Moni Dick - Lewis Cowley - E-Book

Moni Dick E-Book

Lewis Cowley

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Beschreibung

Dieses Buch ist für die ganze Familie gemacht. Es ist ein heiteres Abenteuer von der Blauwalkuh Moni Dick, die mit ihrem Sohn Fridolin Kinder auf sich reiten lässt. Eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem früheren Roman Anaconny, der ein großer Erfolg war, ist nicht zu leugnen. Auch hier gibt es einen beruflichen Fachmann, der um das Wohl der Wale kämpft.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 360

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Lewis Cowley

Moni Dick

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

KAPITEL 1: EINE TOLLE NACHRICHT

KAPITEL 2: DER KLEINE BLAUWAL

KAPITEL 3: AUF DEM VOLKSFEST

KAPITEL 4: WOLFI

KAPITEL 5: WO IST FRIDOLIN?

KAPITEL 6: AUF DEM SCHIFF

KAPITEL 7: DAS STERBEN DER MONI DICK

KAPITEL 8: DER NEUE MITSCHÜLER.

KAPITEL 7: ÜBERRASCHUNG IN HAMBURG.

Impressum neobooks

KAPITEL 1: EINE TOLLE NACHRICHT

+

Moni Dick

Tierabenteuer von Lewis Cowley

Wichtiger Hinweis:

Diese Story und ihr Inhalt sind urheberrechtlich geschützt. Jede Art der Vervielfältigung, ob auf technischem, optischen, chemischen Weg oder sonst irgendeiner Art wird strafrechtlich verfolgt und kann mit hohen Geldstrafen oder sogar mit Gefängnis geahndet werden. LINE*COM LTD setzt sich mit allen verfügbaren Mitteln gegen Raubkopierer zur Wehr.

Die Story:

Großer Jubel bei der Familie Hansen in Frankfurt am Main. Der berühmte und exzentrische Walforscher Professor Mark Seeberg lädt sie zu einem Wiedersehen in seine Villa in Hamburg ein. Der Vater Joachim hatte einst vor einem Jahr sensationelle Fotos gemacht, als Professor Seeberg eine Blauwaldame befreit hatte. Diese Fotos machten das Buch „Das Leben der Wale“ berühmt. Professor Seeberg nannte die Waldame Moni Dick. Jetzt kommt heraus, dass Moni einen kleinen Sohn hat, den Seeberg Fridolin nannte. Die Familie darf Moni Dick von innen betrachten. Als Fridolin entführt wird, mobilisiert Professor Seeberg alle Mittel, um den kleinen Wal zu finden…

Liebe Kinder. Könnt ihr euch vorstellen, auf einem Blauwal zu reiten? Genau das ist der Familie Hansen aus Frankfurt passiert. Besser gesagt, den Kindern. Aber ich will von vorne erzählen, wie sich das zugetragen hatte.

Frankfurt am Main: In einer Hochhaussiedlung lebte Joachim Hansen, Ingenieur in einem Kraftwerk, mit seiner Frau Martina und den Kindern Frauke und Jan. Es war eigentlich eine völlig normale Durchschnittsfamilie mit einer Ausnahme: Ein Erlebnis vor einem Jahr hatte ihr Dasein verändert. Damals waren sie in Hamburg im Urlaub gewesen, als sie einen Walforscher kennengelernt hatten. Dieser Forscher hatte sie durch einen Zwischenfall in seinem Buch „Das Leben der Wale“ verewigt.

Der Walforscher hieß Mark Seeberg und war als Walflüsterer in ganz Deutschland berühmt. Er galt als exzentrisch, was für Wissenschaftler normal war, aber er sah gar nicht so aus, wie man sich einen Professor vorstellte. Doch ich will die Sache nicht unnötig in die Länge ziehen und erzählen, wie es passiert ist:

Angefangen hatte es nicht in Hamburg, sondern in Frankfurt. Es war an einem Donnerstag, Ende Juli 2015, als Joachim Hansen mit seiner Arbeit fast fertig war. Er war gerade dabei eine beträchtliche Menge Wasser in den Moderator zu schütten, als er eine Stimme hörte:

„Herr Hansen.“

Er wandte sich zur Seite.

„Ja!“ meldete er sich.

„Wenn Sie hier fertig sind, melden Sie sich beim Chef.“

„Ich bin gleich soweit, muss nur noch Wasser nachfüllen.“

Wenige Sekunden später rauschte das Kühlwasser in den Behälter. Unterdessen wurde Hansen von einem anderen Kollegen angesprochen.

„Josh, der Chef will dich sprechen.“

„Jaja, ich weiß.“ wehrte Hansen ab. „Werd´ gleich rübergehen.“

Das Wasser füllte den Behälter und Herr Hansen schaltete ab.

„Mike!“ rief er.

Schon tauchte einer seiner Kollegen auf.

„Ich habe die erforderliche Menge Wasser eingefüllt.“ sagte der Kraftwerksingenieur. „Du kannst also beruhigt bis Mitternacht auf die nächste Füllung warten.“

„Alles paletti.“ sagte der Kollege und löste ihn ab.

Hansen ging zum Umziehraum. Dort wurde er bereits erwartet.

„Auch Feierabend?“ fragte der Mann.

„Sicher.“ gab Hansen zurück. „Aber worüber wolltest du mit mir reden?“

„Ach, nichts Wichtiges.“ meinte der Kollege. „Ach so, übrigens, du sollst zum Chef kommen.“

„Naja, das weiß ich schon.“ sagte Hansen „Was will er denn?“

„Das weiß ich auch nicht.“ gab der Kollege zurück. „Aber ich glaube, es hat mit dem Urlaub zu tun.“

„Ich weiß.“ bestätigte Hansen. „Aber es gibt da noch etwas, das ich klären muss. Vorher kann ich nichts sagen. Aber ich flitze gleich zu ihm rüber. Bis morgen.“

Gleich darauf war er beim Büro des Chefs angekommen. „Raimund Hartmann, Direktor“ stand auf dem Schild.

Hartmann war nicht der Mann, der seinen Namen zu Recht trug. Er hatte immer ein offenes Ohr für die Probleme seiner Mitarbeiter. Ihre Sicherheit und auch die seines Kraftwerks lagen ihm besonders am Herzen.

Hansen klopfte an und hörte innen eine männliche Stimme:

„Herein.“

Hansen öffnete die Tür und trat ein.

„Guten Tag, Hansen.“ grüßte der Chef.

„Tag, Herr Hartmann.“ kam es zurück. „Sie wollten mich sprechen?“

„In der Tat, das will ich.“ sagte Hartmann. „Wie ich festgestellt habe, haben Sie ihren Urlaubsplan noch nicht abgegeben.“

„Ja, ich weiß.“ bestätigte der Mann. „Aber ich habe noch keine Antwort vom Professor gekriegt.“

„Sie meinen diesen Walforscher, von dem Sie vergangenes Jahr erzählt haben.“ vermutete der Chef.

„Genau den.“ bestätigte Hansen. „Aber solange er mir nicht schreibt, kann ich nicht planen und auch dann nichts schreiben.“

„Es wird aber höchste Zeit, Mann.“ erwiderte Hartmann. „Ich kann Ihnen sonst keinen Urlaub genehmigen.“

„Ja ja, ich kenn das.“ stöhnte Hansen. „Aber ich hoffe, dass ich heute etwas erfahre. Schließlich sind es nur wenige Wochen zu den großen Ferien und die Kinder freuen sich doch auch auf die Waldame.“

„Wie heißt die denn nochmal?“ wollte der Direktor wissen.

„Moni Dick.“ antwortete der Ingenieur. „Außerdem gehen wir davon aus, dass sie ihr Junges schon gekriegt hat. Schließlich ist ein Jahr rum.“

„Trotzdem kann ich es nur noch bis Montag aufschieben.“ erklärte Hartmann. „Die Urlaubszettel müssen dann in die Buchhaltung. Mehr Zeit kann ich Ihnen nun wirklich nicht geben.“

„Ich weiß das zu schätzen, Herr Hartmann.“ sagte Hansen. „Aber vielleicht habe ich Glück und erfahre heute noch etwas.“

„Wir sind nicht im Film.“ lachte der Direktor. „Immer auf den letzten Drücker. Aber wer weiß…“

„Ja,“ murmelte Hansen. „Immer auf dem letzten Drücker. So ist es auch meist in gefährlichen Situationen.“

„Ich weiß, woran Sie jetzt denken.“ sagte Hartmann. „An das Reaktorunglück, das vor zwei Jahren am Tag der offenen Tür passiert wäre. Nicht auszudenken, wenn Sie in den kochenden Reaktor nicht reingelaufen wären.“

„Irgendwie musste ich doch das Kind retten.“ entgegnete Hansen. „Wenn der Bengel nicht den Hauptschalter abgeschaltet hätte, wäre die Kleine jetzt tot. Das konnte ich doch nicht zulassen. Wäre sie nicht in den Kessel gelaufen, wer weiß, was passiert wäre.“

„Aber es war doch unverantwortlich von Ihnen, Herr Hansen.“ sagte der Chef.

„Wie dem auch sei.“ meinte Hansen. „Dem Kind ist nichts passiert und der Reaktor ist auch nicht explodiert. Ein zweites Tschernobyl können wir uns in Europa nicht leisten.“

„Weiß Gott nicht.“ gestand der Chef. „War ja auch richtig, dass Sie eingegriffen haben. Aber jetzt zu Ihrem Urlaub. Bis Montag brauche ich Ihren Urlaubsplan, denn ich muss festlegen, ob das überhaupt exakt möglich ist.“

„Ich weiß, dass Sie Ihr Möglichstes tun werden, Herr Hartmann.“ erwiderte Hansen. „Dann kann ich den Kindern sagen, ob mein Urlaub mit den Ferien übereinstimmt.“

„Genau das.“ bestätigte sein Chef. „Und die Kinder können auf dem Wal reiten.“

„Wir sehen uns am Montag.“ sagte Hansen, als er aufstand. Bis Montag weiß ich sicher Bescheid.

Hansen ging zum Umziehraum zurück. Rasch zog er sich um und ging noch zur Theke. Dort stieß er auf einen anderen Kollegen.

„Hi, Josh.“ grüßte dieser.

„Hi, Bert.“ kam es von Hansen zurück.

„Stell dir vor, ich fahr am Wochenende nach Paris.“ erzählte der andere. „Werde dort meine Maus besuchen.“

„Und die Katze auch, nehme ich an.“ lachte Hansen, als er sich ein Getränk holte. „Na, hoffentlich läufst du da nicht ins offene Messer.“

„Wohl kaum.“ entgegnete der Kollege. „Oder glaubst du, ich mach´ einen Fehler, wenn ich nach Paris fahre?“

„Das musst du wissen.“ gab Hansen zurück. „Hast du überhaupt Geld dafür?“

„Na hör mal.“ kam es von Bert. „Ich hab´ schließlich Geld. Hab keine Familie wie du. Familie kostet nur Geld.“

„Ich bin aber mit meiner Familie glücklich.“ entgegnete Hansen.

„Wenn man´s aushält.“ sagte Bert. „Ach übrigens, was machst du denn am Wochenende?“

„Ich fahr mit meiner Familie an die Nordsee.“ sagte Hansen.

„Träum weiter.“ grinste Bert. „Wovon willst du einen Wagen bezahlen?“

„Wieso Wagen?“ fragte Hansen. „Wir fahren mit dem Zug.“

„Na dann viel Spaß.“ lachte Bert und verschwand. Hansen schaute ihm noch nach.

„Angeber, blöder.“ murmelte er.

Er ging aus der Firma und lief zur U-Bahn. Er konnte nicht ahnen, dass seine Bemerkung, an die Nordsee zu fahren, fast wahr werden sollte.

Zuhause inzwischen waren die Kinder von der Schule zurück. Sie waren zwar temperamentvoll, aber der ganze Stolz der Eltern. Die Kinder waren sich kaum über etwas einig und stritten dauernd, aber es war nichts Nennenswertes. Geschwister eben.

Die 12jährige Frauke ließ an ihrer Anlage einen modernen Song laufen. Ihr jüngerer Bruder Jan regte sich darüber entsetzlich auf.

„Sag´ `mal, kannst du dieses Heavy Metal nicht woanders dudeln lassen?" fragte der Achtjährige.

„Musst du denn dauernd meckern wie ein Ziegenbock?" fuhr ihn seine Schwester an. „Außerdem ist das kein Heavy Metal."

„Das ist doch nur Bumskrach." rief er.

„Das ist House!" verbesserte seine große Schwester. „Und egal, für was du es hältst, es ist ganz bestimmt nicht Heavy Metal."

„Ach, du bildest dir ein, nur, weil du älter bist als ich, könntest du dir alles erlauben.“ krähte ihr Bruder.

„Natürlich bin ich älter als du und ich habe mehr Rechte.“ verteidigte sie sich. „Denn ich bin jetzt 12 und du kannst mich nicht einholen.“

„Und wenn ich 12 bin, sagst du, ich habe keine Rechte, weil du 16 bist.“ rief der Junge. „Du brauchst nicht glauben, dass ich nicht zählen kann. Ich bin der Klassenbeste in Mathe.“

„Ach was.“ kam es von seiner Schwester zurück. „Du hast erst 1 und 1 zusammengezählt und schon hältst du dich für Adam Riese.“

„Und du hältst dich für Eva Zwerg.“ schimpfte Jan. „Dass du immer das letzte Wort haben musst.“

„Ich bin auch älter,“ rief Frauke. „Und ich habe mehr Lebenserfahrung.“

„Pah!“ entfuhr es ihrem Bruder.

„Schluss jetzt, Kinder." meldete sich die Mutter. „Ich glaube, wir haben etwas Besonderes vor uns."

„Wie kommst du darauf, Mama?" wollte Frauke wissen. "Kannst du hellsehen?"

"Das nicht, aber wir haben einen Brief von Professor Seeberg bekommen." erklärte Martina.

„Mann, das ist doch der berühmte Walflüsterer, bei dem Papa letztes Jahr die sensationellen Fotos vom Wal gemacht hat." erinnerte sich das Mädchen. „Was schreibt er denn?"

"Das weiß ich nicht." sagte die Mutter. "Der Brief ist an Papa adressiert. Ihr werdet also etwas Geduld haben müssen, bis Papa heimkommt und ihn liest."

"Kannst du ihn nicht aufmachen?" fragte Jan.

"Nein, das darf ich nicht." erklärte seine Mutter. "Das heißt Briefgeheimnis."

"Jan liest auch immer meine Post!" klagte Frauke. "Dabei geht ihn das gar nichts an."

"Ich will nur wissen, was da mit Wolfi läuft." gestand der Junge.

"Wie kommst du denn auf den?" fragte sie gedehnt.

"Ach, ich seh´ euch doch dauernd zusammen." krähte der Junge.

"Das geht dich überhaupt nichts an." verwahrte sich seine Schwester.

"Aber Kind." mischte sich ihre Mutter ein. "Du bist doch erst zwölf."

"Na und?" sagte Frauke. "Andere aus meiner Klasse haben auch schon einen Freund. Nur ich bin mir noch nicht sicher."

"Schluss damit." rief die Mutter. "Wir warten ab, bis Papa nach Hause kommt, dann werden wir ja sehen, Müsst ihr nicht Hausaufgaben machen?"

"Ich hab´ keine auf." sagte Jan.

"Und was ist mit dir?" fragte die Mutter an ihre Tochter gewandt.

"Ich mach´ sie gleich." kam es von Frauke zurück. "Wann kommt denn Papa?"

"Heute Abend." antwortete Frau Hansen. „Ihr wisst doch, dass er jeden Donnerstag seinen Bowlingabend hat. Am besten, ich ruf dort an, dann weiß er Bescheid.“

Schon hatte sie den Hörer in der Hand und wählte eine Nummer. Es tutete zweimal, dann hob jemand ab.

„Bowlingbahn, Haberstraße.“ meldet sich eine Männerstimme.

„Hier Frau Hansen.“ sagte sie. „Bitte richten Sie meinem Mann aus, für ihn ist ein Brief von Professor Seeberg angekommen.“

„Mach ich.“ entgegnete die Stimme. „Moment mal. Ist das nicht der Walwissenschaftler aus Hamburg.“

„Genau der.“ bestätigte sie.

„Ich wird´s ihm sagen, Wiederhörn.“ Es klickte in der Leitung.

Frauke schaute ihre Mutter an.

„Weißt du, wie lange er spielen wird?“ fragte sie.

„Bestimmt nicht lange, wenn er von dem Brief erfährt.“ antwortete Frau Hansen.

Inzwischen war Herr Hansen bei der Bowlingbahn angekommen Als erstes meldete er sich an der Rezeption und bekam die Sportschuhe ausgehändigt. Kaum hatte der die Meldestelle verlassen, wurde er auch schon von den anderen Mitgliedern der Bowlingmannschaft „Fred Feuerstein“ begrüßt.

Seit fast sieben Jahren war Herr Hansen bei diesem Verein und hatte schon lustige Zeiten mit den anderen Mitgliedern erlebt.

Da war zum Beispiel Max Veiglhuber, der Mannschaftskapitän. Er war nicht nur der beste Bowler der Truppe, er hatte einst mit Spitzenbowlern anderer Vereine ein Wettspiel gehabt, wobei er die meisten Punkte erzielt hatte. Herr Hansen hatte schon immer versucht, ihn zu übertrumpfen. Doch so sehr er sich auch noch so anstrengte, er schaffte es im Höchstfall auf den 3. Platz.

Pit, eigentlich Peter Kramer, war beim Kegelwerfen eher mittelmäßig. Manchmal hatte er Glück und traf alle Neune, doch im Gesamtbild blieb er eher zurück.

Dann war da noch Pit´s Zwillingsbruder Paul. Mike Urban, ein anderes Mitglied, nannte sie immer „Pit und Paul.“ Sie waren aber nicht nur äußerlich völlig verschieden, sondern auch charakterlich, da sie zweieiige Zwillinge waren. Auch sonst hatten sie nichts gemeinsam. Einzig ihre Liebe zum Bowling hielt die Brüder zusammen, die sonst getrennte Wege gingen. Aus diesem Grund sah man sie nie zusammen in den Bowlingclub ankommen.

Und da war auch der schon erwähnte Spaßvogel Mike Urban. Wenn er erst seine Witzkiste aufhatte, hörte er nicht mehr auf. So war es auch heute.

„Servus, Achim.“ begrüßte ihn der Vorstand mit seiner donnernden Stimme. „Auch wieder im Lande?“

„Wie ihr sehen könnt, Leute!“ sagte Herr Hansen. „Gibt´s was Neues in der Branche?“

„Nicht allzu viel.“ kam die Antwort von Max. „Aber für dich gibt es Neuigkeiten. Vorhin kam ein Anruf für dich. Frag den Portier.“

Herr Hansen hastete sofort zur Information.

„Für mich soll ein Anruf gekommen sein.“ erkundigte er sich.

„Tut mir leid, dass ich das vergessen habe.“ gestand der Mann. „Sie sollen gleich nach Hause kommen. Sie haben einen Brief von so einem Professor.“

Herr Hansen begriff sofort, dass es sich nur um Professor Seeberg handeln konnte. Deshalb ging er zu seinen Jungs und meldete:

„Ich habe einen Brief von Professor Seeberg gekriegt. Deswegen kann ich nur ein Spiel bleiben, dann muss ich weg.“

„Manometer!“ staunte Pit. „Wahrscheinlich gehst du wieder mit deiner Familie zum Walreiten.“

„Alles Glück im Tale liegt auf dem Rücken der Wale.“ sagte Mike. „Alles Pech im Tale kommt aus dem Hintern der Wale.“

Alle lachten, doch Max wurde schnell ernst und sagte:

„Aber ein Spiel machst du noch mit, oder?“

„Nur eins.“ beschloss Herr Hansen, holte sich die erste Kugel und ließ sie auf der blankgebohnerten Bahn rollen. Und es gelang: alle Kegel fielen.

„Donnerwetter, das nennt man Anfängerglück.“ staunte Max.

„Das ist ein gutes Zeichen.“ erwiderte Herr Hansen. „Wahrscheinlich hängt das mit dem Brief zusammen.“

„Ich denk´ du bist nicht abergläubisch.“ lachte Pit, holte sich die zweite Kugel und warf. Es fielen sieben Kegel.“

„Das wird ja schon.“ meinte Max.

Nachdem neun Leute ihre Punkte gemacht hatten, ergriff Max als Letzter die Kugel und warf. Und wie es sich für einen Mannschaftskapitän gehörte, warf er alle Kegel.

„Du solltest dich wieder mit den anderen Spitzenkeglern zusammentun.“ sagte Herr Hansen. „Sonst wird´s langweilig.“

„Ach bloß, weil ich damals zufälligerweise den ersten Platz gemacht habe,“ begann Max. „soll ich wieder mit den anderen spielen. Ich weiß nicht. Soviel Glück werde ich bestimmt nicht mehr haben.“

„Von wegen Glück “ erwiderte Herr Hansen. „Jeder weiß, dass du der beste Bowler bist. Also tu nicht so bescheiden.“

„Fahr lieber heim.“ entgegnete Max. „Du wirst erwartet.“

10 Minuten später befand sich Herr Hansen auf dem Heimweg. Und weil die Bowlingbahn nur 10 Fußminuten von Zuhause entfernt lag, und es außerdem schönes Wetter war, ging er, anstatt mit der Tram zu fahren.

Etwas später kam er zuhause an. Sofort wurde er von seinen Kindern bestürmt.

„Papa!" rief Jan. „Da ist ein Brief für dich gekommen. Lies ihn schnell vor."

„Nun mal langsam, junger Mann." bremste ihn sein Vater. "Du siehst doch, dass ich gerade zur Tür rein bin." An seine Frau gewandt, fragte er:

„Was ist mit dem Brief?"

„Da, lies mal.“ forderte sie ihren Mann auf, als sie ihm den Brief gab. „Er stammt von diesem Professor vom letzten Jahr.“

„Was will denn der?“ fragte sich der Vater, als er seiner Frau den Brief entnahm und auch öffnete. Neben dem Brief war noch etwas Anderes dabei.

„Eine Familien-ICE-Karte." stellte er fest.

Jetzt betrachteten die Kinder ihren Vater. Sie wussten zwar über den Brief Bescheid, aber nicht über dessen Inhalt. Joachim setzte sich und las. Die Kinder schauten ihn an, als ob sie jedes Wort, das er las, von ihm selbst ablesen könnten. Sein Gesicht veränderte sich.

„Was schreibt er denn?“ fragte Jan ungeduldig.

„Hört euch das an.“ begann der Vater. „`Sehr geehrter Herr Hansen. Am kommenden Samstag wird Moni Dick, meine Blauwalkuh, mit ihrem Kind an die Hamburger Küste kommen. Dann können wir sie auch von innen anschauen. Dank Ihnen und ihren Bildern wurde mein Buch „Das Leben der Wale“ ein voller Erfolg. Deshalb habe ich mich entschlossen, Sie und Ihre Familie zu einem Ausflug in meine Villa einzuladen. Anbei habe ich eine Bahnkarte beigelegt, die für die ganze Familie gilt. Ich hoffe, Sie verzeihen mir, dass ich nicht früher reagieren konnte, aber meine Arbeit ließ es nicht zu. Auf jeden Fall würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir schnellstmöglich per E-Mail antworten könnten. Meine Adresse ist [email protected]. Außerdem können Sie auf meiner Homepage www.seebergwal.de die Fotos und Filme betrachten. Übrigens wäre es gut, wenn Sie, besonders Ihre Kinder, Badesachen mitnehmen würden, denn es wird sicher zu einem Badespaß kommen. Auf ein baldiges Wiedersehen verbleibe ich mit freundlichen Grüßen: Mark Seeberg, Walforscher.´“

Die nun folgende Szene spottete jeder Beschreibung. Die Kinder schrien und jubelten, auch seine Frau Martina war außer sich vor Freude.

„Du darfst die Einladung nicht ablehnen, Papa!“ rief Jan. „Wir wollen da hin!“

„Auf keinen Fall darfst du absagen, Papa.“ bestätigte seine Schwester. „Er hat doch eine Fahrkarte mitgeschickt.“

Mutter Martina warf ihrem Mann einen vielsagenden Blick zu. Der verstand sofort. Die Reise war beschlossene Sache.

„Ich schicke ihm sofort eine E-Mail.“ sagte er, setzte sich an seinen Computer und startete den Rechner.

„Na los, komm schon.“ sagte er ungeduldig.

Endlich war der Rechner hochgefahren. Herr Hansen öffnete sofort die Mailbox und fing an, einen Brief zu schreiben, nachdem er die Daten eingegeben hatte.

„Sehr geehrter Herr Professor Seeberg. Vielen herzlichen Dank für die Einladung. Meine Familie ist völlig aus dem Häuschen und auch ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Ihnen, und natürlich auch auf Moni Dick. Ob sie sich noch an uns erinnert? Immerhin ist es ein Jahr her. Sollten Sie diese Nachricht noch lesen, können Sie mir noch kurzfristig Bescheid geben. Übrigens haben Sie im Brief erwähnt, dass Moni Dick ihr Junges schon bekommen hat. Ist es ein Junge oder ein Mädchen? Und wie heißt es denn? Die Kinder freuen sich bestimmt, das Junge zu sehen. Sie können mir unter [email protected] schreiben. Mit freundlichen Grüßen, Joachim Hansen.“

Sofort schickte er die Nachricht ab.

„Hoffentlich liest er das heute noch.“ bemerkte er.

„Mensch, Papa, das wäre super.“ jubelte Frauke. „Ich möchte wissen, wie ihr Kind heisst.“

„Du meinst den kleinen Wal.“ entgegnete der Vater. “Das weiß ich auch nicht. Der Professor hat es in dem Brief nicht erwähnt.“

„Und wenn du ihn fragst?“ meinte sein Sohn.

„Kann sein.“ erwiderte sein Vater. „Damals hat er gesagt, sie ist schwanger. Die Tragzeit beläuft sich auf 12 Monate. Dann kriegt sie ein Junges.“

„Kann sie auch mehrere kriegen?“ fragte Jan. „Im Brief steht nur von einem Jungen.“

„Das weiß ich auch nicht.“ gestand Herr Hansen. „Aber nächste Woche wissen wir mehr.“

„Kann denn der Professor eigentlich unterscheiden, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist?“ wollte Frauke wissen.

„Darauf kannst du einen lassen.“ antwortete ihr Vater. „Schließlich ist er ein Walexperte.“

„Im Buch steht, dass Moni Dick schwanger ist.“ ergänzte seine Tochter. „Wie kann er das wissen?“

„Der Professor weiß, worüber er schreibt.“ erklärte der Vater. „Aber es ist schon eine tolle Idee, ein Buch nur über Wale zu schreiben. Auch der Titel klingt toll und macht neugierig. Deshalb wurde das Buch auch so ein Erfolg.“

„Ob deine Bilder auch daran mitgewirkt haben?“ fragte seine Frau.

„Vielleicht.“ meinte er. „Aber ich glaube nicht, dass sie ausschlaggebend waren. Natürlich ist es gut, zu sehen, dass die Fotos was geworden sind, doch das allein ist es nicht.“

„Natürlich sind es deine Fotos.“ krähte Jan. „Ohne die wäre das Buch nicht so erfolgreich gewesen.“

„Das glaube ich weniger.“ sagte der Vater.

Er hatte noch nicht ausgesprochen, da piepste sein Computer. Eine E-Mail war angekommen.

„Eine Nachricht vom Professor!“ schrie Jan. Schon waren die Kinder zum Computer gestürmt.

„Nun mal langsam.“ beschwichtigte Herr Hansen. „So schnell kann er die Nachricht nicht gelesen haben.“

Und doch irrte er sich. Als er die Mail öffnete, war sie tatsächlich von Professor Seeberg. Allerdings schien sie unabhängig von der Nachricht des Vaters zu sein.

„Sehr geehrter Herr Hansen.“ las er. „Für den Fall, dass Sie meinen Brief nicht rechtzeitig beantworten können, liefere ich Ihnen anbei einen Wegweiser und die Position des Blumenstandes, wo Sie abgeholt werden. Sollte ich keine Zeit haben, lasse ich Sie von meinem Gärtner abholen. Sie kennen ihn doch. Auf bald. Mit freundlichen Grüßen, Professor Seeberg.“

Herr Hansen sah seine Kinder an.

„Packt eure Badesachen mit ein.“ befahl der Vater. „Es wird ein feuchtes Wochenende.“

Die Kinder jubelten und sausten in ihre Zimmer. Schon packten sie einige Sachen zusammen, während der Vater die beiliegende Umgebungskarte studierte. Der Blumenstand war markiert und gut zu erkennen. Herr Hansen druckte das Bild aus.

„Wann sollen wir dort sein?“ fragte seine Frau.

„Wir sollen morgen Nachmittag den ICE um 17.30 Uhr nehmen.“ erklärte er. „Das kriege ich mit der Arbeit schon hin, Außerdem habe ich keinen Wochenenddienst.“

„Wie praktisch.“ meinte seine Frau. „Ich pack´ mir auch meinen Bikini ein. Vielleicht können wir Moni Dick auch von innen anschauen.“

„Der Professor hat das in dem Brief erwähnt.“ sagte der Mann. „Wird sicher sehr interessant.“

„Na, wissen möchte ich schon, wie so ein Wal von innen aussieht.“ gestand Frau Hansen. „Und ich bin sicher, der Professor weiß mit irgendwelchen Mitteln, wie das geht.“

„Er kennt sich ja auch mit Walen bestens aus.“ sagte der Mann. „Das beweist schon sein Buch. Ach ja, den Wälzer nehmen wir natürlich auch mit.“

Seine Frau ging zum Bücherregal und holte ein großes Band heraus. Man konnte das Bild eines Wales und eine Schrift erkennen. `Das Leben der Wale´ von Professor Mark Seeberg.

Die Kinder waren außer sich vor Freude. Sie sollten Moni Dick von innen sehen. Damals hatten sie nicht viel von der Waldame gesehen, doch das sollte sich ändern.

Die Kinder waren wieder im Wohnzimmer angekommen und Frauke sagte:

"Ich werde meine Solarplatte mitnehmen und meinen CD-Spieler. Dann habe ich Musik."

"Ach nee?" krähte ihr Bruder. "Viel lieber würdest du diesen Wolfi mitnehmen."

"Jan!" fuhr ihn seine Schwester an.

"Was höre ich da?" mischte sich der Vater ein. "Du hast einen Freund? Vergiss nicht, du bist erst zwölf."

"Mensch Papa, du hörst dich an wie Mama." maulte das Mädchen. "Warum müsst ihr immer so übertreiben. Bloß, weil ich mal mit ihm geredet hab. Außerdem kenne ich ihn doch seit 4 Jahren. Deswegen verstehe ich nicht, warum ihr gerade jetzt so ein Theater machen müsst."

"Weil du dafür noch zu jung bist." verwahrte sich der Vater.

"Ach, Papa." maulte seine Tochter. "Andere haben auch schon einen Freund."

"Mich interessieren andere nicht." gab ihr Vater zurück. "Solang du deine Füße unter meinen Tisch steckst, hast du das zu tun, was ich sage."

In diesem Moment läutete es an der Tür.

„Das ist bestimmt Wolfi.“ krähte Jan.

„So ein Blödsinn.“ wehrte seine Schwester ab. „Der hat mich noch nie besucht. Warum sollte er?“

Sie öffnete die Tür. Ein junges Mädchen stand draußen, etwa 14 Jahre alt. Frauke kannte sie nicht.

„Tag.“ sagte sie etwas leise.

„Bist du Frauke?“ fragte die Fremde.

„Ja, die bin ich.“ antwortete sie.

„Ich bin Sabrina Jäger.“ stellte sich das Mädchen vor. Da dämmerte es Frauke und sie sagte:

„Ach, du bist Wolfi´s Schwester, von der er erzählt hat?“

„Ja, schon.“ gab diese zu. „Ich soll dir etwas von ihm ausrichten.“

„Bitte.“

„Stimmt es, dass ihr demnächst wieder nach Hamburg fahrt?“ fragte Sabrina.

„Wir haben heute eine Nachricht vom Professor gekriegt, dass wir wieder zu ihm kommen können.“ berichtete Frauke. „Morgen werden wir fahren.“

„Wir fahren am Samstag hin.“ sagte das Mädchen. „Das trifft sich gut.“

„Wieso denn das?“ wollte Frauke wissen.

„Das soll ich dir ja ausrichten.“ entgegnete Sabrina. „Wolfi will nämlich heute ein Ladegerät für seine Akkus kaufen. Aber er hat sich daran erinnert, dass du eine Solarplatte hast. Nimmst du sie mit?“

„Sicher nehm´ ich die mit.“ bestätigte Frauke. „Du kannst ihm sagen, er braucht kein Ladegerät kaufen. Vorausgesetzt, er hat noch denselben Walkman vom letzten Jahr. Da passte der Stecker.“

„Ja, der geht immer noch.“ grinste Sabrina. „Ich werd´s ihm sagen.“

„War sonst noch irgendwas?“ erkundigte sich Frauke.

„Nein, das war alles.“ sagte das Mädchen.

„Ach übrigens, woher weißt du meine Adresse?“ wollte Frauke wissen.

„Von Wolfi.“ sagte Sabrina.

„Und warum kommt er nicht selbst?“

„Er hat doch heute seinen Mathekursus und kommt erst um 5 Uhr aus der Schule.“

erklärte Sabrina. „Aber ich lauf gleich hin und sag es ihm. Er wollte nach der Schule das Ladegerät kaufen. Bis übermorgen. Tschüss.“

Und schon war sie weg. Etwa 10 Minuten später kam sie an der Schule an, in der ihr Bruder seinen Mathekursus hatte. Geduldig wartete sie auf Schulschluss, dann hörte sie den Gong schlagen. Viele Kinder stürmten aus dem Schulhaus und mittendrin war Wolfi. Der entdeckte seine Schwester sofort und lief auf sie zu.

„Alles paletti.“ rief sie ihm zu, noch bevor er sie erreicht hatte. „Frauke nimmt ihre Solarplatte mit und fährt morgen schon nach Hamburg zum Professor.“

„Du bist echt klasse.“ lobte ihr jüngerer Bruder. „Dann kann ich mir ja das Geld sparen.“

„Du wirst es für Eis verprassen, meinst du.“ lachte seine Schwester. „Na komm, gehen wir packen.“

Im Gegensatz zu Jan und Frauke war das Verhältnis zwischen Wolfi und Sabrina sehr innig. Das war schon immer so. Als Wolfi noch ein Baby war, fungierte seine Schwester als seine Beschützerin. Das hatte sich inzwischen geändert. Der selbstbewusste Junge ging jeden Dienstag zu seinem Karatekurs in der Absicht, seine Schwester zu beschützen, denn sie war jetzt 14 Jahre alt und in einem Alter, an dem sie von Jungs angemacht wurde. Zwei Fälle waren inzwischen passiert.

Vor zwei Wochen passierte der erste Fall. Die Schule war gerade zu Ende und Wolfi marschierte in Richtung Heimat. Bis er sich erinnerte, dass Sabrina nicht aufgetaucht war. Also beschloss er, zur Schule zurückzukehren.

Er war noch nicht weit gekommen, als er Stimmen hörte. Als er die Eingangstür der Schule öffnete, vernahm er sofort die Stimme seiner Schwester:

„Lasst mich sofort los!“

Wolfi ahnte, dass sie in Gefahr war. So lief er wieder hinaus zu einem Baum und brach dort einen Ast ab. Damit bewaffnet rannte er zum Schulgebäude zurück.

Er hatte Recht mit seiner Vermutung. Vier Jungen hielten seine Schwester in Schach. Ohne zu zögern rannte er auf sie zu und verprügelte sie, bis alle bewusstlos am Boden lagen.

„Komm, wir müssen weg hier.“ raunte er ihr zu. Schon liefen die Geschwister aus der Schule in Richtung Heimat. Zuhause angekommen, die Eltern waren noch nicht da, ging Sabrina in ihr Zimmer und zitterte immer noch vor Angst. Wolfi war ihr gefolgt und nahm sie in seine Arme.

„Ist ja gut.“ sagte er leise. „Jetzt ist alles wieder vorbei und keiner wird dir weh tun.“

Sabrina sah ihren Bruder dankbar an.

„Es ist das Beste, wenn wir Papa und Mama nichts sagen.“ meinte er. „Nicht, dass sie auf falsche Gedanken kommen.“

„Aber sie werden es erfahren von diesen Jungs.“ entgegnete sie. „Was machen wir dann?“

„Es wird schon nicht so weit kommen.“ sagte er. „Die werden die Fresse schon halten, wenn herauskommt, dass sie dir wehtun wollten.“

„Hoffentlich hast du recht.“ meinte sie. „Aber ich habe Angst, dass sie es noch einmal versuchen.“

Die probieren es sicher nicht nochmal.“ beruhige er seine Schwester. „Ich werde den Stock immer zur Schule mitnehmen.“

„Aber ich glaube, sowas darf man nicht mit in die Schule nehmen.“ vermutete seine Schwester.

„Ich werde mit der Lehrerin reden.“ sagte er. „Dann werden wir sehen.“

Schon am nächsten Tag, schneller als Wolfi es befürchtet hatte, geriet Sabrina nochmals in die Fänge der Jungs, doch diesmal hatte er vorgesorgt. Er hatte nämlich vor Unterrichtsbeginn den Rektor verständigt, der kurzerhand den Sicherheitsdienst beauftragt hatte.

Um 13 Uhr war Schulschluss für die Klasse von Sabrina. Wolfi, der, bewaffnet mit seinem Ast, eine Stunde früher Schluss hatte, wartete im Foyer auf seine Schwester, doch die kam nicht. Sofort lief er zum Rektor, wo bereits der Sicherheitsdienst in Gestalt von zwei kräftigen Männern auf ihn wartete.

„Da stimmt was nicht!“ rief Wolfi. „Sie hätte längst da sein müssen!“

„Am besten ist es, wir gehen hin.“ meinte der eine Beamte. Zu viert verließen sie den Raum und gingen geradewegs in Richtung der Klasse, in der Sabrina war. Wolfi wusste ja, wo seine Schwester war.

Sie waren noch nicht weit gekommen, da hörten sie schon dumpfe Schreie. Allen Anschein nach kamen sie von der Schultoilette, die außerhalb in der Halle war. Die Beamten zögerten keine Sekunde.

„Du bleibst hier!“ sagte der andere Mann.

Die Schreie, die offensichtlich von Sabrina stammten, wurden lauter. Schon erscholl die Stimme eines Beamten:

„Aufhören!“

Im nächsten Moment lief einer aus der Toilette, offensichtlich in der Absicht zu fliehen. Doch er hatte nicht mit Wolfi gerechnet. Mit der ganzen Kraft seines Körpers schwang Sabrina´s Bruder den Ast und schlug dem Jungen so heftig in den Magen, dass dieser bewusstlos zusammenbrach. Es dauerte nur 2 Sekunden, als ein Sicherheitsbeamter aus der Toilette stürmte. Als er den Jungen am Boden liegen sah und Wolfi neben ihm stand, bekam er große Augen.

„Holen Sie die Müllabfuhr.“ befahl Wolfi.

Jetzt musste der Mann lachen, dann ging er zu seinem Kollegen. Bald darauf erschienen beide mit drei Jungs im Schlepptau. Wolfi erkannte sie sofort: es waren jene Jungen von gestern.

„Gratulation.“ sagte der erste Beamte. „Hinter der Bande sind wir schon lange her.“

Schon wurden die jugendlichen Gangster abgeführt. Wolfi wollte gerade zur Toilette gehen, als die Tür langsam aufging. Sabrina guckte heraus.

„Keine Angst, die sind schon weg.“ grinste ihr Bruder. „Die Polizei hat sie schon abgeführt.

Jetzt waren sie unterwegs nach Hause. Dort angekommen verschwand jeder in sein Zimmer. Sabrina holte einen Koffer aus dem großen Kleiderschrank hervor. Doch kaum hatte sie angefangen, zu packen, klopfte es an ihrer Zimmertür. Wolfi stand da.

„Nanu,“ wunderte sie sich, als sie ihren Bruder sah. „Warum denn so förmlich?“

Zunächst druckste er herum, dann gestand er:

„Ach weißt du, ich habe mich an die Sache von vor zwei Wochen erinnert. Denkst du auch daran?“

„Aber es ist doch nichts passiert.“ beruhigte sie ihn. „Du hast sie ja gehauen und beim zweiten Mal waren doch diese Beamten dabei.“

„Trotzdem habe ich Angst um dich.“ sagte er.

„Wieso denn das?“ wollte seine Schwester wissen.

„Naja,“ begann Wolfi. „Die haben doch die vier wieder laufen lassen, weil sie noch keine 16 sind. Man kann sie nicht wegsperren.“

„Aber die haben doch nichts mehr gemacht.“ erinnerte sie ihn.

„Das ist es ja, was mir Angst macht.“ erwiderte er. „Die hecken sicher einen Plan aus und schlagen morgen zu. Wahrscheinlich haben sie richtige Schläger um sich gescharrt und dann tun sie dir weh. Dann kann ich dir auch nicht mehr helfen. Übrigens muss ich noch daran denken, dass ich noch mit Frauke reden muss morgen.“

„Du kannst doch heute zu ihr.“ schlug Sabrina vor.

„Nein, ich sage es ihr morgen.“ entgegnete ihr Bruder.

Am nächsten Tag, der bewusste Freitag, ging Wolfi vor der Schule auf Frauke zu.

„Danke, dass du mit meiner Schwester gestern gesprochen hast.“ sagte er. „Ich hätte mir sonst ein neues Ladegerät kaufen müssen und die kosten mindestens 20 €uro.“

„Na siehst du.“ erwiderte Frauke. „So wäscht eine Hand die andere. Hast du noch denselben Walkman wie letztes Jahr?“

„Ja, es ist noch der.“ bestätigte der Junge. „Dein Stecker passt also. Ist schon eine tolle Idee, Musik auf Solarplatte zu hören, da geht der Strom nicht aus.“

„Aber wenn keine Sonne scheint, geht er nicht.“ meinte Frauke.

„Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen?“ fragte er.

„Letztes Jahr hatten wir doch im Physikunterricht die Solarzellen durchgenommen.“ erklärte sie. „Das hat mich inspiriert. Also habe ich meinen Papa bequatscht, dass er mir die Ausrüstung kauft, damit ich von Batterien und Akkus unabhängig bin. Solang die Sonne scheint, habe ich Strom und brauche nicht zu befürchten, dass mir der Saft ausgeht.“

„Echt toll.“ meinte Wolfi. „Vielleicht baue ich mir auch so ein Teil.“

„Das dürfte fast zu spät sein.“ meinte Frauke. „Jetzt haben wir gleich Ferien. Aber wenn wir von Hamburg zurück sind, kann ich dir beim Bauen helfen. Ich weiß ja, wie es geht. Aber ich freu´ mich, dass du auch da bist.“

Den restlichen Vormittag verbrachte Frauke meist damit, indem sie überall herumerzählte, dass sie den berühmten Walforscher und Moni Dick an der Küste von Hamburg wiedersehen sollte. Sie brauchte nur im Pausenhof zu erscheinen, schon ging es los.

„Stellt euch vor.“ begann Frauke im Kreis ihrer Freundinnen. „Wir dürfen heute nach Hamburg fahren und Moni Dick und den Professor sehen. Wir dürfen Moni Dick auch von innen anschauen. Außerdem hat sie ihr Junges gekriegt. Das wird toll.“

„Super.“ sagte eine. „Da wäre ich auch gerne dabei.“

„Und vielleicht dürfen wir auch auf ihr reiten.“ setzte Frauke fort. „Das hat der Professor jedenfalls gesagt.“

„Du bist echt zu beneiden, Frauke.“ sagte eine andere. „Ich würde auch gerne mitfahren, aber wir fahren woandershin.“

„Wie habt ihr eigentlich den Professor und den Wal kennen gelernt?“ fragte ein Mädchen.

„Das war so:" begann Frauke mit ihrer Schilderung. „Vor einem Jahr haben wir dort an der Hamburger Hafenküste Urlaub gemacht. Und dann…“

Die Familie sonnte sich gerade am Strand, als der Vater sagte:

„Ich gehe mit meiner Kamera tauchen. Vielleicht kann ich ein paar Bilder machen.“

„Tschüss Papa.“ rief Jan. „Wir gehen auch ins Wasser.“

Schon sprangen die Kinder in die Fluten, nur Mutter Martina blieb zurück. Sie passte auf die Sachen auf. Frauke hatte ihre selbstgebastelte Solarplatte dabei, mit der sie ihren CD-Walkman antrieb. Das Wetter hatte hervorragend mitgespielt. Nur einmal in der Urlaubswoche hatte es kurz geregnet.

Jetzt war der Vater hinter der Küste. Da er ein sehr guter Schwimmer war, hatte er keine Probleme. Jetzt zückte er seine unterwassertaugliche Kamera und machte ein paar Bilder. Einige schienen interessant zu sein, doch es war kein besonderes Bild dabei. Er machte Schluss und ging wieder zum Strand zurück.

„Wie war´s denn, Schatz.“ fragte seine Frau.

„Nichts Besonderes.“ kam es von ihrem Mann zurück. „Ich möchte aber gute Bilder machen. Aber wo kriege ich die her?“

Die Kinder tollten noch im Wasser. Sie spielten gerade mit anderen Kindern, die sie vorher kennen gelernt hatten.

„Am besten gehen wir an der Theke noch etwas essen.“ schlug Martina vor. „Vielleich hast du am Nachmittag Glück.“

„Schön wär´s!“ kam es von ihrem Mann zurück. An das Wasser gewandt rief er:

„Kommt Kinder! Jetzt wird gegessen.“

„Och, nicht jetzt, Papa!“ maulte Jan zurück.

„Ihr könnt nachher weiterspielen.“ gebot der Vater. „Jetzt gehen wir essen.“

Etwas widerwillig gingen die Kinder aus dem Wasser und steuerten auf den Platz zu.

„Musst du uns gerade jetzt unterbrechen, wo wir gerade so schön gespielt haben?“ fragte Jan.

„Es war wirklich schön, mit den anderen zu spielen.“ ergänzte Frauke. „Außerdem können wir nicht einfach alles hier liegen lassen. Denk doch an meine Solarplatte. Die hat viel Geld gekostet und auch viel Arbeit gemacht. Die kann ich nicht so einfach stehen lassen.“

„Dann nimm sie einfach mit.“ sagte der Vater. „Die Decke kann ja hierbleiben. Die würde uns nur stören.“

Bald darauf saß die Familie am Strandcafé, das sich genau in Blickrichtung zur Decke befand. Die Geschwister schlangen ihr Eis mit einem Satz herunter. An diesem Tag war es zwar sehr heiß, aber das Meerwasser kühlte die Luft ab. Dadurch war es gleichzeitig heiß und kühl. Mitten im Essen wirkte Joachim Hansen nachdenklich und schaute auf das Meer hinaus.

„Studierst du das Wasser?“ fragte ihn seine Frau.

„Ich überlege.“ kam es vom Mann zurück.

„Und was?“ wollte Frauke wissen.

„Wie ich noch bessere Bilder machen könnte.“ sagte ihr Vater. „Es müssen tolle Bilder werden, die ich verkaufen könnte.“

„Könnte…könnte.“ maulte Jan. „Mach lieber solche Fotos, statt zu grübeln.“

„Und wo, gedenken der junge Herr, soll ich solche Bilder machen?“ fragte Herr Hansen. „Einmalige Gelegenheiten kommen nie, wenn man will, sondern nur, wenn sie auch wirklich kommen. Deswegen habe ich auch meine Taucherausrüstung dabei. Vielleicht machte ich unter Wasser ein paar gute Aufnahmen.“

„Und wann kommt für dich so ein Bild?“ erkundigte sich Frauke.

„Wenn es kommt.“ gab der Vater zur Antwort. „Vielleicht heute, vielleicht nächstes Jahr…“ er unterbrach sich. Es war natürlich nicht leicht, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Dennoch hoffe auch er, heute einen Schnappschuss zu bekommen.

Bald darauf war die Familie wieder an ihrer Decke angekommen. Frauke hörte wieder ihren Walkman, den sie mit ihrer Solarplatte antrieb, als plötzlich ein Junge etwa ihres Alters auftauchte. Es war ihr Mitschüler.

„Hallo, Wolfi.“ sagte sie erstaunt. „Auch da, oder?“

„Ne.“ lachte der Junge. „Ich bin der Geist aus Hamlet. Aber Scherz beiseite, wir sind auch heute angekommen. Hast du mich vorhin nicht gesehen?“

„N…ne, eigentlich nicht.“ stotterte Frauke. „Aber schön, dass du da bist.“

Schon verdrehte Jan die Augen. Er ahnte, dass seine Schwester mehr Zeit mit diesem Wolfi verbringen würde. Er hatte neulich beobachtet, wie Frauke mit dem fremden Jungen in der Nachbarschaft gesprochen hatte.

„Muss der unbedingt hier auftauchen?“ maulte Jan.

„Sag mal, kannst du denn mit nichts zufrieden sein?“ fragte seine Schwester. „Dauernd musst du meckern.“

„Was will der hier?“ fragte Jan.

„Er macht Ferien, wie wir.“ erklärte Frauke.

„Der hat uns ja gerade noch gefehlt.“ gab ihr Bruder zurück.

„Jetzt hör endlich auf mit deiner Unkerei.“ schimpfte Frauke. „Ich werde nicht die ganze Zeit mit ihm zusammen sein.“

„Das werden wir ja sehen.“ sagte Jan.

An Wolfi gewandt, fragte Frauke:

„Warum hast du eigentlich deinen Walkman dabei?“

„Meine Akkus sind leer.“ erklärte der Mitschüler. „Ich wollte dich fragen, ob ich den Kasten bei dir aufladen könnte. Du hast doch deine Solarplatte dabei, wie ich sehe.“

„Aber sicher.“ entgegnete Frauke. „Und den richtigen Stecker dazu habe ich auch. Gib her.“

Schon kramte sie an ihrer Steckerleiste und probierte einige aus. Beim vierten Stecker klappte es. Sie hängte das zweite Kabel dran, das 5 Meter lang war, und schon konnte man am Display des Walkmans den Ladezustand sehen.

„Es geht.“ stellte Frauke fest. „Bald werden deine Akkus voll sein, denn das ist ein Schnellladeverfahren. Inzwischen kannst du ja mit uns spielen.“

„Ich hab´s ja geahnt.“ stöhnte Jan, der neben ihr lag.

Gesagt getan. Schon waren die Kinder wieder im Wasser. Auch andere Kinder gesellten sich dazu, nachdem Frauke sie dazu aufgefordert hatte. Inzwischen waren es neun Kinder, die zusammen mit dem Wasserball spielten.

Eine Stunde waren sie jetzt im Wasser, als der Vater beschloss, noch einmal zu tauchen. Er konnte nicht ahnen, dass er diesmal sensationelle Fotos machen sollte.

Weit war er noch nicht getaucht, als er plötzlich einen riesigen Blauwal in einem Netz gefangen sah. Vor dem Netz hantierte ein Mann, der etwa 40 Jahre alt sein mochte. Er versuchte mit einem Buschmesser, das Netz durchzuschneiden, als er Herrn Hansen entdeckte. Er gab ihm ein Zeichen zum Auftauchen. Offenbar hatte er dessen Kamera gesehen, denn das Wasser war sehr sauber.

Hansen tauchte nach oben, der fremde Mann folgte ihm.

„Wenn Sie Fotos machen wollen, dann tun Sie es jetzt!“ rief er.

„Wer sind Sie?“ fragte Herr Hansen.

„Später.“ antwortete der Unbekannte. „Ich muss sie befreien, bevor sie ertrinkt!“

Schon tauchten beide wieder unter. Während der fremde Mann das Netz zerschnitt, machte Herr Hansen ein Bild nach dem anderen. Die Mittagssonne war so kräftig, dass sie genügend Licht lieferte. Der Kartenspeicher war riesig. Herr Hansen konnte mehr als 10.000 Bilder machen. Er knipste ununterbrochen, während der fremde Mann das Fangnetz zerschnitt. Es war Eile geboten, denn der Blauwal war ein Säugetier und brauchte Luft zum Atmen.

Doch dann hatte der Fremde es geschafft und der Blauwal konnte der Falle entkommen. Während Herr Hansen und der fremde Mann sich mühevoll nach oben kämpften, schoss der Blauwal aus dem Gefängnis und sauste hinauf. Mit einer riesigen Fontäne blies er und blieb plötzlich unbeweglich an der Wasseroberfläche liegen.

Herr Hansen schwamm zu dem fremden Mann hinüber, der, ohne Taucherausrüstung, fast bewusstlos auf dem Wasser trieb. Sofort packte er den Unbekannten und zog ihn an Land.

Inzwischen hatte auch seine Familie bemerkt, was vorgefallen war. Alle waren an die Stelle gelaufen, an der Herr Hansen den Mann emporgezogen hatte. Wiederbelebungsversuche waren überflüssig, denn der Mann atmete noch und spukte Wasser. Die Kinder standen zunächst stumm da.

Plötzlich richtete sich der Fremde auf.

„Wo ist sie?“ fragte er hustend.

„Wer?“ wollte Herr Hansen wissen.

„Die Blauwaldame eben.“ ergänzte der Unbekannte.

„Die ist da drüben.“ erklärte Herr Hansen.

Der Fremde schaute in die dementsprechende Richtung und sagte:

„Ich bin gleich wieder da.“ Schon sprang er auf und lief in Richtung des Blauwals. Völlig verwundert schauten ihm alle nach.

„Papa, wer ist das?“ fragte Jan.

„Keine Ahnung.“ antwortete der Vater. „Er hat gerade einen Blauwal befreit und muss wohl zu viel Wasser geschluckt haben. Aber jetzt scheint es ihm besser zu gehen.“

"Mann, ist der Wal riesig." staunte Jan.

"Ist ja auch ein Blauwal." erklärte sein Vater.

Jetzt konnte die Familie beobachten, wie der fremde Mann sich an den WA l drängte. Dabei gab er merkwürdige Laute von sich.

„Was macht er denn da?“ fragte Frau Hansen.

„Das gibt´s doch nicht.“ entfuhr es ihrem Mann. „Er spricht mit dem Wal.“

„Ich denke, das kann kein Mensch.“ meinte Frauke.

„Es gibt Menschen, die die besondere Gabe haben, mit Tieren zu sprechen.“ erklärte der Vater. „Kennt ihr den Film `Der Pferdeflüsterer´? Das ist kein Witz. Sowas gibt es wirklich.“

„Ich weiß von einem Russen namens Juri, der mit Katzen spricht.“ sagte seine Frau. „Der tritt immer im Zirkus und so auf. Aber dass einer mit Walen sprechen kann, ist mir neu.“

„Aber es ist, wie gesagt, eine besondere Gabe, die nur wenige Menschen besitzen.“ erklärte ihr Mann.

„So ungefähr wie Dr. Dolittle?“ fragte Jan.

„Nein, das ist maßlos übertrieben.“ sagte sein Vater. „Man kann, wenn überhaupt, nur eine Tierart verstehen. Aber das ist keine Unterhaltung, wie wir sie kennen. Dazu braucht man viel Empathie.“

„Er hat aufgehört.“ stellte Frauke fest.

Und wirklich. Schon kam der fremde Mann zurück und sagte:

„Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Der Wal ist wohlauf und ich auch.“

„Wer sind Sie denn eigentlich?“ fragte Herr Hansen.

„Erkläre ich Ihnen alles nachher.“ kam es von dem Fremden zurück. „Erst muss ich bei ihr einen Sender installieren.“