Ein ungewöhnliches Weihnachtsgescheink - Lewis Cowley - E-Book

Ein ungewöhnliches Weihnachtsgescheink E-Book

Lewis Cowley

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Beschreibung

Eine Familie aus Nürnberg kommt durch Verkettung verschiedener Umstände am Heiligen Abend zu einem Baby. Der Vater, ein vielbeschäftigter Kurierfahrer, findet auf seiner Fahrt nach Augsburg ein völlig demoliertes Auto mit einer toten Fahrerin. Das Baby auf dem Beifahrersitz hat unverletzt überlebt. Herr Steiner nimmt sich des Babys an und versucht alles, um eine Adoption zustande zu bekommen.

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Seitenzahl: 155

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Lewis Cowley

Ein ungewöhnliches Weihnachtsgescheink

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

KAPITEL 1: UNFALL AUF DER LANDSTRASSE

KAPITEL 3: DER ADOPTIONSANTRAG.

Impressum neobooks

KAPITEL 1: UNFALL AUF DER LANDSTRASSE

Ein ungewöhnliches

Weihnachtsgeschenk

Familienkurzgeschichte von Lewis Cowley

DIE STORY:

Heilig Abend bei Familie Steiner in Nürnberg: Der Vater Frank, ein vielbeschäftigter Kurierfahrer, entdeckt auf einer Landstraße ein völlig demoliertes Auto mit einer toten Fahrerin. Das Baby auf dem Beifahrersitz überlebt unverletzt. Herr Steiner will Meldung machen, doch keine Polizeistelle fühlt sich zuständig. Nach einem langen Spießrutenlauf fasst er die Idee, das Baby zu adoptieren. Aber am Heiligen Abend ist keine Behörde erreichbar und Steiner gerät von einem Abenteuer ins nächste. So nimmt er das Baby bei sich auf und fährt nach Nürnberg zurück, begleitet von vier Polizeibeamten. Doch was wird aus dem Baby?

Ein Baby als Weihnachtsgeschenk? Wie geht denn das? Nun, die Familie Steiner aus Nürnberg hat dies erlebt. Es war schon ungewöhnlich, wie die Familie zu dem Baby gekommen war und warum sie es behalten durften. Für den Familienvater war es sogar abenteuerlich und sein Leben war einige Male in Gefahr. Aber genug der Worte. Ich möchte nun erzählen, wie die Geschichte passiert ist.

Es war an einem Heiligen Abend bei der Familie Steiner. Der Mann Frank Steiner war schon den ganzen Tag weg, obwohl er versprochen hatte, am Nachmittag zurück zu sein. Doch die Wanduhr zeigte 18.10 Uhr und der Vater war immer noch nicht zurückgekommen. Die 10-jährige Tochter Renate quengelte:

„Ruf doch Papa nochmal an, vielleicht hat er jetzt das Telefon bei sich. Ich will wissen, wann er kommt.“

„Ich habe es schon stundenlang versucht.“ meldete ihre Mutter. „Mehr als anrufen und anfunken lassen kann ich ja doch nicht. Und in der Zentrale seiner Arbeit ist jetzt keiner mehr da. Wir können also nicht weiter tun als abwarten. Vielleicht kommt er gleich.“

„Ach was, er hält uns nur zum Narren.“ sagte der Sohn Ralf, der ein Jahr jünger war. „Weil er uns die Weihnachtsfreude vergällen will.“

„Du weißt genau, dass das nicht stimmt, Ralf.“ korrigierte ihn seine Mutter. „Wir warten, bis er kommt.“

„Aber warum denn, Mama?“ wollte ihr Sohn wissen. „Können wir denn nicht wenigstens essen, bis Papa kommt?“

„Wenn wir essen, dann alle.“ bestimmte die Mutter. „Er muss bald da sein.“

„Ich habe aber Hunger.“ motzte Ralf.

„Du wartest ab, bis Papa kommt.“ ermahnte ihn Frau Steiner.

„Ich finde diese Verspätung unentschuldbar.“ meinte Renate.

„Euer Vater wird lediglich aufgehalten worden sein, was ist schon dabei.“ versuchte ihre Mutter sie zu beruhigen, dabei machte sie sich selbst große Sorgen um ihren Mann. Seit Stunden hatte sie nichts mehr von ihm gehört. Am Mittag hätte er bereits zurück sein müssen von seinem Auftrag, jetzt war es Abend geworden.

„Und wenn ihm was passiert ist?“ fragte Renate.

„Das hätten wir wissen müssen und die Polizei wäre jetzt längst da gewesen.“ erklärte seine Mutter.

„Aber warum ist er nicht schon längst da?“ fragte Renate.

„Ich sagte doch, er wird lediglich aufgehalten worden sein.“ sagte Frau Steiner. „Es ist sicher nichts von Bedeutung.“

In diesem Moment läutete das Handy der Frau. Sie meldete sie. Die Kinder sahen sie gespannt an, doch sie konnten die Reaktion ihrer Mutter nicht deuten.

„Ich verstehe.“ sagte sie. „Wann, sagten Sie?“ Nach einer kleinen Pause fuhr sie fort:

„Also gut, wir warten. Wiederhörn.“ Sie legte auf.

„Das war doch nicht Papa!“ erkannte Renate.

„Nein, das war die Polizei.“ erklärte ihre Mutter. „Der Beamte sagte gerade, dass Papa gleich bei uns ist. Sie bringen ihn gerade her.“

„Aber Papa weiß doch, wo er wohnt.“ meinte die Tochter altklug. „Oder hat er sich verfahren? Vielleicht geht sein Navi nicht.“

„Näheres werden wir erfahren, wenn er da ist.“ sagte die Frau Steiner. „Und jetzt bringe ich den Müllsack runter. Wartet hier.“

Sie öffnete die Wohnungstür und bekam einen Riesenschreck, so dass sie die Mülltüte fallenließ. Völlig erschöpft und mitgenommen stand ihr Mann vor ihr. Er hielt ein Babysafe in seiner Hand und wurde von vier Polizisten begleitet.

„Um Gottes Willen, Frank.“ stieß sie hervor.

„Ist schon gut.“ gab er keuchend zurück.

„Papa!“ riefen die Kinder.

„Was hast du denn da drin?“ fragte seine Frau. „Und was will die Polizei von dir?“

„Das erzähl ich euch alles nachher.“ antwortete er. „Zuerst muss ich das Baby loswerden.“ Dabei setzte er den Babysafe ab. Sofort waren die Kinder da und betrachteten den Inhalt. Darin schlief ein etwa zwei Monate altes Baby.

„Ach, wie goldig.“ schmeichelten die Kinder.

„Seid still, ihr Beiden.“ erwiderte ihr Vater. „Die Kleine schläft.“

„Ach, ist das ein Mädchen?“ fragte Renate.

„Allerdings.“ erwiderte ihr Vater.

Jetzt wurde auch seine Frau neugierig und trat näher. Auch sie konnte das Baby sehen. Dabei fragte sie ihren Mann:

„War das vielleicht der Grund, warum du nicht erreichbar warst? Und wie kommst du zu dem Baby?“

„Eins nach dem anderen.“ sagte Steiner erschöpft. „Erst muss ich was essen…und trinken.“

Er setzte sich an den Tisch und begann, sein Abendessen in sich hineinzuschlingen. Dann füllte er mit zitternden Händen sein Glas und trank es hastig aus.

„Na los, Papa.“ drängte Ralf. „Was ist passiert?“

„Nur mal langsam mit den alten Gäulen, junger Mann.“ lachte der eine Polizist. „Wir waren zwar nicht dabei, aber wir kennen die Geschichte.“

„Sei doch geduldig, Junge.“ ermahnte ihn seine Mutter. „Lass ihn doch erst zu Puste kommen.“

„Jaja, schon gut.“ sagte Herr Steiner etwas keuchend. „Ich müsste euch eigentlich gleich erzählen, was passiert ist. Aber ich bin ein bisschen kaputt und wir wollen noch Weihnachten genießen.“

In diesem Moment läutete das Handy des Polizisten. Er meldete sich:

„Ahrends?“

Nach wenigen Sekunden fuhr er fort:

„Wir sind gerade bei ihm zuhause. Das Mädchen ist auch da. Ich glaube nicht, dass dem Kind etwas passiert. Glauben Sie mir: Die Kleine ist bei ihm schon in guten Händen und seine Kinder sind schon ganz vernarrt in das Baby. Ich glaube, wir machen schon das Richtige. Bis dann, wiederhör´n.“

Dann wandte er sich an den Kurier und fuhr fort:

„Also, Herr Steiner. Mein Chef hat mir eben mitgeteilt, dass Sie bis zum 27. Dezember das Kind behalten dürfen. Danach haben Sie die Verpflichtung, zum Amt zu gehen um dort die Unterlagen auszufüllen. Je nachdem, wie Sie sich entscheiden. Hier ist meine Karte, da steht meine Handynummer drauf. Da können Sie mich meistens erreichen. Dann wird weiter entschieden. So, und jetzt wünsche ich Ihnen ein frohes Fest. Diesmal werden Sie kein Abenteuer erleben. Wiederschau´n.“

Schon waren die Beamten verschwunden.

„Was wollte denn die Polizei von dir?“ fragte Frau Steiner. „Und was soll das mit dem Baby? Und was hat er mit Abenteuer gemeint?“

„Ach, das ist eine sehr lange und komplizierte Geschichte.“ erwiderte er. „Ich schlage vor, wir machen die Bescherung und danach erzähle ich es euch.“

Frau Steiner öffnete die Tür. Drinnen hatte sie per Fernbedienung bereits Musik aufgelegt. Die Kinder staunten, als sie den Weihnachtsbaum und die Geschenke sahen. Sofort stellten sie sich zum Schrank und auch die Eltern gesellten sich dazu.

Gleich darauf sang die Familie `Stille Nacht´. Die Babywiege stand vor den anderen Geschenken und das Kind war immer noch am Schlafen.

Steiner konnte beobachten, wie seine Kinder beim Singen immer wieder zur Babywippe schielten. Offenbar war ihr Interesse an den Geschenken in den Hintergrund gerückt. Das bestätigte sich, als das Lied zu Ende war. Die Kinder stürmten auf dem Baum zu, hielten aber vor der Babywippe an. Bianca, so hieß das Baby, schlief noch.

„Psst, nicht stören.“ ermahnte sie ihr Vater leise.

Erst jetzt wandten sich die Kinder den Geschenken zu. Doch auch ihre Eltern waren von ihnen beschert worden. Die Kinder glaubten zwar nicht ans Christkind, aber zumindest an ihre Eltern.

Es mochte eine halbe Stunde vergangen sein, als die erste Freude der Kinder an den Geschenken etwas abgeklungen war. Doch das Baby war für sie das größte Geschenk, vorausgesetzt, der Vater konnte das Ziel bei den Behörden erreichen.

Die Beiden wagten sich kaum noch in die Nähe des Baby´s. Schließlich wollten sie es nicht beim Schlafen stören.

Eigentlich hatten die Kinder große Freude an den Geschenken. Ralf bekam einen automatischen Roboter, der sich selbständig bewegte. Für Renate gab es eine neue Puppe, die wie ein Baby gewickelt und gefüttert werden konnte.

„Mann, die Puppe ist das richtige Versuchsobjekt für das Baby.“ meinte sie. „Da kann ich lernen, was man beim Baby wissen muss.“

„Und eine Bedienungsanleitung ist auch dabei.“ erklärte ihre Mutter. „Wenn du dich geschickt anstellst, darfst du das Baby wickeln.“

„Du Papa, wie heißt sie denn eigentlich?“ fragte Renate ihren Vater.

„Bianca, wie ich in München erfuhr.“ sagte der Kurier.

In diesem Moment wachte die Kleine auf und begann zu schreien.

„Ich glaube, sie braucht etwas zu Essen.“ meinte Frau Steiner. Schnell war die Flasche für das Baby zubereitet und die Mutter fütterte das Kind.

„Wenn ich nur wüsste, ob sie gestillt wurde.“ sagte sie.

„Eine gute Frage, Karin.“ gab ihr Mann zurück. „Aber offenbar schon. Du kannst es heute Nacht einmal ausprobieren, wenn sie wieder Hunger hat.“

„Du vergisst, dass ich keine Milch habe.“ erwiderte sie. „Dazu hätte ich sie gebären müssen. Aber vielleicht geht das auch mit der Flasche.“

Wenige Minuten später war das Kind still. Aber es schlief nicht. Ralf und Renate betrachtete die Kleine, die recht erstaunt wirkte.

„Hol mal die Babywippe aus dem Keller.“ schlug Steiner vor. „Darin soll sie schlafen.“

„Da wird sie bestimmt ganz tief schlafen.“ meinte Renate. „Schließlich habe ich da auch ganz gut geschlafen, als ich klein war.“

„Deshalb bist du ja heute noch so eine Schlafmütze.“ lachte Ralf.

„Schäm dich.“ erwiderte sein Vater.

„Wieso, das stimmt doch.“ verwahrte sich der Junge.

„Ich bin gleich wieder da.“ sagte Frau Steiner. Nach zwei Minuten tauchte sie mit der Babywippe wieder auf. Behutsam hob sie das Kind aus dem Babysafe und legte es ins Bettchen. Zusammen mit ihrem Mann fuhr sie das Gefährt ins elterliche Schlafzimmer. Danach saßen die vier im Wohnzimmer am Tisch neben dem Weihnachtsbaum. Der Vater sagte:

„Trinken wir auf den neuen Familienzuwachs.“

Doch die Kinder konnten auf die Schilderung ihres Vaters nicht warten. Dennoch waren sie etwas geduldig. Später kam Renate zu ihrem Vater und sagte:

„Jetzt erzähl uns, wie du zu dem Baby gekommen bist.“

„Also hört zu.“ sagte Steiner.

Zwei Tage später, am 26. Dezember, es war ein kalter, sonniger Sonntagmorgen nach den Weihnachtstagen in Nürnberg, als die Familie Steiner einen Spaziergang zum Park machte. Schnee oder Regen war in den letzten Tagen keiner gefallen, so dass die Bänke im Park trocken waren. Die Familie wohnte übrigens in einer 4-Zimmer-Eigentumswohnung im Stadtteil Schoppershof. Heute gingen sie zum naheliegenden Park. Diesen Wintermittwoch wollte die Familie genießen, insbesondere Vater Frank, der am Heiligen Abend dieses ungewöhnliche Abenteuer erlebt hatte.

Die Eltern und ihre beiden Kinder steuerten eine Bank an. Ralf schob den Kinderwagen vor sich, Renate marschierte daneben. Des Öfteren hatten die Geschwister Streit, weil beide den Kinderwagen schieben wollten, denn am Vormittag hatte Ralf das Baby erst gefüttert.

Die Kinder stritten immer aus nichtigen Gründen, wie es unter Geschwistern recht oft der Fall war, doch wenn es um das Baby Bianca ging, vergaßen sie ihren Streit meistens. Schließlich waren die beiden durch umständliche und seltsame Weise an Bianca geraten.

Am Park kamen sie an einen Spielplatz, der von mehreren Erwachsenen und Kindern besucht wurde. Die vier setzten sich auf eine Bank und unterhielten sich. Ralf hob das Baby aus dem Kinderwagen und nahm es in seine Arme.

„Hast du Hunger, Bianca?“ fragte er die Kleine. Das Baby war zwar wach, blieb aber still. Offenbar war es vom Füttern vorhin noch satt.

„Es wird vielleicht noch ein-, zwei Stunden dauern, bis sie wieder Hunger kriegt.“ erklärte sein Vater. „Normalerweise sollte sie alle vier Stunden gefüttert werden, soviel ich weiß.“

„Aber dann will ich sie füttern.“ verlangte Renate. „Vorhin war Ralf dran.“

„Na meinetwegen.“ maulte ihr Bruder. „Immer musst du bestimmen, nur, weil du älter bist als ich.“

In diesem Moment fing das Baby zu schreien an.

„Schluss jetzt, ihr Beiden.“ beendete ihr Vater den Streit. „Die Kleine spürt, wenn ihr streitet.“

„Aber Papa.“ erwiderte Ralf. „Sie ist doch noch ein Baby, die kann nichts mitbekommen.“

„Das glaubst du.“ widersprach der Vater. „Babys haben noch einen Instinkt, der ihnen beim Überleben hilft. Sie schreit nicht nur, wenn sie Hunger hat. Es hat auch mit ihrer Stimmung zu tun. Und jetzt merkt sie, dass ihr euch streitet.“

Doch dann war Bianca wieder ruhig, was Renate bemerkte.

„Aber Bianca ist jetzt still.“ stellte sie fest. „Und sie ist wach, also hat sie keinen Hunger.“

Die Kinder betrachteten das Baby, das sich neugierig umschaute. Konnte ein Baby die Umwelt richtig wahrnehmen?

„Ich möchte zum Spielplatz gehen.“ rief Renate. „Es sind Freunde von mir dort.“

„Na, meinetwegen.“ meinte Herr Steiner. „Wir passen inzwischen auf das Baby auf.“

Schon waren die Kinder verschwunden und tobten sich am Spielplatz aus. Es gab dort Schaukeln, Wippen, eine Rutsche, die alle in einem Sandkasten eingeschlossen waren. Zuerst wippten die beiden, dann liefen sie zu den Schaukeln. Da eine üppige Kälte herrschte, war im Park auch nur wenig los. Dennoch sahen die Kinder einige ihrer Freunde im Park spazieren gehen. Die meisten waren mit ihren Eltern da. Eine Weile lang saßen die beiden in den Schaukeln, dann liefen sie zu ihren Eltern zurück.

„Die Schaukeln sind wirklich sehr kalt.“ sagte Renate bibbernd.

„Kein Wunder, wir haben ja auch Winter.“ ergänzte ihr Vater und fuhr fort:

„Es wäre besser, wenn wir im Frühjahr kommen würden. Hast du Markus gesehen?“

„Leider nicht.“ sagte Ralf. „Vielleicht ist er gar nicht da.“

„Ich dachte nur, weil ihr befreundet seid und in dieselbe Klasse geht.“ meinte der Vater.

Die Familie saß noch nicht lange, da kam ihnen ein Junge entgegen. Es war Ralf´s bester Freund und Mitschüler Markus Blüml.

„Hallo Markus.“ grüßte der Junge.

„Fahrt ihr wieder eure Schwester spazieren?“ fragte Markus, als er vor ihnen stand.

„Bianca ist nicht unsere Schwester, sie ist ein Weihnachtsgeschenk.“ entgegnete Renate.

„Wie bitte?“ fragte Markus verdutzt. „Und ich habe schon geglaubt…“

„Weißt du, das ist eine sehr lange und komplizierte Geschichte.“ sagte der Vater. „und es war auch so etwas wie ein Abenteuer für mich.“

Gleich darauf war Markus wieder verschwunden und sprach mit anderen Kindern. Die liefen zusammen zu den Steiners. Alles Mitschüler und Freunde der Geschwister.

„Hallo Ralf, hallo Renate!“ grüßten die Kinder nacheinander.

„Tag, Leute.“ kam es von den Beiden zurück.

„Markus hat uns gesagt, dass das Baby nicht eure Schwester ist.“ rief ein Junge.

„Das stimmt.“ bestätigte Ralf. „Sie ist ein Weihnachtsgeschenk.“

„Wie denn das?“ wollte ein Mädchen wissen.

„Ach weißt du, Sandra.“ begann Ralf. „Das ist so kompliziert, wie das alles passiert ist.“

Nun quengelte die Kleine im Wagen. Ralf hatte sofort die aufgewärmte Thermosflasche im Griff und meldete feststellend:

„Die Temperatur reicht aus.“

Herr Steiner hob Bianca aus dem Kinderwagen und legte es in die Arme seiner Tochter. Ralf gab seiner Schwester die Babyflasche. Die setzte die Flasche in den Mund des Baby´s, das genüsslich schlürfte und die Augen dabei geschlossen hielt.

„Seht mal, wie der Kleinen die Milch schmeckt.“ stellte Herr Steiner fest. „Und sie genießt ihr Essen. Deswegen sind die Augen auch zu.“

„Die ist aber echt süß.“ bemerkte Sandra. „Und sie ist nicht Ihre Tochter? Was macht sie dann bei euch?“

„Wie ich schon sagte, ist das eine sehr lange und verzwickte Geschichte, die ich da erlebt habe.“ erklärte Steiner. „Die Kleine hat nach meinen bisherigen Nachforschungen keine Verwandten mehr. Also werde ich auf die Bitte meiner Kinder einen Adoptionsantrag stellen, dann darf sie vielleicht bei uns bleiben. Ins Waisenhaus nach München stecke ich sie auf keinen Fall.“

„Ich könnte mir vorstellen, dass Ihre Kinder sich in diesem Punkt ausnahmsweise einig waren.“ vermutete Markus.

„Mann, das kannst du laut sagen.“ bestätigte der Vater. „Aber Bianca besitzt das gewisse Etwas das sie so anziehend macht. Das hab ich schon am Heiligen Abend im Einkaufszentrum bemerkt. Alle Kinder wollten sie anschauen und haben das auch getan. An sich ist das sehr ungewöhnlich.“

„Papa, du hast gerade gesagt, sie darf vielleicht bei uns bleiben.“ erinnerte seine Tochter ihn. „Soll das heißen, dass wir sie vielleicht auch nicht kriegen?“

„Das ist richtig.“ bestätigte Steiner. „Auch der Antrag wird vielleicht nicht ausreichen. Vielleicht müssen wir vor das Familiengericht. Dort wird entschieden, ob wir sie behalten dürfen.“

„Aber ich will, dass sie bei uns bleibt.“ meinte Renate.

Inzwischen war Bianca satt und schlummerte ein.

„Jetzt hält sie einen Verdauungsschlaf.“ sagte Renate. „Nicht wahr, Papa?“

„Genauso ist es.“ bestätigte Herr Steiner. „Und der wird mindestens zwei Stunden dauern. So lange habe ich Zeit, euch die Geschichte zu erzählen.“

„Au fein.“ rief Markus.

„Also passt auf!“ begann Herr Steiner. „Es war am Heiligen Abend, als alles anfing. Meine Frau und ich waren gerade am Frühstückstisch…“

An jenem frühen Morgen saß Frank Steiner mit seiner Frau Karin zusammen. Die Kinder schliefen noch, als der Hausherr seine gestrige Entscheidung mitteilte:

„Schatz, ich mache heute die Fahrt nach Augsburg. Immerhin winken mir 350 Euro bei diesem Auftrag. Das ist mehr, als ich sonst den ganzen Tag bekomme. Und gerade heute am Weihnachten ist es wichtig, dass wir Geld im Haus haben.“

„Wie lange wirst du wegbleiben?“ fragte die Frau.

„Das hängt von den anderen Umständen ab.“ erklärte er. „Verkehrsstaus auf der A 9, wie ja bekannt ist, Unfälle, Baustellen und natürlich bei der Filmfirma, wo ich es abhole und bei dem Radiosender, dem ich es überbringen soll. Aber die werden wohl kaum Zicken machen. Morgen Abend soll das Band im Fernsehen laufen.“

„Ein Band von einer Filmfirma?“ wollte sie wissen.

„Genau das.“ bestätigte er. „Bis zum Nachmittag bin ich längst wieder zurück, wenn ich keinen Stau habe.“

„Ich glaube nicht, dass es soweit kommen wird heute.“ meinte seine Frau. „Aber trotzdem, zieh dir etwas Warmes an, man weiß ja nie.“

Steiner konnte nicht ahnen, wie Recht seine Frau haben würde. Doch so ein Abenteuer konnte man wirklich nicht voraussehen. Frank zog sich nach dem Frühstück seine Jacke an und gebot:

„Pass auf, dass die Tür zum Wohnzimmer immer verschlossen ist. Steck auch das Absperrschloss rein, damit sie nicht reingucken können. Sind die Geschenke schon platziert?“

„Es ist alles für den heutigen Abend vorbereitet.“ meldete seine Frau. „Und keine Sorge, ich pass schon auf. Ich werde den Schlüssel immer bei mir tragen.“

„Na, dann kann es heute Abend gleich losgehen.“ flachste er. „Also dann bis zum Nachmittag.“

„Tschüss.“ sagte seine Frau, als er aus der Wohnungstür verschwand. Aus dem Küchenfenster konnte sie noch beobachten, wie ihr Mann in seinen Wagen stieg und davonbrauste.