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Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. »Zum Glück ist es nur ein kleiner Kratzer«, stellte Dr. Daniel Norden erleichtert fest, nachdem er den Knöchel seiner Patientin Marita Schneider gründlich untersucht hatte. »Weder die Bänder noch der Knochen sind verletzt. Trotzdem bekommen Sie vorsichtshalber eine Tetanusspritze. Sicher ist sicher.« Während er sprach, nahm er eine Kanüle aus dem Regal, riss die sterile Verpackung auf, holte ein Fläschchen aus einem Kühlschrank und zog schließlich eine Spritze auf. »Radfahren in der Stadt ist wirklich lebensgefährlich«, bemerkte Marita und sah dem Arzt dabei zu, wie er ihr die Injektion verabreichte. Er tat es so geschickt, dass sie den Einstich nicht spürte. »Wenn es wenigstens genügend Radwege gäbe. Aber noch nicht mal das ist der Fall.« »Hat der Fahrer, der sie an den Randstein gedrängt hat, wenigstens angehalten?«, erkundigte sich Daniel und klebte ein kleines Pflaster auf die Einstichstelle. Er nickte Margit zu zum Zeichen, dass die Behandlung damit zu Ende war. »Das war eine Fahranfängerin, die mich einfach übersehen hat«, berichtete Marita und rutschte von der Behandlungsliege. Vorsichtig versuchte sie auf dem Fuß zu stehen. Das Gelenk schmerzte, und sie biss tapfer die Zähne zusammen. »Eigentlich kann ich ihr noch nicht mal böse sein.
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Seitenzahl: 114
Veröffentlichungsjahr: 2024
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»Zum Glück ist es nur ein kleiner Kratzer«, stellte Dr. Daniel Norden erleichtert fest, nachdem er den Knöchel seiner Patientin Marita Schneider gründlich untersucht hatte. »Weder die Bänder noch der Knochen sind verletzt. Trotzdem bekommen Sie vorsichtshalber eine Tetanusspritze. Sicher ist sicher.« Während er sprach, nahm er eine Kanüle aus dem Regal, riss die sterile Verpackung auf, holte ein Fläschchen aus einem Kühlschrank und zog schließlich eine Spritze auf.
»Radfahren in der Stadt ist wirklich lebensgefährlich«, bemerkte Marita und sah dem Arzt dabei zu, wie er ihr die Injektion verabreichte. Er tat es so geschickt, dass sie den Einstich nicht spürte. »Wenn es wenigstens genügend Radwege gäbe. Aber noch nicht mal das ist der Fall.«
»Hat der Fahrer, der sie an den Randstein gedrängt hat, wenigstens angehalten?«, erkundigte sich Daniel und klebte ein kleines Pflaster auf die Einstichstelle. Er nickte Margit zu zum Zeichen, dass die Behandlung damit zu Ende war.
»Das war eine Fahranfängerin, die mich einfach übersehen hat«, berichtete Marita und rutschte von der Behandlungsliege. Vorsichtig versuchte sie auf dem Fuß zu stehen. Das Gelenk schmerzte, und sie biss tapfer die Zähne zusammen. »Eigentlich kann ich ihr noch nicht mal böse sein. Bei dem Verkehr muss man ja den Überblick verlieren.«
»Ist das der Grund, warum Sie selbst nicht Auto fahren?«, fragte Dr. Norden interessiert und ging voraus ins Sprechzimmer.
Margit folgte ihm langsam und winkte lächelnd ab.
»Ach, hin und wieder würde ich schon ganz gern fahren. Vor allen Dingen, wenn die Zeit knapp ist. Oder der Weg so weit wie zu Ihnen. Mit dem Wagen wäre ich viel schneller als mit Bus oder Bahn. Oder mit dem Rad.« Sie nahm Daniel gegenüber am Schreibtisch Platz. Der Unfall war ausgerechnet auf dem Weg zu ihm passiert.
»Wie wär’s dann mit einem Zweitwagen?« Während Dr. Norden das Rezept für Thorsten Schneiders Blutdrucktabletten ausstellte – das war der eigentliche Grund für Maritas Besuch –, erinnerte er sich an ein günstiges Angebot. »In unserer Nachbarschaft wird ein Kleinwagen verkauft. Gut erhalten und gar nicht teuer.«
Der Drucker rauschte leise und spuckte das Rezept aus.
»Er gehört einem älteren Herrn, der sich aus Altersgründen entschieden hat, nicht mehr zu fahren.« Er schob das Rezept über den Tisch und sah Marita fragend an. »Mit einem eigenen Wagen könnten Sie auch mal abends in die Stadt kommen. Ins Theater oder Konzert gehen. Oder Ihre Tochter besuchen. Einfach die schönen Dinge des Lebens genießen.«
Obwohl Marita erst Mitte Vierzig war, wirkte sie wie eine ältere Dame. Die altmodische Frisur, die schlichte weiße Bluse und die dunkelblaue Bundfaltenhose betonten diesen Eindruck. Dabei hatte sie ein durchaus hübsches Gesicht. Mit etwas Schminke und einem modernen Haarschnitt …
»Ach, nein.« Sie fand den Gedanken durchaus verlockend, lachte aber dennoch unsicher in Daniel Nordens Gedanken hinein. »Thorsten will das nicht. Er meint, ein Wagen ist genug für uns. Vor allen Dingen, seit Sanne ausgezogen ist.« Als sie ihre erwachsene Tochter erwähnte, huschte ein Leuchten über ihr Gesicht. Susanne, kurz Sanne genannt, war ihr ganzer Stolz. Seit sie nicht mehr zu Hause wohnte, war ihr Leben deutlich langweiliger, farbloser geworden. »Und irgendwie hat er ja auch recht. Schon aus Gründen des Umweltschuztes.«
Natürlich war dieser Grund einleuchtend. Doch Daniel Norden war fast sicher, dass das nicht Thorsten Schneiders wahre Beweggründe waren.
Er saß Marita Schneider gegenüber und wunderte sich ein weiteres Mal über diese duldsame Frau, die offenbar nicht zum Widerspruch neigte.
»Wenn ich mich nicht irre, ist Ihr Mann doch häufig unterwegs, nicht wahr?«
Sie nickte.
»Thorsten ist Unternehmensberater und oft drei, vier Tage am Stück weg.«
»Und wenn Sie Ihre Besorgungen auf die Tage legen, wenn er da ist?«, machte Daniel einen praktischen Vorschlag. Irgendwie tat ihm Marita leid, und er versuchte, sie zu einer Lösung ihres Problems zu animieren.
Vor Verwunderung wurden Maritas hübsche blaue Augen groß und rund. »Ich soll mit dem Firmenwagen fahren?«, fragte sie entgeistert. Dann lachte sie. »Das ist ein guter Witz.« Sie schüttelte den Kopf so energisch, dass die blonden sorgfältig gelegten und mit Haarspray fixierten Wellen auf ihren Schultern hüpften. »Nein, das erlaubt Thorsten niemals. Und im Grunde hat er ja recht. Stellen Sie sich mal vor, ich baue einen Unfall oder fahre eine Macke dran. Nicht auszudenken«, lehnte sie so entschieden ab, dass Daniel Norden beschloss, nicht weiter in sie zu dringen. Auf keinen Fall wollte er in Marita Gedanken säen, die sie nur unglücklich machen und möglicherweise einen handfesten Krach im Hause Schneider provozieren würden.
Schließlich war es ihr Leben. Wenn sie damit zufrieden war, musste er es hinnehmen. So schwer es Dr. Norden als modernem Familienmenschen auch fiel, das zu glauben.
»Bitte melden Sie sich, falls Sie wider Erwarten trotzdem Probleme mit dem Fuß haben«, bat er sie zum Abschied.
Marita versprach es. Doch ob sie sich an ihr Versprechen halten würde, war eine andere Sache.
»Schon fast halb sechs!« Erschrocken begann Sanne zu laufen. Sie war zu spät aus dem Büro einer Personalagentur gekommen, bei der sie seit einem halben Jahr als Bürokauffrau arbeitete. Wieder einmal hatte ihre Chefin ihr in letzter Sekunde eine Akte auf den Tisch geknallt und ihr befohlen, den Brief noch an diesem Tag zu schreiben. Und das, obwohl Sanne um Punkt fünf Uhr mit ihrem Freund Matthias verabredet war. »Hoffentlich ist er noch da!« Während sie sich durch die belebte Fußgängerzone an Passanten vorbeidrängelte, konnte sie ihn förmlich vor sich sehen, wie er da am Tisch im Café saß, mit grimmiger Miene und schlechter Laune. »Bitte warte! Geh nicht wieder«, flehte sie, als könnte er sie hören. Sie presste die Handtasche an sich, damit sie ihr nicht während der eiligen Hatz durch die Stadt von der Schulter rutschte.
An einer Straße hielt sie keuchend und ungeduldig an und passte eine winzige Lücke im Verkehr ab.
»Bist du verrückt geworden!«, rief ihr der Fahrer erbost und zu Tode erschrocken nach, als sie knapp vor seinem Cabriolet über die Fahrbahn stürzte.
Es war der erste warme Tag des Jahres, richtig frühlingshaft. Sanne hatte es sich so schön vorgestellt, mit Matthias in der Abendsonne draußen vor dem Café zu sitzen, danach vielleicht ins Kino zu gehen oder einen Schaufensterbummel zu machen. »Aus der Traum!« Wahrscheinlich war er längst gegangen, um sich seiner absoluten Leidenschaft zu widmen: alten Autos. Damit verdiente er sich nebenbei sein Studium. Doch Sanne überlegte manchmal, ob das nicht nur eine Ausrede war, um möglichst viel Zeit unter alten Eisenhaufen zu liegen und den Schraubenzieher zu schwingen.
»Tut mir leid, Chance vertan«, würde er sagen, wenn Sanne ihn dabei störte. »Jetzt muss ich den Wagen von Hermann Kamp fertig machen. Du weißt doch, wie sehr er sich darauf freut, endlich mit seinem Oldtimer durch die Gegend zu fahren. Bald fängt die Saison wieder an!«
Sanne spürte die Hitze auf ihrem Gesicht und dachte erschrocken daran, dass ihr Make-up verlaufen sein würde, wenn sie endlich am Café angekommen war.
»Nie wieder laufe ich so schnell zu einer Verabredung!«, schwor sie sich atemlos, als sie Matthias endlich an einem der Tische vor dem Café entdeckte. Wie erwartet, stand eine tiefe Falte zwischen seinen schönen graugrünen Augen.
»Ich wollte gerade gehen«, sagte er vorwurfsvoll statt einer Begrüßung.
»Tut mir leid.« Eine braune Strähne hatte sich aus Sannes Pferdeschwanz gelöst und klebte an ihrer Wange. Ungeduldig strich sie sie zurück. »Die Wagmann hatte mal wieder einen wahnsinnig wichtigen Brief zu schreiben, der nicht bis morgen warten konnte.«
»Komisch, dass deine wichtigen Dinge immer Vorrang haben«, erwiderte Matthias mürrisch. »Dass meine Zeit auch kostbar ist, darauf kommst du offenbar nicht.«
Sanne biss sich auf die Lippe und unterdrückte die Bemerkung, dass es nicht ihre wichtige Sache war, die keinen Aufschub geduldet hatte. Sie wollte keinen Streit, nicht jetzt, und küsste Matthias versöhnlich auf den Mund.
»Ich sagte doch, es tut mir leid«, wiederholte sie freundlich und setzte sich zu ihm an den runden kleinen Tisch. »Wartest du schon lange?«
Matthias sah auf die Uhr und wollte schon lügen, als der Kellner eine Tasse Kaffee brachte und vor ihn hinstellte.
»Hmm, vielleicht fünf Minuten«, gab er ohne einen Hauch von Reue zu.
Susanne bestellte auch einen Kaffee. Dann schimpfte sie: »Dann warst du also auch zu spät! Hätte ich mir ja denken können.« Seit sie Matthias kannte, war er noch nie pünktlich zu einer Verabredung gekommen.
Sanne fühlte, wie der Ärger in ihr aufstieg. So war es in letzter Zeit fast immer zwischen ihnen. Zuerst konnte sie es kaum erwarten, ein paar Minuten, wenige Stunden seiner kostbaren Zeit zu ergattern. Und wenn sie ihn dann endlich sah, ärgerte sie sich über ihn.
»Ich musste unbedingt noch einen Wagen ansehen, der zum Verkauf steht«, erklärte Matthias beiläufig und löffelte Zucker in seinen Kaffee. »Ein echtes Schnäppchen. Wenn ich mit ihm fertig bin, ist er glatt das Doppelte wert. Deshalb hab ich auch nicht viel Zeit. Ich hab versprochen, noch heute mit dem Geld vorbeizukommen.«
Vor Enttäuschung wurde Sanne kalt.
»Aber wir wollten den Abend doch gemeinsam verbringen.« Sie ärgerte sich über ihre klägliche Stimme.
Aber Matthias unterbrach sie kopfschüttelnd.
»Ich hab dir schon tausend Mal erklärt, dass ich das Geld dringend brauche, um mein Studium zu finanzieren«, erklärte er in einem Ton, als hätte er es mit einem Kindergartenkind zu tun. »Wenn du, statt eine Lehre zu machen, studiert hättest, wie du es vorgehabt hast, dann würdest du mich verstehen.«
Sie presste die Lippen aufeinander, um ihm nicht vorzuwerfen, dass sie seinetwegen auf ein Studium verzichtet hatte. Um Geld zu verdienen und mit ihm zusammen sein zu können. Damit sie sich überhaupt noch etwas leisten konnten.
»Komm schon«, versuchte Matthias einzulenken, nachdem der Ober Sannes Kaffee auf den Tisch gestellt hatte. »Wir wollen die wenige Zeit, die wir haben, nicht mit Streitereien verbringen, oder?«
Susanne rührte so heftig in der Tasse, dass er überschwappte.
»Nach den Zwischenprüfungen sind erst mal Semesterferien. Dann habe ich tagsüber mehr Zeit zum Schrauben!«
»Zeit zum Schrauben?«, wiederholte Sanne ungläubig. »Und was ist mit Zeit für uns?«
Unbeeindruckt sah Matthias auf die Uhr.
»Wenn wir uns beeilen, können wir noch ein Schäferstündchen bei mir einlegen. Was meinst du?«, schlug er vor.
Aber Susanne schüttelte den Kopf.
»Keine Lust.«
»Warum denn nicht? Jetzt komm schon.« Matthias lachte dabei. »Sei keine Spielverderberin.«
Doch für Sanne war sein notorischer Zeitmangel alles andere als ein Spaß.
»Danke, für heute reicht’s mir mit dir!«, fauchte sie und sprang auf. Sie stieß an den Tisch, dass beide Tassen überschwappten. Doch sie kümmerte sich nicht darum. Zutiefst enttäuscht schnappte sie sich ihre Handtasche und rauschte davon. Nachlaufen würde er ihr sicher nicht, so gut kannte sie ihn inzwischen. Aber sie hoffte, dass er ihr wenigstens nachrufen würde.
Doch Matthias tat weder das eine noch das andere. Als Sanne sich noch einmal nach ihm umdrehte, hielt er sein Handy ans Ohr und redete auf irgendjemanden ein, während er mit einer Serviette gedankenverloren den Kaffee vom Tisch wischte.
»Sanne, du?« Freudig begrüßte Marita ihre einzige Tochter, die an diesem Abend überraschend zu Besuch kam. Sie hatte ihren Wohnungsschlüssel vergessen und klingelte, als Marita gerade das Abendessen zubereitete. »Komm rein! Ich muss schnell an den Ofen. Sonst brennen mir die Kartoffeln an.« Sie wischte sich die Hände an der Schürze ab und drückte Susanne einen hastigen Kuss auf die Wange.
»Wie geht es dir? Was macht die Arbeit?«, erkundigte sie sich auf dem Weg in die Küche.
»Ganz gut. In Ordnung.« Sanne gab sich einsilbig. Statt ihrer Mutter direkt zu folgen, blieb sie kurz vor der Kommode stehen und betrachtete die in Silber gerahmten Familienfotos. Thorsten mit Marita bei ihrer Hochzeit, Thorsten mit seinem neuen Wagen, Thorsten und Marita mit ihrer kleinen Tochter, Thorsten allein mit Susanne. Thorsten mit seinen Eltern.
»Warum sind wir zwei eigentlich auf keinem der Bilder?«, fragte sie ihre Mutter, als sie sich zu ihr in die Küche gesellte.
»Sind wir doch.« Konzentriert rührte Marita in der Pfanne mit dem Sahnegeschnetzeltem. »Da ist doch ein Foto, auf dem sind Papa, du und ich.«
»Ich meinte aber nur dich und mich. Oder dich allein.« Sanne klaute sich ein Stück Kartoffel aus dem Topf und schwang sich neben dem Herd auf die Arbeitsplatte, wie sie es als Kind schon immer gern getan hatte.
Irritiert drehte sich Marita zu ihrer Tochter um.
»Was ist mit dir? Schon wieder Ärger mit Matthias?« Sie kannte Sanne gut genug, um auch ohne große Erklärungen zu wissen, welche Laus ihr über die Leber gelaufen war.
»Ja, schon«, gestand sie wortkarg und starrte blicklos vor sich hin.
Marita holte noch einen Becher Sahne aus dem Kühlschrank und goss ihn in die Sauce.
»Was hat er denn wieder mit dir gemacht?«, fragte sie und fuhr mit dem Zeigefinger in den leeren Becher. Genüsslich leckte sie ihn ab und sah ihre Tochter fragend an. »Du solltest dir nicht alles von ihm gefallen lassen.«
Diese Bemerkung brachte Sanne zum Lachen.
»Das sagt die Richtige«, platzte sie heraus. »Wo Papa doch dein König ist. Der Alleinherrscher.«
Marita hatte den Becher in den Plastikmüll geworfen und drehte sich überrascht um.
»Mein König? Wie kommst du denn auf die Idee?«
»Na, weil Papa hier immer noch den Ton angibt. Oder wolltest du etwa eine dunkelbraune Schrankwand im Wohnzimmer?«, spielte Sanne wieder einmal auf die alte Geschichte an. »Oder diese Monstercouch?«
»Nein, natürlich nicht«, räumte Marita ein und wandte sich wieder den zischenden Töpfen und Pfannen zu. »Aber dein Vater und ich entscheiden alles demokratisch. Thorsten fragt mich immer um meine Meinung.«
»Und entscheidet dann allein.« Sanne lachte unfroh und sprang von der Arbeitsplatte, um den Küchentisch zu decken. Das war ein ungeschriebenes Gesetz im Hause Schneider. An Wochentagen wurde in der Küche gegessen, am Wochenende in der Essecke im Wohnzimmer.
