass die Kollegen die Wunde öffnen, säubern und desinfizieren. Mit etwas Glück klingt die Entzündung bald ab, und Sie können wieder apartes Schuhwerk tragen«, bemerkte Jenny mit einem amüsierten Blick auf die unförmigen Clogs, die auf dem Boden standen.

Doch Teresa wollte sich nicht aufheitern lassen.

»Was schätzen Sie, wie lange ich in der Klinik bleiben muss?«, erkundigte sie sich.

»Das kommt ganz auf die anderen Untersuchungsergebnisse an. Wenn wir nichts finden und der kleine Eingriff gut verläuft, können Sie in zwei, drei Tagen wieder nach Hause gehen«, versuchte Jenny Behnisch, ihre junge Patientin ein wenig aufzumuntern.

»Mal abgesehen davon, dass Sie sich hier wie im Hotel fühlen werden«, versuchte Pfleger Manuel, die Gunst seiner Chefin wieder zu gewinnen.

»Daran hab ich ja keinen Zweifel«, versicherte Teresa und seufzte tief. Wenn sie ganz ehrlich war, wünschte sie sich sogar nichts sehnlicher eine kleine Auszeit, um sich ein wenig von ihrem stressigen Alltag zu erholen. Seit dem Unfalltod ihrer Eltern im vergangenen Jahr kümmerte sie sich neben ihrem Studium der Tiermedizin allein um ihren sechzehnjährigen Bruder Anian und den großen Bauernhof, den die Eltern ihnen hinterlassen hatten. Auch wenn ihr Freund Marco tatkräftig mit anpackte und ihr stets mit Rat und Tat zur Seite stand, war Tess in letzter Zeit immer öfter am Ende ihrer Kräfte. Das lag nicht zuletzt daran, dass Anian sie in letzter Zeit herausforderte, wo er nur konnte, und ihre Autorität auf die Probe stellte.

All das wusste Daniel Norden, der sich ehrliche Sorgen um seine abgemagerte Patientin machte. Um ihre Einwände im Keim zu ersticken, hatte er ihr angeboten, Anian im Falle eines längeren Klinikaufenthalts bei sich aufzunehmen.

So nett Teresa dieses Angebot fand, so wenig konnte sie es annehmen. In diesem Zustand war Anian keiner Menschenseele zuzumuten. Außer ihrem Freund Marco vielleicht, der schon ungeduldig vor dem Behandlungsraum auf sie wartete.

»Und?«, fragte er aufgeregt, als Manuel das Bett mit Teresa herausschob.

»Der Zeh muss operiert werden. Außerdem muss ich ein paar Untersuchungen über mich ergehen lassen wegen des Kreislaufzusammenbruchs«, erklärte Teresa düster das, was Dr. Norden ohnehin schon vermutet und Dr. Behnisch bestätigt hatte.

Marco indes war zufrieden mit dieser Entscheidung.

»Was machst du denn für ein Gesicht?«, fragte er seine Freundin und drückte tröstend ihre Hand. »Falls du dir Sorgen wegen deines tyrannischen Bruders machst, kann ich dich beruhigen«, fuhr er fort. »Ich hab dir ja gesagt, dass ich zu ihm auf den Hof ziehe, bis du wieder da bist.«

»Ich weiß, und ich bin dir auch dankbar für dieses Angebot«, seufzte Teresa, während Marco neben ihrem Bett den Flur hinunterging. »Aber ob das gut geht?«

»Einen Versuch ist es zumindest wert. Vielleicht kommt er ja sogar zur Vernunft, wenn wir beide mal allein sind und uns von Mann zu Mann unterhalten können«, gab er sich einer vagen Hoffnung hin.

Sie hatten das Krankenzimmer erreicht, das Teresa für die Dauer ihres Aufenthalts in der Klinik bewohnen würde, und der Pfleger bugsierte das sperrige Bett durch die Tür an den Platz am Fenster.

»Na, was hab ich gesagt? Wie im Hotel.« Zufrieden deutete Manuel durch das Fenster hinaus in den herrlichen Klinikgarten, den Jenny nach ihren eigenen Plänen hatte gestalten lassen.

»Eher wie im Paradies«, seufzte Teresa, als ihr Blick auf der grünen Oase mitten in der Stadt ruhte. Aufgewachsen auf dem denkmalgeschützten Bauernhof ihrer Eltern liebte sie die Natur und konnte sich nicht vorstellen, jemals in der Stadt zu leben.