Ein Spiel unter Freunden - Patricia Vandenberg - E-Book

Ein Spiel unter Freunden E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Das war wirklich ein ausgesprochen netter Abend. Vielen Dank, Udo.« Herzlich verabschiedete sich Hans-Georg Leitner, von seinen Freunden nur Schorsch genannt und Chef einer renommierten Frauenklinik, von seinen Gastgebern. Felicitas und Daniel Norden, ebenfalls Gäste auf demselben Fest, konnten ihm nur beipflichten. »Ja, wirklich. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht«, bestätigte Daniel und legte den Arm schützend um seine Frau. Sie standen schon in der Tür, der Abendwind war kühl, und Felicitas fröstelte. »Ihr seid wirklich zu beneiden. Drei harmonische Paare unter einem so schönen Dach! Das ist ein echter Glücksfall.« »Noch stehen wir am Anfang unseres Zusammenlebens. Mal sehen, ob es in ein paar Wochen immer noch so gut klappt«, gab Udo Stolze, Frauenarzt an der Leitner-Klinik, gut gelaunt zurück. »Hast du Bedenken?« »Nein, natürlich nicht. Sonst hätten Joanna und ich diesen Schritt gar nicht gewagt. Ein solches Haus zu kaufen und gemeinsam zu renovieren ist ein echtes Wagnis. Man muss sich gut überlegen, mit wem man diesen Weg geht.« »Auf jeden Fall wünschen wir euch alles Glück dieser Welt«

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. Norden Extra – 117 –Ein Spiel unter Freunden

Das Leben mischt die Karten neu

Patricia Vandenberg

»Das war wirklich ein ausgesprochen netter Abend. Vielen Dank, Udo.« Herzlich verabschiedete sich Hans-Georg Leitner, von seinen Freunden nur Schorsch genannt und Chef einer renommierten Frauenklinik, von seinen Gastgebern. Felicitas und Daniel Norden, ebenfalls Gäste auf demselben Fest, konnten ihm nur beipflichten.

»Ja, wirklich. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht«, bestätigte Daniel und legte den Arm schützend um seine Frau. Sie standen schon in der Tür, der Abendwind war kühl, und Felicitas fröstelte. »Ihr seid wirklich zu beneiden. Drei harmonische Paare unter einem so schönen Dach! Das ist ein echter Glücksfall.«

»Noch stehen wir am Anfang unseres Zusammenlebens. Mal sehen, ob es in ein paar Wochen immer noch so gut klappt«, gab Udo Stolze, Frauenarzt an der Leitner-Klinik, gut gelaunt zurück.

»Hast du Bedenken?«

»Nein, natürlich nicht. Sonst hätten Joanna und ich diesen Schritt gar nicht gewagt. Ein solches Haus zu kaufen und gemeinsam zu renovieren ist ein echtes Wagnis. Man muss sich gut überlegen, mit wem man diesen Weg geht.«

»Auf jeden Fall wünschen wir euch alles Glück dieser Welt«, erklärte Fee herzlich und unterdrückte ein Gähnen. Es war spät geworden, sie freute sich auf ein paar Stunden ungestörten Schlaf. Daniel brachte sie zum Wagen und öffnete ihr die Beifahrertür.

»Tolles Haus.« Während Fee einstieg, warf er einen Blick zurück. Nebelschwaden zogen um die gelbe, efeuumrankte Jugendstilvilla, der Mond tauchte sie in fahles, unwirkliches Licht. Wäre da nicht der Schein vieler Lampen aus den Fenstern des Erdgeschosses in den parkähnlichen Garten gefallen, hätte nicht das Gelächter der verbliebenen Gäste fröhlich in die Nacht hinausgeklungen, so hätte das Haus wie ein Geisterschloss gewirkt. »Ich stelle es mir sehr schön vor, hier zu wohnen. Für Kinder ist die Umgebung nahezu ideal.«

»Stimmt schon. Aber so schön kann kein Haus sein, dass ich mit Freunden unter einem Dach leben möchte. Stell dir vor, es gibt Streit. Was dann?«

»Nun male doch nicht den Teufel an die Wand. Die drei Paare kennen sich lange genug, um zu wissen, auf was sie sich eingelassen haben. Du hast doch Udos Worte gehört. Sie haben sich alles gut überlegt.«

»Mag sein. Für mich wär’s trotzdem nichts.« Fee starrte aus dem Seitenfenster hinaus in die Dunkelheit und winkte Schorsch, der sie auf der Landstraße in seinem Wagen überholte. »Wenn ich dran denke, ich müsste mit diesem Henri auskommen …, na, ich weiß nicht.«

»Gefällt er dir nicht?«

»Ich weiß nicht. Irgendwie ist er mir unheimlich. Er hat so stechende graue Augen. Die ganze Zeit habe ich mich beobachtet gefühlt. Sehr bedrohlich.«

Daniel lachte amüsiert auf.

»Vielleicht wollte er nur mit dir flirten. Aber mir kanns recht sein. Da muss ich mir wenigstens keine Sorgen um meine Frau machen.«

»Sei dir da mal nicht so sicher«, gab Fee anzüglich lächelnd zurück. »Nicht alle Männer wirken so auf mich. Diesen Moritz Wolters zum Beispiel finde ich ganz interessant.«

»Willst du mich eifersüchtig machen?«

»Schau nicht so böse. Du weißt doch so genau wie ich, wo mein Herz zu Hause ist. Und wenn ich mich nicht irre, hat dir Anja Wolters schöne Augen gemacht, als du dich mit ihr unterhieltst. Ich hätte also ebenso viel Grund, eifersüchtig zu sein.«

»Oder ebenso wenig«, gab Daniel beschwichtigend zu. Er drosselte das Tempo und parkte den Wagen vor dem Haus. Nur die Außenleuchte brannte und wies ihnen den Weg. Sonst war alles dunkel und beide freuten sich auf eine erholsame Nacht und ein entspanntes Wochenende.

*

»Super Fest! Aber irgendwie bin ich froh, dass wir nicht jeden Tag so eine Veranstaltung hier haben.« Verschlafen kam Udo die Treppe hinunter und blieb im offenen Wohnraum der Villa stehen. Er trug ein T-Shirt und eine Pyjamahose und kratzte sich angesichts des Durcheinanders, das dort herrschte, ratlos den Kopf.

»Auch schon wach?« Seine Mitbewohnerin Anja Wolters musterte ihn missbilligend. Sie hatte ein Tablett in Händen, vollgestellt mit benutzten Gläsern. »Wenn sich jeder nützlich macht, ist alles halb so wild.«

»Werd bloß nicht zickig. Ich hab schon verstanden. Den Abwasch übernehm ich.«

»Zu spät. Das erledigen schon Henri und Elena.«

»Könnte es sein, dass er ihr den Hof macht? Gestern abend ist er auch schon kaum von ihrer Seite gewichten. Heike wird darüber nicht gerade erfreut sein.«

»Misch dich nicht in Sachen ein, die dich nichts angehen.« Anja warf ihm einen kalten Blick zu. »Jeder selbst ist seines Glückes Schmied.«

»Na hör mal. Wenn sich dein Göttergatte Moritz an das Hausmädchen heranmachte, würdest du doch sicher auch Unterstützung von uns erwarten.«

»Das ist was ganz anderes. Moritz und ich sind schließlich seit Jahren ein Paar. Heike, das Küken, muss die Feuerprobe erst noch bestehen. Und ich fürchte, es sieht nicht gut aus für sie.« Sie zuckte mit den Schultern und machte sich mit ihrer Last auf den Weg in die angrenzende Küche. Udo blieb kopfschüttelnd zurück. Manchmal verstand er die Frauen einfach nicht, konnte diese unterschwellige Missgunst nicht nachvollziehen. Aber ihm brummte ohnehin der Schädel. Er hatte wohl am Abend zuvor das eine oder andere Glas Wein zu viel getrunken. Eine Kopfschmerztablette war das, was er jetzt brauchte. Auf seinem Weg in die Küche nahm er pflichtschuldig zwei leere Weinflaschen mit. Schließlich wollte er sich von Anja nicht noch einmal einen Tadel einfangen.

»Abtrocknen ist deine Lieblingsbeschäftigung, was?« bemerkte Anja spitz, als sie das Tablett auf dem Küchentisch abgestellt hatte und Henri und Elena bei der Arbeit beobachtete. Elena errötete bis unter die dunklen Haarspitzen. »Wenn Sie eine andere Arbeit für mich haben …«, erklärte sie leise aber nicht minder hastig und wollte schon das Geschirrtuch beiseitelegen. Henri reagierte sofort. Er hielt sie mit einem entschiedenen Handgriff fest und warf Anja einen bitterbösen Blick zu.

»Sie bleiben hier und helfen mir. Frau Wolters hat nicht über alles zu bestimmen.«

»Deine Affären gehen mich wirklich nichts an, da hast du recht. Ich möchte nur Frieden im Haus. Und ich glaube nicht, dass Heike deine offensichtliche Begeisterung für unser kleines Hausmädchen gutheißt.« Die Worte saßen. Betroffen senkte Elena den Kopf.

»Ich habe doch gar nichts gemacht.«

»Davon redet ja auch keiner, meine Liebe. Es geht um Henri.«

Der stand zur Salzsäure erstarrt und musterte Anja kalt. »Steck deine Nase nicht in fremde Angelegenheiten. Ich kümmere mich lediglich ein bisschen um Elena. Aller Anfang ist schließlich schwer.« Er machte eine kunstvolle Pause, die grauen Augen nicht von Anja abwendend. »Sieh lieber mal nach deinem Mann. Der unterhält sich schon seit einer geraumen Weile sehr angeregt mit Joanna.« Anja schnaubte verächtlich.

»Das ist mir jetzt doch zu kindisch.« Ihre Hände zitterten, während sie die Gläser klirrend auf den Tisch stellte. Als das Tablett leer geräumt war, floh sie mit fliegenden Schritten aus der Küche. Immer wieder musste sie einsehen, dass sie Henri Steiner nicht gewachsen war. Er schien alles zu wissen, jeden mit seinen kalten grauen Augen zu durchschauen. Ja, manchmal hatte sie das Gefühl, er konnte ihre Gedanken lesen. Ohne es zu wollen, musste sich Anja eingestehen, dass sie Angst vor ihrem Mitbewohner hatte. Schon immer. Moritz, ihr Mann, lachte sie dagegen aus, wenn sie dieses Gefühl äußerte. Die beiden waren Freunde von Kindesbeinen an. Daran gab es nichts zu rütteln.

*

Stunden später waren die Spuren der langen Nacht beseitigt. Und auch die angespannten Gemüter hatten sich wieder beruhigt. Man traf sich zu einem späten Mittagessen an dem massiven, schweren Holztisch, der den Mittelpunkt der großen Wohnhalle bildete.

»So ein Resteessen ist doch immer wieder ein Genuss.« Zufrieden überblickte Moritz Wolters die üppig gedeckte Tafel. In Schüsseln und auf Tellern lagen, von Elena appetitlich neu arrangiert, die beachtlichen Reste des Buffets.

»Auf diese Weise bekommt man wenigstens noch was ab von den Köstlichkeiten. Gestern abend war ich so mit unseren Gästen beschäftigt, dass mir kaum Zeit zum Essen blieb«, bestätigte Joanna leutselig und legte sich ein Stück kalten Braten auf den Teller. Nur bemerkt von Henri streifte dabei ihre Hand wie zufällig die von Moritz. Sie lächelte leise, aber als ihr Blick auf seine kalten Augen fiel, erstarrte sie innerlich zu Eis. Schnell wandte sie sich ihrem Mann zu. »Wenn die Adoption erst mal über die Bühne gegangen ist, ist die Zeit der ausschweifenden Feiern erst mal vorbei. Dann heißt es früh aufstehen.«

»Hoffentlich macht das Wunschkind nicht zu viel Lärm«, bemerkte Anja spöttisch.

»Du müsstest doch eigentlich Verständnis dafür haben. Immerhin habt ihr diese Erfahrung auch schon mit eurem Sohn gemacht.« Udo blieb ganz ruhig. »Außerdem ist unsere Wohnung gut isoliert. Wir werden wohl kaum jemanden bei seiner Nachtruhe stören.«

Heike, die neben ihrem Lebensgefährten Henri am Tisch saß, folgte wie immer sehr aufmerksam dem Gespräch der befreundeten Paare. Sie war erst seit wenigen Monaten mit Henri liiert und nur ihm zuliebe in die frisch renovierte Villa gezogen. Sie fühlte sich in der trauten Runde stets als Fremdkörper, konnte nicht mitreden, wenn über vergangene Zeiten gesprochen, nicht mitlachen, wenn über alte Witze gelacht wurde. Deshalb griff sie jetzt dankbar das Thema auf, das für alle anderen ebenso neu wie für sie selbst war.

»Wie weit ist es denn mit der Adoption gediehen?« erkundigte sie sich interessiert bei Joanna und strich sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht.

»Die entscheidende Hürde haben wir endlich geschafft. Unseren Elternführerschein haben wir in der Tasche.«

»Was ist das denn?«

»Ein Befähigungsnachweis vom Jugendamt. Um den zu bekommen, mussten wir uns zahllosen Informationsabenden, Fragebögen und Gesundheitstests stellen. Und ein Sozialbericht wurde auch angefertigt. Manchmal kam ich mir vor wie der sprichwörtliche gläserne Mensch.« Allein der Gedanke an die überstandenen Mühen trieb Udo eine steile Falte auf die Stirn.

»Macht nichts. Ich denke, das ist auch eine gute Gelegenheit für die Behörden, die Spreu vom Weizen zu trennen. Viele Paare mit Kinderwunsch, die sich mit uns auf den Weg gemacht haben, sind angesichts der Schwierigkeiten abgesprungen. Nur die, die es wirklich ernst meinen, haben durchgehalten«, wandte sich Joanna erklärend an Heike.

»Und wie lange müsst ihr jetzt noch auf euer Wunschkind warten?«

»Sei doch nicht so neugierig, Heike!« Henri maß seine junge Freundin mit einem vorwurfsvollen Blick. Heike errötete, aber Udo sprang ihr sofort zur Seite.

»Schon in Ordnung, die Frage ist durchaus berechtigt. In Deutschland kommen derzeit 13 Paare auf ein zur Adoption freigegebenes Kind. Es kann also dauern, bis wir an der Reihe sind und ein geeignetes Baby gefunden ist.«

»Dabei liest man doch immer von den armen Kleinen, die kein Elternhaus haben.«

»Das täuscht. Dank verbesserter Verhütungsmethoden und der Liberalisierung des Abtreibungsrechts gibt es hier immer weniger unerwünschte Kinder. Und wenn ich daran denke, wie lange es gedauert hat, bis wir überhaupt unseren ›Elternführerschein‹ bekommen haben!« Der Gedanke an die mühevolle Prozedur trieb eine steile Falte auf Jans Stirn. Mit einem hoffnungsvollen Strahlen in den Augen legte Joanna ihre Hand auf die seine.

»So würde ich das nicht sehen. Ich rechne jeden Tag mit dem alles entscheidenden Anruf. Schließlich will ich bereit sein, wenn wir Eltern werden.«

»Eine komische Sache ist das schon«, erklärte Anja und ihre Stimme hatte jeden Spott verloren. »Eine schwangere Frau hat immerhin neun Monate Zeit, sich auf die neue Situation, die sie nach Geburt des Kindes erwartet, einzustellen. Bei euch kann das ganz plötzlich gehen. Hoffentlich bringt euch das nicht in Schwierigkeiten.«

»Ich hoffe, es löst all unsere Probleme«, verriet sich Joanna unbedacht. Eine heiße Röte stieg ihr ins Gesicht, und am Tisch entstand ein verlegenes Schweigen. Henri bedachte sie mit einem Röntgenblick aus seinen eisgrauen Augen, unter dem ihr noch unwohler wurde. Was wusste er über ihre heimlichen Eheprobleme? Glücklicherweise kam in diesem Augenblick die hübsche Elena mit dem Kaffee herein. Florian, der beinahe erwachsene Sohn von Anja und Moritz, sprang von seinem Stuhl auf, um ihr beim Servieren behilflich zu sein. Denn nicht nur Henri schien Gefallen gefunden zu haben an dem schüchternen Hausmädchen. Seine Mutter beäugte ihn argwöhnisch. Ihr mochte es gar nicht gefallen, dass sich ihr Sohn aus bestem Hause ausgerechnet in eine Angestellte verliebte. »Setz dich, Flo. Elena kann das sehr gut alleine, denke ich«, wies sie ihn zurecht und Florian tat zögernd, wie ihm geheißen. Schweigend wartete die Runde, bis der Kaffee eingeschenkt war. Henri reichte sein silbernes Zigarettenetui herum, ehe er sich selbst eine anzündete und genussvoll rauchte. Im Gegensatz zu den anderen Anwesenden schien er sehr zufrieden mit dem Verlauf des Tages zu sein.

»Nun, Kinder, wie wollen wir den angebrochenen Nachmittag verbringen? Das Wetter, und nicht zuletzt der Park laden zu einem kleinen Rundgang ein, findet ihr nicht?«

Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmung und schon bald war die muntere Gesellschaft unterwegs, um ihr neu erworbenes Grundstück zu erforschen. Die drei erwachsenen Männer hatten sich zusammengefunden und wanderten, die Hände auf dem Rücken verschränkt, durch die frühlingshafte Landschaft, während die Frauen tuschelten und lachten. Sogar Heike begann, sich ein wenig heimisch zu fühlen und erzählte mit großem Erfolg die eine oder andere amüsante Begebenheit aus ihrem Berufsleben. Nur Elena und Florian hatten sich unbemerkt abgesetzt und wanderten abseits der ausgetretenen Pfade. Niemand schien sie zu vermissen. Das Laub des Vorjahrs raschelte unter ihren Füßen, ihre Arme berührten sich, während sie eng nebeneinander her gingen. Eine fahle Frühjahrssonne bahnte sich mühsam den Weg durch sanfte Schleierwolken, eine warme Brise wehte. Alles in allem war es ein perfekter Tag, die gelungene Fortsetzung eines schönen Festes. Das fand auch Henri, dem allerdings nichts entging. Ruhelos glitten seine grauen Augen über die Landschaft, lauschten seine Ohren angestrengt nach Geräuschen, die die anderen nicht hörten. Das leise, geschmeichelte Lachen des Mädchens, die tiefere Stimme des Jungen. Dann ein langes Schweigen, gefolgt vom Rascheln der Blätter im Gras. Mehr hörte auch er nicht. Sie hatten sich zu weit entfernt.

*

In allgemeiner Harmonie ging das Wochenende vorüber. Schneller als erwartet war der Sonntagabend gekommen und eine erschöpfte Müdigkeit bereitete der Wochenendeuphorie ein schleichendes Ende. Jeder dachte an den Montag, der wieder vielfältige Aufgaben in Beruf und Haushalt mit sich bringen würde. Schließlich beschloss man, die gesellige Runde aufzuheben, und jedes Paar kehrte müde und zufrieden in seine eigene Wohnung in den oberen Stockwerken zurück.

»Alles in allem war das Fest und dieses Wochenende doch ein gelungener Auftakt zu unserem gemeinsamen Zusammenleben. Findest du nicht?« Selbstzufrieden tauschte Moritz Wolters die Slipper gegen ein Paar bequeme Hausschuhe und schenkte sich einen Drink ein. »Auch einen?«

»Nein, danke«, wehrte Anja mit grimmiger Miene ab. »So positiv wie du kann ich die Sache nicht sehen. Ist dir aufgefallen, dass unser Herr Sohn wahre Stielaugen bekommt, wenn Elena auch nur den Raum betritt? Wo steckt er überhaupt? Ich habe ihn heute den ganzen Tag fast nicht zu Gesicht bekommen.«

»Muss ich dich daran erinnern, dass Florian fast erwachsen ist, Anja? Und was Elena angeht, kann ich ihm sein Interesse nicht verdenken. Sie ist eine wahre Augenweide.«

»Moritz, ich bitte dich.« Entrüstet starrte sie ihren Mann an. »Sie ist nicht mehr als ein kleines Hausmädchen. Ganz und gar nicht standesgemäß für Florian. Da hatte ich mir doch was anderes vorgestellt.«

»Nicht so schrill bitte. Da platzt einem ja das Trommelfell. Und in welchem Jahrhundert lebst du überhaupt? Nicht standesgemäß? Dass ich nicht lache. Ich finde, Flo soll glücklich werden. Der Rest wird sich finden.«

»Typisch. Du machst es dir leicht wie immer«, schnaubte Anja verächtlich. »Glaubst du, ich habe ein Vermögen in seine Ausbildung investiert, damit er so ein einfaches Mädchen heiratet? Nein, so haben wir nicht gewettet. Außerdem ist er viel jünger als sie.«